Indiana Tribüne, Volume 27, Number 220, Indianapolis, Marion County, 7 May 1904 — Page 7

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w osöene sxtwen N N K tt (Fortsetzung.) Diesmal aber hatte er sich getäuscht. Nicht das Kostüm an und für sich war bewundernswerth, sondern die Art, wie , es getragen wurde: die vollkommene Verschmelzung zwischen Persönlichkeit und Tracht. Man hatte überhaupt nicht den Eindruck einer Verkleidung, im Gegentheil, der tägliche Anzug der jungen Dame würde viel eher wie eine Maskerade ausgesehen haben. Unter dem hoch aufgesteckten, gepuderten Haar wiegte sich auf langem, schlankem Schwanenhalse ein entzückendes Köpf- ; chen, das einem alten Pastellbild entlehnt zu sein schien. Ein zartes Fichu aus Mull verhüllte die abfallenden Schultern und kreuzte sich über einem faltigen, aber anschmiegenden Mieder aus blauer, mit weißen Blümchen durchwirkter Seide, während der Rock aus gleichem Stoff sich weit um die ; Hüften bauschte und seiner Trägerin den Charakter majestätischer Hoheit j verlieh, der sich so gut mit der Anmuth verbindet. Die Prinzessin von Lamballe!" sagte Vincent zu sich selbst, und erst als er die reizende Erscheinung auf sich zukommen sah, entfuhr es ihm: Mademoiselle Estelle!" Betroffen starrte er sie an. In der That schien Estelle sich darin gefallen zu haben, ihre Ähnlichkeit mit der unglücklichen Prinzessin durch ihr Kostüm zu betonen, und zwar gelang ihr dies in solchem Matze, daß Vincent sie einen Augenblnk betroffen anstarrte. Allein bald wurde dieser Eindruck durch einen neuen verdrängt. Mademoiselle Germaine!" Hinter der Prinzessin von Lamballe erschien eine ihrer Zeitgenossinnen, zwar von bescheidenem, aber nicht minder anmuthigem Aeutzern. In ihrem geblümten Kattunrock, der rosenfarbenen Seidenschürze und dem graziös auf dem blonden Haar sitzenden SpitzenHäubchen brauchte die kleine Schäferin die vornehme Dame durchaus nicht um ihren Puder und ihre Falbeln zu beneiden. Meine Damen, ich bin entzückt!" rief der Herold, sich tief verneigend. In diesem Augenblick trat auch Frau Lancelot in einfachem Gesellschaftsanzuge heran, betrachtete Vincent einen Augenblick mißtrauisch und rief dann freudig überrascht: Der Herr Haupt, mann!" Und ohne Weiteres, so wie ein Ertrinkender seinen Retter umklammert, ergriff sie seinen Arm und schüttete ihm voll Eifer ihr Herz aus. Nein, das ist wirklich zu arg! Ich erkannte Sie wahrhaftig nicht gleich. In was für ein entsetzliches Gewirr haben mich diese Mädchen geschleppt. Man weiß ja nicht mehr, wo man ist, noch wen man vor sich hat. Zeigen Sie mir wenigstens, wo die Hausfrau ist, denn wie soll ich sie in dieser Mummerei herausfinden. Sprechen Sie. wohin muß man sich zuerst wenden?" In Massen strömten jetzt die Gäste herbei, und da Vincent sich nun nicht länger im Verborgenen aufhalten, auch wohl auf das Erscheinen der Dulauriers nicht mehr rechnen konnte, so ließ er sich von Frau Lancelot fortziehen und strebte, der Prinzessin und der Schäferin folgend, durch die stets wachsende Menschenmenge der Thüre des großen Empfangssaales zu. Nur wenige Schritte trennten ihn noch davon, da legte sich plötzlich, ohne Rücksicht auf die nothgedrungen damit verbundenen Rippenstöße, eine schwere Hand auf seine Schulter, und eine ihm leider gar zu wohlbekannte Stimme rief: Ha, dieses Jungchen! Da sieh mal einer an, wie hübsch er uns im . Stich läßt!" j Frau Lancelot wandte sich um, ; ebenso alle andern Zuhörer und ein lustiges Kichern ließ sich ringsumher vernehmen. Vincent dagegen stand wie erstarrt angesichts der neuen Ueber- j