Indiana Tribüne, Volume 27, Number 225, Indianapolis, Marion County, 13 May 1904 — Page 7

Jndiana Tribüne, 13. Mai

t TT Tv ."r 4.4. i oöens n ÄMittnen K N N N (Fortsetzung.) Vincent Hatte sie ganz aus den Augen verloren, und als er jetzt den Kopf wandte, sah er sie nahe beim Tigerkäfig stehen, so ,nahe, daß eine zwischen den Eisenstäben herausgestreckte Tatze die rothen Schleifen ihres Hutes gestreift hatte. Schon stand er neben ihr und zog sie am Arm fort. Aber, Kousine, so geben Sie doch Acht! Alle Tage kommen Unglücksfälle in diesen Menagerien vor." Pah!" machte sie verächtlich. Sie schien keine Gefahr zu fürchten, sondern ihr eher trotzen zu wollen. Noch ein wenig näher, und der Tiger hätte Sie gepackt!" Ach was, ich finde diesen Tiger, sehr nett ich hätte ihm mit Vergnügen die Hand gegeben." U5 Ware aber sehr leicht mogttcy geWesen, daß er Ihnen die Hand nicht mehr zurückgegeben hätte." Vincent führte Sylvie zu ihrer erschrockenen Schwester zurück; den andern war der Auftritt entgangen. Eine leichte Aufregung machte sich jetzt im Publikum bemerklich. In Begleitung eines Herrn im schwarzen Frack und eines Dieners war der Löwenbändiger erschienen, ein schöner, stattlicher Mann mit starkem schwarzem Schnurrbart, in einem reich gestickten Rock mit gelben Aufschlägen, hohen, rothbraunen Lederstiefeln und mit einer Peitsche in der Hand: ein Mittelding zwischen einem Herkules, einem Stierkämpfer und einem Stallmeister. Die Zuschauer des ersten Platzes wurden jetzt gebeten, nach rechts und links zurückzutreten, so daß sich ein großer, breiter, viereckiger Raum bildete. In diesen schob man jetzt den auf Rollen fahrenden Löwenkäfig, der etwa zehn Thiere enthalten mochte, die sich, aus ihrer Ruhe aufgeschreckt, mit plötzlichem Gebrüll erhoben und ihre Mähnen schüttelten. Kinder fingen zu weinen an, selbst der alte Mougin hielt mitten in einem Satze inne. während Edmund vorsichtig zurücktrat und Adele sich die Augen zuhielt. Feierlich grüßend hatte der Thierbündiger den Käfig betreten. Meine Damen und Herren," verkündigte er, sich von Neuem verneigend, ich werde die Ehre haben, Ihnen zuerst meine jüngsten Zöglinge vorzuführen." , Diele, vier bellfarbiae. bübscbe Halbwüchsige Löwen, kamen auf 1 einen Uiuf herbei und sprangen, anscheinend so zahm wie Neufundländer, um ihren Herrn herum. Einer von ihnen streckte ihm sogar die Tatze entgegen, und Bincent hörte, wie Vater Mougin neben ihm gewichtig sagte: Beginnt die Erziehung schon in frühester Kindheit, so ist ihr Einfluß allmächtig " Die Löwin aber, die jetzt Programmmäßig vorgeführt wurde, mußte entschieden nicht jung genug ihrer Freiheit beraubt worden sein, denn ihre Erziehung war noch recht mangelhaft. Ungern nur ließ sich das riesige Thier zu einigen Sprüngen bewegen, nachdem es mehrere Male den Versuch gemacht hatte, sich mit eingekniffenem Schwanz zurückzuziehen. Erst einige knallende Peitschenhiebe brachten sie zum Gehörsam. Der alte, schäbige, auf einem Auge blinde Löwe, der dann folgte, zeigte sich anscheinend weniger widerspenstig, doch verrieth sein heimtückisches Auge auch nichts Gutes. Im Hintergrund des Käfigs, ganz allein in einer Zelle, lag ein prachtvoller, im besten Alter stehender Löwe, der sich auf die Vordertatzen stützte und als unbetheiligter, verächtlicher Zuschauer diesen Kinderspielen angewohnt hatte. Der Thierbändiger trat nun vor. Oeffnen Sie das Gitter," befahl er dem mit