Indiana Tribüne, Volume 27, Number 218, Indianapolis, Marion County, 5 May 1904 — Page 7

Jndiana Tribüne,; S. Mai won.

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. . I otbene Linnen w N fl: N N N N K (Fortsetzung.) ss ie arme Kleine scheint wirklich recht leidend zu sein," sagte er, in seine Wohnung zurückgekehrt, zu sich selbst, während er traurig zu dem klaren Winterhimmel emporsah. Aus den Regen vom Tage vorher war Helles Frostwetter gefolgt, das die letzten herbstlichen Blüthen des Gärtchens, auf das Vincents Fenster hinausging, geknickt hatte, während die alten Tannen in der Ecke sich wie derjungt und erfrischt in die Höhe zu richten schienen. Auch der die Mauer bedeckende Epheu sah frisch und grün aus nur die armen Blümchen hatten ihr Leben lassen müssen. Der eistge Hauch, der den stärkeren Pflanzen neue Kraft verlieh, brachte den zarten den Tod. Vincent drängte sich dieser Vergleich auf, und über dem Gedanken an die einem andern Wesen drohende Gefahr schwand das Wohlgefühl, das ihn noch eben erfüllt hatte. Wenn Estelles Zustand sich verschlimmerte, wenn das Schwerste eintreffen und sie sterben sollte, welch ein Unglück nicht nur für sie selbst, sondern auch für die gute Frau Lancelot, die die Mädchen wie ihre eigenen Kinder liebt, und für Germaine." Die Vorstellung von Germaines Kummer vor allem schnürte ihm das Herz zusammen. Denn Germaine," fuhr er in Gedanken fort, trifft doch das größte Verdienst an dem idealen, durch gegenseitige Opferwilligkeit verschönten Leben, das diese drei vortrefflichen Menschen führen. Sie, die am wenigsten einer Stütze bedarf, ist nun Halt und Stütze der beiden andern geworden. Freiwillig, von keiner Pflicht getrieben, hat sie sich dieses arbntsame, aufoßferungsvolle und sie beglückende Dasein geschaffen; es gibt ja Frauen, auserlesene Wesen, die gerade in der HinHebung ihr höchstes Glück finden." Schon seit einiger Zeit ertappte sich Vincent bei derartigen Träumereien, die sicherlich ihren Grund in dem eintönigen Leben einer Provinzialstadt hatten, wo der ungenügend beschäftigte Geist unwillkürlich in's Sinnen und Grübeln verfällt. Vielleicht aber auch mochte das alterthümliche Haus, aal, dessen traulichen Ecken und Winkeln alte, längst entschwundene Gestalten zu ihm sprachen, einen Theil der Schuld tragen. Um solchen Spukgesialten zu entrinnen, gab es nur die Flucht, und zu diesem äußersten Mittel griff Vincent jetzt. Mein Käppi! Die neuen Handschube und den Schlüssel ain: 5interyurei" rief er so laut, vaß sein J8ux sche mit einem Satz aus seinem Dolce far niente auffuhr: Ich weiß nicht, wann ich zurückkomme, und will die Damen nicht stören." Längst schon hätte er daran denken sollen, daß sein Aus- und Eingehen durch die Hauptthüre die Damen belästigen konnte. Deshalb wollte er für die Zukunft stets die kleine Hintertreppe benützen und durch den Garten gehen, anstatt, wie heute noch, über die gemeinsame Treppe und durch die Vorhalle, wo er stets auf eine Begegnung gefaßt sein mußte. Eine solche wurde ihm auch jetzt zu Theil. Als er sich der Ausgangsthüre näherte, sah er durch den Kreuzganz eine in einen großen Shawl gehüllte Gestalt auf sich zueilen. Der Shawl gehörte Frau Lancelot, die schlanke Gestatt aber war die Estelles, deren Stimme ihn denn auch mit Her? Hauptmann!" anrief. Um mit ihm zu sprechen, hatte sie ihr warmes Plätzchen am Feuer verlassen. Rasch wandte er sich ihr zu, um sie wegen ihrer Unvorsichtigkeit zu schelten, so wie es Germaine gethan hätte. Sie ließ ihn jedoch nicht dazu kommen, sondern murmelte, den