Indiana Tribüne, Volume 27, Number 227, Indianapolis, Marion County, 16 May 1904 — Page 6
Judiana Tribünc. R6 Mai 1905U
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Europäische Nachrichten.
Mrovinz Sctzres.n?ig-Korstein. Schleswig. Eine verschwundene Schülerin des hiesigen Seminars, Fräulein Roth aus Elmshorn, ist im Selkermoor, einer Bucht der Schlei, unweit der hiesigen Stadt, als Leiche gefunden worden. Fräulein Roth hatte während der Abgangsprllfung, nach" dem eine kleine Durchstecherei entdeckt worden war, entfernt und war seitdem verschwunden. A l t o n a. Eine hier in Hamburg bekannte Persönlichkeit, Journalist Adolf Blättner, feierte sein 25jährigeS Berufsjubiläum, er konnte gleichzeitig auf eine 25jährige Thätigkeit als Lokalredakteur und Berichterstatter der Altonaer Nachr." zurückblicken. Eckernförde. Unter großer Betheiligung der verschiedenen militä rischen Vereine aus Stadt und Land, der städtischen Collegien und zahlreicher Bürger fand die Beerdigung des ehemaligen Kanoniers und Vertheidigers der Südschanze am 5. April 1849 Henning Heesch vom Rathhause aus statt. F l e n s b u r g. In einer Mergelgrübe ist der 6jährige Sohn des MilchHändlers Bartelsen ertrunken. Gramm. Auf der Königlichen Domäne Nygaard hat sich ein schwerer Unglücksfall zugetragen, bei dem zwei Personen das Leben einbüßten uno eine dritte sehr schwer verletzt wurde. Ein aus Backsteinen gemauerter Wasserbehälter, der an die Wohnung des Oberschweizers Kohrt grenzt, platzte, drückte die Wand nach dem Wohnzimmer ein, diese stürzte ein und verschüttete drei Personen, die gerade beim Frühstück saßen. Die Frau des Oberschweizers und ein Unterschweizer wurden auf der Stelle getödtet, ein zweiter Unterschweizer so schwer verletzt, daß er in's Krankenhaus befördert werden mußte. H o h e n w e st e d t. Der 7jährige Sohn des Maurers Müller im benachbarten Tappendorf spielte mit befreunbeten Kindern auf dem Boden eineZ Nachbarhauses im Stroh Versteck, dabei stürzte er herunter und war sofort todt. Kiel. Generalsuperintendent für Holstein'D. Wallroth feierte sein 25jähriges Jubiläum als Geistlicher. Er war nacheinander Prediger in Sülfeld, Kreis Segeberg, Ahrensbök und Altona, wo er zum Propst ernannt wurde. Seit 1900 hat er sein jetziges Amt inne. P e l l w o r m. Ein alter Kampfgenösse von 1848. der 76jährige Dach decker Martin Hansen, ist gestorben. Es leben auf dieser Insel jetzt nur noch zwei Achtundvierziger. Süderbrarup. Ein alter Achtundvierziger ist hier gestorben, Josias Matthiesen, der 80 Jahre alt wurde. Er machte den ganzen Feldzug von 1848 50 im 13. Bataillon der schleswig-holsteinschen Armee mit. -Frovinz Schkelren. Ares lau. Der Inhaber der Firma Schlesische Kaffee - Rösterei C. G. Müller, Gustav Müller, Poststraße 4, feierte sein 30jähnges Geschäftsjubiläum. Das Geschäft zählt zu den bedeutendsten der Nahrungsmittelbranche und ist sowohl hier am Platze, wie über ganz Schlesien und Posen als leistungsfähig bekannt. Stadtrath Fedor Pringsheim beging sein 25jähriges Amtsjubiläum als Vorsitzender des Vorstandes der hiesigen Synagogen - Gemeinde. Bernstadt. Ein schrecklicher Unglücksfall traf die Familie des Arbeiters Drescher Hierselbst. Frau Drescher entfernte sich aus der Stube. Während dieser Zeit machte sich ihr vierjähriges Töchterchen am Ofen, in welchem sich Feuer befand, zu schaffen. Dabei fielen brennende Kohlen aus dem Ofen. Das Kind wurde von dem Feuer erfaßt und trug schwere Brandwunden