Indiana Tribüne, Volume 27, Number 227, Indianapolis, Marion County, 16 May 1904 — Page 7
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o bene V'I u 28 summ ö n u n n n s (Fortsetzung.) Der in jedem Menschen schlummernde Hang nach verbotenen Früchten erwachte vielleicht auch in Vincent und verband sich mit seiner steten, niemals befriedigten Neugierde. Sizlvie einmal unvermuthet,zu überraschen und hinter ihre geheimen Schliche zu kommen. So gab Vincent Gerbault noch vor zwei Uhr seinem Pferd die Sporenund trabte der Zinkpastete" zu. 12. Kapitel. lü dein Beginn der guten Jahreszeit hatte DulausVW riers Besitzung den Höhepunkt ihrer Reize erreicht. Auf der im Winter so schmutzigen, jetzt überaus staubigen Landstraße zogen Abends und besonders Sonntags lärmende Schaaren übermüthiger Burschen und festlich geschmückter Mädchen nach dem nahen Tanzlokal. Aus einem Wirthshaus klang das Kreischen und Johlen Betrunkener und aus dem auf der andern Seite der Straße gelegenen Stall der Straßenbahn das verzweifelte Stampfen der von den Fliegen gepeinigten Thiere, während die Stearinfabrik die Frühlingsluft ganz besonders freigebig mit ihren unangenehmen Düften erfüllte. Gegen den Straßenlärm fiel die Stille innerhalb des Besitzthums um so mehr auf. Von dem kahlen, einstweilen nur roh angelegten Garten umgeben lag das in der Sonne glänzende Haus einsam da und erinnerte an das Grabmal eines mohammedanischen Fürsten in der Wüste. Gerbault trat durch die kleine Nebenthüre, die nur angelehnt war, und band sein Pferd am Gitterthor fest. Nichts rührte sich. Auf dem Sande ausgestreckt lag der Hofhund, der bei Bincents Näherkommen kaum den Schwanz bewegte, und auch im Innern des Hauses herrschte tieft Slille. Die Fensterladen waren zur Schonung der Vorhänge zugemacht, und da auch die säulengeschmückte Hauptthür verschlossen schien, so ging Vincent um das Haus herum nach dem gegen Norden gelegenen, für die Dienerschaft bestimmten Eingang. Auf jener Seite stand ein Fenster offen, zu dem sich nun unwillkürlich seine Augen erhoben. Die Zinkpastete war nach Edmunds eigenhändigem Plane erbaut worden. Auf hohem Untergeschoß, das fast als zu ebener Erde liegend hätte gelten können, ruhte das obere Stockwerk, über dem wieder niedrige Dachstuben lagen, so daß hier der schwerfälligste und unharmonischste Bau zu Stande gekommen war, den je das Hirn eines Architekten gezeitigt hat. Um der Geschmacklosigkeit die Krone aufzusetzen, hatte Edmund an dem etwas vorspringenden Mittelfenster der Rückseite einen Balkon aus geschnitztem Holz nach Art der Schweizerhäuser anbringen lassen. Dieses Fenster, vor dem Vincent soeben stehen geblieben war, gehörte zu Syldies Zimmer, und darin bemerkte er den Umriß eines dunkeln, vornübergeneigten Kopfes. Sylvie hatte ihn nicht kommen hören. Vorsichtig machte er noch einige Schritte vorwärts, so daß er ihr gerade gegenüberstand und sehen konnte, von welcher Beschäftigung sie so ganz eingenommen war. Die junge Frau saß an einem kleinen Tisch vor einer Briefmappe und schrieb ganz rasch, wie Jemand, der sich nicht zu besinnen braucht. An wen der Brief wohl gerichtet war? Vielleicht an Madeleine! Doch einerlei, Vincent war es jetzt in erster Linie von Wichtigkeit, Sylvie einmal zu beobachten, ohne daß sie etwas davon wußte, und wieder war es eine neue Sylvie, die sich vor ihm offenKarte. Ihr Gesicht war wie verzerrt. Deutlich sah man die geschwollenen Adern an dem weißen