Indiana Tribüne, Volume 27, Number 217, Indianapolis, Marion County, 4 May 1904 — Page 7
Jndiana Tribüne,. Mai 1904.
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-tr- -i-i- -, i- V. i M oföcne itmen Ö rf ff ff f f -i-i- 44-44. (Fortsetzung.) Mit Fräulein Fanny än der Seite hatte Vincent hinter -dem Brautpaar Platz genommen. Es fiel ihm auf, wie wenig die Braut, die Hauptperson des Tages, seine Theilnahme erregte. Schon ehe er sie konnte, hatte er sich ein Bild von ihr gemacht, und dieses war, seitdem er sie flüchtig gesehen, nicht vortheilhafter geworden. Wohl hatte er vorhin bemerkt, daß sie nicht so auffallend häßlich war, wie ihre beiden alteren Schwestern, und auch nicht wie diese die lange, dürre Gestalt der Mutter geerbt hatte. Sie war im Gegentheil klein, zart und dunkel und machte im Uebrigen einen unbedeutenden, alltäglichen Eindruck. Kein äußeres Anzeichen, keine Bewegung verrieth irgend eine selbstständige Empfindung; automatenhaft, in steifer Haltung erhob und setzte sie sich mit ihrem Verlobten, und erst als ihr Mund das entscheidende Ja 'ausgesprochen hatte, stieg in Vincent ein Gefühl des Mitleids auf, das sich mdeß rasch wieder verflüchtigte. Wozu auch, sie bemitleiden? Willig nahm sie ihr Joch auf sich, folglich mußte sie wohl auch damit zufrieden sein. Endlich hatte die feierliche Handlung ihr Ende erreicht. , Arm in Arm schritt das junge Paar an der spitze des Zuges durch den hohen Chor nach der Sakristei. Dort in dem engen Raume machte die Gesellschaft einen weniger trübseligen Eindruck. Eine Gruppe bildete sich um die junge Frau, von der Vincent bald nichts mehr sah; nur das Geräusch der von Schluchzen begleiteten Küsse der Familie drang bis zu ihm. Sonst hatte er stets Bedauern für die armen jungen Frauen empfunden, die in dieser bewegten Stunde den Zärtlichkeitsbezeugungen der Gäste standhalten müssen, heute aber verhörtete sich sein Herz. Ein Weib, das Edmund für's ganze Leben das Recht der Zärtlichkeit einräumte, konnte wohl auch diesen allgemeinen Liebeserguß über sich ergehen lassen. Als erster nach den Damen trat der würdevolle Gymnasialdirektor vor und drückte Namens des ganzen Kollegiums einen feierlichen Kuß auf die Stirn der Braut. Wo ist denn unser Vetter?" rief Edmund, stets darauf bedacht, die Rechte seiner Familie zu wahren. Die Gruppe theilte sich, und von allen Mougins geschoben, sank Vincent ein zweites Mal in die Arme des noch immer stark nach Patschuli duftenden, gerührten Edmund. Ach, mein Jungchen, wie wohl thut es, Jemand von seiner Familie an's Herz zu drücken! Na und nun kommt Kleinchen dran," fuhr er sofort wieder lustig fort. Ich erlaube es, Kinderchen, Ihr feid ja jetzt Vetter und Base." Dabei gab er Vincent einen Schubs nach der Seite, so daß dieser plötzlich dicht vor sich ein blasses, schmales, von weißem Tüll umrahmtes Gesicht sah. Liebe Kousine." Auch ihm wurde die Wange zum Kuß geboten, auf die er gleichgiltig die Lippen drückte. Lieber Vetter" Als habe ihn ein Schlag in's Gesicht getroffen, so heftig fuhr Vincent zurück. Das schmale färb- und ausdruckslose Gesicht war verschwunden oder hatte sich wenigstens vollständig verwandelt. Jedenfalls achtete Vincent nicht mehr auf die Züge nichts weiter sah er vor sich, als zwei voll zu ihm aufgeschlagene Augen, zwei räthselhafte, wundervolle Augen, zwei braune Sammtpupillen, aus deren Mitte zwei goldene Blumen leuchteten! 