davon, denen es erlegen ist. Chropaczow. Auf dem Valeska - Flöz der consolidirten Schlesiengrube (Eigenthum des Fürsten Henckel von Donnersmarck) entstand eine Kohlenstaub Explosion vor Ort, der acht Bergleute sämmtlich verheirathet und Familienväter zum Opfer fielen. Giersdorf. Zimmermann Seliger war hier mit dem Anfahren von Steinen beschäftigt. Als er kurz vor der Abladestelle abspringen wollte, kam er zu Falle. Der schwer beladene Vorderwagen ging ihm über die Brust und verletzte ihn so schwer, daß er verstarb. Königs Hütte. Auf der Mathildegrube wurde der Häuer Franz Rogon aus Lipine von der Förderschale erfaßt und getödtet. K a t t o w i tz. In Jdaweiche wurde der Inhaber der dortigen chemischen Fabrik, Dr. Max Landsberg, beim Ueberschreiten der Geleise von einer Rangirmaschine erfaßt und getödtet. Oels. Der Stadtälteste, Zimmermeister Jerchel, feierte in körperlicher und geistiger Frische das goldene Ehejubiläum. Reussendorf. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich auf der hiesigen Cäsargrube. Beim Zusammenbruch eines Pfeilers durch hereinbrechendes Gestein verunglückte der BergHauer und Hausbesitzer Seeliger zu Tode, der Berghauer Glatte schwer, während der Bergmann Süßmuth mit leichten Verletzungen davonkam. Seidenberg (Laubau). Von
einem hier abgehenden Personenzuge wurde der Vahnhofsarbeiter Gählert auf Station Friedland überfahren und dabei so schwer verletzt, daß er kurze Zeit darauf starb. Provinz gofett. , Posen. Dem Lithographen Oskar Arlt. welcher seit dem Jahre 1863 in der lithographischen Anstalt der Papierhandlung D. Goldberg ununterbrochen thätig ist, wurde das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen. G o s l i n k a. Der 6jährige Sohn des Wirths Feld gerieth in das im Betreibe befindliche Roßwerk und erlitt dabei derartige Verletzungen, daß er starb. I a n o w i tz. Die Frau des Arbeiters Döring schenkte vor kurzer Zeit einem Knaben das Leben und kränkelte seit dieser Zeit. Sie glaubte fest, daß ärztliche Hülfe bei ihr vergebens sei, und daß sie nur durch andächtiges und andauerndes Beten gesunden könne. Stundenlang betete sie darum täglich um Hülfe. Plötzlich verfiel sie in religiösen Wahnsinn, welcher in Tobsucht ausartete. Der Kreisarzt ordnete die sofortige Ueberführung der Kranken in die Irrenanstalt Dziekanka an. M o g i l n o. Schornsteinfeger Otto Teubner, welcher sich hier selbstständig machen wollte, fiel so Unglücklich von einem Wagen, daß ihm die Räder über den Hals gingen und er dadurch getödtet wurde. Der Verstorbene war verheirathet. S ch ö n l a n k e. Arbeiter WilHelm Lange aus Nikosken wurde beim Holzfällen in der Forst von einem fallenden Baume zur Erde geschleudert und sofort getödtet. Der Bedauernswerthe ist nur 36 Jahre alt geworden und hinterläßt eine große Familie. S p i t a l (I n o w r a z l a w.) Eiferne Hochzeit feierte hier das Ehepaar Budzinski. Der Ehemann ist 94, die Frau 90 Jahre alt. Budzinski ist ein Veteran des Polenaufstandes von 1830 und hat in den Gefechten bei Grochowo undOstrolenka mitgekämpft. Jetzt lebt er von einer kleinen Rente, die er vom preußischen Staat erhält. Wiewiorczyn. Der 6jährige Sohn des hiesigenBesitzers Golz wurde von den Eltern nach Tonndorf geschickt, um Schnaps zu holen. Des kürzeren Weges halber wählte der Knabe einen Fußweg, der an die Welna führte, über welche ein Balken gelegt ist. Beim Ueberschreiten des Flusses glitt der Knabe auf dem Balken aus, fiel in's Wasser