umhüllenden Shawl ein klein wenig auseinander nehmend, hastig: Herr Hauptmann, eine Sorge quält mich; es ist gewiß recht thöricht von mir, aber ich hätte keine Ruhe, wenn ich mich Ihnen . nicht anvertraute. Vorhin, während wir unsern Scherz trieben, habe ich meine trübe Ahnung auf kurze Zeit vergessen, aber kaum waren Sie fort, so kam sie wieder. Glauben Sie mir: ein Unheil droht Ihnen! Was es ist, weiß ich nicht, aber ich bitte Sie, vermeiden Sie ein zweites Zusammentreffen mit Frau Dulaurier." Schnell zog sie das Tuch wieder über ihre vor Verlegenheit glühenden Wangen, dann entfloh sie ebenso eilig, als - bekommen war. ' Welche Kinderei!" sagte er, über die Schwelle des Hauses tretend, zu sich selbst. Aber wie viel Ueberwindung mag dieser Schritt die arme Kleine gekostet haben!" Dann fügte er nach kurzem Nachdenken hinzu: Nichtsdestoweniger muß ich mir diese Sylvie einmal etwas näher betrachten." 7. K a p i t e l. vrinceni hatte ohne bestimmtes J Ziel das Haus verlassen. Es " C war kaum drei Uhr. ' Wo bätte er da sonst hingehen sol-

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Uoman von (Slhampol .... N N tt N N N S len, als in das von den Offizieren der Garnison besuchte Kaffeehaus? Von den Kameraden war noch keiner erschienen, und so setzte er sich an einen Tisch des fast leeren Raumes und ließ sich ein Glas Bier und Zeitungen bringen. Diensteifrig kam einer der Kellner herbeigelaufen, bei denen Gerbault bereits eine beliebte Persönlichkeit geworden war. Einer wagte sogar die Frage an ihn zu richten: Der Herr Hauptmann sind hoffentlich nicht krank geWesen? Wir haben, schon lange nicht mehr die Ehre gehabt." In Wahrheit war Vincent die letzten Tage nur deshalb nicht in das Kafe gekommen, weil Edmund plötzlich die schreckliche Gewohnheit angenommen hatte, ihn dort in gtoßkarirtem Havelock aufzustöbern und ihm mit lauter Stimme nicht nur seine Verwandtschaftlichen Gefühle, sondern auch Kleinchens" Vorzüge anzuvertrauen. Heute dagegen war der Ueberfall nicht zu befürchten, denn ein neugebackener Ehemann reißt sich doch nicht freiwillig von seinem Glücke los. Allmälig rückte einer um den andern von den Kameraden an, zuerst ein Stabsarzt und dann ein Leutnant von Vincents Kompagnie, die sich zu ihm setzten. Man brachte Bier und Karten, und bald kam ein Spiel in Gang. Auch die übrigen Tische wurden nach und nach von Offizieren andrer Waffen in Beschlag genommen, und Tabaksqualm und Stimmengewirr erfüllten den Saal. Natürlich drehte sich das Gespräch um Stadt- und Tagesklatsch, um Vorgesetzte und Dienst, Vincent hatte aber heute nichts dagegen einzuwenden, denn dieser Kasernen- und Kasinoklatfch zerstreute ihn und lenkte ihn von seinen heimlichen Sorgen ab. Die Unterhaltung war im besten Zuge, als Vincent, . wenn auch ganz unfreiwillig, seinen Kameraden neuen Stoff zur Heiterkeit lieferte. Plötzlich machte sich in dem an Sporenklirren und Säbelrasseln -gewöhnten Raume ein schleppender, unsicherer Schritt bemerklich. Die Unterhaltung an den verschiedenen Tischen stockte, u..o entrüstet blickten die Offiziere auf den Eindringling, der sie im Vorübergehen scharf musterte, als ob er Jemand suchte. Im Hintergrund des Saales angelangt, stieß der Betreffende plötzlich einen Ruf der Befriedigung aus: Heureka! Heureka!" Zugleich rüttelten zwei Hände an der Stuhllehne des Hauptmanns Gerbault, der sich betroffen umwandte und sich zu seinem Entsetzen dem großkarirten Mantel gegenüber sah, den er wenigstens einige Wochen lang nicht mehr zu sehen gehofft hatte. ,Hast wohl nicht gedacht, mich