Indiana Tribüne, Volume 27, Number 216, Indianapolis, Marion County, 3 May 1904 — Page 3
Jndianz Tribüne, sZ Mai 190.
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DR. C. L. RITTER, Newton Claypool GeSande, Ltmmer 32233. Neues Telephon SSI tPenrsylvaia und Ohio Str.) .Stock. Ossire. Stunden: 9 biZ 10:30, 2 biZ S:30Uhr 7 bis 8 Nhr AbendS am Montag, Dienstag, Donnerstag, Samstag. shnung: 1448 Prospekt ttaft, Stunden : 8 Nhr Vormittags und l Uhr Nachmittags. Neues Telephon 930. Dr. j. A. Sutcliffe, Wund -Arzt, Geschlechts, Urin- undRectum Krankheiten. Offfce:155 Oft Market Stt. 21.941 Office-Stunden : 9 bi 10 Ubr Bm. : b! Uhr N foeffler aioon 202 Nord Noble Str. Neues Telephon 2001. $1.50 Rundfahrt Sonntag, 8. Mai. Cincinnati. $1.25 Hamilton ; $1.00 Rushdilleund Connersville. Baseball Cincinnati vs. Brooklyn. Spezialzug fährt um 7 Uhr Morgens ab; verläßt Cincinnati zur Rückfahrt 6:20 Abends Achtung. Empire Wood & Coal Co. empfiehlt Holz für Bäcker, 2 Fuß lang, gespalten, beste Qualität, KZ die Ladung ; sowie Sägemühlen Holz, Buchen und Ahorn, 14 Zoll lang, gespalten oder ungespalten, $2 die Ladung. Fabrik-Holz, $2 die Ladung. Empire Eoal&I oofl Co 553 Lincoln Str. Telephon : Neu. 9291. Neu, 4780. Alt. Main 11. Alt, Main s. Grotze Auswahl von lener, No. 449 Ost Washington Str. Neues Telephon 2525. .Niedrige Skaten.. .... nach .... Kalifornien und zurück . .via. . Big Four Route General-Conferenz der Methodisten Episkopal Kirche, Los Angeles, beginnend S. Mai. National Association der Detail Groceristen der Ver. Staaten San Francisco, 3. bis . Mai. Fahrkarten nach San Francisco und Los Angeles, Cal., und zurück werden verkauft vom 22. Avril bis einschließlich 30. April 1904 ; ebenfo am 1. Mai für solche Züge, die ihre Passagiere tn .yicago, Peorta, vr. LouiS oder Cairo an demselben Tag landen, nnn rtffort Punkten bei ..Bia ftour". Cin cinnati Northern und D. U. R. R. zu sehr nredttgen Raten. Schliebliche Retoursahrt beschränkt aus so. Jnni Liberale UeberliegungS'PrivUegien. Der Seftern Christian dvocate'S SpezialZug für LoS Angeles, lür Bequemlichkeit der Delegaten und Andere, welche die Pacific üste zu besuchen wün schen, fährt via Big Four Route. Für nähere Information und Einzelheiten wende man sich an die Big ZZour Ticket genten oder schreibe WAHREN j. LYNCH, Gen'l r s. & Ticket Agent, Cincinnati, Ohio.
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Bon d er Weltausstellung.
Der erste regelmäßige Tag mit dem strahlenden
Bilde am
Streiks und Aussperrungen. Corrupter Bundesanwalt. Schneestürme.