6. K a p i t e l. a, Herr Hauptmann, wie ist's denn mit der Hoch13 Lz, zeit?" ES war man kancelots rauhe, männliche stimme, die sich aus dem nach dem Hofe gehenden Fenster ihres Salons vernehmen ließ. Vincent wandte sich um. Die Hochzeit." stieß er hervor, die Hochzeit, ja, ja, die hat stattgefunden Sie hatten doch versprochen, uns davon zu erzählen!" rief Estelle, deren Köpfchen hinter der stattlichen Gestalt ihrer Pflegemutt?r austauchte. Willst Du gleich weggehen!" rief Frau Lancelot erschrocken und mit Stirnrunzeln. Du wirst Dich erkäl ten." Dann fügte sie sanft hinzu: Kommen Sie herauf,, Herr Haupmann, und erzählen Sie ihr von der Hochzeit, da Sie es ihr nun doch einmal versprochen haben. Gerbault ließ sich nicht vergebens bitten. Das flackernde Feuer im großen Kamin, der Frieden dieser trauten Häuslichkeit, ja selbst das derbe Wohlwollen seiner Wirthin zogen ihn an dsem Tage ganz besonders an, wahrscheinlich weil er müde, abgespannt und verstimmt war. Haben Sie von Ihrem- Oberst eine Nase bekommen?" fragte ihn Frau Lancelot gerade heraus, nachdem er sich auf seinen gewohnten Platz neben ihrem großen Lehnstuhl niedergelassen hatte.
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Uoman von harnpoX "Z-Z. -H ff H K ff 44 5J nein, gnädige Frau." ' Na, dann also vom General." Weder vom General, noch von sonst Jemand wie kommen Sie darauf?" Nun, weil Sie aussehen, als ob Sie Tinte geschluckt hätten. Sie sind freilich gestern etwas spät zu Bett g:kommen, aber ein Soldat sollte doch gegen solche Strapazen gefeit sein." Gegen Strapazen bin ich es auch, gnädige Frau, nicht aber gegen den Aerger und Verdruß, den mir diese Leute bereiten." Das ist ja aber die größte Undankbarkeii Leuten gegenüber, die Sie mit Aufmerksamkeiten überschütten, die entzückt von Ihnen sind und Sie auf's Freundlichste einladen!" Wollte Gott, sie hätten mich nicht eingeladen!" rief Vincent mit so viel innerster Ueberzeugu'g, daß Frau Lancelot und Germaine in Lachen ausbrachen, während Estelle, entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit, " ganz ernst wurde. Herr Hauptmann, Ihnen ist etwas Unangenehmes widerfahren," sagte sie plötzlich in einem seltsamen Tone, der Vincent sofort stutzig machte, und dessen Eindruck sich noch verschärfte, als er bemerkte, daß sie ganz blaß geworden war. Durchaus nicht, gnädiges Fräulein!" rief er deshalb besorgt. Es ist alles nur ein Anfall von schlechter Laune." Doch, doch, ich weiß gewiß, daß Ihnen etwas Unangenehmes zugestoßen ist." Den Kopf schüttelnd, lay sie m rne Gluth hinein, und ihr vom Flammenschein beleuchtetes Gesicht nahm einen völlig fremden Ausdruck an. So. da haben mrsr rief Frau Lancelot. Passen Sie' auf, jetzt wird sie uns aleick, etwas prophezeien. Sie, müssen nämlich wissen. Herr Hauptmann, daß wir hier eine kleine Wahrsagenn haben. Necke sie nicht, liebe Tante, legte sich Germaine in's Mittel. Sie trifft häufig das Richtige; manchmal freilich tischt sie sich auch, wie zum Beispiel jetzt. Du hörst es ja, liebes Herz, daß dem Herrn Hauptmann nicht das Geringste widerfahren ist." In mütterlicher Herzensangst hatte sich Germaine neben ihrer Freundin niedergelassen und sprach nun mit ihr wie mit einem Kinde, das man zu beruhigen . versucht. Dieser