ihm eingetretenen und neben der Thüre stehengebliebenen Diener. Zuerst war der Löwe unbeweglich, mit der überraschten Miene eines in seiner erhabenen Ruhe gestörten Herrschers, liegen geblieben. Dann aber richtete er sich plötzlich auf und stürzte mit einem fürchterlichen Satz, begleitet vom entsetzlichsten Gebrüll, in den Raum, worin sich der Thierbändiger befand, so daß das Publikum erbebte und auch die andern Löwen aufsprangen und mit dumpfem Brummen im Käfig umherliefen. Der Bändiger aber schenkte diesen nicht die geringste Aufmerksamkeit, sondern trat auf den neuen Ankömmling zu und stellte ihn der Versammlung vor: Meine Damen und Herren, Sie sehen hier den sieben Jahre alten Eambyses, einen der stärksten und der gefährlichsten Rasse Afrikas angehörenden Löwen, der vor etwa zwei Jahren in seiner Heimath gefangen wurde. Da aber die hiesige Presse seine Lebensbeschreibung weit besser gegeben hat, als ich es im Stande wäre, so gestatte ich mir, sie Ihnen vorzulesen. August, bringen Sie mir die Zeitung." Der Diener brachte einen Stuhl, sowie den Boten von Toulouse," worauf der Bändiger die Peitsche zwischen die Beine klemmte und, dem unbeweglich daliegenden Löwen gegenübersitzend, ruhig zu lesen begann: Cambyses, ein aus dem Atlasgebirge stammender

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tt Roman von (Stharnpol !! "ilr I - . ? - -' . . - V - Y -- 9 - -" - i n Löwe, den Herr Vurini täglich dem Publikum vorführt, erfreut sich eines ziemlich schlechten Rufes. Er war es, der voriges Jahr auf dem Jahrmarkt zu Neuilly während der Vorstellung einen Bändiger der Menagerie Pezon zur Hälfte verschlungen hat. Ei, ei, mein armer Cambyses, die Presse verleumdet Dich! Lies lieber selbst." Die Zeitung zusammenknüllend, schleuderte sie der Bändiger Cambyses in's Gesicht. Mit einem Satz und erneutem Gebrüll stand jetzt die gewaltige Bestie neben dem schwachen Menschen. , Dieser hatte sich erhoben und die Peitsche wieder an sich genommen, ohne auch nur eine Linie zurückzuweichen. Eine Minute lang standen sie einander unbeweglich gegenüber. Dies war der große Augenblick, der Glanzpunkt der Vorstellung, und in der That trotz Maskerade und Flitterkram in diesem Augenblick lag über dem Bilde ein Hauch erhabener Größe. An Stelle des bezahlten Possenreißers stand plötzlich ein Mann, der sein Leben auf's Sviel sekte. Einer aber, der das thut, verdient zum Mindesten Beachtung. und die Blasirtesten oder Gleichgiltigsten, selbst der in sich versunkene Gerbault, wurden aufmerksam. Auch alle andern Löwen waren herangekommen. Feuer sprühte aus dem Blick des Gewaltigen, der zornig die Oberlippe in die Höhe zog und die gelben Zähne fletschte. Selbst die vorhin noch ungefährlich aussehenden kleinen Löwen zeigten sich wild und ungeberdig. Immer enger zog sich der Kreis um den Bändiger zusammen, bis man schließlich nur noch ein Durcheinander von schüttelnden Mähnen, in die Luft schlagenden Schweifen und das .wüthende Gefunkel der Augen und das Aufblitzen beutegieriger Zähne sah. Jetzt stürmte der Bändiger ohne das leiseste Zögern, das vielleicht seinen Untergang bedeutet hätte, entschlossen auf Cambyses los, und ehe sich dieser auf ihn stürzen konnte, begann er, ihn wie einen Hund durchzupeitschen. Tiefe Stille herrschte im Saale. Man stellte sich auf die Fußspitzen und wartete gespannt. Nur kurz dauerte die Züchtigung. Ein Zittern lief über die Flanken des