Indiana Tribüne, Volume 27, Number 221, Indianapolis, Marion County, 9 May 1904 — Page 7
Jndiana Tribüne, S. Mai 1804
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oföme Lernen (Fortsetzung.) Philosophin! Davon war augenblicklich allerdings nichts in diesen lebhaft funkelnden Augen zu fehen, die wie mit magnetischer Kraft Vincents Blick an sich zogen und aus deren dunkler Tiefe ihm die goldenen Blumen ganz besonders feurig entgegenleuchteten. Neugierde aber ist eine mächtige Leidenschaft, so daß Viment fast seine Liebe darüber vergaß, um, wenn auch der- ' geblich, nach der wahren Natur des - seltsamen Geschöpfes zu forschen, das seinem Geist stets neue Räthsel aufgab. Ohne ihm Zeit zu einer Antwort zu lassen, hatte Sylvie indeß dem Gespräch bereits eine andre Wendung gegeben. Hin und wieder aber ist es erlaubt, sich Illusionen hinzugeben, vorausgesetzt, daß man sich stets klar bleibt, daß es eben Illusionen sind. Heute Abend zum Belspiel gestatte ich mir diesen Luxus. Schauen Sie um sich!" Sie zeigte mit dem Fächer auf ihre Umgebung und fuhr dann in plötzlich ausbrechender unnatürlicher Lustigkeit fort: Wie war's, wenn wir uns jetzt einmal einbildeten, dieser kleine Mummenschanz sei Wirklichkeit. Wir wollen ihn mit unsrer Einbildungskraft noch ausschmücken, vergrößern und uns selbst etwas vorlügen. Dieser Saal ist kein Tanzsaal, sondern die ganze Welt; die Kronleuchter sind Sonnen, die Sonnen aller Länder und Zeiten. Diese harmlosen-Männchen und Weibchen in ihrem Flitterkram sind Helden und Heldinnen in echtem Purpur und Gold, Könige des Reichthums, des Glanzes und der Poesie. Diese Ritter dort drüben sind soeben ruhmgekrönt vom heiligen Lande zurückgekehrt. Jene Schäferinnen besitzen, in Wirklichkeit nicht nur Heerden, sondern auch Schafer und werden morgen und alle folgenden Tage in ihren weißen Kleidern über grüne Matten schweifen. Das Leben ist entweder ein Freudenfest, oder ein blutiger Kampf, ein Heldengedicht, oder ein Schäferspiel. Nur das Schöne und Anmuthige ist Wahrheit, das Uebrige lebt nicht. Wie konnte man einem Clown, Hanswurst oder Chinesen den Eintritt gestatten! Nur nichts Lächerliches, denn das Lächerliche ist die Wirklichkeit, die erbärmliche, häßliche, unerträgliche Wirklichkeit. Lassen wir diese , wenigstens heute beiseite. ,i Vergessen wir sie und uns selbst. Sie, lieber Vetter, sind nicht mehr der arme kleine Hauptmann, der seinen Säbe! von der Kaserne in's Kaffeehaus schleppt und ihn alle zehn Jahre einmal gegen einen wüthenden Hund zieht. Mit Ihrem Degen, Ihrer, Halskrause und Ihrem Kinnbärtchen haben Sie in den Reihen der Hugenotten oder der Liga 'gekämpft. Um der schönen Augen der Königin Margot willen haben Sie ein halbes Dutzend Männer in den Sand gestreckt. Und ich, ich bin nicht mehr die .willenlose Maschine, die Hühner füttert und Strümpfe stopft, sondern am Tage, da laufe ich frei und ungebunden durch Wald und Feld, und ' bei Nacht treibe ich Schleichhandel, wenn ich gerade kein Stelldichein habe. Ich bin Carmen Sie selbst haben es 'gesagt also hüten Sie sich, mein schmucker Offizier!" Der Walzer war zu Ende und sie standen in der Nähe des Wintergartens, wo Vincent seine Dame abzuschütteln gemeint hatte. Er aber dachte" nicht mehr, an seinen .Vorsatz. ' Diese junge Frau war in der That gar zu seltsam, und da er sich der Dame, der