klare, kalte Wintertag mußte dem Befinden der armen Kleinen nicht zuträglich sein, denn trotz der Nähe des Feuers zitterte sie vor Frost und sah sehr müde aus. Ach," antwortete sie immer im gleichen. seltsam träumerischen Tone auf Germaines eindringliche Rede, es kann sehr gut etwas geschehen, was man im Anfang für gar nichts Besonderes hält; oft wird man es erst viel später gewahr. Ich aber, ohne etwas zu wissen, ich fühle es. Du erinnerst Dich, damals vor Mamas Tode " Ja, ja, das ist richtig," warf Frau Lancelot ein, die abergläubisch war wie em alter Seemann. Nun Estelle ein mal davon angefangen hat, lassen Sie sich nur die Gescyichte erzählen, Herr Hauptmann. Wozu denn?" murmelte Germaine unzufrieden. Estelle aber hatte das Köpfchen auf gerichtet und rief plötzlich lebhaft: Doch, doch, las mich erzählen. Es wird mich nicht traurig machen; im Gegentheil, ich bin ganz in der Stimmung, von diesen Dingen zu reden. Nun, Herr Hauptmann, es mag Ihnen thöricht erscheinen, und doch ist es so ich habe Ahnungen, und ich glaube daran, weil sie sich schon häufig bewahrheitet haben. So wen ich zurück denken kann, war das der Fall. Hören Sie, was sich vor dem Tode meiner Mutter zugetragen hat: Ich war noch nicht fünf Jahre alt und befand mich mit meiner Mutter zum Besuch bei memen Großeltern, auf dem Lande, Eines Nachmittags gegen vier Uhr derließ uns meine gute Mama, um zum Vater nach Sarnt-Gaudens zuruckzu kehren. Um sechs Uhr, während wir bei Tisch sind, fällt plötzlich meine Puppe, die stets auf einem Stuhl neben mir saß, zu Boden, ohne daß Jemand sie berührt hatte. Ihr Kopf zerschellt aus dem mit Steinplatten belegten Boden des Speisezimmers, und ich weine herzbrechend. Meine armen Großeltern wußten schließlich gar nicht mehr, wie sie mich trösten sollten, denn auch das Versprechen, meine Puppe wieder machen zu lassen oder mir eine neue zu schenken, konnte mich nicht beruhigen. Plötzlich schreie icb: ,Es ist nicht meine Puppe, es ist Mama!' Was ich damit sagen wollte, was für ein seltsamer. Gedanke 'mir durch den Kopf qinq. ich wußte es nicht, aber die ganze Nacht wiederholte ich dasselbe. Am andern Morgen kommt eine Drahtmeldung. Der nach Saint-Gau-dens fahrende Zug war um fechs Uhr entgleist, wobei meine arme Mama eine Wunde am Kopf davongetragen hatte, woran sie zwei Tage darauf starb " Estelle hielt inne. ein leichter Schauder schüttelte sie, und auch die andern waren betroffen.
Das ist "allerdings ein seltsames
Zusammentreffen,"' erklärte Vincent, aber eben auch nichts weiter. Und wenn sich em derartiges Zusammentreffen bei jedem wichtigen Änlasse im Leben wiederholt? Der Widerspruch hatte Estelles ganze Lebhaftigkeit wachgerufen, so daß sie trotz Germaines dringender Bitte, sich ruhig zu verhalten, erregt fortfuhr: Hören Sie weiter. Zwei Jahre spaier. ich war also sieben Jahre alt. befand ich mich in einer kleinen Kindergesellschaft. Wir spielten, sangen und tanzten im Garten, und von Zeit zu Zeit kamen die Eltern und die übrigen Gäste, um uns zuzusehen. Alle hatten ihren Spaß an mir, weil meine Stimme schon ganz hübsch war, und immer wieder hieß es: .Noch ein Liedchen, noch ein Liedchen!' Ich sang auch so viel man wollte, denn ich war niemals schüchtern. Plötzlich kommt eine Dame sehr freundlich auf mich zu, küßt mich und bittet mich um ein Liedchen. Schon offne