Indiana Tribüne, Volume 27, Number 229, Indianapolis, Marion County, 18 May 1904 — Page 3
Jndiana Tribüne, IS. Mai 1902
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Hauptlnacht der Japaner Marschirt in der Richtung auf New Chioang. Der Platz wurde gestern geräumt.
Zahlreiche Scharmützel in den letzten Tagen. Zassalitch abgesetzt. Kuropatkin und der Vicekönig. Die Lage um Port Arthur. Von der Zaren - Reise.
Ost-Asien. Japanische Hauptmacht gegen New Chwang. Mulden. 17. Mai. Wie heute hier mitgetheilt wurde, marschirtdie jap. Hauptmacht nach Hai Cheng (etwa 10 Meilen südöstlich von New Chwang) und Kai Ping (Kai Chin), etwa 35 Meilen südlich von New Chwang; eine keleiner Abtheilung rückt in der Richtung von Liao Yang vor. Wichtige Ereignisse find wahrscheinlich. NewChwanggeräumt. New Chwang, 17. Mai. Die Stadt ist jetzt von den Russen völlig geräumt. Ihre Truppen marschirten in Ordnung ab, General Kontravitch
mit dem letzten Regiment. Dem japaNischen Vormarsch wird bei Hai Cheng Widerstand geleistet; von dort ziehen sich die Truppen auf Liao Fang zurück, um dort mit 70,000 Mann einen entV schloffenen Kampf aufzunehmen. Im Falle einer Niederlage wird bei Muk den nicht gehalten, sondern der Rück zug geht bis Thio. Ling, am Liao Fluß, 200 Meilen nördlich von New Chwang weiter. Zu gleicher Zeit bedrohen die Coffaken-Regimenter den Rücken der japanischen Armee am Jalu, um ihre Verbindung zu stören. Bevor die Japaner New Chwang er reichen, wird ein Kampf bei Tashi Toheo erwartet, dem aber keine sonderliche Bedeutung zukommt. Die Japaner bei Kai Chan sollen 30,000 Mann stark sein. St. Petersburg, 17. Mai. Die genauen Bedingungen der RäUmung von New Chwang find nicht öe v. kannt, da alle amtlichen Depeschen an den Kaiser abgeliefert werden. Das auswärtige Amt ist nicht darüber unterrichtet, wem die Verwaltung der Stadt übergeben wurde; jedoch sind die Behörden überzeugt, daß der russische Commandeur vor der Abreise Vorkehrungen für die Sicherheit der Ausländer traf. Berichte über Bauern-Aufstände in der Provinz Volkynia werden dementirt. Berichte über Scharmützel. St. Petersburg, 17. Mai. Gen. Kuropatkin telegraphirt dem Kaiser unter dem 16.: Unsere Kosacken stießen am 10. auf ein Bataillon feindliche Infanterie und 2 Schwadronen, anscheinend von der japanischen GardeDivision bei Kuan Dian Sian. Der Kampf dauerte 4 Stunden ; das Feuer der japanischen Infanterie und Cavallerie war wenig wirkungsvoll. - Ein Kosack wurde verwundet und 2 werden vermißt. Der Bericht enthält zugleich die Meldung, daß die Japaner am 15. HaiHamenisa, im Thal des Patao Flusses, Tfiangtao, im Thal des gleichenFluffeS, Shitsiafutsu und Hitvouchen im Thal des Ai Flusses und Kuan Dian Sian besetzten. Die Kaiser - Reise. B e l g o r o d, Rußland. 17. Mai. Der Kaiser nahm heute von der 31. Artillerie-Brigade, die in den nächsten Tagen nach der Mandschurei abgeht, Abschied. Die Reife des Kaisers glich einem Triumpbzug. Haufen von Bauern standen überall an der Bahnlinie, die zusammen mit den militärischen Bahn wachen den Kaiserzug ehrfurchtsvoll begrüßten. - In Belgorod erwartete den Kaiser Großfürst SergiuS Michaelovitch, worauf der Kaiser die Truppen inspicirte und verschiedene Deputationen emPfing. Nach einem Gebet im Kloster setzte er die Reise nach Kharkoff fort. Die strategische L a g e. Muk e n, 17. Mai. Die strategische Linie nähert sich immer ' mehr Mulden, noch immer dem Hauptquar tker deS VicekönigS. ES ist bekannt, daß sich die Japaner fast in KampfesNähe der Russen befinden; sie rücken in 3 Abtheilungen vor und stehen jetzt
nördlich von Sin Van und Feg Wang Chen. Zahlreiche Scharmützel wurden schon ausgefochten, aber noch kein entscheidendes Gefecht. Port Arthur ist durch die japanische Expedition in Polandien. nunmehr völlig abgeschnitten. Die Japaner operiren jetzt im hügligen Gelände, wohl passend für die russische Vertheidigung; jedoch nördlich von Liao Vang nach Mulden ist das Land flach, von Flüssen durchschnitten. Das Wetter war kürzlich heiß und trocken; Regengüsse der beiden letzten Tage machten indessen die Straßen für Fuhrwerke fast unpassirbar. AlexieffundKuropatkin.