und ertrank. -Arovinz Sachsen. Magdeburg. Ueber den Magdeburger Tiemann, der wegen des Verdachts der Ermordung des SchulDirektors Meyer in Ajaccio verhaftet wurde, ist von dem einen Anwalt des Verhafteten ein Schreiben an die Verwandten hierher gelangt, wonach der Untersuchungsrichter es abgelehnt hat, den Verhafteten auf freien Fuß zu setzen; er werde jetzt aber als Untersuchungsgefangener behandelt. E l b e n a u. Im hiesigen Dorfteich ertrank der Schulknabe Göttling. a l l e. Die kürzlich verunglückte 19jährige Hulda Petersohn, der am Leipziger Thurm von einem Straßenbahnwagen beide Beine abgefahren wurden, ist in der Klinik verstorben. Letzlingen. Der bei einer Schlägerei Hierselbst zwischen Einheimischen und bayrischen Holzarbeitern aus der Heide durch einen Messerstich in den Leib schwer verwundete 25 Jahre alte Arbeiter Fr. Könecke ist gestorben. Der Thäter ist verhaftet worden. S t a h f u r t. In der SchmiedeWerkstatt eines hiesigen Salzwcrkes erlitt der Bergarbeiter Gustav Specht durch einen Sturz aus geringer Höhe einen Schädelbruch, an dem er alsbald im Krankenhaus verstarb. Er war 40 Jahre alt und hinterläßt eine Familie mit sieben Kindern. W a ch st e d t. Die Scheune des Landwirths Edmund Aschenbach sen. brannte bis auf die Westseite nieder, während die benachbarte Scheune des Landwirthes Heinrich Aschenbach total vernichtet wurde. Das Feuer ist im acyituyle der erstbezeichneten Scheune ausgebrochen. Werben. Schiffer Wettstedt aus Darchau fiel hier in die Havel und ertrank. . Z e i tz. Von einem großen Feuer ist das hiesige Waarenhaus von Nathan und Co. heimgesucht worden. 'F'roVrnz Kannover. Hannover. Der wegen Eisenbahndiebstahls verhaftete Zugführer Böhning Don hier, der in Herford in's Gerichtsgefängniß eingeliefert worden war, ist von dort aus gebrochen, wurde, in Osnabrück jedoch von der dortigen Kriminalpolizei auf dem Bahnhof aufgegriffen und wieder verhaftet. Dieser Tage kam von dort die Nachricht, er habe sich im Gerichtsgefängniß in Osnabrück aufgehängt. Sein 25jähriges Arbeits - Jubiläum beging der Schneider Friedrich Hundertmark, der 1879 als Rockarbeiter bei der Firma Ernst Stamme eintrat und bis jetzt ohne Unterbrechung für dieselbe thätig gewesen ist. Fuhrberg (Burgdorf). Die Dienftmagd Auguste Eichholz wurde mit zertrümmertem Schädel im nahen Schützenholze erhängt' aufgefunden. Das Mädchen hatte die Spinnstube besucht und ist von dort nicht zurückgekehrt. Man nimmt an, daß das Mädchen auf dem Nachhausewege von einem Manne überfallen wurden ist, der sie
' zu vergewaltigen gesucht, bei dem ae-
fundenen Widerstand dem Mädchen die schweren Verletzungen am Kopfe beigebracht und sie dann zur Verheimlichung seiner That , in das Holz geschleppt und aufgehängt hat, um den Anschein zu erwecken, daß sich das Mädchen selbst erhängt habe. - Unter dem Verdachte des Mordes verbaftet wurde der 26jährige Tienstknecht Gustav Riekenberg. Goslar. Die hiesige höhere Mädchenschule feierte ihr hundertjähriges Bestehen. 