Indiana Tribüne, Volume 27, Number 217, Indianapolis, Marion County, 4 May 1904 — Page 3

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Jndian Tribuns, Mai 190

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Japaner in Nelv CHlnang.

Dem stratcgsich wichtigen Pnnkt an der ostchinesischen Eisenbahn.

Der Bericht des General Zassilitch über die Yalu Schlappe. Verwirrung der Russen. Allzudcutliche Russenfreundschaft Neue Judcnhctze in Bcndcr. Holländer verklopfen Atchincscn.

Kriegsbulletin. London, 4. Mai. Von Ehe Foo kommt die Meldung unter Dienstag (3. Mai): Die Japaner haben Truppen gelandet und nach heftigem Angriff New Chwang Montag Abend genommen. Die Russen zogen sich zur Deckung der Bahnlinie zurück. (New Chwang liegt direkt an der oftchinesischen Bahnlinie, genau in der Mitte zwischen Port Arthur und Mus den. D. Red.) Gen. Zassalitch's Bericht. St. P e t e r s b u r g, 3. Mai, Der officielle Bericht des Gen. Zessalitch über die Niederlage am Yalu lautet : Das 12. und 22. Regiment und 2 Batterien waren in der Schlacht enga-, girt, die mit heftigem Kanonenfeuer von Belagerungsgeschützen in Wiju und Feldbatterien von unserer rechten Flanke begann. Der Feind machte dann einen heftigen Angriff auf unsere linke Flanke beiJurenchen und unsere Stellung bei Potietinski. Unsere Lage wurde besonders bei Potietinski eine bedrängte. Dort wurden wir im Centrum und - an beiden Flanken bombardirt. Die Japanesen machten unter unseremFeuer sortgesetzte Bajo nett-Angriffe. Todte Japaner lagen in Haufen am Flußufer. Inzwischen waren unsere Leute in den Schützengräben bei Turenchen zum Rückzug gedrängt worden. Alle unsere Reserven wurden nun in die Angriffslinie gestellt. Doch mußten unsere Leute nach der zweiten Vertheidigungslinie retiriren. Der Feind grub frisch? Laufgräben und begann unter heftigem Feuer unsere linke Flanke zu umgehen. Ein Kaplan, der vor der Front mit einem Kruzifix marschirte, stürzte von 2 Kugeln getroffen. , Die Verluste des 11. und 12. Regiments waren sehr groß. Die genaue Zahl ist unbekannt. Unter den Todten sind 4 Obristen und 9 Kompagnieführer. Die 2. und 3. Batterie verloren den größten Theil ihrer Mannschaften und Pferde. Die Geschütze mußten in Stich gelassen werden. Auch 6 Geschütze der 5. Batterie fielen den Feinden in die Hände. Bis jetzt sind 800 Verwundete, darunter 14 Officiere in's Feldlazareth nach Feng.Wang-Cheng gebracht worden. Nach Mittheilung von Combattanten gab es zwischen 34000 Todte. Der Feind erlitt schwere Verluste. Togo's neuer Angriff auf den Vort Arthur Hafen. St. Petersburg, 3. Mai. Vice-Admiral Togo machte gestern Nacht einen weiteren verzweifelten Versuch zur,Sperrung des Hafens von Port Arthur, aber derselbe gelang nicht. ViceKönig Alexieff sandte einen Theil der Flotte zur Abwehr des Angriffs aus und brachte acht Fenerschiffe und zwei japanische Torpedoboote zum Sinken. Der Canal wird als frei gemeldet, aber acht Feuerschiffe wurden durch die ruffischen Torpedoboote und das Feuer von den Landbatterien versenkt. Auch meldet der Vicekönig.. es seien zwei japanische Torpedoboote zum Sinken gebracht worden. Die Feuerschiffe wurden von den Suchlichtern der Batterien und den Wachschiffen entdeckt, wie sie sich kurz nach Mitternacht vom Ostend und Südosten Port Arthur näherten. Die Torpedoboote und Torpedodootjäger wur den auSgesandt, jedoch keines der grö "ßeren Kriegsschiff?. Admiral Alexieff begab sich an Bord des Küstenverthei gers Odvashni". Die Wachtschiffe am Hafen-Eingang und die FortS unter hielten bis 5 Uhr Morgens, als das letzte Feuerschiff in die Tiefe ging, ein scharfes Feuer. Die japanischen Dam pfer waren mit Hotchkiß- und MaximGeschützen ausgerüstet und antworteten eifrig auf das russische Feuer.

