Indiana Tribüne, Volume 27, Number 222, Indianapolis, Marion County, 10 May 1904 — Page 7

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(Fortsetzung.) Vincent Hatte den freien Platz neben Germaine eingenommen. Ihm gegenüber lachte und plauderte Estelle mit etwas fieberhafter Lustigkeit vom Ball, von verschiedenen Masken und von besonders drolligen Auftritten. Plötzlich verstummte sie, sie mochte wohl müde sein. Doch kurz bevor der Wagen hielt, fragte sie, mit einem ihrer gewohnten Gedankensprünge auf ein längst abgethanes Gespräch zurückkommend, ganz unvermittelt: Herr Hauptmann, nicht wahr, in der Oper Carmen kommt auch ein Offizier vor?" Ja, gnädiges Fräulein, Don Jose." Richtig, und am Schluß da wird der Offizier erschossen " 9. K a p i t e l. er milde südliche Winter hatte allmälig seinem in diesem Länderstrich oft stürmischeren und unfreundlicheren Gesellen, dem Frühling, Platz gemacht, der sich auch in Toulouse wie gewöhnlich mit endlosen Regengüssen einführte. Schwarz und finster sahen die alten Dächer in dem trüben Nebel aus, und die von der Nässe getränkten Ziegelsteinwände hatten ihren ' hübschen Rosenfarbenton eingebüßt. Mit dem Ungestüm wilder Gebirgsbäche stürzten ich lehmfarbene Fluthen durch die Gostn der Straßen, und die aufgeregte, joch angeschwollene Garonne drohte, aus ihren Ufn zu treten. Draußen vor der Stadt waren die Wege fast grundlos, so daß die militärischen Uebungen nicht v.v.t für die Mannschaft, sondern auch für die Pferde zu einer harten Aufgabe wurden. Die armen Soldaten zitterten vor Kälte in ihren durchnäßten Kleidern, und die Offiziere kehrten durchaus nicht in bester Laune nach Hause zurück. Ob dieses häßliche Wetter wohl lanno war an ver ;urucrgezogenyni, die Hauptmann Gerbault mit einem Male an den Tag legte? Ich habe zu thun," gab er als Entschuldigung an. In Wirklichkeit hatte er niemals weniger gearbeitet. Stundenlang konnte er hastig und ruhelos, gleich Jemand, dem etwas Werthvolles verloren gegangen ist, in feiner Wohnung auf und ab gehen, ohne im Stande zu sein, seine Gedanken auf irgend eine Beschäftigung zu sammeln. Dieses Etwas, das er an einem gewissen Ballabend verloren hatte und nun durchaus nicht wiederfinden konnte, das war nichts Geringeres als seine Entschiedenheit und Thatkraft. Noch niemals in feinem Leben hatte er sich so schwach und willenlos gefühlt als in diesem Frühling, er, der sonst immer, seinen Grundsätzen und vernünftigen Anschauungen folgend, fest und zielbettiußt seines Weges gegangen war. Diesmal wollten weder Vernunft noch Grundsätze standhalten. Er befand sich im Kampf mit der Liebe! Diese unvermeidliche Krankheit trat nun aber bei ihm in etwas ungewöhnlicher Form auf. Wohl hatte er schon vor seiner Ankunft in Toulouse hin und wieder einen leichten, vorübergehenden Anfall davon verspürt, nun aber war das Uebel nach ganz kurzer EntWicklung mit voller Heftigkeit zum Ausbruch gekommen. Eines Abends, beim Anblick einer gewissen kleinen Schäferin, war er zum ersten Male so sehr davon befallen worden, daß die in solchen Fällen so häufig fchon aus übervollem Herzen geströmten Worte auch bei ihm beinahe über die Lippen geflossen wären: Du bist die Erwählte meines Herzens! Willst Du mein Leben mit mir theilen?" Was aber hatte ibn abgehalten, diese beseligenden Worte auszusprechen? Er wußte es sich selbst nicht zu erklären. Eine ihm fremde Schüchternheit und Befangenheit, die er jetzt als elende Feigheit empfand, hatte sich seiner bemächtigt. In Germaines Nähe leben, sich am Anblick ihrer frischen, blonden Schönheit, an ihren sanften. kornblumenblauen Augen erfreuen, von ihrer klugen Stirne die Gedanken ablesen, in ihrem freundlichen Lächeln nach einem Strahl von Liebe forschen war das nicht schon ein Glück? Warum sollte er es in der unsicheren Hoffnung auf ein noch größeres aufs Spiel setzen? Je heißer er Germaines Liebe ersehnte, desto mehr wuchsen seine Zweifel an ihrer Zuneigung, und lieber wollte er sich gedulden und einen günstigen Augenblick abwarten, als sich emer orausamen Enttäuschung aus setzen. Aber die ersehnte Gelegenheit kam nicht, nnd Vincents Zweifel und innere Erregung wuchsen von Tag zu Tag. Gedankenlos versah er seinen Dienst; sein Briefwechsel mit Lepage Itockte und alles, was mcyi rnn germaine im Zusammenhang stand, alles, was früher sein Leben ausgefüllt, was ihn noch vor Kurzem interessirt hatte, erschien ihm gleichgiltig und wie in weite ??erne geruckt. An Carmen, und daß es überhaupt einmal eine gegeben hatte, dachte er