227 Schülerinnen besuchen gegenwärtig die Schule. Zahlreich hatten sich die ehemaligen Schülerinnen in dem mit schönem Geschmack dekorirten Kaisersaal zur Begrüßung eingefunden. H i l d e s h e i m. Der ArbeiterBildungsverein feierte unter zahlreicher Betheiligung von nah und fern sein fünfundzwanzigstes Stiftungsfest. Unter den Erschienenen warön auch die königlichen und städtischen Behörden vertreten. Münden. In's Wasser gestürzt und ertrunken ist derHeizer des Frachldampfers Vlotho." Der Mann kam von einem Ausgange heim, bekam aber als er anBord gehen wollte, das Uebergewicht und stürzte in's Wasser. O st moorende (Fork). Im Alter von 103 Jahren starb hier die Wittwe Welzin. Bei Vollendung ihres 100. Lebensjahres hatte die Entschlafene vom Kaiser ein Glückwunschschreiben und ein Gnadengeschenk von von 300 Mark erhalten. Seeburg (Duder st ad t). Ein verheerendes Feuer hat das hiesige Dorf heimgesucht. Es brannten die mit Erntevorräthen angefüllten Scheunen der Landwirthe Karl und Friedrich Böning und die Wirthschaftsgebäude des Maurers Andreas Goldmann vollständig nieder. Das Feuer war kaum im Gange, als ungefähr 100 Meter entfernt ein zweites ausbrach, das mit großer Geschwindigkeit um sich griff. Durch dieses Feuer wurden die Scheunen der Einwohner E. Goldmann und Fr. Krone, sowie die Wirthschaftsgebäude des Maurers B. Bodmann eingeäschert. Seltenen Muth und G eistesgegenwart zeigte Frau Frances Boudert in New Aork bei einem Rencontre mit einem Eindringling. Sie befand sich in der Küche mit dem Zubereiten des Eessens für ihren von der Arbeitheimkehrenden Gatten beschäftigt, als sie durch den Spiegel bemerkte, daß ein Mann sich im vorderen Zimmer befand. Die couragirte Frau, sofort vermuthend, daß es sich um einen Einbrecher handle, ergriff die Bratpfanne, während der Eindringling, erschrocken über das Geräusch, hinter eine Thür eilte und der ihn bemerkenden Frau, die ihn fragte, was er hier zu suchen habe, erwiderte, er habe sich verirrt. Frau Boudert schlug den Kerl, ohne sich lange zu besinnen, mit der Pfanne und versetzte demselben so wuchtige Schläge, daß er vor Schmerz schrie. Vergebens versuchte er aus dem fatalen Versteck zu entkommen. Die Frau versperrte ihm den Weg und alarmirte durch ihr Schreisn die Nachbarn, die sodann den Polizisten Griffin herbeiriefen, welcher den Eindringling festnahm. Alle Stadiender Gefühle eines an Laudanum Vergiftung Sterbenden wurden in Camden, N. I., von dem 43 Jahre alten Blecharbeiter Fred Graber in kurzen Sätzen aufnotirt. Graber hatte aus Gram über den Tod seiner Frau seinem Leben mit Gift ein Ende gemacht. Nachdem .der Mann das Gift genommen hatte, nahm er Bleistift und Papier zur Hand und verfaßte einen Abschiedsbrief an seine Angehörigen. Er schrieb auf Packpapier, und die Schriftzüge ließen erkennen, daß ihm das Schreiben, je weiter er kam, desto größere Mühe machte. Auf den Deekel einer Schachtel, in der sich Blumen von der Beerdigung seiner Gattin befanden, schrieb der Sterbende: Ich sterbe im Irrsinn. Ich werde verrückt; 8 Uhr. Fühle mich irrsinnig; ich glaube es ist 10y2 Uhr. Grüße an meine Angehörigen. Mein Geist verwirrt sich immer mehr. Werde allmählig schwächer. Ich habe gesündigt. Ich sterbe wegen des Verlustes meiner Frau. Lebt wohl. Wen es angeht: Ich leide jetzt furchtbar. Ich will zu meiner Frau.' : Fünf Kutschen mehr und der Rest für die Errichtung eines Monuments für uns Beide. Derselbe lutherische Geistliche soll amtiren. Legt mich neben meine liebe Frau. Von diesem Haus, 1018 Segal Str.. am Miethstag. Ich bin jetzt wahnsinnig, lebe aber, noch." Bis zu dieser Stelle war die Schrift noch zu entziffern, obgleich sie immer unleserlicher wurde. Der Sterbende wollte offenbar noch mehrere Sätze schreiben, was jedoch folgte, war absolut unentzifferbares Gekritzel. Mit dem Schwinden des Bewußtseins war dem Sterbenden der Bdeistift entfallen. Er lag nebe der Leiche auf dem Sopha.
