Indiana Tribüne, Volume 27, Number 231, Indianapolis, Marion County, 20 May 1904 — Page 3

Jndiana Tribüne, 2. Mai 190.

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Zu Port Arthur's Rettung

Rucken 70,000 Russen

derlagen der beiderseitigen Truppen.

2,000 Russen sollen gefallen sein.

Knegsschlffen. Mmen die Ursache des Unfalls. Japanischer Vormarsch verzögert. Amerikanischer Bürger in Marocco entführt.

Ostasien. Russisches Entsatz-Heer. L o n d s n, 20. Mai. A. S. Haies, der Correspondent der Daily News", depeschirt unter 19. aus Tientsin: Wie gemeldet wird, m a r s ch i r e n 70,000 Russen zum Entsatze von Port A r t h u r und die Japaner beschleunigen demgemäß ihre Angriffs-Operationen. 45.000 Truppen sind bereits in Kin Chau und Talienwan gelandet, Port Arthur völlig einschließend. Die vorgeschobenen Linien der Japaner befinden sich 7 Meilen von den russischen Batterien. Der Bahn entlang kommt es täglich zu Scharmützeln. Die Mandschurei Bahn südlich von Harbin wird beständig von chinesischen Marodeuren zerstört und die Russen drohen mit Repressalien. Angebliche japanische Niederlage. New C hw ang, 19. Mai. Aus zuverlässiger Quelle verlautet, die javanische Armee vom Yalu-Flusse habe einen schweren Schlag erhalten und sei nach Feng Wang Cheng zu rückgeworfen worden. Die Russen haben ungeheure Schwierigkeiten auf der ganzen Linie zu überwinden. Ihre Leute halten sich indessen vorzüglich. Angeblicher Kampf bei Hien Yen Chang. London. 20. Mai. Nach dem Standard fand am Montag bei Hien Yen Cheng ein Kampf statt, bei dem 2000 Russen fielen oder verwundet wurden. Die Russen zogen sich zurück und die Japaner besetzten Kaiping und Hai Chan. Nach den Morgenblättern sank das japan. Schlachtschiff Shikishima", während Fuji" und Asama" schwer 'beschädigt wurden. Paris. 20. Mai. Der russische Kreuzer Bogatyn" stieß an der Einfahrt nach Vladivostock auf die Felsen. Die Mannschaft ist gerettet; Lage des Schiffes kritisch. Drei Kriegsschiffe derl o r e n. Tokio, 19. Mai. Vice-Admiral Togo meldet: Nach einem Berichte des Contre - Admirals Dewa stießen die Kreuzer Kasuga" und Yoshino" während eines Nebels am 15. vor Port Arthur zusammen. Der Voshino" sank, nur 90 von ihrer Bemannung wurden gerettet. Am gleichen Tage stieß Schlachtschiff Hatsuse" auf eine russische Mine und sank. Das Schlachtschiff deckte zur Zeit des Unfalles die Landung der Truppen, als eS eine Mine, zehn Knoten füdöstlich vom Hafen, berührte. Es fignalisirte um Hilfe und stieß dann sofort auf eine andere Mine. Das Schiff sank in einer halben Stunde. Torpedoboote retteten 300 von der Bemannung. Yoshino" war ein Kreuzer von 4180 Tonnen Gehalt und 15,000 Pferdekräften, 350 Fuß lang, in England gekauft und 1892 getauft. Sas Schiff hatte 5 Torpedoröhren, die Schnelligkeit war auf 23 Knoten geschätzt, Bemannung 300. Kasuga" war ein Kreuzer von 5416 Tonnen, und von Argentinien gekauft. Hatsuse", ein Schlachtschiff von 15,000 Tonnen Gehalt nach dem neuesten Modell, wurde in England gebaut und erst 1900 fertig. Das Schiff war völlig mit Stahl gepanzert, hatte vier Torpedoröhren. Schnelligkeit 19.11 Knoten, Bemannung 743. St. Petersburg, 20. Mai, Der Verlust von mindestens 2 japan. Krie.yLfchiffen ist amtlich bestätigt. Eine Tauben-Botschaft aus Mulden wurde dem Kaiser gestern übergeben, welche den Verlust der japan. Schiffe mittheilt. Zugleich fand ein SeeGefecht statt. Washington, 19. Mai. Nach, richten von der japanischen Gesandt schaft bestätigen die Zerstörung des Kreuzers .Yoskonie" und des Schlachtschiffes Hatsufe". Nachdem letzteres auf eme russische