heute hier zu sehen, was?" sagte Edmund gut gelaunt, indem er sich ohne Aufforderung auf den vierten, leer geblie benen Stuh! am Tische setzte. Aueromgs - Aber weißt Du, ich handle immer konsequent; ich habe nicht nur Grundsätze, sondern ich wende sie auch an. Wie ich Dir schon sagte: vom ersten Tage an muß man sein Leben so einrichten, wie man es für die Zukunft zu haben wünscht. Deshalb wollte ich auch gerade heute ausgehen und einen Augenblick mit Dir verbringen. O, ich habe es nicht eilig, Du kannst mir gut ein Glas Bier vorsetzen." Der Stabsarzt, ein Spaßvogel, sah Dulaurier prüfend an, als habe er einen Rekruten vor sich, während der Leutnant krampfhaft in fein Glas schaute und aus Furcht, sich die Ungnade ' seines Kompagniechefs zuzuziehen, so that, als bemerke er die Taktlosigkeit des neuen Ankömmlings nicht. Der mittheilsame Edmund aber begann sofort die Herren in seine Familienverhältnisse einzuweihen. Ich bin kein Geheimnißkrämer," sagte er, und zudem wird Gerbault Ihnen bereits erzählt haben, daß ich seit gestern verheirathet bin. Na, einmal muß es ja doch sein, und da ist es mir lieber, es ist erst gestern geschehen, als vor fünfzig Jahren." Auch Ihre Frau Gemahlin wird diese Ansicht theilen," bemerkte verkindlich der Stabsarzt. Inzwischen war das Glas Bier für Edmund gebracht worden der nun in seiner gewohnten Art so geräuschvoll zu trinken begann, daß sich ein junger, geschniegelter am Nebeniisch sitzender Leutnant mit vorwurfsvollen Blicken umwandte. Und Ihre junge Gattin hat Ihnen das Ausgehen erlaubt?" fragte der Stabsarzt verbindlich. Wird sie sich jetzt nicht sehr einsam zu Hause fühlen?" Freilich, aber daran muß sie sich eben gewöhnen. Ich bin nicht der Mann, der sich am Gängelband führen laßt. Ueberdies weiß sie, daß :ch bald zurückkehre; um fünf Uhr erwarten wir namtlch die Acougins Es ist bereits vier Uhr," warf Geroautt, der w:e aus Kohlen saß. em. Edmund aber ließ sich nichts weismachen, sondern sagte, seine häßliche Aluminiumuhr herausziehend: Nein, ich.habe erst halb vier, und meine Uhr

geht auf die Sekunde. Wir haben also noch gute Weile. Zum Kuckuck, ich muß doch wenigstens Athem schöpfen. Denken Sie sich, meine Herren, seit vierzehn Tagen befinde ich mich in fortwährender Hitze. Fragen Sie nur meinen Vetter Vincent. Da ist einmal meine gewöhnliche Beschäftigung. Ich habe nämlich einen großen Haushalt, fast wie auf einem Gutshofe, ein ganzes Haus mit den dazu gehörenden Dienstleuten, einen Garten und eine Menge Thiere. Das alles bedarf der Ueberwachung, und dann kamen jetzt noch die Hochzeitsvorbereitungen dazu, denn nur auf das, was man selbst thut, kann man sich verlassen. Ich bin ein kleiner Tausendkünstler und verstehe von allen Handwerken ein wenig. Fragen Sie nur Vincent. Mit diesen meinen Händen habe ich zum Beispiel die Möbel für das Zimmer meiner Frau angefertigt. Seit einem Jahre arbeite ich daran, und fast wäre ich nicht fertig geworden. Vorgestern hatte ich als letztes noch einen Tisch zu lackiren, sogar die Nachtstunden mußte ich dazu nehmen. Bedenken Sie doch, am Tag vor seiner eigenen Hochzeit. Und dabei soll man doch auch, frisch und munter aussehen. Na, ich sage Ihnen, es war eine Schinderei, und ich bin froh, daß es vorüber ist." Unfähig, länger standzuhalten, erhob sich Vincent. Der Erfolg blieb nicht aus: hastig seinen letzten Schluck Vier hinuntergießend, folgte Edmund seinem Beispiel. Halt, so laufe mir doch nicht davon! Ich habe Dich seit gestern nicht gesehen und muß Dir allerlei mittheilen. Die Herren werden