Thieres, dann senkte sich sein Auge Kühnheit hatte die Stärke überwunden. Der Mensch beherrschte die Bestie. Cambyses ließ sich auf die Vordertatzen fallen, dann bogen sich seine Kniee, und in dem Maße wie er niedersank, schien der noch vor Kurzem neben ihm so klein erscheinende Bändiger zu wachsen. . Die rundum geschwungene Peitsche hatte die andern Löwen zurückgetrieben. Triumphirend, den Fuß auf den vor ihm niedergekauerten Cambyses gestützt, stand der Bändiger jetzt in der Mitte des Käfigs, und stürmische Bei fallsrufe erschollen. Wohl berauscht von dem Erfolg schien der Bändiger nun noch ein Uebriges thun zu wollen. Man sah, wie er sich niederbeugte und seine Peitsche neben sich legte. Die Bravorufe verstummten, athemlos wartete die Menge. Ruhig legte sich der Mann zwischen die Tatzen des wilden Thieres und steckte seinen Kopf in den ungeheuren Rachen. Cambyses rührte sich nicht. Langsam erhob sich der Bändiger wieder, und nun brach von Neuem ein wüthendes Beifallsgeschrei los, das auf dem dritten Platz mit Fußstampfen begleitet wurde. Lächelnd trat der Bändiger zum Eingang des Käfigs und sagte, sich an's Publikum wendend: Sollte auch heute, ebenso wie gestern Abend, ein Ehrgeiziger Lust haben, Seiner Majestät dem Wüstenkönig vorgestellt zu werden, so glaube ich, ihm einen guten Empfang verbürgen zu können." Auf diese freundliche Einladung folgte zuerst tiefe Stille dann aber ging ein Flüstern durch den Saal. In der letzten Reihe berathschlagten mehrere Soldaten. Am Abend vorher hatten sich nämlich einige Artilleristen in den Käfig hineingewagt, ein Ereigniß, das in der Kaserne lebhaft besprochen worden war, da durfte die Infanterie doch eigentlich nicht zurückstehen. Plötzlich löste sich ein Korporal aus der Gruppe, kletterte über die Schranke des ersten Platzes und ging zum Käfig vor. Das Beispiel war gegeben ein kleiner, magerer Kaufmannslehrling folgte dem Korporal, dann kam ein langer, rothhaariger Engländer mit umgehängtem Kodak und gelben Ledergamaschen. Weder Gerbault noch die Mougins. die auf der dem Eingang des Käfigs entgegengesetzten Seite standen, konnten die Muthigen sehen, die noch weiteren Zuwachs erhalten haben mußten, denn man begann von Neuem Bravo zu rufen. Die allgemeine Aufmerksamkeit steigerte sich. Auf die Möglichkeit, daß der Bändiger aufgefressen werden würde, hatte man gefaßt sein müssen, nun sich aber auch Zuschauer dieser Gefahr aussetzten, erhöhte sich der Reiz noch beträchtlich.Wir wollen doch lieber fortgehen, es gibt gewiß noch ein Unglück," flehte Adele. KommrasH "

Doch die Worte erstarben auf ihren

Lippen, und noch weiter als sonst riß sie Mund und Augen auf. Zugleich entfuhr ein entsetztes Oh" den Lippen sämmtlicher Mougms. In diesem Augenblick geleitete nämlich der Bändiger seine Gäste in den Käfig, ' und neben der Uniform des Korporals, neben dem schwarzen An zug des kleinen Kommis und den gelben Gamaschen des Engländers tauchten em grau und wem gewürfeltes Frauenkleid und ein schwarzer Hut mit rothem Bande auf. Sylvie, die, ohne daß es Jemand bemerkt hätte, auf der andern Seite zurückgeblieben war hatte ihre vorübergehende Freiheit dazu benutzt, emen tollen Streich auszuführen Schweigen Sie, schweigen Sie!" sagte ein Aufseher zu der sich wie wild geberdenden Familie Mougin. Nur keme Störung! Aber das ist ja meine Frau!" schrie Edmund. Einerlei, schweigen Sie!" Sylvie zurückzurufen wäre schwierig, ja sogar