Indiana Tribüne, Volume 27, Number 223, Indianapolis, Marion County, 11 May 1904 — Page 7

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w M- -t-r -H- -K- 4-4- 4-1-oöens MLrrrnsn k N rtt 4-4- 44! Z ! (Fortsetzung.) Glühende Sehnsucht ergriff ihn, den im Salon der Frau Rollin begonnenen und nun mit neuer Lebhaftigkeit aufgenommenen Traum zur Wirklichkeit zu machen. Ob Germaine wohl etwas von dem ahnte, was in seinem Innern vor sich ging? Nun haft Du aber lange genug die feuchte Luft eingeathmet, Estelle, und Tante Lancelot wartet gewiß auf uns." sagte Germaine, einen Vorwand zum Rückzug anbahnend. Allein die v wohnte Sicherheit fehlte ihr, auch sie fühlte sich durchschaut. y Nun denn, so will ich hineingehen und Dir Tante Lancelot schicken," rief Estelle mit verstellter Unterwürfigkeit. Warte nur hier auf sie." Und alle Entgegnungen abschneidend, eilte sie davon, nicht ohne dem Hauptmann noch rasch einen ermuthigenden Blick zugeworfen zu haben. So wenigstens deutete er ihn. Und warum auch sollte sie, die den Fremden vor sechs Monaten an dieser selben Stelle als gütige Fee des Hauses ivillkommen geheißen hatte, ihm nicht heute als Beschützerin seiner Liebe dienen? Unwillkürlich sprach er von ihr, als er sich in dieser entscheidungsvollen Stunde Germaine allein gegenübersah. . Ich kann es Ihnen nur wiederholen, Fräulein Germaine," begann er, eifrig bemüht, den auf den geliebten Zügen zurückgebliebenen Schatten zu verscheuchen, daß ich Ihre Patientin bedtend besser finde." Wirklich?" Ja, ganz aufrichtig." Germaines Traurigkeit aber woMe nicht weichen, nur daß sich noch ein wenig Verlegenheit darein zu mischen schien. Gott gebe es!" sagte sie mit einem Seufzer. Wenn Sie wüßten, was für Sorgen und Vorwürfe ich mir seit jenem verwünschten Ball mache!" Verwünschter Ball? Dieser Ausdruck ist doch wohl zu hart. Ich fand ihn so hübsch und Sie" (fast hätte er gesagt: Und Sie waren so reizend," aber er unterdrückte es nock beizeiten . . . Sie hatten so hübsche Kostüme," vollendete er. Ob Germaine seinen ersten Gedanken wohl errathen hatte? Ob sie im Geiste den hübschen Herold wieder vor sich sah und sich jener Quadrille erinnerte, an deren Schluß Vincent seine Tänzerin einen Augenblick an sich gezogen hatte? Ich werde mein Kostüm nie mehr tragen," erklärte sie hastig, und wahrscheinlich auch nie mehr auf einen Ball gehen." Und weshalb dieser ernste Entschluß?" - Weil die große Welt nicht für mich taugt und ich nicht für sie." Dürfte ich fragen, warum Sie nicht ebensogut w:e andere junge Mädchen für die Geselligkeit aeschaffen sein sollen?" ' Weil ich mich nicht in den gleichen Verhältnissen befinde und mich niemals darin befunden habe." Klar und deutlich fielen die Worte von Germaines Lippen. Es war, als wolle sie möglichst rasch zu Ende kommen mit dem, was sie ihm zu sagen hatte. , Ich habe eine sehr ernste Kindheit gehabt, Herr Hauptmann," fuhr sie, aus der bisher über ihre eigene Person beobachteten Zurückhaltung heraustretend, fort. Infolge einer Krankheit blieb meine arme Mama gelähmt. Niemals habe ich sie anders, als auf ihrem Ruhebett gesehen. Natürlich war ich stets in ihrer Nähe, um sie zu unterhalten, und später, um sie zu pflegen, während mein Vater seinem Beruf als Architekt nachgehen mußte ... ein Beruf, bei dem man gewöhnlich nicht schnell reich wird, besonders, wenn man ein echter Künstler