sein Herz gehörte, jetzt gerade doch nicht widmen konnte, warum sollte er seine Zeit nicht mit dem Studium dieser hier ausfüllen, wenn auch nur aus rein platonischem Beweggründe? Nein, was Estelle auch sagen mochte, hübsch war Sylvie nicht, und doch hatte, sie einen gewissen Zauber, oder vielmehr einen pikanten Reiz, der für manchen vielleicht anziehender sein mochte als Schönheit. Auch an Verstand und Witz fehlte es ihr nicht; die Art, wie sie sich in ihrer Maske bewegte, war v der beste Beweis. Vincent konnte nichts Besseres thun, als ihr in gleichem Tone antworten. x - - Schöne Zigeunerin, in meinem Zeitalter war man gar abergläubisch, ich flehe Sie an, behexen Sie mich nicht." cm 5TNtrtirnrtrl(rt VrmrVii rttrfif ni v. .v. '-'' kV7 j5V tanzt. Als verständige Hausfrau hatte Frau-Rollin diesen kleinen, poetischen Winkel für Träumereien und trauliche ' Gespräche frei gelassen. Bei dem allgemeinen Drang nach dem Büffet war dieser Raumjetzt nahezu leer, so daß Carmen leicht einen hübschen Platz unter einer Palme fand, Jvo sie sich niederließ und. auf Vincents Scherz, ein- , gehend, erwiderte: Das kann ich ' Ihnen noch nicht versprechen. Man weiß nie, was einem im Laufe der Zeit alles in den Sinn kommt. Augenblicklich aber sind Sie sicher. Soll ich Ihnen vielleicht Karten legen?" fragte sie, ein winziges Whistspiel aus der Tasche ziehend. Ach, dä wimmelt es ja förmlich von Herzen und Damen," rief sie, nach- ' dem sie die Kartchen auf ihrem Schooß
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it tt n tt ?? Roman von (Shampöl jjT M- 4 -W Tr I"X" ausgebreitet hatte. Kaum wage ich, Ihnen alles zu sagen, was ich hier herauslöse. Der Karokönig ist ein Ossizier, und die Dame eine schöne Blondine. Nach den Karten zu schließen, könnte man wahrhaftig glauben, heute Abend stehe noch eine Verlobung bevor. Eine Verlobung auf einem Balle, wie in den Backfischromanen!" Pfui!" rief Vincent mit der unbefangensten Miene, das wäre gar zu alltäglich." Ö, so ganz glatt geht es dabei denn doch nicht ab. Warten Sie mal, hier sind mehrere Piks, die Schwierigkeiten machen, und nein, wahrhaftig, ich kann es Ihnen nicht verrathen." Hastig warf sie die Karten durcheinander, als fürchte sie, es könne fönst noch Jemand darin lesen, dann fuhr se fort: Eines ist sicher, aus der Heirath wird nichts, und ich wünsche Ihnen Glück dazu, lieber Vetter, denn die Ehe ist etwas Entsetzliches.' .Wieder hatte ihre Stimme einen-an-bera' Klang angenommen. Diesmal schien sie aus der Tiefe ihrer Seele zu kommen,' während es auf den goldenen Blumen wie frisch ' gefallener Thau schimmerte. Hastig stand sie auf und sagte beschämt: Verzeihen Sie, lieber Vetter, ich hätte nicht so offen mit Ihnen reden und meine Thorheiten für mich behalten sollen, aber es gibt Augenblicke, wo man nicht anders kann, da muß man sich betäuben, muß Unsinn schwatzen, um nicht vor Verzweiflung zu Grunde zu gehen." ' Das letzte Paar hatte soeben den Wintergarten verlassen, und da die Gegenwart Fremder Sylvie nun keinen Zwang mehr auferlegte, ließ sie sich auf ihren Stuhl zurücksinken und brach hinter ihrem Fächer in leidenschaftliches Schluchzen aus. Ein gutmüthiger Mann läßt sich durch die Thränen einer Frau rühren, und da diese Frau Edmunds Gattin war, so erschien sie Gerbault des tief sten Mitleids werth, und er versuchte, sie nach besten