ich den Mund, aber wahrend ich die Dame ansehe, fange ich an zu wemen statt zu singen. Furchtiam klopft mein Herz, eine wahre Angst, als wolle die Frau mir etivas zu leide thun, erfaßt mich, und doch wußte ich nicht warum. Spater erfuhr ich es, denn diese Dame wurde die Zweite Frau meines Vaters." Unser Verhalten widerspricht sich wirklich großartig," rief jetzt Germaine, die den traurigen Erinnerungen um jeden Preis ein Ende machen wollte. Wir bitten den Herrn Hauptmann. uns von der gestrigen Hochzeit zu erzahlen, und statt dessen schwatzen wir ihm mit alten Geschichten den Kopf voll." Estelle fuhr sich mit der Hand über die Stirne, dann rief sie in verändertem Tone: Ja, richtig, die Hochzeit! Es wurde doch getanzt, nicht wahr? Wenn ich doch mit dabei gewesen wäre. Ich tanze so gern!" .Ja. ja. gewiß, es wurde getanzt nur zu viel," antwortete Vincent zerstreut. Stundenlang hat man sich auf einem Plc.tze, nicht viel größer als meine Hand, herumgedreht. Ich kam mir Mießlich vor wie ein Eichhörnchen im Käfig.' Und wie war die Braut?" fragte Germaine. Vincent zuckte zusammen; die Erinnerung kehrte doppelt peinlich zurück. Die Braut," antwortete er verwirrt, nun, sie trug ein weißes Kleid." Estelle lochte, ab er es klang gezwungen. Eine Toilettenbeschreibung derlangen wir nicht von Ihnen, in dieser Hinsicht möchte ich mich denn doch nicht auf Ihr Urtheil verlassen. Die Persönlichkeit, ihr Gesicht, meinen wir." Das weiß ich nicht." .. Wie, das wissen Sie nicht? Sie sind bei der Hochzeit gewesen und haben die Braut nicht gesehen?" Wenigstens nicht genau. Vor der Kirche war ihr Gesicht verschleiert, beim Essen saß sie am anderen Ende des Tisches, und dann ging das junge Paar fort." Nun, gleicht sie ihren Schwestern?" Nein." Sie hat also nicht immer den Mund offen?" Nein." " Und keine hochgezogenen Augen brauen?" Nein." Und was für Augen?" O, damit hat es feine eigene Be wandtniß." erklärte , Vincent plötzlich lebhaft, sie hat goldene Blumen darm. Wie, goldene Blumen?" wiederholte Frau Lancelot erstaunt. Wo denn? In den Augen." Und da behaupten Sie. sie nicht angesehen zu haben!" versetzte die gute Dame, sich in ihren Lehnstuhl fallen lassend. Uebrigens ein poetischer Vergleich: goldene Blumen m den Augen! Wie kommen Sie nur daraus? Der Ausdruck stammt nicht von mir," gab Vincent verlegen zur Antwort. Er fiel mir nur ein, er ist eine Erinnerung. An was?" fragte Estelle. - An eine recht merkwürdige Ge schichte, die ein Freund von mir erlebt hat." O, erzählen Sie, erzählen Sie!" Sie steht aber in keinerlei Verbindung mit dem vorliegenden Falle." Das schadet nichts, erzählen Sie Ja, bitte, da wir heute ja doch schon an alten Geschichten sind," fügte Germaine freundlich hinzu, noch immer bestrebt, dem Gespräche eine heitere Wendung zu geben. Es wäre unhöflich gewesen, die Bitte abzuschlagen. Und warum auch? Es war ja nur eine kurze Geschichte, die -von einer fremden Person handelte, mit r niemand und Mit nichts weiter in Vev bmdung stand, und wenn er die arme kleine Patientin damit auf kurze Zeit zerstreuen konnte .... Da muß ich , gleich zu Anfang um Entschuldigung bitten, Fräulein Estelle, begann er, denn mein Freund, der Doktor, den Sie ja wegen seines Berufes nicht leiden mögen, spielt eine Hauptrolle darin. Eine Geschichte, worin ein Arzt vorkommt, kann allerdings nur eine Schauergeschichte sein," erklärte sie, indem sie sich wie Schutz suchend an Germame anschmiegte. Nein, das nicht, sie ist nur merkwürdig. So lebhaft und fesselnd, als er es irgend vermochte, erzählte Vincent das Erlebniß des ernsten, würdevollen Doktors und seine Bestürzung über den Vorschlag einer Verrückten. ;hr zu Ge-