S e i d e n e S t r ü m p f e z u w a s ch e n. Auf ein Quart Wasser nimmt man einen Eßlöffel Salmiakgeist, einen Theelöffel Petroleum und eine oder zwei Messerspitzen voll Salz. Die Strümpfe werden in dieser Lösung ohne Seife , gewaschen, weshalb auch ein Ausspülen überflüssig ist, und an einem luftigen Ort getrocknet.
Das Bndapester Kaffeehausleben ist ebenso berühmt wie berüchtigt. Es giebt dort wohl die schönsten und größtenKaffeehäuscr derWelt. aber solch ein gemischtes Publikum", das in diesen Lokalen verkehrt, findet man vielleicht nirgends wo anders. Die Leute sind sozusagen schon von ihrer Geburt an im Kaffehaus und können ohne diese mit den Düften des Mokkas und Tabaks geschwängerte Luft gar nicht mehr leben. Die Eltern schleppen schon ihre Bübchen und Mädchen von drei Iahren mit sich ins Kaffeehaus damit die Kleinen zu Hause keine Dummheiten machen. Daß damit die Eltern die größte Dummheit begehen, sehen sie nicht ein, aber es ist bequemer so und man erspart sich die Kindermädchen. Der kleine Knabe gewöhnt sich auf diese Art schon recht früh an die KaffeeHausluft sie wird ihm bald zum Lebensbedürfniß. Er sieht die Großen dort Karten spielen und thut es ihnen gleich, sobald er 13 oder 14 Iahre oft geworden ist. Dem Kartenspiel wird hier überhaupt Tag und Nacht gefröhnt Zeit hat man dazu in Budapest immer, denn das ist noch heute in den schlechten Zeiten ein Geschäft. das Vielen ganz erkleckliche Summen einbringt. Wer gerade keinen Partner zum Kartenspiel hat, der findet in jedem Kaffeehaus schnell einen solchen, dazu ist ja der Oberkellner da. Der kleine Kohn" ist immer zu einer Partie bereit und setzt sich mit jedem Unbekannten hin zu einem Spielchen, denn er spielt ja stets besser. Oft verbinden sich drei solcher Kunden zu einem Kartentriumvirat und bilden dadurch die Sitlltzen des Kaffeehauses", d. h. sie müssen von ihrem täglichen Gewinn" einen vereinbarten Antheil dem Besitzer des Lokales abgeben, der ihnen dafür Speisen und Getränke kostenfrei verabreicht. Gewisse Gäste, denen man' ihre Grünheit" schon an der Nase absieht, die aber aus lauter Langeweile gern mal ein Spielchen machen möchten, werden dann von dem Triumvirat höflichst dazu eingeladen. Am liebsten werden dabei Ausländer gesehen, die das Budapester. Leben" genießen möchten. Viele haben dabei schon mehr erlebt, als ihnen lieb war, und waren froh, wenigstens mit den nothdürftigsten Kleidungsstücken, wenn auch ohne einen Kreuzer Geld, das elegante Kaffeehaus wieder verlassen zu können. Solcher Räuberhöhlen giebt es in Budapest unzählige, aber die Hazardspieler in den Hinterzimmern" werden nur selten auf frischer That ertappt. Erst kürzlich wurde in einem der äußerlich vornehmsten Kaffeehäuser auf dem prächtigen Andrassy-Bou-levard eine solche Falschspielergesellschaft von der Polizei entdeckt und verhaftet. Die Herren kamen aber mit geringen Geldstrafen davon und spielen heute schon ruhig, weiter, noch dazu in demselben, merkwürdigerweise von der Polizei nicht geschlossenen Kaffeehause, wo in der letzten Zeit viele Gäste gänzlich ausgeplündert wurden und sogar ihre Ueberzieher den Falschspielern überlassen mußten, weil sie ihre Spiel-, schuld nicht bezahlen konnten. Ihre Hüte ließ man großmüthig den Ausgeraubten, weil es sonst der Polizei zu leicht auffallen würde, wenn Gäste öfters ohne Kopfbedeckung das Kaffeehaus