Indiana Tribüne, Volume 27, Number 230, Indianapolis, Marion County, 19 May 1904 — Page 7
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oLöene ih "n : 28sumen n u n n u u n (Fortsetzung.) .Ein schelmischer Blick flog zu dem Hauptmann hinüber und schien zu sagen: Wie witzig Ihr Freund ist! Aber zugleich: Hu, wie ist er häßlich! Obwohl auch Vincent an der heiteren Unterhaltung theilnahm, so fühlte er sich doch wie in einem schweren Traume befangen. Da saß er nun in Lem duftigen weißen Mädchenzimmer neben dem brennenden Kaminfeuer. Ohne Bedenken hatte man ihm den Eintritt in dieses Heiligthum gestattet; die Thüre, die für den Liebhaber verschlossen gewesen war, sie hatte sich in der Angst vor einer bevorstehenden traurigen Katastrophe weit vor dem zur Hilfe herbeigeeilten Unbekannten geöffnet. Und auch er, Vincent, befand er sich jetzt nicht ebenfalls hier wie' der erste beste Fremde, den der Zufall herbeigeführt? Lebhaft flackerte das Feuer auf und beleuchtete die beiden kleinen, von Mullvorhängen umgebenen im Hintergrund des großen Raumes , nebeneinanderstehenden Betten. Wie Ihre Uniform glänzt!" sagte plötzlich Estelle. Die Goldstickerei und das rothe Tuch seiner Uniform bildeten in der That in der hellen Zimmerausstattung einen strahlenden Punkt, an dem Estelles große Augen jetzt haften blieben, während sie lächelnd den Scherzreden LePages zuhörte, dem., es entschieden gelungen war. sie in heitere Stimmung zu versetzen. Sie kommen doch wieder?" fragte sie, als sich die beiden Herren erhoben. So ganz aber mußte der Arzt ihre Gunst doch wohl noch nicht errungen haben, denn sie reichte beim Abschied nur Vincent die kleine, fieberische Hand. . Nun, wie findest Du sie?" fragte dieser seinen Freund, sobald sie den . angstvolleT:, verwirrten Fragen , Frau Lancelots entronnen waren und sich auf den Weg nach ihrem verspäteten Abendessen machten. Ob diese hinausgeschobene Mahlzeit wohl schuld an Lepages plötzlichem Stimmungsumschlag war? Was soll man da sagen," antwortete er, die Achseln zuckend. Ich durfte sie ja nicht untersuchen. Uebrigens könnte ich wohl nicht mehr viel helfen, denn sie scheint mir im höchsten Grade schwindsüchtig ' zu sein, abgesehen von einem gründlichen Nervenleiden, das ihre Kräfte vorschnell verzehrt." Er hielt inne und fügte nur noch mürrisch hinzu: ,',Man erstickte fast vor Hitze in dem Zimmer." ... Draußen war die Luft rein. Weich wie im Sommer senkte sich die Nacht hernieder. Nachdem die beiden Freunde dann den Abend im Kasino mit Vincents Kameraden verbracht hatten und in seine Wohnung in der Alten Traubenstraße zurückgekehrt waren, rauchte Lepage, sich zu seinem Lieblingsfenster hinauslehnend, noch eine Pfeife. Wie behaglich es hier ist!" wiederholte er. Kein Rennen und Jagen und vor allem keine Nachtglocke! Ich werde nach der langen Reise jedenfalls bis in den Mittag hinein fchlafen." Trotz dieses schönen Vorsatzes war Lepage doch derjenige, der seinen Freund wecken mußte. Vincent, hörst Du?" Was gibt's? Was willst Du?" antwortete Gerbault, dem die letzten Tage so mancherlei Anstrengungen und Aufregungen gebracht hatten, schlaf? trunken. Wer singt denn da unten? Doch hoffentlich nicht meine Patientin?" Doch, sie ist es." In ihrem Zustand erlaubt man ihr, so zu singen?" Niemand weiß etwas davon. Sie wird ihre Schwester wieder zum Ausgehen überredet haben, und nun benützt sie ihre Abwesenheit." Aber so höre doch!" Noch nie zuvor hatte die kleine Nachtigall derart in Tönen geschwelgt. Es war, als müßte sie die ihr heute gelassene Zeit ganz besonders ausnützen, so ununterbrochen klangen die perlenden Triller auf und ab, während bei jedem hohen, Tone sich die Stirne Lepages in finstere Falten zog. Ich kann es nicht länger mit anhören," sagte