raschung. Edmund im Maskenanzug! Edmund als Phantasiemandarine mit ' einem anderthalb Meter langen, bis auf die Fersen hangenden Zopfe, in einem seinen Schmeerbauch eng umschließenden Kleid aus gelbem Glanzperkal, einen aufgespannten Sonnenschirm über der Schulter, und darunter alles, nur kein heiteres Chinesengesicht, sondern die zornigste Miene der Welt. Es war ein Anblick, der einer, zum Tode Verurtheilten zum Lachen hätte bringen können, und Estelle kämpfte bereits mit einem heftigen Lachanfall. Zum Glück wurde in diesem Augenblick die Aufmerksamkeit durch eine klare Stimme abgelenkt, die sagte: ,Unser Vetter hätte eigentlich das Recht, uns Vorwürfe zu machen, denn wir haben uns verspätet." Vorwürfe, Ihnen, liebe Kousine? Niemals. Der Erfolg zeigt, wie gut Sie Ihre Zeit angewandt haben." Zum ersten Male war Vincent froh. daß Edmund eine Frau hatte. Sylvie rettete das Ganze. Von allen Verwandlungen, die er heute beobachtet hatte, war keine entschiedener und vortheilhafter, als die der jungen Frau DUlaurier. Ein kirscbrotber Rock, ein mit aoldcnen

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ZZoman von CSthampoI JLT t I'V Grelörs verziertes kurzes 'Sainmtjackchen über emem weißen Mullhemd. rothe 'Nelken im schwarzen Haar, die großen Augen, dte ihr ganzes Feuer ausstrahlten und all die Lust und Freude ringsum in sich einsaugen zu wollen schienen, weit geöffnet mehr hatte es nicht bedurft, um aus Sylvie Mougm eme Vollblutspamerm zu machen. Earmen!" rief Vincent wie geblen det. Ja, Earmen, meinetwegen " Zu längerem Gedankenaustausch blieb keine Zeit, denn schon hatte man den Saal betreten, und gleich einer sich entblätternden vielfarbigen Pfingstrose zerstreute sich die bunte Menge in die benachbarten Räume. Mit vieler Mühe brachte Vincent die durch die Musik vollends ganz verwirrte Frau Lancelot bis zu der dicken, behäbiaen Frau Rollin, einer einstigen Schönheit von Bordeaux, der die üppige Tracht einer Odaliske Gelegenheit bot, ihren ganzen Reichthum an Brillanten zur chau zu stellen. . An uns denkst Du natürlich wieder Nicht, nes der mißtrauische Edmund. Mach rasch, stelle auch uns vor!" Die von ihrem Triumph und von der Anstrengung etwas erschöpfte Frau Rollm war vielleicht die einzige, wel eher der Anblick des Chinesen keine spöttische Bemerkung entlockte. Vincent aber überließ ihn nun seinem Schicksal und forderte nach kurzem Zogern und einem mit Germaine ausgetauschten Blick die Prinzessin von Lamballe, deren Füßchen sich kaum mehr bändigen lassen wollten, zum Tanze auf. Ah, es geht doch nichts über das Tanzen!" rief sie, sich sofort in den Wirbel eines Walzers stürzend. Wenn man so gut tanzt wie Sie, allerdings." Ohne Ziererei nahm sie die Schmeichelei an. Ich konnte von jeher tanzen, obwohl ich nur wenig Gelegenheit hatte, es zu üben. Dies ist nämlich mein erster Ball denken Sie doch nur. mit achtzehn Jahren! Und wie viel Mühe hat es mich zudem gekostet, 'Germaine dazu zu überreden! Sie meinte, es würde mir zu heiß werden. Aber Wärme thut mir ja gerade gut, Wärme ist Leben!" Hatte sie sich geschminkt, oder waren es Fieberflecke, die auf ihren Wangen brannten? Jedenfalls sah sie reizend aus, und für den Augenblick war sie ja auch glücklich und anscheinend im besten Wohlbefinden. Gleich einer Sylphide kaum den Boden berührend, flog sie dahin, dabei unaufhörlich plaudernd und scherzend. Wie freue ich mich, daß Sie unsre Kostüme hübsch finden, denn Sie sind eine Künstlernatur, sagt Germaine, und sie ist es auch. Mir wäre niemals der Gedanke an Großmamas altes Kleid gekommen, das Germaine für mich