Halse; es war als sei die ganze Entschlossenheit und Thatkraft der Schreiberin auf einen einzigen Punkt gerichtet, als entströme mit den aus ihrer Feder kommenden Worten etwas von ihrem ureigensten Wesen. Ein leichter Windstoß hob in diesem Augenblick das Blatt Papier, auf das die junge Frau schrieb. Mit einer hastigen Bewegung hielt sie, es fest, während sie, ohne aufzusehen, weiter schrieb. Der Wind aber wollte es bei diesem ersten Angriff nicht bewenden lassen, sondern kehrte tückischer Weise mit verdoppelter Stärke zurück, und zwar so unvermuthet, daß eines der beschrieben? Blätter von der Mappe emporwirbelte. Heftig an den Tisch stoßend, fuh: Sylvie mit ausgestreckter Hand auf. Allein sie kam zu spät: das Blatt war bereits zum Fenster hinausgeflogen und im Begriff, sich zu Füßen Vincent Gerbaults niederzulassen, den die junge Frau jetzt plötzlich bemerkte. Ihre Augen begegneten sich. Wild blitzten die Sylvies aus ihrem erblaßten Gesicht doch nur eine Sekunde lang. Ehe der Hauptmann es sich versah, war sie auf das Geländer des Balkons' gestiegen, und nun sprang sie aus einer Höhe von drei Meter in den Garten binab,wshei sie fast auf Vincent
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h ff ff ff 4j. mr r gefallen wäre, der gerade noch Zeit gefunden hatte, sich ihr entgegenzuwerfen. Wie unvernünftig!" konnte er nicht umhin, ärgerlich auszurufen, während er ihr aufhalf. Sie hätten den Tod davon haben können! Was fiel Ihnen eigentlich ein?" Schon hatte sie ihr leibliches und geistiges Gleichgewicht wiedergewonnen. Bah, ich wollte eben ein wenig rascher bei Ihnen sein." Inzwischen hatte sie nachlässig das zu Boden gefallene Briefblatt ausgeworfen, zusammengerollt und in die Tasche gesteckt. Dann trat sie auf Vincent zu, schob ihren Arm zärtlich unter den seinigen und sah ihm lächelnd, mit demselben Blick wie neulich beim Abschied. in die Augen. Aber weder Blick noch Lächeln vermochten Vincent zu täuschen, denn während seine Augen Syldies Bewegungen gefolgt waren, hatten sie unwillkürlich die erste Zeile des Briefes gestreift, den sie soeben mit Einsetzung ihres Lebens wiedererobert hatte, und diese lautete: Mein heißgeliebter Adrien!" Mein heißgeliebter Adrien! Diese drei Wörtchen hatten Vincent wie ein Schlag getroffen; sie summten fortwährend in seinen Ohren. Adrien! Wer mochte das sein? Was für ein neues, räthselhaftes Gespenst stieg da wieder auf? Am liebsten hätte er sich sofort darauf losgestürzt und es zugleich mit allen andern unaufgeklärten Geheimnissen, die Sylvies Person umgaben, mit Gewalt ergründet. Aber um das thun zu können, hätte er sich selbst frei von aller Schuld fühlen müssen, und das war nicht der Fall. Gewisse Erinnerungen und Zugeständnisse und auch die soeben begangene Jndiskretion, die er nicht eingestehen wollte, bedrückten ihn. Kommen Sie, wir wollen hinein-L?l-en," sagte Sylvie, ihn langsam in's aus führend. Im Innern herrschte, dank Edmunds Fürsorge für die Vorhänge, ein mattes Dämmerlicht. Ebenso , wie neulich wurde Vincent von derselben Unruhe und Verwirrung ergriffen. Alleis diesmal kämpfte er gewaltsam dagegen an, denn er wollte unter allen Umständen eine Auseinandersetzung herbeiführen. Sylvie " begann er. Doch plötzlich, mit einem heftigen Ruck, entzog sie ihm den Arm und eilte an's andere Ende des Zimmers. Mein Mann!" rief sie, die Finger auf den Mund legend, während die Treppe unter lauten Schritten erdröhnte. Gegen alle Verabredung kam Edmund erschrocken hereingestürzt. 