ist und künstlerische Gewissenhaftigkeit sich zu den anderen Schwierigkeiten gesellt. Und Talent hatte mein geliebter Vater, dazu das beste Herz und einen klugen, hochfliegenden Geist. Meine Mutter war gut und sanft, dabei sögar heiter trotz ihrer Leiden. Sie können sich keine Vorstellung von dem glücklichen Leben machen, das wir drei zusammen führten, und es war durchaus kein Verdienst meinerseits, wenn ich nach nichts anderem Verlangen trug." Mit wehmüthigem Blick schaute Germaine um sich, als hafte noch ein Wderschein von diesem Glück auf dem sie umgebenden elterlichen Besitzthum. Aber auch Ihre Eltern waren im Besitz einer solchen Tochter glücklich zu preisen," murmelte er. Sie schien seine Worte zu überhören. 'Hingenommen von ihren Erinnerungen, sprach sie in leisem Tone weiter: Da plötzlich , brach das Unglück über uns herein. Schlag auf Schlag.' Auf einem Bauplatz bei der Ueberwachung von Kanalarbeiten hat sich mein Vater ein böses Fieber geholt, dem er innerhalb weniger Tage erlag, und meine arme Mama, deren Leben nur an einem Faden hing, nahm er mit sich. So stand ich mit achtzehn Jahren allein und verlassen da. Hätte nicht, mein Schmerz mich vom geselligen Verkehr zurückgehalten, so wäre schon meine.ver-

M I I - f f -Tf. at t, n w tt Roman von (Stbampol xx. w . einsamte Lage Grund genug zu einem zurückgezogenen Leben gewesen." Diese Lage kann sich ja aber ändern." Nein, Herr Hauptmann." Wie wollen Sie das wissen?""fuhr er mit einem Versuch zu scherzen fort. Der ausschlaggebende Trumpf im Leita eines jungen Mädchens ist bekanntlich ein Mann, und ehe diese Karte nicht ausgespielt ist " Sie wird niemals ausgespielt werden." Wissen Sie das so ganz gewiß?" Ja, denn ich habe den festen Entfchluß gefaßt, nicht zu heirathen." Dieses rasche Eingehen auf seine Anspielung sah der wohlcrzogenen, zurückhaltenden Germaine so gar nicht ähnlich. Vincent war aber nicht im Stande, sich Rechenschaft darüber zu geben; denn ihre Worte hatten ihn so tief getroffen, daß er nur mit Mühe seine Ruhe zu bewahren vermochte. So unbedingt kann man einen solchen Entschluß doch wohl nicht fassen. Ist man erst einmal ,dem Rechten' oder ,der Rechten' auf seinem Lebenswege begegnet " Keine Begegnung vermag meinen Entschluß zu ändern." So verwerfen Sie also die Ehe an und für sich?" . Nein, durchaus nicht, aber mich persönlich verhindern besondere Verhältnisse und werden mich auch in Zukunft verhindern, an eine Heirath für mich zu denken." Ihr Ton klang fest und bestimmt. So wohlthuend Vincent aber sonst von ihrer klaren, offenen Ausdrucksweise, die keinen Zweifel über ihre Absichten bestehen ließ, berührt wurde, so entsetzlich litt er jetzt darunter; mehr als er es je für möglich gehalten hatte. Nun erst, nachdem er seine Hoffnungen unbarmherzig zerstört sah, fühlte er, wie tief sie schon in seinem Herzen Wurzel geschlagen, sein ganze Denken und Sein ausgefüllt hatten. Zufällig war Germaine an dem gleichen Pfeiler stehen geblieben, woran sie sich bei seinem Kommen gelehnt hatte. Ueber ihrem Kopfe ragten die das K& pitäl bildenden steinernen Fratzen hervor, die Vincent höhnisch anzusehen schienen, so daß er keinen Blick mehr für die grünen Ranken und Blüthenknospen hatte, die ihr Bild so lieblich umrahmten. Auch der Himmel hatte sich umwölkt; er war erblaßt wie Germaines vorhin noch so strahlendes Gesicht. Auch sie