Kräften zu trösten. Aber meine liebe Kousine, wie können Sie sich so niederdrücken lassen! Haben Sie denn noch so wenig Lebenserfahrung, daß sie auf ein wolkenloses Glück hoffen konnten? Welche Frau hat nicht ihre Enttäuschung durchzumachen? Wenn alle, die heute Abend hier sind, Ihnen ihre Leiden und So?gen anvertrauten " , Hastig ihre Thränen trocknend, unterbrach ihn Frau Dulaurier. Sorgen, Leiden, davor würde ich mich nicht fürchten. '-Ich wollte, ich hätte sie! Das wäre doch wenigstens etwas. Mein Unglück ist, daß ich eben nichts habe, rein gar nichts, weder eine Hoffnung, noch einen Lebenszweck, noch eine -Sorge. Begreifen Sie, was das heißt, mit vierundzwanzig Jahren ein leeres, völlig leeres Dasein vor sich zu haben und sich dessen bewußt zu sein? Sie werden mir antworten, daß ich dieses Dasein ja kannte, schon ehe ich es mir aufbürdete. Das ist allerdings wahr, und doch machte ich es mir damals nicht so klar wie jetzt. Ich wußte zwar, daß ich ein Opfer brachte, aber ich hielt es nicht für fo schwer, nicht für so entsetzlich schwer, sonst hätte ich nicht den Muth gehabt, es zu bringen." Warum aber thaten Sie es?" Vincent hatte dieses Warum nicht unterdrücken können, denn gar zu sehr verlangte ihn nach der Lösung dieses seltsamen Räthsels. Er hätte die Frage indeß nicht zu stellen brauchen, denn Sylvie fühlte selbst den Drang, ihre einmal begonnene Erklärung zu Ende zu führen. Warum?" fuhr sie heftig fort. Warum ich Edmund geheirathet habe? Das fragen Sie mich? Sie errathen es nicht? Welches ist denn der ausschlaggebende Grund von drei Viertel aller Heirathen? Jedenfalls doch nicht die Liebe! Nicht einmal der Eigennutz! Meistens heirathet man im Interesse andrer, um den Ehrgeiz seiner Eltern zu befriedigen oder ihren Untergang zu verhindern. Edmund brauchte eine Frau und mein Vater, Jemand, der ihm die Schulden bezahlte. Vor die Wahl gestellt, seine Stellung zu verlieren, oder das Glück seiner Tochter zu opfern, welche Entscheidung war da von ihm zu erwarten?" Daß der alte Mougin diese Wahl getroffen hatte, wunderte Vincent nicht im Geringsten. Deutlich konnte er sich die Kämpfe vorstellen,, die dieser Verbindung vorangegangen waren, . den Widerstand der Tochter, den auf sie ausgeübten Druck, ihre schließliche Ergebung und den darauf folgenden Ab scheu und Ekel. Ja, ja, das alles erklärte sich von selbst. Die lächerliche Figur, die Edmund heute Abend spielte, mochte Sylvies Abneigung noch die Krone aufgesetzt und sie unfähig gemacht haben, ihre Gefühle länger zu verbergen. - ' Mit gesenktem , Kopf, das Gesicht halb hinter ihrem 'Fächer verborgen, vollendete sie ihr Bekenntniß. . Bösartig ist Edmund ja nicht, er' war sogar auf seine Weise stets gut und freundlich gegen mich. Ich hatte mich an ihn gewöhnt wie an einen alten
Freund und' mir den Unterschied zwischen einem solchen und einem Gatten nicht genügend klar gemacht. Außer, dem war ich vor meiner Heilfach nie mit einem andern Manne zusammengekommen, mit dem ich ihn hätte vergleichen können." Wer war es wohl, den sie seither kennen gelernt, und der sie zu diesem tröstlosen Vergleich veranlaßt hatte? Bincent kam der Gedanke nicht, danach zu fragen. Edmund in der Achtung seiner Frau zu heben, das war jetzt vor allem seine Pflicht, und voll Eifer widmete er sich dieser schwierigen Aufgabe. Sie kennen ihn noch nicht