gefahrlich gewesen: das Klügste wär augenscheinlich, der Sache ihren Laus zu lassen und sich zu fugen. Vincent hatte kein Zeichen der Besorgniß geäußert, , obwohl er vielleicht am meisten beunruhigt war, da er die thatsächliche Gefahr, worin Sylvie schwebte, am besten erkannte. Angstvoll betrachtete er die Gruppe. Der orporal hielt sich tapfer, hatte aber einen dunkelrothen Kopf, der kleine Kommis sah todesblaß aus und preßte die Ellenbogen krampfhaft an den Leib, während der Engländer mit der feiner Nation eigenen kühlen Ruhe den Zug beschloß. Sylvie aber schritt allen voran mit hocherhobenem Haupte. Sie sah aus, als fühle sie sich hier so recht in ihrem Fahrwasser. Nicht das geringste Zeichen von Unbehagen der gar Angst war an ihr zu bemerken. Sie trat sogar dicht an die wilden Thiere heran, streifte sie mit ihrem Kleide und lachte bei ihren erstaunten Blicken laut auf. Mehrmals schon hatte sich der Bändiger, dem es durchaus nicht zum Lachen war, nach ihr umgedreht, denn diese unerwartete Tollkühnheit erschwerte seine Aufgabe ungemein. Sie ist verrückt!" stammelte der alte Mougin voll zorniger .Ueberraschung. Meine Tochter ist verrückt geworden!" Was für eine Art von Verrücktheit aber mochte es sein? Vincent fragte es sich, ohne eine Antwort zu finden. Das Räthsel, das Sylvie für ihn war, wurde ihm immer unerklärlicher. Plötzlich trat die junge Frau von Neuem aus der Reihe heraus ein Schrei des Entsetzens aus dem Munde der Mougins folgte. Sie aber ging entschlossen auf Cambyses zu und legte ihre Hand auf seine Mähne. Und nun wandte sie sich dem Publikum zu. Der. Schleier hatte sie hinaufgeschlagen, ihr Gesicht strahlte in einem Gefühl stolzer, triumphirender Freude. Wie Feuer glühten ihre Augen, aus denen die Blicke gleich Flammenpfeilen über die Menge Hinschossen. Vincent Gerbault war es, als ob diese nur ihn suchten, auf ihm haften blieben und sich plötzlich tief in sein Innerstes eingrüben, und unwillkürlich senkte er den Blick Der übrige Verlauf des Auftritts verschwamm für ihn wie. im Nebel. Rasch führte der Bändiger jetzt seine zaiie zurück, vie gmcmcy icyienen, oyire Schaden davongekommen zu sein. Gibt es doch nicht leicht ein angenehmeres Gefühl, als nach überstandener Gefahr sich in Sicherheit des verdienten Ruhms zu erfreuen. Auch Edmund empfand ein ähnliches Gefühl. Nun er Kleinchen mit heiler Haut vor sich sah, brach er in laute Jubelrufe aus: War sie nicht großartig, was? Wer hätte das von ihr gedacht? Die Leute waren alle starr vor Bewunderung!" wiederholte er stolz. In der That legten die durch die Vorgänge erregten Zuschauer jetzt die stürmischste Begeisterung an den Tag, sogar Blumensträuße wurden Sylvie zugeworfen. Edmund hob sie auf, dankte gnädig und verließ mit seiner Heldin am Arm den Saal. Du hättest Dich ohne meine Erlaubniß keiner solchen Gefahr aussetzen sollen," fchalt er, wenn auch in liebevollem Tone. Aber Ende gut, alles gut. Sage mal, wie ist einem eigentlich in der Nähe dieser Bestien zu Muth? Willst Du nicht vielleicht mit in ein Kaffeehaus kommen und Dich stärken? Jedenfalls bezahle ich Dir heute Abend eine Droschke, Du hast sie verdient." Es regnete nicht mehr, trotzdem war die Nacht von undurchdringlicher Finsterniß. Edmund ließ Sylvie los. um sich eine Pfeife anzuzünden. Da fühlte Vincent, der in einiger Entfernung folgte und dem Sylvie bisher weder einen Blick noch ein Zeichen der Beachtung geschenkt