zurechtgemacht. Ich hatte einen andern Plan: als Schwalbe wollte ich erscheinen. Ich habe die Schwälöchen so gern, nicht nur wegen ihrer Zierlichkeit, sondern weil es sehr vernünftige Thierchen sind: wenn es kalt wird, ziehen sie in warme Länder, wo sie die Sonne finden, die sie zum Leben brauchen.. Das Kostüm wäre sehr hübsch gewesen, obgleich Germaine behauptete, die Flügel würden mich hindern ich glaube eher, sie fürchtete, ich konnte ihr davonfliegen." Sie scherzte, aber ihr Scherz fand keinen Widerhall bei ihrem Tänzer, der Germaines Besorgniß wohl begriff. Plötzlich nachdenklich geworden, fuhr Estelle fort: Sie halten mich gewiß für recht kindisch, Herr Hauptmantt, weil ich an allem so stürmischen Antheil nehme, allein ganz so schlimm, als Sie vielleicht denken, ist es nicht. Ich bin nur sehr haushälterisch mit meiner Zeit und bemühe mich, alle kleinen Glücksblümchen, die ich auf meinem Wege entdecke, zu pflücken. Allzu viele hab' ich bis jetzt freilich nicht gefunden, und wer weiß, was die Zukunft bringt!" Sie tanzte noch immer, aber ihr gepudertes' Köpfchen neigte sich träumerisch zur Seite. Ob sie wohl in diesem Augenblick, wie die Prinzessin von Lamballe bei der Betrachtung von Marie Antoinettes rothem Halsschmuck, irgend ein düsteres Gespenst im Nebel kommender Zeiten bemerkte? Doch lange an einem Gedanken zu haften war be! dem lebhaften Treiben im Saal unmöglich, und jede neue, Erscheinung wurde von Estelle entweder mit einem verwunderten Ausruf, einer Frage oder mit hellem Auflachen begrüßt. Plötzlich sagte sie: Ihre Kousine ist als Carmen hier. Ich habe zwar schon verschiedene Arien aus der Oper Carmen gesungen, allein der Handlung selbst erinnere ich mich nicht mehr genau. Carmen war doch eine Zigeunerin? Ja, ja, richtig. Ihre Kousine ist aber viel zu hübsch für eine Zigeunerin. Warum haben Sie mir nicht gesagt, daß sie so hübsch ist?" Weil ich es früher nie bemerkt hatte," erwiderte der Hauptmann der Wahrheit gemäß. Ihm war, als beobachte ihn Estelle mit einer Art besorgter Neugierde, indem sie hastig forttobt:, Ich will nicht sagen, daß Frau

Dülauriers Gesicht zu denen gehört, die

man gern betrachtet, wie zum Beispiel das Germaines, aber sie ist trotzdem hübsch. Mit diesen Augen ist es ja auch kaum anders möglich. Sie müssen nämlick wissen, ick babe vorbin auch so etwas wie goldene Blumen oarrn oemerit. . Esielle sprach leicht und mit heiterem Lächeln. Sie hatte augenscheinlich ihre Befürchtungen und düsteren Ahnungen von neulich abgeschüttelt, ja, es war fast, als bereue sie ihre Aussprüche und gebe sich alle Muhe, sie zu verwiIchen. Die junge Frau schein! auch sehr liebenswürdig zu sein.", fubr. sie fort. und ihr Kostüm ist wirklich geschmackvoll, was man freilich von dem ihres Gatten nicht behaupten konnte." So plauderte sie weiter, bis Bin cent sie an ihren Platz zwischen Frau lancelot und Germaine zuruckfubrte. Gänzlich fremd in der Gesellschaft, da sie eigentlich nur mit Germaines fchon bejahrten Verwandten verkehrten, kümmerte sich auch Niemand weiter um die Damen. Frau Lancelot begann die Äernacyiafsigung bereits unliebsam zu empfinden, wogegen Germaines heiterer Gleichmuth nicht davon berübrt wurde. Sie war zu klug und sich ihres eigenen ÄZeriyes zu gut bewußt, um Gewicht auf einen gesellschaftlichen Erfolg zu legen, und zugleich zu anspruchslos. um ficy nicht an dem zu erfreuen, was sich ihrem Auge darbot. Freundlich hatte sie .Vincent Gerbaults Aufforderung zu der eben begonnenen Quadrille angenommen. Auch sie tanzte aut. wenn auch nickt mit der sylphidenhaften Leichtigkeit