genügend," begann er möglichst überzeugungsvoll. Als er noch Ihr Freund war, hatten Sie keine Gelegenheit, ihn kennen zu lernen, und erst als Gate fand er Gelegenheit, auch seine Fehler zu zeigen, denn die kommen bei ihm immer zuerst an den Tag. Es ist eine Folge seines linkischen Wesens, denn linkisch ist er, das gebe ich zu, aber das beeinträchtigt ja seine sonstigen guten Eigenschaften nicht, und für die kann ich einstehen, denn ich kenne thn von Kindheit an." Was sind denn das für gute Eigensaften?" fragte Svlvie. die großen Augen vertrauensvoll zu ihm aufschlagend, während Vincent nahe daran war, die Fassung zu verlieren. . Trotzdem fuhr er fort: Nun, eine Menge werthvoller Eigenschaften. Vor allem die Treue." Damit hatte er ja nun glücklich das ' Richtige gefunden, und ausführlich erging er sich über diesen Punkt. Seine unwandelbare Zuneigung für mich ist der beste Beweis für d'e Beständigkeit seiner ' Gefühle. Der arme Junge stellt Sie über alles, das müssen Sie doch auch schätzen, und auf dieser Grundlage läßt sich am besten bauen. Im Besitz seiner Liebe wird Ihnen nichts unmöglich sein, an Ihnen nur liegt es. ihn nach Ihrem Gefallen umzubilden. Schon , macht jich Ihr Einfluß fühlbar. Fahren Sie nur fort in Ihrer Aufgabe, da haben Sie ja dann Arbeit und Lebenszweck genug, und ich wette, noch vor Ablauf eines Jahres sind Sie die glückliche Gattin des von Ihnen erzogenen und umgewandelten Mannes." Ein Hoffnungsschimmer flog über Sylvies Gesicht. Sie glauben wirklich, daß man ihn erträglich machen könnte?" murmelte sie zweifelnd. Natürlich!" versicherte Vincent eifrig. Nun denn, da Sie so sehr an ihm hängen und ebenfalls nicht ohne Einfluß auf ihn sind, so helfen Sie mir dazu." Auf diese Bitte war Vincent indeß so wenig gefaßt, daß er unwillkürlich zurückwich. Helfen &k mir," wiederholte sie mit funkelnden Augen. Verwandeln Sie ihn, bilden Sie ihn nach Ihrem Ge schmack, nach Ihrem Ebenbild, wenn es möglich ist." Er hätte sich eigentlich geschmeichelt fühlen müssen, daß sie dieses Vorbild wählte; .statt dessen war er aber nur im höchsten Grade ärgerlich, sich in seinem eigenen Netze gefangen und in die unmögliche Aufgabe verwickelt zu sehen, die er Sylvie angewiesen hatte. Ich werde mein Möglichstes thun," stammelte er ziemlich verdrießlich, viel wird es freilich nicht sein." Doch, doch, im Gegentheil. Allein schon das Bewußtsein, Verständniß und Theilnahme bei Jemand zu finden, wird mich stärken." v . Sie war wieder ganz hingenommen von ihren schmerzlichen Gefühlen. Ihre Hand hatte, nach der Vincents gegriffen, und ihm war bei dieser Berührung, als theile sich ihm die Erregung der jungen Frau mit. - Mitternacht!" rief sie. sich plötzlich erhebend. Das neue Jahr!" Deutlich hörte man die zwölf Schläge von dem naheliegenden Kirchthurm herüberklingen. Das neue Jahr," wiederholte sie, das Jahr, das mir mit Ihrer Hilfe das Glück bringen soll." Fest drückte sie Vincents Hand, so fest, daß' er ihre spitzen Nägel durch die Handschuhe hindurch fühlte. Doch plötzlich ließ sie ihn mit einem heftigen Ruck los. Aufgeregt wie ein Hund, der seinen Herrn endlich wiedergefunden hat, kam Edmund erhitzt und mit fliegendem Zopf hereingestürmt. , Endlich! Ueberall habe ich Euch gesucht. Ha, Du Schlingel, versteckt hast Du Dich, um meiner Frau den Hof zu machen!" Diese Vermuthung, entzückte