heran. Angebliche Nie-

Verlust von mindestens 2 japanischen mechanische Mine gestoßen war, erschien eine russische Flotille von 16 Torpedo Booten und Zerstörern, wurde aber durch die javanischen Kreuzer zurückge, schlagen, welche 300 von der Beman nung des Schlachtschiffes, darunter Admiral Mashibo und Capitän Makao retteten. Der angebliche Verlust anderer Schiffe. Ehe F o o , 19. Mai. Ankömm linge von Dalny meldeten dem rufst schen Consul, daß das Schlachtschiff Shikshima" in zwei Minuten nach Berührung mit einer Mine sank und die Mannschaft nicht gerettet werden konnte. Der Unfall ereignete sich in Sehweite von Port Arthur. Das Schlachtschiff Fuji", nicht der Kreuzer Asama", das gleichfalls auf eine Mine stieß, wurde im Schlepptau anderer Kriegsschiffe fortgeführt. Korea annullirt die ruf sischenVerträge. Washington, 19. Mai. Wie Gesandter Allen heute dem StaatsDepartement aus Söul depeschirt, annullirt die koreanische Regiernng durch ein gestriges Dekret alle Verträge mit der russischen Regierung. Auch die Aalu-Jluß-Concesstonen find hier ein begriffen. P a r i s, 19. Mai. Nach einer arni lichen Depesche aus Söul nimmt der koreanische Haß gegen Japan ernste Ausdehnung an. Sie schädigen die Japaner heimlich, indem sie den Cossa-ken-Abtheilungen, die in Nordost-Ko-rea bis Gensan operiren, Beistand leisten. Die Japaner bei New C h w a n g. New Chw ang. 19. Mai. Ein hier um Mitternacht angelangter Curier meldet, daß die japanische Flotte am Montag von Tower Hill 10 Meilen nördlich von Kai Chau gesichtet wurde. Die Beschießung erstreckte sich auf eine Entfernung von 25 Meilen. Nur die Marine-Truppen wurden, wie es heißt, gelandet. Die Japaner marschirten verschiedene Meilen landeinwärts, zerstörten vier Meilen die Bahn und anderes Eigenthum. fingen einen russischen Commis sariat-Zug und kehrten mit Wagen, Thieren und eingeborenen Treibern zurück. Die Japaner schifften sich dann wieder ein, südlich fahrend. Gestern kam ein russisches Jnfanterie-Regiment zurück und heute wird Artillerie erwartet. Die Russen scheinen entmuthiat und nicht im Stande, weitreichende Pläne zu fassen. Die Clnnesen benützen die russische Flagge nicht mehr; Banditen fangen reiche Chinesen ab, sie bis zur Bezahlung von Lösegeld festhaltend. New Chmang ist mit bewaffneten Banditen angefüllt. Verzögerung des japan ischen Vormarsches. Mulden, 19. Mai. Die gegen. wärtig eingetretene Verzögerung des japanischen Vormarsches, besonders vom Süden her, kündigt an, daß sich der Feind aus der während der Scharmützel, die anscheinend am 17. endeten, gewonnenen Stellung vorläufig wieder zurückzieht. W e i H a i W e i , 29. Mai. Die britische Schaluppe Espiegles ist nach New Chmang abgefahren. Port Arthur nicht blockirt. St. Petersburg, 19. Mai. Die Admiralität behauptet, der Canal von Port Arthur fei niemals durch japanische Brander blockirt gewesen und auch für die schweren russischen Schiffe bestehe ferner Durchgang. Skrydloff nach Mukden. Miandonna (eine Station der Mandschurei-Bahn), 19. Mai. ViceAdmiral Skrydloff reifte heute nach Mukden ab. Das in Vladivostock Herrschende neblige Wetter erleichtert die Operationen der Torpedoboote und dürfte die Japaner hinsichtlich des Aufenthalts in den benachbarten Gewässern zur Vorficht veranlassen.

