Indiana Tribüne, Volume 27, Number 219, Indianapolis, Marion County, 6 May 1904 — Page 6

Jndiana Tribyuc. 6. Mai 190SU

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Aug. D

Europäische Nachrichten.

., Hetterreich-Wngarn. Wien. Von der Augartenbrücke sprang der Ulane Arthur Hohermann des Ulanen - Regiments No. 8 in den Donaukanal. Trotzdem er seiner Rettung heftigen Widerstand entgegensetzte, gelang es doch, ihn lebend aus dem Wasser zu ziehen. Die im 16. Bezirke, Koppstraße 24 wohnhafte 60jährige Katharina Burefch wurde von einem Motorwagen der elektrischen Straßenbahn überfahren und erlitt mehrfache Verletzungen. In einer Wohnung im dritten Stockwerk des Hauses Dreihufeisengasse 1 wurde der 20jährige Diener Johann Beck, Hauptstraße 48 wohnhaft, durch die Explofron eines Badekessels so heftig an die Wand geschleudert, daß er eine Contusion des Bauches und eine Nervenerschütterung erlitt. B o s k o w i tz. Die in dem hiesigen Armenhause befindlichen Pfründner Jofef Smejkal und Anton Novotny, Ersterer 78, Letzterer 67 Jahre alt, geriethen in einen Streit, der in eine Rauferei ausartete. Hierbei bearbeitete Novotny den Kopf des Gegners mit solcher Wucht, daß dieser mehrere schwere Verletzungen " davontrug, denen er erlag. B r ü n n. Statthalterei - Vicepräsident a. D. Josef Ritter v. Januschka feierte mit seiner Gemahlin Frau Karoline geb. Filkem im engsten Familienkreise die Feier der goldenen Hochzeit. Budapest. Als der Steuermann eines ir Franzens - Canal vor der Gemeinde Turia ankernden Schleppdampfers, Nikolaus Nagy, auf das Schiff kam, fand er bei einem Matrosen seine Gattir Er holte eine Hacke u.nd erschlug damit sowohl den Matrosen als auch seine Frau. Hierauf erhängte sich Nagy in einer Cabine. F r e i b e r g. Im städtischen Walde wurde hier der in Rybi bei Stramberg wohnhafte Johann Hanfelka erhängt aufgefunden. Schweiz. Aar au. Auf dem hiesigen Waffenplatze ereignete sick ein schwerer Unfall, indem bei einer Uebung im Schachen das' Pferd des Cavallerierekruten Finsterwald aus Brugg mit dem Reiter rückwärts stürzte und ihn erdrückte. Infolge innerer Verletzungen trat der Tod ein. Der Verunglückte war das einzige Kind einer Wittwe. Bechburg bei Oensingen. Auf dem hiesigen Schloß starb Herr Fritz Riggenbach - Stehlin, langjähriger Ehrenpräsident des Basler Gesangvereins und eifriger Musikfreund, dessen Gastfreundschaft Brahms, Joachim u. A. genossen. Riggenbach ist 80 Jahre alt geworden. G l a r u s. Der im December vorigen Jahres in Ennend verstorbene Fabrikant Jenny - Zwicky hat 176.000 Francs testamentarisch zu Gunsten seiner Arbeiter und einer Reihe wohlthatiger Institutionen vermacht. Montreux. Die hiesige Deutsche Kirche feierte ihr 25jähriges Stiftungsfest. R o r s ch a ch. Gasthaus und Concerthalle Schaefle gingen in Flammen auf. V a l l o r b e. Eine Feuersbrunst, die man böswilliger Brandstiftung zuschreibt, da das Feuer an mehreren Stellen gleichzeitig ausbrach, zerstörte 3 große Häuser, darunter die Feilenfabrik Berger; 10 Familien sind obdachlos. Ein Theil des Mobiliars konnte gerettet werden. Der Schaden ist beträchtlich. Verletzt wurde Niemand. Luxemburg. Luxemburg. Dem Bergarbeiter Eug. Courtois fiel in einer Gallerie ein Erzblock auf den Fuß; C. erlitt schwere Quetschungen, welche ihn für mehrere Wochen arbeitsunfähig machen. Perl. Kürzlich gerieth das 2jährige Töchterchen des Arbeiters Schottert unter den Wagen eines Fuhrmannes und wurde überfahren. Infolge der erlittenen Verletzungen starb das Kind. Anzeige. Auf dem Fundbureau der Polzieiverwaltung wurde heute eine herrenlose Frauenschürze abgeliefert. , Störung. Fremder (im Provinztheater): Kam hier nicht früher ein wirklicher Schwan auf die Bühne, wenn der Löhengrin" oufgeführt wurde? Direktor: Ja, aber das wurde nachher zu störend ... den haben sie nämlich von -allen Plätzen aus gefüttert! Ein Glücksmensch. Unser Freund Otto hat immer grandioses Glück!" Na, ich denke, er ist erst neulich mit seinem Automobil verunglückt?" Ja, das ist's ja eben! Alles kommt mit heiler Haut davon, nur die Schwiegermutter die verliert vor Schreck die Sprache." Gemüthlich. Herr Feuerwehrhauptmann, in Ihrem Nachbardorf brennt's! Rücken S' denn net aus?". Feuerwehrhauptmann: Bei wem brennt's denn?" Beim Hinterbrüller Naz'!" Feuerwehrhauptmann: Na, da wird net ausg'ruckt, mit dem darf'N'M'r uns net verfeinden; der hat 100 Mark zu der Spritz'n beig'steuert!"

