Indiana Tribüne, Volume 27, Number 229, Indianapolis, Marion County, 18 May 1904 — Page 7
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otbevte Cxtmcn 1 n (Fortsetzung.) Giftige Blumen! Es gibt auch giftige Pilze, und solche wuchsen auf jener Wiese, unter den Weidenbäumen, wo die junge Frau von Befreiung aus ihren Ketter. gesprochen hatte. Ihm war, als stehe dieser Moment noch vor seinen Augen, und deutlich erinnerte er sich, wie sie die gesammelten Pilze mitgenommen hatte Wie, wenn ein Irrthum eine Unterschiebung vorgekom men wäre? Vincent hätte diesen wirren Gedanken, die einen Augenblick durch seinen Kopf flutheten, keinen bestimmten Anhalt zu geben vermocht; er gab sich überhaupt keine Rechenschaft dar über. Ihn beherrschte eine jener Eingedungen, die dem eigenen Denken keinen Raum lassen und Seele wie Leib sich willenlos gefügig machen. Schon war er aufgestanden, entriß die Schüssel dem verdutzten Edmund, drehte sich um und schleuderte sie zum Fenster hinaus. Erst das Klirren des draußen zerbrechenden Porzellans brachte ihn zur Besinnung. Sprachlos stand er unter der bestürzten Gesellschaft. Sylvie allein hatte mit keiner Wimper gezuckt. Immerhin," bemerkte sie mit ihrer klassischen Ruhe, hätten Sie wenigstens die Schüssel nicht zu zerbrechen brauchen." Edmund erholte sich jetzt allmälig und sagte, von plötzlicher Rührung ergriffen: Rein, mache ihm keine Vorwürfe! Die Schüssel war mein Eigenthum, und gern opfere ich sie mitsammt den Pilzen, denn die Dummheit, die Vincent da begangen hat, beweist jedenfalls, daß er Antheil an mir nimmt, und das rührt mich. Ja, ja, die Bande des Bluts; ich habe es ja immer gesagt, darüber geht nichts." 13. Kapitel. oulouse! Alles aussteigen!" Im Nu hatte sich der von Paris kommende Schnellzug geleert, und hastig, als ginge es einer geöffneten Gefängnißthüre zu, stürzte die staubige, erhitzte Menge zum Ausgang. Ein Herr in grauem Anzug, StrohHut und gelben Stiefeln, eine elegante Reisetasche in der Hand, ging rasch auf den Hauptmann Gerbault zu, der, auf dem Bahnsteig stehend, die leeren Wagen und die davonstürmende Menge musterte. Als dieser des Ankömmlings ansichtig wurde, entfuhr ihm ein Ausruf der Ueberraschung: Wie, bist Du's wirklich?" ' Und in der That der sonst so ernste, zugeknöpfte Doktor Lepage hatte zugleich mit seinem schwarzen Rock auch die pedantische Berufsmiene, sowie die steife Haltung abgelegt und sah in seinem hellen Sommeranzug so verjüngt aus, daß er kaum wiederzuerkennen war. Die Verwunderung seines Freundes brachte ihn vollends in fröhlichste Stimmung. Du dachtest wohl, ich bringe mein ehrwürdiges Doktorgesicht auch mit hierher? O nein, das ist ganz recht für Spital und Sprechzimmer, wo es mir täglich die besten Dienste thut. Ein junger, schüchterner Anfänger macht zum Beispiel einen recht geschickten Messerschnitt, zum Lohn aber behandelt man ihn als armes Studentchen und drückt ihm drei Franken in die Hand. Ich dagegen mit meiner würdigen Miene mache denselben Schnitt, werde jedoch mit .verehrter Meister' angeredet und mit drei, in einen Umschlag gesteckten Fünfhundertfrankenscheinen honorirt. Ja, ja, für Paris ist das alles schön und gut, aber hier in meinen Ferien will ich weder von Patienten noch Kollegen etwas wissen, sondern Freiheit, Sonne, Licht und Farbenpracht genießen! Ach, der