Paris, 17. Mai. Eine Wiener Depesche bezeichnet den Conflickt zwischen Vicekönig Allexieff und General Kuropatkin als akut. Letzterer schreibt die Niederlage am Aalu-Flusse den Befehlen des VicekönigS zu, wodurch die früheren Anordnungen des Generals über den Haufen geworfen wurden. Kuropatkin schlägt jetzt die Aufgabe von Port Arthur vor. die Vereinigung der dortigen Truppen mit den seinigen und gemeinsamen Rückzug nach Harbin, da die russischen Streitkräfte derzeit den Japanern nicht gewachsen seien. Der Vicekönig sieht in dem Aufc geben von Port Arthur den Verlust der Flotte. Die Umschließung von Port Arthur. S t. P e t e r s b u r g, 18. Mai. Nachrichten an den Generalstab zeigen, daß die Japaner Herren des ganzen südlichen Endes der Liao Tung Halbinsel sind, außer Port Arthur und dem von seinen Geschützen beherrschten Gebiet. Dieses so rasch gewonnene Resultat rührt davon her, daß die Russen dem japanischen Vormarsche keinerlei Widerstand von irgendwelcher Bedeu tung leisteten. Einem Generalstabs-Offizier zufolge geschah die Entfernung der Geschütze von den Festungswerken in King Chan und jbie Zerstörung von Dalny vornehmlich zu dem Zwecke, um die ganze russische Streitmacht in Port Arthur zu concentriren. Die Schwachheit der Mandschurei Armee machte eine solche Strategie nothwendig, so daß jeder andere Puukt außer Port Arthur, der nicht zur strategischen Vertheidigung der Festung beitrug, aufgegeben werden mußte. Die Gegend, über welche die - Japaner den Angriff auf Port Arthur zu führen haben, ist stark unterminirt. Falls sie eS trotzdem nehmen, so müssen sie einen furchtbaren Preis bezahlen. Die Zerstörung von Dalney ist vollständig, der Wellenbrecher und die Gebäude find ebenso wie die Docks gesprengt. D i e Mi nen derKerrBay. T o k i o, 17. Mai. Wie Vice-Admi-ral Kataoka meldet, setzten am 15. die Torpedoboote unter dem Schutze der Geschütze der Flotte ihre Thätigkeit, die Minen aus der Kerr Bay zu entfernen, fort. In der Vertheidigung deö Fein des trat nur durch 2 oder 3 weitere Feldgeschütze eine Aenderung ein, wodurch das Säuberungs Werk in der Bucht unterbrochen wurde. Immerhin zerstörten die Japaner 8 Minen; eö blieben aber noch viele übrig, die vernichtet werden müssen. Zassalitchabgesetzt. S t. P e t e r s b u r g, 17. Mai. General-Leutnant Zassalitch wurde vom Conimando der zweiten sibirischen Ar mee-Division enthoben und GeneralLeusnant Graf Keller, früher Gouverneur vonEkaterinoslav, zu seinem Nachfolger ernannt. Seit der Yalu-Schlacht wurde vor ausgesetzt, daß Zassalitch sein Commando nicht mehr lange behalten würde. ES herrscht durchaus nicht die Abficht, ihn zu demüthigen und er erhält voraussichtlich bei der Rückkehr auf eigenes Ersuchen Kranken - Urlaub. Graf Keller, der erst 54 Jahre ist, nahm am türkischen Krieg theil.