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w tt Roman von zk VX w (Sthampal kaum mehr. Jedenfalls war sie jetzt todt, verschwunden, ohne eine Spur zu hinterlassen. Denn an jener Sylvie Dulaurier, mit der Vincent in den verflossenen zehn Wochen den unumstößlichen Familiengesetzen zufolge zehnmal gespeist hatte, war nicht das Geringste mehr von emer Carmen zu bemerken. Niemals kam sie auch nur mit einem Worte auf das vertrauliche Gespräch im Wintergarten zurück, niemals machte sie eine Anspielung, die Vincent an Carmen hätte erinnern können. Das von dem ungewohnten Zauber des Festes, dem Blumenduft und Champagner wohl erregte Gemüth der jungen Frau mußte sich unter dem Einflüsse des Familienlebens rasch wieder beruhigt haben. Vernunft und Tugend gewannen wieder die Oberhand; Sylvie hatte sich nicht nur in ihr Schicksal ergeben, sondern ihm anscheinend auch Geschmack abgewonnen. Sie war wieder die würdige Tochter Frau Mougins und Edmund Dulauriers ebenbürtiae Lebensgefährtin. Das hatte Vincent ja gewünscht, und doch s elts amer Widers pruch ! bedauerte er jetzt fast, seine Wünsche so rasch erfüllt zu sehen. Jedenfalls war aber seine Theilnahme für sie erloschen, seit sie ihm keine Besorgniß mehr einflößte. Ich kann mich wirklich nicht entschließen, heute wieder bei diesen lang weiligen Leuten zu essen. Ich werde den Burschen mit der Entschuldigung hinschicken, ich hätte Stubenarrest," sagte Vincent an einem der letzten Tage des März gähnend zu sich selbst, an eine.m Sonntag, wo das Wetter ebenso unfreundlich und zweifelsüchtig war wie er selbst. Der Regen ließ aber am Nachmittag doch wenigstens nach, wenn auch der Garten mit seinen triefenden Bäumen und nassen Graswegen noch immer einen trübseligen Eindruck machte. Weder auf der Straße, noch innerhalb des Hauses ließ sich das gerinaste Geräusch vernehmen. Was sie da unten wohl treiben mögen? dachte Vincent rnn emem Seufzer. Er hatte es nämlich für klug befunden, sich eine letzte Prüfung aufzuerlegen und vierzehn Tage lang auf jedes Wiedersehen mit Germaine zu verzichten. Welche Wirkung mochte diese Abwesenheit wohl haben? Ob Germaine sich überhaupt Gedanken darüber mochte? Während er so mehr denn je in t?üb seliges Nachdenken versunken war, hörte er plötzlich einen schweren Schritt aus der Treppe und gleich darauf die tiefe Stimme Frau Lancelots vor seiner Thüre: Herr Hauptmann, ist es erlaubt. emen Augenblick zu stören? Hastig erhob er sich. Sie sehen ja ganz erhitzt aus!" rief die gute Dame. Ich habe Sie gewiß m Ihrem Nachmittagsschlafchen ge stört?" O nein, durchaus nicht." Sie brauchen sich gar nicht zu ge niren, es einzugestehen. Das Mittagsschläfchen ist eine militärische Gewöhnheit, der auch ich huldige, und daß ich heute daraus verzichtet habe, daß ich Sie so mir nichts dir nichts überfalle, dazu" (Frau Lancelots entschiedenes Gesicht verrieth eine gewisse Verlegenheit) ...dazu bedürfte es eines gewichtigen Grundes." vollendete sie. Ich habe Ihnen nämlich etwas mitzutheilen, Herr Hauptmann, etwas, das die Mädchen nicht hören sollen. Deshalb bin ich heraufgekommen, während sie denken, daß ich em Nickerchen mache." Schwer athmend ließ sie sich auf einen Stuhl sinken, den ihr anzubieten Vincent noch nicht die Fassung gefunden hatte. Wie, wenn Frau Lancelot seine Gedanken errathen hätte und gekommen Ware, um ihn darüber zu befragen? Was sollte er ihr