Indiana Tribüne, Volume 27, Number 228, Indianapolis, Marion County, 17 May 1904 — Page 7
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..z. i i-S- 5-i jv ' U tt M4i ' "vv" r4 tt A.t. m .4. 44 (Fortsetzung.) Nein, er Hielt sie dessen nicht für fähig. Mit einem raschen Griff hatte sie den häßlichen, sie entstellenden Hut abgenommen und eine rothe, im Vorübergehen gepflückte Mohnblume in ihr dunkles Haar gesteckt, wodurch die Carmen vom Maskenball und die Sylvie aus dem Löwenkäfig plötzlich wieder zum Vorschein gekommen waren. Im leidenschaftlichsten Tone fuhr sie fort: Wenn ich die Liebe nicht, kennte, so wäre mir Edmund vielleicht nur unan genehm gewesen. Aber jetzt kenne ich sie, und nun ist er mir verhaßt! Wollen Sie mich darum tadeln?" Aber Sylvie, wohin soll das alles führen?" Das eben wollte ich Sie fragen." Sie brach in gellendes Lachen aus, ließ ihn jedoch nicht zu Wort kommen. Nein, nein, schweigen Sie, denn Sie würden mir jetzt doch nicht die Wahrheit sagen; Sie kennen ja sich selbst nicht. Der Mann paßt sich doch immer nur de Umständen an; wir Frauen dagegen wollen die Umstände nach unserm Willen umformen. Und weil wir auf Euren schwachen Grund bauen, weil wir die Unklugheit begehen, uns auf Euch zu stützen und uns Euch zu unterwerfen, deshalb stürzt auch unser Glück so häufig in sich zusammen. Ich aber werde dem allgemeinen Irrthum nicht zum Opfer fallen. Erst wenn Sie ebensoviel Muth, Hingebung und Vertrauen bewiesen haben als ich, dann erst werde ich Ihnen das Recht einräumen, Fragen zu stellen. Bis dahin aber fragen Sie mich nicht, holen Sie sich keinen Rath bei n?ir und nähern Sie sich mir nicht. Ich liebe Sie warum sollte ich es leugnen? aber ich muß den Gegenstand meiner Licöe zugleich ctich achten können, und das, was eine Frau über alles verachtet -oicic: ?'?. 'r s; ? f 8 einnfornfi die UüciTiju)iSicüheti." Jürnccnt wutzte tu vielem Augenblick nicht, was in ihm vorging. Sylvies weit geöffnete, wundervolle Augen schössen flammende Blitze, während ihre Worte ihn kalt und schneidend trafen, fo wie ein scharfer Nordostwind im Winter uns bis in's Mark erkältet, um einem dann plötzlich das Blut in's GeHirn zu jagen. In seinem Kopfe drehten sich die Gedanken wie im Kreise; Gefühle, Ansichten, Grundsätze, alles drohte sich in ihm zu verschieben. Germaines und Estelles liebliche Gestalten waren entschwunden. Nichts existirte in diesem Augenblick mehr für ihn. als das Stückchen Wiese, wo er mit Sylvie weilte, und wo es keine Erinnerung, keine Vergangenheit aber auch keine Liebe für ihn gab: nichts als jene Frau und den geheimnißvollen bösen Zauber wie Estelle sich ausdrücken würde den sie auf ihn ausübte. Und wenn ich nun entschlossen wäre?" ., Er hätte nicht zu sagen vermocht, was das für eine Macht war, die ihm diese Worte in den Mund legte und ihn in dieser Weise vorwärts trieb; nur war keine selbstsüchtige Regung dabei. Beide Handgelenke der jungen Frau ergreifend, wiederholte er seine Frage. Von einer innern Bewegung oder Rührung aber war nicht das Geringste bei ihr zu bemerken, im Gegentheil, scharf und prüfend bohrten sich ihre Blicke in die seinigen. Entschlossen, wozu?" fragte sie kurz. Er wußte es nicht. Plötzlich, unwiderstehlich war ihm der tolle Gedanke gekommen, Sylvie zu erobern, zu bezwingen, und wäre es auch nur, um sie von Grund aus kennen zu lernen; kein Opfer sollte ihm zu groß sein, um dieses Ziel zu erreichen. Sie hatten inzwischen das niedrige Gehölz, das auf dieser Seite die Wiese umsäumte, erreicht. Ein