Erste Zahlung an Panama. Kabel Capitän ermordet. Der erste regelnläßige Tag. St. L o u i s, 2. Mai. Welt Ausstellungs-Pla tz Die amtliche Ankündigung über die genaue Zahl des Publikums am Samstag, dem Eröffnungstag, wird erst erfolgen. wenn die Richtigkeit der Zählung über jeden Zweifel festgestellt ist. Präsident Francis erklärte, daß sich ein großes Interesse im ganzen Lande wegen hierüber abgeschlossener Wetten kundgebe und deshalb jede Vorsicht getroffen würde, um einen Irrthum zu vermeiden. Das Zahlungs-Resultat wird voraussichtlich morgen mitgetheilt. Als der erste regelmäßige Tag der Louisiana Ankaufs Ausstellung zur Neige gegangen war und das Zwielicht die Elfenbeinstadt eingehüllt hatte. brach plötzlich von den vielen taufenden elektrischen Lichtern auf den Haupt Gebäuden und der Staaten-Colonade, welche die Festhalle überragt, ein Licht meer hervor, die Plaza von St. Louis und die Lagune erleuchtend. Weiße Lichter kamen zur Verwendung und der Haupttheil des Ausfiellungsplatzes erreichte einen noch festlicheren Eindruck als am Tage, indem der Plaza zum Mittelpunkt des Interesses wurde. Zwielicht bildet das Signal zur Schließung der Haupt-Ausstellungs-Paläste für die Nacht und bis 11 Uhr können sich die Besucher in den Concessionen vergnügen, an den Lagunen - Fahrten in Gondeln und Booten, der Musik von den verschiedenen Kapellen und den Promenaden. Verschiedene Nächte hindurch werden weiße Lichter zur Beleuchtung benutzt; hernach wird ein Versuch mit 20,000 farbigen gemacht, bis sich herausstellt, welche Farbe den besten BeleuchtungsEffekt hervorbringt. Heute Abend assistirten Frau Daniel Manning, die Präsidentin, und die Mitglieder der Frauen-Behörde bei einem Empfang, den Gouverneur Peabody von Colorado den Beamten und Würdenträgern der Ausstellung gab. Eine deriam meisten einladendenAusstel lungen befindet sich im Gartenbau-Pa last, wo sich 15,000 Platten mit Aepfeln, Birnen, Orangen in sämmt' lichen Verschiedenheiten, welche die Zucht dieser Früchte in Amerika aufmeist, befinden. Den Theeraum des Gebäudes der Frauen-Behörde wird ein Bild von Theodore Roosevelt, der Gattin des Präsidenten, . umgeben von über 50 Bildern von Gesellschaftsdamen von St. Louis und Missouri, schmücken. 50 Pawnee und Wichita Indianer sind von Oklahoma angelangt und wurden auf der Jndianer-Reservation einquartirt. "Bald nach der Ankunft wurde der Gattin des Dolmetschers der Indianer, B. Hunt, eine Tochter geboren und Louisiana" getauft. S ch n e e st ü r m e. Cripple Creek, Col.. 2. Mai. Ein Sturm welcher hier am Freitag begann, entwickelte sich heute zum Blizzard. Heute Mittag lag der Schnee 2 Fuß hoch auf den Straßen der Stadt, zweimal so viel auf den Hügeln. Colorado Spring s, Col., 2. Mai Die heftigen Regengüsse seit den letzten 24 Stunden brachten die Bergströme zum Ueberfließen. Die Bahnen erlitten schweren Schaden und auch der Verkehr ist an manchen Orten gehemmt.. Falsches Zeugniß e.ines Mormonen. W a s h i n g t o n , 2. Mai. A. M. Cannon Jr., aus Utah, reiste von Salt Lake City nach Washington, um die Wahlcommission des Senats zu benachrichtigen, er habe mit der Aus sage an namhafte Gentile" in Utah, daß Mormonen-Präsident Smith in Vielweiberei lebe, einen Meineid geschworen. Cannon war als Zeuge bei der heuti gen Smoot-Uutersuchung, als er diese Selbftbeschuldigung abgab. Als einzige Erklärung vermochte er Trunken heit anzugeben.
Abend.