ihn. Seine gute Laune war zurückgekehrt, und Sylvie zärtlich an sich ziehend, sagte er: Na. Kleinchen, 's ist Mittnnacht, willst Du Deinem Männchen nicht ein glückliches neues Jahr wünschen?" Zwei schmatzende Küsse erscholken, dann wandte sich Edmund zu Bincent: Auch Du sollst nicht leer ausgehen, mein Jungchen. Möchte Dir ein gutes neues Jahr Geschieden sein!" rief er, Vincent in die Arme schließend. Aber er schien noch nicht befriedigt zu sein. Rasch, gebt Euch einen Kuß, alles küßt -sich ja heute." .. Es war das zweite '.Mal,.' daß er Sylvie in Vincents Arme stieß, und zum zweiten Male sah der junge Mann diese seltsamen Augen sich in den seinigen spiegeln, diese jetzt voll entfalte ten. goldenenBlumen, die ihren Glanz oder ihr,' Gift bis in sein Innerstes zu schleudern schienen. , , . Der Firlefanz ist noch immer nicht zu Ende," fuhr Edmund fort,' sie bereiten noch neue Ueberraschunaen vor.
Kommt schnell, damit wir die Gelegenbit nicht wieder verpassen." , . i Er zog die Beiden. mit sich durch die sich leerenden Räume nach dem Tanzsaal, wobei Vincent Estelle am Arm eines Neapolitaners und Germaine in Begleitung eines Derwisches entdeckte. Die beiden jungen Mädchen gehörten jetzt zu den gefeiertsten Damen des Festes; die Herren umschwärmten sie, und wäre die Würde einer Vallkönigin nicht außer Mode gewesen, so hätte man die Beiden sicherlich als solche erklärt. Ein fröhliches Prosit Neujahr!" aus Estelles Munde traf im Vorübergehen Vincents Ohr. - Die arme Kleine! Wie viele Jahre mochten ihr noch beschicken sein? Und was mochte ihr und all den andern hier das so übermüthig begonnene Jahr bringen? " Neue Aufführungen und Tänze verscheuchten bald die trüben Gedanken. Die ausgelassene Stimmung der, Gäste steigerte sich und schien auch den jungen Herold anzustecken. Vergebens hatte er seine erregten Sinne zu beruhigen versucht, ihm blieb nichts übrig, als sich wie alle andern vom Strudel des Festes mitreißen zu lassen. An Nachhausegehen dachte er längst nicht mehr. Er tanzte wie der jüngste Leutnant; ob brünett oder blond, ob Königin oder Blumenmädchen, er wollte es mit allen Tänzerinnen versuchen und dabei erproben, ob die eine oder andre im Stande se die tiefen" irnb so verschiedenen Eindrücke zu verwischen, die er von seinen früheren Tänzerinnen erhalten hatte. Doch nein die kleine Schäferin und Carmen, diese beiden allein füllten seine Gedanken ans. sie allein suchte er überall. ' Kotillon: Nun kam wieder etwas Ordnung in das Gewirr des Tanzvergnügens, so daß eher eine Möglichkeit vorhanden war. Bekannte zu 'finde,. Von Weitem entdeckte Vincent die düstere, ansehnliche Gestalt der Offizierswittwe. Im gleichen Augenblick aber durchzuckte ihn ein unangenehmes Gefühl, denn von Frau Lancelots schwarzem Kleid hob sich grell ein gelbes ab. Gleich zwei auf einsamem Ozean schwimmenden Schiffstrümmern hatten sich Edmund und die Offizierswittwe schließlich am' selben Ufer zusammengefunden, und Beide entschädigten sich jetzt für das ihnen auferlegte lange Schweigen, indem sie sich auf's Lebhafteste unterhielten. Eine Kotillonfigur hatte Vincent an's andre Ende' des großen Saales geführt, und als er auf seinen Platz zurückkehrte, bemerkte er, daß Sylvie sich neben Estelle gesetzt hatte, die ausruhte, und daß diese wahrscheinlich noch immer bestrebt, ihr der jungen Fw angethanes