Indiana Tribüne, Volume 27, Number 228, Indianapolis, Marion County, 17 May 1904 — Page 6

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'Frovinz Westfren. Münster. Der Kaiser von Oester reich hat dem Oberbaurathe bei der Dortmund - Emscanalverwaltung Hermann das Comturkreuz des Franz Joseph - Ordens verliehen. B e ck u m. Von einem betrübenden Unfall wurde der Kutscher eines hiesigen Cementwerkes, Paul Feuerborn, betroffen. Er wurde von einem Pferde vor den' Leib geschlagen und erlitt so schwere Verletzungen, daß er verstarb. Feuerborn wollte in Kürze in den Ehestand treten. Der etwa 16jährige Arbeiter Johann Johanson von hier wurde auf der Cementfabrik in Friedrichshorst von dem Getriebe einer Maschine erfaßt und sofort getödtet. Dortmund. In einem Restaurant an der Kaiserstraße hat sich ein betrübender Unglücksfall, dem ein junges Menschenleben zum Opfer gefallen ist, zugetragen. Der dort bedienstete Kellner Fritz Fleisch aus Kamen, ein junger Mann von 19 Jahren, wollte einen von spielenden Knaben auf das Dach geworfenen Ball von dort herunterholen und bestieg zu diesem Zwecke eine Leiter. Mit dieser stürzte er um und mit dem Kopfe auf eine Steinstufe. Er wurde blutüberströmt durch den Feuerwehr - Krankenwagen besinnungslos dem Krankenhause zugeführt. Dort ist er an den Folgen des Sturzes (Schädel bruch) gestorben. Erschossen hat sich hier der Ingenieur Rose, Rheinischestraße wohnhaft. E s l o h e. Die 73jährige Franziska Becker aus Beisinghausen wurde hier letztens beerdigt. Sie hatte 35 Jahre der Familie Landwirth Engelhardt in Niedereslohe treu gedient. H ü i n g s e n. Total niedergebrannt ist das Anwesen des Besitzers Rüschenbäum. Auch das Stallgebäude des Nachbars wurde von den Flammen ergriffen und eingeäschert. R i m b e ck. Das in der Nähe der Laudageschen Wirthschaft gelegene Rieland'sch Wohnhaus brannte 1x5 auf den Grund nieder. Auch das Dach des nebenstehenden Neubaues wurde ein Raub der Flammen. Schwerte. Commerzienrath Richard Fleitmann, der Generaldirektor der Vereinigten Deutschen Nickelwerke, hat aus Anlaß seiner 25jährigen Thatigkeit auf dem Nickelwerk 30,000 Mark als Grundstock für die Errichtung einer Badeanstalt gestiftet. 'RHeinprovrnz. Köln. In Magdeburg erschoß sich ein Deserteur Namens Gerlach von hier, welcher einer Chansonnette nach dort nachgefahren war, von .dieser aber mit seinem Antrage abgewiesen wurde. Barmen. Der in den 30'er Iahren stehende, bei dem Fuhrunternehmer Sondermann auf Veckacker angestellte Fuhrmann Christ. Lange hatte Kohlen nach Langerfeld befördert. Auf dem Heimwege wurde er von seinem Pferde derart getreten, daß er hinstürzte. Er gerieth unter die Karre, die Räder gingen ihm über die Brust und fügten ihm so schwere Verletzungen zu, daß der Aermste in seiner Wohnung am Veckacker seinen Verletzungen erlegen ist. Bonn. Die Universität Hierselbst ernannte Herrn Nommensen, früheren Dienstknecht auf der Nordsee - Insel Nordstrand, der jetzt als Missionar auf Sumatra wirkt, für seine Uebersetzung der Bibel in die Sprache der Battas zum Doktor der Theologie. Essen. Schwer verunglückt ist der Knecht Enne. Beim Verlassen eines Jauchefasses kippte er es nach hinten über, wobei das eingespannte Pferd scheu wurde und mit der Karre davon raste. Er wollte das Pferd ergreifen, kam aber hierbei zu und muß wohl unter den Wagen gekommen sein, denn er hat schwere innere Verletzungen und eine tiefe Wunde am Unterleib davongetragen. Gemünd (Eifel). Auf den die Orte Krummenanel sowie die Kantinen an der Urfthalsperre bei Heimbach bestellenden Landbriefträger Schöller von hier wurde ein Raubanfall durch einen italienischen Arbeiter gemacht. Schöller wurde durch fünf Revolver schüsse schwer verwundet. Der des Ueberfalls verdächtige italienische Sachanini wurde in einem Eisenbahnzuge zwischen Nettersheim und Trier festgenommen. Gutenberg. Durch Scheuwerden gingen auf der Hargesheimer Chaussee die Pferde eines Landwirths durch und überrannten den hiesigen Landwirth Schmitt, der fo schwere Verletzungen erhielt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Kreuznach. Das fünfjährige Söhnchen des Kellermeisters Schmitt in Ebernburg, welches seit Kurzem vermißt wurde, hat man an den Salinen in der Nähe als Leiche gelandet. Jedenfalls ist der Kleine beim Spielen in die Nahe gestürzt und ertrunken. O st e r r a t h. Bahnwärter Wafch von hier wurde von einem nach Krefeld fahrenden Personenzuge erfaßt und starb an den erhaltenen Verletzungen. Er hinterläßt eine Frau mit einer zahlreichen Familie. R e m s ch e i d. An Schädelbruch u. Gehirnerschütterung verstarb im hiesigen Krankenhause der Holzarbeiter Münzfeld von hier. Der Verstorbene war in Burg in bewußtlosem Zustand aufgefunden und in's Krankenhaus geschafft worden.