hatte, wie plötzlich ein zarter Arm sich unter den seinigen schob und ein heißer Athem sein Gesicht streifte. Nun." flüsterte Sylvie. halten Sie mich immer noch für eine Großsprecherin? Glauben Sie auch jetzt noch, daß ich das, was ich mir vorgenommen habe, nicht ausführen werde, und wäre es selbst der Entschluß, mich umzubringen?" Sylvie, ich bitte Sie." Er fand keine andre Worte. Ja, er hatte ihre Entschlossenheit unterschätzt. Von nun an hielt er sie für zu allem fähig, und ohne ihre Pläne zu kennen, fühlte er sich unwillkürlich in das geheimnißvolle Verhängniß dieses Lebens hineingezogen. Leise fuhr Sylvie fort: Nun wer-

den Sie auch nicht mehr an mir selbst

zweifeln Sie wissen letzt wenigstcns " ' Ihre Stimme verlor sich in heftigem Schluchzen Vincent aber glaubte zu begreifen. Da wäre sie ja gefunden, die Lösung von Sylvies räthselhaftem Wefen, und diese Lösung hieß wohl: Liebe. Sie liebte ihn!", Längst schon hätte er es aus ihrer wechselnden Stimmung, aus ihren Zornanfällen herausfühlen können, und doch mußte sie selbst es ihm zurufen, und zwar zu eben jener Stunde, da er von einer andern durch die Zurückweisung seiner Liebe so grenzenlos elend geworden war. So wie Sylvie vorhin ihr Leben gewagt hatte, um ihn von ihrer Entschlossenheit zu überzeugen, so scheute sie sich auch jetzt nicht, ihre Ehre einzusetzen, um ihn zu trösten, und angesichts dieser großartigen Selbstlosigkeit konnte er nicht umhin, sich voll Beschämung seine eigene kalte Berechnung und Zurückhaltung einzugestehen. - Sylvie " stotterte er verwirrt. , Sie bogen jetzt um die Ecke der Menagerie, wo man ein langes Stück Weges in tiefster Dunkelheit zu gehen hatte. Gerbaults Unruhe wuchs, es war ihm, als dringe diese äußere Finsterniß ihm bis in's Herz, als trübe sie seine Gedanken. Plötzlich legte sich der Kopf der jungen Frau auf seine Schulter und ein langer Seufzer entstieg ihrer Brust. Ein Schwindel, worin alles Uebrige versank, erfaßte ihn. Schweigend neigte er sich zu ihr hinunter. Das von den Schleiern der Nacht verhüllte Gesicht näherte sich dem seinigen und eine weiche Wange schmiegte sich an die seine. Nur einen Augenblick währte diese Zärtlichkeit, ja, so flüchtig war die Berührung, ,daß sie Vincent kaum zum Bewußtsein kam. Man trat jetzt aus der Dunkelheit heraus. An der Ecke der Allee Lafayette, unter dem Schein einer Gas laterne, verabschiedete sich die Familie. Dort sah Vincent auch Sylvie wieder, deren weit geöffnete Augen in leidenschaftlicher Freude strahlten. Gute Nacht. Vincent, gute Nacht!" Beim letzten Abschieds grüß fanden sich auch ihre Hände. Die Sylvies war von heißer, zitternder Erregung durchglüht. Während sie indeß Vincents Hand umklammerte, gerieth sein Geist auf seltsame Abwege. Es war ihm, als habe er plötzlich eine schon gekannte Empfindung, die er zwar nicht selbst schon gehabt, die ihm aber ein andrer auf's Genaueste beschrieben hatte. Die Bilder und Personen verwirrten sich. Befand er sich wirklich hier in der Nacht im Freien auf einem Platz in Toulouse? Oder war es Tag und er saß in einem Haus in Paris, in dem mit rothem Plüsch ausgestatteten Sprechzimmer eines Arztes? War er es selbst, der da neben Sylvie stand, oder war es Bernhard Lepage, den eine schüchterne Unbekannte zu Verbre chen und Mord überreden wollte ein räthselhaftes Geschöpf, das entweder eine Wahnsinnige, ein? Verbrechen, eine Fee oder eine Teufelin war, die die Leute mit