Indiana Tribüne, Volume 27, Number 227, Indianapolis, Marion County, 16 May 1904 — Page 3
Jndiana Tribüne, IS. Mai 190IU
Der erste See-Erfolg.
Japanischer Panzer - Kreuzer durch einen kühnen Handstreich torpedoirt.
Port Arthur's Lage anscheinend unverändert. Japan. Vormarsch gegen Liao Fang. Gefahr von chinesischer Seite im Wachsen. Zahlreiche Kämpfe mit Räubern. Des Zaren Rundreise.
Ost-Asien. Verwegene That. L i a o Y a n g, S a m ft a g, 14. Mai (bei der Beförderung verspätet.) Die russische Flotte erzielte ihren ersten entschiedenen Erfolg am 10. Mai, als ein japan. Panzer Kreuzer in der T a l i e n w a n B a y durch einen Torpedo de schädigt, aber nicht zum Sinken gebracht wurde. Der russische Angriff wurde sorgfältig geplant, während das japanische Geschwader sich außerhalb Dalny's con centrirte und seine ganzeAufmerksamkeit der Talienwan Bay widmete. Den Angriff vollführte nicht ein regelmäßiges Torpedoboot, sondern nur ein kleines Naphta.Boot unter Befehl eines jungen Marine - Offiziers, der 3 Seeleute bei sich hatte. Das Boot führte ein kleines Maschinen-Geschütz und 3 Torpedos an Bord. Mit Eintritt der Dunkelheit schlüpfte das Boot aus Port Arthur, ohne durch Lichter an Bord feine Anwefenheit zn verrathen. Es gelangte erst spät an die äußere Linie des japanischen Geschwaders. Durch die Torpedo-Boot Posten sich durchschlagend und das nächste Kriegsschiff, einen großen Panzerkreuzer, sich auswählend, näherte sich das Boot diesem und es gelang, gegen seine Seite einen einzelnen Torpedo zu explodiren. Ein betäubender Lärm folgte der Explosion, die weit am VLtc widerhallte. Der Kreuzer war augenblicklich von Flammen umhüllt und äugenscheinlich schwer beschädigt. Die Flammen wurden schließlich von der Mannschaft de? Kreuzers gelöscht, ein Schwesterschiff nahm das beschädigte Schiff in's Schlepptau und verschwand in südöstlicher Richtung. Das russische Boot entging dem heftigen Feuer der japanischen Schiffe, konnte aber nicht nach Port Arthur zurückkehren und ebensowenig nach Dalny fahren und legte nicht weit von letzterem Orte an. - Nur wenige der höheren Offiziere wukten von dem Plan, dessen Erfola vom Geheimhalten abhing. Der junge Marine-Offizier, welcher das Heldenstück vollbrachte, wurde gefeiert und für das St. Georg Kreuz empfohlen. Am 11. Mai sprengten die Russen die Docks von Dalny und räumten in Stille den Platz. 2000 Japaner hoben die Straße nach Sanchilipen wieder besetzt, Port Arthur abermals abschneidend. Eine starke Streitmacht marschirt gegen Polandien. Port Arthur bis zum 12. Mai. St. Petersburg, 15. Mai. Der Kaiser erhielt vom Vicekönig Alexieff folgenden Bericht vom 14. Mai: Ich übermittle Eurer Majestät ehrfurchtsvoll einen Bericht deö ContreAdmiral Wittfoeft, über die Lage in Port Arthur vom 6. bis 12. Mai. Der Bericht wurde durch Expreß-Boten von der Dachichao Station am Abende der zweiten Verbindungs-Unterbrechung durch den Feind gebracht. Er lautet: Das feindliche Geschwader, aus Schlachtschiffen, Kreuzern und Torpedobooten bestehend, erschien am 5. Mai vor Port Arthur und unter hielt seitdem eine Blockade, ohne zu aktiven Operationen vorzugehen. Die Reparatur-Arbeiten an den Schlachtschiffen Czarewitch" und Retvizan" gehen mit unablässiger Energie und erfolgreich vor sich. Während einer Untersuchung des Hafens an der Stelle, wo das Schlachtschiff Pobieda" durch eine Mine be schädigt wurde, fand man eine feind liche Vertheidigungs-Mine, welche durch die Gewalt des Sturmes explodirt war." Operationen bei Liao Sang. S t. P e t e r s b u r g, 16. Mai. Nach einem Bericht, den Gen. Sakharoff aus Liao Vang unter dem 15. Mai an den Generalftab sandte, erreichte die
