Indiana Tribüne, Volume 27, Number 219, Indianapolis, Marion County, 6 May 1904 — Page 5
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Jndiana Tribüne, Y. fSflai 1904.
Der Arzt.
' Lebensbild von M. Herbert. Es hing ein beständiger Flor von Ranch, Staub, Ruß und Dunst über der Rothenhahnengasse. Schwere Lastwagen fuhren hindurch, und auf den schmalen Bürgersteigen drängten sich die grauen Gestalten von Arbeitern und die breiten, behäbigen kleinen Beamtenfrauen, 'die mit gelben Marktkörben ihre Besorgungen machten. Die mittelalterlichen Häuser standen enge zusammengedrängt. Ihre Giebel trugen da und 'dort noch ein gothisches Fenster mit edel stilistrten Säulen und Simsen. Hier und dort leuchtete noch eine wetterverwischte Freske in bunten Farbentönen auf, wenn 'die Abendsonne einen verlorenen Strahl hereinsandte. Vor manchem Fenster stand mich ein Flor großblllthiger Geranienstöcke, die sich irgendwie auch ohne den belebenden Beistand von Licht und frischer Luft in Heller Pracht entfaltete. Aber außerdem lastete überall die Noth des Lebens, 'die Last des Alltags und der Schmutz der schweren Arbeit, aus der nur in den Februartagen des Carnevals ein lautes, jauchzendes, ausgelassenes Gebrüll, ein tollesSchellengeklirr und ein rasender Tanz in der Gassenschenke aufblitzten, denen dann gewöhnlich ein Todtschlag, eme große Blutlache auf den Straßen und die Einsteckung eines FamilienoberHauptes folgten, das die Seinen auf der untersten Stufe des Elendes ließ. ' Und in den grauen Alltag des übrigen Jahres mischten sich all die bunten Fäden der Tugenden und Laster des Arbeiterstandes; stille, unermüdliche Ergebung und Geduld, heldenhafter Fleiß, erhabene Resignation der Frömmigkeit und wilde, brutale Rohheit, thierischer Zank, Krankheit und ein ja mer, ringender Tod. ' . . Wenn aber das laute Geräusch des Tages, verhallt war, dann wurde durch die Stille der Nacht das schwermüthis ge, ernste Rauschen der Donau hörbar, die ihren großen Wellenschlag an den gewaltigen steinernen Wehren der tausendjährigen Brücke brach, und diese tiefe Naturstimme drang herüber und sang ihr altes Heldenlied von stolzer Vergangenheit ' von hel'den lobebaeren und großer kuonheit" aber nicht viele waren, die es verstanden. Die Elite der Straße, die Herren Hutmacher, Kürschner, Drechsler und Blechschmiede, die ihre Geschäfte in den großen Gewölben der alten Geschlechterhauser betrieben, saßen bis spät in die Nacht im Rothen Hahnen beim schäumenden Märzenbier, und die Frauen, die übermüdeten, überarbeiteten Frauen, lagen traumlos in . ihren Betten oder .schoben mit. leisem, schlafrigem Gesang den Kinderwagen mit dem schreienden Säugling in den weiten, niederen Gelassen hin und wieder. Und dennoch hatte das unermüdliche Lied des Stromes an das Ohr eines kleinen, wachen Buben geschlagen, der in seinem schlechten Bette aufsaß und lauschte, denn es schien ihm zuzurufen: Du mußt vorwärts! Du mußt arbeiten'und ringen, du mußt aus Staub und Schmutz empor zu den Höhen des Lebens" , und ein stolzes Wort, das er einmal gelesen, wuchs und wurde groß in seiner Seele, das Wort: Ich will und ich werde! Und er hatte es erreicht. ' Durch die .Demüthignngen von Kosttagen, Almosen, Freiplätzen und Stipendien war er mit unermüdlicher Thatkraft ' vorw'ärts gedrungen und hatte sein Ziel errungen. Er hatte sich auf diesem anstrengenden und steilen Wege nicht viel auf sich selbst besinnen können, er hatte geglaubt, daß er fest und hart geworden sei, im Drachenblut