Indiana Tribüne, Volume 27, Number 219, Indianapolis, Marion County, 6 May 1904 — Page 7

Jndiana Tribüne . Mai 190

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oLöene turnen ? K- i-J j-v H I"! t ,, (Fortsetzung.) Sie lächelte, aber dieses Lächeln war anders, als man es gewöhnlich auf jugendlichen Lippen findet. Es ermnerte weder an Estelles strahlendes, noch an Germaines sanftes Lächeln, es war unstet, unverständlich wie der Blick dieser schönen, räthselhaften Augen. Und nun war sie wieder da, die thörichte, oft verscheuchte Gedankcnverbindung: Lepages Erzählung und Estelles Vermuthungen. Doch nein, nein. Unsinn! Zufälliges Zusammentreffen, thörichte Einbildungen einer Kranken! Wieder sah er Sylvie an. Wie war es möglich, daß er ihr auch nur einen Augenblick zugetraut hatte, die Heldin eines Schauerromans zu spielen? Ihre Augenlider waren wieder gesenkt, ihre Lippen geschlossen! Vincent sah sich gegenüber nur noch eine, kleine, blasse Frau mit unbedeutenden und nichtssagenden Zügen' In diesem Augenblick öffnete sich die Thüre, und in geschäftigem Eifer, den weichen Filzhut in der Hand, erschien lZdmund. Beim Anblick der Beleuchtung blieb er wie angewurzelt auf der Schwelle stehen. Oho!" stammelte er. Sein Sparsamkeitstrieb aber belebte ihn sofort wieder. Was für ein Einfall, alle diese Kerzen anzuzünden!" rief er. Abgesehen davon, daß so viele Lichter nur den Augen schaden." Eilig stürzte er sich auf die seit zwei Jahren schon aufgesteckten rosa Kerzen, löschte sie mit seinem Filzhut aus und sprang schwerfällig in die Höhe, um auch die Flammen des Kronleuchters zu erreichen. Vincent konnte nicht umhin, Sylvie zu beobachten, vermochte jedoch nichts Besonderes an ihr zu entdecken. Zugleich mit den Lichtern schien auch jeder eigene Gedanke der jungen Frau zu erlöschen. Steif und gleichgiltig wie am Tage vorher in der Kirche saß sie auf dem Sofa. Sich mit dem Hute Kühlung zufächelnd, setzte sich Edmund jetzt neben sie. Ach, diese Dienstboten" begann er seufzend von seinen häuslichen Sorgen zu berichten, ohne als höflicher Gatte noch eine Bemerkung über Sylvies tollen Streich zu machen und diese Köckin. was die mich ärgert! Nickt einmai eine A,ane oernem ue aozuwacyen. Und wie ich sie deshalb tadle, weint sie und sagt: ,Jch komme eben vom Lande.' Also ein Mädchen geradesWegs vom Kuhstall! Und käme sie nicht daher, so wäre es noch schlimmer. Denn weißt Du, ich verstehe mich auf diese Mädels. Will man sich nicht die Schlechtigkeit in Person in's Haus ziehen, so muß man sie vom Lande nehmen und nach seinem Sinn bilden. Das macht allerdings Mühe, aber ein andres Mittel gibt es eben nicht. Und, ohne Jemand beleidigen zu wollen, so ist es überhaupt mit allen Weibern. Da bleib' mir einer beim Heirathen nur mit jenen verschlagenen überklugen Frauenzimmern vom Leibe, die alles besser wissen. Ein liebes, bescheidenes Mädchen muß man sich aussuchen, das man nach Belieben erziehen kann. Meinst Du, ich hätte Sylvie geheirathet, wenn sie zum Beispiel schon auf einem Ball, im Seebad oder gar in Paris gewesen wäre!" . Sie war noch nie in Paris gewesen! Folglich hatte sie auch Lepages Sprechzimmer nicht betreten können. Da war ja der gewünschte Beweis ganz von selbst geliefert und zerriß auf immer den dünnen Faden, mit dem Vincent Gerbault einen unwahrscheinlichen Roman zu spinnen versucht hatte. . Und sie wird auch niemals hingehen," schloß Edmund triumphirend. Wenn man ein Männchen und ein eigenes Heim hat, was braucht man da noch zu reisen, nicht wahr, Sylvinette?" Fast herablassend zutraulich legte er seinen Arm um Sylvie und drückte einen schmatzenden Kuß auf die erröthende Wange. Diefes Erröthen war übrigens das einzige sichtbare Zeichen ihrer Mißbilligung. Wenn diese unzeitgemäße Zärtlichkeitsäußerung je ihr Gefühl verletzt hatte, so war die Kränkung jedenfalls rasch wieder vergessen, denn freundlich-ruhig fagte sie gleich darauf: Ach, der Ofen raucht." Edmund ließ sie los und sprang, laut scheltend, mit einem Satz in die Höhe. Auf allen Vieren liegend, arbeitete er ungeschickt an der Heizvorrichtung herum und verbrannte sich dabei mit einem lauten Aufschrei die Finger. Sylvie aber ließ ihn in seinen Zornausdrücken jetzt ebenso ruhig und theilnahmlos gewähren, wie sie vorhin seine Zärtlichkeitsanwandlung über sich hatte ergehen lassen. Wurde sie weder durch das eine, noch durch das andere abgestoßen, oder beurtheilte sie im Gegentheil den Gatten wie das 5zaus und die Möbel als unverbesserlich? Nur wie ein Blitz fuhr dieser Gedanke durch Vincents Kopf. Der Ofen hatte endlich sein regelmäßiges Brummen wieder aufgenommen, und Edmund kehrte siegreich,.doch in gereizter Stimmung, auf seinen Vlati Zurück.