Süden, der Herrliche Süden, welch ein Glanz! Komm an mein Herz, alter Junge!" Eine echt südländische Umarmung vervollkommnete diesen unerwarteten Gefühlsausbruch. Lachend stürzten sich die Beiden dann in eine schwerfällige, mit rothem Sammt ausgepolsterte Droschke, deren magere Gäule vom Kutscher aufgemuntert in wilder Gangart auf der staubigen Allee Lafayette nach der inneren Stadt zujagten. Der Doktor wandte lebhaft den Kopf bald nach rechts, bald nach links und fuhr mit seinen bewundernden Ausrufen fort: Ah, diese brünetten Schönheiten! Von Bleichsucht ist hier keine Spur! Und die lachenden, rosigen Häuser! O Toulouse, Tolosa. Dein Zauber berauscht mich! Und zu denken, daß ich mich gestern Sonntag Nachmittag um fünf Uhr erst entschlossen habe, mit dem Siebenuhrzug abzufahren. Wann hast Du übrigens meine Depesche er- . halten?" Gestern Abend, ziemlich spät." Durch diese Depesche, die Vincent - nach seiner Rückkehr aus der Villa Dulaurier vorgefunden hatte, war jenem ohnehin so ereignißvollen Sonntag eine weitere Ueberraschung hinzugefügt worden, die aber das Gute gehabt hatte, die aufgeregten Gedanken des Hauptmanns in andre Babnen zu lenken..
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ö Xt n Uoman von (Sthampol tt n tt tt tt tt Lepages Ankunft kam ihm sehr erwünscht. Ohne sich noch recht klar zu sein, was er eigentlich mit ihm anfangen, noch wie weit er ihn in's Vertrauen ziehen solle, freute er sich, ihn in seiner Nähe zu wissen, ja, als er Seite an Seite mit ihm durch die Stadt fuhr, war es ihm, als fühle er bereits wieder den alten beruhigenden Einfluß seines Ftcundes auf sich wirken. Ich habe Dir keinen Brief schreiben können, weil ich selbst nicht wußte, wann ich mich würde freimachen können," fuhr der Doktor in seiner klaren, bestimmten Weise fort. Der Anfang dieses Sommers hat unter meinen Schwerkranken tüchtig aufgeräumt, so daß ich die Gelegenheit benützte " Eine hübsche Veranlassung zu einer Sommerreise!" Ja, warum nicht? Glaube mir, wenn man die Krankheit so recht in der Nähe sieht, .dann macht der Tod keinen großen Eindruck mehr; für manche Kranken ist er doch nur eine Wohlthat. Da war zum Beispiel so eine bedauernswerthe Person, die ich mit allen 'jjmteln der Wissenschaft noch acht Mo nate länger am Leben erhalten habe, und die jetzt, nach der dritten Operation, gestorben ist, ein altes Fräulein in Bougival " Fräulein Chapron?" Mit einem Schlage fand sich Gerbault wieder in dem häßlichen Gebern kenkreis gefangen, den er einen Augen blick abgeschüttelt batte. Was." rief Lepage erstaunt, Du weißt etwas von ihr?" Erinnerst Du Dich nicht, daß Du mir von ihr erzählt hast?" Die Geschichte vor. den Blumenäugen," sagte nach kurzem Nachdenken der Doktor, den sein Gedächtniß niemals im Stiche ließ. Ja, ganz richtig, ich habe sie Dir erzählt. Aber wie kommt es, daß Du sie nicht längst vergessen hast?" Besondere Umstände haben sie mir wieder in Erinnerung gebracht." Etwas hastig drehte sich der Doktor nach Vincent hin. In welch seltsamem Tone Du das sagst! Ich will nicht hoffen, daß Dir Deine , lebhafte Einbildungskraft e...en Possen gespielt, und Du in der Provinz Dummheiten gemacht hast?" Nachdenklich, mit gerunzelter Stirne hielt er einen Augenblick mne. Du schreibst in Deinem Brief von einem Räthsel und von einer Krankend