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Explodirung einer Mine durch Gegenminen. . Soweit haben die unterseeischen Minen in dem russisch-japanischen Krieg eine ziemlich große Rolle gespielt. Die Russen haben schon verschiedene Schiffe entweder durch ihre eigne oder durch japanische Minen verloren. Obiges Bild zeigt, wie eine Anlage von Minen durch Gegenminen zerstört wird. Eine unterseeische Mine enthält gewöhnlich etliche 100 Pfund Schießbaumwolle und wird zur Explosion gebracht entweder durch Berührung oder durch Electricität.

Fvette über das Schminken. Vom Schminken plaudert Avette Guilbert in einer Monatsschrift für weibliche Schönheit und Körperpflege. Die Königin des Brettls" schreibt: Ich weiß nicht, wer es gesagt hat, aber irgend jemand hat es gesagt: Die foste Schminke ist die Gesundheit. Das ist der geistvolle Ausspruch eines geistvollen Mannes. Und zwar ein Ausspruch, 'der vor allen anderen das voraus hat, daß er wahr ist. Jawohl, nichts zaubert das liebliche Roth so sehr auf unsere Wangen, wie die Gesundheit unseres Leibes und unserer Seele. Während man aber im Grunde niemals gesund genug sein kann, kann man leider viel, viel zu roth werden, und dann hört die Sache auf, schön zu sein. Ich meine natürlich die bleibende Röthe. Nicht das allerliebste Erröthen, wenn unsere Seele einen plötzlichen Stoß bekommt. Gegen das Erröthen nun gibt es kein Mittel und es soll auch keins geben. Ja, im Gegentheil, ich kenne Damen, die es längst nicht mehr nöthig haben und dennoch bei der geringsten Kleinigkeit zu erröthen Pflegen, weil sie, ich weiß nicht wie, das Erröthen in ihrer Gewalt haben. Aber gegen das Roth sein" gibt es ein Mittel. Der Puder allen anderen voran und eine ganze Reihe anderer, die aufzuzählen ich gern Anderen überlasse. Gegen das Mittel nun, die Röthe zu bannen, wendet kein Mensch etwas ein. Dagegen begegnet das Schminken in gewissen steifbürgerlichen Kreisen noch immer einem gewissen Mißtrauen, und das sie schminkt sich" klingt da beinahe wie ein kleiner oder auch ein großer moralischer Defekt. Nun ist das Blaßsein ja manchmal eine ganz hübsche Sache. Es vergeistigt angeblich. Es gibt etwas Aetherisches, Uebernatürliches beinahe. Jedenfalls aber ist es unnatürlich. Und nicht jede Blässe ist hübsch. Es gibt eine gewisse graue Blässe, die uns unwillkürlich an die Blässe des Elends erinnert, selbst wo von Elend keine Rede sein kann. Es gibt eine Blässe, die mit der übrigen Erscheinung in starkem und darum auch störendem Contrast steht. Eine Blässe, die abstößt. Und da sollte man nicht zur Schminke greifen dürfen? Da soll man die Schönheit, die diese Slasse untergräbt, nicht zur Geltung bringen dürfen? Allmählich hat die Welt sich daran gewöhnt, jeden körperlichen Defekt künstlich möglichst zu decken. Wir haben uns, wo es nöthig , ist, an die falschen Haare gewöhnt, und die Frisuren, selbst die, die ohne falsches Haar gar nicht möglich sind, erregen unser Entzücken. Wir haben uns an das Corsett gewöhnt, das der größte Fälscher unserer Körperform ist, und wir schwärmen trotz der Reformbewegung, die niemals ganz 'durchdringen wird, solange es weibliche Eitelkeit gibt für die mit der Hand zu umspannende Taille". Wir können einen Mund mit schlechten oder fehlenden Zähnen gar nicht mehr sehen und fragen uns gleich: Ja, warum nimmt 'denn die kein falsches Gebiß?", und was wir überall gelten lassen: bei der Schminke thun wir es nicht. Warum? In den hohen und höchsten Kreisen, da allerdings gehört das Schminken zur täglich geübten kosmetischen Behandlung der weiblichen Schönheit, nur in den Bürgerkrersen scheut man davor noch zurück. Und diesem Voruriheil gilt es zu steuern. Für die Schminke gilt es, ew Lanze zu brechen. Sie ha-ucht den Frühling auf daö. Antlitz zurück, das ohne sie, selbst wenn eh jung ist, schon herbstlich gealtert erscheint. Sie erhöht 'den Ausdruck des Lebens. Und daA Leben in uns braucht der Betonung, sonst erstirbt es in uns und um uns her.