feindliche Avantgarde am 12. Tonintson. auf der Straße zweschen Feng Wang Chcng und Liao Fang. Die beiden Cossaken-Sotnien zogen sich, gegen das Dorf Kantsaendiantig zurück. Eine japanische Abtheilung von drei Bataillonen Infanterie, 10 Geschützen und 2 Schwadronen befand sich am 11. Mai im Tafanoon Thal. Seither ist von der Bewegung dieser Truppe nichts bekannt, woraus sich schließen läßt, daß sie westlich nach Hai Cheng abzweigte. Eine Abtheilung der japanischen Ar-rier-Garde ging am 13. aus Tonintson südlich ab und wurde von den Cossaken verfolgt, die sich nach halbstündigem Kampfe, da sie einen Hinterhalt entdeckten, zurückzogen. Patrouillen meldeten, daß sich 2 Regimenter Jnfanterie, 8 Geschütze und 3 Schwadronen Lindiapoutse und Erntaouffan näherten. Die Patrouillen zwischen LanS Chan Honan und Taimadza hatten ein Scharmützel mit chinesischen Banditen, wobei 3 Cossaken sielen, 3 verwundet wurden und 4 vermißt werden. Kampf mit chinesischen Räubern. New C h w a n g, 15. Mai. Eine Räuber-Bande wurde etwa H Meilen südöstlich von hier gestern Abend durch eine Anzahl irregulärer Eingeborenen angegriffen; der Correspondent der Assoc. Presse sah den Kampf mit an. 3 Räuber wurden getödtet und 2 schwer verletzt; die russischen Truppen leisteten den Eingeborenen keine Hülse. Die Russen bieten den Eingeborenen hohe Löhne als Bahnwachen, um mehr FeldTruppen stellen zu können; allein die Chinesen nahmen das Angebot nicht an. Wie ein chineficher Jngenier meldet, wurden in den letzten 24 Stunden 30 Meilen der Bahn zwischen Hfingpo und Wafen Tien beschädigt. Im ganzen sind in Pitsewo 30,000 Japaner gelandet. Nach einem rufsischen Offizier wollen sich die Russen bis zur Ankunft von Verstärkungen nach Harbin zurückziehen und dann einen entscheidenden Feldzug südlich beginnen. Die Spät - Sommer - Regen beginnen bald und dann werden über Haupt alle militärischen Operationen unmöglich. Der Zar sagt den TruppenLebewohl. St. Petersburg, 16. Mai. In Zarskoje-Selo nahmen heute der Kaiser, die Kaiserin und der vermuthliche Thronfolger Großfürst Michael von den nach dem Osten gehenden Truppen Abschied. Der Kaiser trat gleich darauf eine auf die nächsten 10 Tage berechnete Reise an, wo er an verschiedenen Punkten den nach dem Kriegsschauplatz ab reisenden Truppen Lebewohl sagt. Moskau, 15. Mai. Der Kaiser kommt morgen durch Moskau auf einer Eiltour durch etwa 10 Städte in den Provinzen Moskau nd Kharkoff, wo er sich von den verschiedenen Truppentheilen persönlich verabschiedet. Beider Rückkehr betet er wahrscheinlich im Ser-gius-Kloster hier der Sitte der Ahnen gemäß um den Sieg der russischen Waffen. Die Reise deö Zaren erstreckt sich auf uugefähr 2000 Meilen. Zur Sicherung des Kaiserzuges sind bereits an der ganzen Linie Truppen postirt. Chinas Geheimbund mit Japan. St. Petersburg, 15. Mai. Angesichts der feindlichen Haltung , der Chinesen innerhalb und außerhalb der rujfischen Einfluß-Sphäre verfehlen die hiesigen Behörden ihre Besorgnisse, besonders für den Norden des Reichs, nicht. Es besteht die Absicht, die Aufmerksamkeit der chinesischen Regierung aus den drohenden Aufstand in Tapadziasti zu lenken, damit sofort Unter-drückungs-Maßnahmen getroffen wer den. Es ist bekannt, daß alle Mächte starke Vorstellungen in Peking erhoben haben, allein Gen. Pflug's Depesche vom 14. zeigt die Nothwendigkeit weiteren Drucks
auf die chinesische Regierung, damit sie mit fester Hand vorgehs. Man vergißt hier nicht, daß der von Shan Tnng ausgehende Boxer-Auf-stand das ganze Reich ergriffen hätte, wären die südlichen Vicekönige nicht fest geblieben. Die Militär-Behörden von Petersburg behaupten, Information sensationellen Charakters' zu besitzen, wonach die Chinesen sich stillschweigend bereit erklärt haben, mit den japanischen Operationen gegen die Russen zusammenzuwirken. Die Japaner beabsichtigen, wie behauptet wird, den Gen. Kuropatkin in die Mongolei zu treiben und die Russen würden sich damit der Verletzung neutralen Gebiets schuldig machen, und Repressalien von Gen. Ma'S Armee rechtfertigen würde. Diese Armee wird in jener Gegend ausdrücklich zu dem genannten Zwecke gehalten, es wird, hierdurch jeder Bruch der Neutralität Chinas durch Japan vermieden und man könnte die chinesischen Truppen, da sie die Mandschurei. Grenze nicht überschreiten, nicht beschul digen die Versprechungen, sich von den Militär-Operationen in der Mandschurei fernzuhalten, verletzt zu haben. Ein hervorragender Stratege erkärte heute der Assoc. Presse feine Meinung dahin, daß die Japaner nicht blos Liao Vang anzugreifen beabsichtigen, sondern auf . der ganzen Linie, Kuropatkin nach der Mongolei zu treiben, wo die Chinesen auf ihn warten. Infolgedessen würde Kuropatkin bei Km Ping oder Hai Cheng schwerlich ernsten Widerstand leisten, sondern sich nach Norden, zurückziehen. Damit kä men die Japaner in den Stand, unter geringen Hindernissen auf New Chwang zu marschiren und sie könnten von dort als Basis Mannschaften und Vorräthe nördlich senden, ohne die neutrale Zone westlich vom Liao Flusse irgendwie zu verletzen. Ed-le Gesinnung. Liao Bang. Samstag, 14. Mai. Die japanischen Ossiziere, die hier als Spione erschossen wurden, vermachten $500 dem russischen rothen Kreuz zum Dank für die freundliche Behandlung. ' Kuropatkin lobt die Japaner. L i a o V a n g, Samstag, 14. Mai. Die japanische Armee in der Süd Mandschurei marschirt langsam vorwärts, augenscheinlich vom Wunsche geleitet, in naher Fühlung mit den Reserven zu bleiben. Das Ziel ist theils Hai Cheng, in erster Linie aber Liao Bang. Die russischen Truppen find bei vorzüglicher Stimmung und Gesundheit. Gen. Kuropatkin sagte bei einer Inspektion der Hospitäler zu einem vermundeten japanischen Gardisten: Ich besuchte Ihr Land und traf sehr thätige Menschen. Jetzt bin ich überzeugt, daß Ihr ausgezeichnete Soldaten seid und ich bin stolz, einen solchen Feind zu bekämpfen." Der Cossaken-Angriff a u f A n.j u. Söul, 15. Mai. 450 gefangene russische Offiziere und Mannschaften werden in Kurzem von Bongampfo nach Moji, Japan gesandt. Der Präfekt von Tok Chang. das 2 Tagenmärsche nordöstlich von Anju