Unrecht gut zu machen sich freundlich mit ihr unterhielt. Allein sie sah müde und angegriffen aus, und Vincents Unbehagen wuchs. . - Noch eine Kotillonfigur! War die Phantasie des , vortanzenden Artillerieoffiziers denn unerschöpflich? Eine hübsche. Elsässerin steckte eine flatternde Vandsch leise an die schon überreich geschmückte Brust des Herolds, denn auch er war eine gefeierte Persönlichkeit geworden. Noch ein stürmischer Galopp bis an'S Ende des großen Raumes. Dann aber gab es plötzlich einen Stillstand, die Paare verwirrten sich, selbst der Vortänzer hatte seinen Platz verlassen. Was gibt es?" fragte man. O nichts, ein junges Mädchen ist in Ohnmacht gefallen." Von dumpfer Ahnung ergriffen stürzte Vincent davon. Ja, ja, sie war es. Blaß und unbeweglich lag die arme kleine Prinzessin von Lamballe in Germaines Armen. Das reizende gepuderte Köpfchen hing matt zur Seite, und die noch vor Kurzem so lebhaften kleinen Füße lagen unthätig auf dem Boden. Lieblich und rührend wie ein todtes Vögelchen war sie anzuschauen, und Vincent, der sich diesen Anblick so oft schon im Geiste vorgestellt hatte, fühlte, nun er ihn plötzlich in Wirklichkeit vor sich sah, wie sich sein Herz schmerzlich zusammenzog. Germaines gequältes Gesicht schien einen ähnlichen Gedanken widerzuspiegeln, wahrend sie wie zu ihrer eigenen Beruhigung versicherte: Es ist nichts Schlimmes, nur ein kleiner Ohnmachtsanfall." Schon öffnete Welle die Augen. Es ist nichts,"' flüsterte man sich gegenseitig zu. Ein Spanier hatte In aller Eile ein Riechfläschchen herbeigebracht, ein Roland öffnete das Fenster, und Sancho Panza fühlte den Puls. Alle diese, theils der Geschichte, theils dem Märchen, dem Roman oder der Phantasie angehörenden Gestalten, dre so plötzlich in die Wirklichkeit zurückgerufen worden waren, boten ein seltsames, zugleich lächerliches und schauerliches Bild. ' Vincent kamen die Kostüme plötzlich abgeschmackt und verblichen, die Gesichter übernächtig vor. . , Nach kurzer Zeit schon war Estelle wieder hergestellt,- Ganz beschämt, die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gezogen zu haben, stammelte sie: Ich weiß nicht, was mit mir war,, . Ganz plötzlich kam es über mich. Zum Glück ist es ebenso rasch wieder vergangen." , Fühlen Sie ' sich wirklich wieder ganz wohl?" fragte Sylvie theilnehmend. , So ganz wohl mußte sich indeß Esielle doch noch nicht fühlen, denn sie war sehr blaß. Ich möchte nach Hause gehen," murmelte sie. ':
Vincent bot ihr den Arm, an den sie sich 4vie hilfesuchend' anklammerte, und erst draußen, während Germaine und Frau Lancelot sie in ihren Mantel hüllten, begann sie wieder: O wie dumm von mir! Ich habe Euch alle erschreckt, und so ganz ohne Grund, denn mein Unbehagen ist jetzt vollständig vorüber. Ich möchte am liebsten weiter tanzen." Ein Sei'fzer des Bedauerns begleitete ihre Worte, und nachdem Vincent sie in den rasch herbeigeholten Wagen gehoben hatte, sagte sie: . Lassen Sie sich nicht länger aufhalten, Herr Hauptmann, gehen Sie rasch wieder hinauf." Nein, ich danke, gnädiges Fräulein, auch für mich ist das Fest jetzt zu Ende." Dann , fahren Sie doch lieber gleich mit uns nach Hause," schlug Frau Lancelot vor, deren Entschlossenheit an diesem Abend gänzlich versagte, so daß ihr eine männliche Stütze nicht unerwünscht zu sein schien. (Fortsetzung folgt.)