Photographien aus Fingernageln. Von all den Modethorheiten, denen excentrische Amerikanerinnen und ihre Basen in London ergeben sind, ist die des Copiren von Phötograpien auf die Fingernägel wohl die lächerlichste. Vor einiger Zeit brachte die Schauspielerin Mabelle Gilman die Idee auf, Diamanten in den Fingernägeln zu tragen. Die Sache war jedoch im Grunde erfolglos, denn die Juwelen fielen wenige Tage nach dem Einsetzen aus, und die närrische Idee starb eines natürlichen Todes. Darauf erregte eine andere junge Schauspielerin. Miß Stella Beardsley, in New York beträchtliches Aufsehen dadurch, daß sie Photographien ihrer Liebhaber auf ihren Fingernägeln trug. Die Idee soll sogar nicht ganz neu, sondern schon einmal in Paris aufgetaucht sein; jedenfalls hat Miß Beardsley den Ruhm, sie hier in Amerika eingeführt zu haben. Ueber das Verfahren berichtet die junge Dame selbst: Es geht ganz so zu wie bei anderen Photographien. Der Photograph verkleinerte die Bilder, die ich ihm gab, zur Größe eines Nagels und machte danach Films; als sie fertig waren, ließ er mich die Finger in eine Silberlösung tauchen, bis sie empfindlich wurden wie gewöhnliches CopierPapier; dann legte er die Films auf meine Nägel und ließ mich sie für einige Augenblicke in die Sonne halten, und in kurzer Zeit wurden die Bilder wie gewöhnlich entwickelt. Leider verschwinden ihre Bilder nothgedrungen mit dem Wachsen des Nagels; in drei oder vier Monaten ist alles verschwunden. Man kann aber auch schon früher ein Bild mit einer Lösung abwaschen, wenn man dessen überdrüssig ist." In London ist diese Schrulle durch die Tochter eines reichen EisenbahnMagnaten eingeführt worden. Im vergangenen Sommer machte sie die Bekanntschaft eines bekannten englischen Sportmannes, der New York wegen des Rennens um den American Cup" besuchte. Nach einigen Wochen war die Bekanntschaft so weit gediehen, daß die junge Dame auf dem Nagel des dritten oder Verlobungsfingers eine zierliche kleine. Photographie von ihm trug. Die Hochzeit fand zu Neujähr statt, inzwischen hatte aber ein Vorfall sich ereignet, der als böses Omen betrachtet wurde. Die junge Dame sah sich gezwungen, ihren Verlobten zu enthaupten." Solange wie möglich verschonte sie den einen Nagel mit der Scheere; als er aber bald die anmuthige Kurve annahm, die die Damen des chinesischen Hofes als ein Zeichen sorgfältiger Pflege betrachten, entschloß sie sich, ihn verkürzen zu lassen. Bei -dieser Operation verlor der Bräutigam seinen Kopf. Nach 14 Tagen kehrte das junge Paar nach London zurück, und sofort eilte die junge Frau zu ein?m Photographen, der ihr das Bild erneuerte. Das schöne Beispiel fand aber natürlich bald Nachahmer.