antworten? Es handelt sich um Estelle," begann sie. Ist Ihnen nichts an ihr aufgefallen?" Aufgefallen? Wieso?" Nun, wegen ihres Gesundheitszu standes natürlich; es geht ihr nämlich gar nicht gut. Obwohl Vincents Gedanken mit ganz andern Vermuthungen beschäftigt waren, so berührte ihn diese Nachricht doch so tief, daß er. semen eigenen See lenzustand vergessend, voll lebhafter Theilnahme ausrief: Warum? Was gibt es?" Seit dem verwünschten Ball ist ihr Befinden schlechter. Der Arzt behaup tet zwar, der Ball habe nichts damit zu thun, natürlich, weil er ihr ja selbst den Besuch erlaubt hat. Ich aber hübe wohl bemerkt und auch Germaine, daß sie seither nicht mehr dieselbe ist. Weder ihr früherer Appetit, noch ihre alte Hei terkeit sind zurückgekehrt, und .gestern. nachdem wir sie endlich so weit gebracht hatten, sich noch einmal untersuchen zu lassen, da da hat es sich herausgestellt, daß ihr Leiden schlimmer geworden ist." Die rauhe Stimme drohte zu versagen, und schmerzlich verzog sich das derbe Gesicht. Mir allein hat der Dokwr die Wahrheit gesagt," fuhr sie, sich mühsam fassend, fort. Aber er hat mir zugleich verboten, sie. Germaine zu ver

rathen, und ohne ' Germaine kann t ich diese Last, diese Verantwortung nicht tragen ich weiß mir nicht zu helfen

Verschwunden war ihre militärische Würde, verschwunden das derbe Wesen, hinter dem sie ihre Gefühle zu verbergen liebte. Qualvolle Angst nur sprach aus ihren männlichen Zügen, ein Anblick, der auch ein härteres Herz als das Vincents hätte rühren müssen. Die ganze Nacht habe ich kem Auge geschlossen. Germaine darfst Du den Ausfpruch des Arztes nicht andertrauen, sagte ich zu rnirT und Du selbst bist eine dumme alte Person, die aus keinen gescheiten Gedanken kommt. Du mußt Dir entschieden bei Jemand Rath und Beistand holen. So dachte ich an Sie. Sie sind zwar noch nrng, aber das schadet nichts, die Jugend ist frischer als wir Alten. Also helfen Sie mir, rathen Sie mir, was soll ich mit EstcLs thun?" Ich bin kein Arzt. Seine Sache ist es, Anordnungen zu treffen," bemerkte Vincent. Frau Lancelot preßte das Taschentuch auf die Augen. .Nun denn," brachte sie unter Schluchzen hervor, der Arzt, der sagt, es sei nicht mehr viel zu machen nein gar nichts mehr." Nichts mehr!" Vincent erbebte. War es möglich, daß dieses junge Mädchen, dieses reizende, entzückende Geschöpf, das mit seiner Herzensgüte und Anmuth wie dazu geschaffen schien. das Dasein anderer zu verschönern, ein .so frühes, grausames Ende finden sollte? Daß es bedroht war, das wußte Vincent wohl. In Jahresfrist, da mußte man vielleicht Schlimmes befürchten, aber doch nicht jetzt fchon, nachdem sie noch vor wenigen Tagen in strahlender Jugendschönheit so lustig getanzt! Nein, nein!", widersprach er Frau Lancelot heftig, Sie übertreiben!" Mit geschwollenen Augen und thränenüberströmtem Gesicht schüttete Frau Lancelot jetzt rückhaltlos ihr Herz aus. Auch der zweite Lungenflügel ist angegriffen; die Krankheit schreitet stetig fort. Weder Aerzte noch ArzneiMittel können mehr etwas helfen; ich fange an, der armen Kleinen recht zu geben. Aber vielleicht sind eben nur unsre Aerzte und Arzneien nichts nutz, vielleicht gibt es andre, bessere, es muß welche geben. Man kann doch ein Mädchen in diesem Alter nicht einfach hinsterben lassen. Und da kam mir wieder der Gedanke an Sie! Der Hauptmam sagte ich mir, kommt von Paris, er lie,. die Zeitungen, er kennt die neuesten Erfindungen, und zudem ' hat er einen Freund, der Arzt ist und ihm gewiß Aufschluß geben kann." Wie ein Ertrinkender an einen Strohhalm klammerte sich die axine Frau an diesen Hoffnungsstrabl, und Vincent batte .nicbt nur nicht den Muth. ihn ihr zu rauben, sondern er selbst hielt daran fest. Ja, gewiß, das ist ein guter Gedanke! Heute noch werde ich an meinen Freund Lepage schreiben." Ich danke Ihnen, lieber Herr Hauptmann," rief Frau Lancelot voll freudiger Zuversicht. Vincent aber wurde, sobald er wieder