Patriotismus der Be völkerung.
Kharkoff, 17. Mai. Die lange Reise des Kaisers dient dem dop pelten Zwecke, die nach der Front gehenden Truppen anzufeuern und den Patriotismus der Bevölkerung zu einem hohen Grad der Begeisterung zu entfachen. Falls noch Zweifel über die Volksthümlichkeit desKrieges herrschten, so find sie durch die persönliche Anwesenheit des Herrschers zerstreut.' Jede Station, an welcher der Kaiserzug gestern vorbeikam, war reich mit Flaggen geschmückt und von einer hochrufenden Menge gefüllt. Von der noch immer düsteren und leblosen Hauptstadt an der Newa nach diesem warmen Sonnenlande des Südens kommend, wo der Frühling in herrlicher Blüthe steht, blickte der Kaiser heute, so öfter aus seinemWagenfen fier schaute, den Truppen in's Antlitz. Nach Eintrit der Dunkelheit waren die Leute selbst unsichtbar, aber der Kaiser sah die flackernde Linie ihrer Lager feuer. SkrydlofffürdieOstS e e F l o t t e. St. Petersburg, 17. Mai. Die Wahrscheinlichkeit, daß keine Verbindung mehr mit Port Arthur möglich fein wird, führt zu dem Vorschlage, den Vice-Admiral Skrydloff, da er das dortige Flotten-Commando nicht übernehmen kann, an die Spitze der für den Osten bestimmten Oft-See-Flotte zu stellen. Vice-Admiral Rojestoensty, der bis jetzt hiezu bestimmt ist, steht Skrydloff im Avancement nach. L andung in der Nähe von K a i p i n g. St. Petersburg, 17. Mai. Nachstehende Depesche von General Kuropatkin an den Kaiser unter dem 16. Mai wurde hier veröffentlicht: Mittags näherten sich 17 Dampfer Siung Vue Cheng und beschossen die Stadt, während 5 Schiffe auf das Ufer zusteuerten. Um 2 erschienen drei große Dampfer vor dem Cap und um H Uhr landete der Feind bei Huang Tsia Tung und marschirte in der Richtung von Kaiping. DieamerikanischenKriegsBeobachter. P t. Petersburg,' 17. Mai. Major Macomb vom amerikanischen Artillerie-Corps reifte heute auf einem Special-Militär-Zug nach Mulden ab, wo er sich bei Oberstlieutenant Schuyler meldet. Dieser übernimmt den Bericht über die Cavallerie. Capitän Reichmann über die Infanterie, Capitän Judson über das Pionier Corps u. die Bahn, Major Macomb über die Artillerie, Kommissariat u. TransportWesen. Deutschland. Reicher Gewinn für die Krupp's. Berlin, 17. Mai. In den Krupp-Werken verursacht der russischjapanische Krieg eine lebhafte Thätigkeit bei Herstellung von Geschütz- und Schiffbau-Material. Für Feldgeschütze sind große Aufträge eingegangen, vermuthlich von Rußland. Frankreich. Marchand'S Ausscheiden. Paris. 17. Mai. Oberst Marchand's Militär-L aufbahn kam heute Mittag zu Ende, nachdem er seine Arrest-Strafe wegen Kritik der Borgesetzten verbüßt hatte und ihm die An nähme seines Abschiedsgesuchs eingehändigtworden war. Er will, wie er sagt, in einerErklärung auf die Lügen der Militär-Autoritäten" antworten. Tibet. Verstärkungen für die Tibetaner. New York, 17. Mai. Nach einer Depesche aus Gyang-Tse erweisen sich die Gerüchte, daß die Tibetaner den Beistand von Weißen erhalten, für richtig. Beträchtliche Verstärkungen von Nord und Süd gingen . ihnen zu. Großbritannien. Stanley 's Beerdigung. London, 17. Mai. Die irdischen Ueberreste von Sir Henry M. Stanley wurden heute in dem Kirchhof des alten Surrey Dorfes von Pien bright bestattet. Vorher zollten England und Amerika, durch Botschafter Choate und General - Consul Evans vertrten, dem dahingeschiedenen Afrika Forscher bei einem Trauer-Gottesdienste in der Weftminfter Abbey Tribut. Die Könige von England und Belgien hatten Vertreter zu der Feier gesandt.