zwei goldenen Blumen behexte? Das Ehepaar Dulaurier mußte in seinem Triumphwagen längst den heimathlichen Herd erreicht haben, als Vincent Gerbault vor jener kleinen Gartenpforte stand, - zu der er jeden Abend den Schlüssel mitnahm. Wie im Traum war er dort hingelangt, und gedankenlos suchte er auch in der Tasche seines Ueberziehers nach dem kleinen Schlüssel. Heute fand er ihn indeß nicht, und dieser Umstand erst führte Vincent in die Wirklichkeit zurück. Ich glaubte doch bestimmt, ihn eingesteckt zu haben, ehe ich mit Sylvie Dulaurier ausging," sagte er, seine Gedanken mühsam sammelnd. Sollte ich ihn verloren haben? Wie nun aber hineinkommen?" Es schien ihm unmöglich, zu dieser späten Abendstunde noch am Haupteingang zu klingeln, namentlich nach dem Vorfall zwischen ihm und Germaine, und so schickte er sich an, in einen Gasthos zu gehen. Doch als er um die Ecke in die Alte Traubenstraße einbog, sah er zu seiner Ueberraschung das Hofthor weit geöffnet und die Fenster im ersten Stock erleuchtet. Kaum vermochte er einem soeben aus dem Hof rollenden Wagen auszuweichen. Diese Abweichung von den Gewöhnheiten des Hauses beunruhigte ihn. War Gesellschaft bei Ihnen?" fragte er das Dienstmädchen, das den Besuch hinuntergeleitet hatte und .nun gerade zur rechten Zeit kam, um Vincent leuchten zu können. Gesellschaft? O nein. Herr Hauptmann," antwortete das gutmüthige Mädchen mit betrübter Stimme. Uns ist es nicht um's Gesellschaften geben. Den Arzt hat man holen müssen, wegen Fräulein Esielle, die heute Abend Plötzlich wieder einen Ohnmachtsanfall bekommen hat. Es geht ihr zwar jetzt wieder besser, aber viel Verlaß ist nicht darauf." Der Kummer, die Besorgnisse und alle Aufregungen, die dieser schwere Tag für ihn gebracht hatte, stürmten Plötzlich wieder mit voller Macht auf den Hauptmann ein. Frau Lancelots Thränen, Estelles trübe Vermuthungen, Germaines abweisende Antwort, Sylvies Geständnisse und der tolle Rausch, der ihm einen Augenblick zu

Kopf gestiegen war. dann der seltsame, unvernünftige Verdacht, der sich ihm vorhin aufgedrängt hatte es war zu viel. So wenig diese Vorkommnisse im Zusammenhang standen, so verbanden sie sich doch in seinem Geist durch einen geheimnißvollen Faden und spannen ihn gleichsam in ein Netz ein, das sich immer fester zuzog und dessen Mafchen er weder zu fassen, noch zu zerreißen vermochte. Gar schwer mußte die Beklemmung auf Vincent Gerbault lasten, denn er fühlte sich unfähig, sie länger allein zu tragen. Ohne zu zögern, setzte er sich vor seinen Schreibtisch, wo er vor noch keinem halben Jahre am Abend seines Einzugs jene sorglosen, Liebe und Liebesgram bespöttelnden Zeilen hingeworfen hatte. Heute schrieb er: (Fortsetzung folgt.) Amerikanische Maschinenarbettcr. Ihre Intelligenz, Enthaltsamkeit und Bedeutnng als Erfinder. Den amerikanischen Maschinenarbeitern zollt ein deutscher Ingenieur, der sich viele Jahre in den Ver. Staaten aufgehalten hat, in einem längeren Artikel der Technischenundschau" unter Anderem das folgende schmeichelhafte Lob: Die sinnreichsten Mechanismen an -Spezial-Werkzeugen, Schreibmaschinen, Kassen-Kontrollapparaten, sowie an vielen Maschinen zur automatischen Arbeitsverrichtung, für welche die Industrie der Ver. Staaten ein so großes Absatzgebiet auf dem Weltmarkt gefunden hat, sind von schlichten Mechanikern, zum Theil von Arbeitern der mit der Herstellung der Apparate und Maschinen sich