fallen ein kleines Verbrechen zu begehech Aber sei es, daß Wahnsinn und Verbrechen keinen Stoff zu Scherzen
meirn rönnen, ier es, datz der Hauptmarin wirklich in schlechter Stimmung wa, sein Schwung erlahmte bald. Unvermerkt bemächtigte sich seiner mit erneuler Stärke der peinliche Eindruck, denlLepages Erzählung auf ihn ausgeübt , hatte, und den die drei Wochen des gleichmäßig dahinfließenden Lebens m der Provinz nicht zu verwischen vermöcht hatten. Die geistreichen Wendüngen blieben aus und rasch, fast unvermittelt brach er ab. Ist das alles?" fragte Frau Lancelot enttäuscht. Ja, alles." Man hat niemals erfahren, wer diese Person war, noch was eigentlich hinter der Sache steckt?" Usern, gnädige Frau. Dann hat die Geschichte auch keinen Sinn," sagte sie. mit den Achseln zuckend. Auch Germaine schien ihrer Ansicht zu sein; vielleicht war sie auch in der Sorge um die Kranke der Erzählung nicht so ganz gefolgt. Eftelle aber hatte kein Wort davon verloren. Nach kurzer Pause sagte sie wieder mit dem früheren feltfamen Ausdruck: Herr Hauptmann, darf ich sagen, was ich denke?" Aber ich bitte Sie, Fraulem Estelle!" Auch wenn es Unsinn ist?" Dann um so mehr, wir werden dann darüber lachen können." Estelle schien sich zu besinnen, dann sagte sie mit Anstrengung, wie durch eine außer ihr liegende Macht gezwungen: Herr Hauptmann wenn sie es wäre?" Wieso?" fragte Frau Lancelot, die ihrer Rede nicht zu folgen vermochte. Vincent war zusammengezuckt. Da war er wieder, der unsinnige, tausendmal' verscheuchte und hartnäckig von neuem auftauchende Gedanke, und jetzt in bestimmter Form, von einem fremden Munde ausgesprochen! Wenn die Patientin des Doktor Lepage und Frau Dulaurier ein und.dieselbe Person wären!" wiederholte das junge Mädchen. Abe.r, Estelle," rief Germaine mit leichtem Vorwurf, der Unsinn ist wirklich ein bischen stark." Warun. sollte sie es nicht sein," fuhr Estel.'' im gleichen träumerischen Tone fort, da sie ja doch die goldenen Blumen in den Augen hat!" Das ist doch nicht buchstäblich zu nehmen. Es gibt viel braune Augen, deren Pupillen von kleinen gelben Pünktchen umgeben sind, die, wenn man will, an die Staubfäden von Blumen erinnern." Vincent hörte der Diskussion der beiden jungen Mädchen mit besonderer Aufmerksamkeit zu, erschienen sie ihm doch als die Vertreterinnen der in seinem Innern widerstreitenden Empfindüngen. Aus Germaine sprach die klare Vernunft, während ihm aus Estelles Stimme jenes unheimliche Etwas entgegenklang, das ihn seit dem gestrigen Tage verfolgte. Plötzlich sprang die wie immer einem raschen Stimmungswechsel uüterworfene Estelle jxn ihrem. Sitze auf und rief: Kommt, laßt uns sehen, ob wir nicht vielleicht auch goldene Blumen in den Augen haben. Zuerst Du Du mit Deinen blauen Äugen hast natürlich keine, und ich " Rasch lief sie zu dem über dem Kamin hängenden venezianischen Spiegel. Nein, ich auch nicht, aber vielleicht Tante Lancelot, die hat so schone dunkle Auaen. Das ist das Vorrecht der Brünet