'Ich habe Lärm gehört, und die Köchin sagt mir eben, es sei ein Unglück geschehen. Du seiest gefallen. Kleinchen. Hast Du Dir weh gethan? Wo denn?" An das zwischen ihm und seiner Gattin bestehende Zerwllrfniß dachte e? nicht mehr. Voll Besorgniß trat er zu Sylvie, die sich natürlich von ihm losmachte. Wäre es zu verwundern, wenn einem in Deinem Hause ein Unglück zustieße?" antwortete sie mürrisch. Es ist ja alles so ungeschickt als möglich eingerichtet! Wie kann man einen Balkon mit einer solch niedrigen Brüstung versehen, daß man nothgedrungen hinunterstürzen muß, wenn man sich nur ein wenig vorbeugt." Ich werde sie höher machen lassen." versprach Edmund. Aber Du bist auch gar zu unvorsichtig. Doch sprich, hast Du Dir wirklich nicht wehgethan?" Nein, beruhige Dich, es war nur eine kleine Turnübung, die mich an frühere bessere Zeiten erinnerte." y Du unartiges Kind!" rief Edmund, sich zu einem scherzenden Tone zwing'end. Warte nur, da Du mich absichtlich zu quälen scheinst, so werde ich Vincent unsern Streit erzählen und ihn als Schiedsrichter anrufen." Und ausführlich begann er die Sache auseinanderzusetzen; als es aber Niemand in den Sinn kam, ihn zu unterbrechen, erlahmte er plötzlich. Na, beschließen wir die dumme Geschichte mit einem Kuß!" rief er, und als Sylvie sich sträubte: ' Schnell, Vincent, sage ihr, daß es , nicht nett von ihr sei, so lange zu schmollen! So sage es ihr doch!" Der Häuptmann aber vermochte dem lächerlichen Auftritt nicht länger Stand zu halten. Ich überlasse Euch Euren Herzensergießungen," sagte er ziemlich barsch und ging in den Garten hinaus. Kaum hatte er das erschlaffende Halbdunkel hinter sich, so fing sein Geist schon wieder zu arbeiten an. Mein heißgeliebter Adrien! Ob Sylvie wohl ahnte, daß er diese Zeilen gelesen hatte? Und wenn es so war, wie würde, sie sich dann ihm gegenüber vertheidigen? Wollte sie ihn durch ihr freundliches Benehmen am Ende zum Narren halten wie Edmund? Aber zu welchem Zweck? Jetzt war sie für ihn nicht mehr ein bloßes DoppelWesen, das seine Maske je nach Vedürfniß abnahm und auffetzte, sondern ihre Vermummungen erwiesen sich allmälig
als so mannigfaltig, daß man gar nicht mehr wissen konnte, wo die Natur aufhörte und die Verstellung anfing. Schon war Gerbault drauf und dran, auf eine Erklärung zu verzichten, und der ganzen Familie den Rücken zu kehren, als wieder die Neugierde siegte, Jbic brennende Neugierde, die sich den entgegentretenden Hindernissen zum Trotz immer mehr steigerte. . Ach, wie hübsch, daß Sie sich unserm Ausflug anschließen, Herr Hauptmann!" Vincent machte keinerlei Versuch, der ihn plötzlich umringenden Familie Mougin zu entfliehen, im Gegentheil, mit ungewohnter Bereitwilligkeit ging er auf ihren Vorschlag ein. Gab es auch wohl etwas Verlockenderes, als einen Spaziergang in glühender Sommerhitze und in solch liebenswürdiger Gesellschaft! Selbst Edmund, der mit etwas niedergeschlagcner Miene e?n seinem Zwiegespräch kam, schien seinen Kummer abgeschüttelt zu haben. Los jetzt!" schrie er in lautem Kommandoton, indem er seinen Schirm in der Luft wirbelte. Zver aire cougm ipannte innen schwarzen Regenschirm gegen die Sonne auf, und hinter ihm her humpelte Frau Mougin, ihren Klappstuhl am Arm, während ihre Töchter Adele und Fanny sittsam, mit gesenkten Augen nebeneinander hergingen. Sylvie eröffnete den Zug. Wohin gehen wir?" fragte Gerbault, als