- Dampfer Stephan". Deutscher Rede Cleveland's. Bestechlicher BundesAnwalt. Washington, 2. Mai. Senator McCumber von Nord Dakota überbrachte dem Präsidenten heute das Rücktritts-Gesuch des Bundesanwalts für den Nome-Distrikt in Alaska, M. Grisby. Der Rücktritt tritt am 1. Juli in Kraft. Der G'eneralanwalt hatte schon vor über einem Jahre dem Präsidenten die Entlassung des Beamten empfohlen, weil er seinen Posten ohne Urlaub verlassen hatte. Später wurde er beschuldigt, von der Pionier Mining Co. in Nome 810,000 Bestechungsgelder angenommen zu haben. Die erste der 10 Millionen. N e w Y o r k, 2. Mai. I. P. Morgan empfing heute vom Staatsdepartement zu Washington eine Anwei sung über S1.000.000, welche die erste Ratenzahlung der S10.V00.000 darstellt, auf welche die Republik Panama anläßlich ihrer Canal-Forderung Anspruch hat. Deutscher Cabeldampfer. New York, 2. Mai. Der Cabeldampfer Stephan" traf heute aus Bremen ein, um die Arbeiten an dem New York-Fayal Theil, des deutschamerikanischen Cabels zu beginnen. Der Dampfer wurde besonders für diese Thäthigkeit gebaut, was etwa ein Jahr in Anspruch nahm. Streiks und AuSsperr u n g e n. Philadelphia, 2. Mai. Etwa 2,000 Arbeiter in dem Bau - Gewerbe letgen heute die Arbeit nieder. Sämmt liche Streiks haben als Ursache die Weigerung der Arbeitgeber, LohnErhöhungen zu gewähren. In den meisten Fällen dürften die Differenzen bis morgen geschlichtet sein. C h i c a g o, 2. Mai. 3 Streiks und eine Aussperrung traten heute in Wirkung und in Folge dessen sind 6,200 Lohn-Arbeiter unthätig. In 10 Fabriken wurden 4,000 Schumacher aus gesperrt, neun Bäckerei'Firmen, welche die geschlossene Werkstätte" nicht gewährten, mußten den Betrieb einfiellen. Topeka, Kas., 2. Mai. Als die. 2,000 Maschinisten und Arbeiter der Santa Fe Bahn sich heute vor den Werkstätten versammelten, fanden sie die Thore verschlossen. Nach Verstcherung der Beamten ist die Bahnleitung hierdurch einem Streik zuvorzekommen, der auf Montag 9 Uhr anberäumt war. Es kam zu keinen Un ruhen. Die Mehrheit der Leute kehrte ruhig nach ihren Wohnungen zurück. Deutscher Capitän er mordet. New Orleans, La., 2. Mai. Capitän Carl Uproven von dem Dam pfer Alps der United Fruit Co.. wurde heute auf der Levee, als er sich zwei Straßenräubern widersetzte, ermordet. Er stammte aus Cöln, und stand im 36. Jahre. Vortrag Cleveland's. P r in c e t o n, N. I., 2. Mai. Der frühere Präsident Cleveland sprach heute Abend vor einer großen Hörerschaft in der Alexander Halle über die Regierung im Chicagoer Streik von 1894". . Bei der Vorstellung durch Präsident Woodrow wurde Herr Cleve land vom Publikum mit enthufiastr schem Beifall begrüßt, der ihm auch am Schlüsse seines Vortrags zu Theil ward. Social. Convention. Chicago, 2. Mai. Morris Hillguit von N. V. wurde heute von der hier tagenden socialistischen Con vention zum permanenten Vor fitzenden gewählt, zum ftellv. Vor fitzenden C. W. Woodbey und Ch. Dobbs, Mass., zum Sekretär. Ein großer Theil der Sitzung ver ging mit einer Diskussion deö Berichtes vom Comite für Regeln und Privi legten. Sen Katamaya, Redakteur des Socialift" in Tokio, Japan, hatte einen Ehrensitz inne und wurde mit Beifall begrüßt.
Tiefer Fa.