uneues, und obwohl auch sie gerne plauderte, so bewahrte sie dabei dock stets eine gewisse .uruckbaltuna. ?kbre ernste Natur ließ sich nicht ganz vom vergnügen fortreißen. Immer wieder beobachtete Vincent, daß ihr Köpfchen sich während der Tanzfiauren mit steter Fürsorge nach ihrer kleinen Freundin umwandte. Offen gestand sie: Ich möchte- so gern, daß Estelle sich gut unterhält! Wie Sie gewiZ errathen haben, sind wir nur ihretwegen hergekommen." Und warum nicht m Ibrem eiaenen Vergnügen, Fräulein Germaine? Warum wollen Sie immer die Großmutter spielen?" Du lieber Gott " saate sie. nachdem der Tanz sie einen Augenblick getrennt geyavt yatte, der Geschmack richtet sich doch nicht immer nur nach der 3afil der Jahre, fondern auch nach den Umständen. Ich habe bis zetzt weder Zeit noch Lust gehabt, mich zu Unterbalten. Mein Platz ist vor meinem kleinen Arbeitstische; im Ballsaale fühle ich mich nicht so recht zu Hause, was mich übrigens nicht bindert, daß es mir ausnahms weise hier ganz gut gefällt." Prüfend blickte der Offizier um sich. Wie viele hätten sich mit weit mebr Grund hier nicht an 'ihrem Platze fühlen können, manche wieder schienen freilich ganz in ihrem Element zu fein. Bei kein:r von alle'.i vermochte er die Einfachheit und Frische zu entdecken, die Germaine auszeichneten, dieses reizende Gemisch von Bescheidenheit und Stolz dieses vollkommene seelische Gleichgewicht, das wohl den Hauptreiz ihrer Persönlichkeit bildete. Eine sanfte, kluge, hingebungsvolle, jeder Lage gewachsene Frau wie diese wäre das nicht die beglückende Lebensgefährtin in guten und bösen Tagen, die beste Freundin, mit einem Wort: das Ideal eines Weives? Wie eine Bombe platzte dieser Gedanke im Kopf und Herzen des Herolds, während er als cavalier seul vorgehen mußte. Was hatte diese plötzliche Explosion veranlaßt? War sie lange schon vorbereitet, oder hatten die berauschende Umgebung, der Blumenduft, die schmachtenden Töne der Musik, die von Poesie und Schönheit geschwängerte Luft ihn einen Augenblick der Wirklichkeit entrückt? Wie dem auch sein mochte, die Katastrophe war eingetreten wenn man das Ereigniß überhaupt eine solche nennen will. Vincent dachte nicht darüber nach. Ein unbewußtes Glücksgefühl schwellte ihm die Brust. Ewig hätte er die Schlußsiguren , dieser Quadrille weiter tanzen, immer wieder seine Schäferin auf sich zukommen sehen mögen. Und als der Tanz zu Ende war, da hielt er Germaine seiner selbst kaum mächtig so fest im Arm, als sei sie bereits sein sicheres Eigenthum. Erst Germaines geschickte Bewegung, mit der sie sich losmachte, brachte ihn wieder zur Besinnung. O verzeihen Sie. gnädiges Fr'äulein," stammelte er, indem, er sie an ihren Platz zurückführte, oder vielmehr sich von ihr führen ließ. . Die Lust zum Tanzen war Vincent jetzt vergangen. Er sehnte sich hinaus aus diesem Mummenschanz, denn er bedürfte der Sammlung, um zu ergründen, 'wie bte!. Nach der Rückkehr in's Alltagsleben von seinen süßen Träumen noch übrig bliebe. Die mucht war aber ein Dina der Unmöglichkeit. Kaum batte er ftck von einer Gruppe befreit, so sah er sich von teuern gefangen. Eine bunte Schaar Pagen, edmnen, Grenadiere. Zigeuner, unter ihnen auch Sancho Panza, umringten und bestürmten ihn. schlechter' Kamerad Eüoist Schwerenöther! Wer sind die reizenden tarnen, mu denen Du aetamt kalt? Beim Aldebaran, dem Stern der Zigeuner. Du sollst sie nicht für Dich