Der Kußbesen. Vater: Du, die wohlerzogene Tochter, hast Dich vom Adjunkten küssen lassen?" Tochter: Papa, er hat den Kuß mit seinem Schnurrbart gleich wieder weggekehrt!" Zerstreut. Meine Herren, nehmen Sie sich ein Beispiel an mir; sobald ich morgens erwache, stehe ich immer sofort auf. Manchmal, wenn ich viel zu thun habe, sogar noch bedeutend früher." -T- Drastische Wirkung. Wie finden Sie das neue Stück von Heylmayer?" O, entsetzlich! Am Schlüsse konnte - niemand fortgehen, weil allen sogar auch die Beine eingeschlafen waren."

Pedanterie. Eine bedenkliche Kehrseite der bekannte deutschen Gründlichkeit. Die vielgerühmte deutsche Gründlichkeit hat eine amüsante, manchmal etwas bedenkliche Kehrseite, die Pedanterie. Jacob Grimm hat einmal sehr hübsch gesagt: Wenn das Pedantische in der Welt unerfunden geblieben wäre, der Deutsche hätte es erfunden." Dem Deutschen geht nichts über die Gemüthlichkeit, und doch gehört es ebensosehr zu seinem Wesen, an alten Formen und Formeln festzuhalten. Besonders wird noch an Formeln in den sogenannten besseren" Kreisen festgehalten, wo genau abgemessen wird, mit welchem Titel und mit welchen Mitteln der Mensch erst anfängt! Wohl braucht man heute nicht mehr, wie Goethe sogar es thun mußte, ein Gesetz an die wohl und hochedelgeborene, fests und hochgelehrte und wshlfürsichtige, insbesondere hochgebietende Herren Gerichtsschultheiß und Schöffen" zu richten. Aber welche schwere Erwägung ist es manchmal, ob man einen Brief mit Ew. Hochwohlgeboren" oder blos Wohlgeboren," mit Sehr geehrter" oder nur Geehrter" Herr beginne, und ob der Schluß unter hochachtungsvoll" oder ergebenst" oder ehrerbietigst" oder gehorsamst" oder sonstwie zu erfolgen habe. Die Frau Sekretär" Müller beneidet die Frau Obersekretär" Schulze; zum Glück bri ,)t sich die Ueberzeugung allmälig Bahn, daß der Titel des Mannes zunächst eben nur diesem zukommt, und es gilt jetzt bereits vielfach als geschmacklos, im geselligen Hause eine Dame, mit dem unter Umständen recht langen Titel des Gatten anzureden. Freilich, manche hört es noch ganz gern, wenn es hin und her fliegt: Frau Oberregierungsrath X., Frau Appellationsrath Y.. Frau Oberschulrath Soundso. Und nun gar das gnädige" Fräulein, die gnädige" oder gnädigste" Frau, die unglückselige Fortführung des Gesprächs in der dritten Person, wobei manchmal wahre Satzungeheuerlichkeiten zu Stande kommen. Wer nach solchen Aeußerlichkeiten die Bildung eines Menschen bemißt, hat eigentlich kein Recht mehr, über den gravitätischen alten Herrn die Nase zu rümpfen, der in gemessenen Bewegungen mit der Schnupftabaksdose hantirt, immer dieselbe Facon weißer Binden trägt, regelmäßig denselben Spaziergang macht und täglich in bestimmten Stunden