Daß ehemalige Cabinets-Mitglied Tyner auf der Anklagebank. Washington, 2. Mai. Der zweite der Postamts-Processe begann heute, als I. N. Tyner und H. I. Barret auf der Anklagebank erschienen unter der Beschuldigung, die Regierung durch ihre Unterlassung, gewisse gesetzesübertretende Investment - Gesell schaften zu verfolgen, betrogen zu haben. Tyner, in Grant's Cabinet General Postmeister, war mehrere Jahre lang Hilfs Generalanwalt für das Postdepartement und seinNeffeBarret gehörte demselben Bureau als Rechtscerk an. Tyner wurde Nachmittags in einem Krankenftuhle in den Gerichtssaal gebracht, von Gattin und Arzt begleitet, da die Befürchtung bestand, der betagte Angeklagte möchte unter der Aufregnng zusammenbrechen. Beide Angeklagte erklärten sich für nichtschuldig. Es wurde mit der Zusammenstellung der Jury begonnen, worauf sich der Gerichtshof vertagte. Richter Pritchard kündigte an, daß Tyner im Hinblick auf seinen hinfälligen Zustand vom weiteren Erscheinen im Gerichtssaale entbunden würde. Seltsame Wette. Cleveland, 2. Mai. D. W. Evans von Bowling Green, O., machte sich heute aus der hiesigen Stadt-Halle nach San Francisco auf, zum Austrag einer Wahl-Wette einen Schub karren schiebend. Evans wettete, daß Bürgermeister Johnson letzten Herbst zum Gouverneur von Ohio gewählt würde; der Verlierer hatte einen Schubkarren durch den Continent von Cleve land nach San Francisco und wieder zurück zu schieben, außerdem muß die Reise ohne Geld zurückgelegt werden. Weitere Rechtsbrüche. Trinidad, Colo., 1. Mai. 16 Leute wurden auf Befehl von Major Hill deportirt und in Aufsicht eines Offiziers nebst Soldaten auf einem Sonderzug nach New Mexico gebracht. Die Verhafteten werden we gen Verstößen gegen das Militär-Recht deportirt. Mord und Selbstmord. Cincinnati , 2. Mai. An Vine und Canal Str. erschoß heute O. Seeger Marie Gurtner nnd hier auf sich selbst. Die Beiden waren Lie besleute, hatten aber häufigen Streit. VerhängnißvollerBrand. Chicago, 2. Mai. Bei einem Brande, der heute in einem dreistöckigen Gebäude an Halfted Str. ausbrach, kam I. Webb um's Leben; zahlreiche andere wurden verletzt und entkamen nur mit Mühe dem Tode. Die Infassen des Gebäudes schliefen beim Brand-Ausbruch und nur das rasche Eingreifen der Feuerwehr rettete ihr Leben. Bei den Rettungsarbeiten er litten 2 Feuerwehrleute und ein Polizeibeamter Verletzungen. Der Schaden ist gering. Schachturnier. Cambridge Spring s, Pa., 2. Mai. Bei der heutigen fünften Runde des internat. Schachturniers war das Resultat: Miesks schlug PillSbury in 35 Zügen, Lasker und Mar shall Remis, Lawrence von Fox ge schlagen. Schlechter gegen Napier 21 Zügen, Teichmann siegte gegen Marco in 32 Zügen, HodgeS verlor an Del mar, in 26 Zügen, Showalter und Janowski vertagten ihr Spiel in gleicher Stellung, Barry geschlagen von Tschigorin in 30 Zügen. Schiffsnachrichten. Angekommen. New York: Vaderland" von Antwer Pen; Minnetonka" von London; La Gaöcogne" von Havre; America" von Genua und Nea Pel; Armenian" von Liverpool; Potsdam" von Rotterdam und Boulogne. . Plymouth: Kaiser Wilhelm der Große" von New York. Genua: Princessin Victoria Luise" von New York, über Funchal und Neapel (Mittelmeer Kreuzfahrt). London: Minneapolis " von New York. Bremen: Hannover" von Galveston; Bremen" von New York, über Plymouth und Cherbsurg. Liverpool: Auftrian" von Halifax; . Ceftrian" von Boston. Hamburg: Columbia" von New York. Antwerpen: Zeeland" von New York. Cherbourg: Kaiser Wilhelm der Große" von New York. .