Englische Heuchelei. Erklärung eines Reaierungs-Vertre' ters über den Tibet-Raubzug.
London, 17. Mai. Im Oberhause erklärte heute Lord Hardwicke, Unterstaats-Sekretär für Krieg, GroßBritannien befinde sich jetzt im Krieg mit Tibet und bevor es seine Stellung durch Waffengewalt gerechtfertigt habe, solle man von der Regierung keine bestimmte Zusage über die Form der Schlichtung nach den Feindseligkeiten verlangen. Der Liberale Lord Tweedenmouth beschuldigte die Regierung,, absichtlich eine Mission weggesandt zu haben, deren Folgen ihr bekannt gewesen seien. Zlulzm der Pflanzengcsellschafl. Beachtcnstverthe Wachsthumsbcdwgunge für junge Pflanzen. In Gärten kann man oft die Beobachtung machen, daß die Keimpflänzchen dort, wo sie dicht beisamwen stehen, gut gedeihen, während veremzelt stehende Pflänzchen sich nur kümmerlich entwickeln. Diese Erscheinung ist umso befremdlicher, als die vereinzelt wachsenden Pflänzchen viel mehr Licht und Luft erhalten, als diejenigen, welche in dichten Gruppen zusammengedrängt sind. Die Gründe für die merkwürdige Thatsache sind die folgenden: , Die Wurzeln sondern Säuren aus, welche die Nährstoffe des Bodens auf lösen und so umsetzen, daß sie von den Wurzeln aufgesaugt und im Pflanzenkörper verarbeitet werden können. Nun hat aber ein jedes junge Pflänzchen nur wenige, feine Wurzelchen. Es können deshalb dem Pflänzchen auch nur geringe Mengen von Nährstoffen zugeführt werden. Wenn dagegen viele kleine Pflänzchen zufammen auf einem Fleck wachsen, so durchziehen auch viele feine Würzelchen den Erdboden, die alle Säuren absondern, und diese größere Zufuhr von Säure zersetzt nun die Nährstoffe des Bodens schnell und auf zahlreichen Punkten, so daß jetzt auch von jedem einzelnen Pflänzchen beträchtlichere Nährstoffmengen aufgesaugt werden, als wenn es allein steht und der gemeinsamen Unterstützung der Wurzeln der übrigen Pflänzchen entbehrt. Die Pflanzen sind zwar zu ihrem Wachsthum auf Licht und Luft angewiesen, aber allzuviel wirkt auch hier, besonders was das Licht anbelangt, 'chädlich. Die jungen Pflänzchen beitzen noch ein äußerst zartes Gewebe, )as durch eine zu starke Besonnung leicht versengt wird. Sehr starke Besonnung läßt außerdem das Wasser aus dem PflanzeNkörper schnell verdunsten, so daß zum Ersatz wieder eine größere Flüssigkeitszufuhr aus dem Boden nöthig ist. Stehen die Pflänzchen dicht beisammen, so befchatten sie sich nicht nur gegenseitig, sondern auch den Boden, so daß dieser seine Feuchtigkeit länger behält. Auch die unausgesetzte Umfluthung durch die Luftströmungen ist den jungen Pflänzchen nicht zuträglich. Jeder Lufthauch und noch mehr der Wind bewegt und erschüttert das Pflänzchen. Diese Erschütterung setzt sich bis zu den Wurzeln fort, die dadurch gelockert und vom Boden, den sie mit den Wurzelhaen umspinnen, losgerissen werden. ' Stehen die Pflänzchen dicht zusammen, so schützen und stützen sie sich gegenseitig gegen die Windstöße, so daß sie durch sie nur wenig bewegt und erschüttert werden. Unglückliche Wettfahrt. Der Radfahrklub Juventus" in Mailand, Italien, veranstaltete neulich ein 18z Meilen-Rennen mit