Drohung wirkt.

Curie sucht Abberufung des sranz o sisiSen BotsSalterS zu hmdern. Rom, 19. Mai. Der Osservatote Romans", das vatikanische Organ, bringt eine amtliche Erklärung, offenbar um die Abberufung des französischen Botschafters beim Vatikan, des Herrn Nisard, zu verhindern. Das Blatt führt aus. der Papst habe sich bei Präsident Loubet's Besuch in der gleichen Lage befunden, wie Herr Loubet, falls ein auswärtiger Fürst den Kaiser Wilhelm in Elsaß Lothringen besuchen würde, um Frankreich zu beleidigen. Rom, 19. Mai. Nach der Tribuna wird der spanische Botschafter bei Jtalien, Dupuy de Lome, zurückgerufen. weil er Rom unter dem Vorwande eines Unwohlseins verließ, um nicht beim Besuche des Präs. Loubet anwesend sein zu müssen. Verluste a m Y a l u. Tokio, 19. Mai. General Kuroki meldet, daß die japanischen Verluste in der Schlacht von Chien Tien Cheng am 1. Mai waren: Gefallen 5 Offiziere und 218 Mann, verwundet 34 Offi ziere und 783 Mann. 1363 gefallene Russen wurden bestattet, 18 Offiziere und 595 Mann gefangen. Die Japaner erbeuteten 21 Schnell feuer-Geschütze, 19 Munitions-Wagen, 1,417 Geschosse, acht Maschinen-Ge schütze mit 37,000 Geschossen. 1.021 Gewehre. 350.000 Runden Munition, 63 Pferde, 10 Wagen, 1.244 Röcke und 541 Zelte. Auch in Feng Chang Weng fielen den Japanern Vorräthe und Munition in die Hände. Die Minen vor Port Arthur. Chicago, 19. Mai. Nach einer Depesche an die Daily News aus Ehe Foo wurde heute früh das Depeschen boot des Blattes von dem japanischen Kreuzer Kasagi angehalten und unter sucht Wie die javanischen Offiziere mit theilten, entkamen 2 russische Torpedo boote aus Port Arthur. Die russischen Torpedoboote benutzen chinesische Dschunken, um Minen in den Weg der die Halbinsel-Küste abpatrouillirenden Flotte zu legen. Alle Schiffahrt in jenen Gewässern ist unterbrochen und die japanische Flottehält sich mehr entfernt von der Küste auf. Außerhalb Port Arthur's wurden viele Minen gelegt, um die russischen Torpedoboote bei ihrer Rückkehr abzufangen. Viele dieser Minen sind nicht richtig verankert und schwimmen umher. K a i s e r . R e i s e. P o l t a w a. Rußland, 19. Mai. Der Kaiser empfing heute während seineS Besuchs eine jüdische Deputation, die ihm die Treue der Juden versicherte. In Kremenchung hielt der Kaiser an die auf den Kriegsschauplatz abgehenden Truppen eine Ansprache. St. Petersburg, 19. Mai. Die Stadt prangte heute zur Feier des Geburtstages des Kaisers Nicolaus (1863 geboren) im Festschmuck. Anläßlich des Tages erschienen im Regierungsboten viele Beförderungen und Ordens-Verleihungen. Marocco. Amer. Bürger entführt. Tanger, 19. Mai. Ein amerik. Bürger Namens Perdicaris und sein Stiefsohn, ein britischer Unterthan, wurden gestern Nacht von dem bekannten Bunditen Raisuly entführt und werden zweifellos für ein schweres Lösegeld festgehalten. Die Entführung erfolgte aus dem Sommerhause von Perdicaris, der griechischer Abstammung, aber naturalistrter amerikan. Bürger und sehr reich ist. Er heirathete eine Engländerin. Washington. 19. Mai.' Das Staats-Departement erhielt heute vom Consul Gummere in Tanger, eine Depesche mit Schilderung des Vorfalls. Raisuly ist der gleiche Bandit, der im letzten Jahre Herrn Harris entführte. Der Consul und der britische Gesandte haben bereits am Hofe des Sultans die Forderung stellen lassen, die Bedingungen der Banditen zu gewähren, um den Gefangenen ihre Freilassung zu verschaffen. Auch ein britisches Kriegsschiff wird eiligst nach dem Schauplatze entsandt. Washington, 19. Mai. Admiral Chadwick ist angewiesen, nach der Ankunft auf den canarifchen Inseln ein Kriegsschiff nach Tanger zu senden.