Weidenbaum breitete seinen spärlichen Schatten über die Beiden aus, das Vächlein, an dessen Rande die von Fanny und Adele vergeblich gesuchten Vergißmeinnicht wachsen sollten, rieselte zu ihren Füßen eine freundlich-stille Umgebung, die recht gut zu einer Liebesidylle gepaßt hätte. Vincent Gerbault aber' war es jetzt durchaus nicht um Liebesgetändel zu thun. Schon klang es wie drohendes Unheil aus den kurzen, hastigen Worten, die die Beiden, die Blicke ineinanderaesenkt, austauschten. Was haben Sie mir anzubieten?" Alles was ein Ehrenmann anzubieten hat." Sie lachte. Also wieder ein Vorbehalt." Die Ehre ist etwas, das man sich immer vorbehält." Mas ist überhaupt Ehre?" Wieder, ertönte ihr spöttisches Lachen. Wahrscheinlich verstehen Sie in diesem Fall unter Ehre, mir im Hause meines Mannes den Hof zu machen?" Möchten Sie denn, daß ich Sie entführe?" Halb scherzte er, halb sprach er im Ernst. Schon um den Preis, . diesen trotzigen Blick vor dem seinigen sich senken zu sehen, hätte er sie rauben und diese kleine Carmen zu sich auf den
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tt Vornan von hampol w f "" ,7, tt -r-.-Sättel seines Pferdes heben mögen, um mit verhängtem Zügel, ohne Gedanken an ein Reiseziel, mit ihr in die Ferne zu jagen. Immer schärfer und geringschätziger klang ihr Lachen. Mich entführen! Nein, nein,, das ist es nicht, was ich verlange." Was denn?" Heirathen Sie mich!" Mit .erschreckender Ruhe sprach sie diese Worte. Mit einem Fuß auf der Rasenböschung stehend, sah sie den Offizier scharf an. Kein Muskel ihres Gesichts verrieth eine innere Erregung. Heirathen foll ich Sie?" wiederholte er ganz bestürzt. Ja. Meine Ehre besteh! darin, nur für eine einzige Liebe zu leben, diese Liebe unter keinen Umständen zu verrathen, ebensowenig aber selbst einen Verrath zu dulden. Unter allen menschlichen Banden ist nun aber die Ehe noch das dauerhafteste. Sie werden mir i Zwar entaeanen. dan ick ia bereits verheirathet sei, doch das ist nicht wahr. Ich habe mir diese Ehe in meiner Unwissenheit aufdrängen lassen, und deshalb kommt mir auch moralisch das Recht zu, diese Kette zu zerreißen. Es handelt sich also nur noch darum, mich auch äußerlich zu befreien, und das ist Ihre Sache." Meine...? Aber..." Wie löst man denn eine Ehe?" Endlich hatte Vincent begriffen, und wie mechanisch antwortete er: Eine Scheidung?" Minutenlang schwieg Sylvie, als warte sie noch auf einen Zusatz. Da dieser aber ausblieb, wiederholte sie mit einem solch gellenden Auflachen, daß Vincent erbebte: Ja, die Scheidung, etwas anderes gibt es nicht." Mit einem Satz sprang sie von der Erhöhung herunter und sagte, ihre glühende Hand auf die Gerbaults legend, mit dumpfer Wuth, aus der Zugleich i'Mm Enttäuschung klang: Auch das flößt Ihnen Angst ein, gestehen Sie es nur! Es verletzt Ihre Vorurtheile. O, Sie Philister! Wahrscheinlich möch ten Sie wenigstens wissen, ehe Sie sich in diese' Abenteuer hineinwagen, wer Wdrien w ajtn I?ffken Satz spracy ne, ryre tigkeit niederkämpfend, ruhiger und in dem früheren spöttischen Ton. Ohne Zweifel war es ihr nicht entgangen, daß Vincent Plötzlich wieder zu ruhiger Besinnung gelangt war und einen tiesen Schreck über die unbedachte Aeußerung seiner Gefühle empfand. Mit heiterem Gesicht und einem Lächeln um die Lippen wiederholte sie jetzt: Ich werde es Ihnen aber nicht sagen, damit Sie sich in der Eifersucht und im Spioniren etwas üben können. Da Sie mir indeß doch leid thun, so erlaube ich Ihnen, sich bei meinen Angehörigen zu