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JUJU Noman von 4iaropöl ?r ' 3..T. .... 44. 4-j. Na," fragte er seinen Gast spöttisch, gegen die Wärme hast Du jetzt wohl nichts einzuwenden, aber Hand mit anzulegen, ist dem vornehmen Herrn natürlich nicht eingefallen." Allerdings, die Arbeit war mir zu schmutzig," antwortete Vincent ungeduldig. Ja, ji na, laß nur gut sein." Dabei sah Edmund auf feine Hände, die man allerdings für die eines Schornsteinfegers hätte halten können. Unwillkürlich folgte Vincent diesem Blick, und wieder drängte sich ihm ein Vergleich auf. Sylvies sich seltsam widersprechende, gleichzeitig zarte und rohe Hand und diese fette, ungeschlachte, behaarte Hand, diese für einen biederen, harmlosen Tölpel typische Hand! Was für ein närrischer Zufall hatte diese Beiden vereinigt? Was für Folgen mochten noch daraus entstehen? Gar keine, natürlich. Es war ja Unsinn, aus der Hand den Charakter lesen zu wollen! Plötzlich ertönt die Hausglocke, lautes Stimmengewirr erschallt im Flur, und herein stürmt die ganze Familie Mougin unter Küssen, Fragen und Scherzen. Die stille, sanfte, bescheidene Sylvie, wieder ganz die Sylvie vor der Trauung, hält geduldig stand. Ihre Bemerkungen von vorhin muß sie wobl vergessen haben, denn sie zeigt sich jetzt ganz zufrieden mit ihrem Loose und hört mit gleich ruhiger Miene die vaterlichen Lehren, die rührseligen Worte der Mutter, die kindlichen Neckereien ihrer Schwestern und die süßlichen Redensarten Edmunds mit an. Taktvoll will Vincent sich zurückziehen, um dieses Familienglück nicht zu stören, allein es wird durchaus verlangt, daß er daran theilnehmen solle. Du mußt natürlich unsern. Sonntagszusammenkünften anwohnen," befiehlt Edmund. Den einen Sonntag wird bei mir, den andern bei meinen Schwiegereltern gegessen. Das steht so fest wie die Kalendertage." Ach ja, Herr Hauptmann, nicht wahr?" Stürmisch umringt man ihn und schreit ihm die Ohren voll; nur mit Mühe kann er endlich zur Thüre gelangen. Nun erst bemerkt er, daß Sylvie nichts gesagt und daß sie sich der ihn verfolgenden Gruppe nicht angeschlossen hat. Etwas abseits von ihrem früheren Platze hinter dem Marmortisch mit dem riesigen Orangeblüthenstrauß ist die junge Frau stehen geblieben. Da drängt sich dem für Farbenwirkungen empfänglichen Auge des Mal?--sohnes eine wunderliche Vorstellung auf: Diefe weißen Orangeblüthen unter der Lampe, in der rothen Umhüllung, welch seltsame Wirkung aus der Entfernung! Hätte man nicht glauben können, das Hochzeitsbouket schwimme in Blut? 8. K a p i t e l. ie Stadt Toulouse befand sich in Aufregung. Madame Rollin, die Frau eines Stabsoffiziers und Tochter eines ungeheuer reichen Weinhändlers 4n Bordeaux, beabsichtigte, ein glänzendes Maskenfest zu geben, dessen Hauptzweck der war: ihre Rivalin, die in befcheidenen Verhältnissen lebende Oberstin. auf. deren gesellschaftlichen Rang sie stets eifersüchtig war, einmal gründlich in den Schatten zu stellen. Nach langer Ueberlegung bestimmte Frau Major Rollin den 31. Dezember zum Tag des Balles, worauf die weit über die militärischen Kreise hinaus ausgedehnten Einladungen vom Stapel gelassen wurden. Die Wirkung war großartig, die Begeisterung ungetheilt, selbst kleine Leute, denen das Fest weder Vergnügen, noch Vortheil zu bringen versprach, interessirten sich lebhaft dafür. : Haben der Herr Hauptmann schon gehört, daß die Damen vom unteren Stock auch auf den Ball gehen?" sagte Vincents Bursche eines Morgens, als er seinem Herrn das warme Wasser brachte. Vincent wußte nichts davon, und da er das zurückgezogene Leben seiner Hausgenossinnen kannte, überraschte ihn die Nachricht. Obwohl er keine Antwort gab, fuhr der mittheilsame Bursche fort: Fräulein Estelle und auch der alten Dame lag so sehr daran, die Einladung anzunehmen, daß Fräulein Germaine schließlich nachgab." Die unverhohlene Bewunderung und Hochachtung, die Germaine bei allen genoß, hatte sich auch des Burschen bemächtigt, der seiner aus der Küche stammenden Nachricht noch hinzufügte: Fräulein Germaine ist die ganze Nacht aufgeblieben, um die Kleider zu nähen; sie arbeitet trotz einer Schneiderin." Vincent konnte sich gut den verschiedenen Eindruck vorstellen, den die Einladung auf die Damen gemacht hatte. Deutlich sah er Frau Lancelots geschmeichelte Miene und das flehende Gesichtchen Estelles vor sich, die, außer sich vor Entzücken beim Gedanken an einen Maskenball, mit ihrem kindlichen und zugleich krankhaften Ungestüm bat und schmeichelte. Da hatte die ältere Freundin natürlich nachgeben müssen.

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Durfte man der Kleinen bei der kurzen Lebenszeit, die ihr vielleicht nur noch beschicken war, einen fröhlichen Tag rauben? Dieser Gedanke war sicherlich bei Germaine'ausschlaggebend gewesen, ihm hatten alle andern Gründe, die der Vernunft, der Sparsamkeit, ja selbst des Stolzes weichen müssen. Entschlossen wie immer hatte sie, wahrscheinlich um ein Billiges, die Stoffe zu den Kostümen eingekauft und sie vielleicht mit einer Thräne im Auge angefertigt. Nur mit Rührung konnte sich Vincent die beiden reinen Mädchengestalten vergegenwärtigen, die sich gleich strahlenden Lichtbildern vom nüchternen Hintergrund seines eigenen Lebens abhoben. Ich werde recht viel mit der kleinen Estelle tanzen," nahm er sich vor; das wird Fräulein Germaine Freude machen. Was für Kostüme sie wohl gewählt haben?" ; Die Kostüme, ja, die bildeten überHaupt fchon seit einer Woche die Herrschenke Tagesfrage bei den Herren nicht minder als bei den Damen. Alle Läden waren überfüllt, eine fieberhafte Aufregung machte sich allenthalben bemerklich, und hastig eilten die Austräger mit ihren geheimnißvollen Wachstuchkasten durch die Straßen. Auch im Schooße der Familien ging es bunt genug zu. Die Hausfrauen kamen zu fpät zum Essen, die Kinder wurden ärgerlich beiseite geschoben, und mancher Gatte mußte sich mit Geduld wappnen, falls er nicht selbst vom allgemeinen Fieber ergriffen war. Der Adel, Offiziere. Studenten. Advokaten. Industrielle, Bankiers, em zever suchte, den andern an Originalität, Geschmack und Kunstsinn zu übertrumpfen. Vincent hatte sich für die Tracht eines Herolds aus der Renaissancezeit entschieden: Kniehosen, eng anschließender Atlasrock mit geschlitzten Aermeln ein Kostüm, über dessen geschichtliche Treue wo künstlerische Ausführung er als würdiger Sohn seines Vaters mit peinlicher Sorgfalt wacht:. Als Vincent am zweiten Weihnachts feiertag von seinem Schneider kam und mit mehreren alten Degen die er bei einem Trödler zur Auswahl mitgenommen hatte, die Treppe seiner Wohnung hinaufeilte, hörte er plötzlich eine Stimme, die ihn mit banger Ahnung erfüllte. Allein schon war es zum Entrinnen zu spät. Ueber das Treppengeländer beugte sich ein Cylinder, und Vincent vernahm die vorwurfsvoll gesprochenen Worte: ..Da ist er ja! Was fällt Ihnen ein, mir zu sagen, Ihr Herr komme hcu'e nicht mehr nach Hause?" Erschrocken zog sich der Bursche zurück, und Vincent, der wohl oder übel dem Feinde freien Zugang gewähren mußte, wävpnete sich mit Geduld. Willst Du vielleicht die Güte haben," begann Edmund mürrisch, sobald er sich häuslich niedergelassen hatte, und mir das sonderbare Benehmen Deines Burschen erklären?" Was weiß ich? Ein Mißverstandniß " Na, lassen wir's ruhen. Es wäre ia auck verrückt, wenn Du mir Deine Thür verschließen wolltest, während Dir die unsrige sverrangclweit offen steht, denke