schien zu leiden, Vincent fühlte es, und neuer Muth erfüllte ihn. Fräulein Germaine, ist es nicht unbescheiden, wenn ich Sie frage, welches die Ihrer Ansicht nach unüberwindlichen Hindernisse sind?" Haben Sie es denn nicht errathen?" Als er schwieg, fuhr sie lebhaft fort:. Ja, es ist wahr, noch können Sie keinen genügenden Einblick in unsere VerHältnisse haben. Hören Sie mich also weiter an, und Sie werden begreifen. Der Tod meiner Eltern hat mir nicht nur mein Glück genommen; an die Arbeit meines Vaters allein hatte sich auch unser Wohlstand geknüpft, sein früher Tod ließ mich fast mittellos zurück. Nur dieses Haus und ein jährliches Einkommen von zwölfhundert Franken verblieb mir. Meine Verwandten, wohlhabende Leute, beklagten mein Schicksal und sagten mir wiederholt, was ich ihnen auch glaubte, daß sich wohl nie ein selbstloser Mann finden würde, der mich heirathen könnte, und daß es am besten sei, ich zöge mich gänzlich von der Welt zurück. Zu allem möglichen wollten sie mich machen: zur Klosterfrau, zu einer Erzieherin in Brasilien oder zu einer Gesellschafterin in Rußland. Ich weigerte mich aber. Mir schien es, als könne man, auch ohne verheirathet zu sein, selbstständig ein nützliches Leben führen, so bescheiden es auch sein mag. Ich hing an meinem väterlichen Hause, an meiner Heimath, an all dem, was mir noch von der Vergangenheit geblieben war, und um den Preis meiner Unabhängigkeit scheute ich vor keiner Arbeit und Entbehrung zurück. Die Verwandten aber, empört, daß ich ihre Rathschläge nicht befolgte, wandten sich von mir ab und überließen mich meinem Schicksal. Da nahm ich meine Zuflucht zu Frau Lancelot, einer alten Freundin meiner Mutter und kinderlosen Wittwe, die ebenso verlassen und kaum wohlhabender war als ich. Sie zog in mein Haus, und die Vereinigung unserer beiderseitigen Existenzen .schuf uns nicht nur ein Familienleben, sondern auch einen gewissen Wohlstand. Außerdem habe ich von uneinem Vaier ein wenig Talent, zum realen geerbt, und es gluckte mir, es zu verwerthen. Aber ttne der Mensch nun einmal ist, bald genügte es mir nicht mehr, im Frieden, in sicherer Obhut zu leben. Ich sehnte mich danach, auch jemand anders meine Sorge angedeihen zu lassen, und da führte mir der liebe Gott unsere kleine Estelle in den Weg. Ohne Zweifel wird sie Ihnen ihre Lebensgeschichte schon erzählt haben, aber was sie uns zum Dank für das Wez nige, was wir für sie thun konnten geworden ist, das hat sie Ihnen nicht ge

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sagt. Sie ist die Freude, die Sonne unseres kleinen Haushaltes, ihr ver-

danke ich es, wieder Interesse am Leben gewonnen zu haben. Ihre zarte Gesundheit, ihre Hilfsbedürftiakeit machen sie mir erst recht lieb, und so ist sie mir Tochter und Schwester zugleich gewor den, und ich liebe sie so sehr " Daß Sie sonst keine Liebe mehr zu verschenken haben, vollendete Vincent bitter. , Germaine machte unwillkürlich eine abwehrende Bewegung, die sie zwar 10 fort unterdrückte, die aber Vincent nicht entging' und ihn mit neuer Hoffnung erfüllte. , Fraulem Germaine, lagte er warm, Ihre Hindernisse bestehen in leicht zu besiegenden Bedenken. Das wäre ein erbärmlicher Mann, der Sie an der Erfüllung Ihrer Lebensaufgabe hinderte, Sie nicht vielmehr dann un terstützte und Ihre gute Tante, sowie Ihre fuße, kleine Schwester nicht von Herzen lieb