befassenden Fabriken erdacht und vervollkommnet worden. Die amerikanische Maschinenindustrie hat eine gelernte Arbeiterschaft zur Verfügung, deren Glieder im Allgemeinen intellektuell auf einer höheren Stufe stehen, wie die geschulten Arbeiter europäischer Industrieländer. Der Lehrling in Amerika wird im Laufe seiner Lehrzeit vielseitig ausgebildet an der Drehbank, der Hobelmaschine, in der Werkzeugschlosserei oder auf Montage. Schließlich wird er Spezialist in einer bestimmten Abtheilung der Fabrik, und nun kommt die Gelegenheit für ihn, Verbesserungen an den ihm zur Bedienung anvertrauten Arbeitsmaschinen zu ersinnen und deren Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Die Möglichkeit, schnell und durch eine einmalige mäßige Gebühr Patentschutz auf eine Verbesserung oder Erfindung zu erlangen, wirkt zweifellos fördernd in dieser Hinsicht. Einen weiteren günstigen Umstand für die Prosperirung der amerikanisehen Fabriken bildet die Arbeitszeit. Sie beginnt im Sommer und Winter im Allgemeinen um 8 Uhr früh und endet, mit halbstündiger Unterbrechung zum Mittagessen, um 5j Uhr Nachmittags. Frühstücks- und Vesperpausen, welche die Arbeitslust der Arbeiter ungünstig beeinflussen, kennt man in Amerika nicht. Es gibt nur drei Mahlzeiten am Tage und zwar sind die vor Beginn und nach Beendigung der Tagesarbeit die hauptsächlichsten. Der Arbeiter nimmt sein Tagewerk erst nach einer reichlichen Fleischmahlzeit auf, und das Fleisch

fehlt ihm auch Mittags und Abends nicht. Der Genuß von Spiritussen und Vier während der Arbeitszeit und m der Mittagspause ist m den amen kanischen Maschinenfabriken nicht üblich. Man vergleiche hiermit die Veköstigung der englischen und deutschen Arbeiter. Jene, die sich allerdings ziemlich wohlfeiler Fleischnahrung erfreuen. nehmen erst nach den beiden ersten Arbeitsstunden das Frühstück em, und es findet dann eine halbstündige Pause statt. Zu den beiden anderen HauptMahlzeiten werden Spiritussen genossen, wie denn überhaupt in allen Volksschichten des Jnselreichs Whisky etwa dieselbe Rolle spielt wie in Deutschland das harmlosere Vier. In den meisten deutschen Maschinenfabriken wird die Arbeit dreimal des Tages unterbrochen. In den amerikanischen Werkstätten werden von Seiten der Fabrikleitung keine Kosten gescheut, um dem Mann alle solche Werkzeuge und Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen, die dazu geeignet sind. Handarbeit zu ersetzen oder zu erleichtern, und ferner die Genauigkeit in der Herstellung des zu produzirenden Artikels von Hand fertigkeit möglichst unabhängig zu machen. Jeder strebsame und tüchtige Mechaniker hat aber außerdem noch . i. eine meyr ooer weniger reicyyainge Sammlung von Werkzeugen, und Meßinstrumenten im eignen Besitz und es ist durchaus nicht selten, daß eine Kollektion dieser Werkzeuge im Besitz eines Maschinenarbeiters einen Werth von $200 hat. Hinrichtung durch Erschießen. In Salt Lake City. Utah. wurde der Gattinmörder Rose durch Pulver und Blei hingerichtet. Nach dem Staatsgesetze konnte der Verurtheilte zwischen Erschießen und Erhängen wählen, und er zog die tödtliche Kugel dem Tode am Galgen vor. Rose hatte seine Frau, während sie mit ihrem Baby im Bette lag, erschossen. Das hilflose Kind, von dem Blute der Mutter durchnäßt, wurde von dem Unhold zurückgelassen. Zwei ' Tage später stellte sich der Mörder den Behörden. Grundlose Eifersucht war das Motto der That gewesen.