ich." Allerdings nur zu weit. Die Gastfreundfchaft der Familie DulaurierMougin artete allmälig in eine Sucht aus. Auch den Weihnachtsfamilienfesten hatte Vincent anwohnen und sich von dem herkömmlichen Gänsebraten aufnöthigen lassen müssen, fo wenig er auch seinem Gaumen mundete. Nach dieser Einleitung schlug Edmund mildere Saiten an. Die von seinem Vetter mitgebrachten - Waffen betrachtend, rief er plötzlich: Was für altes Zeug hast Du denn da hergeschleppt? Das ist gewiß für den Ball am Samstag?" Allerdings." Eine Pause trat ein, dann fuhr Edmund fort: Ist Major Rollin nicht Dein Bataillonskommandeur?" Doch." Und Ihr steht gut zusammen?" Vorzüglich." Verkehrst Du auch mit seiner Frau?" O ja, ganz freundschaftlich," bestatigte Vincent ahnungslos. Nun denn, wenn Du in diesem Hause so wohl gelitten bist, so wird es Dir ein Leichtes sein, eine Einladung für uns auszuwirken." Ewe Einladung?" stammelte Vincent. Nun ja denn, warum nicht?" entgegnete Edmund scharf. Ich bin Grundbesitzer in Toulouse, meine Frau ist die Tochter Herrn Mougins. Ich denke, wir gehören ebensogut zur besseren Gesellschaft wie irgend sonst Jemand, und ich kann mich nur wundern, daß man uns keine Einladung geschickt und daß Du Deine Bekannten nicht längst auf diese Versäumniß aufmerksam gemacht hast." Na, höre mal" Vincent machte gute Miene zum bösen Spiel Ihr wolltet ja fern von der Welt und ihren Zerstreuungen bei Euren Blumen und Hühnern ein einsames Schäferleben führen. Da konnte man doch unmöglich auf solch plötzliche Sinnesänderung gefaßt sein." Ich ändere niemals meinen Sinn," entgegnete Edmund wüthend, allein dieser Fall ist eine Ausnahme. Das geplante Fest bietet nicht nur ein Schauspiel, woran sich jeder gebildete Mann ergötzen kann, sondern es ist zugleich auch ein Stelldichein der guten Gesellschaft, , und sobald Angehörige nieines Kreises und vollends gar meiner

Fanilie daran theilnehmen,' darf ich meine Frau nicht davon ausschließen lasen." jpb sie ihm eine mit Respekt gemilchte Liebe einflößte, oder ob sich Edmunds Eitelkeit von nun an in ihr verkörperte Sylvie war nun einmal sew Schlachtroß geworden, und mit wilder Gier ritt er für die unbegrenzitrv Rechte auf die Galanterie des starken Geschlechts, worauf sie nach seiner Ueberzeugung Anspruch hatte, in die Schranken. Uebrigens ist es nicht mehr als billig, daß Du Sylvies Wünsche erfüllst, nachdem Du sie einmal erweckt hast." Ich?" Jawohl, Du hast ihr ja an Weihnachten den Kopf mit Deinen Erzählungen vollgeschwatzt; ich habe ein gutes Gedächtniß." Auch Vincent erinnerte sich, von dem Ball gesprochen zu haben, wenn auch ganz absichtslos, nur um überhaupt etwas zu sagen, und ebenso erinnerte er sich, daß Sylvie ihm mit gleichgiltiger und anscheinend zerstreuter Miene zugehört hatte. Dennoch schienen seine Worte also Eindruck auf sie gemacht zu haben, und was am auffallendsten war, derselbe Gedanke hatte innerhalb achtundvierzig Stunden auch in Edmund Wurzel geschlagen. Nein, wahrhaftig, diese kleine Frau war weder so unbedeutend, noch so fügsam, als sie sich den Anschein gab. Um über Edmunds halsstarrigen Eigensinn und über seine zu Grundsätzen erhobenen albernen Schrullen den Sieg davonzutragen, dazu gehörte eine Klugheit und eine Willenskraft, die Vincent fast erschreckten, die aber nichtsdestoweniger ihren Lohn verdienten. Es wäre unrecht gewesen, Sylvie jenes Einladungskärtchen vorzuenthalten, das sie sich so geschickt zu erkämpfen gewußt batte. Für meine Schwiegereltern brauchst Du Dich nicht zu bemühen, sie würden die Einladung ja doch nicht annehmen," sagte Edmund, der nach Erreichung seines Zwecks sofort wieder in seine alte Großsprecherei verfiel. Auf Wiedersehen also Samstag Abend. Wir