Das soll hoffentlich nicht heißen, daß Du die Kranke liebst? Nein? Na, das genügt, dann bin ich beruhigt." Sein Gesicht hatte sich sofort wieder aufgehellt, und mit ungewohnter Zungenfertigkeit fuhr er fort: 'Verliere meinetwegen Dein Herz an eine Schönheit, an eine Xannppe, oder emen Gold fisch was Du willst, nur nicht, wenn ich Dir rathen darf, an eine Kranke. Das ist wohl das größte. Unglück, das emen Mann treffen kann. Vo? wen: gen Tagen erst habe ich einen Beweis davon gehabt. Wie die meisten Fachleute kam er unwillkürlich immer wieder auf , seinen Beruf zurück, und lebhaft erzählte er nun: Diesen Winter ließ mich ein Ehemann zu seiner jungen Frau rufen. S waren seit zwei Jahren verheira thet, liebten sich über alles und führten eine jener glücklichen Ehen, wie man sie in der Pariser Gesellschaft etwa ebenso selten findet, als ein Vogelnest in den Bäumen des Tuileriengartens. Dazu besaßen sie ein großes Vermögen, also alles, was zu einem glücklichen Dasein gehört. Ein finsteres Gespenst nur drohte im Verborgenen. Schon vor der Hochzeit hatte man ein Herzleiden bei der jungen Dame entdeckt, dem man mdeß keine weitere Beachtung schenkte, da man sich sagte: Das Glück und eine gute Pflege werden sie heilen. . Das Glück aber, das gerade gab ihr den Todesstoß. Nach der Geburt des ersten Kindes war sie verloren. Alles Erdenkliche wurde versucht: Klima Wechsel, die ersten Aerzte aus aller Herren Ländern; alle Arten von Behandlungen. Aber, wenn man auch alles besitzt: Liebe, Reichthum und alles, was dem Menschen auf Erden zur Verfu gung sieht was hilft es gegen das kleinste Gebrechen im menschlichen Organlsmus? Machtlos, verzwenlungs voll mußt Du das Wesen, das Du über alles liebst, vor Deinen Augen dahinsiechen sehen. Nichts, gar nichts kannst Du thun, um den sicheren Untergang abzuwenden. Glaube mir, jener Mann, von dem ich Dir da erzähle, hat sogar leiblich weit mehr gelitten als seine Frau. Manchmal, wenn ich am Mor gen zu ihr kam, sagte sie: ,Jch habe gut geschlafen.' Um seine Augen dagegen lagen so tiefe Schatten, daß man annehmen mußte, er habe wohl seit zwei Jahren nicht mehr ,gut geschlafen.' Vorige Woche nun m sie gestorben, sanft und leicht, ohne sich dessen bewußt zu werden. In einer Minute war alles vorüber. Er aber hatte diesen gefurchteten Augenblick tausendmal schon im Geiste - durchgemacht und tausendmal mehr gelitten. Und noch ist er nicht am Ende seiner Qualen anaelanqt. denn er r)at ein Kind, das er überaus liebt und das er eines Tages ebenso verlieren wird, wie die Mutter. Ja. wahrhas-
tig, ich muß gestehen, mifden Kranken und Todten, da weiß ich mich schon abzufinden, bei den Hinterbliebenen aber läßt mich meine Kaltblütigkeit doch manchmal im Stich. Es ist freilich unlogisch, denn auch ihren Jammer ruhig mit anzusehen, gehört zu meinem Handwerk. Vielleicht gelingt es mir auch, diese Schwäche einmal zu überwinden, besser ist's schon damit geworden. Zum Glück gibt es ja auch lachende Erben. Du hättest nur die Hinterbliedenen der armen Chapron sehen sollen!" Mit diesem Gedanken war auch das höhnische Lächeln auf Lepages Züge