Ein dringender Wunsch ver ameri kanischcn Polen. Die überaus zahlreichen orthodoxen polnischen Katholiken der Ver. Staaten haben an den jetzigen Papst eine Eingabe gerichtet, worin sie ihn bitten, bei passender Gelegenheit dahin zu wirken, daß auch sie im katholischen Episkopat dieses Landes vertreten sind. , Die Sache ist auch für die weltliche deutsch-amerikanische Presse von Wichtigkeit; denn keinem guten DeutschAmerikaner, gleichviel welchem religiosen Glauben er angehört, kann es gleichgültig sein, was für eine Machtstellung die zahlreichen deutsch-ameri-kanischen Katholiken innerhalb ihrer Kirche einnehmen und wie sich ihrVerhältniß zu den anderen Nationalitäten innerhalb dieser Kirche gestaltet. Natürlich berührt die Polenfrage innerhalb der katholischen Kirche die ses Landes auch die Rechte der deutsche amerikanischen Katholiken. Die Poleneingabe an den Papst betont die große Zahl der polnischen Katholiken dieses Landes, ihren werkthätigen Glaubenseifer und weist darauf hin, , daß es nur gerecht wäre, wenn in einer Diözese mit überwiegend. polnischer Bevölkerung ein erledigter Bischofssitz mit einem Polen besetzt und in anderen viele Polen enthaltenden Diözesen dem Bischof auch ein polnischer Generalvikar beigegeben würde. - , ' Unser Chicagoer Bürgermeister Harrison, welcher ein Protestant ist, fühlte sich im Anschlüsse an die oben besprochene Polenpetition gedrungen, in einer zunächst an einen hervorragenden polnischen Katholiken dieser Stadt, den Stadtanwalt Smulski, gerichteten, von ihm selbst und dem Stadt-Clerk Ben der unterzeichneten, für den Papst bestimmten Zuschrift dieStärke der amerikanischenPolen zu bezeugen; er schätzt dabei die Zahl derjenigen Bewohner Chicago's allein, die von polnischer Geburt oder Abstammung sind, auf 250,000; und im lateinischen Text fernes Zeugnisses hecht er: Carter H Harrison. Praefectus Civitatis Chi cago. Zwischen den Polen und den Deut schen dieses Landes bestehr im Allge meinen ein viel freundlicheres Verhältniß. als es zwischen den beiden Nationalitäten gegenwärtig inDeutschland der Fall ist; - und nicht wenige Pmen hierzulande lassen ihre Kmde auch im Deutschen unterrichten. Während die irisch-katholische Presse Amenka's sich allgemem - ablebnend gegen den an den Papst gerichteten dringenden Wunsch der amerikanischen Polen verhielt und auch der von eng-Ilsch-amerikamschen Kathonken beemflußte Theil der Presse nichts für die Polen that, sprach ihnen em großer Theil der deutsch-amerikanischen,katho-lischen Presse ihre Sympathie aus. erkannte den Wunsch dieser Polen, in der Hierarchie der katholischen Kirche des Landes eine angemessene Vertrehing zu erhalten, als berechtigt an und unterstützte ihn, . ' Was hiesige Vischofswahlen betrifft, so gehen sie bekanntlich keineswegs unmittelbar vom Papste aus, sondern die Diözesen - Geistlichkeit selbst und Bischöfe dieses Landes machen Vorschlägeund derPapst hat