ten," bemerkte Frau Lancelot geschmeichelt. Eifrig nahm sie ihre Brille ab, rollte fürchterlich die Auaen und - schien fast enttäuscht, als Estelle sagte: Tante Lancelot auch nicht. Etwas Allgemeines ist es also jedenfalls mcht, Aber wissen Sie, Herr Hauptmann, wunderbar wäre es trotz allem, wenn Ihre Geschichte hier eine Fortsetzung fände." Dabei kehrte sie auf ihren Platz am Kamin zurück und begann in ihrer gewohnten kindlichen Ausgelassenheit zu plaudern, ihrer lebhaften Einbüdungs kraft freien Lauf lassend. Die hellseherische Ader war versiegt. Versuchen wir jetzt einmal einen Zusammenhang herauszufinden, wie im Frage- und Antwortspiel. Wie hätte Fräulein Sylvie Mougin wohl zu Doktor Lepage kommen können? Naturlich von Dnon aus. Sie wird dem gelähmten Großvat, der ihr nicht nachlausen konnte, entwischt ftm und wäre also glücklich in Paris. Jetzt wollen wir nach dem Beweggrund forschen. nach irqend einer recht adenteuer lichen Gaunerei. Sie fagten, sie habe sich eines Fräuleins entledigen wollen; i iv. r v r . r.- i oer eweqq?uno tu cmo uneriucni, Fräulein Ehapron machte ihr das Herz des Herrn Dulaurier streitig. Von jetzt an wird die Sache aber schon schwieriger. denn zwischen der ,Zinkpastete' und Vougival einen Zusammenhang herauszufinden, ist nicht so einfach, ober das wird sich alles im dritten Kapitel aufklären. Ist das nicht ein Prächtig eingefädelter Roman? Auch Vincent Gerbault sah die Sache allmälig vom vernünftigen Standpunkte aus an, so daß ihm die Aehnlichkeit jetzt nur noch als ein kaum beachtenswerther Zufall erschien. Gerne wäre er jetzt ebenso fröhlich auf Estelles Geplauder eingegangen, wenn ihn nicht ihre fieberhafte Lebhaftigkeit und Germaines besorgte Miene beunruhigt bat ten (Fortsetzung folgt.)
Neue SchlcistnMrt. Eas halsbrecherische Bravourstück eines er finderischen Berliner Radsahrers. Auf dem gegenwärtig so außerordentisch beliebt gewordenen Gebiete der
Schleifenfahrten (Looping the Loop") entwickeln Berufsfahrer wie Amateure ixntn Eifer für Neuerfindungen, der zweifellos einer besseren Sache würdig wäre. Denn alle die jüngsten Errungenschaften, wie beispielsweise die Fahrt durch die in ihrem oberen Theil offene Schleife oder die Fahrt durch die volle Schleife mit daranschließendem Atempo-Luftsprung über eine weite Kluft u. a. m., sind im Grunde doch fehr bedenkliche Kunststücke, die das Leben des Ausführenden überaus gefährden können. Das Allerneueste auf dem Gebiet des Looping the Loop" hat jetzt ein erfinderischer Berliner Radfahrer Namens Böttner glücklich fertig gebracht, und zwar Gestalt einer Doppelschleifenbahn, die zu oefahren Wohl als der Gipfel tollen Wagemuths bezeichnet werden muß. Bei dieser neuesten Schleifenfahrt muß, wie unser Bild zeigt, der' Radler, nachdem er die große Schleife, Kopf nach unten, bis zur Hälfte durchfahren hat, sein Rad noch m eme kleinere Schleife hinüber und aus dieser heraus wieder in den etwas seitwärts absteigenden Theil der größeNeue Schleifenfahrt. ren Schleife hineinlenken. Man vergegenwärtige sich die kolossale Vehemenz, mit welcher der Fahrer durch die beiden Kreisbahnen geschleudert wird, und man wird empfinden, wieviel Geistesgegenwart, stoische Ruhe und Gewandtheit dazu gehören, bei der blitzschnellen Fahrt das Rad geschickt zu lenken. Da zur Ueberwindung der beiden Schleifen eine