zurückgekehrt. Gefühlsanwandlungen dauerten überhaupt niemals lange bei ihm, und als die beiden Freunde vor dem Hause der Alten Traubenstraße angelangt waren, hatte er seine fröhliche Feriensiimmung vollständig wiedererlangt. Du wohnst ja wie ein Fürst," sagte er, sich behaglich eine Pfeife anzündend, während er sich mit Vincent zu dem breiten Fenster hinauslehnte. Eigentlich noch angenehmer als ein Fürst, es ist bei Dir wie in einem Kloster der guten alten Zeit, wo man aus hochgelegener Zelle auf Flieder und Jasmin herabblickt und vor sich eine dicke Mauer hat, die nichts von den Sorgen des Lebens hereindringen läßt. Man muß fick) wie ick, zehn ?lahre lana in der Großstadtwirrniß herumgehetzt haben, um diese himmlische Ruhe schätzen zu können." Einige Augenblicke überließ er sich diesem idealen Ruhegefühl, dann aber wandte er schon wieder rasch den Kopf und fragte, seinen Freund lebhaft ansehend: Was macht nun aber Deine Kranke? Von allem Möglichen haben wir schon geschwatzt, nur nicht von der Hauptsache. Wer ist sie eigentlich?" Wieder war er auf seinem Berufs felde angelangt, und mit lebhaften Augen und zusammengekniffenen Lippen lauschte er jetzt der Beschreibung Vincents, die er mit einigen rasch dazwischen geworfenen Fragen ergänzte. Wie alt?" Achtzehn oder neunzehn." Erblich belastet?" Das weiß ich nicht." Anhaltender Husten?" Ich glaube." ..Ohnmachtsanfälle?" Ja." iMagert sie ab?" Entsetzlich seit einiger Zeit." Also Schwindsucht im zweiten Stadium. Ist Dir sonst nichts aufgefallen?" Doch, eine unnatürliche Ueberreizung. Sie hat Ahnungen; man könnte glauben, es zehre außer der Lunaenkrankheit auch noch ein Nervenleiden an ihr." So, das kommt zwar selten vor, ist aber immerhin möglich. Na, wollen wir gleich hinunter gehen? Lepage legte seine Pfeife weg, holte den unvermeidlichen schwarzen Rock aus dem Koffer und schlupfte hinein. Jetzt gleich?" fragte Vincent. Aber " Es ist halb sechs Uhr. Wir haben also vor dem Abendessen gerade noch Zeit, diesen Besuch zu machen, und zu einem andern Unternehmen würde es doch nicht mehr reichen. Nur keine ZeitVerschwendung! Du weißt, ich' habe nur acht Tage vor Mir. Nur noch verschwommen zitterten in Vincent die Eindrücke des gestrigen Tages nach, dennoch empfand er ein leises Gefühl der Beschämung bei dem Gedanken, Germaine je,tzt gegenüberzutreten. Aber um Estelles Willen mußte es überwunden werden. Warte" er hielt Lepage zurück, ich habe vergessen. Dir zu sagen, daß die Patientin einen ganz besonderen Widerwillen vor Aerzten hat. Wenn Du ihr Vertrauen einflößen willst, so mußt Du zuerst nur als mein Freund bei ihr auftreten." Gut, daß ich das weiß," bemerkte er, rasch die Treppe hinuntergehend. Schon am Morgen hatte Vincent den Damen die Ankunft seines Freundes mittheilen lassen, so daß sie auf den Besuch vorbereitet waren. An der Thüre zum kleinen Salon im Erdgeschoß stürzte ihnen eine schwerfällige, schwarzgekleidete Gestalt entgegen. Willkommen, meine Herren! Herr Doktor, Sie schickt der Himmel. Wie danke ich Ihnen! Es ist aber auch hohe Zeit. Gestern hat sich ihr Zustand plötzlich verschlimmert, und die letzte Nacht bekam sie wieder einen Blutsturz. Ach, ich glaubte bestimmt, sie würde sterben, und auch Germaine befürchtete es, ich merkte es ihr wohl an." Die arme Frau Lancelot befand sich in trostloser Verfassung. Nun, sie ihre Sorge nicht mehr mit Germaine theilen durfte, hatte sie' allen Halt verloren. Kleidung und Haare waren in Unordnung, die Augen vom vielen Weinen geröthet, und von erneutem