entschuldigen." Mit ernster Miene verbeugte sich der Leutnant, während der Stabsarzt lächelnd lispelte: Empfehlen Sie uns Ihrer Frau Gemahlin." Ich danke," antwortete Edmund, hinter Vincent her rennend. Aber auch auf der Straße war es unmöglich, sich von Edmund freizumachen. Nun habe ich Dich glücklich erwischt und lasse Dich nicht so bald wieder los. Du mußt mit mir nach Hause gehe-i, die Mougins kommen auch, da darfst Du als Vertreter meiner Familie nicht fehlen. Dort kommt gerade die Pferdebahn rasch, steig ein; Sylvie erwartet Dich." Willenlos hatte sich Vincent in den Wagen schieben lassen, und nun hörte er mit zerstreuter Miene seinem siegreichen Verfolger zu, der ihn, noch keineswegs befriedigt, mit Vorwürfen überschüttete. Vor der Welt äußerte Edmund gegen seinen Vetter die glühendste Zuneigung und brüstete sich bei jeder Gelegenheit mit ihm als glänzendstem Familienschmuck. Allein eben diese Vorzüge Vincents, die seiner Eitelkeit schmeichelten, erregten anderseits seine Eifersucht, und kaum befanden sie sich allein, so machte er diesen Gefühlen stets in den bittersten Worten Luft. Das ist wirklich stark, daß ich an einem Tage wie dem heutigen erst nach Dir suchen muß! Ich bin überzeugt, wenn ich Dich nicht geholt hätte, so wäre es Dir nicht eingefallen, Dich um uns zu kümmern. Aber so war es ja von jeher: ich der gutmüthige Kerl, der Dir immer wieder entgegen kommt, und Du der stolze Unnahbare. so lange icy nocy junggqeue war, konnte ich mir's ja schließlich gefallen lassen, aber jetzt steht die Sache anders. Ich will nicht, daß Du es meiner Frau und den Mougins gegenüber an Rücksicht fehlen läßt. Gestern zum Beispiel warst Du sehr kühl und steif, ja von einer geradezu beleidigenden Zurückhaltung. O, leugne es nicht; ich habe ein feines Gefühl in dieser Beziehung. Kleinchen hat es wohl bemerkt. Sie sagte zwar nichts, aber ich weiß es gewiß, denn ich kenne sie. Deshalb war sie auch so verstimmt. Ist es nicht eine Sünde, am schönsten Tage ihres Lebens einen trüben Schatten auf das Glück einer jungen Frau zu werfen? Wahrhaftig, ich schäme mich für Dich!" Erst vor seinem Gartenthor beschloß Edmund die Standrede. Also wohlverstanden, mach, daß Du Dich mit meiner Sylvinette und der ganzen Familie aussöhnst. . Das wird Dir ja nicht schwer fallen, denn wenn Du willst, kannst Du recht nett sein. Du Schlingel! Geh nur hier hinein und überrasche sie" er zeigte auf den mit den zwei gußeisernen Säulen geschmückten Haupteingang ich will inzwischen durch die Hinterthüre in die Küche gehen und nachsehen. Wir haben unser Mädchen erst seit gestern, und auf Kleinchen kann vorläufig nicht gerechnet werden, sie ist noch wie versch?ucht. Ich muß eben nach wie vor die Seele des Hauses sein." Esel!" murmelte Vincent, noch ungewiß, ob er nicht lieber davonlaufen solle. Wie kann man in dieser Weise von seiner Frau sprechen! Und mich auch noch mit hineinziehen!' Bei einer jungen Frau einzudringen, die erst einen Tag verheirathet ist, das ist doch eine unerhörte Taktlosigkeit! Na, zum Glück scheint sie wenigstens so dumm zu sein, daß sie es am Ende gar nicht empfindet." Er hatte inzwischen die Klingel der Hausthüre gezogen, da aber Niemand kam und der Schlüssel steckte, so trat er mit einem ärgerlichen Gefühl ein. Edmund hatte ihm schon verschiedentlich das Haus gezeigt, und so kannte sich

Gerbault darin aus. Trotzdem zögerte er, so formlos einzudringen. Endlich faßte er einen Entschluß, richtete sich in die Höbe, drehte, den Schnurrbart