Rußland und die Dardanellen. Rußland verlangt von der Türkei die Begleichung der alten Kriegskostenschuld. Daran wäre, an und für sich nichts Bemerkenswerthes, denn jede Macht, welche einen langwierigen Krieg vor sich sieht, wird auf die Einziehung ihrer Ausstände bedacht sein. Die Türkei steckt aber, selbst in einer so großen Finanzklemme, daß Rußland gegenwärtig kaum irgend welche Aussichten hat, zu seinem Gelde zu kominen. Unter diesen Umständen derdienen die Meldungen Beachtung, welche die russische Forderung als Druck auf die Pforte bezeichnen, für seine Flotte des Schwarzen Meeres die Erlaubniß zur Durchfahrt durch die Dardanellen zu erwirken. Daß Rußland die Absicht hegt, seine europäischen Geschwader dem Feinde entgegenzuführen, liegt außer aller Frage, und ebenso bekannt ist es, daß seine Marineleitung danach trachtet, die Flotten der Ostsee und des schwärzen Meeres zu dem Zwecke zu rereinigen. Die letztgcn mute Flotte vermag ihre Station nicht zu verlassen, ohne die Dardanellen zu durchfahren ; das ottomanische Reich aber besitzt das von allen Mächten anerkannte Recht, diese Meerenge fremden Kriegsschiffen zu verschließen. In mehreren internationalen Verträgen dcö letzten JahrHunderts wurde dieser Grundsatz durch besondere Paragraphen festgelegt und össtätigt. Thaisächlich hat die Türkei diese Bestimmungen aber nicht stets ganz wörtlich genommen; vor noch nicht gar zu langer Zeit gestattete sie beispielsweise einigen russischen Torpedobooicn unter einer Handelsflagge die Daroanellen zu pass'.ren. Aber England prot'.stirte dagegen, und die anderen Mächte nahmen Rußlunos Erklärungen auf, als ob es sich um eine Ausnahme handelte, welche die Regel bestätigt. Das erste .'lbkommen über die Sperrung der Dar?anell.'n stammt bereits aus dem Jah-e 1833. Damals schloß Rußland mit der Türkei ein Schutzbündniß ab, in welchem festgesetzt wurde, daß die beiden Mächte einander materielle Hülfe und wirksamen Beistand leisten sollten. Aber in einem geheimen Zustzantrage entband Rußland die Tückci, der übernommenen Verpflichtungen unter der Bedingung, daß sie die Dardanellen schließen und keinem frenlden Kriegsschiffe die Durchfahrt gestatten sollte. Dies'r Vertrag wurde bei Verfall nicht erneuert. Im Jahre 1840, als die ägyptische Frage in den Vordergrund trat, traf der Sultan mit England. Preußen, Oesterreich und Rußland ein Uebereinkommen, welches diese vier Staaten ermächtigte, Schiffe in's Schwarze Meer einlaufen zu lassen, um der Türkei Hülfe u bringen und ihre Hauptstadt gegen ei.ien Angriff zu schützen. Im Jahre 1841 schloß sich auch Frankreich diesem Abkommen an. Damals verpfliche!ten sich die Mächte, das grundsätzl:cke Rech! des Sultans auf Sperrung der