Schluchzen unterbrochen, stammelte sie in abgerissenen Sätzen: Nein, es ist aber auch wirklich gar zu hart! Zwei Männer habe ich schon verloren, und was für Männer, und nun auch noch eines von diesen armen Mädchen, die mir wie meine eigenen Kinder an's Herz gewuchsen sind ..." Sie vollendete nicht, denn in diesem Augenblick erschien Germaine. - Ja, da stand sie nun vor dem Offizier in eben jewem kleinen Salon, wo er sie früher so oft gesehen, wo sie so haufig miteinander geplaudert, Estelles Spiel gelauscht und in der traulichen Umgebung so manche glückliche Stunde erlebt, so. manchen süßen Traum geträumt hatten! Nun aber wax das
Klavier geschlossen und keine Blumen dufteten in den Vasen. Mit rauher Hand hatte das herannahende Unglück nicht nur jene kleinen, unschuldigen Freuden wie Spreu hintveggefegt, sondern seine Macht war jetzt so groß, daß es alle Befangenheit, allen gekränkten Stolz und alle Gedanken an das Vergangene ertödtete. Mein Freund, Doktor Lepage . . .. Fräulein Ramel." Kaum war diese Vorstellung vor sich gegangen, so trat Gerbault zur Seite und überließ Germaine dem Gespräch mit Lepage, um dessen Beistand es ihr jetzt auch allein zu thun war. Das Recht aber, sie wenigstens anzusehen, ihre Stimme zu hören, an sie zu denken, das blieb ihm. " Ach, wie weh mochte ihr um's Herz sein, und mit welcher Standhaftigkeit wußte sie dieses Leid zu tragen! Sie weinte und klagte nicht, noch zeigte sie etwas von Aufregung. Im Gegentheil, ihr Verstand erschien nur noch klarer, ihre Fassungsgabe schärfer, jede Fähigkeit auf's Aeußerste angespannt, und das eigene Leid vergaß sie in dem einzigen Bestreben, bis zuletzt um das gefährdete Leben der Freundin zu känPfen. Vor allem müssen wir darauf bedacht sein," schärfte sie Lepage zum Schluß noch ein. daß unsere Kranke nichts vom Ernst ihres Zustandes aynr. Da ich aber fürchtete, sie möchte sich erkälten, ließ ich sie in ihrem Kranken zimmer. Wie erstaunt wird sie jetzt sein, wenn ich Sie zu ihr führe . . . Ach nein, Tante, komm lieber nicht mit. Du bist zu erregt." t Und icb?" tv mzncent Ja, kommen Sie. Ihr Besuch wird sie freuen, und dann fällt auch der Ihres Freundes weniger auf." Schon schritt sie, sich wieder Lepage zuwendend, mit diesem in den schmalen dunklen Gang hinein, an dessen Ende sie eine Thüre öffnete, aus der ein Heller Lichtschein herausfiel, und nun traten sie ein. Mitten in dem großen, hell getäfelten, mit weißen Mullvorhängen ausgestatteten Raume brannte eine hohe Stehlampe, und trotz der beginnenden warmen Jahreszeit flackerte ein Feuer im Kamin. Zwischen diesem und der Lampe stand Estelles Ruhebett, und aus den duftigen Spitzen des Kissens kam ein sich aufrichtendes Köpfchen zum Vorschein. Oh!" rief Esielle, wie es schien unangenehm überrascht, beim Anblick LePages. Als aber hinter seinem Freunde jetzt auch Vincent auftauchte, lächelte sie. Wie, Sie sind es, Herr Hauptmann?" (jie strich sich die Haare aus der Stirne und zog ihn mit der Hand, die sie ihm zum Gruße gereicht hatte, zu dem neben ihr stehenden Stuhle. Wie freundlich von Ihnen, daß Sie mich besuchen! Bin ich denn aber so schwer krank, daß man nur so ohne weiteres bei mir eindringt?" fügte sie sofort mißtrauisch hinzu. Ich habe Sie schon so lange nicht mehr gesehen." Ja. das ist wahr, sehr lange nicht, beinahe einen Monat."