er plötzlich, ich gehe hinunter." Im gleichen Augenblick hörte indeß das Konzert auf, und ohne weitere Bemerkung vollendete Lepage seinen Anzug. Dieser Vormittag sollte eigentlich der Besichtigung der architektonischen Sehenswürdigkeiten der Stadt gewidmit werden, aber schon am Abend vorher war das Interesse des Doktors dafür erlahmt, und kaum hatten er und Vincent nach dcm Frühstück den Weg nach dem alten C?tadttheil eingeschlagen, so gähnte er und sagte stehen bleibend: Die Kranke hätten wi.r ja nun gesehen, von dem Räthsel aber haben wir noch gar nicht gesprochen." Sofort dachte auch ' Vincent nicht mehr an Sehenswürdigkeiten : und -Alterthümer. Eine gewisse Feigheit
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n Uoman von (Sharnpol 44. 44 44. 4-5. Hatte ihn abgehalten, diesen 'Gegenstand zu berühren, nun ihn aber Lepage darüber befragte, wäre ein längeres Hinhalten nutzlos gewesen. Ja weißt Du, ich möchte nämlich nicht gern hier von dem Räthsel sprechen." Dann gehen wir eben wieder nach Hause." , Nein, auch nicht bei mir zu Hause." Was soll das heißen? Muß man sich, um in dieses Geheimniß eingeweiht zu werden, am Ende gar mit verbündenen Augen in ein unterirdisches Gewölbe führen lassen?" Nein, so romantisch ist es,rlicht, eine Fahrt mit der Straßenbahn genügt." Schade! Fahren wir also.", Schon schritt Lepage über die Straße auf eine Haltestelle zu. , Der wichtige Augenblick war also gekommen, und im Grunde fühlte sich Vincent dadurch erleichtert. , Schweigend, ein wenig erregt, wie Jemand, der einer ernsten Enthüllung entgegengeht, fuhr er mit seinem Freunde den wohlbekannten Weg nach der Vorstadt. Ob Lepage und Sylvie sich wohl wiedererkennen würden? Er hatte von Anfang an den Plan gefaßt, die Beiden unvermuthet einander gegenüberzustellen, und deshalb auch vor Sylvie niemals den Namen Lepages ausgesprochen, ebenso wie er sich vcr seinem Freunde seit dessen Ankunft jeder Anspielung auf Sylvie oder auf die Geschichte von den Augen mit den goldenen Blumen enthalten hatte. Lepage schien überdies zu begreifen, daß Fragen nicht erwünscht waren, denn er erkündigte sich nicht einmal nach dem Ort, wohin er geführt wurde. " - Erst als sie an der Zinkpastete stillstanden, that er den Ausruf: Wie komisch. Die reinste Konservenbüchse! Dulaurier," murmelte er dann, das zwischen den beiden Säulen angebrachte Schild betrachtend, den Namen kenne ich ja. ja. richtig. Dein Vetter Edmund. Eine Ochsen-Konservenbüchse also." Das Thor war geschlossen, und erst nach mehrmaligem Klingeln erschien die ungekämmte, schmutzige Dienstmagd. Da sie indeß nicht öffnete, fragte Vincent: Sind Herr und Frau Dulaurier zu Hause?" Nein, sie sind verreist; heute Morgen mit dem Siebenuhrzug." Sylvie verreist! Hatte diese Abreise etwas mit den Vorkommnissen des kürzlich verlebten Abends zu thun? Sollte sie, Vincents seltsamen Verdacht errathen haben, oder zürnte sie ihm nur wegen seiner Kälte? Hatte sie am Ende von Lepages Ankunft Wind bekommen und wich sie nun einer Gegenüberstellung aus? ode? lag dieser fluchtähnlichen Abreife am Ende nur eine neue Laune zu Grunde? Welcher Art indeß auch ihre Beweggründe sein mochten, das Wunderbarste an der Sache war, daß sie bei Edmund ihren Willen durchgesetzt hatte. .Diesen an der Scholle klebenden, eigensinnigen, rechthaberischen Menschen zu überreden, sich und zwar binnen vierundzwanzig Stunden von seinen Kaninchen, Hühnern, seiner Ziege und seinem Garten zu trennen: das war ein solch unerhörtes Ereigniß, daß es durchaus einer Aufklärung bedürfte, und Vincent konnte nicht umhin, sie sich bei Mougins zu holen. Auch diese befanden sich noch in großer Bestürzung über die schnelle Abreife, von der sie ihm nun im Chor erzählten. Am Sonntag Abend nach