allein behalten! Da sie sonst Niemand hir kennt, mußt Du uns ihnen vorstellen." t,Ja, ja, mit Vergnügen." Vincent, dem heute überhaupt die Rolle des Vorstellens zufiel, machte kehrt, und als Frau Lancelot ihn mit feinem Kometenschweif zurückkehren sah. hellte sich ihre trübselige Miene sofort auf. Als dann die Tänzer ihre Namen auf die Tanzkarten der beiden jungen Mädchen geschrieben und die Zuerstgekommenen Estelle und Germaine entführt hatten, sagte die mit Gerbault zurückgebliebene gute Dame, nur mühsam ihre Rührung belämpfend: Herr Hauptmann, was Sie da eben gethan haben, war sehr nett von Ihnen. Meine armen kleinen' Mädchen! Ich hatte solche Angst, man werde sie nicht beachten. Sie haben sich auch

hierbei wieder benommen wie ein echter Soldat. Und noch eines: wenn Sie Ihrem Edelmuth die Krone aufsetzen wollen, fo fuhren Sie mich zum Büffet, Ich sterbe vor Hunger und von diesen ungelchtiffenen Civilisten ist es natürlich keinem eingefallen, mir auch nur ein Butterbrotchen anzubieten. Gerbault war eben im Begriff, diefes Vergehen gründlich gut zu machen, als sich plötzlich die Büffetthüren schlossen. Das Orchester verstummte, die Tanzer hielten mne und Beauftragte der Frau Rollin verkündeten eine beginnende Aufführung. Diese bestand aus drei geschichtlichen Tanzen und Menuetts und bildete den Höhepunkt von Frau Rollins Triumph, wie des Festes überhaupt. Doppelt groß war aber nach deren Schluß de Andrang zum Büffet. Trotzdem aelang es dem Offizier, der guten Frau anceiot die ersehnte Stärkung zu der schaffen, und dankbar verabschiedete sie dann ihren Ritter. Allein er schien entschieden an diefern Abend nicht vom Glück begünstigt zu sein, denn kaum hatte er drei Schritte gemacht, so stieß er auf den Chinesen. Dieser befand sich in der denkbar schlechtesten Laune, die er auch ungescheut zur Schau trug. Eine hübsche Gesellschaft, in die Du uns da geschleppt hast?" donnerte er los, nachdem er Vincent gezwungen hatte, sich zwischen ihn und Sylvie an einen Tisch zu setzen. Ich gratulire Dir zu Deinen Freunden! Wahre Bauernlümmel. Weißt Du, was man sich erlaubt hat, uns anzuthun? Er sah so unendlich komisch aus in dem gelben Kleid mit dem baumelnden Zopf, daß Vincent große Mühe hatte. seine Klagen mu ernster Miene anzu hören. Eingeschlossen hat man uns, dort drin beim Büffet, aus Unachtsamkeit, weil ich, der ich nicht gewohnt bin, mich Herumkommandiren zu lassen wie hr Kasernenmenschen, mich nicht verpflichtet gefühlt, hatte, blindlings dem Befehl zu folgen, sondern als freier Mann m Ruhe meinen Hummer vollends der zehrte. Und nun haben wir nichts gesehen, weder vom Menuett, noch von den übrigen Tänzen. Wozu lädt man uns denn ein, wenn man uns doch nur als Parias behandelt? Keinem Menschen ist es eingefallen, sich unfer anzunehmen und meine Frau zum Tanze aufzufordern, selbst Dir nicht. Aber dazu ist ja noch immer Zeit." bemerkte Vincent. Gestatten Sie, liebe Kousine." Es half nichts, auch diese Last mußte er noch auf sich nehmen. Dann aber. fo nahm er sich ernstlich vor, sollte ihn nichts mehr hindern, sich mit aller Entschicdenheit diese unangenehme Gesell schaft' vom Leibe zu halten. Zuerst wollte er Sylvie so weit als möglich fortführen, um sie nach beendigtem Walzer einem andern Tänzer zu überlassen, dem dann die Aufgabe zufiele, sie ihrem rechtmäßigen Besitzer zurückzuerstatten. Schweigend hatte Sylvie semen Arm angenommen. In der vcatjt des Wintergartens an der andern Seite des Saales fragte Vincent: Ist es Ihnen gefällig?" Oja." Sechsschritt oder Schleifwalzer ?" Wie Sie wollen." Mit ruhiger, gleichgiltiger Miene sah Sylvie zu Boden. Wie lästig!" sagte Vincent, dessen Gedanken fern von seiner Dame weilten, ärgerlich zu sich selbst, abgesehen davon, daß sie wahrscheinlich wie