möglichst große Fahrgeschwindigkeit erforderlich ist, so liegt die Abfahrtstelle entsprechend höher; auch ist die Absturzbahn bedeutend steiler angelegt,, als dies bei den bisher bekannten Schleifen der Fall war. Der ganze Verlauf des Experiments ist eine Todesfahrt im eigentlichen Sinne des Wortes. .Böttner hat seine Vorstudien auf einer Schleife gemacht, die er im Südosten Berlins unter freiem Himmel aufgebaut hatte. Es bedarf kaum befonderer Erwähnung, daß er sich bei diesen Freiübungen nicht über den Mangel an beifallslustigem Publikum zu beklagen hatte. Zwei Dutzend Fcldzüge. Melto Priors langjährige Erfahrung alS Kriegskorrespondent. Der Veteran unter den dem japanischen Heere gefolgten Kriegskorrespondenten ist Melton Prior, der im Dienste der Sketch" und derLondon Jllustrated News" bereits an nicht weniger als 24 Feldzügen theilgenommen hat, abgesehen von den zahlreichen Staatsaktionen, bei denen er als Berichterstatter zugegen war, wenn er sich nicht gerade an der Front" befand. Dabei ist der nunmehr 60 Jahre alte Herr noch so lebhaft und fo schaffenslustig wie ein Junger. Prior ist zugleich ein vorzüglicher Zeichner, und er schreckt noch heute vor keiner Gefahr zurück, wenn es gilt, Neuigkeiten für die von ihm vertretenen Blätter zu erlangen und Skizzen für dieselben zu entwerfen. Unter seinen Kollegen ist Melton Prior. Prior wegen seines jovialen Wesens und feines Humors allgemein beliebt. Jrrthümlich ist die Ansicht, daß die Schlachtenzeichner die Vorgänge auf dem Kriegsschauplatze mittelst Feldstechers aus sicherer Entfernung beobachten. Sie haben mit bloßen Augen hinzusehen und kommen oft gerade so unter Vftntt wie die Soldaten.
Feuer Signale,
i Pennsyl nd Mark n English'S Opern-HauS ,. 3 Last und Nw Dork 7 Noble und Michigan 9 N. Jersey u. Mag Ave ? Pine und Nortb .0 Market und Pine '1 Vermont nahe East !2 Ny.. s Spritzenhau Maff. Ave nahe Nobl, l3 Devaware und Wa'nut ;4 N. Jersey u Central A. 15 Masi. und CornellAve 6 Asb Ni d 11. Straß 7 Park Ave und 12 Str .ä Columbia undHillsid 19 Highland Ave u. Pratt n Illinois und St. Joe .'.S PennZylv. und Pratt ti Meridian und 11. Str 35 No. 5 Spritzenhaus 15. nahe JllinsiS 16 Senate Ave u. StClair 17 Illinois und Michigan ia Pe isylvania und 14. :s Senate Ave. und 13. tt No. 1 Spritzenhaus Ins LvenaheMichiga Meridian und Walnut !4 California u Bermont 35 Blake und New Dork ie Ind. Av. u. St. latr 17 City Hospital :s Blake und Norch 39 Michigan und ÄgneL 41 No. 6 Spritzenhaus Washington nahe Weft iä Gsendorf u Wash. 3 MiiZouri u New York 5 Meridian u Wash 46 JllinoiS und Ohü ? Capitol Nv.u Wasl) 3 mgan'S PorkhauS i Straßenbahn Ställe W. Washington Stt 31 32o. io Spritzenhaus JMnoU u Merrill S JllinoiS u ouisiana es Weft und South L4 West und McTarty s Senate Ave. u Henry 37 Meridian und Ray ?8 No. 4 Spritzenhaus MadisonAv.uMorri 6 Madiion Av.u Dunlop W No 2 Haken LeiterhauS South nahe Delawar 82 Penn, u Merrill 3 Delawar u. MeEarttz SafiundMrSarty tt New Jersey u. NerrM VT irg. Av. u Bradsha S Saft und Prospekt Bicking und High tl No. 11 Spritzenhaus vir Ave. nah Huroa 7 Esst und Georgia 75 keda und Elm 74 Davidson u Georgia 7 English Av.u Pine 7 Shelby und BateS "8 No. 3 Spritzenhaus Prospect nahe Shelby 19 Fletcher Av. u Sbelby 81 Market u. New Jersey 82 Delaware und Wash. SS East u Washington S4 New Dork u. Davidso 85 Taubstummen Anstalt 66 Ver. Staaten Arsenal 87 Orient! und Wash. 89 Frauen-Reformat. No. 13 Spritzenhaus Marhland nahe Mer. S2 Meridian u. Georgia. 