Die Russen rettteten einige Mannschaften der Feuerschiffe, wie es heißt 30, darunter zwei Offiziere. K u r o p a t k i n's Bericht über den Yalu-Kampf. St. P e t e r s b u r g, , 3. Mai. Zeneral Kuropatkin's amtlicher Bericht besagt, daß sich die Truppen von General Zasselitch in Ordnung zurückzogen, schließlich in Fenz Wan Cheng anlangend. Er schreibt die Verluste am Valu der Ueberlegenheit der japan. Artillerie zu. Die Verluste an Mannschaften oder Geschützen werden weder von Kuropatkin noch Zasselitch angegeben. Nach dem Generalstab bestand die ganze Truppe von Zasselitch aus 15 Artillerie-Batterien zu je 800Mann und 5 Batterien oder 40 Geschützen. Ein Regiment oder 3 Bataillone, in Antung stehend, nahm nicht an dem Sonntagskämpf, theil und zog sich ohne Verlust zurück. Die Häfen von Kin L ian Chang und Husan wurden von 4 Regimentern und 4 Batterien, etwa 10.000

Mann und 32 Geschützen. gegen 80.000 Japaner und 160 Geschütze gehalten, wozu noch fünfzehn Zwölfpfünder, von den Kanonenbooten gelandete Belagerungsgeschütze, kommen. Diese Geschütze gelten als Grund von Zassalitch's Niederlage, da die Russsn nur leichte Feldund einige Gebirgs-Gefchütze besaßen. Der Generalstab betont, daß die nächften Reserven von Zassalitch in Feng Wang Cheng standen und daß seine Mission nur darin bestand, den japan. Vormarsch zu erschweren, nicht aber ihn zu hindern. Es war ein Glück für General Kuroki, daß Gen. Zassalitch sich als solch' eigenwilligerCommandeur zeigte", sagte ein Offizier. Die Japaner verfolgten d e n F e i n d. London, 3. Mai. Die japan. Gesandtschaft veröffentlichte heute General Kuroki's Bericht vom 1. Mgi : DerFeind leistete unserer Verfolgung heftigen Widerstand und fügt unseren Verlusten 300 weitere bei. Der Feind kämpfte tapfer bis zum Schlüsse. Schließlich ergaben sich 2 ArtillerieCompagnien, nachdem sie den größten Theil ihrer Mannschaften und Pferde verloren, die weiße Flagge hissend. Die gefangenen Offiziere versichern, daß General Kashtalinsky, der Commandeur des 11. und 12. Ins. Regts. und der Artillerie-Befehlsbaber gefallen sind. Viele höhere Offiziere sind getödtet oder verwundet. Zahlreiche Flüchtlinge kehrten nachher wieder zurück und ergaben sich. Gefangen sind 30 Ofsiziere und 300 Unteroffiziere und Mann. S ö u l, 3. Mai. Die Japaner derfolgten den Feind am Sonntag Morgen, nach dem Jalu Kampfe am Sonntag, durch die Berge. Der Feind erlitt schwere Verluste. Kuropatkin dem Feind entgangen. Rom, 3. Mai. General Kuropatkin marschirt hier eingelaufenen Nachrichten zufolge mit 20,000 Truppen von Liao-Yang nach Feng-Wang-Cheng. Verwirrung in den ruffischen Reihen. 'Tokio, 3. Mai. Es scheint, daß der Feind durch unsern Angriff in völlige Auflösung gerieth; denn gestern kamen viele und streckten die Waffen. Die Japaner hatten 793 Todte und Verwundete; Kaiser'Garde 132, 2. Di Vision 300, 3. Division 16. .S ö u l, 3. Mai. Die russischen Truppen flohen nach der Niederlage bei ChiN'Tien-Cheng, von japanischer Gabanette und Infanterie verfolgt, von Panik ergriffen über die Hügel nach Feng Wang Chang. Die Fluchi dauerte von 1 Uhr Nachmittags bis 8 Uhr Abends. Die Vermundeten, einschließlich Ober-General Zanalitsch und General Kathalinsky, gelangten schließlich nach Antung. Nach 25 Minuten langem scharfem Kampf mußten die Russen den Ort schließlich räumen.