der Noth gestählt aber 'da er begann, von der Noth und dem eisernen Zwange unablässiger Arbeit befreit, als ein vollberechtigter Mensch zwischen anderen Menschen zu leben, fing er an, seine innerlichen Tiefen und Untiefen zu entdecken, seine Kräfte und seine Schwächen zu messen. Es war nach einer Sprechstunde. Doctor Faber liebte damals seine Sprechstunden nicht besonders, in denen eine Fluth armen Volkes zu ihm hereindrang. Es war das Volk, aus dem er hervorgegangen war, aus dessen Mitte er sich emporgerungen hatte; er kannte es zu genau, stand ihm noch zu nahe, um es zu lieben. Er glaubte noch, daß in den höheren Gesellschaftsklaffen reinere, bessere, höhere Motive wohnten. Aber sie kamen zu ihm voll Vertrauen: aufgebrauchte, unreinliche Männer, die nach Fusel rochen, und dumme Weiber, die glaubten, das kleine, elende Stückchen Mensch, das sie in Tücher gewickelt zu ihm hereinbrachten, habe die Bedeutung einer ganzen Welt. Merkwürdig" philosophirte der Arzt, daß im Weibe der Sinn für die Erhaltung der Art weit stärker ist als im Manne. Macht wohl, weil das Weib amEnde einige Kulturstufen nieidriger steht als der Mann. Alle Instinkte und Impulse hat es lebendiger und kräftiger, feuriger bewahrt' als sei noch nicht zu viel Wasser in seinen Wein gegossen, und doch hat es seit Jahrtausenden den Löwenantheil an Schmerz, Sorge, Entbehrung und Qual getragen. Trotzdem, welche Kraft, welche Beharrlichkeit! Wie solch eine müde, abgehärmte, von der Rohhett des Mannes mißbrauchte Frau ringt und kämpft, um das verlöschende
Vettlerdasein ihres Kindes, dem nichts blühen wird als Angst, Sorge und rauhe Arbeit! Komisch, dieser gewaltige Wille zum Leben in der Armuth!" Er stand in seinem Schlafzimmer, desinficirte und parfümirte seine Hände und wechselte die Kleider. ... Es muß jetzt noch sein," sagte er zu sich. Später setze ich meine Taxe so hoch an, daß der Pöbel , nicht heran kann. Herr, wo doch der Idealismus bleibt! Im Anfange fand ich's edel, eine erhabene 'Verpflichtung, den Armen zu helfen! Aber seit ich 'ihre Dankbarkeit erfahren habe .... huh! Drei Kreuze davor! Es wächst der Mensch mit seinen höheren Zwecken." Doktor Faber wußte selber nicht, welchen Sophismus er da eben ausgesprachen hatte. . Er trat vor den Spiegel und betrachtete seine elegante, junge Gestalt mit Wohlgefallen. Wer empor will, darf nur seine eigenen Zwecke im Auge behalten, alles andere, liegt hindernd im Wege. Es glückte ihm ja auch! Man hatte ihn in der ersten Gesellschaft angenommen, er hatte gute oder vielmehr glückliche Kuren gemacht, und er ging aufwärts im Leben. Seine Einnahme war glänzend,, nun galt es noch, eine gute, das heißt eine vornehme Partie zu machen, dann war die Zukunft gesichert. -.. Ein wundervolles Gefühl von Muth, Kraft 'und Selbstvertrauen kam übehn, jenes Gefühl stolzer, unternehmender -Gesundheit, die, von Erfolg ! getragen, meint die Welt erobern zu können. , Als er die Handschuhe überstreifte, um die Runde seiner nachmittäglichen Krankenbesuche zu beginnen, mußte er über einen plötzlich wie warnend auf steigenden Gedanken geradezu hell her auslachen! Wenn nur die Liebe ihm keinen dummen Streich spielte! Früher, in seiner größten Jugendelesei, war er nach dieser Richtung hin nicht ganz sicher gewesen. Er hatte zuweilen monatelang unter einer Leidenschaft geseufzt. Aber auch diese Zustände waren überwunden worden wie Kinderkrankheiten. Er wußte sich in dieser Beziehung vollständig frei und glaubte sich für alle Zeiten