allein war, von Sorge, Mitleid und Selbstvorwürfen gequält. Arme kleine Estelle! Arme Germaine! Welche von Beiden war mehr zu beklagen? Wie hatte er über der Liebe zur einen die warme brüderliche Zuneigung zur andern so ganz hintansetzen können! Voll schwermüthiger Gedanken trat er an's Fenster, in der Hoffnung, eines der jungen Mädchen zu entdecken, und kaum war er dort, so wurde sein Wunsch erfüllt. Da sind sie!" rief er, freudig in die Höhe fahrend. Während Frau Lancelots Besuch hatte die schüchterne Sonne allmälig Muth gefaßt und die Wolken verjagt, den Himmel mit Bläue überzogen und die PflafterMne gHtrocknet. Ihren Sieg benützte Estelle sofort, um mit dem ihr eigenen Ungestüm Germaine mit sich in's Freie zu ziehen. Vincent sah, wie die Beiden eng umschlungen nach der Art junger Mädchen sich in dem Kreuzgang ergingen. Bei ihnen war dieses zärtliche Aneinanderschmiegen nicht die Aeußerung eines aufflackernden schwärmerischen Gefühls, sondern der Ausdruck treuester, innigster Vereinigung, und diese wahre, aufopferungsvolle Freundschaft erfüllte Vincent nicht nur mit Rührung, sondern auch mit einem Gefühl von Dankdarfeit. Hatte er doch gerade dadurch das Herz Germaines erst so recht kennen gelernt; denn nie erschien sie ihm reizender, als in der Ausübung ihres sanften Beschlltzeramtes, das so recht zeigte, welch vortreffliche Gattin und Mutter sie abgeben müßte. So übermächtig war bei ihrem Anblick die Sehnsucht , nach ihrer Nähe, daß er nicht länger zu widerstehen vermochte, sondern die Treppe hinuntereilte und gewissermaßen als Entschuldigung zu sich selbst sagte: Mag kommen was da will, ich wäre ja ein herzloser Wicht, wenn ich mich nicht persön lich nach dem Befinden der armen Kleinen erkundigte." . Estelle war die erste, die das Köpfchen wandte und sein Kommen bemerkte. Einen Augenblick schien es, als betrachte sie ihn mit einer gewissen Aengstlichkeit, sobald er aber in ihrer Nähe war, fand sie ihr gewohntes Lä cheln und ihren ungezwungenen Ton wieder. . Na. Herr Hauptmann, sollten Bk am Ende wie ick zur Familie der

Eidechsen gehören, die sich : nur beim

Sonnenschein aus ihrer - Behausung i herauswagen? Seit vierzehn Tagen haben wir uns mit keinem Blick gesehen! Ein muthiger Soldat, und solche Angst vor dem Regen?" Z Je langer sie sprach, desto heiterer klang ihre Stimme, und während Ger bault allerlei Entschuldigungen siammelte, schien sie nicht übel Lust zu ha den, ihn grundlich auszulacyen. Er aber bemerkte nichts mehr davon, denn er stand Germaine gegenüber. Im freudigen Schreck über sem unvermuthetes Erscheinen hatte sie sich unwillkürlich an emen der alten, von einem Rosenstrauch umrankten Pfeiler gelehnt, wahrend im gleichen Augenblick die in den alten Säulengang hereinfluthende Sonne ihr blondes Köpfchen umstrahlte und eine zweite ihrem Innern entströmende Sonne aus ihren blauen Augen, aus ihrem Lächeln und von ihrer Stirn herab zu leuchten schien. Vincent stand angesichts all dieses Glanzes wie geblendet. War es denn der Frühling, der ihm Germaine jetzt erst in ihrer ganzen Anmuth zeigte. oder war es Germaine. die ihm den Frühling offenbarte? Wie hatte er sich nur so lange dieses doppelten Anblicks berauben können? Wenige Augenblicke nur dauerte der Zauber. Schon war die gewohnte Ruhe auf Germmnes Zuge zurückgekehrt: Vincent aber ließ sich nun nicht mehr täuschen. Tief in seinem Herzen bewahrte er das strahlende Lächeln, das ihn nach der langen Abwesenheit begrüßt hatte. Es war das heiß ersehnte Pfand, die Bestätigung seiner glühendsten Hoffnungen, und gluckselig folgte er lachend, plaudernd und scherzend den beiden jungen Madchen durch den Kreuzgang. Sehen Sie nur, wie schön es jetzt ist!" wiederholte Estelle. Und Tante Lancelot schließt sich da oben ein und schläft 's ist eine Sünde! Wie froh bin ich, endlich wieder meiner Krankenstube entflohen zu sein!" : Diese Worte erinnerten Vincent an den Grund, oder vielmehr Vorwan seines Besuchs, und