gewänne mit dem besten Willen, auch ihr Leben glücklich zu gestalten. Warum wollen Sie nicht auch für diese beiden ebenso wie für sich selbst einen Besckützer und Berather annehmen? Fragen Sie sie ooch wenigstens " Da werde ich mich wohl hüten!" rief Germaine, nun ebenfalls erregt. Ihre Liebe und Selbstlosigkeit würde rhr Urtheil beeinflussen. Nein, ich habe mein Leben nun einmal so gestaltet, daß eine Heirath nicht hineinpaßt, und kann es nicht mehr ändern. Auch vom praktischen Gesichtspunkt aus . . . Ach. muß ich denn mit dem Finger darauf stoßen! Estelle ist ganz aus mich angewiesen. Wir beide allein haben zwar genug zu leben, hätte ich aber einen Gatten, dessen Vermögen vielleicht seinem Edelmuth nicht gleichkäme, so könnte sie ihm eine Last und Sorg? mehr, vielleicht sogar ein Hinderniß :n seiner Laufbahn werden. Nein, ich möchte weder mein geliebtes Schwesterchen einer solchen Möglichkeit aussetzen, noch Gefahr laufen, demjenigen zu schaden, dessen Glück zu begründen ich übernommen hätte. Aber auch damit sind meine Gründe noch nicht erschöpft. Estelle bedarf meiner ganzen Fürsorge. Wie könnte ich ihr diese in vollem Maße angedeihen lassen, ohne andere Verpflichtungen hintanzusetzen? Meine Pflichten gegen Estelle gehen aber allen vor. Freiwillig habe ich ihr eme Heimath bei mir angeboten, ihr meine Liebe geschenkt und die ihrige angenommen zu einer Zeit, da die Zukunft mir nichts anderes zu versprechen schien. Mich von ihr loszureißen, wäre erbärmliche Undankbarkeit. ' So wie die Sachen stehen, ist es übrigens ja auch ganz gut. Warum also etwas daran ändern?" Ist das alles, was Sie einzuwenden haben?" Vincent war jetzt der Ruhigere von den beiden, da ihm die Hast, womit Germaine die Hindernisse zwischen ihnen aufhäufte, als ein gutes Zeichen schien. Nein, es ist nicht alles." Mit gesenktem Kopfe begann sie sieberhaft die kaum aufgegangenen Blättchen des Rofenstocks abzureißen und fortzuschleudern. Endlich murmelte sie in größter Verwirrung: Ich glaube, ich habe Ihnen nun genug gesagt." Und doch gibt es einen Fall, den Sie nicht vorausgesehen haben." Was denn für einen?" Sie hatte eine Bewegung gemacht, als wolle sie sich entfernen, Vincent aber vertrat ihr den Weg. Der Fall, daß Sie einen Mann durch Ihre Zurückweisung tief Unglücklich machten, einen Mann, der zu Ihnen käme und sagte: Ich liebe Sie, folglich haben Sie auch gegen mich eine Verpflichtung!" Ich würde ihn anflehen, mich nicht zu lieben." Germaine war so blaß, daß Vincent aus Furcht, sie vollends zu verscheuchen, den scherzenden Ton von vorhin wieder anschlug. Nun, Fräulein Germaine, da wir ja doch schon .bei diesem Gegenstande angelangt sind,' so wollen wir jetzt auch noch die unwahrscheinlichsten Fälle setzen. Wenn es sich nun eines Tages ereignete, daß Sie, gerührt von der Ihnen, entgegengebrachten Liebe, schließlich selbst davon ergriffen würden?" Ich hab? kein Recht dazu. Und wirklich, auch noch andere Gründe halten mich davon ab." Wieder hielt sie inne. Ihre Befangenheit wuchs, denn sie schien diese Gründe ihm nicht sagen zu wollen, nicht sagen zu können. Sie machte einen Schritt, um sich zu entfernen, kam indeß dadurch dem noch im mer vor ihr stehenden Vincent nur noch näher. Da endlich faßte sie, ihre ganze Willenskraft zusammennehmend, den Entschluß zu einer endgiltigen Erklärung: Wer mir auch immer auf meinem Lebenswege