Motorrädern auf der Straße von Pavia nach Binasco. Vittorio Orini, ein 20jähriger, tüchtiger Fahrer Mailands, hatte das Unglück, gegen einen Prellstein zu stoßen. Er wurde gegen einen Baumstamm geschleudert, erlitt einen Schädelbruch und blieb augenblicklich todt. Die Ursachen des Kalbef i e b e r s sind hauptsächlich in siar ker Fütterung mit sehr nahrhaften Futterstoffen, sowie in zu warmer Haltung bei vollständig eingestellter Bewegung der Thiere zu suchen. Wie erwiesen ist, kommt die Krankheit nie bei Thieren vor, welche knapp im Futter gehalten werden und in gut gelüfteten, ja sogar zugigen Stallungen stehen, ebenso bei Weidevieh und bei Kühen, welche bis kurz vor dem Kalben arbeiten müssen. Eine Behandlung der Thiere ist nur dann erfolgreich, wenn sie bei Zeiten eingeleitet wird. Sobald erst die Lähmung auf den Darmkanal übergegangen ist, kann von einer Wirkung irgend einer Arznei keine Rede mehr fein. Die erfolgreichste Behandlung besteht in der AnWendung von feuchtwarmen Einhüllungen, sowie in der Verabreichung von ausleerenden Mitteln, denen man später belebende und anregende Mittel folgen läßt. Die Hauptsache ist und bleibt aber die Vorbeugung. Man gebe den Thieren die letzten vier bis sechs Wochen vor dem Kalben weniger, leicht verdauliches und nicht blähendes utter, gestatte ihnen, falls sie kemen Weidegang haben mäßige Bewegung und halte den Stall luftig. Vollsaftigen Thieren gibt man auch gelinde Abführmittel. -
Der Schissssriedhos. yrosaisches Ende mancher stolzen Laufbahn. Profitables Geschäft.
An das Geschick des Kürassierpferoes, oas nach ruhmreicher Laufbahn als müder Karrengaul durch die Straßen zieht, erinnert das Loos des Schiffes, dem es nach vielen sieghaften Kämpfen mit den Elementen versagt bleibt, an einer Klippe zu zerschellen oder von den gefräßigen Wogen verschlungen zu werden. Wie die arme Mähre schließlich auf altersschwachen Beinen zum nächsten Ahdecker wandert, so wird das untauglich gewordene Fahrzeug nach dem Schiffs friedhof" geschleppt, um dort abgebrochen und in seine einzelnen Bestandtheile zerlegt zu werden. Ein solcher Schiffsfriedhof befindet sich in Perth Amboy. N. I.. und der Besitzer des Unternehmens macht damit recht gute Geschäfte. Es erklärt sich dies leicht aus der Thatsache, daß das Bal-ken-und Bretterwerk alter Schiffe ein sehr gutes Baumaterial abgibt. Kleinere Kontraktoren machen sich diesen Umstand zunutze und sind treue Kunden des Schiffsfriedhofs. Selbstverständlich muß die Arbeit mit entsprechender Sorgfalt ausgeführt werden, wenn für den Unternehmer ein größerer Gewinn abfallen soll. Ein Heer geschickter Arbeiter ist auf dem Schiffsfriedhofe angestellt und man erachtet ihre Thätigkeit für wenig leichter, als die der beim Bau eines neuen Fahrzeugs beschäftigten Arbeiter. Das abzubrechende Schiff wird gewöhnlich zuerst auf's Ufer geschleppt und man läßt dem Holzwerk Zeit, in der Sonne zu trocknen. Dann werden bei' den Dampfern die oft recht werthvollen Maschinen und Kessel entfernt, die im schlimmsten Falle als altes Eisen immer noch gewinnbringend verkauft werden können. Den Eisenbestandtheilen schenkt man