sicher. jDoktor l'Faber nahm sein Taschenbuch heraus und prüfte die Reihe der Patienten, die ihn hatten bitten lassen. Fast täglich kamen neue hinzu, seine Praxis wuchs sichtlich. Auch heute standen einige Namen hier, die er nicht kannte. Im Anfang war jeder neue Patient für ihn ein Ereigniß gewesen, das sein Interesse geweckt hatte, jetzt, kam er bereits in jenen Zustand gänzlicher Wurstigkeit" den Leuten als solchen gegenüber. Sie waren nur noch mehr oder weniger werthvolle Acquisitionen, interessante oder uninteressante medizimsche Fälle". Natürlich bestrebte er sich, sie wieder gesund zu machen; wenn man ihn zu einem Todescandidaten rief, so war ihm das sehr unangenehm, und er bat sofort um Heranziehung eines älteren Collegen. Dergleichen nahm er nicht gern auf seine. Schultern. Doktor , Faber war entschieden zu elegant und flott für Mädchenherzen einer mittelgroßen bayerischen Stadt, in der man nicht viel an Eleganz und Schneidigkeit gewöhnt war. Er hatte eine Unzahl Verehrerinnen, aber er stellte hohe- Ansprüche. Seine Frau sollte ihm nicht nur gefallen, sie mußte ihn auch anregen können. Er lächelte über die 'heißen Blicke, die ihm folgten, wenn er über die Straße ging, über die hübschen Toiletten, die ihm zufällig" über den Weg liefen, über die Freunde lichkeit der Mütter und die unterstrichene Bonhommie der Väter. Er wollte warten. Nur die reichste und beste Partie war für ihn gut genug. Solche Gedanken begleiteten Doktor Faber, als er aus einer Krankenstube in die andere ging, 'Diagnosen stellte, Recepte verschrieb und als geistreicher Causeur an müde und gelangweilte Frauenherzen klopfte. Er war bei seinen Patienten beliebt. Wohin er kam," dä Leuchteten die matten Augen auf; 'denn mit seiner frischen gesunden Art verstand erSchmerz und Angst für einige Zeit hinwegzutäuschen und Zuversicht und Hoffnung einzuflößen. Er wußte, . daß ein Arzt immer am meisten'durch seine Person lichkeit' wirken muß, und er war einer jener Menschen, 'denen die LiebensWürdigkeit zu Gebote stand, wenn sein Zweck es forderte. . ' Sein Run'dgang war fast beendet, da fiel ihm noch eine Adresse ein,' die ihm nicht, vielversprechend schien: Frau Maria Strasser, Donaulände." Strasser war ein sehr verbreiteter Name , in der Stadt, meistens trugen ihn kleine Bürgersleute; auch die Gasse war nicht ansehnlich, sie lag' fernab am Donauufer in der Altstadt, wo die Arbeit und die Armuth des neunzehnten Jahrhunderts eingezogen waren in die gewaltigen, vielstöckigen . PatrizierHäuser des Mittelalters, die dort auf den bröckelnden Stadtwall gelehnt die Häupter über den unsterblichenDixnauström neigten und wie alte Leute einander vorplauderten von todter . Vergangenheit. Es war aber kein armes, vernachlassigtes 'Heim, in das der Arzt kam. Es war just um Sonnenuntergang, als die. Dienerin :btx Frau Strasser ihn einließ in ein großes, zweZftnstriges Gemach, das- ganz durMuthet war von rothem Licht, in, dem alle Gegenstände leuchteten,, als, stammten sie aus einer himmlischen Einrichtung. In