Generalleut. v. Trotha

Erhält den Oberbefehl in Lüd-West' Afrika. Berlin, 3. Mai. General-Leut-nant von Trotha ist zum OberbefehlsHaber der deutschen Streitkräfte, die um 1500 Mann verstärkt werden, in Südwest-Afrika ernannt worden. Z e p p e l i n's L u f t s ch i f f energisch in Angriff , genommen. Berlin. 3. Mai. Die neue Ballonhalle für das künftige Zeppelin'sche Luftschiff steht, wie vom Bodensee geschrieben wird, jetzt im Gerüst fertig da, und zwar wieder an dem gleichen Platze wie die frühere Halle, unterhalb Manzell, dreiviertel Stunden von Friedrichshafen entfernt. Sie unterscheidet sich von der früheren dadurch, daß sie nicht auf frei schwimmendem Fundament, sondern auf fester Erd- und Beton-Unterlage ruht, damit sie nicht bei starkem Wind und Wellenschlag durchgehen" kann wie ihre Vorgängerin. Die Materialien für den neuen Ballon sind bereits in mehreren mit einem Trajektboot an Ort und Stelle gebrachten Eifenbahnwaqen eingetroffen. Das neue Lustschiff soll weniger schwerfällig als das alte werden. Es wird andere Motoren erhalten, die leistungsfähiger sind und dabei geringeres Eigengewicht haben. Auch ist eine Verringerung der Länge des Fahrzeuges vorgesehen, Weitere Aenderungen betreffen die Anordnung der Gondeln, die Anbringung des Steuers u. A. In der äußeren Form und im Material werden keine durchgreifenden Abweichungen eintreten. Niederlage der Regierung. Berlin, 3, Mai. Die Majoritätsparteien im Reichstage stimmten gegen den Vorschlag der Regierung die Budget - Veranschlagungen zu reconstruiren, damit dieNothwendigkeit einer Su'plimentar-Anleihe von $17,509, 000 vermieden werde. Dies geschah, durch Erhöhung der Veranschlagungen, so daß das Defizit um S4.250.000, welches sich auf die Einzelstaaten im Verhältniß ihrer Bevölkerung verringert wurde. Es war die Absicht des Finanzministers Stengel durch dieses Manöver einen Druck auf die kleineren Staaten auszuüben, damit diese eine schnelle Jnkrafttretung der neuen Tarif-Gesetze verlangen, um einer Extrasteuer zu entgehen. Russische Sympathien. Leipzig, 3. Mai. Das Tageblatt" brachte heute einen Brief von Riga, Europ. Rußland, wonach nach der Kunde vom russischen Erfolg in Gensan, Korea, die am Freitag deröffentlich! wurde, der Hafenmeister (ein Regierungs - Beamter) die fremden Schiffe im Hafen einlud, zu Ehren des Ereignisses zu flaggen. Die britischen und norwegischen Capitäne lehnten ab, aber die zahlreichen deutschen Schiffe waren mit Flaggen geschmückt. Die Bevölkerung von Riga sah in der deutschen Kundgebung eine Bestätigung von des Kaisers Worten: Rußland's Sorgen sind Deutschland's Sorgen." Die hiesigen und andere deutsche Zeitungen Protestiren gegen die Haltung der deutschen Capitäne und nennen sie einen Neutralitäts-Bruch. Oesterreich'Ungarn. Judenverfolgungen. Wien, 3. Mai. Berichte von neuen Ausschreitungen gegen die'Juden in der bessarabischen Stadt Beoder sind im Umlaut. Die Ausschreitungen begannen am letzten Samstag, als die Juden in den Synagogen waren. Der Pöbel demolirte die israelitischen Wohnungen und warf Frauen und Säuglinge in rohester Weise aus den Fenstern. Ein Mädchen wurde in entmenschter Weise gemordet. Kossacken stellten die Ruhe wieder her. Der Pöbel war über die jüngsten russischen Niederlagen in Ostasien aufgebrache. Holland. . ' Atchinesen geschlagen. A m st e r d a m, 3. Mai. Eine Depesche von Batavia, Java, an das Handelsblad" meldet, daß die holländischen Truppen die Stellung der Atcbinesen bei Tjantac genommen haben. 190 Atchinesen fielen. Die Holländer verloren 7 Todte. 5 Offiziere und 38 Soldaten wurden verwundet.