voll Gewissensbisse betrachtete er prüfend seine kleine Freundin. Wie konnte man behaupten, sie sei kränker? Niemals hatte er sie frischer, rosiger und heiterer gesehen, als an diesem schönen Frühlingstage. Sie sehen aber durchaus nicht wie eine Kranke aus." sagte Vincent beruhigend. Sie hatte ihn heimlich beobachtet und antwortete nun, von seiner Aufrichtigkeit überzeugt, in glücklichem Tone: Sie finden mich wirklich nicht verändert seit der langen Zeit, die Sie mich nicht gesehen haben? Und doch war ich krank.' eigentlich zum ersten Male recht frans und besonders wurde ich von allerlei dummen Einbildungen verfolgt." Ueber ihr reizendes Gesicht huschte ein Schatten, der sich sofort auch auf Germaines Zügen spiegelte. Ich kann es nun einmal nicht lassen," fuhr Estelle fort, stets muß ich dem Herrn Hauptmann meine kleinen Erlebnisse erzählen, gerade wie Tante Lancelot. Eine Folge unsrer MilitärVerwandtschaft wahrscheinlich, denn Sie müssen wissen, daß ich einen Bruder hatte, der jetzt auch Offizier wäre. Während er sich auf die Prüfung für die Kriegsschule in Saint-Cyr vorbereitete, starb er an einem Lungenleiden. Sie erinnern mich an ihn. Ich denke übrigens auch ohnedies häufig an ihn, ganz besonders seit einiger Zeit und an noch viele andre Dinge." Eine, lange Pause folgte, dann sagte sie, trotz Germaines Bemühung, sie davon abzuhalten: Nein, nein, laß mich. Vielleicht werde ich diese verwünschten Gedanken, die mir keinen Augenblick Ruhe lassen und mich bei Tag und Nacht quälen, durch Aussprechen los. Dieses fortgefetzte Verfolgtwerden von albernen Einbildungen und Traumgesichten ist doch ganz unnatürlich; das kommt sicherlich" . . . von einer überreizten Einbildungskraft," beeilte sich Vincent den Satz zu vollenden. O nein, durchaus nicht. Ob Sie mich nun auslachen oder nicht, sagen muß ich's: es kommt daher, weil mich Jemand behext hat." Estelle wurde dunkelroth, als schäme sie sich nun doch ihres Geständnisses, sofort aber gewann ihre feste Ueberzeugung wieder die Oberhand: Ja, behext hat man mich! Und ich weiß auch genau, wann und wo. Auf Frau Rollins Ball!" Ein leichtes Unbehagen erfaßte Bincent, denn diese Worte riefen ihm sein Gespräch mit Sylvie im Wintergarten in's Gedächtniß zurück. Erinnern Sie sich der Ohnmacht, die mich plötzlich befiel?" fuhr Estelle fort. Das war die erste Wirkung des bösen Zaubers, und seither sind schon eine Menge schlimme Folgen zu Tage getreten." Nun verstand er sie. Gleichwohl antwortete er anscheinend ernsthast: Aber ich bitte Sie, Sie werden doch solchen Unsinn, solchen Ammenmärchen keinen Glauben schenken!" Unsinn nennen Sie das?" rief Estelle nun ärgerlich. Na, ich meine. Sie sollten der Letzte sein, der darüber spottet denn auch auf Sie ist ein bi ser Zauber ausgeübt worden." Auf mich?" Jawohl, ich habe Sie beobachtet. Ganz verändert waren Sie die beiden letzten Monate. Sie waren verstimmt. befangen, unruhig. Ihr Lachen klang gezwungen, wie geistesabwesend gingen Sie umher, und etwas, das Sie nicht

zu erklären und das Sie nicht zu überwinden vermochten, lähmte Ihre Wil-

lenskraft. Irgend ein fremder Einfluß, dem Sie sich fügen mußten, der Sie widerstandslos bierbin. dann wieder dorthin zog, hatte sich Ihrer bemächtigt und Ihre Gefühle umgewandelt, sogar Ihre Freundschaft für uns beemtrachtigt. Nun denn, dies alles sind die deutlichen Anzeichen emes bojen Zaubers, wenn auch nicht im abergläubischen Sinne." Sprachlos hatte Vincent diese ziemlich zutreffende Beschreibung seines Seelenzustandes der letzten Wochen mit angehört, und da er auch jetzt nock schwieg, fuhr Estelle triumphirend fort: Da haben wir s, Sie wagenmir Nicht zu widersprechen! Die Bejierung in meinem Befinden aber, Ihre Rückkehr zu uns, das Gefühl der Erleichterung und Befreiung, das Sie jetzt empfinden. das alles kommt daher,- daß der bofe Zauber feit heute endlich seine Macht über uns verloren hat. Ich fühle es deutlich, Sie nicht auch?" Doch, auch er