dasselbe Quantum Cigarren raucht. Die Pedanterie, so weit sie sich a"f gewohnheitsmäßige Formen versteift, stellt dem warmherzigen, lebendigen Leben gegenüber Systeme, Schemata, Schablonen auf; mit einem Worte, sie schulmeistert das Leben. Wie kaum ein Anderer hat der große GLttinger Philosoph Rudolf Hermann Lotze hier Einspruch erhoben. Sagt er doch gegen Ende seines Microcosmus," er hzbe streiten wollen gegen alle Verehrung leerer Formen und gegen die Wertherhöhung dessen, was nur Voraussetzung oder Folge, Mittel oder Erscheinungsweise des wahrhaft Lebendigen ist." Und ein so grundgelehrter Mann, wie der treffliche Wilhelm Wackernagel, sagt hierüber: Wenn Jemand ,latinisch' statt Lateinisch' gebraucht, weil es doch ,latinus' heiße; wenn Einer von ,Janitscharen' nichts wissen will, wegen der besseren türkischen Form .Jenitscheri'; wenn sich ein Anderer aufregt, wenn ein harmloses Menschenkind ,das Chor' und ,der Münster' sagt, wo es. doch nach der hohen Sprachregel ,der Chor' und ,das Münster' heißen müsse; wenn Jemand überall, auch im täglichen Sprachverkehr strengste Korrektheit verlangt, so ist er ein Pedant." Der Ernst, mit dem ein Pedant Lappalien erörtert, wirkt höchst lächerlich. Daß sogar sehr poetische Naturen in gewissen Dingen der Pedanterie verfallen können, zeigt z. B. Ludwig Uhland, der nicht nur jeden Brief vorerst in's Unreine" schrieb, sondern auch jeden wirthschaftlichen Verweis an die Köchin vorher sorgsam schriftlich ausarbeitete. ' Gegen minderiäbriqe Raucher. In Sidney, Australien, hat eine Maßregel Gesetzeskraft erlangt, die den Zweck verfolgt, dem Rauchen jugendlicher Personen Einhalt zu thun. Kindern unter 16 Jahren ist es dementsprechend verboten zu rauchen, außerdem verfällt jeder in Strafe, der ihnen Cigaretten, Tabak u. f. w. verkauft oder sonstwie verabfolgt. So ist beispielsweise ein 18 Jahre alter junger Mensch, der seinem ILjährigen Bruder eine Cigarette gegeben hatte, vor das .Polizeigericht gezerrt und zu einer Geldstrafe verurtheilt worden. Die Vorschriften gehen aber noch weiter. Schickt rämlich ein Vater seinen Jungen in ein Cigarrengeschäft, um sich für seinen eigenen Bedarf ein wenig Tabak holen zu lassen, so wird auch gegen ihn gerichtlich vorgegangen. Er wird bestraft, sein Sprößling wird bestraft und schließlich muß auch noch bn Inhaber des betreffenden Geschäfts eine Geldstrafe bezahlen, Vater und Sohn. Der Sohn des Präsidenten der französischen Republik, Paul Loubet, der jüngst zum Doktor auf eine Arbeit L?er die Banaue de France hin promovirt wurde, ist als Attache für die Provinzangelegenheiten in der. Banque de France mit 2000 Francs Jahresgehalt angestellt worden. Diese Summe betragt die halben Tageseinnahmen seines Herrn Papa.