verließen. Mord im Irrenhause. Ein schauerliches Drama spielte sich im städtischen Irrenhause zu Trieft ab. Dort ist die 32-jährige Bäuerin Lucia Coglierich aus Torre bei Parenzo internirt. Im Jahre 1899 war sie nach vorangegangener gerichtlicher Untersuchung wegen Gemeingefährlichkeit sie leidet an Mordmanie in die Anstalt abgegeben worden. Da ihr Zustand sich besserte, war sie in der Folge auf Ansuchen ihres Gatten zweimal aus dem Jrrenhaufe entlassen worden, mußte dann aber wieder internirt werden. Im vorigen Jahre tödtete sie, als sie sich abermals in Freiheit befand, in ihrem Heimathsdorfe ihre Schwiegermutter durch Hackenhiebe, und befand sich seitdem wieder im Irrenhaus. Die ärztliche Behandlung übte auch jetzt wohlthätigen Einfluß auf ihren Geisteszustand aus; sie schien ruhig und von ihrer Manie geheilt, und genoß daher, in der Anstalt eine gewisse Freiheit, indem sie mit häuslichen Arbeiten beschäftigt wurde. Leider sollte die Erwartung, daß kein Rückfall eintreten werde, grausam getäuscht werden. Kürzlich passirte die Coglierich anscheinend ganz ruhig einen Korridor, in dem ihr eine alte ruhige Irre. Jnes Menzel. die sich seit dem Jahre 1886 in der Anstaltspflege befand, entgegenkam. Plötzlich stürzte sich die Coglierich auf die 63-jährige Frau und umklammerte mit Riesenkrast ihren Hals. Die Menzel stieß einen gellenden Hülferuf aus. doch war es. als das Wärterpersonal herbeieilte, bereits zu spät, denn die Ueberfallene war bereits unter den Händen der Mordwüthigen gestorben. Diese ließ sich dann ruhig von ihrem Opfer trennen und in ihre Zelle abführen. ' Ein deutscher Verwandter des Papstes ist, worauf das Mannheimer Zentrumsblatt, aufmerksam macht, der als B'zirksosfizier zum Bezirkskommando Mannheim kommandierte Hauptmann z. D. Kuenzer. welcher mütterlicherseits mit der Familie des Papstes verwandt ist. Der Hauptmann KuenZer weilt zur Zcit in Rom, wo er seine Verwandten, insbesondere die Schwestern des Papstes "be suckt bat.
Missionare im Hererolande. Während die Missionare in den ersten Zeiten des Aufstandes der Herero diese meist zu entschuldigen und zu vertheidigen suchten, werden jetzt von der Rheinischen Missionsgesellschaft einige Briefe veröffentlicht, die eine ganz andere Sprache reden und in denen die betreffenden Missionare endlich offen und entschieden Stellung gegen die Herero nehmen. So schreibt der Missionspräses Diehl 1 aus Okahandja, 12. Februar: Ich bin nach dem Aufstand öfter von Offizieren und anderen höher gestellten Beamten gefragt worden, was ich für die Ursache des Aufstandes halte. Ich ibe geantwortet: Zunächst Mißstimmung und allgemeiner Haß gegen das Hereinkommen und die Besitzergreifung des Landes durch die Deutschen. Dann aber auch vielfach ungerechte Behandlungswcise, die sich namentlich Farmer und Feldhändler gegen die Eingeborenen zu Schulden kommen ließen. Auch habe die Ifteservatangelegenheit wohl zum Theil mit dazu beigetragen. Das ihnen als Reservat zugedachte Stück Land sei zu klein und ungelegen gewesen, eine fast werthlose Wüste in den Augen der Herero. Dazu kam der Verdacht, sie sollten dort eingepfercht werden und ihres übrigen Landes für immer verlustig gehen. Es wurden schon bald nach den Reservatsverhandlungen im Volke Stimmen laut: Nun machen wir keine Gärten mehr, wir werden ja doch von den Deutschen , weggejagt." Wer die Verhältnisse genauer