suhlte es. Seit wemgen Minuten, seitdem er hier neben Germaine stand, waren die geheimnißvollen Fesseln gefallen, die Schleier zerrissen. Zweifel und Gleichgiltigkeit verschwunden. (Fortsetzung folgt.) Eine heirere SpurgcsSiichte erzählt die Märkische Zeitung": In dem Do,fe G. bei Neu-Ruppin wurden die Gemüther in Aufregung versetzt, indem ein etwas beschränkter Knecht das Gerücht verbreitet hatte, daß er allnächtlich um 12 Uhr hinter einer Scheune mit einem Geiste eine Zusammenkunft habe. Infolgedessen versammelten sich eines Nachts mehrere Knechte, um der Zusammenkunft beizuwohnen. Sie fanden auch wirklich das Gespenst vor. Was es aber zu seinem Freunde gesprochen, war aus diesem nicht herauszubringen. Anscheinend war es dem Spuk darum zu thun, Furcht zu verbreiten, und als man eine größere Anzahl Knechte aufbot. um den Geist festzunehmen, Muh er weg und verlegte den Schauplatz sei ner Thätigkeit nach dem Kuhstalle eines größeren Besitzers. Hier erschien er eines Morgens vollständig in Weiß mit einer Sense über die Schulter und musterte die melkenden Dienstmädchen. Diese ließen vor Schreck die halbgefüllten Milchkübcl stehen und flohen mit dem Rufe: En Spök, en Spök!" zum Stalle hinaus. Als man zurückkehrte, waren die Gefäße leer und auch der Spuk verschwunden. Das Manöver wiederholte sich mehrere Male. In letzter Zeit aber war ein neues Dienstmädchen eingetreten, das Haare auf den Zähnen hatte. Als es von dem Spuk hörte, hatte es seinen Plan gefaßt. Am anderen Morgen erschien der Geist wieder wie früher, und die übrigen Mädchen flohen. Die neue Maad aber hatte fich einen Kübel mit heißem Theer verschafft und stülpte diesen dem Geist bei seinem Herannahen so energisch auf den Kopf, daß ihm Hören und Sehen verging und die lichte Farbe seines Gewandes in übelriechendes Schwarz verwandelt wurde. Blitzschnell fuhr der Spuk zum Stalle hinaus und kehrte auch nicht wieder. Am anderen Tage aber meldete eine Arbeiterfrau ihren Mann von der Ar beit ab, weil er die Kopfrose bekommen habe und mit vollständig verbundenem Kopfe zu Bette liegen müsse. Der Besitzer des Gehöftes aber wußte nun, wo er den Spuk zu suchen hatte und wo seine Morgenmilch geblieben war. Die tubtvtulöU" ffrau. Man muß zugeben, daß in Paris auf dem Boden der Volksgeiundhens pflege recht viel geschieht oder zum mindesten beachtenswerthe Versuche gemacht werden. Die neueste Gründung dieser Art ist die femme tuberculeuse". Der Zweck der mit diesem Namen bezeichneten Anstalt ist der Sckuk von jungen Mädchen, Müttern und Kindern gegen die Tuberkulose durch Darbietung einer Gelegenheit zum Aufenthalt in gesunder Luft wahrend der Mußestunden. Än den Segen dieser Anstalt sollen alle werd lichen Personen theilnehmen dürfen, die sich von dieser Krankheit bedroht sehen und sonst eine geeignete Erholung nicht finden. Die Gesellschaft, von der das Unternehmen ausgeht, hat auch eine Stelle eröffnet, wo Mütter darüber belehrt werden, wie sie ihre Kinder aufziehen und wo sie gute Milch für sie bekommen können, um die Kleinen vor der Schwindsuchtsgefahr zu bewahren. Die Gesellschaft will sich ferner mit der Disinfektion von Wohnungen und Kleidern tuberkulöser Personen abgeben und den Kranken überhaupt so viel als möglich zu einer Besserung ihrer gesundheitlichen Lebensbedingungcn ve:h?lfen. Hausfrauen und junge Mädchen können auch an dem Unterricht in den Grundlagen einer vernünftigen HausHaltung thcilnehmen, der an denSonntagen abgehalten wird. Das Haus für den Aufenthalt ruhebedürftiger Frauen befindet sich in gesunder Lage in einer Vorstadt und hat vorläufig Platz für 120 Personen. Endlich wird auch noch ein Erholungsheim im Innern von Frankreich errichtet werden, wo weibliche Pensionäre bis zu sechs Monaten eine Aufnahme unter besten Verhältnissen finden sollen. Der Verwaltung dieser neuen Gesellchaft gehört eine Reihe hervorragender Aerzte an. Mitglied kann jeder für den geringen Jahresbeitrag von 1 Frank werden.