begegnen würde, ich hätte stets nur die eine Antwort für ihn: ,Sie kommen zu fpät, ich habe bereits über mein Leben verfügt.' Sie selbst sagten es vorhin,' Herr Hauptmann, und Sie hatten recht: alles, was ich an Liebe zu verschenken" habe, ist bereits vergeben." Voll Befangenheit und mit einer An strengung, als spreche sie eine Lüge aus. stieß sie diese Worte hervor,' und ohne Vincent. Zeit zu einer Antwort zu lassen, eilte sie die sonst so Muthige in hastiger Flucht an ihm vorüber. An Vincent wäre es jetzt gewesen, ihr zu folgen, die heißen Worte der Liebe auszusprechen, die er bis dahin mit so viel Mühe auf, seine Lippen gebannt hatte. Den Grund, den sie ihm

verschwieg, den einzig stichhaltigen wahrscheinlich, hatte er ihr entreißen müssen, um ihn mit der Macht seiner Liebe zu besiegen. Und dennoch that er es nicht.- Ein kalter Schauder durchbebte ihn. Die sich herniedersenkende Abendkühle hatte sich auf seine Schultern gelegt, die Worte erstarken auf seinen Lippen, die Willenskraft erlahmte. Ein Augenblick des Zögerns und schon war Germaine verschwunden. . 1 Einen trüben Blick warf Vincent über den Hof, auf dem sich die Dämmerung niedergesenkt hatte. Grau und düster lag auch die Zukunft wieder vor ihm. Sie hat die Wahrheit gesagt," murmelte er, sie liebt mich nicht, wird mich niemals lieben. Ich war ein Narr, mich in falsche Hoffnungen einzuwiegen." Langsam kehrte er in seine Wohnung zurück, wo er, entgegen seiner Gewöhnheit, die Thüre hinter sich abschloß. Der Bursche war noch nicht von Dulaurier zurückgekehrt; ungestört konnte Vincent alio über seine Enttäuschung nachgrübeln. Wie km es nur, daß das Feuer noch brannte und daß der große Lehnstuhl vor dem Kamin des Wohnzimmers stand? Rasch trat Vincent näher, und da entdeckte er im Halbschatten eine kleine, in den Stuhl geschmiegt? weibliche Gestalt. Ein dunkler Kopf richtete sich auf und zwei große Augen funkelten ihm entgegen. , Nicht wahr, lieber Vetter," rief eine spöttische Stimme, mich hier zu finden, darauf waren Sie wohl kaum gefaßt?" 10. Kapitel.

incent war fo wenig darauf gefaßt, Frau Dulaurier in seinem Zimmer m finden, daß ihr Anblick ihn fast um seine Fassung gebracht hätte. Bei ihrem höhnischen Lächeln aber hatte er sie rasch wiedergefunden. Es geht nichts über eine angenehme Ueberraschung," sagte er in verbindlichem, möglichst überzeugungsvollem Tone. Ahnen Sie nicht, was mich herführt?' Ein gütiges Geschick auf alle Fälle." Nur keine Schmeicheleien! Sagen Sie lieber, daß Sie die Ursache meines unbedachten Streiches sind, denn daß es nn solcher ist, das muß ich selbst zuge ben." .Ich, die Ursache r Ja, Sie. in Gestalt dieses Papierfetzchens." Dabei zog sie den an Edmund gerichteten Brief Vincents aus der Tasche. Sie mußten doch wissen, daß mein lieber Gatte in Ermangelung von Scharfsinn mit einem gehörigen Theil Mißtrauen ausgestattet ist. Anstatt sich Ihre Entschuldigung also einfach aufbinden zu lassen, hätte er über tausenderlei Gründen gegrübelt und mir schließlich nach Art der Ehemänner noch Vorwürfe gemacht, daß ich seine verwandtschaftlichen Gefühle nicht theile und Sie durch die Kälte meines Benehmens verscheucht hätte. Mein eheliches Glück liegt Ihnen ja aber doch zu sehr am Herzen, als daß Sie die Ursache eines Streites sein möchten?" Kalter Spott klang aus Sylvies Worten. Bei der rasch hereinbrechenden Dämmerung erschienen