sie die letzten Häuser der Vorstadt erreicht hatten. Weit hinaus auf's Land. Ah, das thut wohl!" rief Edmund, voll Entzücken eine dicke Staubwolke einathmend. Hoffentlich kommt kein Gewitter!" bemerkte Adele, indem sie den tiefblauen Himmel mit besorgtem Blick betrachtete. Nachdem man etwa zwei Kilometer auf der staubigen Landstraße zurückgelegt hatte, war es Vincent endlich gelungen, Sylvie einzuholen. Fanny heftete sich jedoch so hartnäckig an feine Fersen, daß er seinen Entschluß, von Sylvie eine Aufklärung zu erlangen, nicht ausführen konnte. Auf Edmunds Befehl wurde jetzt in einen Seitenweg eingebogen, wo den Spaziergängern der Staub wenigstens nicht mehr in's Gesicht geweht wurde. Alles athmete erleichtert auf, die beiden Fräulein klatschten vergnügt in die Hände, und nur Frau Mougin entriß der steinige Weg noch hin und wieder einen dumpfen Seufzer. Nur Muth! Ihr ahnt nicht, was für .Ueberraschungen Euch noch bevorstehen!" verkündete Dulaurier. Dreiviertel Stunden noch wanderte man querfeldein, über Dornengestrüpp und Ackerfurchen. Endlich blieb er stehen und rief mit einer feierlichen Vewegung der Hand: Jetzt ist's erreicht! Na, was sagt Ihr nun? Habe ich etwa zu viel versprochen?" Zur allgemeinen Befriedigung wurde Halt gemacht. Frau Mougin entfaltete ihren Klappstuhl, ihr Gatte setzte sich in's Gras und Edmund streckte sich lang aus, während die beiden Mädchen sich sittsam niederließen und Sylvie sich einen Baumstumpf zum Sitze ausersah Und nun sollte die Natur bewundert werden. Die gerühmte Oase war eine große, auf zwei Seiten von Wald umgebene Wiese, durch die sich ein kleiner Bach schlängelte. Zur Rechten erblickte man ein rothblühendes Kleefeld, und geradeaus, ganz in der Ferne, eine bläuliche Hügelkette, hinter der gute Augen und eine lebhafte Einbildungskraft die Pyrenäen entdeckten. In Anbetracht der Entfernung, die uns vom Hauptgebirgsstock trennt, und der Höhe der Gipfel " begann der alte Mougin, während sich ein angenehmer Halbschlaf auf seine Zuhörer niedersenkte. Nachdem so der Natur der schuldige Zoll entrichtet war, fühlte sich die Familie erholt und zu neuen Unternehmungen bereit. Die Sonne sandte jetzt mildere Strahlen herab, und die beiden Fräulein erhoben sich, um am Bache Vergißmeinnicht zu suchen. Sylvie dagegen saß noch immer fast unbeweglich auf ihrem Baumstumpf. Vincent war allmälig wieder in seine Träume verfunken, als ihn ein freundlicher Rippenstoß Edmunds unsanft weckte. Genug gefaulenzt!" rief der liebenswürdige Führer. Nun geht's auf die Jagd. Jawohl! Das hättet Ihr Euch doch sicherlich nicht träumen lassen, was?" Gnädig fügte er dann, zu den alten Mougins gewandt, hinzu: Ihr Alten könnt natürlich ruhig hier sitzen bleiben; aber die Jugend soll sich nur ein wenig die Beine ablaufen. Was glaubt Ihr wohl, daß wir Euch mitbringen werden?" Niemand vermochte die Frage zu beantworten. Ich war natürlich wieder der einzige, der einen guten Gedanken hatte. Als ich nämlich den Boden hier sah, sagte ich mir sofort: da gibt's gewiß Champignons! Da schaut mal dort drüben, was sind das?" Pilze. Pilze!" rief Fanny, sofort darauf losstürzend. Der alte Mougin ließ die Gelegenheit natürlich nicht vorübergehen, einen Vortrag über giftige und nicht giftige Pilze zu halten, während Edmund den Familiengliedern ihre Plätze anwies. Ihr Mädchen, hier herüber! Du Vincent begibst Dich mit Kleinchen dorthin, während ich meine besonderen Vläne habe."