Frankreich. MZo r g a n's C a n a l-Ä e s ck ä f t. Paris, 3. Mai. I. P. Morgat, der hier die Einzelheiten der großen Finanz-Transaktion anläßlich des Panama -Canal Kaufs regelte, fuhr heute nach' Aiz Les Bains ab. Er sagte, es sei der Wunsch der Ca-nal-Gesellschaft gewesen, daß das Geld in Paris anstatt in Amerika zur Auszahlung gelange und sie habe alle hiermit verbundenen Ausgaben getragen. Die ganze Angelegenheit werde von der Firma Morgan, als den Agenten der amer. Regierung, geregelt und dw Angäbe, ein Pariser Bankier - Syndikat sei interessirt, beruhe au Irrthum. Brasilien. Brasilien macht mobil. RiodeJaneiro, 3. Mai. Es verlautet, daß, ein Befehl zur Mobilisirung der brasilianischen Truppen im 1. District an den Grenzpunkten, au welchen die peruvianischen Truppen die Grenze überschritten haben, erlassen worden ist. Das streitige Territorium schließt die Jurua und Purus Thäler an der Westgrenze von Brasilien ein. San Domingo. - Powell's Abschied. San Domingo, 3. Mai. Der amer. Gesandte Powell, den seine erschütterte Gesundheit zur Rückkehr nach Port-au-Prince nöthigt, verabschiedet? sich heute von dem provisorischen Präsidenten Morales. Er brachte hierbei das tiefe Interesse zum Ausdruck, welches Regierung und Volk in Amerika an der Zukunft von San Domingo nehmen. Powell reift morgen ab; sein Weggang wird in allen Ständen bedauert. Beklagenswert he Schul-, zustünde. Interessante Mittheihingen über den Stand des österreichischen Volksschulwesens machte in einer Sitzung der Wiener Pädagogischen Gesellschaft ein Lehrer. Aus diesen Mittheilungen geht hervor, daß es zur Zeit in Oesterreich trotz der gesetzlichen allgemeinen Schulpflicht 1,000.000 schulPflichtiger Kinder ohne Schulunterricht gibt. Das sei zum größten Theil auf die traurige finanzielle Lage vieler Gemeinden zurückzuführen, die ohne Staatshilfe nicht in der Lage seien, die Kosten eines halbwegs modernen Schulwesens aufzubringen. 'Das Schicksal der Neutrafen." Der russisch-japanische Krieg fordert seltsame Opfer. So wurde aus Wladiwostok folgende tragische Geschichte depeschirt: In der Poßjet-Bai vernahm man jüngst von der Meerseite her eine heftige Explosion, deren Ursache Niemand erklären konnte. Zwei Tage darauf trieben die Fluthen einen todten Walfisch in die Bucht, der offenbar auf eine Mine gestoßen war, die dadurch explodirte. Daß die Russen gute Miene" zum bösen Spiel machten, als sie merkten, daß kein japanisches Schiff, sondern nur ein Walfisch krepirt war, stand allerdings nicht in der Depesche. In Japan waren nach dem Jahresbericht des japanischen Unterrichtsministeriums im Jahre 1901 66 Ausländer als Lehrer angestellt, darunter 21 Deutsche, 15 Engländer und 12 Amerikaner. Von je 100 schulpflichtigen Knaben besuchten 93.78, von je 100 schulpflichtigen Mädchen 81.08 die Schule. Die Gesammtzahl der Schulen in Japan betrug 29,335; Lehrkräfte waren 110,104 thätig. Die Schulen wurden von 5,265,006 Schülern und 901,621 Graduirten besucht. Interessanter Gerichtse n t s ch e i d. Vor vier Jahren wurde ein Schauspieler durch Vermittlung eines Wiener Agenten an das Hamburger Schauspielhaus engagirt. Für die Vermittlung, die darin bestand, daß der Agent einen Brief an den Direktor schrieb, hatte sich der Agent einen erheblichen. Prozentsatz der Gage ausbedüngen. Die Provision wurde vier Jahre lang bezahlt. Nach Ablauf des Kontraktes wurde der Künstler abermals dem Schauspielhaus verpflichtet. Da in dem mit dem Agenten abgeschlossenen Vertrage der Passus enthalten war, bei jeder Verlängerung des Kontraktes, auch wenn dieser ohne Bermittlung des Agenten zu Stande komme was thatsächlich geschah habe der Künstler die gleiche Provision zu zahlen, erhob der Agent beim Wiener Bezirksgericht Klage, als der Schauspieler die weitere Zahlung der Provision verweigerte, weil der Künstler der Meinung war, daß der Vertrag gegen die guten Sitten verstoße und rechtsungil tig sei, denn unter Umständen wäre er zeitlebens dem Agenten tributpflichtig. Das Wiener Bezirksgericht trat dieser Ansicht bei und wies den Kläger mit seiner Klage ab. Für Walfisch bei n bezahlte man letzthin in Dundee tz15,000 per Tonne. Es ist dies der höchste Preis, der bisher erzielt wurde. Nach dem europäischen Kontinent fuhren im letzten Jahre von Dover, England, aus nicht weniger ' 43,000 Passagiere.