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Das Heiligenbild welches Genera! Kuropatkin von et. Petersburg verehrt wurde. Jeder russische Admiral und General, welcher nach der Front abgeht und jeder gemeine Soldat, trägt ein Heiligenbild. Kuropatkin hat nicht weniger als 80 vor seiner Abreise von St. Petersburg erhalten. Das oben illustrirte wurde ihm von dem Stadtrath zu St. Petersburg verehrt. Das Bild ist ein einfaches Heiligenbild, Jesus und die heilige Marie darstellend. Dem Bild wird eine ganz geheimnißvolle Kraft zugeschrieben.

Solingen. Auf seine 25jährige Thätigkeit bei der hiesigen Bank blickte Direktor Otto Becker hier zurück. Nach seiner 4jährigen Lehrzeit wurde er Kommis, 1885 Prokurist und 1901 Vorstandsmitglied und stellvertretender Direktor. Utfort bei Mörs. DaS Schwurgericht in Eleve verurtheilte den Rangirer Wilhelm HLxtermann von hier, welcher am 4. Oktober v. I. seine Ehefrau getödtet und feine drei Stieftöchter zu tödten versucht hat, zu zwölf Jahren Zuchthaus. 'Zfrovinz Lbeffen-Hrafscru. Kassel. Sein 25jähriges Dienstjubiläum beging der Oberingenieur des Hessischen Dampfkessel - Ueberwachungsvereins, Wilhelm Louis, der seit 1879 dem Verein angehört. Im Jahre 1896. wurde der Jubilar zum OberIngenieur ernannt. B e b r a. Auf schreckliche Weise verunglückte der 24jährige Georg Abhau aus Schwarzenhasel. Derselbe hatte den Brautwagen seines Bruders, welcher Hochzeit feierte, nach Breitenbach helfen fahren, und fuhr mit einem Metzgermeister aus Rothenburg hier fort. Am Ausgange .des Dorfes an einer absüssiaen Stelle stürzte der Wagen um, und Abhau schlua mit dem Kopfe so unglücklich gegen einen Stein, daß er bewußtlos hierher getragen werden mußte. Bald darauf starb er. FechenheimbeiHanau. Ein Liebesdrama, dessen Motive vollständig in Dunkel gehüllt sind, erregt hier die Gemüther. Weihnachten verlobte sich der in der hiesigen chemischen Fabrik beschäftigte Buchbinder Deuß, ein fleißiger, nüchterner Mann, mit der 19jährigen Tochter eines Wittwers, Margarete Warzecha. Der ehelichen Verbindung stand kein Hinderniß entgegen. Kürzlich reisten die jungen Leute heimlich nach Frankfurt a. M. und fuhren von dort weiter. In einem Coup6 des von Köln abgehenden Zuges Köln - Elberfeld, bei Station Mülheim a. Rh., erschoß sich das Paar allem Anscheine nach in gegenseitigem EinVerständniß. Das Paar war nicht sofort todt, es starb vielmehr erst auf dem Wege zum Krankenhause in Mülheim. Frankfurt. Kutscher Staf. forst in Hamburg wurde wegen Wer-