liegt, meldet, daß am 8. Mai 700 Cossaken Vorräthe und Ponies requirik' ten, in verschiedenen Fällen auch Geld. Die Einwohner flohen nach den Hügeln. Am 9. Mai erfolgte der Angriff auf Anju. Die Russen vergewaltigten Frauen, erbrachen das Gefängniß und ließen die Gefangenen frei. Den Gefängnißwärter und Scharfrichter entführten sie. In Chonju, Korea, wurden 4 Führer der Tonghoks hingerichtet. Nenfundland. Neue Polarexpedition. St. Johns, 15. Mai. Die canadische Regierung bat den Robben-fang-Dampfer Erik" gechartert, um im nächsten Juli mit Vorräthen für den Dampfer Neptun", der jetzt auf einer Expedition zu Erzwingung der Durchführung der kanadischen Gesetze gegen amerikanische Walfischjäger begriffen ist, nach der Hudson Bai zu fahren. Die Erik" wird gleichzeitig Vor räthe für den Dampfer Gauß" mitnehmen, der kürzlich von Canada der deutschen Regierung abgekauft wurde, und in welchem Schiff Capt. Bernier nach der Polargegend abfahren und eine Reihe arktischer Inseln für, die britische Krone annektiren und dann versuchen wird, den Nordpol zu er-
Haftige Rüstungen. Riesen-Forderungen für das Heer erregen Bestürzung.
Wien, 15. Mai. Die enormen Budget Forderungen für Heer und Flotte (zusammen $51,791,200) erregen unter allen Parteien beider ReichsHälften die größte Bestürzung, besonders da die Gerüchte über solche Forderungen amtlich stets abgeleugnet wurden. Niemand versteht den plötzlichen Wunsch der Regierung, das für mehrere Jahre geplante Militär-Programm in dieser Weise zu überhasten; aber die Erfahrungen des russisch - japanischen Feldzugs stehen wohl hiermit im Zusammenhang. Die Presse sieht auch angesichts der Depression in Landwirthschaft und Gewerbe keinen hinlänglichen Grund. Die Börse spiegelte gestern die unsichere Stimmung deutlich wieder. Budapest, 15. Mai. Beim Empfange der Delegationen erklärte der Kaiser das Verhältniß zu allen Nationen als andauernd vorzüglich und sprach sich auch über die Fortschritte des macedonischen Reform-Programms befriedigend aus. Auch auf die außergewöhnlichen Credite wies der Kaiser hin. Deutschland. Beleidigung des Offizierskorps. Berlin. 15. Mai. Das Leipziger Landgericht hat den Redakteur der Leipziger Volkszeitung", Wagner, zu einem Monat Gefängniß verurtheilt, weil er bei Besprechung des Baudesfifi' schen RomanS Erstklassige Menschen", sowie von Bebel's Reichstagsrede darüber das Offizierskors desZ deutschen Reichsheeres, namentlich dasjenige Sachsens, insultirte. Oefterreich-Ungarn. Scheffel-Denkmal. Wien, 15. Mai. Ein ScheffelDenkmal am Msndsee, wo der Dichter wohnte, kurz bevor er an die Niederschrift seiner Bergpsalmen"?ging, will der Scheffel-Bund ist Oesterreich gemeinsam mit dem Scheffel-Bund in Deutschland errichten. Ein von zahl reichen Vertretern geistigen Lebens in Oesterreich und Deutschland und von mehreren künstlerischen Vereinen unterzeichneter Aufruf fordert zu Beiträgen für dieses Denkmal auf. Die Beiträge werden an das Poftsparkassenamt Wien erbeten. Schweden und Norwegen. Gefährliche Oceanfahrt. Berlin, 15. Mai. Die WeltAusstellung in St. Louis läßt wieder allerlei excentrische Reisepläne aufkommen. Wie aus der niedergebrannten Stadt Aalesund berichtet wird, will ein Steuermann Namens Bürde die Reise nach Amerika in einem kleinen Boote