ihre Züge nur noch undeutlich, die Augen allein sah Vincent blitzen, und aus ihnen sprühten ihm Trotz und Groll und alle die empörten Gefühle entgegen, die sich während der verflossenen zwei Monate darin angesammelt hatten. Ich habe somit Ihr Schriftstück unterschlagen, und wir erwarten Sie heute Abend zum Essen. Das nur wollte ich Ihnen sagen." Es war zu gütig von Ihnen, sich zu bemühen, liebe Kousine. Da bleibt mir natürlich nichts anderes übrig als mich,trotz der obwaltenden Hindernisse, die ernster sind, als Sie glauben, so bald als möglich bei Ihnen einzusinken." O, es fällt mir nicht ein, schon wieder fortzugehen," rief sie, sich in den Lehnstuhl zurückwerfend. Nun ich einmal diesen Streich gemacht habe, muß ich ihn-auch ausnützen. Ihre Wohnung gefällt mir, aber der Eingang ist versteckt wie bei einem ,Hehler. Ich habe mich nämlich Ihrer Beschreibung erinnert und bin durch den Garten gegangen; die Thüre war offen, und so gelangte ich hier herauf. Während Ihrer Abwesenheij. habe ich mir Ihre Einrichtuna anaeseben. Es ist wirklich sebr hübsch bei Ihnen, und mehr denn je begreye ich, daß es Ihnen, jchwer fallt, von Ihrem Paradies in unser , ödes Nichts herabzusteigen, denn so schal und leer, so kraft- und farblos ft alles bei uns, daß ich mich manchmal nach den Flammen der Hölle sehne, die doch wenigstens etwas Abwechslung hereinbringen würden." Verschwunden war die steife, schweigsame ??rau aus dem weißen Salon der Zinkpastete, und staunend stand Vincent dieser seltsamen Verwandlung aegenüber.' Sie entsetzen sich wobl über mich?" fragte sie. Durchaus Nicht, im Gegentheil. Sie intercssircn mich sehr." Wirklick? Ich dachte, ich sei Tihmn langweilig." Wie kommen Sie auf diese Vermutbung?", - . (Fortsetzung folgt,) Raucht die Tish I Mingo.

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Berlins vegetarische Restaurants. Ihre große Vorzüge und ihre Mängel und der Stand ihrer Besucher. Die vegetarischen Speisehäuser . in Berlin, so schreibt ein Berichterstatter, haben nur eine kleine Zahl von Besuchern,.die aber diesen Lokalen treu zu bleiben pflegen. Sie versammeln sich dorten in den Mittagsstunden zwischen 12 und 3 Uhr. Die Billigkeit des Essens, das dabei gut ist, lockt viele, die auch nicht gerade Vegetarier sind; für 60 Pfennige kann man sich, schon satt essen, was in den Bierrestaurants unmöglich ist. - Wer 1 Mark ausgibt, lebt eigentlich schon üppig. Da verkehren besonders viele Ausländer, die nicht reich sind, oder solche, die das norddeutsche Essen nicht vertragen können, Beamte mit kleiner Penston und verdorbenem Magen, Zukunftsmusiker und Proletarierdichter, ganz besonders aber studirende Damen: Für die letzteren übt das Rauchverbot in den vegetarischen Restaurants eine große Anziehungskraft aus, ferner der Umstand, daß man keine Trinkgelder gibt. Der Speisezettel ist mannigfaltiger als man glaubt, natürlich auf rein pflanzlicheriKost beruhend, gemildert durch die Zulassung von Eierspeisen. Da gibt es höchst opulente Suppen. Makkaronigerichte, Polentas, Linsenkoteletts, Erbsenpürees, Variationen der verschiedenen Kohlarten und anderes. Alles ist gut zubereitet. Wer gute Suppen oder Gemüse genießen will,' der thut gut, sich an diese Speisehäuser zu halten. Ihre Eigenheit sind auch die verschiedenen Vrotarten. Dck gibt es Schrotbrot, Simonsbrot, Dr. Liepelts GesundheitsSrot und ähnliches. .