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Ein Bienknangriss.

In England ist bor einiger Zeit das toohl kaum vorher schon Vorgekommene geschehen, daß Bienen einen Eisenbahnzug um viele Stunden aufgehalten und eine ganze Linie gesperrt haben. Das ging so zu: Es hatte ein belangloser Zusammenstoß stattgefunden. Eine ungeschickt rangirte Lokcmotive war einem stehenden Güterzuge in die Flanke gefahren und hatte einen Wagen zertrümmert, auf dem unter Anderem ein paar Honigfässer transportirt würden. Eines dieser Fässer barst dabei auseinander. Ehe der beschädigte Wagen ausgeschaltet war, kamen eine Anzahl Bienen an der Stelle vorbei. Sie rochen den ausfließenden Honig, flogen darauf zu und sogen sich so voll, wie sie nur irgend konnten. Dann kehrten sie schwer beladen zu ihrem Bienenstock zurück, der sich mit einer großen Schaar anderer auf dem Gehöft eines Großbienenzüchters befand, nicht mehr als 200 Schritte vom Orte des Unglücks entfernt. Als die so unerwartet schnell Gesättigten in ihren Stock einzogen, bemerkten die Gefährten, daß sie besonders reich eingefahren hatten. Sie machten ihnen Platz und warteten ab, bis sie ihre Beute abgelegt hatten und wieder ausflogen. Dann folgten sie ihnen. Die klugen Bienen flogen geradeswegs nach dem Eisenbahnwagen zurück, der ihnen mühelos so reichen Ertrag geliefert hatte, und nun machten nicht allein sie sich das geschehene Unglück zu nutze, sondern auch die mit ihnen gekommenen Stammgenossen. Und als sie dann alle zusammen den Heimweg antraten, fiel es den Kollegen aus den anderen Stöcken gleichfalls auf, daß sie ausnahmsweise schwer beladen waren. Sie folgten ihren Spuren und schleppten von dem verschütteten Honig auch ihrerseits nach Hause, so viel sie irgend konnten, zugleich die Mär von dem neuen Schatze immer weiter ausbreitend. Die Vahnbeamten, die sich bemühten, das Verkehrshinderniß, den zertrümmerten Wagen, zu beseitigen, wurden von den lüsternen Bienen sehr energisch daran gehindert. Zugführer, Heizer, das ganze Bahnpersonal gaben sich verzweifelte Mühe, die Eindringlinge zu vertreiben. Je mehr sie aber angegriffen wurden, desto erbitterter vertheidigten natürlich, die Bienen ihre süße Beute, und da immer neue Völker hinzukamen, trugen sie thatsächlich den Sieg davon. Alles rettete sich in schleuniger Flucht und überließ den Kampfplatz sammt dem Honig den beherzten kleinen Feinden. Wie eine einzige schwarzbraune Masse lagerten diese sich nun auf dem breiten