dachs des Raubmordes an dem hiesigen Klavierhändler Lichtenstein verhaftet. Stafforst legte ein völliges, reumüthiges Gestandniß ab, daß er den Raubmord an Lichtenstein gemeinschaftlich mit dem hier verhafteten Möbelträger Groß auf dessen Anstiften hin verübt hat. In dem Logis Stafforsts am' Vaientinskamp wurden außer der Uhr auch die beiden Medaillons des Er-

mordeten sowie 40 Mark Baargeld gefunden. Mitteldetttsche Stcraterr. Beienrode bei Köttigs l u t t e r. In der chemischen Fabrik des hiesigen Kaliwerkes ereignete sick ein recht bedauerlicher Unglücksfall. Gerade als mehrere Personen in die Nähe eines kleinen Kessels kamen, der zugleich auch dazu benutzt wird, den Arbeitern Kaffeewasser zu liefern, platzte der Kessel. Mehrere Personen find nicht unerheblich verletzt worden, namentlich vier, unter ihnen der Maschinenwärter Hermann Rose, der erhebliche Verletzungen im Gesicht, am Halse und an den Armen davontrug. Braunschweig. Als ein Arbeiter einen Sack Kohlen in das Haus Kaiserstraße 19 trug und die dritte Etage erreicht hatte, beugte sich der auf der Treppe befindliche Arbeiter Fürstenau, um den Mann vorbeizulassen, zurück, verlor 'das Gleichgewicht und stürzte durch ein offenes Fenster ' auf den Hof hinab, wo er todt auf dem Pflaster liegen blieb. Durch Ueberfahren wurde ein Bierfahrer der Wolter'schen Brauerei, Heinrich Alpers, getödtet: derselbe ist 50 Jahre alt und

verheirathet. Der mit leeren Bierfässern beladene Wagen war ihm über den Kopf gegangen und hatte den Schädel völlig eingedrückt, so daß der Tod auf der Stelle eingetreten ist. Gandersheim. Dem Eisenbahnarbeiter Huwold aus Altgandersheim wurde auf dem hiesigen BahnHofe beim Rangiren eines Güterzuges der linke Fuß abgefahren. Der Verunglückte wurde nach der Göttinger Klinik gebracht. K a h l a. In dem benachbarten Lindig ist das Bauerngut der Wittwe Vulpius vollständig niedergebrannt. Der Schaden ist beträchtlich, aber zum großen Theil durch Versicherung gedeckt. LangelSheim. In dem Stallgebäude des Käsehändlers Leßmann brach Feuer aus, das bald auf das Wohnhaus übersprang und auch dieses einäscherte. Das Feuer griff so schnell um sich, daß nur wenig gerettet werden konnte. Auch sämmtliche Hühner sind verbrannt. Die Ursache des Feuers ist unbekannt. Sachsen. Dresden. Jnstitutslehrer E. Adolvb Kret, feierte sein 40jäbriaes Amtsjubiläum und zugleich daö 24jährige als Lehrer an der Dr. Zeidlerschen Realschule. Werkmeister Emil Hunger blickte auf eine 25jährige Thätigkeit bei der hiesigen Central - Heizungsfabrik Louis Kühne zurück. Aus diesem Anlaß wurde der Jubilar von seinem Chef durch Glückwünsche und Geschenke und durch die Verleihung einer Anerkennungsurkunde seitens der Handelskammer geehrt. Monteur Börner. welcher bereits im Besitze des städtischen Ehrenzeugnisses ist, feierte das 30jährige Jubiläum seiner Thatigkeit bei genannter Firma. A u e i. S. Ertrunken aufgefunden wurde hier der Berginvalide Gündel aus Niederhaßlau, der vor einiger Zeit nach Johanngeorgenstadt gefahren war, um Verwandte zu besuchen, und seit dieser Zeit vermißt wurde. C h e m n i tz. Die seit dem 23. November v. I. vermißte 19jährige Kcchin Martha Jhlig wurde als Leiche aus dem Schloßteich gezogen. Döbeln. Beim Spielen am Brauereiteich fiel das 4 Jahr? alte Söhnchen des Kontoristen Nitzsche in's Nasser und ertrank. Dem Obersignn listen Dähne der Freiwilligen Feuerwehr wurde das Feuerwehr - Ehrenzeichen verliehen; der Führer MehlHorn erhielt das Diplom des LandesAusschusses für 20jährige Dienstzeit. H a r t h a u. Durch einen von AltChcmnitz nach Stollberg verkehrenden Pcrsonenzug wurde unweit der Haltestelle Neukirchen - Klaffenbach der hiesige Stellmacher Opitz überfahren und gciödtet. Leipzig. Die älteste Einwohne rin biesiger Stadt, die Kaufmannsioittwe Marie Cohn, ist im Alier von 102 Jahun gestorben. Die Greisin, die im Jahre 1802 in Werschititz in Böhmen geboren wurde, lebte seit cfct Jahren bei ihrer Tochter hi:r. Bis in ihre letzten Lebenstage hatte sie sich große geistige Frische bewahrt. N a u e n h a i n. In einem Teiche ertranken der fünfjährige Sohn - des Gutsbesitzers Fr. E. Naumann und der vierjährige Sohn desWirthschaftöbesitzers H. Naumann. Neichenbach i. V. Auf dem oberen Bahnhofe hat sich der 51 Jahre alte hiesige Handarbeiter Hermann AI bersdörfer auf einem Nebengeleife von einem Rangirzuge überfahren lassen. Der Tod trat sofort ein. Werd au. Ertränkt aufgefunden wurde der seit Anfang Octobev. I. spurlos verschwundene 12 Jahre alte Schulknabe Steinbach von hier. Die 40 Jahre alte Bäckermeisters - Ehefrau Müller entleibte sich infolge langwierigen körperlichen Leidens in ihrer Woh-nung.