höchst merkwürdiger Construction machen. Brude läßt sich gegenwärtig ein Se geldoot construiren. das eine eiförmige Gestalt hat, aus Eisen gebaut ist und einen kleinen Thurm trägt, der sowohl als Ausguck, wie auch als Steuerhaus dienen soll. Das Fahrzeug wird mit einem Kiel versehen, das gesenkt und gehoben werden kann nach der Höhe des Wassers in Landungsfällen. Der Conftructeur deö merkwürdigen Fahrzeuges hofft, noch drei Andere zu fin den, die gewillt sind. Mit ihm auf der Reife nach St. Louis das Leben zu riskiren. Brude meint, die Reise von Norwegen nach St. Louis in etwa zehn Wochen zurücklegen zu können. Er hat bereits einen unternehmungslustigen Berliner gefunden, der ihn begleiten will. Britisch-Columbia. Massenmord in fernem Lande. V i c t o r i a, B. C., 15. Mai. Missionäre bringen die Kunde von einem Massacre in einer kleinen Colonie an der West-Küste von Britisch Nord Borneo zwischen Jerselton und Paper, am 30. März. Eine RebellenBande aus dem Innern brachte 130 Personen, Frauen und Kinder, nebst chinesische Kulis, auch einige Englän. der. um's Leben, verwundete viele An dere und brannte Häuser und Hütten nieder. Unter den Todten befindet sich die Familie des Stationsvorstehers. Zunächst griffen die Rebellen die chinesischen Lüden an, bis dann ein allgemeines Blutbad entstand und Männer, Weiber und Kinder ohne Unterschied hingemordet wurden. Die Ueberleben den entkamen nach Jesselton, von wo die Nachricht sich weiter verbreitete.
Russische Anarchisten. Zu dem Prozesse Gerschuni und Genossen, der wegen Ermordung des Gouverneurs Obolnski und Bogdanowitsch angeklagt waren, veröffentlicht jetzt die Oswoboschdenie einen Bericht über die Verhandlungen vor dem Petersburger Kriegsgericht. Es geht daraus hervor, daß zwei der Angeklagten, der Leutnant Grigoriem und der Arbeiter Katschura. ihre Genossen verrathen und dem Gericht ausgeliefert haben, anscheinend in der Hoffnung. dann selbst auf eine mildernde Behandlung rechnen zu können. Ferner ergeben dieVeröffentlichungen, daß Gerschuni die treibende und leitende Kraft für die Verbrechen gewesen ist, während seine Mitschuldigen als recht schwächliche Leute erscheinen. Jnteressant ist für uns, in welcher Weise die deutsche sozialistische Presse zu diesen Vorgängen Stellung nimmt. Die .Magdeburger Volksstimme" feiertGerschürn 'Uind Genossen kurzweg als Helden. Hat je," so schreibt sie, der rechtgläubigste frommste Sectirer seiner letzten Stunde mit größerer Gelassenheit, ja, Zuversicht entgegengesehen als dieser russische Revolutionär? Ein solcher Tod ist eine sichere Bürgschaft für die Sache, um derentwillen ihn dieser Held erleidet. Eine Idee kann nicht unterliegen, sie muß siegen, für die Männer und Frauen so zu leben, so zu sterben bereit sind!" Sehr viel diplomatischer drückt sich der Vorwärts" aus. er mißbilligt sogar das Vorgehen der russischen Terroristen, allerdings im Grunde nur aus taktischen Gründen. Es sei, so sagt er, begreiflich, daß sich in Rußland, wo das Wohl des Volkes unddie Menschenwürde mit Füßen getreten werden, von Zeit zu Zeit die Verzweiflung in einzelnen Gewaltakten Luft mache: Wir unserseits begreifen diese Erscheinungen vollkommen. Eine ganz andere Sache ist es allerdinas, wie man solche terroristischen Akteals