Honigstrom, den ihnen Niemand mehr streitig machte, und der stehengebliebene Zug versperrte die ganze Bahnstrecke. Erst als der Abend hereinbrach, der die Süßmäuler nach Hause trieb, war es möglich, das Werk wieder aufzunehmen und den Zug flott zu machen. Der Bienenvater aber sagte aus, daß noch mehrere Tage hindurch in seinen Kolonien eine ganz ungewöhnliche Aufregung herrschte, und die Bienen unruhiger, und reizbarer waren als sonst. Dcr feinste Stoss. Das Zarteste Gewebe stellen nicht etwa die berühmten Kaschmirshawls dar, die man bekanntlich in einer höhlen Nuß unterbringen kann, obgleich sie ausgebreitet die Größe von drei bis vier Quadratyards besitzen, auch nicht die bekannten Orenburger Tücher, die ein gleich feines Gewebe sind, sondern die Nipes de Pina," ein Gewebe aus den Fasern der Ananasblätter, das die reichen Einwohner der Philippinenjnseln tragen. Dieses Gewebe ist so fein, daß man während seiner Herstellung Thüren und Fenster schließen muß, damit nicht ein Zugwind es zerreiße. Die Bereitung der Fasern ist schon umständlich und schwierig, und wenn sie durch die langwierige Behandlung die nöthige Feinheit und Geschmeidigkeit erhalten haben, müssen sie erst einzeln aneinander geknüpft werden, bevor man an die eigentliche Webe arbeit gehen kann. Man stellt aus diesen Fasern Männer- und Frauenhemden her. Zum Weben eines einzigen solchen Hemdes sind aber mehrere Jahre erforderlich, daher stellt sich der Preis denn auch auf die kolossale Summe von etwa 6000 Mark für das Stück. Außer Hemden webt man auch Schleier und Tücher mit farbigen Bordüren aus diesen Ananasfasern. Ausrodo. Dame: Wie kannst Du Dich unterstehen, den Hund zu treten. Hat er Dir etwas gethan?" I u n g e : Ja, er hat mir die Zunge herausgestreckt!" Gedankensplitter. Manche Leute nehmen auf der Welt eigent lich nichts ernsthaft, als sich selbst und da gerade haben sie unrecht. Was für ein thöricht Wort ist's doch: .Die Zeit vertreiben. Die Zeit ist immer da; nur du, du kannst nicht bleiben. Wenn du bei Jemand falsche Saiten an schlägst, wundere dich nicht, wenn er ver stimmt wird. . Man kann Lch diel aus Liebe abgewöhnen, wenn's aber zu diel wird, geht leicht ein Stückchen Liebe mit. Alle Lebensregeln bedeuten den aussichtS losen Versuch, , eine Wegmarkirung zum Glück zu schaffen. Aber dieser 'Höhenpfad will nicht gezeigt, er will gefunden werden. Große Leidenschaften können einen Men I schen wohl stürzen, nicht aber klein, machen.

Aerzte.