ein Holzklotz tanzt!" Hierin tauschte er sich indeß. Schon nach den ersten Schritten war er auf's Höchste überrascht. Sylvie Dulaurier tanzte durchaus nicht wie ein Holzklotz, aber auch nicht wie Estelle oder Germaine oder ein andres junges Mädchen. Es war. als habe sie zugleich mit dem Kostüm auch Carmens wilde Lebhaftigkeit und glühende Leidenschaft entlehnt. Nicht er war mehr der Fuhrer. sondern sie zog ihn mit sich fort, und obwohl Vincent als der beste und ausdauerndste Waizertanzer seines Regiments bekannt war, so ging ihm doch allmalig der Athem aus. .Smd Sie noch nicht müde? fragte er. Nein." Diese leise, balberstickte Stimme. war das wirklick die Svlvies? Und ebenso seltsam berührten ihre folgenden Worte: Wäre ich doch müde! Aber ich glaube, so weit bringe ich es niemals. Matt und träge, ja das bin ich." Ist das nicht so ziemlich daffeioer ..Q nein. Sich ermüden, beint seine Kräfte bis zum Aeußersten anstrengen. erwas leisten; Mamgien aver in die Folge .von .trägem.. Nichtsthun, von

einem Dasein ohne Zweck" und Freude,

von einem Dasein, wie ich es führe. Heftig schüttelte sie den mit rothen Nelken geschmückten Kopf, dann sagte sie in plötzlich verändertem Tone: Aber ich will -heute nicht an das Alltagsleben denken; heute wenigstens darf ich es ja auf kurze Zeit vergessen. Haben Sie Dank, daß Sie das Opfer gebracht haben, mich zum Tanze zu holen, denn ich weiß sehr wohl, daß es ein Opfer für Sie ist." Wie können Sie glauben " Doch, doch, ich weiß es. Aber viel leicht ist es Ihnen weniger unangenehm, wenn Sie hören, welch große Freude Sie mir damit machen." Ich bin ja nur zu glücklich." Nein, nein, nur keine Komplimente! Es gibt nichts Faderes und Langweiligeres. Haben Sie übrigens nicht auch schon die Bemerkung gemacht, daß das Leben überhaupt langweilig ist, ganz besonders aber alles, was zu meiner Umgebung gehört?" Bestürzt schwieg der Offizier auf diese unerwartete Frage mit der deutlichen Beziehung auf feinen Vetter. Carmen aber brach in Lachen aus. Gestehen Sie es nur ungescheut ein! Glauben Sie, mir entgehe so leicht etwas? Die Männer freilich kennen keine Entsagung, "und wenn sie sehen, daß wir Frauen unser Loos schweigend ertragen, so halten sie uns viel lieber für blind und dumm, als für Philosophinnen." (Fortsetzung folgt.) Die Stcrbcflundc. Statistische Beobachtungen der ihre hängigkcit von der Tageözeit. d Es gilt als ein Erfahrungssatz, daß das Sterben der Menschen m einer ge winen Abhängigkeit von den Tagesstunden steht, und zwar soll nach dem allgemein verbreiteten Glauben die Zei zu Beginn und am Schluß des Tages, also die Dämmerung, für das Menschenleben besonders . verhängnißvoll sein. Ein Arzt hat schon vor geraumer Zeit genauere Untersuchung darüber angestellt und die Todesstunde von 3000 Personen verschiedenen Alters notirt. Es ergab sich, daß die meisten Todesfälle zwischen fünf und sechs Uhr Morgens erfolgt waren, die wenigsten zwischen neun und zehn Uhr Vormittags. Auch die Tageszeit zwischen zehn und drei Uhr ergab niedrigere Ziffern für die Sterblichkeit. Im Ganzen genommen entfielen die meisten Todesfalle auf die Stunden zwischen drei und sechs Uhr Morgens. Später hat der hervorragende Pariser Physiolog? Charles zsere die ??raae weiter unter sucht und die Sterbestunde der in den zwei größten Pariser Krankenhäusern verstorbenen Personen zehn Jahre lang aufzeichnen lassen. Dieser Forscher yar gefunden, daß der Tod zwischen fieven und eis Uhr Abends etwas fei tener einzutreten scheint als zu anderen Zeiten des Tages. Wenn die Zahl der Todesfälle sich in der ersten Stunde