Vincents Weggang habe Edmund einen neuen Versöhnungsversuch gewagt, der aber höchst ungnädig aufgenommen worden und dem schließlich ein heftiger Auftritt gefolgt sei, wobei Sylvie ihrer ganzen Erbitterung ' Luft gemacht habe. Des ganzen Thränenreichthums der Mutter und der Beredsamkeit des Vaters habe es bedurft, um sie zu . beruhigen. Schließlich sei sie aber doch vernünftig geworden, habe sich jedoch vor ihrer cndgiltigen Unterwerfung sozusagen eine Entschädigung versprechen lassen, indem sie sich auf eine Reise versteifte, eine nachträgliche Hochzeitsreise, um die sie unrechtmäßiger Weise gebracht worden sei. Ueberselig, daß überhaupt eine Lösung gefunden war, habe Edmund nur zu gerne eingewilligt, sofort in die Berge zu eilen. Er wäre bis an's Ende der Welt gegangen. In der Aufregung und Verwunderung über den Staatsstreich Sylvies, die Plötzlich die Hosen anzog," hatten sich Mougins nicht einmal nach den genauen Reiseplänen des Paare erkundigt. Sie wußten nur, daß ein Ausflug in die Pyrenäen, vielleicht nach Luchon, Pau oder Biarritz gemacht werden sollte,"und auch über die Zeit der Heimkehr waren sie im Unklaren. Sie kommt natürlich erst zurück, wenn Du wieder fort bist," sagte Bincent', höchst ärgerlich über dieses Pech, zu Lepage. Eine weitere Enttäuschung war es für ihn, daß der Doktor, nachdem Bincent ihm seine Vermuthungen, ja sogar seinen Verdacht anvertraut hatte, die Dinge' durchaus nicht tragisch auffaßte:
Erstens' gründet sich Deine Geschichte gleich von Anfang an auf eine falsche Annahme, denn Du hast durchaus keinen Beweis, daß Frau Dulaurier w Paris gewesen ist; im Gegentheil, alles spricht dafür, daß sie diese Stadt nie betreten hat. Nicht sie hat es Dir versichert, sondern ihr Mann, ihre Angehörigen, ein ganzer Troß von anständigen, glaubwürdigen Menschen. Falls sie also nicht bei Nacht als. Hexe auf einem Besenstiel dorthin geritten ist, kann sie diese Reise doch unmöglich ohne Wissen ihrer Angehörigen unternommen haben. Das ist eine Thatsache, gegen die auch ein ganzes' Heer von ' Vermuthungen nicht aufkommen kann. Außerdem möchte ich noch bemerken, daß, wenn Fräulein Chapron eine Verwandte, Freundin oder Feindin von ihr gewesen wäre, so hätten jene guten Leute sie doch sicherlich auch kennen müssen. Haben sie ihren Namen während der letzten sechs Monate auch nur einmal vor Dir genannt?" Nein, allerdings nicht," gab Vincent zu, dem noch die Namen der derschiedenen Vettern und Basen aus der Heimath, umdie sich die Sonntagsgespräche im Hause Dulaurier gewöhnlich drehten, in den Ohren summten. Ferner ist Fräulein Chapron jetzt gestorben, ohne daß ihr Tod auch nur den geringsten Einfluß auf Frau Dulauriers Schicksal gehabt hätte. Sie hat ihr nichts hinterlassen, ich bürge dafür, denn ich kenne die Erben persönlich." Wer sind sie?" Nun, erstens einmal die schon erwähnte hundert Kilo wiegende Nichte mit ihrem Gatten und einem häßlichen kleinen Bengel, und dann der Neffe von Hinterindien, den ich zwar niemals gesehen habe, von dem die alte Dame aber häufig sprach." Wie heißen sie?" Chapron, wie sie; es sind die Kin der ihres Bruders." Wieder mußte sich Vincent sagen, daß zwischen Sylvie und Fräulein Chaprsn jeglicher Zusammenhang fehle. Warum also so bestimmt annehmen," fuhr der Doktor gelassen fort, daß Frau Dulaurier diejenige sei, die Du hinter ihr vermuthest? Die Möglichkeit bestreite ich allerdings nickt, denn was ist schließlich nicht alles m'öglich in der Welt? Im Grunde aber kann es uns doch vollkommen gleichgiltig sein, ob sie es ist oder nicht. So lange uns solche Geschichten nicht persönlich berühren, ist es am gescheitesten, man schenkt ihnen keine Beachtung, und da sich das Räthsel nun doch einmal nicht lösen läßt, wollen wir die Sache