Jntereffantes Werk. Die neue Oper Roland von Berlin" zur Aufführung fertig.

Berlin, 19. Mai. Leon Cavallo traf heute mit dem Manuskript der Oper Roland von Berlin", zu deren Composition ihn der Kaiser vor einigen Jahren beauftragt, hier ein. Der Vorwurf des Werkes ist ein Streit zwischen einem Bürgermeister von Berlin und einem Markgrafen von Brandenburg, wobei das städtische Oberhaupt zur Unterwerfung gezwungen wurde. Der Componift brachte von Mailand eine künstlich ausgeführte Abschrift für den Kaiser mit u. wird bald in Audienz empfangen. Die erste Vorstellung findet im Herbst im Opernhause statt. Frankreich. DerpäpftlicheProteft. Paris, 19. Mai. Der Ministerrath versammelte sich heute in außerordentlicher Sitzung, um über das Vorgehen bezüglich des Protestes gegen den Rom-Besuch des Präsidenten Loubet zu berathen. Wie vertautet, beschloß der Ministerrath die Abberufung des französischen Botschafters beim Vatikan, falls die Authencität des den auswärtigen Mächten übermittelten Protestes festgestellt werden kann. Da über den Protest kein Zweifel herrscht, so scheint die Abberufung sicher, was eine Unterbrechung der diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und der Curie bedeutet. Niederlage für Combes. Paris, 19. Mai. Die parlamentarische Budget-Commisfion wurde heute gewählt. Sie enthält eine AntiCombeS Majorität und es dürfte darum wieder die Besprechung vom Rücktritt deS Minister - Präsidenten aufleben. Vorsitzender der Commission ist Herr Doumer, Hauptgegger von Combes und als dessen Nachfolger im Falle des Rücktrittes geltend. Rußland. Handels-Vertrag mit Deutschland. M o sk a u, 19. Mai. Wie verlauter, nähern sich die russisch-deutschen Handels-Vertrags-Verhandlungen ih rem Abschlüsse. Rußland nimmt die Minimum-Scala der von Deutschland vorgeschlagenen Getreidezölle an. Belgorod, Rußland, 19. Mai. Kaiser Nicolaus kam heute auf dem Weg nach Kursk hier durch. San Domingo. Regierungstruppen ge schlagen. T u r k s Island. BahamaJnfeln, 19. Mai. Nachrichten aus San Domingo melden einen schweren Kampf am 14. Mai bei Navareto. Die Regierungstruppen wurden ge schlagen und verloren 54 Todte und 67 Verwundete. Japanische Sprichwörter. Die Denkweise der Japaner äußert sich in hervorragender Weise in ihren Spnchwortern, deren sie viele eigene haben neben zahlreichen, die aus dem Chinesischen entlehnt sind. Aus einer Sammlung möge hier eme Auswahl folgen: Offene Lippen, kalte Zähne. Em häßliches Weib scheut den Spiegel. Das Leben ist ein Licht vor dem Wind. Auch der Affe fällt vom Baum. Ueber sich selbst wissen die Wahrsager nichts. Siebenmal fallen, achtmal aufstehen. Ein Feuerbrand ist leicht zu entzünden. Abwesende entfernen sich täqlich mehr. Den Eibisch am Weg fressen die Pferde. Armuth überholt nicht den Fleiß. Selbst ein Uebel wird in drei Iahren Bedürfniß. Dem rennenden Pferd die Peitsche. Statt zehnmal zu lesen, schreib einmal ab. Der Arzt heilt den Kranken, der nicht stirbt. Die Rechnung stimmt, aber das Geld reicht mcht. Wenn man ein Kind hat. versteht man die Güte der Eltern. Nichtwissen macht selig. Arme haben keine Zeit. Die Unterhaltunq ver Parks und öffentlichen ErholunasPlätze kostet die Stadt New York fünfmal io viel, als London für diesen Zweck ausgibt. Die Führer der Aufftändischen im Wilajet Monastir, Gruew und Genossin, die sich mit ihren Schaaren im Gebirge aufhalten, haben bekannt gegeben, daß sie das von Bulgarien mit der Türkei geschlossene Abkommen für werthlos halten und qar nicht daran denken, sich ergeben zu wollen. Die Regierung ließ den mazedonischen Flüchtlingen erklären, daß sie aufhöre, arbeitsfähigen Männern Unterstützungen zu ertheilen: die Leute sollen zu Straßenbauten an der türkischen Grenze verwendet werden.