nach Mitternacht als besonders bock herausstellte, so war diese Thatsache vermuthlich auf den Umstand zurückzuführen, daß die um Mitternacht abtretenden Wärter ihren Nachfolgern mögncet L.i.i -..i-ii ".. r .i uuii uici --axoeu uoeriiefzen. cynewer in Berlin ist durch eine Erhebung an 57,000 Todesfällen wiederum zu dem Schluß gelangt, daß die meisten Menschen zwischen vier und sieben Uhr Morgens sterben und die Mehrzahl der auf wirklichen Untersuchungen begrünoelenÄNilchten stimmt mit diesem Satz uoerein. Gegen anstößige Drucksachen. Das Ver. Staaten-Postdepartement yat einen Feldzug gegen anstößige An zeigen und Geschichten, die in Zeitun gen erscheinen, eingeleitet. Dieses Vorgehen stützt sich auf Abschnitt 3893 der reoioirien Statuten, der Perfonen, welche durch die Post anstößige Druckfacyen verbreiten. Mit einer Geldbuße bis zu $5000 oder Gefängniß bis zu fünf Jahren belegt. Man hat die Absicht, dieses Gesetz so abzuändern, daß es aucy Anzeigen und andere Druckfachen gemeiner Art einschließt. Das Postdepartement hat schon mebreren Zeitungen, die fragwürdige Sachen enthielten, die Beförderung entzögen. Jetzt will das Departement auch gegen anstößige medizinische Anzeigen, die weit und breit veröffentlicht werden, zu Felde ziehen. Romantik in den Berg e n. Im Worflein Pfalzen im Taufererthale in Tirol unterkielten die Burschen Johann Platzer und Lorenz Pitzinger mit einem Mädchen ein Lievesverhaltmß. Kürzlich gab nun das Mädchen den beiden Burschen ein Blumensträußchen mit der Bestimmung, daß dasselbe demjenigen gehören solle, der aus einem Zweiringkampfe als Sieger hervorgehe. Die Burschen vollführten den Kampf, Sieger war Johann Platzer. Pitzinger, darüber ergrimmt und durch Eifersucht anqe stachelt, versetzte seinem Nebenbuhler einen Messerstich, worauf dieser zusammenbrach, sich jedoch bald wieder erhob und mit einem Knüttel auf Pitzinger loshieb. Dabei versetzte ihm dieser zwei weitere Suche und Platzer sank jetzt leblos zusammen. Der Thäter, 19 Jahre alt, wurde im elterlichen Hause verhaftet. I n A u st r a l i e n , mit einer Re genmenge von 10 Zoll im Jahre, ernährten 2 Acker Land höchstens 3 bis Schafe, bei Buenos Ayres mit 34 Zoll Regen gedeihen auf derselben rfV jf . ninn ftu - r - tfiacye uoer zöuu cyafe.

Feuer - Signale.

4 Pennsyw n Market : English'i Opern-Hau 1 East und N-W Dork 7 Noble und Michigan 3 N. Jersey u. Mag Ave Pine und Nvrth 0 Market und Pine 1 Vermont nahe East 2 Niz. S Spritzenhaus Maff. Ave nahe Noble ;3 Deware und Walnu . .Jerfcv u Central A. i6 Mast. und EornkllAve Afb ui;d 11. tratze 7 Park Ave und 12 Etr .3 Columbia und Hillfide 9 Highland Ave u. Pratt :i JllinoiS und St. Jo, 3 Pennsylv. und Pratt i Meridian und n. Str !3 No. 5 Spritzenhaus 15. nahe Jllino !6 Senate Ave .StElatr JllixoiS und Michigan 'S Pesylvania und 14. :s Senate Ave. und 13. '.1 No. 1 Spritzenhaus Ins ÄvenaheMichiga Meridia und Walnut '. California u Lermont Blake und New York is Ind. Av. u. St. Elatr 7 City Hospital ?3 Blake und Norty i9 Michigan und LgneS i No. 6 Spritzenhaus Washington nahe Weß Gsisendorf u Wash. 3 Missouri u New York Meridian u Wash i JllinoiS und Ohw !7 Capitol Av. u Wash Kmgan'S PorthauS iS Straßenbahn StSU W. Washington SU 51 No. 10 Spritzenhaus 169 Park Sv Wck 1 812 Capital Lve und 213 Pennsylv. u. Michiaa 14 JllinoiS und 2. 215 Senate Ave und 1. , 16 Pennsvlvania und 22, 17 Meridian und 16. 218 Capital Ave und 2 219 Broadway und 10. 231 Illinois und McLe 234 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und 30. 235 JMnois und 33. 