DR. F. M. PBAY, Specialist Angen, Ohren, Nase und QaW 31 Oft Ohio Straße, Indianapolis. Hum vebäud. ÖR. C. L. RITTER, Newton Claypool Gebäude, zj'.mmer 238 233. Neues Telephon 4661 (Pennsylvania und Ohio Str.) . Stock. OssieeStunden: g biZ 10:30, 2 US 8:30 Uhr 1 dil 8 Uhr Abends am Montag, Dienstag, Donnerstag, Samstag. hng : 1448 Prospekt rtz. Stunden : S Nhr Vormittags und 1 Uhr Nachmittag. Neues Telephon 9306. Dr. j. A. Suteliffe, Wund -Arzt, Geschlechts., Urin undRectum Krankheiten. Offfce :155 Ost Market Str. Tel. 941 Offtce-Stunden : 9 bis 10 Uhr Bm. : 2 618 4Ubr N $1.50 Rundfahrt. Sonntag, 8. Mai. Cincinnati. Z1.25 Hamilton ; 51.00 Rushvilleund Connersdille. Baseball Cincwnati ds. Brooklyn. Spezialzug fährt um 7 Uhr Morgens ab; verläßt Cincinnati zur Rückfahrt 6:20 Abends WM 202 Nord Noble Str. Neues Telephon 2001 oU of Reduktion der Preise Lump Coke 7c per Bushel Zerkleinerte Coke 9c per Bushel Sprechen Sie vor für Tickets THE INDIANAPOLIS GAS G0 49 S. Pennsylvania Str. LAKE ERIE & WESTERN R.R. .. ..Fahrzeit der Züge.. Abfahrt Ankunft Toledo, Ehieazo und Mchigan Expreß... 7.lS tlO.fc Toledo, Detroit und Chicago Lim 12.20 f 8.15 Wichigan Sity, Muncie u.LafahetteSpl.. 7.2 flO.S tögl'.ch t ausgenommen Sonntags. Selbstmord auf dem Friedhofe. Vor seiner Familien-, grabstätte auf dem protestantischen Friedhofe zu Augsburg, Bayern, tödtete sich dieser Tage der Major und Bataillonskommandant Arthur Bonnet durch einen Revolverschuß in's Herz. Major Bonnet machte Vormittags Dienst und hatte für Nachmittag eine Bataillonsbesichtigung ansetzen lassen auf einer Wiese zwischen der Kaserne und dem protestantischen Friedhof. Das Bataillon war bereits aufgestellt, als sich sein Kommandeur bei seinen Ossizieren auf ein paar Minuten entschuldigte. Er trat in den Friedhof und verübte in demselben Moment die unselige That, als der Pfarrer nebenan eben bei .einer Beerdigung die Worte sprach: Ich übergebe Dich der kühlen Erde!" Das Motiv zur That ist unbekannt. Gnade vorRecht. In einer Generalversammlung der Mainzer Volksbank wurde einstimmig beschlosfen, dem ehemaligen Kassirer Herrmann ein jährliches Gnadengehalt von 1200 Mark zu zahlen. Herrmann hatte als Kassirer der Volksbank über 200.000 Mark unterschlagen, diese Summe aber nahezu vollständig wieder zurückerstattet. D!? Untersuchung gegen ihn hat ergeben, daß er geistig nicht ganz zurechnungsfähig ist. Er wurde deshalb außer Verfolgung gesetzt. Da Herrmann vollständig mittellos ist, so beschloß die Generalversammlung, aus allgemein menschlichen Rücksichten und weil Herrmann 25 Jahre lang der Volksbank seine Dienste gewidmet hatte, ihm die angegebene Summe zu bewilligen. An den 21 Universitaten des Deutschen Reiches waren im letzten Wintersemester 36,301 Studirende immatrikulirt, gegen 37,536 im letzten Sommersemester und 36,226 im Winter 1902 bis 1903. Berlin stand' obenan mit 7603 (gegen 3483 mtd' 6654), München folgte mit 4609 (4606 und 4279).

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