einfach ruhen lassen und uns dafür um so eingehender mit der Kranken beschäftigen, damit ich meine Zeit hier doch nicht ganz unnütz verbringe." Zu früherer Stunde als am Tage vorher begaben sie sich in's Krankenzimmer, wo der Doktor schon fast wie ein alter Bekannter . aufgenommen wurde, und wo er eine Nachgiebigkeit und Liebenswürdigkeit entfaltete, über die sich Vincent nicht genug wundern konnte. So wenig Interesse er, für Sylvie Dulaurier an den Tag gelegt hatte, so viel zeigte er für seine kleine Ferienpatientin, wie er sie nannte, und bald wurden fast die ganzen Nachmittage in jener hellen Stube verbracht, wo Lepage das große Wort führte. Estelle lächelnd zuhörte, Germaine anscheinend ruhig und Vincent in sich versunken dabeisaßen. Wiese Stunden vertraulichen Im doch so wehmüthigen Beisammenseins brachten für Vincent nach dem, was sich zwischen ihm und Germaine zugetragen hatte, eine neue, harte Prüfung mit sich,' und doch war selbst die traurige Stimmung von einem gewissen Zauber umwoben. In der fried-lich-schönen Umgebung der Kranken, um die sich die Gedanken und Sorgen aller drehten, konnten andre, selbstsüchtige Gefühle, Wünsche und Leidenschaften nicht aufkommen. Hier, wo sich Vincent im Geiste kaum mit Germaine zu beschäftigen wagte, wäre es ihm auch geradezu als ein Unrecht erschienen, an Sylvie Dulaurier zu denken. Allein er kam gar nicht in die Lage, solche Erinnerungen verscheuchen zu müssen, denn mit der Stunde, daß Sylvie seinen Blicken entschwunden war, hatte auch ihre auf ihn ausgeübte seltsame, mit Abneigung und Mißtrauen untermischte Anziehungskraft aufgehört. Ja, er konnte jetzt gar nicht mehr begreifen, daß er sich auch nur vorübergehend von ihr hatte fesseln lafsen, bis er schließlich überhaupt nicht mehr an sie dachte. Lepage erst erinnerte ihn an sie. Denke Dir." sagte der Doktor zu Vincent, der aus dienstlichen Gründen an diesem Tage nicht lange hatte bei Estelle verweilen können, sie, hat mich nach der Geschichte von den .goldenen Blumen' gefragt. Wie kamst Du eigentlich dazu, sie ihr zu erzählen?" Vincent wunderte sich selbst darüber und wich dem Vorwurf mit einer Gegenfrage aus: Was hast Du ihr geantwortet?" Was man Kranken antworten soll: einige schlechte Witze. Schließlich gelang es mir auch, die arme Kleine zum Lächeln zu bringen, was Ihr, nebenbei gesagt, alle anstreben solltet, anstatt sie zu betrüben oder aufzuregen." Will sie Dich denn immer noch nicht als Arzt empfangen?" Nein, nächstens bin ich -sogar so weit, daß sie den Arzt in mir vergißt." Wie willst Du dann aber?" Nun, ich muß ihren Zustand eben auf andre Art zu ergründen suchen, eine Art. die vielleicht nicht einmal schlechter
ist. als die sonst übliche. Unwillkürlich zeigt sich nämlich ein Kranker während des ärztlichen Besuchs anders als sonst. Ich habe zum Beispiel Patienten gesannt, die allein schon beim Anblick des Doktors in Fieber geriethen, andre, die sein Besuch beruhigte, und so können wir Aerzte uns während der wenigen Minuten unsrer Anwesenheit nur zu leicht über den Zustand unsrer Patienten täuschen. Eigentlich sollte man einen Kranken fortgesetzt studiren, und da sich mir jetzt Zeit und Gelegenheit zu diesem Studium bietet, will ich sie nicht unbenützt vorbeigehen lassen." In diesem Ausspruch erkannte Vincent endlich wieder den 'alten Lepage, dessen Leben sich stets nur um Studiren und Gelderwerben gedreht hatte. Nun er Estelle in die Rubrik seiner Patientinnen einreihte, brauchte man sich auch nicht mehr über seine eifrige Bemühung um das junge Mädchen aufzuhalten. Das Ende von Lepages Aufenthalt nahte indeß heran, und noch hatte er keinerlei Heilverfahren versucht. ; Es ist zu arg," sagte er eines Vormittags zu dem aus der Kaserne kommenden Vincent. Sie