- Als Getränke kann man Apfelmousseux, Pomril, Heidelbeer-, Johannisbeerwein, Malzbier, Haferkakao, Milch. Thee und auch Elsässer- und Palästinawein genießen. Wie man sieht, existirt hier kein absoluter Alkoholboykott. Die Schwäche der Berliner vegetarischen Restaurants sind die sögenannten süßen Speisen. Dieselben stehen auf einem fo tiefen Niveau, wie sie in der ganzen norddeutschen Küche überhaupt stehen. Was man in Berlin Flammn oder Auflauf nennt, ist derartig, daß es an jedem anderen Platze Europas eine blutige Revolution erzeugen würde. In dieser Schwäche

der putzen beziehungsweise der Mehl,speisen liegt es wohl, daß die vegetarischen Restaurants im Norden Deutschlands keine rechte Ausbreitung finden. Denn in München z. 33., dem gelobten Lande nicht blos des Bieres, sondern auch der Mehlspeisen, spielen diese naturgemäß auf dem Küchenzettel der vegetarischen Restaurants eine Hauptrolle. So hatte seiner Zeit ein vegetarisches Speisehaus in der Löwengrübe" in München wegen seiner Mehlspeisen einen geradezu stürmischen Zulauf. Verheerender Orkan. Ein furchtbarer Weststurm hat jüngst, in Kiel und Umgebung unermeßlichen Schaden angerichtet. Mehrere Häuser stürzten ein und in den Dörfern erdrückten die fallenden Mauern zum Theil den Viehbestand. In Kiel wurden das königliche Schloß und die neue St. Jllrgenskirche erheblich beschädigt. Die Westküste zeigte die schlimmsten Verwüstungen. Die Eider-Niederung und die Husumer Gegend wurden schwer betroffen. Das Wasser stieg an der Küste 16 Fuß über die mittlere Fluthhöhe, sprengte mehrfach Schleusen, Deiche und Dämme und ergoß sich in's Land. Die Fluth überraschte viel weidendes Kleinvieh und brachte ihm den Tod. Das Husumer Schleusenthor brach mit donnerähnlichem Getöse und haushohe Wogen stürzten über die unglückliche Stadt herein. Die Straßen am Hasen standen in wenigen Minuten unter Wasser; ein Theil der Bewohner mußte in Booten gerettet werden. Der Sachschaden ist sehr groß. Fahrzeuge sind gesunken oder in See getrieben. Die vor der Vollendung stehende neue Husumer Schleuse, für deren Bau der Landtag 400,000 Mark bewilligt hatte, wurde schwer beschädigt. London unterwegs. Ein Statistiker des Londoner Graffchaftsraths der englischen statistischen Gesellschaft veröffentlichte kürzlich einige erstaunliche Zahlen über das Londoner Verkehrswesen. Darnach haben die Bahnen, die das größere London bedienen, 1902 rund 600,000,000 Passagiere befördert. London hat 631 Bahnhöfe, zu denen täglich 4252 Lokalzüge und 445 andere Züge kommen. Das schwieriaste Vroblem für die Bahnen ist die Zusammendrängung des Verkehrs in den Morgenftunden, wenn die große Völkerwanderung von der Peripherie nach dem Centrum erfolgt. Zwischen 7 und 8 Uhr Morgens treffen in den Londoner Endstationen 242 Züge ein, zwischen 8 und 9 Uhr 360 und zwischen 9 und 10 Uhr 384. Von 3 bis 10 Uhr Morgens bringen die Äüae aus den Vorstädten 410,471 Passagiere nach Londonwovon 22S.000 zwischen 8 und 10 Uhr eintrifft. Die Sinkavazität dieser Züge ist 76,286 Personen, während sie wirklich 88,988 Personen tragen. Omnibuslinien gibt es in London 200, die einen Weg von 754 Meilen zurücklegen. Die Bank passiren stündlich 690 Omnibusse und ähnlich ist es au anderen Plätzen. Ihre Passagiere zahlen lahrllch an die 9.000.000. Die Tramwahs beförderten 1903 361.170.652 Personen.

Feuer - Signale.