erkundigen." Sylvies lustiges Auflachen zeigte dem Hauptmann zur Genüge, daß er sich wieder einmal in ihr getäuscht hatte, und daß das Gespenst Adrien," das ihn so beunruhigt hatte, nur ein Trugbild war. Sehen Sie, da kommen sie wie gerufen, um Sie aufzuklären," fügte Sylvie hinzu, auf Edmund deutend, de? gerade in dem Augenblick aus dem Gebüsch austauchte und sich ihnen näherte. Wie ihr doch dieses plötzliche Abbrechen ähnlich sah, dieses unvermuthete Entschlüpfen, während man sie eben zu fassen glaubte! Nachdem sie Vincent von einer Erregung in die andere hineingezerrt hatte, überließ sie ihn einfach dem Aufruhr seiner Gedanken und Gefühle. Ja, ihm war fast, als sei das, was er soeben gehört und gesehen hatte, gar keine Wirklichkeit gewesen. Sylvie hatte inzwischen ihren Hut wieder aufgesetzt und beugte sich nun über einige kleine, im Grase entdeckte Pilze, die sie prüfend betrachtete. Rühre sie nicht an sie sind giftig und zwar von der schlimmsten Sorte!" rief Edmund, der die Gelegenheit öenützte, sich als fürsorglichen Gatten aufzuspielen. Da diese Aufmerksamkeit indeß nicht die geringste Beachtung fand, wandte sich der arme Ehemann mit trübseliger Miene nach Vincent, um, und als er auch bei diesem auf keine Theilnähme stieß, begann er von Neuem: Ich habe eine gute Nase gehabt. Das Wild befand sich alles dort drüben, und deshalb bin ich auch der einzige, der seine Jagdtasche gefüllt hat." Dabei öffnete er sein als Sack verwendetes, bis oben hin gefülltes Taschentuch und wischte sich mit einem Zipfel desselben den Schweiß von der Stirne. Kommt mit; ich werde Euch in die Feinheiten dieses Handwerks einweihen." In Ermanglung von etwas Besserem belegte er Vincent mit Beschlag, und sobald er bemerkte, daß Sylvie noch immer grollte und ihm nicht folgte, fragte er hastig: Nun, wie steht's mit den Friedensverhandlungen? Weil der Plan zu Hause in's Wasser gefallen ist, habe ich Dir eine neue Gelegenheit verschafft, die Du auch benutzt hast, wie ich bemerkt, habe.. Der Schlinsel!
Nicht einmal zu erklären brauchte man ihm die Sache. Sylvie muß übrigens furchtbar eigensinnig sein, daß sie noch immer die Waffen nicht streckt. Oder bin ich am Ende zu früh gekommen? Aber weißt Du. ich konnte es vor Ungeduld nicht mehr aushalten . . . Ich bin unglücklich . . . jawohl, niemals hätte ich gedacht, daß mich ein Mensch so unglücklich machen könnte." Er fuhr sich mit dem einen Zipfel seines Taschentuches über die Augen und fügte dann mit einem verzweiflungsvollen Seufzer hinzu: Aber sage, was bleibt mir nun noch zu thun übrig?" Dich in's Unvermeidliche zu finden," antwortete Vincent schroff. Sprachlos, entfetzt blieb Edmund stehen. Mit anderen Worten," fuhr der Hauptmann fort, da mein Eingreifen nichts genützt hat, so kann ich Dir zu Deinem eigenen Wohl nur den Rath geben, meine Hilfe künftighin nicht mehr in Anspruch zu nehmen. Deine Sache ist es, den richtigen Weg zu finden." Da sieh mal einer an! Also nichts erreicht! Und ich hielt Dich immer für so klug. Wie man sich doch in den Menschen täuschen kann!" Das gab Edmund ein wenig von seinem Selbstgefühl zurück. Gut, da muß ich eben allein fertig werden. Ein sicheres Mittel gibt es in solchen Fällen ja immer: man thut einfach alles, was das andere will. Daran hast Du, armer Junge, natürlich nicht gedacht!" Bald hatten sich die Familienglieder wieder um den Klappstuhl Frau Mougins vereinigt, in deren Schooß Fanny und Adele glückselig ihre Beute schütteten. Sylvie, die zuletzt und mit leeren Händen ankam, wurde trotzdem