Moderne Granaten und ihre Wir

kungcn.

Wie der behandelnde Arzt einer An-

zahl von. Verwundeten des bei Tsche

mulpo vernichteten Warjag" erzählt, ist ein russischer Matrose durch 120

Granatsplitter verwundet worden und

bleibt trotzdem dem Leben erhalten.

Wer frühere Kriege mitgemacht hat oder Granatsplitter', die zum Andenken auf den Schlachtfeldern aufgesammelt wurden, gesehen hat, wird zum Glauben geneigt sein, daß schon ein einziger völlig ausreicht, um einen Menschen augenblicklich in die andere

Welt zu befördern, und die obige An

gabe für übertrieben oder ganz unrich-

ng M halten. Glerchwohl wird sie auf Wahrheit beruhen, und giebt ein sehr anschauliches Beispiel für eine Seite der Wirkungsweise der modernsten Geschösse: der sogenannten Sprenggranate. Diese hat im Allgemeinen dieselbe äußere Form wie die gewöhnliche Granate, also cylindrisch, nur am Ende mit runder Linie in eine Spitze auslaufend; ihr innerer Hohlraum ist aber nicht mit Schwarzpulver gefüllt, sondern mit einem weit offensiveren Sprengstoff. In der Hauptsache bestellt dieser aus Pikrinsäure, und die verschiedenen Namen wie Lyddit, Ekrasit, Roborit, und wie sie alle heißen, beziehen sich im wesentlichen auf die verschiedenen Z'lsätze, welche der heutigen Sprengstoffmasse ihr von anderen charakteristisches Gepräge geben. Die Wirkungsweise ist nun derart, daß sich die Sprengmasse infolge der Zündung durch denGranatzllnder beim Aufschlag des Geschosses momentan beinahe in eine Gasmenge von ungeheurerExpansivkraft verwandelt. Diese sprengt infolgedessen die Wände des Geschosses mit solcher Schnelligkeit und Gewalt, daß sie sich in ganz kleine, theilweise staubförmige Splitter verwandeln und als solche nach allen Seiten auseinanderfliegen. Sie besitzen nicht dieKraft, stählerne Schiffswände, Deckstützen etc. zu durchschlagen, Lafettentheile zu verbiegen, wie die großen Sprengstllcke der gewöhnlichen Granaten, fondern können höchstensMenschenVerluste verursachen, und auch das nur auf ganz geringe Entfernung, da die kleinen Stückchen Splitterchen bald an Fluggewalt verlieren. Damit und durch ihre sehr große Menge kann man sich also sehr wohl die Verletzungen des russischen Matrosen und deren Ungefährlichkeit erklären; wie ein Schrotschuß mit Vogeldunst auf weite Entfernung. Die eigentliche Wirkung der Sprenggranaten liegt in der unmittelbaren Entwickelung der Gase, diese strömen mit solcher Gewalt aus nach den Seiten, daß sie innerhalb eines s gewissen, von der Größe der Sprengladung bestimmten Kreises alles vernichten und wegblasen, Menschen, Schottwände, leichte Geschütztheile etc.; diesen Wirkungsbereich nennt man deswegen die Zermalmungszone. Auf diese Seite der Wirkung der Sprenggranaten ist dieNachricht zurückzuführen, daß einige Leute vom Warjag" spurlos nach dem Einschlagen einer Granate verschwunden seien, und man von einem Offizier nur einen Arm gefunden habe. Diese Stärken und Schwächen der Sprenggranate und der gewöhnlichen müssen natürlich maßgebend für die Verwendung fein. Wo wie an Bord des Warjag" sämmtliche Geschütze mit ihren Bedienungsmannschaften frei auf dem Oberdeck standen, versprach die Sprenggranate die meiste Wirkung. Sind dagegen leichte Stahlwände zu zerstören, wie zum Beispiel die Oberbauten eines Linienschiffes, so wird man vielleicht in manchen Fällen die gewöhnliche Granate verwenden. Ganz wird die Zukunft erst dann der Sprenggranate gehören, wenn es ge lingt, die sogenannten Rohrkrepire? auszuschließen. Krepirt nämlich eine Sprenggranate im Rohr, so zersprengt sie dieses, nd da solche Fälle noch immer vorkommen können, so macht man die Sprengladung so klein, daß ihre Wirkung alles in allem die der gewöhnlichen Granaten nicht übertrifft, wenn sie sich auch verschieden von ihr äußert.