Dardanellen zu achten, und behielten sich nur die Befugniß vor, kleine Kriegsschiffe, welche im Dienste der Diplomatie stehen, ohne besondere Genehmigung der Pforte durch die Meerenge senden zu dürfen. Im Jahre 1856' wurde im Pariser Friedensvertrage im g?nz ähnliches Abkommen getroffen. Am 13. März 1871 kam schließlich der Londoner Vertrag zu Stands, welcher die früheren Bestimmungen mit folgender Abänderung bestätigte: Der Grundsatz der Schließung der Dardanellen und des Bosporus, wie er durch die besondere Uebereinkunft vom 30. März 1856 aufgestellt worden ist, wird aufrecht erhalten mit der Freiheit für feine kaiserliche Maejstat den Sultan, die erwähnten Meerengen in Friedenszeiten den Kriegsschiffen der befreundeten und verbündeten Mächte zu öffnen, für den Fall, wo die Hohe Pofrte es nöthig fände, um die Ausführung )er Bestimmungen des Pariser Friedens vom 30. März 1856 zu sichern." Der Berliner Vertrag vom Jahre 1878 bestätigte die bestehenden Vorschriften über die Meerengenfrage ohne jede Abschwächung. Während der Verhandlungen zab der russische Vertreter Graf Schuwalow folgende Erkläruna ab und verlangte deren Aufnähme in's Protokoll: Die Bevollmächtigten Rußlands beschränken sich darauf, ihrerseits im Protokoll zu bemerken, daß nach ihrer Ansicht der Grundsatz der Schließung der Meerengen ein europäischer Grundsatz ist und daß die hierüber in den Jahren 1841, 1856 und 1871 festgestellten und durch den gegenwärtigen Vertrag bestätigten Bestimmungen für alle Mächte bindend sind, gemäß dem Wortlaute und dem Geiste aller bestehenden Verträge, nicht nur gegenüber dem Sultan, sondern auch gegenüber allen Vertragsmächten." Gerade Rußland war es also, das ein Recht des ottomanischen Reiches zu einem Grundsatze erhob, der sowohl für den Sultan als auch für die Signatarmächte des Berliner Vertrages bindend wurde. Es ist hier nicht der Ort. die besonderen Beweggründe zu besprechen, welche für Rußlands damaliges Auftreten maßgeblich waren, es ist aber von Wichtigkeit, die Thatsache in Erinnerung zu bringen, weil heute dasselbe Rußland die Bedingung beseitigt zu sehen wünscht, welche seinen StaatsMännern ihr Entstehen verdankt. Wenn der Sultan sich dem Drucke Rußlands fügen sollte. würden
Deutschland, Oesterreich-Ungarn unv Frankreich schwerlich Einwand dagegen erheben, England dürfte aber wohl dagegen Protestiren, vorausgesetzt, daß Rußland ihm in dem Abkommen über Tibet nicht genügende Zugeständnisse gemacht haben sollte. Jedenfalls würit di WnM? siA aber dunst ein türkisches Zugeständniß an Rußland aller Verpflichtungen enthoben erachten, welche ihnen die Verträge über die Dardanellen und die Achtung des Willens der Pforte in dieser Meerenge auferlegen.