sang vorhin wieder, nachdem sie die ganze Nacht hindurch gehustet hatte. Sprich doch Du einmal mit Fräulein Ramel darüber." Willst Du' das nicht lieber selbst thun?" Es ist besser. Du übernimmst es. da Du Fräulein Ramel doch schon länger kennst und gut mit ihr stehst." Vincent war es, als ruhe der Blick seines Freundes scharf beobachtend auf ihm. Eine gewisse zarte Rücksicht auf das junge Mädchen, aber auch das Wesen feines Freundes, das durchaus nicht zu vertraulichen Mittheilungen ermuthigte, hatten Vincent abgehalten, mit ihm über seine Beziehungen zu Germaine zu sprechen. Ueberdies war die anfänglich heitere Laune des Doktors längst wie ein Strohfeuer verflackert, und der kleine Rest, der vielleicht noch davon übrig war, wurde in Estelles Zimmer verbraucht. Befand sich Lepage mit feinem Freunde allein, so rauchte er eine Pfeife um die andre, schien sich ohne seinen Beruf fürchterlich zu langweilen und demjenigen fast ein wenig zu grollen, der ihm diese Verbannung auferlegt hatte. So kam es sogar, daß dem Hauptmann der Gedanke an seine Abreise nicht ganz unerwünscht war. . cyrfr rprb: Sn der nächsten Geleaenyeit' rnn uaiein Name! sprechen," sagte er, um eine Erörterung abzuschneiden. Diese Gelegenheit bot sich ihm bei dem Abschiedsbesuch, den sie zusammen machten, da Beide am darauffolgenden Morgen bei Tagesgrauen Toulouse zu verlassen gedachten: der Doktor, um nach Paris zurückzukehren, der Hauptmann, um sich in's Lager von Lannemezan zu begeben, wohin sein Truppentheil auf drei Wochen kommandirt war. Schwer lag diese bevorstehende Trennung auf Vincent. Als er dann auf dem Wege zu Estelle in dem langen Gang neben Germaine herging und sie einen Augenblick zurückhielt, während Frau Lancelot mit dem Doktor im Zimmer verschwand, fiel ihm sein letzjes Alleinsein mit ihr im Kreuzgang wieder ein. Auch Germaine schien daran zu denken, denn wie damals wollte sie ihm eilig entfliehen. Seine ersten Worte bannten sie jedoch fest, und nun hörte sie ihm mit wachsender Aufregung zu. Mein Gott, mein Gott!" rief sie, nachdem er geendet. Und ich hatte keine Ahnung davon! Sie bat mich so dringend, auszugehen, daß ich fürchtete, es würde sie aufregen, wenn ich mich ihren Bitten widersetzte " Sie blieben ja stets nur ganz kurze Zeit aus." , Immerhin zu lange," fuhr sie verzweifelt fort; jeder Augenblick war zu viel. Bedenken Sie doch, jedesmal nach, dem Singen speit sie Blut. Nichts ist gefährlicher als das Singen, und sie weiß das sehr gut, denn unser alter Doktor hat ihr ganz unverblümt gesagt: .Sie haben zu wählen zwischen der Musik und dem Tod.' " Auch Lepage sagt " Daß sie sich umbringt," vollendete Germaine. Und von Schmerz überwältigt, brach das sonst so starke, so vernünftige Mädchen plötzlich in herzzerreißendes Schluchzen aus. Das war aber mehr, als Vincent ertragen konnte, und von seiner Bewegung übermannt, begann er, ihre Wünsche vergessend: O, Fräulein Germaine ", Noch immer weinte sie, als seien die allzu lange s schon zurückgehaltenen Thränen nicht mehr zu hemmen. Wie sollte er diesen Schmerzenausbruch deuten? Würde sie so trostlos und verzweifelt weinen, wenn sie sich nicht nebenihrem Kummer um Estelle auch noch recht einsam und verlassen gefühlt hätte? Floß nicht eine dieser Thränen wenigstens um ihn und um ihre Liebe? Vergessen, versunken war all das, was ihn von Germaine hätte trennen können, all das, was nicht zu dieser reinen, wahren Liebe gehörte, die immer in seinem Herzen geschlummert und sich jetzt unter einem leisen Hoffnungsschimmer neu belebt hatte. Germaine," begann er von Neuem, ich weiß wohl, es ist jetzt nicht der Zeitpunct, mit Ihnen von etwas anderm, als von Ihrem Kummer zu reden. Ich werde warten. Und doch. Germaine. ich liebe Sie so innig!" .