Eilig lief er nach dem zur Rechten gelegenen Gehölz, die beiden Mädchen hielten sich in der Mitte und Vincent ging mit Sylvie langsam dem andern Ende der Wiese zu. . Zum zweiten Male an diesem Tage war jetzt dem jungen Manne Gelegenheit geboten, sich über seine Zweifel Aufklärung zu verschaffen. Kein Bedenken sollte ihn diesmal davon abhalten, und er hatte nur die eine Sorge, Sylvie möchte ihm entwischen. Die junge Frau aber schien dies keineswegs zu beabsichtigen, sie ersparte ihm sogar das Peinliche einer Einleitung, denn kaum befanden sie sich außer Hörweite, so fragte sie: Nun?" Und als er im Zweifel über den Sinn dieses Nun" zögernd schwieg, fuhr sie neckisch fort: Oder sollten Sie vielleicht das ungestörte Zusammensein mit mir, das Sie seit einiger Zeit auf möglichst ungeschickte Weise zu bewerkstelligen versuchen, nur deshalb gewünscht haben, um mir nichts zu sagen?" Ihre ungenirte Art verdroß ihn, und bitter antwortete '.r: Da Sie so geschickt einem Ausammensein auswick? so haben Sie wohl auch geahnt, was ich Ihnen sagen wollte?" Sie halten mich also für sehr klug?" ) ja, sogar für zu klug." Auch dieses offene Bekenntniß brachte sie durchaus nicht aus der Fassung. Lächelnd sagte sie: Ich glaube auch, es hat einer gewissen Geschicklichkeit bedurft, Ihnen ein wenig Freundesliebe für mich einzuflößen, und wenn es das ist, was Sie mir vorwerfen wollen, mein lieber Freund, so bereue ich es nicht." Sie hatte den Ton geändert. Wie verhaltene Leidenschaft klang es jetzt aus ihrer Stimme. Die Liebe ist das einzige Gut. das man weder erwerben, noch verdienen kann. Man muß sie rauben. Wer dies am klügsten anstellt, trägt den Sieg davon. Sie mußten mich einfach lieben, Vincent, denn ich brauche Ihre Freundfchaft zu meinem Glück, zu meinem Leben. Ich wollte es, und nun ist es so weit." i Sylvie schleuderte ihm diese Vehauptung mit einer solchen Bestimmtheit in's Gesicht, daß er sie bestürzt anstarrte. Ein Gefühl von Befangenheit drohte sich seiner zu bemächtigen, und mit Gewalt mußte er sich seinen Verdacht in's Gedächtniß zurückrufen und sich zwingen, in kaltem, höhnischem Tone zu fragen: Sind Sie dessen wirklich fo sicher. Sylvie Dulaurier?" Sie schien auch jetzt durchaus nicht gekränkt zu sein, nur Schalkhaftigkeit war auf ihrem Gesicht zu lesen, als sie entgegnete: Warum zweifeln Sie daran?" Da die Beiden noch von den übrigen Familiengliedern beobachtet werden konnten, so blieb Sylvie, , ihre steife Haltung bewahrend, in einiger Entfernung von ihm stehen. Um so beredter und verführerischer aber sprachen ihre Augen, die besser als irgendwelche Worte den Argwohn des jungen Mannes widerlegten. Sylvie!" sagte er, unfähig, sich län-