mit den freundlichsten Worten von Edmund empfangen, der sein Versöhnungssystem sofort anwandte. Ei, ei, das Faulpelzchen! Hat sich ruhig in's Gras gesetzt und gedacht, ihr Mann müsse eben für zwei arbeiten, was übrigens ja auch ganz in der Ordnung ist! Jetzt müssen wir uns aber wieder auf die Strümpfe machen. Dort hinten droht nämlich eine heimtückische Wolke, die noch flinker sein könnte als wir. Natürlich bin ich wieder der Vorsichtige, der einen Regenschirm bei fr' hat. Ich nehme nämlich immer einen mit; das ist auch einer meiner Grundsätze. Da, Kleinchen, hast Du ihn, icb traae Dir dann Deinen Sonnenschirm." .Danke." Immer mit dem gleichen schmollenden Gesicht begab sich Sylvie an die Spitze der Schaar, während Gerbault von Frau Mougin, der die Beine beim Aufstehen heftig zitterten, in Beschlag genommen wurde, kannte sie doch den Hauptmann als wohlerzogenen jungen Mann, der sich einer alten Dame jedenfalls willig widmen würde. Geduldig nahm er denn auch die niedergeschlagene Stimmung und den schwankenden Gang seiner Gefährtin auf sich, die nicht lange zögerte, ihm ihr Herz auszuschütten und ihm die Sorgen anzuvertrauen, die ihr ihr jüngstes nd im Gegensatz zu den beiden anderen durch seinen unruhigen Geist von frühester Jugend an gemacht hatte. Als sie dann sechzehn Jahre alt war," schloß die gute Frau mit einem Seufzer, da hatten wir Tag und Nacht nur den einzigen Gedanken: Wenn wir doch einen Mann in angenehmer Lebenslage für sie finden könnten! So begrüßten wir Edmunds Antrag natürlich als einen gütigen Wink der Vorfehung. Nur Adele, die liebe Unschuld, sagte damals mit Hellem Blick voraus: Dieses Glück ist zu groß, als daß es lange dauern könnte! Und wirklich, das gute Einvernehmen zwischen dem jungen Paare war neulich schon ernstlich gestört. Ah, welch schwere Prüfung für eine arme Mutter! Was die Kleine nur für Grillen im Kopfe haben mag? Ach, wenn ich da klar sähe!" Vincent hätte es Frau Mougin sagen können. Alles warf ja an diesem Tage neue Streiflichter auf Sylvies Charakter. Sie war zu dem Ergebniß war er allmälig gelangt eines jener außergewöhnlichen, besonders gearteten Wesen, wie sie manchmal ganz unerklärlicherweise in einer Familie auftauchen, wie etwa' ein weißer Rabe unter einer schwarzen Brüt. Die zwischen ihr und ihrer Umgebung bestehenden Gegensätze regten ihr Gemüth auf, und der vergebliche Wunsch nach Befreiung verbitterte sie. Als junges Mädchen hatte sie mit ihrem ausgesprochenen Thatendrang, ihrem Verlangen nach Luxus und Reichthum in die Ehe mit Edmund gewilligt, weil sie darin ein sorgenloses Leben, Freiheit und einen gewissen Grad von Glück zu finden gehofft hatte. Die bittere Enttäuschung rief jetzt neue Wünsche in ihr hervor, vor allem die Sehnsucht nach einem ihrer Liebe würdigen Gegenstand. Als letzter erreichte Gerbault mit Frau Mougin am Arm die Zinkpastete. Ein patriarchalisches Bild erwartete sie. Wohlthuende Dämmerung hatte sich auf den sonnendurchglühten Garten und die Straße gesenkt, und die Familie genoß, malerisch auf den Stufen der Freitreppe versammelt, die Abendkühle. Auf der obersten Stufe saß Edmund in Hemdärmeln. Als Kenner las er die gesammelten Pilze aus, die er Sylvie mit ausgesuchter Höflichkeit überreichte: Möchtest Du wohl die Güte haben, meine Liebe, und der Köchin sagen, daß sie die Pilze in weißer Sauce mit etwas Zwiebeln zubereitet?" Ohne Erwiderung ging Sylvie ihrer Hausfrauenpflicht nach. Dann begaben