dem Zimmer stand ein Kinderbett, und damben saß eine junge Frau, deren weißes und klares'Gesicht sich anmuthig abhob aus ihrem langen schwarzenGe wand. Ihre, braungoldenen Haare Waren von dem Lichte mit Funken besäet, und auch das blonde Knabenköpfchen auf den weißen Kissen leuchtete. Die Fenster des Zimmers waren so groß und so hell, daß die weite Donaulandschaft dieser Mutter und diesem Kinde als Folie 'diente. Man sah am jenseitigen Ufer die Bäume und die mit rothen Weinranken bekleideten Mauern und Häuser, dahinter emporstrebend das grüne Hügelgelände. Doktor aber war doch . noch ein junger Mensch, und seine Seele war unbewußt empfänglich geblieben für Schönheit und Lieblichkeit. Er meinte, er habe, nie etwas Holderes gesehen, als diese Mutter und dieses Kind; aber natürlich war das nur eine flüchtige Empfindung, die durch seine Seele ging, und deren er sich kaum bewußt wurde. Die junge Frau kam ihm eifrig ent gegen. Der Bubi hat schon seit gestern Abend starkes Fieber. Ich habe Sie mit Sehnsucht erwartet und bereits gefürchtet, Sie würden gar nicht kommen." . Er wußte, daß Bedachtsamkeit und Ueberlegenheit einen Arzt immer empfehlm; so hatte er sich angewohnt, mit ruhigen und langsamen Worten zu sprechen, die vertrauenerweckende Art und Wekse eines Vielerfahrenen anzunehmen. Gestatten gnädige Frau, daß ich den Knaben untersuche? ... So, mein Kleiner, gieb mal die Hand." . Aber eigentlich war ihm, in diesem Augenblick das Befinden des kleinen Bengels" einerlei, sein Auge umfaßte mit Entzücken die volle und doch schmiegsame und schlanke Gestalt der Frau, die vor ihm stand ' und deren Blick angstvoll im Gesicht des Kindes suchte, dessen wirre blaue Augen an der Uhr hingen: , Gieb mir die Tick-Tack,Onkel Doktor!" ' Er hielt dem Kinde die Uhr an's Ohr und sagte dabei zu der Mutter' in seinen beruhigendsten Tönen: . Ein kleines, nicht sehr bedeutendes Fieber, gnädige Frau. Wir wollen dem Jungen einenWickel machen, dann wird es hoffentlich bald vorüber sein. Haben gnädige Frau schon öfter Wickel gegeben?" Nein, Herr Doktor. Leider bin ich keine besondere Krankenwärterin; meine Erfahrung in diesem Punkte ist sehr gering." Etwas Hülfloses, fast Kindliches in ihrer Art sagte ihm, daß sie verwöhnt und verhätschelt war, und. das . gefiel ihm. ' Er wollte keine übermäßige Energie bei Frauen,'das Weiche, Hingebende nur gewann Macht über ihn. Diensteifrig bot er sich an, den Wickel selbst zu machen. Er hätte das sonst niemsls gethan, eine unbekannteMacht zwang ihn, behülflich und gefällig zu sein. Das Mädchen brachte Tücher und Wasser, und er bereitete den Umschlag. Er sah mit Bewunderung zu, wie die Mutter das Kind vorsichtig und liebevoll entkleidete; jede Berührung ihrer Hände schien Liebe und Zärtlichkeit auszudrücken. Er hatte eine solche Feinheit und Grazie der Bewegung noch bei keiner Frau gesehen. DieNacht wird voraussichtlich nicht ganz ruhig ablaufen. Ich werde noch ein Mittel aufschreiben. Sollte das Fieber sich gsgen Mitternacht steigern, so wäre wohl der Herr. Gemahl so liebenswürdig, an mich zu telephoniren." Ueber die Frau kam ein Zittern. Sie wurde um einen Schein bleicher und sagte tonlos:' Mein Gatte ist gestorben. Das Kind ist das einzige, was ich noch auf Erden habe. Er darf mir nicht sterben." Ihr Blick traf ihn mit einer furchtbaren,, leidenschaftlichen Angst, aber er dachte nur: , Alle Wetter, wie müßte diese Frau lieben können, wenn sie ihren kleimn Bengel schon so in's Herz geschlossen hat! ' Ach, gnädige Frau, so jung noch und schon ein so schweres Schicksal! Gewiß werde ich mein möglichstes thun, dem Kinde zu helfen.. Ein reizender kleiner Bengel!" Da lächelte sie schon wieder; das Lob ihres Kindes hatte sie entzückt. Ihr Gesicht wechselte im Ausdruck wie das eines jungen, unerfahrenen Geschöpfes; von der tiefen Trauer ging es zum strahlenden Lächeln über. Ja, er ist sehr lieb. , Und es ist wirklich keine Gefahr da, Herr Doktor?" Gewiß nicht! Geben Sie nur