Die MachtftcUung Rußlands und

Japans. In den vom Großen Generalstab herausgegebenen Vierteljahrshefien für Truppenführung und Heereskunde erörtert der Hauptmann Loeffler die Machtverhaltmsse der beiden kriegfuhrenven Parteien und fuhrt dabei sol gendes aus: Der Kern der russischen Mach liegt nicht in Qstasien, sondern im europalfchen Rußland. Seine Starke ruht in dem ungeheuern Landbesitz, der ohne Unterbrechung fest zusammenhängt, und aus den sich auch imWesentlichen die Wurzeln der Wirthschaft! cyen ttran beschranken, apan isi nimmermehr in der Lage, diesen Kern der feindlichen Macht zu treffen. Selb die völlige Unterbindung des russischen Seeverkehrs, der entscheidendste Sieg über die russische Flotte, bedeutet weder augenblicklich eine fühlbare Schwächung der Kraft, noch kann er auf die Dauer ein Austrocknen ihrer Wurzeln herbeiführen. Auch ein anfanglicher Landverlust in der Manschurei träfe Rußland noch nicht ins Herz. Es würde als vorlaufig zurückgedrängter, mch als niedergeworfener Gegner in seiner ganzen Größe nur um so drohender neben Japan stehen bleiben, je weiter das Letztere zu Lande um sich griffe, Der Gedanke, die russische Macht im europäischen Rußland aussuchen zy wollen, Ware für Japan so abenteuer lich, daß er in den Bereich ernsthafter Erörterungen überhaupt nicht gezogen werden kann. Sollte er je auftauchen und seine Ausführung ins Werk gesetzt werden, so braucht Rußland nur einen geringen Theil seiner Streitkräfte in Bewegung zu bringen, um den Versuch an jedem Punkte seiner europäischen Küste tm Keime zu ersticken. Truppen bleiben ihm dazu mehr als genug, denn Rußland vermag gar nicht seine volle militärische Leistungsfähigreit zu Lande in Ostasien zu entwickeln De? Ueberführung, Bewegung und Verpflegung solcher Massen würden dort unüberwindliche Schwierigkeiten entgegenstehen. Unter Berücksichtigung dieser Thatsachen darf man wohl beHäupten, daß Japan nicht in der Lage ist, dem russischen Reiche eine wirklich entscheidende Niederlage beizubringen. Nußland bleibt sichere Neutralität der Nachbarn im Westen vorausgesetzt rmmer tn der Lage, aus seiner europäischen Quelle zu schöpfen, um alle Verluste auszugleichen und neue Ver stärkungen nach Ostasien zu führen. Daran muß sich sein Gegner selbst bei ansehnlichen Anfangserfolgen nach und nach erschöpfen. Es will scheinen, als ob umgekehrt dasselbe für Rußland gegenüber Javan der Fall ist. Die Vorbedingung eines Niederwerfens von Japan ist die Vermchtung von dessen Seemacht. Die Seestreitkräfte sind nicht die starke Seite der russischen