n trat, nachdem auch sein bescheidenes Klopfen ohne Antwort geblieben war, end pine Ueberraschung wartete seiner. Seine an das Halbdunkel des VorplaHes gewöhnten Augen wurden durch är.$ grelle Beleuchtung geblendet. Sämmtliche in dem kleinen Salon vorhandenen Lampen und Kerzen waren angezündet, und ihr greller Schein fi:l auf die weiße Glanztapete, den gußeisernen Ofen, die in Goldrahmen prangenden schlechten Bilder, die gleichförmig an den Wänden aufgestellten geschmacklosen Plüschmöbel, sowie auf den mit unnatürlich farbenprächtigen Blumen bedeckten Teppich. Es schien fast, als sei diese Beleuchtung aus Hohn veranstaltet worden, um die Häßlichkeit der Einrichtung besonders in's Licht zu stellen wenn nicht umgekehrt die Besitzerin sich in kindischer Anspruchslosigkeit das Vergnügen gemacht hatte, die geschmacklosen Schätze auf diese Art besser bewundern zu können; denn die junge Frau saß mit aufgestützten Ellenbogen und vorgeneigtem Oberkörper, den Rücken der Thüre zugekehrt, vor einem ovalen Tisch und war so sehr in die. Betrachtung eines Gegenstandes verfunken, daß sie sogar das Klopfen überhört hatte. Bei Vincents Eintritt hob sie ein wenig den Kopf und sagte, ohne sich umzudrehen, in der Meinung, es sei ihr Gatte: So mach doch die Thüre zu!" Für eine Neuvermählte war das ein recht kühler Empfang. Verzeihen Sie, Kousine, Edmund wollte durchaus". Lebhaft hatte sie sich erhoben und einen Schritt auf Vincent zu gemacht, so daß dieser jetzt den Gegenstand, den sie so aufmerksam betrachtet hatte, sehen konnte: das große, kostbare Orangeblüthenbouket, das er ihr am Hochzeitsmorgen geschickt und das bei der Familie Mougin stürmische Bewunderung erregt hatte. Auch Sylvie schien diese Artigkeit zu würdigen, denn trotz ihrer vielseitigen Inanspruchnahme während der letzten vierundzwanzig Stunden hatte sie doch Zeit gefunden, den Strauß in's Wasser zu stellen und die Vase mit einem rothseidenen Tuche zu umschlingen, von dem sich das zarte Weiß der Blüthen höchst vortheilhaft abhob. Roth mußte wohl ihre Lieblingsfärbe sein, denn auch die Bluse, die sie trug, war vom leuchtendsten Roth und stand ihr auffallend gut, so daß Sylvie ihm hübscher und jugendlicher erschien als am Tage vorher. Vo.n der erwarteten Verlegenheit aber war nicht das Geringste zu bemerken. Setzen Sie sich doch, lieber Vetter," sagte sie, indem sie selbst wieder Platz nahm und ihm einen auf der andern Seite des Tisches siehenden Stuhl anwies. Nun saßen sie einander gegenüber und Vincent war erstaunt über seine Befangenheit, noch mehr indeß über ihre ruhige Sicherheit. Auch als er sich ein zweites Mal wegen seines Eindringens entschuldigte, antwortete sie leichthin: Sie stören mich durchaus nicht; im Gegentheil, hier außerhalb der Stadt freut man sich doppelt über einen Besuch." Ein halb unterdrücktes Gähnen begleitete diese am Tage nach der eigenen Hochzeit doch immerhin auffällige Berierrung. iquiw onrer, yaio icyerzerw fuhr sie dann fort: Man fühlt sich eben doch recht verlassen hier außen in der Vorstadt. Kaum daß man hin und wieder einen Wagen vorüberfahren hört, und wenn die Dunkelheit hereinbricht, ist es vollends trübselig. Deshalb kam ich auf den Gedanken, wenigstens Licht um mich her zu verbreiten daß die Wirkung sehr befriedigend wäre, kann ich jedoch nicht behaupten." Ein verächtliches, ohne Zweifel der geschmacklosen Einrichtung geltendes Achselzucken begleitete diese Worte. Dann nahm sie ihre frühere nachdenkliche Haltung wieder an, betrachtete das Bouket von Neuem und sagte, darauf deutend: Das ist das einzige Hübsche hier. Finden Sie nicht auch, lieber Vetter?"