die Arznei regelmäßig, und lassenSie mich rufen, wenn das Fieber steigt. Hier ist mein, Fieberthermometer! Messen Sie die Temperatur der Achselhöhle! Ich habe die Ehre, mich zu empfehlen, gnä dige Frau!" . r r Gegen elf Uhr. Abends wurde er wieder. gerufen., - ... ' . Die Frau kniete in tödtlicher Angst neben dem Bette ihres Kinder,, das Fieber war..hoch gestiegen, und ihn ih rer Seele , brandete die Verzweiflung. . Er phantasirt," sagte sie, ihre ver weinten Augen zu dem Arzte aufhebend. Er kennt mich nicht. Ich fürchte, er ist recht krank." . Ja das Kind war sehr krank.. Doktor Faber verordnete ein kühles Bad und Half selbst, den kleinen Patienten hi.neinlegen.' ' Er war wie ausgewechselt. Er warhier nicht mehr blos
Arzt, sondern em fühlender, helfender, mitleidiger Mensch. Er warersönlicH theilnehmend und interessirt, . wogchen er sich eigentlich 'hoch und theuer vchschworen hatte, weil er es für das Dlimmste hielt, was ein Arzt überhawpt thun konnte. Sich selbst hingetoeji, den. geschäftlichen Standpunkt verlassen dabei mußte man sich aufreiben, und Niemand dankte es einem. Krankh'it, Schrierz und die Furcht vor dem Ve.:lust des Liebsten machen aus allen A'.enschen Selbstlinge. Alle diese guten und wichtigen Vorsätze hatte er einfach vergessen, als seien sie nie in seiner Seele gewesen. Er fühlte nur den Wunsch, dieser einsamen, zitternden, hilflosen Frau zu dienen, und es erfüllte ikM mit Befriedigung, daß er es konnte. Der Arzt trat vor dem Menschen in den Hintergründ. Der kleine Patient nahm seine Theilnahme nicht halb so viel in Anspruch als die Mütter. Es hatte ihn getroffen, wie ein Blitz aus heiterem Himmel; urplötzlich nach langem Schlafen war wieder die Leidenschaft in ihm wach geworden. Er hatte noch nie durch eine Frau einen so tiefenEindruck empfangen, und er sagte ; sich: Diese oder keine! Sie hatte nichts mit ihm gesprochen, als das, was ihr Kind betraf; sie hatte still, zurückhaltend, fast mädchenhaft scheu , ihn behandelt, und doch war er sofort gefangen gewesen. Eine Berührung ihrer Hand ließ alle seine Pulse zittern, er gehörte ihr willenlos - er wußte es, als diese Nacht vorbei war, in der er neben der Zitternden, Angsterfüllten gewacht hatte, ste ermuthigend und tröstend. ' Als gegen Morgen der Kleine in einen leichten Schlaf sank, war die Mutter dermaßen erschöpft, daß er sie zwang, sich auf das Ruhebett im Zimmer niederzulegen. Er selber hüllte sie sorgfältig in eine Decke, und sie reichte ihm mit einem müden, dankbaren Äächeln die Hand. Diese Traulichkeit, welche einige in Noth und Sorge gemeinsam verbrachten Stunden zwischen ihnen hergestellt hätten, verscheuchte alle Steifheit und Förmlichkeit urtd verbreitete eine süße, innige Wärme in seinem- Herzen, die ihn in diesem Augenblick . zu jedem Opfer für diese Mutter und dieses Kind bereit gemacht hätte. . Alle Selbstsucht war plötzlich wie weggeblasen; die Jugend in ihm forderte nachdrücklich ihr Recht auf Begeisterung und Idealismus. Er wußte, daß diese Frau nicht .sehr vermögend war und daß sie auch keine hervorragerade Stellung in der gesellschaftlichen Rangordnung einnahm: die Wittwe eines Gymnasiallehrers das war ja gewiß sehr achtenswerth, aber es konnte ähn nicht fördern, wie fein, lieb ünd jMn'sie auch sein mochte. 