ger zu verstellen, warum sind Sie auf die Gefahr hin, sich das Genick zu brechen, vom Balkon hinabgesprunqen?" Warum bin ich eines schönen ages zu Ihnen in die Wohnung geklettert auf die Gefahr hin, meinen guten Ruf einzubüßen, was doch ein noch größeres Unglück gewesen wäre?" Es war also nur eine besondere Art von Begrüßung?" Die, wie mir scheint, keinen Eindruck auf Sie gemacht hat." Womit waren Sie bei meinem Kommen beschäftigt?" Sie müssen es ja gesehen haben." Sie schrieben wohl an Ihre Freundin Madeleine?" Ei der Tausend," sagte sie, anscheinend ohne seine Hintergedanken zu ahnen, Edmund hat Sie also ganz zu seinem Vertrauten gemacht? Wahrscheinlich sind Sie von ihm beauftragt worden, ein rührendes Versöhnungsfest anzubahnen?". Geschickt hatte, sie das Gespräch zu wenden versucht, so daß sie jetzt diejenige war, die fragte. Vorwürfe machte und spottete. Gar nichts habe ich anzubahnen!" rief Vincent ärgerlich. Mir sind alle solche hinterlistigen Kniffe, in die Sie mich mit hineinziehen, in der Seele zuwider." Glauben Sie vielleicht, ich hätte Ihnen meinen Mann als Unterhändler geschickt?" Nein," gestand er aufrichtig. Sie sind doch gewiß derjenige, der am wenigsten das Recht hat, mir über meinen ehelichen Zwist Vorwürfe zu machen. Sie konnten ihn doch voraussehen!" Das am andern Ende der Wiese sitzende Ehepaar Mougin sowie-Adele und Fanny erschienen jetzt nur noch als kleine verschwommene Gestalten, während Edmund ganz unsichtbar war. Wofür halten Sie mich eigentlich?" fuhr die junge Frau immer heftiger werdend fort: Glauben Sie, ich se! im Stande, mein Herz zu theilen? oder ich kennte Bedenken, wenn ich lieber (Fortsetzung folgt.) ; Klondikes Goldschätze. Die Goldfelder im Klondike-Distrikte werden diese Saison mindestens $10, 000,000 produziren. Nome hat in diesem Winter mehr Arbeit als je vorher gethan und wird die Gesammtausbeute noch um mehrere Millionen er-hohen.
Ausland.
Der Grabhügel Friedrich Friesens, des Mitarbeiters vomTurnvater Iahn, auf dem Jnvalidenkirch Hof in der Scharnhorststraße in Berlin ist von den dortigen Turnern erneuert worden. Friesen, der als Leutnant und Adjutant des LUtzow'schen Freicorps 1813 mit in denBefreiungs krieg hinausgezogen war, ist am 15. März 1814 bei La Lobe in den Ardennen gefallen. Im Jahre 1843 wurden seine Ueberreste aus der Fremde nach Berlin gebracht und auf dem Invaliden - Kirchhof bestattet. Die alten skandinavischen Kirchenbauten scheinen dem Verderben anheimfallen zu sollen. Kürzlich wurde eine alte, vom Bischof Absalon eingeweihte Kirche in Schonen vom Feuer gänzlich zerstört, und ein ähnliches Schicksal hat dieser Tage die im 11. Jahrhundert aufgeführte Kirche von Borgund bei Aalefund betroffen. Dieses GottesHaus war eines der herrlichsten Denkmäler der alten kirchlichen Kunst in Norwegen und zeichnete sich besonders durch die prachtvollen an der Kanzel und am Taufbecken angebrachten hölzernen Schnitzwerke aus. Schöne Gemälde alter niederländischer Meister schmückten das Gebäude. Das Feuer, das in der Sakristei entstand, wurde vom Pfarrer entdeckt, und es gelang ihm, hier den Brand schnell zu löschen, gleichzeitig brachen die Flammen aber auch beim Altar aus und verbreiteten sich von dort so schnell, daß es unmöglich war, die Kirche zu retten. Nach Verlauf einiger Stunden standen nur noch die äußeren Mauern des alten Gotteshauses. Die Einbrecher, die das Feuer anlegten, sind entkommen; sie scheinen in einem Boot geflüchtet zu sein. Ueber einen polizeilichen Mißgriff, der in Bielefeld vorgekommen