' Auch , seine Stimme 'brach, und in abgerissenen Sätzen fuhr er fort: Ebensowenig aber ist jetzt der ZeitPunkt zu einer Lüge, , und auch das engelhafte Geschöpf dort drinnen ist sicherlich die letzte, die Lüge und Verstellung von uns verlangen würde. Ich verstehe Ihren Schmerz ja vollkommen und will nicht einmal versuchen, Sie zu trösten, aber das Recht habe ich doch, Ihren Kummer wenigstens mit Ihnen zu theilen. Nicht wahr, dieses Recht lassen Sie mir?" Nein." Er wollte ihre Hand ergreifen, aber heftig, ja ganz außer sich wich sie vor ihm zurück. Nein, lassen Sie mich, Sie verstehen mich ja doch nicht. Es ist zu schrecklich! Sprechen Sie kein Wort weiter, und vor allem sagen Sie nicht, daß Sie warten wollen. Warten worauf? Auf ihren Tod?" Noch ein leidenschaftliches Aufschluchzen, das Vincent bis in's Innerste traf, ertönte in dem dunklen Gang, dann öffnete und schloß sich eine Thüre. Verlassen und im Unklaren über das, was sie hatte sagen wollen, blieb Vincent zurück, aber doch mit dem klaren Bewußtsein, daß er nicht gegen Germaines Gleichgiltigkeit, sondern gegen einen unbekannten und deshalb um so stärkeren Gegner anzukämpfen habe. Vincent, Deine Gegenwart wird gewünscht!" Es war die Stimme Lepages, die ihn seinem Grübeln entriß. Angesichts des Todes, der finster und drohend das Haus umschwebte, mußten alle irdischen Sorgen und Kümmernisse schweigen, und so gelang es auch Vincent Gerbault, die Schwelle des Krankenzimmers mit seiner gewohnten Miene und Haltung zu überschreiten. (Fortsetzung folgt.)" Beleidigter Gendarm. Eine eigenartige Beamtenbeleidigung fand kürzlich vor dem Schöffengericht in Dotzheim, Provinz Hessen-Nassau, ihre Sühne. Um dem dortigen Ortsgendarmen ihr Mißfallen zum Ausdruck zu bringen, ersuchte eine Anzahl Einwohner ein Mitglied der GemeindeVertretung, in einer Sitzung dieser KörPerschaft das Geeignete zu veranlassen. Dieser that dies auch, indem er den Antrag stellte: Dem Gendarmen 50 Mark zu bewilligen, um ihm Gelegenheit zum Besuche einer Fortbildungsschule zu bieten, in der er sich über Anstand und anständige BeHandlung der Ortseinwohner unterrichten lassen könne." Der Vorfall kam zur Anzeige und das betreffende Mitglied der Gemeindevertretung, wurde wegen Beleidigung des Gendarmen zu ' einer Geldstrafe von 60 Mark verurtheilt. Neuer Schwindel. In Antwerpen veranstalteten letzthin zwei Gauner eine unentgeltliche" Verloosung von Automobilen. Die glücklichen Gewinner waren zum größten Theil Angehörige der europäischen Sportswelt, die sich beeilten, die zur Versendung der gewonnenen" Kraftwagen geforderten Gelder einzusenden. Sie warteten jedoch vergeblich auf das Eintreffen der ersehnten Schnaüferln,".und schließlich erstatteten mehrere der Geprellten die Anzeige bei der belgischen Polizei. Die beiden Gauner wurden ' verhaftet und hinter Schloß und Riegel gebracht. Knappes Entkommen. Der fünfjährige Karl Wondra gerieth unlängst in der Nähe der elterlichen Wohnung in dem Wiener Vororte Rudolfsheim vor einen fahrenden Motorwagen der städtischen Straßenbahnen. Er wurde niedergefahren und etwa acht Schritte weit geschleift. Man hielt den Knaben für verloren. Doch als der Wagen zum Stehen gebracht war, erhob sich Wondra und wollte fortlaufen. Es zeigte sich, .daß er keine Verletzungen erlitten hatte. SinnreicherSelbstmordversuch. Eine sonderbare Art, sich aus der Welt zu schaffen, ersann neulich ein Dienstmädchen in Erlangen, Bayern. In der Verzweiflung darüber, daß es beim Abstäuben zwei Figuren zerbrochen hatte, schüttete es Pulver auf einen Stuhl, zündete es an und setzte sich im selben Augenblick darauf. Der erwünschte Erfolg blieb aus; dagegen erlitt die Kehrseite der Aufgeregten empfindliche Brandwunden. Findige Polizei. In einem Züricher Polizeiberichte hieß es letzthin: In der Axenstraße in Brunnen wurde die Leiche eines unbekannten, etwa 60jährigen Mannes gefunden, der sich mittelst Revolverschusses entleibt hatte. Er scheint dem Gewerbestände angehört zu haben und der Sprache nach ein Badenser gewesen zu sein." Man darf neugierig fein, wie die Polizei es angefangen hat, den Todten zum Svrechen zu bringen. deutsch a I s Leyrgegenstand. Der Aufschwung des Deutschen in der New Aorker Staatsuniversität ist gewaltig. . Im Jahre 1893 wurden 2500 Schüler im Deutschen (1. Jahrgang) examinirt, während im Jahre 1902 die Zahl bereits 7500 betrug. Im Jahre 1893 betrug die Zahl der Examinanden im Deutschen des 2. Jahrgangs 1000, und 1903 war diese Zahl auf 4250 gestiegen, und im deutschen Examen des 3. Jahrgangs stieg die Zahl der Examinanden von 250 im Jahre 1893 auf 1500 im Jahre 1903. - : " I n Australien gibt es im Verhältniß zur Einwohnerzahl mehr Kirchen als in irgend einem andern Lande. ,
Heuer - Signale.