Frei nach den Mciningern".

In einer kleinen deutschen Resid-nz wurde im Hoftheater zur Feier einer Schriftsteller - Versammlung Shakespeares Wintermärchen" gegeben. Der Oberregisseur, der das Ganze meisterhaft inszenirt hatte, wollte jedenfalls die große Volksszene beim Verhör und Urtheil über Hermione ganz besonders lebendig gestalten und hatte vermuthlich den Chor so einstudirt, daß leise geführte Sondergespräche und empörte Gesten die Entrüstung, besonders des weiblichen Theiles des Volkes, ausdrücken sollten. Er hatte wohl nicht mit der Leidenschaft" einiger lang erprobter" Chordamen und mit dem schönen Dialekt des Landes gerechnet, sonst würde er auf so viel Naturtreue wohl verzichtet haben. Denn man den ke sich den Effekt: als Hermione blaß, ein wankender Schatten, kanm sahig zu gehen, vor das Richterauqe ihres Leontes tritt, ertönt laut aus der Volksmenge der entrüstete Ruf: Där schlachte Karl so e armes Dier wie se aussieht se kann's nich er-trätet

Dr langjährige Prasident des Rhönklubs und Direktor des Krankenhauses zu Fulda, Geheimer Sanitätsrath Schneider, ist 62 Jahre alt aestorben.

Vom Anölallve.