936 Annetta und 8C 37 No. 9. Spritzend Udell und Rad 233 Udell Ladder Works 239 Jsabel und 27. 241 Meridian und 24. 4 Illinois u St. CIr 243 Eldridge und 23. L12 West uud Walnut 13 West und 12 14 Howard und 16. 315 Torbet und Paca 31 Capital Ave und IV 817 Northwestern Ave u 318 Gent und I. 19 Canal und 10. 24 Cerealine Work 824 Vermont und Lyn 25 BiSmarcku Grandvietl 26 No. 20 Spntzenhau Haughville. 27 Michigan u. HslmeS, S2S Michigan u. Concord 41 West und McJntyre 412 Missouri u. Maryland 413 Missouri und Ohw 41 Capital Ave-.Seorgia 416 Missouri u Kentucky S. 417 Senate Ave u. Wash. 421 P und E rund! W. Washington. 423 Irren-Hospital. 424 Miley Aveu.JDS 425 Wash and Harr 42 No. 13 SpritzenhauZ W. Washington 427 Ottvek und Birch 423 Oliver und OSgood 429 Nordhke und York 431 Hadley Ave u. Morril 432 Rwer Ave u. MorriS 434 SU ve und Siay 435 Hra i u. Big 4 3s 436 Hardtng und Oliv 437 No. 19 SpritzenhBZ MorriS und Lsrdina. wtMkiraiaf 489 StoÄyakdR 461 ReiSner und SOcfi 452 Howard und 453 MorriS und KsppS 5 Lanibert und edsS 457 9iordt v, u. fucst nett 23t,rk SIS West und 9uy 613 entucky Ave u. Vien?5 14 Meridian und orrfl i, JllinoU und ansa 17 Morris und Dakota l MorriS und Shurch 19 Capital A. u McTar, 21 Meridian und Pal 23 Pme und Lord 24 Madisox.Ave u Lincol 2 Meridian und Belt RA 27 Carlo und Ray 2S Meridian und Arizona 29 Meridian u. Stayinond 31 Meridian u. M:Caf I 63 No. 17 SpritzenbauS MorriS nahe West 1 McKeraan und Douah. 13 East u. Lincoln traf 614 East und Beecher 1 Wright und Saroerir 17 McEarty und Beaiy 13 New Jersey u k 30 71 Spru und P0sed 713 English Av. u. Lau) 714 State Ave u. Belt R I 71 Shelby und Beech 71 State Ave unk Dxanf 718 Orange und Laure! 719 Shelby u. Ei, .tage ZlA 781 Lexington A. LauH 723 Fletcher Aveu. Sprm8 724 State Aveu. Pleasani 7i6 Prospekt und ?leasant 726 Orange und Hark 723 Liberty und Wea 729 Stoble und South 1 No. 16 Spritzenhaus Oft Washington 81 Market und Noble 14 Ohio u. Highland v 15 Michigan u. Htgylmr 81 Market Arsenal 817 Ost 9t. Clair und Union Bahn Seleise. , 811 Pan Handle ShopS 823 Vermont und Walco 824 Wash. und Stete Atz. 8 Wadden'i Lounge Fav 82 Tuck und Dorfe 27 Wash. und Bevill AM 829 Sd. 12 Spritzenhaus evillk nahe Michtgs 831 Southeafiern Zlve mÄ Woodsid. 83 Wash. und Dkarkmrd 834 Southeaftern n Arsenal Ave. 8 New Dort und Tenchd 912 JllinoiS end Maryi. ii JllinoiS und Stärket, 14 Penn, und Wash, i Deltoa td f9at JllinoiS u Merrill S JllinoiS u Louisiana SS West und South S4 West und MeEarty Senate Ave. u Henry s? Meridian und Ray No. 4 Spritzenhau VadifonAv. 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'.31 Alabama und 11. 132 Bellefontaine und 134 College Ave und 9. :s5 Delaware und 13. 136 Alabama und North 137 Newmann und 19. 188 College Ade und 14. 13 Cornell Ave und 13. 141 DandeS und 19. 142 Highland Ave und 10, 143 Tecunrseh und 10. 145 New Jersey und SS. 146 Alvord und 17. M7 No. 2 Spritzenhaus HMside Ave und 16. i48 College Ave und ii. (49 College Ave und 27. 152 Park Ave und 2. 158 2 E u. 83 ahn X es. 154 Ramsey Ave und 10. lös Stoughton Newma 157 Atlas und Pike. 15 Blohd und Pawpaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Brightwood 1S2 Arden und Depot 163 Brightwood und 5. 164 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. eystone i67 Arsenal Ave unk 3. ss Bellefontan und 8. Spezial, Signale. krfte t Schlage, zweiter Alarm, Aweiten 2 Schläge, dritter Alarm. Dritten 2 Schläge, viert Alarm. 1-2-1, Feuer aus und Schlauch aufgersiU. ' Schläge, Wasserdruck ab. 12 Schläge,, 12 Uhr Mittag. 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