politisches KampfMittel, beurtheilt. Und da muß gesagt werden, daß das Aufkommen des Terrorismus in Rußland wie paradox dies auch klingen mag stets ein Zeichen der Schwäche der revolutionären Bewegung ist. Das Bedürfniß, in Attentaten auf einzelne Träger des Abjolutismus der aufgespeicherten Erbitterung und Qual Luft zu machen, kommt nur in Momenten auf, wo keine ernste Massenbewegung als- normaler Ausdruck und zugleich Sicherheitsventil der revolutionären Energie und des oppositionellen Geistes fungirt. Thatsächlich ist die terroristische Taktik aus der Enttäuschung nach den mißlungenen Versuchen -bet siebziger Jahre, eine bäuerliche Massenbewegung in's Leben zu rufen, entstanden." An einer andern Stelle heißt es: Im ganzen läßt sich aus dem Prozeß von Gerschuni undGenossen deutlich herausfühlen, wie sehr die terroristische Bewegung in Rußland heutzutage des Bodens entbehrt, wie sie gewissermaßen in der Luft hängt." Als besteö Mittel gegen den Terrorismus wird schließlich die Sozialdemokratie empfohlen, die mit ihren freiheitlichen Einrichtungen siehe Dresden alle anarchischen Gewaltthaten unnöthig machen werde. Das Offizierkorps des Beurlaub tenstandes. Ueber das Dienstalter der preußischen Offiziere des Beurlaubtenstandes giebt die kürzlich erschienene Dienstaltersliste folgende Aufschlüsse: Der älteste Landwehroffizier ist der Geh. Bergrath Harz in Dortmund, der am 8. Februar 1855, also vor 49 Iahren Leutnant geworden und Oberstlt. der Landwebr - Pioniere 1. Aufgebots ist. Demselben Offiziersjahrgang gehört der Amtsanwalt Bischofs in Bonn an, der am 9. August 1855 Offizier geworden und seit mehr als 32 Jahren Rittmeister der Landwehr-Ka-vallerie 1. Aufgebots ist. Aus dem Jahrgange 1856 sind ebenfalls noch zwei Offiziere vorhanden, der Major der Landwehr - Kavallerie 2. Aufgebots Regierungs- und Forstrath Leo in Wiesbaden und Oberpräsident Staatsminister von Bötticher in Magdeburg, der Oberst der Landwehr-Jn-fanterie 1. Aufgebots. Der Jahrgang 1857 ist mit drei. 1859 mit drei und 1860 mit vier Offizieren vertreten. Im Ganzen sind noch 81 Offiziere des Beurlaubtenstandes vorhanden, die bereits 'den Krieg gegen Frankreich als Offiziere, darunter fünf bereits- als Hauptleute oderRittmeister mitgemacht haben. Stabsoffiziere zählt der Beurlaubtenstand nur 25, darunter 2 Obersten, 2 Oberstleutnants und 21 Majors. Die Offiziere, die nicht in höhere Dienstgrade aufrücken, sind sehr zahlreich. Es giebt Hauptleute, die über 30, Oberleutnants, die über 20, und Leutnants, die über 25 Jahr? in ihrem Dicnstgra X sind. Bei der Infanterie sind allein 14 Leutnants vorHanden, die mehr als 20 Jahre Offiziere sind, darunter vier mehr als 25 Jahre; ebenso sind bei der Kavallerie 15 Leutnants mit einer mehr als 20jährigen Offiziersdienstzeit, darunter vier mit einer mehr als 25jährigen vorhanden. Der älteste Leutnant des Beurlaubtenstandes gehört der Feld artillerie an; es ist der Leqationsraty bei der Deutschen Botschaft in St. Petersburg Frhr. von der Goltz. der stit November 1876. also über 27 Jahre Offizier, ist urtd bei der Feldartilleri; 2. Aufgebots des Landwehrbezirks Aschersleben geführt wird.
Die Burgruine zu Heimbach ist theilweise eingestürzt.
Aerzte.
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