i Pennshiv Market 5 Snglish'S Opern-Hau ? SastundNDork 7 Noble und Michigan 91. Jersey u. Mag Ave Pine und North 3 Ma-ket und Pin 1 Beraumt nahe East '2 Ny. 8 Spritzenhaus Maff. Ave nahe Noblt sä Dawäre und Walnut N. Jersey u Central A. Mais, und Eornell Av Asy m.d 11. Straße 1 Park Ave und 12 Str 6 Columbia ndHillstd 9 Highland Ave u. Pratt i Illinois und St. Joe 13 Pennsylv. und Pratt n. Meridian und 11. St? :ft 3i0. 6 Spritzenhaus 15. nahe Jllino Senate Ave .StElair i7 Illinois und Michigan :? Pesylvania und 14. Senate Ave. und lg. i Slo. 1 SpritzchauS Jno ÄvenaheMichiga Meridian und Walnut a California Vermont iS Blake und New zgork :s Ind. Av. u. Lt. Clatr 7 City Hospital 'S Blake und Norty Z9 Michigan und Zne 'i No. Spritzenhaus Washington nah West 2 Gsendorf u Wash. 3 Missouri New Aork 6 Meridian u Wash t JllinoiS und Obio 4T Capitol Av. u Waff 14 Kmgan's PorkhauS 49 Straßenbahn Stalle 23. Washington Stk l N. 10 Spritzenhaus JllinoiS ii Werrill i Jllinoi u Louifiana s We und South $4 West und McTarty 56 Senat Ade. Henry 57 Meridian und Slay 56 No. 4 Spritzenhaus Madifon A. u Starrt SS Kadis rnt Av. Dunlop kl No 2 Hake Letterbau Eouth nahe Delawar 2 Penn.u MerriU &3 Dkkawan u. ZZlrEarttz 4 aft und MeEarrh New Jersey u. MerrM 7 Birg. Av. u Bradsha ast und Prospect Bicking und High n No. ii Spritzenhau ir Ave. nahe Huro 7s Saft und Seorgta 78 Eeda, und EIm 74 Davidson u Seorgia 75 English Av. u Pine 76 ShelSy und Bäte 8 No. 3 Spritzenhau Prospect nahe Shelbh Fletcher Av. u Shelby Sl Market u. New Jersey 82 Delaware und Wash. 88 East u Washington 54 New Dork u. Davidfox 85 Taubstummen Anstalt 66 Ver. Staaten Arsenal 87 Orient! und Wash. 99 Frauen-Reformat. No. 18 Spritzenhaus Maryland nahe Mer Ä2 Meridian u. Veorqia. 33 Meridian und South ?4 Pennsylv u. Louistana 5 Birgwi Ave u. Llab. 55 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 93 Capital Av und Ohk 23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. i24 Alabama und 1. ,2 Central Ave und 1&. 126 Fände und 15. 127 Brookside und Jupiter 128 Central Ave und 17 129 Delaware und 19. 31 Alabama und 11. Z2 Bellefontame und i. 34 College Ave und öS. :zS Delaware und 18. 13 Alabama und North 137 Newmann und 19. 133 College Ave und 14. 139 Cornell Ave und 18. 141 Dandes unl) 19. 142 Highland Ave und 10. U3 Tecumseh rnd 10. 146 New Jersey und . '.46 Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus Hikside Ave und :s. .43 College Ave und 2. .43 College Ave und 27. 152 Park Ave und 22. tSS LEu. WBahnu.22. löi Ramsey Ave und 10. 156 Stoughton u Newman 157 Atlas und Pike. 158 Bloyd und Pawvaw. t5S No. 21 Spritzenhaus Brightwood Arven und Depot 163 Brigytwood und 25. 164 Rural und Bloyd i5 St. Clair u. eystone 167 Arsenal Ave und 23. SS Bellefontaine und 2S. 9 Park Ave trad l. 212 Capital Ave und !?. 218 Pennsylv. u. 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Washiigto 427 Oliver und Birch 2 Oliver und OSgood 42 Rordyke und Dort 481 Hadley Ave u. Morrt 482 River ve . Morris 4 Rio Av und Ratz 48 Harding u. Big 4 R ? 42 Harding und Olive 487 No. 1 SpritzeichqZ Morris und Hardina, 438 43 Wü HSW? 48 6toyacM 451 Reisner und We 45 Howard und cc 45 Monris und Sappe 6 Lambert und Bekomk 457 Nordyke Lve u. u& mon WorkS 12 West und Sdch 18 enwkhvu.errir: 14 Meridian und MorrM 1 JllinoiS mV ansät 17 Morris und Dakota 1 Morris und Shurch 619 Capital A. u McCarv 621 Meridian und Pakna 2 Pine und Lord 624 Madisor.Ave u Lineol 426 Meridian und Blt RB 27 Carlo und Ratz 2 Meridian und Arizm 29 S1.eridian u. Raymond 631 Meridian u. DKCal 1 638 No. 17 Spritzend -u Morris nahe West 61 MeKeraan und Douah. 1 East u. Lincoln irat 614 East und Beech ii Wright und .Sajura 17 McCartY und Beaty i New Jersey u Av 71 Spruce und Prospekt 71 English Ave. vu Laur? 714 Stak Ave u.ä'e'i StS 715 Shelby und Beecher 71 Statt Ave un Oran? 71 Orange und Laure! 71 Shelby u. 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