werden uns pünktlich um halb zehn Uhr bei den Rollins einfinden. Du wirst dann die Güte haben, im Vorzimtner auf uns zu warten, damit Du uns gleich in .die Gesellschaft einführen kannst. Du behauptest ja, keine Zeit zu haben, uns abzuholen,, wie es sich eigentlich gehören würde." Diesmal war di Behauptung Bincents, daß es ihm an Zeit fehle, keine leere Ausrede gewesen, er wußte in diesen letzten Tagen vor dem Balle thatsächlich oft nicht, wo ihm der Kopf stand. Und ähnlich wie ihm ging es den meisten andern Leuten auch. Die allgemeine Aufregung hatte ihren Höhepunkt erreicht. In den Läden erhielt er kaum mehr eine Antwort, und rief man nach einem Droschkenkutscher, so fuhr er in der entgegengesetzten Richtung davon. Die besten Freunde eilten aneinander vorüber, ohne sich anzureden, und Vincent, den Frau Rollin zu ihrem Gehilfen bei den Vorbereitungen angeworden hatte, sehnte sich fast nach den Strapazen des großen Herbstmanövers. Endlich nahte der Sylvesterabend heran. Die Friseure mit ihren Brenneisen, die Schneider und Schneiderinnen vollendeten ihr Werk, und geduldig, gleich unzerbrechlichen Gliederpuppen, ließ man sich von ihnen bearbeiten. Auch Hauptmann Gerbault war bereiis in einen schmucken Herold verwan delt, mit Lockenperücke und gewichstem Knebelbärtchen, mit einer bis zu den Ohren reichenden Halskrause und flatterndem Federbusch. Ueber dem Rock aus karmesinrothem Atlas und den seidenen Kniehosen trug er einen venezia nischen Mantel. Im unteren Stock wurden ebenfalls eifrige Vorbereitungen getroffen. Aber Frau Rollin hatte Gerbault wiederholt gebeten, ja gewiß als erster zu erscheinen. Und Edmund, den hätte ich ja fast vergessen!" rief er und machte sich eilig auf den Weg. Draußen in der milden Winternacht herrschte ein reges Treiben. Das große, stattliche Haus, worin die Familie Rollin wohnte, war längst von einer dichten Schaar Neugieriger umlagert; Hof, Treppenhaus und Vorhalle strahlten in hellstem Lichterglanz. Im Vorsaal, zwischen üppigem Blu-men-und Pflanzenschmuck fand Vincent nur die Diener; Edmund und seine Gattin waren noch nicht erschienen, und so konnte er ungehindert den glänzenden Rahmen bewundern, - ehe sich die Menschenmenge darin bewegte. Zuerst nur vereinzelt, dann in rascherer Folge kamen die Gäste an. Langsam und schwerfällig stiegen sie die monumentale Treppe hinauf oier huschten eilig, als schämten sie sich ihrer häßlichen Umhüllungen, in ' die Garderobe nebenan, um wenige Minuten später als schillernde Schmetterlinge wieder zum Vorschein zu kommen. Von seinem Versteck aus konnte Vincent diesen bunten, fröhlichen Einzug, dieses gegenseitige Erkennen, Begrüßen und Bewundern mit aller Muße beobachten. Der ernsthafte Leutnant aus dem Kaffeehause, ..jetzt ein wohlgelungener Don Quichotte, war einer, der ersten. Ihn begleitete der Stabsarzt als unvergleichlicher Sancho Panza, und diesem folgten in wechselvollem Spiel theils burleske, theils wohlausstudirte Charaktermasken: Pierrots, Harlekins, Spanier, Neapolitaner Elsässer. Ära-

ber und was der Nationalitäten mehr sind. Und nun vollends die Damen! Welch hübsche Ueberraschungen wurden Vincent da zu theil! Bei der Freiheit, die jeder einzelnen Maske gelassen war, ihre Vorzüge ungehindert 1 durch die herrschende Mode in's vortheilhafteste Licht zu setzen, konnte sich Vincent wahrhaftig in die gute alte Zeit verzaubert glauben, wo, nach den Vorträts zu schließen, alle Frauen hübsch waren, oder auf jene fernen Kontinente, wo, wenn man den alten Reiseberichten Glauben schenkt, auch die Weiber fremder Rassen verführerisch sind. Ab, welch ein entzückendes Kostüm!" rief er plötzlich, als eine neue Gruppe aus der Garderobe auftauchte. (Fortsetzung folgt.)