ist, wird aus Minden i. W. folgendes mitgetheilt: Eine junge Dame aus Minden, eine Lehrererin, die, vom Besuch einiger Verwandten heimkehrend, den Anschluß zur Weite?reise in Bielefeld abwartete, wurde dort auf dem Bahnhof im Wartesaal 1. und 2. Klasse, wie es heißt auf Grund erfundener Angaben einer Dirne, durch einen Kriminalbeamten arretirt. Da sie die ihr von dem Beamten vorgehaltene Erkennungsmarke wie überhaupt die ganze Situation nicht verstand, weigerte sich die Dame, dem Fremden zu folgen. Der Beamte zog sie nun angeblich gewaltsam fort und brachte sie zum Polizeibureau. Eine große Menschenmenge hatte dem Auftritt beigewohnt. Im Polizeibureau mußte die Lehrerin ein peinliches Verhör über sich ergehen lassen. Als der dienstthuendeKommissär den Mißgriff erkannte, führte er die junge Dame sofort zu seiner Frau in seine Wohnung, erquickte sie und geleitete sie dann selbst zum Bahnhof. Der Vater der Mindener Dame, ein Regierungsbeamter, hat wegen der oben geschilderten Festnahme seiner Tochter 'Strafantrag gestellt. Ein Villett - Kassirer der französischen Westbahn, Eduard Carre, der 20 Jahre lang ehrlich seinen Dienst gethan hatte, mußte sich dieser Tage wegen Unterschlagungen in Höhe von 18,000 Francs vor den Pariser Geschworenen verantworten. Ein toller Liebesroman hatte ihn auf die Anklagebank gebracht. Neben ihm saß als Mitangeklagte die bildhübsche, junge Rumänin Milka Geormaneano, die verführerische Circe. Sie hatte einst an Carre's Kasse ein Villett ins Vois de Boulogne gelöst und ihn dabei angelächelt. Wie ein Blitzschlag hatte dieses Lächeln auf den armen Beamten gewirkt; er war plötzlich toll vor Liebe für das fremde, schöne Mädchen, und Mademoiselle' war wiedergekommen, hatte ihm Hoffnungen gemacht, wenn er ihr Geld bringe, Geld und wieder Geld. Sie war auch eine merkwürdige Perfon. In Rumänien hatte sie die Staatsprüfungen für Literatur - und Kunstgeschichte gemacht, später war sie in Paris Schulreiterin im Cirkus geWesen, hatte dann in Montpellier Medizin studirt, war aber im ersten Examen vurchgefallen und nach Paris zur hohen Schule" zurückgekehrt. Und für diese Dame plünderte Carre seine Kasse, kaufte ihr ein Pferd für 4000 Francs, zahlte ihr die Miethe, die Toiketten, und während er hinter seinem Schalter saß und Billette verkaufte, fuhr die schöne Milka in der von ihm gemietheten Equipage spazieren und machte neue Eroberungen. Als Kisnst reiterin war sie schon so weit, daß das Pferd, auf dem sie saß, eine Treppe erkletterte und wieder hinabstieg. Da wurden Die Unterschlagungen entdeckt. DaS Gericht hatte diel Nachsicht mit dem verführten Kassirer, der zu zw Jahren Gefängniß verurtheilt wurde, aber die Strafe im Falle künftigen vorwurfsfreien Verhaltens nicht zu verbüßen braucht. Die Kunstreiterin erhielt 18 Monate Gefängniß, muß jedoch diese Zeit hinter den Mauern e ner Strafanstalt zubrmgeni. Verschnappt. Gemeinde raths-Mitglied: Ich möchte den Antrag stellen, daß das Schlagwerk der Uhr abgestellt wird, weil eö die Verathungen stört." Präsident: Wieso? Gem.-Mitglied: Ich bm schon zweimal darüber aufgeweckt!"