Die Toiletten der Jane H'ading, der bekannten französischen Schauspielerin, beschäftigten dieser Tage die Pariser Gerichte. Allerdings handelte es sich diesmal nicht darum, daß die Künstlerin die Roben nicht bezahlen wollte, was bisweilen auch bei Sternen" vorkommen soll, sondern um einen Concurrenzstreit zweier bekannter Pariser Damenschneider. Madame Heding hatte ihre Prunkgewänder für die Touren nach England und Amerika bei einem berühmten Kleiderkünstler bestellt, und dieser kam der Schauspielerin mit besonders niedrigen Preisen entgegen, stellte aber die Bedingung, daß unter den während der Tournee der Hading vertheilten und verkauften Bildern der Vermerk angebracht werde, daß die Toilette in seinem Atelier kreirt" worden sei. Der Impresario der Hading ging auf diese Bedingung ein.. Um so größer war nun das Erstaunen des Damenschneiders, als er' auf einem solchen Bilde nicht seinen Namen, sondern den seines Concurrenten fand. Der von ihm befragte Impresario erklärte, daß er sich um diese Angelegenheiten gar nicht bekümmert habe, und so verklagte der Dichter" der Hading - Toiletten seinen Concurrenten. Das Gericht verurtheilte diesen zu 1000 Francs Schadenersatz. In Kopenhagen wurde kürzlich über eine Rechtssache verhandelt, deren Vorgeschichte wie ein Abklatsch der bekannten ResidenztheaterSchwänke Der selige Toupinel" und Der Doppelgänger" anmuthet. Einem dortigen Fabrikanten Namens Hansen ist es gelungen, während einer Reihe von Jahren als sein eigener Doppelganger aufzutreten, indem er mit zwei Frauen, Mutter und Tochter, ein Liebesverhältniß angeknüpft hatte. Er trat als sein eigener Vetter auf. Wenn er die Mutter besuchte, hieß er Fabrikant Hansen, wenn er die Tochter besuchte, nannte er sich Schlächtermeister Petersen, und diese Rollen hat er zehn Jahre hindurch mit einer Virtuosität, die einem Schauspieler Ehre machen würde, gespielt. Die Bekanntschaft der in einer kleinen Provinzstadt wohnenden Wittwe machte er zufälligerweise im Jahre 1893 während eines Ausfluges. Eines Tages kam ihre 18jährige Tochter aus Kopenhagen, wo sie im Dienst stand, um sie zu besuchen. Sie gefiel dem' Fabrikanten sehr gut, und er sagte ihr, er habe in Kopenhagen einen Vetter, der mit ihm eine ganz frappante Aehnlichkeit habe und gewiß ein sehr guter Mann für sie sein würde. Das junge Mädchen hatte nichts dagegen, seine nähere Bekanntschaft zu machen. Der Vetter, der sich, wie gesagt, Peter-' sen nannte, besuchte sie oft und es entstand bald ein intimes Verhältniß zwischen ihnen. Mehrmals versprach er, sich mit ihr zu verheirathen, ohne daran zu denken, dieses Versprechen zu erfüllen, da er schon lange verheirathet ist und mehrere Kinder hat. Dieses Doppelspiel trieb er, wie erwähnt, zehn Jahre hindurch, bis er zuletzt entlarvt' wurde. E i n s e l t s a m e r Vorfall, der anfangs einen Mordanschlag vermuthen ließ, beschäftigt 'gegenwärtig das Gericht in Lyon. An einem der letzten Abende kehrte die Wittwe Thimonier, geb. Coidre, Wirthschafterin in der Villa des reichen Ehepaares Desgorges, von einer kurzen Reise zurück. Der Sommersitz war während ihrer Abwesenheit nur von ihrem Bruder, dem Gärtner Jean Coindre, bewohnt gewesen. Auf dem Küchentisch lag ziemlich auffällig einStück Papier, auf das von Frauenhand nachstehende Worte geschrieben waren: Madame! Es ist mir gelungen. Eins von Euch Beiden umzubringen. Seit langerZeit trachtete ich danach. Er liegt in der Kiste unter den Kleidern Ihrer Herrin. Da ich Ihren Mann nicht tödten konnte, mußte er daran glauben. Wir haben ihm Hände und Füße gefesselt und ihn dann abgethan, zwei Frauen und ein Mann. Die Große war es, die Ihr Mann gekannt hat. L. P. G." Mit Hilfe ihres schnell in die Villa gerufenen älteren Bruders durchsuchte Frau Thimonier während der Nacht das ganze Haus und den Garten, ohne eine Spur des angeblich Ermordeten zu finden. Erst am nächsten Vormittag fiel den benachrichtigten Gendarmen nach , weiteren langen Nackforschungen im Stall eine zwei Meter lange Kiste auf. Man hob den Deckel auf und fand unter Kleidern versteckt den völlig bewußtlosen und crnscheinen schwer verletzten Jean Coindre; er war geknebelt, an Händen und Füßen mit Stricken gefesselt und athmete nur noch schwach. Einem Arzt gelang es nach zwei Stunden, den Mann zum Leben zurückzubringen und Abends konnte Jean erzählen, daß fünf Jndividuen, darunter zwei Frauen, ihn überfallen, verwundet und gefesselt hatten. Nach einigen recht eindringlichen Verhören, die der Lyoner Untersuchungsrichter anstellte, lüftete sich allmählich der Schleier des Geheimnisses. Jean Coindre ist ein kleiner Taugenichts und seine Stelle war ihm gekündigt; er sollte den Dienst, in den nächsten Tagen verlassen und scheint mit Hilfe eines Freundes, der ihn ftsfeite, das Attentat singirt zu haben, um sich bei dem Ehepaar Desgorges als treuer Wächter" den Anspruch auf Mitleid und weitere Versorgung zu sichern.