Die modcnic Turbine. Ihre Entwicklung aus Wasserrad und Wind mühle Die ältesten Motoren. . Wenn wir auf die Suche nach den ältesten Kraftmafchinen gehen, das heißt nach Maschinen, die irgend eine elementare Kraft in den Dienst menschlicher Arbeit stellten, so brauchen wir nicht so sehr weit zurückzuwandern. Sehen wir vom Segelschiff, das maschinentechnisch als ein Windmotor betrachtet werden muß und sich bereits auf altegyptischen Bildern aus dem Jahre 3000 v.' Chr. befindet, ab, so bleibt uns als nächster Motor das Wasserrad. Es stammt aus der uralten Holzzeit der Maschinentechnik und dürfte etwa um das Jahr 1000 v. Chr. erfunden sein. Wenigstens wird in den Gesängen Homers niemals einer Wassermühle Erwähnung gethan. Vielmehr müssen die Mägde dort das Getreibe für das Brotmehl zwischen zwei Steinen mit der Hand zerreiben." Die Ausführung der alten Mühlund Wasserräder, wie sie uns noch die Wassermühlen und Bergwerke des Mittelalters zeigen, war außerordentlich plump und geschah in rohester Zimmermannsarbeit. Im Prinzip aber waren bereits diese alten Räder vorzügliche Maschinen und in ihrem Wirkungsgrade der Dampfmaschine, wie sie zu Anfang des 19. Jahrhunderts in die Erscheinung trat, unendlich überlegen. Es muthet uns fast wie ein Märchen an, daß die primitiven Wasserräder der mittelalterlichen Müller bereits einen Nutzeffekt von 50 Prozent hatten, das heißt, daß sie 50 Prozent der Arbeit, die das strömende oder fallende Wasser enthielt, wirklich nutzbar machten, während unsere modernen Dampfmaschinen sich mit 15 Prozent noch heute begnügen müssen. Nun ist aber fließendes Wasser nicht überall zur Verfügung, wo sich noch fließende Luft, wo sich Windströmungen finden. So ging man ebenfalls bereits im frühesten Mittelalter dazu über, Räder zu konstruiren, welche die Arbeit des Windes für Mahlzwecke nutzbar machten. Ihre praktische Lösung fand diese Aufgabe in den vier Flügeln unserer Windmühlen. Während ein Wasserrad ja immer nur mit einem Theil seines Umfanges das treibende Element, das Wasser berührt, befindet sich das Flügelkreuz der Windmühle in seiner ganzen Ausdehnung in der Luft, und so wurde hier eben eine besondere Konstruktion nothwendig, wollte man Erfolg haben. Bis zu welchem Grade das der Praxis gelungen ist, lehrt uns jede Windmühle, die auch bei leichtem Winde gut und zuverlässig arbeitet. Leider sind nun Wind- und Wasserrad keine transportablen Motoren. Sie konnten daher, insbesondere für einen maschinellen Verkehr, für den Betrieb irgend welcher Fahrzeuge gar nicht in Betracht kommen und waren vorläufig abgethan, als die Dampfmaschine ihren Siegeszug begann. Ein Rückschlzg erfolgte erst in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Die Elektrotechnik bot jetzt die Mittel, die Arbeit irgend eines Sturzbaches nutzbar zu machen und in der nächsten Großstadt als Licht oder Kraft theuer zu verkaufen. Um aber Wasser nutzbar zu machen, brauchte man Wassermotoren, und so entwickelte sich aus dem Wasserrad oder, besser gesagt, aus einer Kreuzung aus Wasserrad und Windmühlflügel die moderne Wasserturbine. War das Wasserrad bereits gut geWesen, so war die Turbine sehr gut. Sie gab Wirkungsgrade bis zu 85 Prozent und fand außerordentliche Verbreitung. Besonders in Deutschland sind heute die Wasserläufe von ihr?n Quellen an bis tief in das Flachland hinein dicht besetzt , mit Turbinen, in denen dem kostbaren Naß möglichst jede Arbeit entzogen und in der Menschheit Dienst gestellt wird. Dem Knarren der THUren kann man abhelfen, wenn man den knarrenden Theil oeZ Kegels oder Scharniers daran mit der Spitze eines gewöhnlichen Bleistiftes etwas reibt. Graphit bildet bekannt lich ein gutes Schmiermittel. Unter Getreide erstickt. In Falls City. Nebr., spielten zwei j Jungen im Alter von 7 respektive 15 j Jahren in einem Elevator, welcher 40,- j 000 Bushel enthülstes Korn enthielt. Der Elevator-Arbeiter, welcher nichts von den Jungen wußte, öffnete die Röhre, um eine Car zu füllen, und beim Gleiten des Getreides 'geriethen die Jungen unter dasselbe und wurden erstickt.