CKKKfHKWW0 ? " ' Für Küclio und Saus. ?

wwwwwww Rinderbraten im Topf. Ein Stück von 4 5 Pfund, am besten vom Schwanzstück eines fetten Rindes, klopft man fehr gut und fpickt es sodann mit ganz dicken, in Salz und Pfeffer gemälzten Speckstücken. Nun legt man eine mehr breite als hohe Kasserolle mit reichlich Zwiebelscheiben, etwas ganzem Pfeffer und englisch Gewürz. 2 3 Nelken und einem Lorbeerblatt, auch wenn man sie hat, einigen Speckscheiben, aus, und gießt dann nicht mehr als Quart Wasser über das Fleisch, welches man auf diese Unterlage gelegt hat, welches man zu vermindern hat, sowie das Fleisch in's Braten kommt. Einen festschließenden Deckel legt man sofort, oder wenn das Fleisch leise zu schmoren beginnt, auf. Hat man keinen Schxaubdeckel, so thut man gut, den Deckel mit 2 Plättbolzen zu beschweren. Man beschöpft das Fleisch nicht, sondern legt es sehr oft um und gibt es, wenn es gar ist, was mkn durch einmaliges Einstechen mit einer Spicknadel oder einer Gabel feststellen kann, schön tranchirt zu Tisch. Man streicht die Sauce durch ein Sieb und gibt einen Theil davon über das Fleisch, während man die übrige in einer Sauciere reicht. Eine halbe Stunde vor dem Anrichten kann nach und nach. Quart an die Sauce gegossen werden. Man wählt am besten , bie sogenannte Kante vom Schwanzstück, die oben eine dicke Fettläge hat, und läßt das Fleisch lang und schmal hacken. Die geschnittenen Stücke sollen handbreit sein. Sautirtes Gehirn. Ein Rinds-, Kalbs- oder Schweinsgehirn wird in Wasser bis vor's Kochen gebracht und in kaltem Wasser abgekühlt. Soll das Gehirn sehr weiß werden, so wiederholt man diesen Prozeß noch einmal. Dann macht man Butter in flacher Pfanne hellbraun, bratet darin das Gehirn hellbraun und servirt es mit Parmesan-Croutons oder mit einem Kranz von in Butter mit Citronensaft gebratenen Champignons umlegt. T h e e k u ch e n (billig und gut). Man rührt z Pfund Butter zu Sahne, fügt z Pfund Zucker. 2 Eigelb und 2 Eßlöffel süße Sahne dazu. Alles gut schaumig durcheinander rührend, dann nimmt man 1 Pfund Mehl, legt einen Theil davon auf einKuchenbrett, bringt die gerührte Masse darauf und verknetet nach und nach das Pfund Weizenmehl mit dem Teig zu einem guten, festen Kuchenteig, den man in mehreren Theilen auf dem Brett ausrollt und mit einem Weinglas aussticht. Man kann auch kleine Bretzeln formen, bestreicht d ese mit Eigelb, drückt sie leicht in Sträußel und backt sie goldgelb. Figaro-Torte. Pfund geklärte Butter wird zu Schaum gerührt, mit zwölf Eidottern 2s5 Pfd. geriebenem Zucker, und etwas Kardamom dreiviertel Stunde lang weiter gerührt, mit Vanille- und Citronen-schalen-Extrakt abgeschmeckt und dann mit 2s5 Weizenmehl, das man mit einem Löffel Backpulver untermischt hat. vermengt. Hierauf zieht man den steifen Schnee der zwölf Eiwciße darunter, theilt die Masse in drei gleiche Theile und färbt den einen Theil mit Cochenilletinktur schön roth, den anderen Theil mit 2 Unzen Kakao dunkel und läßt den dritten Theil ungefärbt. Aus diesen verschiedenen gefärbten Theilen bäckt man bei gelinder Hitze drei gleich große Tortenbrödchen. bestreicht zuerst den rothgefärbten init Aprikosen- oder Quittenmarmelaoe. legt den dunkelgefärbten darüber, bestreicht diesen mitKirschmarmelade und deckt darüber zum Schluß die unafärbte Platte. Die Oberfläche und die Ränder der Torte werden mit Orangeglasur überzogen und mit eingemachten Früchten belegt. Gefülltes Spanferkel. Man reinigt ein Spanferkel gut, kocht Lungen und Herz mit Salz, zweiZwiebeln, Pfeffer und Neugewürz in Wasser weich und hackt es mit der abgehöuteten Leber; dieseMasse muß fein ourch ein Sieb gerührt werden. Dazu kommt z Pfund Butter, zwei aufgeweichte Semmeln, vier Eier, Salz. Pfeffer? d?es alles füllt man in das Ferkel, naht es zu. bratet es in Butter und verdickt später die Sauce mit Mehl. Hecht mit Meerrettich. (Hamburgische Vorschrift.) Der gesäuberte, geschuppte und in Stücke zerschnittene Fisch wird in Sal'zwasser gekocht. Die Hälfte von der Fischbrübe wird mit Quart feinem Essig. :nei bis vier Eßlöffeln geriebener Semmel. 1 bis 2 Unzen Butter, drei bis vier Eßlöffeln geriebenen Meerrettich, etwas Zucker und nach Belieben gereinigten Korinthen eine Weile verkocht, die Fischstllcke wieder hineingelegt, darin einmal aufkochen lassen und angerichtet. Gebackene Zwiebel sche i b e n. Man schält große. weißeZ.i beln und schneidet sie so in dicke Sch.ben. daß die einzelnen Ringe nichtauseinanderfallen. Diese Scheiben werden in Mehl umgewendet und in steinenoer Butter auf schnellem Feuer braun aebacken. Die Sauce wird mit etwas Bratenjus oder Brühe, Salz. Zucker, Pfeffer und Essig rasch aufgekocht und über die Scheiben gegossen.