Bei diesen Worten schlug sie endlich die Augen aus, und obwohl Vmcent feit seinem Eintritt auf ihren Blick gelauert hatte, so war die Erschütterung, die er dabei empfand, doch fast ebenso groß wie am Tage vorher. Die goldenen Blumen" hatten sich entfaltet, und einen Augenblick lang erschien Sylvie wie verwandelt. Fast schön' sah sie aus mit diesen wunderbaren Augen, die sich unversehens öffneten, um sofort wieder unter den gesenkten Lidern und langen Wimpern zu verschwinden. Vincent hatte keine Zeit gehabt, ihren Ausdruck lange zu prufen, und doch batte die Sekunde genügt, ihn Edmunds wegen mit leichter Unruhe zu erfüllen. Es ist allerdings sehr richtig," antwortete er auf Frau Dulauriers Bemerkung in verbindlichem Tone, daß ein Haus, dem die Herrin fehlt, reizlos ist. Nun aber die Lücke ausgefüllt ist, werden die kleinen Mängel bald verschwinden. Ihre, Hand wird jetzt das Heim schmücken " Meine Hand?" unterbrach sie ihn. O nein', die Macht habe ich nicht." Wie zufällig legten sich auf die rothumschlungene Vase vier feine, spitzige Fingerchen, die wohl einer Künstler--Hand hätten angehören können. So ganz zerstreut aber mußte Sylvie bei dieser Bewegung doch nicht sein, denn mit großer Geschicklichkeit wußte sie dabei den Daumen in einer Stofffalte zu verbergen, ihren kurzen, spatelförmigen,

häßlichen Daumen, der, wenn man der Chiromantie glauben darf, auf einen rohen, grausamen Charakter schließen ließ. Auch Vincent kannte diese Deutung und fragte sich, ob diese Sylvie wirklich jenes unbedeutende, beschränkte und harmlose Wesen sei, für das er sie zuerst gehalten, oder ob die beunruhigenden Anzeichen, die er in ihren Augen und in ihrer Hand zu finden glaubte, am Ende begründet wären und auf einen schwierigen, ihm noch gänzlich räthselhaften Charakter schließen ließen. Inzwischen führte sie ihren Gedanken weiter aus: Nein, die Macht habe ich nicht. Ich habe nur alles hier wieder und wieder angesehen und alles häßlich, ganz und gar häßlich gesunden. Ein Verschönerungsversuch hätte nicht den geringsten Erfolg, vollkommene Zerstörung, das wäre das einzige. Das Haus müßte man niederreißen, die Möbel verbrennen, das Stadtviertel vernichten. Und daß das meine Kräfte übersteigt, werden Sie zugeben. Das Klügste ist also, darauf zu verzichten, und das. thue ich." (Fortsetzung folgt.)

Wollte gehenkt werden. George Levy von Bois, Jdaho, ein zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigter Mörder, wurde ganz wild, als ihm die Begnadigung mitgetheilt wurde. Er rief aus: Ich nehme es nicht an. Wenn ich schuldig bin, dann hängt mich, wenn aber nicht, dann gebt mir meine Freiheit!" Hohe Versicherung. James C. Colgate, ein Mitglied der New Forker Aktienbörse, versicherte kürzlich sein Leben für $1,500,000. Das ist die größte Versicherung, welche je angenommen wurde. Die betreffende Gesellschaft hat den Betrag bis auf $250,000 in anderen Gesellschaften zurllckversichert. Colgate muß für die Versicherung jährlich $45,090 bezahlen. Mildthätiger Weiberfeind. In seiner alten Hütte bei Traer, Ja., ist der Sonderling Jsaiah Shower gestorben. Er war schwer reich, und weil er so ärmlich lebte, galt er für einen Geizkragen. Das Gegentheil hat er aber nach seinem Tode bewiesen, denn er hinterließ für wohlthätige Zwecke und Kirchen $100,000. Seine Menschenscheu bestand darin, daß er seit fast 50 Jahren nie mit einem weiblichen Wefen sprach, noch ein solches