überhaupt in erster Linie große Beachtung. Bei den Segelschiffen geht man mit besonderer Sorgfalt den Masten zu Leibe. Aus dem Holzwerk wird jede Klammer, jeder Nagel mit Aufmerksamkeit entfernt, und die größeren Balken und Bretter finden, wie gesagt, bei kleineren Bauten Verwendung, der Rest wird als Feuerungsmaterial verwendet. Manche Schiffe läßt man auf dem Strande liegen, bis die Zeit ihr Zerstörungswerk beendet und die einzelnen . Bestandtheile aus Altersschwäche, ohne menschliche Beihilfe, auseinanderfallen. Selbst dann findet sich noch genug, das mit Profit neuer Benützung zugeführt werden kann. Vierjährige Wittwe. Unter den indischen Hindus finden zwei verschiedene , Heirathsceremonien statt, die eine im frühesten Kindesalter schon zu vier, ja zu zwei und drei Iahren beim Mädchen, die andere gewöhnlich im elften Lebensjahre. Die erste Feier ist das eigentlich religiöse Verlöbniß, bei dem die Braut die sieben Schritte um das heilige Feuer macht oder vielmehr um dieses herumgeführt wird, und diese Ceremonie bindet sie für das ganze Leben. Nach Beendigung des Ritus kehrt das Kind in das Haus seiner Eltern zurück und bleibt dort bis zur Mannbarkeit, gewöhnlich bis zum elften ahre, wo die zweite Feier, die eigentliche Hochzeit mit der Ueberführung der Braut in das Haus ihres Bräutigams, stattfindet. .. Stirbt nun der angetraute Gatte schon vor der eigentlichen Hochzeit, so bleibt doch seine Braut zeitlebens Wittwe. Unsagbares Unglück ist durch diese Unsitte zahllosen armen Mädchen bereitet worden, und man trifft ab und zu vierjährige Wittwen an. Es ist daher kein geringes Verdienst, das sich Männer wie Jsvaracandra Vidgasagaca und R. Raghunata Row erworben haben, wenn sie mit großer Selbstverleugnung für die Verheirathung dieser sogenannten Wittwen, die nie mit einem Gatten gelebt hatten, eingetreten sind. Für die englische Regierung ist es sehr gefährlich, sich in die häuslichen Angelegenheiten der Hindus zu mischen. Als sie vor einigen Jahren das Alter zur Eingehung der Ehe gesetzlich erhöhen wollten, drohte in Bengalen offener Aufstand auszubrechen. Erfolgreicher war 1823 Lord William Bentinck, als er die bis dahin übliche Wittwenverbrennung als strafbar abschaffte. . Russische Korruption. In Rußland hat der Krieg nicht einmal das alte Erbübel der Korruption eingeschränkt. In Moskau hatten mehrere Großfürsten von der rufstschen Gesellschaft vom Rothen Kreuz die -Summe von 2.500.000 Rubel (1 Rubel gleich 76 Cents) entliehen. Als nun bei Kriegsausbruch die Sache heraus kam, mußte der Zar einen Familienrath einberufen, um Skandal zu verhüten. Die Deutschen in Moskau veranstalteten eine Sammlung . zu Gunsten der Verwundeten, die 8100 Rubel ergab. Dem Ueberbringer der Summe machte der Beamte des Generalgouverneurs Großfürst Sergius rundweg den Vorschlag, nur 3000 Rubel abzuliefern und den Rest zu theilen. Dem Deutschen ging das denn doch gegen den Strich, und betrübt mußte der Russe die Beute fahren j lassen. E i n e F r a u Hannah Jones in Wales, England, beschenkte im Vorjähre ihren Gatten zweimal, Anfang Februar und - Ende Dezember, mit Zwillingen.
Aerzte.