sich alle in's Haus. Frau Mougin sank in einen Lehnstuhl, ihr Gatte griff zu der Zeitung, Edmund brütete etwas abseits über seinen Herzenskummer die Mädchen setzten sich, die Hände im Schooß gefaltet, in steifer Haltung auf zwei hochlehnige Stühle und Vincent konnte endlich seinen Gedanken freien Lauf lassen. ' Was ihn am meisten wunderte, war die eigenmächtige Art, womit Sylvie von seiner Person Besitz ergriffen hatte. Wodurch hatte er sich dieses Vertrauen zugezogen? Und was sollte er nun damit anfangen? Denn Liebe empfand er nicht für Sylvie o nein! Er begriff überhaupt seine Rede von vorhin nicht mehr, und noch weniger,- warum er jetzt, wie durch eine höhere Gewalt festgehalten, noch immer in diesem Hause blieb. Wollen Sie vielleicht die Photographie dort ansehen, Herr Hauptmann?" ließ sich Fannys sanfte Stimme hinter ihm vernehmen. Schüchtern zeigte sie auf ein an die Uhr gelehntes, uneingerahmtes Familienbild. Wir haben sie erst neulich erhalten; sie ist gut gemacht, nicht wahr?" Wen stellt sie denn vor?" Die Moissonots. Sie wissen doch! Madeleine Moissonot, ihren Mann und den kleinen Adrien." Adrien?" Ja, Adrien Moissonot, den Sohn unserer Freundin Madeleine und Syldies Pathenkind." Vincent hatte die Photographie zur Hand genommen und sah nun den heißgeliebten Adrien" in Gestalt eines häßlichen, halbwüchsigen Jungen mit großem, gwttgeschorenem Kopf und plattgedrückten Gesichtszügen zwischen seinem kahlköpfigen, bärtigen Vater und einer dicken, übertrieben elegant gekleideten Mutter sitzend. Um für diefes Menschenkind eine glühende Zärtlichkeit zu empfinden, dazu gehörte in der That eine ungewöhnliche Gefühlsstärke. Das ist Adrien?" fragte Vincent fast ärgerlich. Ja," Fanny war glückselig, endlich auch einmal des Hauptmanns Interesse gefesselt zu haben die Photographie wurde in Paris gemacht, wo Moissonots eine alte, kranke Verwandte in der Nähe, in ... ich habe den Namen vergessen besuchen wollten." In Bourg-la-Reine," vollendete Sylvie, die soeben eingetreten war. Ihre Ziemlich lange Abwesenheit erklärte stch dadurch, daß sie. entgegen der ländlichen Sitte ihrer Heimath, zum Abendessen Toilette gemacht hatte. Titiit hörte Vincent Fanny nicht mehr zu, die fortfuhr: Vorgestern ist diese alte Dame nun gestorben, und sobald Moissonots die Erbschaftsangelegenheiten geordnet haben, werden sie uns besuchen." Sylvie unterbrach die uninteressante Erzählung: Wie gefällt Ihnen mein lieber kleiner Adrien?" fragte sie mit besonderer, höhnischer Betonung. Der stets gefällige Gatte enthob seinen Vetter der Verlegenheit einer Antwort: Ein netter kleiner Kerl," beeilte er sich mit dem ganzen Eifer seiner aufrichtigen Reue auszurufen. Und pfiffig ist er! Ich freue mich recht, bis er kommt. Der Schlingel wird etwas Leben in's Haus bringen, und dann ist's auch gut, wenn wir uns beizeiten an Kinder gewöhnen." Diese Unterwerfung, die selbst einen Kerkermeister gerührt hätte, ließ Sylvie indeß vollkommen kalt. Wahrhaftig, nichts macht Eindruck." flüsterte Edmund seinem Vertrauten in's Ohr, während man in's Speisezimmer hinunterging. Unbegreiflicherweise befand sich das Speisezimmer im Untergeschoß, wodurch ihm, abgesehen von seinem düsteren, trüben Charakter, ein unangenehm feuchter, kellerartiger Geruch anhaftete. Die Decke bildete ein Gewölbe, das Fenstergesims befand sich auf gleicher Höhe mit dem Gartenboden, so daß man sozusagen bis an die Hüften in der Erde steckte. Dicke Rauchwolken drangen von der Küche in das mit Düften von Kaninchenragout angefüllte Zimmer, was Edmund einer bevorstehenden WetterVeränderung zuschob. So wurde bald