anblickte, weil ihn seine Braut am Hochzeitstage betrogen hatte. Merkwürdige Kur. Die Pianistin Fräulein Fischer in New York war seit einem Jahre auf dem rechten Ohr taub und von unerträglichen Schmerzen im Trommelfell gequält. Sie konsultirte vergeblich mehrere Spezialisten, und entschloß sich schließlich, nach Europa zu reisen, um womöglich dort von ihrem Leiden geheilt zu werden. Vor ihrer Abreise begab sie sich zu einem Zahnarzt und ließ sich einen kranken Zahn ziehen. Nach der Operation hörten nicht nur die Ohrenschmerzen auf, sondern die junge Dame war auch vollständig von ihrer Taubheit kurirt. Tapferer Krüppel. Der 18jährige John Gaffney von Ebervale, Pa., sollte von Jeddo aus der Office der Grubenbesitzer G. B. Markle & Co. $3000, den Lohn der Grubenarbeiter in Ebervale, bringen. Der Weg, den der Junge, der nur ein Bein hat, in Begleitung seiner Mutter zurücklegte, führte über eine einsame Stelle, und hier wurde er von fünf Männern überfallen. Gaffney fchoß zuerst den einen Räuber in's Bein, dann einen zweiten in den Arm, und als ihn mittlerweile die anderen Räuber überwältigt und ihm den Revolver entrissen hatten, kamen zufällig einige Grubenarbeiter des Weges, und die Räuber entflohen. Die A u st e r n i n d u st r i e von Baltimore, Md., ist in den letzten 20 Jahren stark zurückgegangen. Während im Winter 1885 bis 1886 3,500,000 Bushels Austern in Kannen praservirt wurden, fanden im Winter 1901 bis 1903 nur noch etwas über 500,000 Bushels dazu Verwendung. Auch der Ertrag von frischen Austern weist einen beträchtlichen Rückgang auf; er fiel von 3,831,000 Bushels im Winter 1885 bis 1886 auf 2,338,000 Bushels in 1901 bis 1902. Grund für diesen Rückgang ist die unverantwortliche Art des Austernfangs, ohne daß Sorge getragen wurde, durch Anpflanzung und Schutz von Austernbänken den Massenverbrauch wieder zu ersetzen. Anzüglich. Miether: Bevor ich aber einziehe, muß ich noch eine Frage an Sie richten. Ist das Haus auch frei von Ungeziefer?" V ermiether: .Bisher, ia!-

Feuer - Signale

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Washington Stk il No. 10 Spritzenhaus Illinois u Merrill 8 Illinois n ouisiana S8 West und South S4 West und McEarty 36 Senate Ave. u Henry s? Meridian und Ray No. Spritzenhau Madison Av. u Morris 49 Madiion Av. u Dunlop No s Haken Leiterhau South ah Delavar IS Penn, u Merrill Dklawan n. McEartd aflndMcartY New Jersey u. Merrill 7 irg. Av. u Bradsha S Saft und Prospekt 9 Bicking und High n No. ll Spritzenhaus LirAve. mcheHuro 7t Saft und Georgia 73 Ceda, und Elm 74 Davidson u Georgia 7 Snglish Av. Pine 7 Ehelby und BateS 'S No. 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Shelby Fletcher Av. u Shelby 81 Market u. New Jersey 32 Delaware und Wash. 33 East u Washington 54 New Dork u. Davids Taubstumm Anstalt 66 Wer. Staaten Arsenal 8? Orient! und Wash. 89 Frauen-Reformak 51 No. 13 Spritzenhaus Marhland nahe Mer. 55 Meridian u. Seorgia. SS Meridian und South 4 Pennsylv u. Louisiana 5 Virgmi Ave u. Alab. 9 Haieptquartier. 97 Grand Hotel. 93 Capital Ave und Oht 22 No. 13 Spritzenhaus 1. und Ash. 124 SUabama und 16. 125 Central Ave und IS. 126 Fände und 15. 127 Brookside und Jupiter 123 Central Ave und 17. 129 Delaware und 19. '.31 Alabama und 11. 131 Bellefontawe und b. 134 College Ave und 2. :36 Delaware und 13. 136 Alabama und North 13? Newmann und 19. 133 College Ave und 14. 13 Cornell Ave und 13. 