Kriegövericyterstattung und Fun lentelcgrapkic. Rußland hat an die Mächte die Mittheilung gerichtet, daßKriegskorrespon--denten, welche sich zur Bericb'erstattung der Funken- (drahtlosen) Telcgraphie bedienen, als Spione betrachtet und, wenn sie in Gefangenschaft gerathen, erschossen werden sollen. 'Rußland stützt sich dabei amtlich auf die Möglichkeit, daß japanische Kriegsschiffe in der Lage wären, solche Depeschen abzufangen, und daß der russischen Heeres- und Flott:nleitung daraus schwere Nachtheile erwachsen könnten. Nebenbei fürchtet die Regierung des Zaren wohl aber auch, daß die englischen Kriegskorrespondenten unter der Hand ein klein wenig Spionage treiben und Großbritanniens Verbünbeten wichtige Aufschlüsse LberStellungen und Bewegungen russischer Truppen und Schiffe geben möchten. Unsere Regierung wie die britische haben die russische Mittheilung veröffentlicht, aber noch keine Stellung zu ihr genommen. Die London Times" gab jedoch die Erklärung ah, daß ihr Korrespondent sich nicht um 'das russische Verbot kümmern werde. Freilich wirö der Herr sich andererseits wohl auch hüten, mit den Russen in zu nahe Berührung zu kommen. Jede krieaführende Macht hat das Recht und die Pflicht, ihre Streitkräfte nach Möglichkeit, gegen Verrath zu schützen, und so mag die russische Kriegsleitung auch wohl die Befugniß haben, jede Art der Kriegsberichterstattung zu verbieten, von der sie eineSchädigung ihrer Pläne und Operationen fürchten zu müssen glaubt. Besonders in'sGewicht fällt dabei noch, daß dieVehörden keinerlei Kontrolle oder Zensur über die Funkendepeschen auszuüben vermögen. Eine große Frage aber ist es. ob die Mächte sich mit Rußlands Verbot einverstanden erklären werden. Als die Haager Friedenskonferenz das bis dahin ungeschriebene Völkerrecht in feste Formen brachte, war die Funkentelegraphie noch nicht so weit ausgebildet, daß man feste Bestimmungen über ihre Benutzung seitens der Neutralen in einer Kriegszone nöthig zu haben glaubte. Inzwischen wurden aber so viele Seeschiffe mit Telegraphenapparaten ausgerüstet, daß sie sehr wohl einen wichtigen Theil des Nachrichtendienstes bilden können, der sich in keiner Weise überwachen läßt. Ob Rußland unter den heutigen Verhältnissen seine Drohung zur Ausführung bringen würde, läßt sich nicht voraussagen. Es ist aber kaum anzunehmen, daß die Regierung in London, ruhig zusähe, wenn die Russen einen Dampfer unter britischer Flagge außerhalb der Dreimeilengrenze" als Prise behandeln und einen britischen Unterthan erschießen wollten, weil das Schiff mit Apparaten für Funkentelegraphie ausgerüstet . und der Mann Kriegskorrespondent ist. - Andererseits dürften die Mächte aber doch wohl Rußlands Erklärung nicht so ganz kurz von der Hand weisen dürfen, denn jeöe von ihnen kann über kurz oder lang in einen Krieg verwickelt werden und dann in die Lage kommen, für ihre Streitkräfte denselben Schutz gegen Verrath in Anspruch nehmen zu müssen,- den das Zarenreich heute verlangt. Die Frage ist von ungemein hoher Bedeutung und bedarf sehr eingehender und reiflicher Erwägung. Vielleicht wäre es am besten, ihre grundsätzliche und endgültige Lösung dem Haager Tribunal anheimzustellen. Nacheine run läng st von der hygienischen Commission aufgenommenen Statistik fand man in London in einer Nacht 25,000 Personen ohne Wohnung und Obdach. Von diesen Unglücklichen nächtigten 1509 Männer und 120 Frauen auf offener Straße, während 100 Männer und 63 Frauen , unter Brücken, in Thorbögen und Hausnischen die Nacht verbrachten . 23.442 Armen war es gelungen, für einen Penny eine Schlafstatte zu finden. Unter den Vagabundirenden befanden sich 54 junge Leute unter 16, und 33 junge Mädchen unter 14 Jahren. Das Patent-Amt in Washington ist verhältnißmäßig das sich am besten rentirende Regierungsbureau der Ver. Staaten. Es besitzt beim Schatzamt ein Guthaben von über Z5,000.000. Das Testament des verstordenen Bundessenators Marcus A. Hanna von Ohio verfügte über einen Nachlaß von etwa ZZ,000.000 ausschließlich zu Gunsten der Familienangehörigen. Die britische Handelsflotte wurde im Jahre 1903 von 1483 Schiffbrüchen betroffen. Dabei gingen 348 Fahrzeuge vollständig verloren und 5318 Menschen fanden den Tod in den Wellen.