der allgemeine Wunsch rege, die Fenster zu öffnen. Draußen war es sehr dunkel. Ein Luftzug ließ die auf dem Eßtisch stehende Lampe aufflackern, und ihr unruhiger Schein warf feltsame Streiflichter auf die, Gerbault gegenübersitzende Hausfrau, auf die Falten ihrer rothen Bluse und auf die weiße Wand hinter ihr, so daß sie ihm wie in einem geheimnißvollen Schleier erschien. Noch niemals war sie so hübsch gewesen, wie an diesem Abend. Weit entfernt von einer Uebermüdung, hatten die Anstrengungen des Tages sie im Gegentheil in eine ungewöhnlich heitere und lebhafte Stimmung versetzt, als sei ein Leben voll kühner Wagnisse und Gefahren ihr wahres Element. Vincent, der sich noch immer in einer Art Betäubung befand, wunderte sich nicht wenig über diese unverwüstliche Geistesfrische. Wo sind denn nun aber meine Champignons?" rief Edmund zum dritten Male, nachdem er über dem Kaninchenkopfe, seinem Lieblingsstücke, seinen Herzenskummer etwas vergessen hatte. Endlich wurden die durch das Kochen zu einem kleinen Gerichte zusammengeschrumpften Pilze gebracht. Pfui, wie abscheulich!" rief Sylvie, rücksichtslos die ihr angebotene Schüssel von sich weisend, während Frau Mou-
gin freundlich eine Magenverstimmung vorschützte und die andern aus Furcht vor einer möglichen Vergiftung dankend ablehnten. Vincent aber genügte die Erinnerung an das zweifelhafte Taschentuch, das als Sack gedient hatte, um das Gericht zu verschmähen. Na, um so besser!" rief Edmund gekränkt. Dank Eurer Feigheit bekomme ich jetzt den LLwenantheil. Die Pilze werden mir herrlich schmecken!" Eben zog er die Schüssel zu sich heran, als die gute Adele plötzlich noch einmal eine Mahnung zur Vorsicht äußerte. Sage mal, Sylvie, Du hast doch gewiß ein Frankenstück in die Pfanne gethan? Ist es auch nicht schwarz geworden?" Nein, nein, hier ist es," antwortete die bis dahin der Unterhaltung gleichgiltig zuhörende Sylvie, indem sie das fragliche Geldstück mit gelangweilter Miene auf den Tisch warf. Ist es nicht doch vielleicht ein wenig schwärzlich?" bemerkte Adele, es prüsend betrachtend. Nein, es war vorher schon schmutzig," bestätigte Fanny. Gerbault schenkte dem Geldstück keine Beachtung. Er blickte nur auf Sylvies Hand, den spitzen Zeigefinger und den kurzen, breiten Daumen. Von der Hand glitt sein Blick dann zum Gesicht hinauf. Wie verändert sah es plötzlich aus! Es hatte ganz den seltsamen Ausdruck, der ihm schon einmal an Sylvie aufgefallen war, und zwar damals im Löwenkäfig, als sie jeden Augenblick fürchten mußte, die Bestie stürze sich auf sie, was der jungen Frau ein wildes, unaussprechliches Vergnügen bereitet zu haben schien. Gerade so wie damals funkelten jetzt ihre weit geöffneten Augen, und die goldenen Blumen entfalteten sich in ihrem vollen Glänze. Was für Blumen sahen sie doch ähnlich? Auf den Vorbergen der Pyrenäen, wo Vincent sich als Knabe umhergetrieben hatte, da erinnerte er sich, aus bräunlichem Moose hervorsprießende gelbe Blümchen gesehen zu haben, die man ihm als giftig bezeichnet und zu pflücken untersagt hatte. (Fortsetzung folgt.) Gefahren der Hangel a m p e. Als die Familie des FuhrWerksbesitzers Thoß in Ellefeld, Sachsen, dieser Tage beim Abendbrot saß. stürzte plötzlich die brennende Hängelampe auf den Tisch. Im nächsten' Moment explodirte der mit Petroleum gefüllte Glasballon, und das brennende Petroleum ergoß sich auf die am' Tische sitzenden fünf Personen. Die schwersten Brandwunden erlitten ein dreijähriger Knabe und ein etwas älteres Mädchen, die bald nach dem