Feuer - Signale.

i Pennsylv nd Market S English'S Opern-Hau i Säst und 3rto gort 7 Noble und Michigan 9 N. Jersey u. Sloff AM Pine und Nvrth ,S Market und Pme 1 Vermont nahe Saft 'S 31?. S Spritzenhaus Maff. Ave nahe Noble i3 Dnaware und Walnut : N. Jersey Central A. 15 Maff. und CornellAv s Ash m.d 11. Straße 7 Park Ave und 12 Str s Columbia undHillfld 9 Highland Ave u.PraU n JMnoiS und St. Joe ts Pennsylv. und Pratt 4 Meridian und 11. Str :ö 5?o. 6 Spritzenhau ib. nahe JllwoiS :s Senate Ave .StElair Illinois und Mchigaa Pesylvania und 14. :3 Senate Ave. nnd 13. l No. 1 SpritzchauS In ÄvenaheWichiga Meridian und Walnut '4 California Content 56 Blake und New Mork w Ind. A. u. St. Clair 7 Eity Hospital 8 Blake und Nort? '9 Michigan und Sfru 1 Nv. 6 Spritznchau Gashington nah West 12 Gmsendorf u Wash. 13 Missouri u New Dort 6 Meridian u Wash 48 JllinoiS und Ohis if Tapitol Av. u Wash S Kingan'S Porkhau Straßenbahn SUll W. Washington SU 51 No. 10 Spritzenhaus JllinoiS Merrill iä JllinoiS Louifiana tt West nd South 54WestndMcCartt) 5 Senate Ave. Henry 7 Meridian und Ray !S No. 4 Spritzenhaus Wadiso Lv. orr 49 Madison A. u Dunlop il No2 Haken Leiterhau South nahe Delava ?2 Penn. Merrill Delawa n. McCartv aft und MrSarty New Jersey u. Merria 7 Lirg. . Bradsha tS ast und Prospekt icking und High fl 9to. ll Spritzenhau Sie Ave. nahe Hur 7 East und Seorgi 73 Ceda, und Im 74 Davidson u Seorgia 75 nglish Av.Pine 7 Ehelöy und Bäte '8 No. 3 Epritzenhau Prospekt nahe Ehelbtz 7 Fletcher Av. u Shelby 1 Market u. New Jersey 52 Delaware und Wash. 3 East u Washington 64 New Dork u. Davidsoe 8b Taubstummen Anstalt 66 er. Staaten Arsenal 87 Orient! und Wash. 99 Frauen-Reformat. 51 N. 13 Spritzenhau Marhland nahe Mer. 52 Meridian u. Georgia. 93 Meridian und South 4 Pennsylv u. Louisiana 95 Virginia Ave u. Alab. 96 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 9g Capital Ave und Dhl 123 No. 16 Spritzenhau 16. und Ash. 124 Alabama und 16. 125 Central Ave und ll. 126 Fände und 15. 127 Brookside und Jupiter 123 Central Ave und 17 129 Delaware und 19. l Alabama und ll. 132 Bellefontaine und f. 134 College Ave und 2. 135 Delaware und 13. 186 Alabama und North 137 Newmann und 19. 138 College Ave und 14. 139 Cornell Ave und 13. 141 DandeS und 19. 142 Highland Ave und 19, 145 Tecumfeh und 10. 146 New Jersey und 2. 146 Nlvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus Hiliside Ave und 16. .48 College Ave und 2. t49 College Ave und 27. 152 Park Ave und 2. 153 L E u. W Bahn U. 22. 154 Ramsey Ave und 1. 156 Stoughton u Newman 157 AtlaS und Pike. 153 Bloyd und Pawpaw. 159 No. 21 Spritzenhau Brightwood Wi Arven und Depot 163 Brightwood und 25. 164 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. Keystone 167 Arsenal Ave und 23. 168 Bcllefontaine und 28. 169 Park Ade und 1. 213 Capital Ave und 17. 213 Pennsylv. u. Michiaa 214 JllinoiS nd 26. 