93 Meridian und South 4 Pennfylv u. Louisiana 5 Virgini Ave u. Alab. 6 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 93 Capital Ave und Oh& 23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. iSt Alabama und 1. 125 Central Av und 15. i2S DandeS und 15. 127 Brooksid und Jupiter 128 Centra! Ave und 17. 129 Delawa und 19. .3l Alabama und 11. 132 Bellefontaine und W. 134 College Ave und 9. 135 Delaware und 13. 136 Alabama und North 13? Newmann und 19. 1S8 College Ab und 14.' 139 Cornell Ave und 13. 141 DandeS und 19. 142 Highland Ave und 10. 143 Tecumseh und 19. 145 New Jersey und 22. 146 Alvord und 17. 147 No. L Spritzenhaus Hilside Ave und 18. 48 College Av und 2. i49 College Ave und 7. 152 Park Av und 22. 158 L E u. W Bahn u. 22. 154 Ramsey Ave und 1. 156 Stoughton u Newman 157 AtlaS und Pike. 158 Blohd und Pawpaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Brightwood Arden und Depot 16Z Brigytwood rid 25. 164 Rural und Blohd 165 St. Clair u. Keystone 167 Arsenal Av unk 3. 168 Bellefontame und 23. 169 Park A$ stnd 19 212 Capital Av und 17; 213 Pennsylv. 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Washington 27 Olwer und Birch 23 Oliver und OSgood 2 Rordyke und Dork 31 Hadley Ave u. Worril 32 Rwer Ave u. MorriS 4S4 Rwer Ave und Ray 35 Harding u. Big R ? 36 Harding und Olivs 37 No. 19 SpritzenhqZ MorriS und Hsrdina. WbBABHl 439 Stocky 51 ReiSn und fR3s 52 Howard und L 453 orr und appeS SS Lambert und LkVSt 57 Nordhke Av 3. Ha on WorkS Bis West und Ray 61 Kentuckd Ave u. Men 14 Meridian und MorrZI bis JllinoiS nd ansaS 617 Morris und Dakota 518 MorriS und Church 519 Capital A. u McCar 521 Meridian und Palm 523 Pine und Lord 52 MadisonAve u Lineol YLS Meridian und Belt RA 527 Carlos und Ray 523 Meridian und Arizons 29 Meridian u. Ray'nond 531 Meridian u. VKCal'.i 53 No. 17 Spritzeneu MorriS nahe Weft i McKeraanund Dounh si East u. Lincoln int 614 East und Beecher Sli Wright und 0, 617 McCarty und L.aty 18 New Jersey u " 2lw 71 Spruce und Prospect Tk English Av. u. Laurek 714 State Ave u. Slt R? 715 Shelby und Beech 716 State Ave und Orangf 718 Orange und Laurel 719 Shelby u. Ct,ctaa W 721 exington N. u Lauch 7,5 Fletcher Ave u. Sprua 724 State Ave u. PIeasan9 7 Prospekt und leasanZ 72 Orange und Harla 723 Liberty und Wen 729 Noble und South 81 No. 15 Spritzenhaus Ost Washington ' Si Market und Noble 81 Ohio u. Highland Stt 815 Michigan u. Highlanl 81 Market u Arsenal Av 817 Ost 85 Clair uns Union Bahn Geleise. 821 Pan Handle GhopS 82 Vennsnt und Wako 824 Wash. und Statt Atz., 825 Maddtt,'S LoungSl 826 Duck und Dorfey 827 Wash. und BeviSe 82 No. 1 Spritzenhaus Bevillt nah Michig, 8,1 Southeafter 9ttw& Woodside. 832 Wash. und Dearöon, 8,4 Southeafter nd Arsenal AveS. 855 New Dork und Tempd 12 JllinoiS nd Maryl. 913 JllinoiS und Skarkt, 14 Penn, nd SSash, , is Delawar, nntz ' Spezial Signale. krsten 2 Schlage, zweiter Alarm, Zweiten Schläge, dritter Alarm, Dritten Schläge, viert Alarm. l-2-i, Feuer auö und Schlauch aufgerollt Schlage, Wasserdruck ab. I Schläge, 1 Uhr Mittag,. Die so bezeichneten Signale werden nur vom hu? 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