Unglücksfall den Wunden erlagen. Die Eheleute Thoß versuchten trotz der erlittenen Verletzungen, die Flammen zu ersticken, dabei trugen sie jedoch noch beträchtliche Brandwunden davon. Schwere Verletzungen zog sich auch ein erwachsenes Mädchen zu. Das Unglück dürfte dadurch entstanden sein, daß sich der Haken aus der Decke, an dem die Lampe befestigt war, löste. Um zwei Vögel! Der FlurHüter und Nachtwächter Bauroth aus Springstille, Provinz Hessen-Nassau, hatte neulich den Nagelschmied David Mangold aus Altersbach nebst einem Genossen beim Vogelstellen ertappt, deren Lockvögel beschlagnahmt und vorläufig in seine Wohnung mitgenommen. Am folgenden Abend, während Bauroth seines Amtes als Nachtwächter waltete, erschienen die beiden Vogelstcller in seiner Behausung und es gelang ihnen auch, der beiden Lockvögel wieder habhaft zu werden. Die kranke Frau des Wächters schickte aber sofort ihre Tochter zum Vater, der eiligst, mit seinem Gewehr bewaffnet, die Verfolgung aufnahm. Als er Mangolds ansichtig wurde, rief er Halt!" legte dann sofort an und schoß auf ihn. Mangold stürzte, in den Unterleib getroffen, lebensgefährlich verletzt zusammen. M i ttel. d en Wuchs der Hörner beim Rindvieh beliebig zu leiten. Soll junges Vieh Hörner von einer gewünschten Form erlangen, so macht man auf der Seite, auf welcher das Horn sich entwickeln soll, zwei bis drei kleine Einschnitte von der Dicke eines Messerrückens. Auf diese Weise kann man den Hörnern allmälig bestimmte Richtungen geben. Bei Krebs und Brand der Ob st bäume wird mit bestem Erfolg Holzessig verwendet. Die kranke Stelle ' wird mit einem scharfen Messer bis auf das gesunde Holz ausgeschnitten und die Wunde mit einem in Holzessig getauchten Schwämmcken bestrichen. Das hilft viel besser als das seither Mliche Bestreichen mit Hölztheer. A.ursÄ7?ng. G a st : Geht denn Ihre Wirthschaft jetzt etwas besser?" W i r t h : O ja, es kommen schon Hausirer herein!" Das Rationellste. Erlauben Sie mal, wie trägt der Boden mehr, mit Natur- oder mit Kunstdünger?" Am meisten mit'n Baufchwindel!" Die Aerztin. Nein, Fräulein Doktor, daß ich gekade dieses Leiden haben soll, kann ich mir nicht denken." Und doch ist es so. Frau Räthin, ich vermag meine Diagnose nicht zu ändern; übrigens Ist die Krankheit ganz modern."
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j? 1 Pennsylv Stefci English'S Op-HsuS i LastundN'S1ork ? Noble und Michigan 4 N. Jersey u. Mag 2fo 3 Pine und Nvrth 10 Mavtet und Pine '1 Vermont nahe East 'S Nq. 8 Spritzenhaus Mass. Ave nahe Nobk :2 Delaware und Walnut 11 Jersey u Central A Mass. undCornellAvk 3 Ash Ui.d 11. ütrcfce ? Park Ave und 12 Stt .3 üslumbia ndHillfide .9 Highland Ave u. Pratt !1 Illinois und St. Jo iS Pennshlv. und Pratt ii Wendian unv n. Str .'5 35a. 5 Spritzenhaus 16. nahe Jllino,S 13 Senate Tveu. StClatr .'? Illinois und Michigan 38 Pe sdlvania und 14. : Senate Ave. und 13. 1 No. 1 Spritzenhaus Ins ÄvenaheMichiga i2 Meridia und Walnut (4 California u Be?mont M Blake und New York ii Ind. Av. u. St Llai J7 City Hospital 38 Blake und Norch 39 Michigan und LgneS 1 No. 6 Spritzenhaus Washington nahe West Gsendvrf u Wasb. Missouri u New Dort 6 Meridian u Wash 46 Illinois und Ohio i7 Capitol Av. u Wash 9 Kmgan'ö Porkhauö W Straßenbahn Ställe 555. Washington Stt ?1 No. 10 Spritzenhaus Illinois u Merrill S2 Illinois u Louisian s West und South 54 West und McCarty 55 Senate Ave. u Henry 57 Meridian und Ray 58 No. 4 Spritzenhaus MadisonAv.u MorriS 59 Madion Av. u Dunlop ZI No Haken LeiterhsuS South nah Delawar 3 Penn, u Merrill ss Delawar u. VKCart afi und MrSartY New Jersey u. Starrt 7 irg. Xo. u Bradsha es Gast und Prospekt k Bicking und High l No. ii Spritzenhaus ir Ave. wche Huron ?k East und Georgia 73 Eeda und Elm 74 Davidson u Georgia 7 English Av. u Pwe 76 Shelby und BateS 3 No. 