Ein leiser Vorwurf zitterte aus ihrer Stimme, der Vincent doppelt heftig traf, als er die Verheerung bemerkte, die diese wenigen Wochen bei ihr angerichtet hatten. Schattenhaft zart lag ihr in ein langes weißes Morgenkleid gehüllter Körper auf dem Ruhebett, und ihre matte Stimme . klang nur noch wie ein sanfter Widerhall von einst. Doch war, Estelle nie schöner gewesen, als mit diesen rosigen Fieberwangen und dem überirdischen Glanz in den großen Augen. Und dann," fuhr Vincent in der Absicht, seinen schmerzlichen Eindruck zu verbergen, fort, wollte ich Ihnen doch gern meinen Freund vorstellen. der vor Kurzem hier angekommen ist. Ah, Ihr Freund, der Doktor?" Und mit ihrem gewohnten Schars sinn erkannte sie sofort die gestellte Falle, m die hinemzugerathen sie .sich jetzt mit aller Macht wehrte. Hoffentlich haben Sie ihn nicht zu meiner Behandlung kommen lassen. Sie wissen ja, daß ich nichts mehr von Arzneien hören will." Gerade so geht es mir auch, gnädiges Fräulein," ergriff Lepage lebhaft das Wort, denn ich bin hier in den Ferien, und Sie dürfen mir glauben, daß die Aerzte der Krankheit mindestens ebenso überdrüssig werden wie die Kranken." Dieser Ausspruch entlockte ihr nun doch ein Lächeln, und etwas zutraulicher fuhr sie fort: Warum besuchen Sie mich dann aber?" Nun, um mir das Vergnügen Ihrer Bekanntschaft zu machen. Der Grund genügt doch wahrhaftig." Wie," versetzte sie ungläubig, Sie wollen mich wirklich nicht fragen, ob ich huste und ob ich heiß oder kalt habe, und mir nicht auf den Rücken klopfen?" Ebensowenig als dieser hier gegenwärtige Hauptmann Ihnen einen Vor.' trag über Taktik halten wird. Ich ttfinde mich hier durchaus nicht in ärztlicher Praxis; ich hatte schon einmal die Ehre, es Ihnen zu versichern." Und in der That, ein Schuljunge in den Ferien hätte nicht lustiger und übermüthiger sein können, als Lepage in dieser Stunde. Sein schmales, haßliches Gesicht mit dem geistreichen Mienenspiel war manchmal von solch unwiderstehlicher Komik, daß Estelle bald nicht mehr zu widerstehen vermochte. . (Fortsetzung folgt.) Raucht die Tish'I Mingo.
Geschäftige Blauröcke. Neb le Thätigkeit der Londoner Polizei. Seltene Erfolge. Das Budget der Londoner Polizei erfordert jährlich rund Z8.760.000. Wenn das auch eine recht ansehnliche Summe ist, so wird andererseits auch Gewaltiges dafür geleistet. In erster Linie steht, wie natürlich, die Thätigkeit der Polizei auf dem Gebiete der Verbrechen und Vergehen in der Millionenstadt. Nicht weniger als 112,205 Verhaftungen wurden im Jahre 1902 vorgenommen; und von diesen Verhafteten hatten sich 14,844 gegen Leben oder Eigenthum vergangen. Auf je 1000 Einwohner von London kommen etwa 2I Bestohlene. Die Beute der Diebe belief sich auf etwa $812, 500. Eines besonderen Erfolges kann sich die Polizei im Jahre 1902 insofern rühmen, als in sämmtlichen 20 Mordfällen gegen 24 im Jahre 1901 die Verbrecher entdeckt wurden. Für die Jdentifizirungs-Methode gegenüber den Verbrechern bedeutet das Jahr 1902 einen Umschwung. Die Anthropometrie, das System der KörPermessung, wurde aufgegeben und durch die Methode, Fingerabdrücke, zu nehmen, ersetzt. Obwohl das neue System zunächst nur theilweise und erst am 1. Juli vollständig eingeführt wurde, konnten doch im Laufe des Jahres 1722 Wiedererkennungen festgestellt werden gegen nur 503 im Vorjähre unter dem System der KörperMessung. Viel Arbeit erfordert die. stetige Zunahme der öffentlichen Gefährte, die der polizeilichen Aufsicht