Feuer - Signale
i PennHlV n Market English'S OpHau i Eastund Ntt York 7 Noble und Michigan 3 91. Jersey u. Mass Av 9 Pine und North 3 Market und Pine 1 Vermont nahe East ' Ny. S Spritzenhaus Mafs. Ave nahe Nobl .3 Delaware und Walnut 4 .Jersey Central A. Mass. und Eornell Av Ash u.d II. Straße ' r Park Ave und is Err , Columbia undHillfid . 9 Highland Ave u. Pratt "1 JllinoiS und St. Jo Pennfhlv. und Pratt 4 Meridian un II. Str & No. 6 Spritzenhaus 15. nahe JllinvlS 2 Senate Aveu.StClair Illinois und Michigan i Pesylvania und 14, !9 Senate Ave. und 18. n No. 1 Spritzenhaus Jno Ave naheMichiga 2 Meridian und Walnut California u Lwmont 16 Blake und New Fork J6 Ind. Av. u. St. Elair 17 City Hosvital ?3 Blake und North 59 Michigan und Lgne a No. 6 Spritzenhau Washington nah Weft i2 Esendorf u Wafh. 3 Missouri New Fork 5 Meridian u Wash 46 JllinoiS und Ohis 67 EapitolAv.uWash Kmgau'S PorkhauS Straßenbahn Ställe SB. Washington EU 61 No. 10 Spritzenhaus JllinoiS uMerrM 8 JllinoiS n Louisiana SS West und South West und WeEarty $6 Senat Ave. u Henry S? Meridian und Ray ?S No. 4 Spritzenhau Madtson V. Morr 39 Madison Av. u Dunlop No, Haken Leiterhau South nah Delawar 2 Penn, u Merrill 33 Ttlawan u. McCartv afl und Mcarty 5 New Jersey u. MerrM 7 Birg. Av. u Bradsha 68 Saft und Prospekt 9 Bikking und High l No. 11 Spritzenhau ir Ave. nah Hur, 7 Gast und Georgia 75 Eeda, und Elm 74 Davidson u Georgia 75 English Av. u Pine 7 Shelby und Bäte '8 No. 8 Spritzenhau Prospekt nah Shelby 7 Fletcher Av. u Shelby 51 Market u. New Jersey 32 Delaware und Wash. . 83 East u Washington 54 New York .Davids 55 Taubstummen Anstalt HS er. Staaten Arsenal 37 Orient! und Wash. ss Frauen-Reformat. '1 No. 13 Spritzenhaus Marhland nahe Mer. 52 Meridian u. Veorqia. 93 Meridian und South 4 Pennfblv u. Louisiana 5 Virgini Ave u. Alab. )5 Hauptquartier. 37 Grand Hotel. 03 Capital Ave und Ohl 23 No. 16 Spritzenhau IS. und Ash. 124 Alabama und 16. S5 Central Ave und 15. .2 Dands und 15. 'S? Brookside und Jupiter .23 Central Ave und 17. 29 Delaware und 19. .21 Alabama und 11. 32 Bellefontaine undä. 34 College Ave und LS. ;35 Delaware und 13. 136 Alabama und North 137 Newmann und 19. 133 College Ave und 14. 139 Cornel! Ave und 13. '.41 YandeS und 19. ',4S Highland Ave und 19. .43 Tecumseh und 10. 146 New Jersey und L2. U6 Alvord und 17. U7 No. Spritzenhaus Hillside Ave und !6. .48 College Ave und 2. (49 College Ave und 27. (52 Park Av und 22. 158 LEu. W Bahn. 22. 154 Ramfey Ave und 10, 156 Stoughton u Newnia 157 Atlas und Pike. 153 Blohd und Pawpav. 15g No. 21 Spritzenhau Brightwood 2 Arden und Depot 163 Brightwood und 25. 164 Rural und Blohd 165 St. Clair u. Keyston 167 Arsenal Ave unk 28. .68 Bellefontaine und 23. 169 Park Ave und 1. 12 Capitel Ave und i. 213 Pennsylv. .Michiaa 214 JllinoiS und 2. 215 Senate Ave und t. 16 Pennsvlvania und 22, 17 Meridian und 16. 218 Capital Av und 2C 219 Broadivay und 10. 231 JllinoiS und McLea 234 No. 14 Spritzenhau Kenwood und 80. 235 JllinoiS und 83. 236 Annetta und 8s 837 No. 9. Spritzend iu Udell und Rader 233 Udell Ladder Worls 239 Jsabel und 27. 241 Meridian und 24. 242 JllinoiS u Et.ClZk 243 Eldridge und 23. 812 West uud Walnut 818 West und 12. 814 Howard und 16, 815 Torbet und Paca 81 Capital Ave und n 817 Northwestern AveuN 818 Gent und 13. 819 Can.il und 10. 824 Cerealin Work 824 Vermont und Lyn 825 Bismak u Grandviel 826 No. 29 Spritzenhaus Haughville. 827 Michigan u. Holme, 823 Michigan u. Concord 841 West und McJntyre 412 Missouri u. Maryland 613 Missouri und Ohio 415 Capital AvelLeorgia 416 Mifsourt u KmtuckyA. 417 Senate Ave u. Wash. 421 P und E slundbau W. 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