I Pennshiv und Markt i Englist'Opm-Hau I East und R-w Dork ? Noble und Michigan S N. Jersey u. Maff SU S Pine und North .0 Market und Pik 1 Vermont nahe Saft i No,. 8 Spritzenhau '' Mass. Ave nahe Noble .3 Dttsware und Walnut ü .Jersey Central A. :5 Mais, und CornellAv .s Ash w,d ii. Etraße 7 Park Ave und 12 Str .8 Columbia undHillfid i9 Highland Ave u. Pratt n Illinois und St. Jo 23 Pennsvlv. und Pratt 4 Meridian nv II. Str 5 5?. 6 Spritzenhaus 16. nahe JllinoiS .16 Senate Ave u. StLIatt n Illinois und Michigan Pefylvania und I. 3 Senate Ave. und IS. i No. 1 Spritzenhaus Ins ÄvenaheMichiga 12 Meridian und Walnut California u Vermont b Blake und New Dork !S Ind. Av. u. et Clair 37 City Hospital ?S Blake und North 59 Michigan und Sjjne 'i No. 6 Spritzenhau Gashington nahe West Ssendorf u Wash. 3 Missouri New York Meridian u Wash JllinoU und Ohw 47 Capitol Rv. u Waff 8 Kmgau'S PorkhauS 9 Straßenbahn Stall W. Washington Str I No. 10 Spritzenhaus Illinois u Merrill JllüwiS u Louisiana es We und South West und McEarty 5 Senate Ave. u Henry $7 Meridian und Nay 3 No. 4 Spritzenhaus Madison Av. MorriS 49 Madifon Av. u Dunlop No 2 Haken Leiterhall South nahe Delawar n Penn. Merrill 3 Delawan u. MeEartv afi und McSartt) 5 ?.ew Jersey u. MerriU vr Lira. v. u Bradfha es Saft und Prospekt S Bicking und High n Sio. 11 Spritzenhau Lir Ave. nah Huron 7 Eaft und Seorgia 7S Eeda, und Elm 74 Davidson u Seorgia m Snglish Av. u Pin 1t Ehelöy und Bäte "S N. s Spritzenhau , Prospekt nahe Shelby 19 Fletcher Av. u Shelby öl Market u. New Jersey 2 Delaware und Wash. 83 East u Washington 54 New Dork u. Davids, 8S Taubstummen Anstalt d Ver. Staaten Arsenal 37 Orient! und Wash. 39 Frauen-Reformat. No. is Spritzenhaus Maryland nahe Mer. 55 Meridian u. Gcorqia SS Meridian und South 04 Pennsyls u. Louisiana 5 Virgwi Ave u. Alab. g Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 98 Capital Ave und hl& .23 No. 16 Spritzenhau 16. und Ash. i24 Alabama und 16. 25 Central Ave und IS. 26 Dande und 15. 127 Brookside und Jupiter '.28 Central Av und 17. 129 Delaware und 19. .31 Alabama und 11, 32 Bellefontaine und 134 College Ave und S. :3S Delawan und 13. 136 Alabama und North 137 Newmann und 19. i33 College Ave und 14. 139 Cornell Ave und IS. 41 JandeS unl 19. 142 Highland Ave und 10. .43 Tecumseh und 10. 146 New Jersey und 2. ,4 Alvord und 17. 47 No. 8 Spritzenhau Hikside Av und 16. .48 College Ave und 22. 149 College Ave und 7. .52 Park Ave und 2. i53 u. SB Bahn u. SS. (64 Ramsey Ave und 10. (56 Stoughton u Newman 57 AilaS und Pike. 158 Bloyd und Pawpaw. i5S No. 21 Spritzenhau Brightwood iti Arden und Depot 163 Brightwood und 26. 164 Rural und Bloyd 166 St. Clair u. eystonk 167 Arsenal Av und Z. Q8 Bellefontaine und 28. . 69 Park A end 1, lh Capital ZÄe und 17. 13 Peiinsylv. .Mchiaa 214 JllinoiS und 26. 215 Senate Ave und n. kl Pennsvlvania und 251 17 Meridian und 16. 213 Capital Av und 2 219 Broadway und 10. '231 Illinois und Mcfiea 234 No. 14 Spritzenhau Kenwood und 30. 35 Illinois und 33. 236 Annetia und 30 237 No. 9. Spritzend, Udell und Nai 33 Udeil Ladder Wor 239 Jsabel und 7. . 