kennt und unparteiisch urtheilen will, muß zugestehen, daß auf beiden Seiten gefehlt worden ist. Aber an vielem trugen die Herero selbst schuld. Ihre Lage war keineswegs verzweifelt, wenn sie nur härten Lehre annehmen und durch Schaden klug werden wollen. Niemand konnte sie zwingen, ihr Land zu verkaufen oder auf Borg zu nehmen und damit den Wucherhändlern eine Handhabe zu geben, sie zu Lbervortheilen. Wir Missionare haben sie genug ermahnt und gewarnt und sind ihnen mit besserem Beispiel vorangegangen, aber wir predigten tauben Ohren. Geheimer Haß, Falschheit. Unaufrichtigkeit, wie sie den Herero eigen sind, haben dies Verderben heraufbeschworen." Ueber die Folgen des Aufstandes redet Herr Diehl ebenfalls eine Sprache, die man bisher von Missionsseitc nicht gewohnt war: Angenommen, die Herero blieben und nähmen es auf mit der deutschen Macht, die zu ihrer Bestrafung und Züchtigung berufen ist, dann kann man das Ende schon voraussagen, daß sie unterliegen werden. Das wird unter Umstanden noch eine längere Zeit in Anspruch nehmen und manche Opfer auf beiden Seiten kosten; denn der Größenwahn der armen Menschen und ihr Haß sind groß. Es wird ihnen hart eingehen, sich zu demüthigen, als Macht- und Hilflose sich unter die deutsche Herrschaft zu beugen und auf bisherige Freiheit und Selbständigkeit zu verzichten. Meines Erachtens haben sie je: och eine solche Lektion nöthig. Sie wird ein neuer Anfang sein für ihre äußere wie innere WeiterentWickelung ... Die Regierung wird alles aufbieten, das Geschehene zu sühnen. Man mag ja gar nicht daran denken, was noch alles kommen kann, wenn unsere Herero nicht das Weite suchen, sondern sich in ihrer Verölendung zur Wehr setzen und unseren erregten Truppen in die Hände fallen. Die Stimmung ist sehr erbittert. Und wer will sich darüber wundern nach alle dm, was die Herero verübt haben?" Einer der Missionsleute, die bisher am entschiedensten für die Herero eintraten, war der Missionsinspektor Haußleitner in Barmen, aber auch er sieht sich jetzt zu folgender Erklärung genöthigt: Nach der letzten afrikanischen Post kann kein Zweifel mehr bestehen, daß wirklich einzelne weiße Frauen im Felde von umherstreifenden Herero in thierischer Weise mißhandelt und geschlachtet worden sind. Solche Himmelschreienden Greuel fordern eine strenge Sühne." i Heiteres aus Gerichte. Das Wiener Extrablatt" veröffentlicht aus de .i Nachlaß seines unlängst verstorbenen Gerichtss aal-Berichterstat-ters Eduard Seidel folgende Schnurren: Eines Tages, in einer langweiligen und ermüdenden Verhandlung, war es einem greisen Gerichtsbeisitzer widerfahren, daß er in einen leisen Schlummer verfiel. Es war gerade ein Entlastungszeuge da, auf. dessen Aussage der Vertheidiger großen Werth legte, und wenn der Richter ihn nicht hörte, so konnte er diese Aussage auch nicht würdigen. Herr Zeuge", sate der Vertheidiger, reden Sie nicht jo laut, Sie wecken ja den Herrn Votanten auf." Dieser Angeklagte." sagte der Vertheidiger. ist von seinem Vater enterbt worden, weil er bei dessen Tode der einzige in der Familie war. der noch nicht abgestraft worden ist. Heute hat er die Manen seines Vaters versöhnt." Vertheidiger: ...... Es ist allerdings wahr, daß mein Klient den Herrn Pögler Ochs." tstulirt hat. doch glaube ich, daß dies in Anbetracht der ietzigen hohen Rindfleischpreise keine so 2roße Beleidigung ist!"