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Washington Stt 51 N. 10 SvritzenhauS Illinois u Merrill 2 Jllinoi u Louisiana 63 West und South H West und McCarty s Senate Ave. u Henry S7 Meridian und Ray Z No. 4 Spritzenhaus MadisonAv.nMorri 69 Madison Av. u Dunlop U No 2 Haken Leiterhau South nahe Delawar I Penn, u Merrill 3 Delaware u. McEartt tt afi und MrSartY New Jersey .MenM 7 Birg. Av. u Bradsha 38 East und Prospekt 0 Bicking und High 1 9to. 11 Spritzenhaus ir Ave. nahe Huroa 72 Eaft und Georgia 73 Eeda und Elm 74 Davidson u Georgia n nglish Av. Pine ? Shelby und Bäte 8 No. 3 Spritzenhau Prospect nahe Shelby 19 gleicher Av. u Shelby 31 Market u. New Jersey 32 Delaware und Wash. 33 East u Washington ü New Dork u.Davidsor 95 Taubstummen Anstalt 36 Ver. Staaten Arsenal Z7 Oriental und Wash. S9 Frauen-Reformat. n No. 13 Spritzenhaus Marvland nahe Mer. 12 Meridian u. Veorqia .3 Meridian und South 4 Pennsylv u. Louisiana Virgwi Ave u. Alab. 96 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. ?g Capital Ave und Ohik 23 No. 16 Spritzenhau 16. und Ash. 24 Alabama und 16. 45 Central Ave und IS. 26 JandeS und 15. 27 Brookside und Jupiter 25 Central Ave und 17. 2g Delaware und lg. 31 Alabama und 11. 33 Bellefontaine und W. u College Ave und 20. 23 Delaware und 13. i36 Alabama und North '37 Newmann und 1. l 33 College Ave und 14. i3u Cornell Ave und 13. .41 zZandcs und 19. 142 Highland Ave und 10. .43 Tecumseh und 10. i45 New Jersey und 22. .43 Alvord und 17. .47 No. 2 Spritzenhau Hikside Ave und 'S. .48 College Ave und 2. (49 College Ave und 27. .52 Park Ave und 22. 53 LEu. W Bahnn. 2. (54 Ramfey Ave und 10. ib6 Stoughton u Newmen .57 Atlas und Pike. '58 Blohd und Pawpaw. 159 No. 21 Spritzenhau Brtghtwood 5 Arben und Depot 163 Brigytwood und 25. 164 Ruräl und Bloyd 165 St. Clair u. Keystone 167 Arsenal Ave unh ,3. 0B Bellefontaine und 28. 169 Park Ave end 16, 212 Capital Av und 17. 213 Pennsylv. u. 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Schlage, Wasserdruck ab. l Schläge, l Uhr Mittag. Die so bezeichneten Signak werden m? vom Tbur acht angegeben da an den betreffende Strake keuzung keine NlannkSKm angebracht find. Chicago und der große Nordweft, via I . t)) (GWkMMWSMLkWZi" Ulaska Hawaii PHtliHPtne Insel. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. KW Bon der Monon 47. Str. Station. Cblcaao. sind nur 6 Minuten mittelst elektrischer Car nack den Union Biehbösen Fren;h liick Springs, in dem Orange County Hochland. Iamllien-Hotei anier neuer ecyasrs:elrung. Puro, Pro,erpwe ind BowleS Quellen. Bestes Mineralwasser der Welt. Zwei Züge täglich via Greencastle. Ticket-Officen : Union Station, Massachusetts ve und Lb West Washingtrn Straße. R. V. A I g e , Distrikt Baff. Agent. Indianapolis. Ind. . S. M c D s e l. E.H.Rockwell, rös. und Gen. Mgr. Betriebsleiter Frank I. Reed, en.Pass. Agent, hicago, Jll.

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