241 Meridian und 24. 842 JllinoiS u St. Elr, 243 Eldridge und 83. 12 West uud Walmtt 313 West und 12. 314 Howard und 16. 3ib Torbet und Paea 316 Capital Ave und ife 817 Northwestern Ave uJtt 318 Gent und 18. 819 Canal und 10. 8 Cerealine Work 324 Vermont und Lynn 325 Bismarck u Srandvt 326 No. 2 Spritzenhaus Haughville. 827 Michigan u. Helme. 823 Michigan u. Conrorv 41 West und McJntvr , 412 Missouri u. Marylanb 413 Missouri und Ohio 415 Capital AveLeorgig 413 Missouri u mtuckyZl. 417 Senate Av u. Wash. 421 P und 'E k!undu W. Washington. 42 Jrren-Hofpital. 424 MUey Av u. I D u 425 Wafb. und Harr 42 No. 13 Sptzen?ch W. Washington 427 Olwer und Birch 28 Oliver und OSgook 42 Nordtzk und York 31 Hadley Ave u. Morri 38 River Av u. Morri 84 River Ave und Ratz 35 Harding u. Big 4 R ? 3 Harding und Olive,, 37 No. 19 SpritzenhZ Morri und Hardina. 488Mti KBkl&3S3l 99 StoxLyardU 61 Rettn nfe MA5 62 Howard und Stt 63 Morri und app 56 Lambert und StÄ&af 457 Nordyk Slve u. säe um Work 612 West uud Rech 613 Kenwckyvu.KerrS 614 Meridian und Morris 616 JllinoiS nd anlaS 617 Morris nd Dakota 613 MorriS und Church 519 Capital A. 11 iXcCan, , 621 Meri rnd Paömk 623 Pm u' . Lord 624 Madisor. Av u Lines! 386 Meridian und Blt RS 627 Carlo und Ratz 628 Meridian ud Arizona 529 Meridian u. Raymond 631 Meridian u. M?C'. 638 No. 17 SpritzenkA MorriS nahe West . 18 McKsrna-.und DouaK, 13 East u. Lincoln im 14 East und Beecher SIS Wright und Sanderi, S17 McCarty und Bealy 13 New Jersey u K Av, 71 Spruce und Prospect ?13 Snglish Ave. u Launl 714 State Avu.Vlt R S 715 Shelby und Beech 71 State Av und Oranif fi8 Orange und Laurel 719 Shelby u. W ?8l Lerington A. u nuH 783 Fletcher Ave .Spru 724 State Ave u. PleaZa 76 Prospekt und Nleasa! 72 (i Orange und Harla 723 Liberty und Mea . 729 NoK und South Sl No. 16 Spritzenhck Ost Washington 311 Market und Noble 514 Obto u. Highland Nv 515 Wchigan u. Highla S16 Market u Arsen Sl In Ost S. Clair und Union Bah Geleise. K81 Pan Handle Shop 683 Vermont und Walcotl 24 Wash. und State A. 685 Mabden'LoungFab 82 Tucker und Dorfty 88? Wash. und Beville 8 No. U Spritzenhau Beville nah Michigan 831 Southeafter AwtrnÄ Woodside. 838 Wash. und Tearbor 834 Southeastern nd Arsenal Ave. L5 New Dork und Temfid 18 Jllinoi nd Maryl, 913 Jllinoi und Karfei 14 Penn, und Waff. 16 Delawa nd !9Sg Spezial Signale. krsten Schläge, zweiter Alarm, Zweiten 8 Schläge, dritter Alarm. Dritte Schläge, vierter Alarm, l-i-i, Feuer aus und Schlauch aufgero. 3 Schlage, Wafferdruck ab. I Schlag, I Uhr Mittags. Die bezeichnete Signale werden nur vom Thurm, toächUr angegeben da an den betreffenden Vtraß keuzung kein Marmkösten angebracht fctfc. Chicago und der große Nordwestn via I )!BdWistkW l&yg (?q UlaSka-vawaii-PHiliHPive Insel. Bier tägliche Schnellzüge nach Chicago. JB" Bon der Monon 47. Str. Station, llhlcago, 4nd 8 nur 5 Minuten mittelst elektrischer Ear nach den Union Biehdöfen I're!! Lids. Springs, in dem Orange Eountt, Hochland. Familien-Hotel nter neuer GeschaftSleitung. Pluto, Proserpine ind BowleS Quellen. 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