'Es "ging ihm flüchtig durch den Sinn, daß der rücksichtslose und strebende Mensch in ihm eine Schlappe erhalten hatte, daß er 'im Begriffe stand, einenStrich durch seine so wohl vorbereiteten Rechnungen zu.ziehen, aber diese Erwägungen waren nur borübergehend uttd' gewannen fthft' Macht über sein Handeln. Er ging, als das Kind schlief, um sobald als möglich zurückzukehren, fest entschlossen, sein äußerstes, zu thun, um das Kind zu retten. Die Frau sah ihm mit bewundernder Dankbarkeit nach. Seit sie Wittwe war, hatte ihr Schmerz sie vereinsamt; nicht viel Güte war über , ihren Weg gegangen.' Die zarte Besorgniß des Arztes hatte deshalb einen tiefen Eindruck auf : sie gemacht. Welch ein guter Mensch das ist!" sagte sie leise zu sich. Jch wußte nicht, daß es noch so gute Menschen giebt." Und sie hätte kein Weib sein müssen,' wäre es ihr nicht leise zum Bewußtsein gekommen, daß in dieser zarten Besorgniß noch mehr lag, als eine allgemeine Bethätigung menschlicher Güte. '' Als Doktor Faber heim kam, reichte sein Diener ihm eine Drahtnachricht. Einer seiner vornehmsten Klienten war erkrankt; ein adeliger Gutsbesitzer der Nachbarschaft; die Reise dorthin würde einen Tag in Anspruch nehmen. Einen Augenblick lang zögerte Doktor Faber er konnte einen Vertreter dorthin senden er hatte ja Frau Strasser versprochen, mit dem frühesten Morgen nach dem Kinde zu sehen uni wenn er den Schnellzug noch erreichen wollte, mußte er gleich zur Bahn. Aber der Gang durch die kühle Nachtluft hatte seine Vernunft zurückkehren lassen: er war wieder zielbewußt, energisch, auf seinen Vortheil bedacht. Der augenblicklich so starke Eindruck, den die um ihr einziges Kind bangende Frau auf ihn gemacht, verflüchtigte sich bereits oder schien sich doch zu verflüchtigen. Er durfte den reichen, einflußreichen Patienten nicht vernachlässigen, und kurz entschlossen, ließ er sich seinen Pelzmantel reichen;' denn ihn fröstelte an dem ; nebeligen Herbstmorgen nach der durchwachten Nacht, und er eilte zum Bahnhofe. Als der Zug ihn mit unerbittlicher Schnelligkeit von der Stadt hinwegtrug an den Ufern der.träg und still im grauen Morgenlicht dbnfluthenden Donau entläng seinem Bestimmungsorte zu, schien es ihm, als habe ihn eine Schicksalshand erfaßt, die ihn wider seinen Willen nach einer falschen Richtung triebe; aber er wehrte dem dunklen Gefühle, drückte trotzig seinen Kopf in die grauen Tuchpolster' des
Wbtheils und erzwäng sich eine Wwnde ruhigen, festen, traumlosen Schlafes. Es war nur eine Kleinigkeit, die ¬
sem avettgen Herrn fehlte: bei emem Diner 'hatte er zu viel Mayonnaise zu sich genommen und sich eine Verdauungsstörung zugezogen; jeder Bader hatte ihm helfen können. Doktor Fader war äußerst ärgerlich, zeigte aber die verbindlichsten Manieren, und da er erst am Abend wieder Bahnanschluß hatte, machte er während des Essens und einer nachmittäglichen TennisPartie der hübsch:n Schloßherrin den Hof, wie sie das von ihm verlangte, aber er war doch froh, als er endlich wieder im Zuge saß und heimwärts fuhr. Eine peinigende Unruhe, als ob er auf falschen Wegen sei, hatte ihn nicht losgelassen. Der Zug, der heute Morgen so schnell fuhr, schien nun durch die Landschaft zu schleichen; die Entfernung von einer Station zur anderen däuchte ihm endlos, und als schon die alten Domthürme der Stadt am Himmel unsicher auftauchten, war es, als ob sie niemals näher rückten. Als das Ziel erreicht war, flog er mehr, als er ging, durch die Gassen der Donaulände. Heute war die Sonne bereits untergegangen; ein fahles gelblicbes Lickt laaerte noch auf den Säufern, alles sah freudlos, versallen, alltäglich aus. Die Thüre zur, Wohnung der Frau Strasser stand offen. Ohne anzuschellen er war