Feuer -Signale

i Pennsylv nd Market 5 English'S Opern-Hau EastundNwDork 7 Noble und Michigan t N. Jersey u. Mass Ave S Pine und Nvrth 10 Mavket und Pine 1 Vermont nahe East 12 N.. 8 Spritzenhaus Mass. Ave nahe Noble JS Delaware und Walnut .14 N. Jersey u Central A. 'S Mass, und EornellAv Ash m,d ,1. Straße 7 Park Ave und 12 Sri .8 Columbia und HWfld i9 Highland Ade u. Pratt u JUinoiS und St. Joe 25 Pennsylv. und Pratt 11 Meridian uns n. St? 16 No. 6 Spritzenhaus 15. nahe Jllinoi ia Senate Ave .StElair it JllinsiS und Mchigan 18 Petsylvania und 14. 19 Senate Ave. und 130 U No. 1 Spritzenhaus Ins ÄvenaheMichigan Meridian und Walnut ü California u Lermont 35 Blake und New York 3 Ind. Av. u. St. Clair 17 City Hospital '3 Blake und Norty 9 Michigan und LgneS m. 6 Spritzenhaus Washington nahe Weft 2 Esendorf ü Wash. s Missouri u New York 5 Meridian Wash 46 JllinoiS und Ohio 7 Capitol Av. Wash 49 Kingan'S PorkhauS 4 Straßenbahn Stalle W. Washington Stt 51 No. 10 Spritzenhaus Illinois u Merrill S JllinoiS u Louisiana SS West und South S4 West und McCartY 58 Senate Ave. u Henry 67 Meridian und Ratz 58 No. 4 Spritzenhaus Madison Av. n Morri 69 Madison Av.u Dunlop 1 Ro 2 Haken Leiterhau Eouty nahe Delawar Penn. Merrill ti Dklawan u. VKCartv afi und MrCartY New Jersey u. MerriN 7 Birg. v. u Bradsha aft und Prospekt Bicking und High n Na. 11 Spritzenhaus Lir Ave. tuhe Huro East und Georgia 73 Ceda und Elm 74 Davidson u Georgia 7 English Av. Pine 7 EhelSy und Bäte "8 No. 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Sheldy -19 Fletcher Av. u Shelby 81 Market u. New Jersey 62 Delaware und Wash. 83 East u Washington S4 New Dork u. Davids, 85 Taubstummen Anstalt H6 Ber. Staaten Arsenal 87 Orient! und Wash. 89 Frauen-Reformat. n No. 13 Spritzenhaus Maryland nahe Mer. 92 Meridian u. Georgia. 93 Meridian und South 4 Pennsylv u. Louiftana S Virginia Ave u. Sllab. 9 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 33 Capital Ave und Ohb 23 No. 16 Spritzenhau 16. und Ash. 124 Alabama und 16. 125 Central Ave und 1!. 126 DandeS und 15. 127 Brookside und Jupiter 128 Central Ave und 17 129 Delaware und 19. .31 Alabama und 11. 132 Bellefontaine und 134 College Ave und S. :35 Delaware und 13. 136 Alabama und North 137 Newmann und 19. 138 College Ave und 14. 139 Cornell Ave und 13. (41 DandeS und 19. 142 Highland Ave und lg. UZ Tecumseh und 10. 145 New Jersey und ii. 146 Alvord und 17. 147 Ro. 2 Spritzenhaus Hikside Ave und 16. 448 College Ave und 2. t49 College Av und 27. (52 Park Ave und 2. 163 L E u. W Bahn u. 22. 54 Rainsey Ave und 10, 156 Stoughton u Rewmen 157 Atlas und Pike. 158 Blohd und Pawpaw. 159 Ro. 21 Spritzenhau Brightwood iSi rden und Depot 163 Brightwood und 5., 169 Park Av und 12 Capital Ave und 17., 211 Pennsylv. u. Michiaa 14 JllinoiS und 2. 215 Senate Ave und 21 . 16 Pennsvlvania und 22. 17 Meridian und 16. 