nur unterden Vorgeschlagenen die endgültige Auswahl zu treffen. Aber eine päpstliche Erklärung zu Gunsten eines Anrechtes der Polen würde natürlich eine mächtige Wirkung in der Sache ausüben. Natürlich müßte bei Erfüllung des gerechten Wunsches der Polen "lede Benkchtheiligung der deutsch-amerika-nischen Katholiken vermieden werden; die Vertretung, welche si e gegenwär tig in den höheren Kirchenstellen haben, entspricht ihrer' Zahl und ihrer Bedeurung noch keineswegs; und gerade auch den amerikanischen Polen liegt nichtferner als eine Benachtheiligung ihrer deutsch-amerikanis chen Glaubensgenos -sen bei Erfüllung ihres eigenen Wunschesnach einem Vertreter im Rathe der katholischen Bischöfe dieses Landes und nach einem polnischen GeneralVikar in. denjenigen der amerikanischen Bisthümer, in denen viele Polen find, wie es ja auch deutsche Generalvikare giebt. ' ' Im amerikanischen Episkopat ist das Irisch- und das Englisch-Ameri-kanerthum im Verhältniß zu einigen anderen Nationalitäten immer noch zu stark vertreten.
Feuer - Signale,
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ZU Hoivard und 1. 16 orbet und Paca 316 Capital Ave und i 817 Northwestern Ave u 818 Gent und 13. 819 Canal und 10. 824 Cerealine Works 824 Vermont und Lynn 325 BiSmareZ u GrandiNetT 826 No. 2 Spritzenhaus Haughville. 827 Michigan u. Holme, , 828 Michigan u. Conrord 841 Weft und McJntyn 412 Missouri u. Maryland 413 Mssouri und fZhio 415 Capital AveLeorgia 416 Missouri entuckyZl. 417 Senate Ave n. Wash. 421 P und E ntrnfcfcauS W. Washington. 42 Jrren-Hospital. , 424 Miley Ave u. I DB 426 Wash und Harr 426 Ro. 18 Spritzenhaus W. Washington 427 Olwer und Birch 28 Olwer und Osgood 42 Siordhke und York 431 Hadley Ave u. Morris 432 River Ave u. MorriS 484 River Ave und Rah 436 Harding u. Big 4 R ? 43 Harding und Oliv 437 Ro. l Spritzenh? MorriS und Harbins. 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Signale. kste Schlag, zweiter Alarm, Zweiten Schläge, dritter Alan, Dritten Schläge, vierter Alarm. 1-2-1, Feuer aus und Schlauch aufgersA. Schlag, Wasserdruck ab. l Schläge, U Uhr Mittags Die so bezeichneten Signal werden nur boxt Xbnm dacht angegevk da an dm betreffende Strshe Keuzung keine AlannkSste angebracht sind. Chicago und der große Nordweft, dl - latta Hawaii Zlzilwdtne Insel. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. i?-Bon der Monon 47. Str. Station, -Chicago, nd nur 6 Minuten mittelst elektrischer nach ,en Union Biehböfen k'reod .Lick Springs, Indem Orange County Hochland. ffamIlien-Hotei unter neuer Geschäftsleitung. Pluto, Proserpine nd BowleS Quellen. Bestes Mineralwasser der Seit. Zwei Züge täglich via Greracaftle. Ticket-Officen : Union Station, Massachusetts ve und LS West Washington Straße, i R.P.Alge,, Distrikt Pass. Agent. Indianapolis, Ind. . '.H.McDoel,. E.H.Rockwell, . räs. und en. vigr. eir,koterr Frank J. Reed, en.Piff. Agent. Chicago. Jll.