in solcher Eile, daß er es vergaß trat er hinein. ' Auch die Thüre zum Zimmer des Kleinen war nur angelehnt; er stieß sie auf und überflog mit schnellem, leidenschaftlichem Blick den . Raum. Die Mutter, kniete wieder .am Bette des Kindes, regungslos, den Rücken ihm zugewendet. Leise ging er näher das Kind lang auf den Kissen furchtbar verändert sterbend, wie er so fort bemerkte aus dem Halse ragte die Kanüle. . Die Frau sah zu ihm auf mit einem matten, entgeisterten, haßerfüllten Blick. - Er hatte Diphtheritis,? sagte, sie tonlos,,, und Sie, habe es nicht 'gefunden." , , iV. ; Ohne ihn weiter zu . beachten, legte sie das' Gesicht wieder in 'die Hände. Ob er, anwesend war oder nicht, "es schien ihr gleichgültig. ' '.' . -r. . . Er raffte feinen Hut von dem näch? sten Stuhl, auf den er. ihn geworfen, und ging hinaus. Es war die ; erste schwere Lektion seines Lebens, der erste verhängnißvolle Irrthum. , Als er am nächsten Tage im Anzeiger die Todesnachricht des Kindes las, schloß er sich für eine Stunde in sein Zimmer ein und weinte. . Seit dem Tage war sein Selbstvertrauen erschüttert. Aber der Fall schädete ihm nicht; Niemand schien darüber zUtsprechen, Niemand davon zu wissen. Auch die Frau tauchte nie wieder in seinem Gesichtskreise auf. Er horte einmal, daß sie zu' ihren Eltern in eine andere Stadt gezogen fei das war alles, und doch konnte er sie jahrelang nicht bergessen, und die schlimme Erfahrung machte ihn zu einem ernsteren unid tieferen Menschen, brachte ihn dem Ziele näher, an dem die Vorsehung ihn haben wollte. Zohu Bull's Getränkerechnung. Man schreibt aus London: Der ,un ermüdliche Temperenzapostel Dr.Däwson Burns rechnet John Bull in den Times" wieder vor was er letztes Jahr vertrunken hat. Er war etwas mäßiger; als im Vorjahr das. Et-, was beträgt 5,054,546 Pfd. Steil. , hat aber doch in Bier, Spiritussen und Wein zusammen nicht weniger als 174.445,271 Pfd. Sterl. 'oder rund Z872.000.000 ausgelegt. Pro Kopf der Bevölkerung macht das eine Iahresausgabe von $21 und pro Familie von fünf Köpfen von P105! Dr. Burns acceptirt die Theorie," daß das Ganze dieser Summe von 55 Procent der Bevölkeruna ausgegeben wird, was für jede Person, die trinkt, etwa $40 geben würde. Von der gesammten Getränkerechnung zahlen, nach seiner Berechnung, Personen mit einemEinkommen unter $750 mindestens zwel Drittel. Bemerkenswerth ist die Zunahme des Bierconsums in Irland ($9 pro Kopf gegen $7 für Schnaps), während in Schottland für jede $10 für Schnaps nur $4 für Vier ausgegeben werden. In England selbst fallen $14 auf Bier und $6 auf Schnaps. Der Quantität nach werden consumirt: 42.925.455 Gallonen Schnaps. 1,258153.920 Bier, 13,942.092 Wein, 15.000.000 Most und britische Weine, sammen 1,329,021,467 Gallonen mit einem. Alkoholgehalt von 89,646,519 Gallonen. , ,
Enfant terrible. Elsa: Meine Mama läßt sich jetzt malen!" reichen: So meine Mama besorgt das immer selbst!" Im Bilde geblieben. Wittwe: Der Assessor ist ein'trauriger Knopf!" 'Herr: Ah gewiß, weil er bei Ihnen abgesprungen." Zufrieden. Wie bist Du denn mit Deiner Schreibmaschine zufrieden,' Freund?", Ausgezeichnet ich kann damit einen Brief säst ebenso schnell schreiben, wie mit der Hand!" Mißtrauisch. Frau (zu ihrem Manne, welcher einesDiebstahls verdächtigt ist): Ein Fräulein Rechtsanwalt darfst Du auf keinen Fall mit Deiner Vertheidigung betrauen! Wenn Dir die geMt,-läßt Du das Stehlen nie wieder . . . !" -, .
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