218 Capital Ave und SS, 219 Broadway und 10. 2S1 JllinoiS und McLea 234 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und 30. 35 JllinoiS und 33. SS Annetta und so 237 No. 9. SprizenhiuO Udell und Raoer 33 Udeil Ladder Wor 239 Jsabel und 7. 241 Meridian und 24. 242 JllinoiS u St. Clk 24S Eldridge und 23. 312 West uud Walnut SIS Weft und 12. 14 Howard und 16 15 Torbet und Pa 16 Capital Ave und iv, 17 Northwestern Ave uZ 18 Gent und 13. 19 Canal und 10. 821 Cerealine WorkS 824 Vermont und Lynn S2S Bismarcku GrandvieK 326 Ro. 29 Spritzenhaus , Haughville. 27 Michigan u. HolmeS, 28 Michigan u. Conrord 41 West und McJntyre 412 Missouri u. Maryland 41S Missouri und f)hü 415 Capital Ave-Leorgia 416 Missouri u entucky A. 417 Senate Ave u. Wash. 421 P und E kwndkau W. Washington. 42 Jrren-Hospital. 424 Miley Ave u. I D u W 425 Wash und Harr 42 No. IS Spritzenhaus W. Washington 427 Olwer und Birch 423 Oliver und OSgood 429 Nordyke und gork 431 Hadley Ave u. Morri 432 River Ave u. MorriS 434 River Ave und Rah 435 Harding u. Big 4 R ? 436 Harding und Oliv 37 No. 1 Spritzenh MorriS und dfofc 458 Hotvaed id MAseB 49 Stockyar 451 ReiSner und VW 452 Howard und S 453 Rorri und &X?pti SS Lambert URd VtwVlÄ 457 Nordyke Ave u. Zkss mo Wor 512 Weft und Rat) 1 enwcky Avu.Wnk 14 Meridian und Morrßs 51 JllinoiS nd ansät 017 Morris und Dakot 513 MorriS und Church 519 Capital A. u McCar 521 Meridian und Palm 23 Pme und Lord 24 Madisor.Ave u Lweol YSS Meridian und Belt RS 27 Carlo und Ratz 28 Meridian und rizong 2 Meridian u. Rayinond 31 Meridian u. VcCal. 3 No. 17 SpiitzenkauS Morri nahe Weft i McKeraaund Douak. 13 Saft u, Lincoln &rat 614 East und Beecher 1 Wright und Smioerb 17 McCartY und Beaiy 18 New Jersey u Sie SW 71 Epruce und Prospekt ?13 English Ave. u. 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Spezial Signale. krsten i Schlüge, zweiter Alarm, Zweiten Schlag,, dritter Alarm, Dritten Schlage, vierter Alarm. l-i-i, Feuer aus und Schlauch aufgersv. SchlSge, Wasserdruck ad. Schlage,! Uhr Mittag. - Die so bezeichneten Signale iverden nur vom Thu? Pachter angegeben da an den betressend StraHe keuzung kein AKmnköSen gebracht sind. Chicago und der große Nordweft Dia laa-Sawa!i PbUtvvtue Insel. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. W Bon der Mono 47. Str. Station, Chicago, find nur 5 Minuten mittelst elektrischer Car nach den Union Biehböfen irrnck liick Springs, indem Orange Eounty Hochland. Familien-Hotel unter neuer eschSftSleitung. Pluto, Proserpine id BowleS Quellen. Bestes Mineralwasser der Weit. Zwei Züge täglich via Gree-acaftle. Ticket-Osficen : Union Station. Massachusetts ve end 25 West Washington Straße. R.P.Alge,, Distrikt Baff. Agent, Indianapolis, Ind. .H.MeDoel, .H.Rockwell, Präs. and Sen. Mgr. BetriebSIeittr Frank. Reed, en.P,fk. Agent. Chicago. Jll.

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