DR. F. M. PßAT, Spezialift. Augen, Ohren, Nase und Salö 31 Ost Ohio Straße, Indianapolis. Hm Gebäude. Office-Stunden : 9-12 Uhr.Horm.; 1-5 Uhr. Nachm. Sonntags von 2 bis 4 Uhr Nachm. DR. C. L. RITTER, Newton ClohpoolGebande, Zimmer 888 233. Neue? Telephon mi (Pennsylvania und Ohio Str.) 2. Stock. 0ssieStunden: 9 6iJ 10:30, 2 bis 8:30 Uhr 7 di 8 Uhr Abends am Montag. Dienftag, Donnerstag, Samstag. hug : 1448 Pspe ivaft, runden : 8 Uhr Vormittag und 1 Uhr Nachmittag. Neues Telephon 9306. Dr. J. A. Sutcliffe, Wund -Arzt, Geschlechts-, Urin- undRectum Krankheiten. Office : 155 Oft Market Stt. Tel. 941 Office-Stunden : 9 bis 10 Uhr m. : 2 die 4Uhr R (XlÖO 202 Nord Noble Str. Neues Telephon 2001. Große Auswahl von 2 m n ug. Diener, No. 449 Gst Washington Str. Neues Telephon 2525. LAKE ERIE & WESTERN R.R. .. ..Fahrzeit der Züge.. . Abfahrt nkunst Toledo, Chicago und Michigan Expreß... 7.16 iW.ii koledo, Detroit und Chicago Lim 12.20 f 8.25 Wichigan ity, Muncie u.LafayetteSpl..1- 7.20 tl0.ü6 toglich t ausgenommen Sonntag?. Verhängnißvolle UnVorsichtigkeit. Durch unachtsames Umgehen mit dem Jagdgewehr ist kürzlich in Mülheim, Rheinprovmz, ein 77jähriger Greis um's Leben gekommen. Er war damit beschäftigt, sein Jagdgewehr zu reinigen, als der Schuß losging und den Greis so schwer verletzte, daß er alsbald verstarb. Gewaltthätige Rekruten. In Meslan im französischen Departement Morbihan entstand zwischen Rekruten aus verschiedenen Gemeinden eine Rauferei, in deren Verlaufe es zu Angriffen auf die Gendarmerie kam. Diese mußte von den Waffen Gebrauch machen. Ein Rekrut wurde getödtet, zwei andere wurden schwer ver wundet, mehrere erlitten Verletzungen. Das Ende des Hochstapl e r s. Einer der gefährlichsten internationalen Abenteurer aus Serbien, Nikola Milojevic, welcher sich wiederholt besonders in Ungarn für den Minister Grafen Sarafow" ausgab und große Betrügereien verübte, wurde jüngst in der serbischen Stadt Aleksinatz in einem Renkontre mit einem Artillerieleutnant von demselben erschossen. Nettes Früchtchen. Der 13jährige Bürgerschüler Anton , Palm in Krems, Nieder-Oesterreich, haßte seinen Klassenlehrer Julius Wagner und schoß ihm in der Schule einen mit einer Nadelspitze versehenen Pfeil in's Gesicht, so daß der Lehrer verletzt wurde. Der Staatsanwalt klagt n" Knaben wegen öffentlicher Gewaltiätigkeit an und das Bezirksgericht verurtheilte ihn zu zehn Tagen Verfchließung. Die vom Vater des Verurtheilten ergriffene Berufung wurde vom Kreisgerichte zurückgewiesen. Die älteste Frau Ung a r n s wurde dieser Tage in das Budapester Armenhaus aufgenommen.. Es ist dies die Wittwe Henriette Borsod, geborne Einzig. Die Greisin gab bei ihrer Aufnahme an, daß sie 103 Jahre alt sei, doch war aus ihren PaPieren ersichtlich, daß sie im Jahre 1783 geboren wurde, also 116 Jahre alt ist. , Auf die Frage, warum sie ihr Alter nur mit 10b Jahren angegeben habe, erwiderte sie, sie habe sich geschämt, daß sie so alt sei. Die Greisin ist Verhältnißmäßig rüstig, trotzdem sie seit 30 Iahren wegen eines doppelseitigen Herzklappenfehlers in ärztlicher Behandlung steht.
Um. Stoeffler