215 Senate Ave und 21. 216 Pennsvlvania und 23.' 17 Meridian und 16. 218 Capital Ave und 2& 219 Broadway und 10. 231 Illinois und McLea 234 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und 80. 35 Illinois und 33. 36 Annetta und 50 227 No. 9. Spritzenhaus Udell und Rader 233 Udell Ladder Wor 239 Jfabel und 27. 241 Meridian und 24. 242 JllinoiS u St. Clakx, 243 Eldridge und 23. 312 West uud Watnut 313 West und 12. 14 Howard und 16. 15 Torbet und Paca 16 Capital Ave und 1V, 17 Northwestern Av 1 Gent und 18. 819 Canal und 10. 24 Cerealine Wor 24 Vermont und Lynn 325 BiSmarck u Grandvte 26 No. 29 Spritzenhau Haughville. 27 Michigan u. Hoime, 23 Michigan u. Concord 41 West und McJntyre 412 Missouri u. Maryland 413 Missouri und Ohio 41 Capital Av,i. Leorgia 416 Missouri u KentuckyA. 417 Senate Ave u. Wash. 421 P und E kiundkau W. Washington. 423 Jrren-Hospital. 424 Miley Ave u. I D 425 Wash. und Harr 42 No. 18 Sptzen? W. Washington 427 Olwn und irch 23 Oliver und OSgood 42S Nordyke und Dork 431 Hadley Ave u. Won 432 River Ave u. Morri 434 River Ave und Rah 425 Hartimg u. Big 4 R ? 436 Harbin, und Olivki 437 No. 19 SpritzenhO WorriS und Lmdtna, 4 Hmb vebwesm 499 Stockt) 461 ReiSn und WW 45 Howard nd St 453 oni nd JtaftM 56 Lambert und steten 467 Skordyk Ave n. ar mv Work 512 West uud Ray 1 Aenwcky Ave u.VerriO 14 Meridian und MorrA 1 JllinoiS nd ansät 17 Morri nd Dakota 518 MorriS und Church 19 Capital A. u MeCar 21 Meridian und Palm 2 Pme und Lord 24 Madifon Ave u Lincoln 92 Meridian und Belt RA 627 Carlo und Ray 2 Meridian und Srizsn 2 Meridian. Raymond 21 Meridian u. MrCa.,i 3 No. 17 Epritzenhsu Morri nah West 1 McKernanund Dough. 13 Caft u. Lincoln int 14 East und Beecher i Wright und Saiider 17 McCarty und Beaty , i New Jersey BteA 71 Spru und Prospekt TU English Av. u. Launk 714 State Ave u. Aelt R J 715 Shelby und Beecher 71 State Av und Orancx 718 Orange und Laurel 719 Shelby u. Cbctage A 721 Lexington A. Lauch 72 Fletcher Ave .Spru 724 State Ave u. Pleasand 7i Prospekt und ?leasant 726 Orange und Harla 728 Liberty und Mea 729 Noble und South 81 No. 15 Spritzenhan Ost Washington vir 13 Market und Noble 814 Ohio u. Highland W 816 Michigan u. Highla 1 Market u Arsenal Av, 817 Ost 6 Clair und Union Bah Geleise. 1 Pan Handle Shop 8,3 Vermont und WakoU 824 Wash. und State Atz. 86 Madden'S Lounge Fab 826 Tucker und Dorfey 827 Wash. und BeviLe Av S29 No. 1 Spritzenhau evill nahe Michig 31 Southeafter Aöe nnd Woodside., 3 Wash. und Dearbon, 84 Sontheaftern nd Arsenal Ave. 3 New Dork nd Tkmyl, 12 JllinoiS und Maryl. 13 JllinoiS und Markt, 14 Penn, nd SaU i6Dtlawa nd 'VÄ Spezial Signale. krsten Schläge, zweiter Alarm, Zweiten Schläge, dritter Alarm, Dritten 2 Schläge, viert Alarm. 1-2-1, Feuer aus und Schlauch aufgerollt. K SchlSg, Wasserdruck ab. 12 Schläge, 1 Uhr Mittag. 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