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Shelby 19 Fletcher Av. u Shelby öl Market u. New Jersey 32 Dclaware und Wash. 8 East u Washington S4 New Dork u. Davidfoe 85 Taubstummen Anstalt H6 Ver. Staaten Arsenal 87 Orient! und Wash. 39 Frauen-Reformat. "51 No. 13 Spritzenhaus Msryland nahe Mer. J2 Meridian u. Georgia, s,? Meridian und South S4 Pennstzlv u. Louisian 5 Lirgini Ave u. Alab. )6 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 98 Capital Ave und Ohik 23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Afh. 124 Alabama und 16, .25 Central Ave und 1L. , S6 DsndeZ und 16. i27 Brookside und Jupiter I.2S Central Ave und 17 i,üi) Delaware und 19. '.31 Alabama und 11. i32 Bellefontaine und 134 College Ave und SS. 136 Delaware und 13. (36 Alabama und North 37 Newmann und 19, :38 College Ave und 14, 13 Csrnell Ave und 13. .41 Fandes unb 19. HZ Highland Ave und 10. x43 Tecumseh und 10. US New Jersey und 2. ' 46 Alvord und 17. (47 No. 2 Spritzenhaus Hilside Ave und ".6. .48 College Ave und 22. il9 Tollege Ave und 27. .52 Park Ave und 2. 155 LEu. W Bahn u. 22. i34 Ramsey Ave und 10. 156 Stoughton u Newman 57 AtlaS und Pike. .53 Bloyd und Pawpaw. '.59 No. 1 Spritzenhaus Brightwood m Arden und Depot 163 Brightwood und 26. l4 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. Keystone m Arsenal Ave unk 23. ,S3 Bellefontaine und 28. 1SS Pcrk W nd 1, 212 Capital Lse nd tt. sia Prnii. u. 3KICJUBIU 214 JUinots nd 20. 415 Senate Scve und N 216 Pennsvlvania und 2?. xn Meridian und 16. ilä Capital Av und üft 21 Broadivay und 10. 231 Illinois und 3ta2UJ ZHi No. 14 SvnzenhauS Kcnivosd und 3. 5 Illinois und 33. 6 A?metta und Se 237 No. s. Eprchinh? Udell und Rao 233 Udell Ladder sr!ö 239 JsaSel und 7. 241 Meridian und 24. S4S Illinois u St. El?: 243 Eldridge und 28. 312 West uud Walmtt 13 West und 12. L14 Howard und IS, 315 Torbtt und Paca 316 Capital Ave und !v, si? Northwestern Ave k7 318 Gent und 18, 819 Canal und 10. 824 Cerealine WorkS 824 Vermont und Lyn 325 BismarS u Grandvieti 526 No. 29 SpntzenhauS Haughville. 527 Michigan u. HolmeS, S23 Michigan u. Concord 341 West und McJnttzre 412 Missouri u. Marylsuk 413 Missouri und f)hw 415 Capital Ave 'seorgi 416 Missouri u KenwckyS. 417 Senate Ave u. Wash. 421 P und E ?lunduS W. Washington. 423 Jrren-Hospitat. 424 Miley Ave u. I D u9 425 Wash nd Harr 426 No. 18 Spritzen?? W. Washington 427 Oliver und Virch 423 Oliver und OSgood 429 Nordyke und Fork 431 Hadlev Ave u. MorriS 432 River Ave u. MorriZ 484 River Ave und Ray 436 Harding U. Big 4 R ? 436 Harding und Olive 437 No. 19 SpritzenhqZ MorriS und Hsrdina. 438 Hstoarb S WSsB 49 Stocky 461 Reisn und LWe 452 Howard und Stt 453 MorriS und Kapp 5 Lambert und Ve!k 457 NordyK Vxt . m& mon WorkS 612 West ttd Ray 613 Kentucky Ave u. ZSerrV 14 Meridian und MorrK 61 JllinoiS nd anM 617 Morris und Dakota 613 MorriS und Church 619 Capitat A. u M Car, 621 Meridian und Palm 623 Pme un, Lord 624 Madisor.Ave u Linco! 526 Meridian und Bett 627 CarloS und Ray S28 Meridian und Arizsn 29 Meridian u. Rah?iwnd 631 Meridian u. Mrl5ctt'.,i 622 No. 17 EpritzentiS Morris nahe West 612 McKernanund Douh 613 East u. 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