141 JandeS und 19. 142 Highland Ave und 10. 143 Tecumseh und 1. 145 New Jersey und 22. 146 Alvord und7. 147 No. Spritzenhaus Hillfide Ave und 16. U8 College Ave und 22. 149 College Ave und 27. 152 Park Ave und 22. 153 L C u. W Bahn. 22. 154 Ramsey Av und 10, 156 Stoughton u Rewman 157 Atlas und Pike. 153 Bloyd und Pawpaw. 159 No. 21 Spritzenhau Brightwood 16? Arden und Depot 163 Brightwd und 25. 164 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. Kehstone 167 Arsenal Ave und 23. i3 Bellefontaine und 28. 169 Park Ad und i 212 Capital SW nd 17. S!3 Pennsylv. u. Michiaa 214 JUinoiS und 20. 215 Senate Ave und tt. 9X6 Pennsvlvania und 2 17 Meridian und 18. 218 Capital Av und 26, 219 Broadtvey und 10. 231 JllinoiS und McLa 234 No. 14 Sprijenhau Kenwood und 30. 35 Illinois und 33. 233 Annetta und 80 37 No. 9. Spritzen? 1 Udell und Rad 233 Udktt Ladder Worvi 239 Jsabel und 27. 241 Meridian und 24 242 Illinois u St. Cla? 243 Eldridge und 3. 312 West uud Walnut 313 West und 12. 314 Howard und 1. 315 Torbet und Paca 316 Capital Ave und I. 817 Northwestern Ave tt 21 818 Gent und 18. 819 Eanal und 10. 821 Cerealine Work 824 Sermon! und Lynn 325 Bismarck u Grandvte 826 No. 20 Sprchenhau Haughville. 827 Michigan u. Holme., 828 Michigan u. Conrord 841 West und McJntvre 412 Missouri u. Maryland 13 Missouri und Ohio 415 Capital Ave .Leorgia 416 Migou.-i u entucky S. 417 Senate Ave u. Wash. 421 P und E 5ÄmduS W. Washington. 428 Jrren-Hospital. 424 Miley Ave u. I D S 425 Wash nd Han?426 No. 18 Sptzn?mch W. Washington 427 Ollver und Birch 428 Oliver und OSgood 429 Nordyke und Dork 431 Hadley Ave u. Morr 32 wer Ade u. Msrri 434 River Ave und Ratz 35 Harding u. Big Si? 36 Harding und Oliv 437 No. 19 Spritzenhq Morris und Ssrdtna. S Hod Ä WW? 439 Stockyard öl Rcikn nd VW 52 Howard und Sttt 53 Mon und apz 56 Lamiert und Bekse! 67 Nordyke Av u. Ute ton Works 618 West uud Rch 13 enwcky Av u. MerrAZ 514 Meridian und MorrA 16 Illinois nd ansa 17 Morris nd Dakota 18 MorriS und Church 19 Capitai A. u McCn 21 Meridian und Palm 23 Pin und Lord 24 Madisor.Ave u Stnrol 2 Meridian und Belt RA 27 Carlo und Ray 28 Meridian und Arizona 29 SKeridian u. Ray?nond 31 Meridian u. MCat. i 3 No. 17 Spritzene-u MorriS nahe West . 1 MeKernanund Dowch, 13 East u. Lincoln &rat 614 East und Beech 61 Wright und SarderK 617 McEarty und Leaiy 13 New Jersey u fc 2to 71 Epruc und Prospekt 713 Snglish Av. u, Laur? 714 Etat Av u. Belt R R ?16 Shelby und Beech 716 State Ave und Orangf 718 Orange und Laurel 71 Shelby u. 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Die so bezeichneten Signal werden tau vom Thun Wächter angegeben da an den betreffen' Straße Keuzung KW Alarmkösten naebracht sind. Chicago und der große Nordwefttt Vi Cissh laka vawait Vl,UU,V!e Insel. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. t&T" Bon der Monon 47. Str. Station, Chicago, sind nur K Minuten mittelst elektrischer ar nach en Union Biehdöfen I'relioK liick Springs, ln dem Orange County Hochland. Familien-Hote nter neuer GeschäftSleituna. Pluto, Proferpine ind Bowle Quellen. Beste Mineralwasser der elt. Zwei Züge täglich via Grecaftle. Ticket-Offtcen : Union Station, Massachusetts ve nd Ls West Washington Straße. R. P. A l g t , Distrikt Dass. aent. Indianapolis, Ind. . H.MeDoel, . H.Rockwell, rai. uns Ben. ?vkgr. Frank I. Reed, en.P,ss. Agent. Chicago, Jll.

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