unterstehen. Nicht weniger als 16,736 Konzessivnen wurden im Jahre 1902 ertheilt, nämlich 11,382 für Droschken, ' 3636 für Omnibusse und 1658 für Pferdebahnwagen; 461 Gefährte wurden zurückgewiesen. Schlechter als die Wagen bestanden die Kutscher das Examen. Von I2 Kandidaten hatten 235 nicht geinlgende Terrainkenntniß, und von den verbleibenden 837 waren die Leistungen im Rosselenken bei 91 nicht befriedigend. Dagegen fielen von 60 Automobilkandidaten nur 2 durch. Außer der täglichen allgemeinen Inspektion der Gefährte finden noch besondere Morgen- und Abendinspektionen statt, und im Ganzen mußten 6810 Wagen, 2149 Pferde und 703 Geschirre beanstandet werden, 33 Besitzer von Gefährten wurden wegen Thierquälerei zur Anzeige gebracht, und 14 Besitzern wurde die Konzession entzogen. Auch in der Bebausung unterliegen die Gefährte der polizeilichen Kontrolle; 11,682 Inspektionen dieser Art wurden im Jahre 1902 ausgeführt. Die Ställe waren fast durchweg befriedigend, nur in vier Fällen wurde ein Verstoß gegen Sanitätsvorschriften festgestellt. DaS Berner Bärenbaby. Seit Kurzem wird in Bern der jüngste Einwohner des weltberühmten Bärengrabens mit der Flasche genährt. Seine Mutter handelte pflichtvergessen an ihm. Sie ist die einzige Dame unter einer Anzahl von Bärenherren. Eine zweite Bärm für den Bärengraben zu erwerben, ist trotz vielfacher Bemühungen nicht gelungen. Die Barin hatte Mutterfreuden erlebt, aber diese Freuden scheinen für sie nicht gerade sehr tief gewesen zu sein, denn schon nach kurzer Zeit vernachlässigte sie ihren Sprößling und suchte die Gesellschaft ihrer männlichen Genossen. Da man den jungen Bären als werthvolle Attraktion für die Besucher Berns nicht umkommen lassen wollte, und da die Frau Mama sich beständig weigerte, ihm Nahrung zu Theil werden zu lassen, so packte man den jungen Bären in einen Korb und fuhr mit ihm zum Professor der Zoologie an der Berner Universität, um diesen zu fragen, was mit dem kleinen Verlassenen angefangen werden sollte. Der Professor ließ eine Flasche Milch mit einem Saugpfropfen kommen und hielt sie - dem jungen Bären vor, der mit wohlgefälligem Brummen die neue Art der Nahrung acceptirte. Und dabei blieb es. Der junge Bär trinkt nun aus einer Flasche täglich, ein Paar Quarts Milch, und er wächst, blüht und gedeiht. Blutthat im SiechenHause. Im städtischen SiechenHause zu Prag schlich sich jüngst der 75 Jahre alte Krankenwärter WilHelm Kraiochwill an das Bett des Siechen Karl Linhart heran und feuerte aus . einem Revolver zwei Schüsse gegen ihn ab. Hierauf richtete er, ehe er hieran gehindert werden konnte, den Revolver gegen sich und schoß sich eine Kugel in den Kopf. Er war sofort todt. Linhart wurde schwer verletzt. Das Motiv der That war ein Streit, den dh Beiden hatten, in dessen Verlaufe Linhart den Kratochwill in den Finger gebissen hatte. Spate Reue. Dieser Tage stellte sich in Vregenz, Vorarlberg, ein Mann Namens Hermann Weil mit der Selbstanzeige, vor Jahren einen Brand gelegt zu haben, der Behörde. Er gab an, vor zwölf Jahren Obermüller in einer Mühle bei Brüx gewesen zu fein und aus Rache dafür, weil ihm sein Dienstherr nicht die Tochter zur Frau geben wollte, die Mühle angezündet und sodann die Flucht ergriffen zu haben. Obwohl steckbrieflich ix -folgt, sei es ihm gelungen, sich stets unerkannt herumzutreiben. Nun hat ibn das Gewissen dazu bewogen, sich fcsOft -u stellen.
Feuer - Signale
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