Kraft. Es ist mehr als fraglich, ob sie im Stande sein werden, zemals ein entschiedenes Uebergewicht zu erringen. Und wenn dieses Ziel, wirklich erreicht werden sollte, so ruckt durchaus m den Vereich der Möglichkeit, daß andere Gegner den zum Schlage erhobenen Arm aufhalten, um das Verschwinden Japans vom offenen Meere und einen Einbruch in Japan zu verhandern. Man kann aber sogar auch die Möglichkeit außer Betracht lassen. Mit der Vernichtung seiner , Flotte würde Japan allerdings eine arge Wunde davontragen. Bei der insularen Lage des Reiches und den Grundbedingungen seines Wirthschaftslebens könnten auf die Dauer schwere Folgen mcht ausbleiben. Japan würde im Falle der entscheidenden Niederlage seiner Seemacht vermuthlich sehr bald geneigt sein, von seinen festlandischen Absichten vorläufig zurückzutreten. Wehrlos ist es damit aber nicht. Dazu fehlt noch das Aufsuchen der Landstreitkraft im eigenen Gebiete und deren Niederwerfung als unumgänglich nothwendiger zweiter Schritt. Wer Japan kennt, wird ohne weiteres beistimmen, daß dort ein Invasionskrieg auf ganz außerordentliche Schwierigkeiten stößt. Alles in allem darf man wohl die Aussichten eines russischen Einfalls in Japan als gering ansehen. Auch Rußland wird bei der weiten Entfernung des Kernes feiner Kraft vom Schauplatz der Entscheidung und bei der Nothwendigkeit eines Seetransports, der die einzusetzenden Kräfte immer beschränkt, den Gegner schwerlich bis ins Herz zu stoßen vermögen. Vermuthlich steckt sich Rußland überhaupt nicht dieses große Ziel. An Stelle der Niederwerfung des Gegners ist ihm wahrscheinlich dessen Abwehr vom Festlande genug. Es steht daher ein bloßes Ausringen der beiderseitigen Kräfte auf dem ostasiatischen Festlande in Aussicht, eine Feststellung, wo augenblicklich die Ausdehnungsbestrebungen ihre thatsächliche Grenze erreichen. , Ueber den Wiederaufbau klalesunds wird der Äeituna Verdcns Gang" in Christiania geschrieben: Die Hoffnung, Aalesund bald in neuem Glänze ergehen zu sehen, tritt mehr und mebr zurück, ftaft scheint es. als ob der Ueberflnß an Hülfe, der ,ich dem Brandy us Aalesund einströmte, mehr zum Schaden als zum Nutzen der eigenen Thatkraft der Bewohner war. Viele alauben. dak sie iekt überHaupt nicht mehr zu arbeiten brauchen und daß sie auf einfache Weise durch Vertheilung der Gaben zu Wohlstand kommen konnten. Es verricht ein ar- : Streit über die Vertheilung der lder. so dak schließlich die Reaierung die Ordnung der Sache wird in die Hand nehmen müssen.

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