Indiana Tribüne, Volume 27, Number 214, Indianapolis, Marion County, 30 April 1904 — Page 7

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44 V ofömc 44 4-4 (Fortsetzung.) Die Erscheinung verschwand indeß nicht bei seinem Näherkommen, im Gegentheil schien das junge Mädchen ihn zu beobachten und zu erwarten. Und da Vincent sonst Niemand entdeckte, der ihm hätte Auskunft geben können, so wagte er es, bis zu dem Geländer vorzutreten, wo er, das Käppi in der Hand, in ehrerbietigem Tone fragte: Verzeihen Sie, gnädiges Fräulein, ist hier nicht eine Wohnung zu vermiethen?" Zugleich musterte er sie mit einem kurzen, prüfenden Blicke. Ebenso wie das Haus hielt auch sie, was sie aus der Entfernung versprochen hatte. Sie war von wahrhaft idealer Schönheit. Ja, ideal diese Bezeichnung paßte wohl am besten für sie, denn das einzige, was man vielleicht an ihrer Schönheit hätte aussetzen können, war eine übergroße Zartheit, die ihrer Erscheinung etwas unendlich Feines verlieh. Die Haut des rosig ang?hauchten. wunderbar regelmäßigen (Lestchtchens erschien so durchsichtig, daß man hätte glauben können, dieses Wesen sei aus anderm, edlerem Stoffe geformt als die übrigen Menschen, und es bedürfe nur eines leichten Stoßes oder unsanften Hauches, um es zu verletzen. Aber eben diese fortgesetzte Besorgniß beeinträchtigte die Freude am Anblick ihrer Schönheit. Unwillkürlich fielen Bincent die alten, in seinem Besitz befindlieben MiniaturbildÄen ein. Hatte er viele zarte, l:evre:zende !vtavcyengestatt bettn nicht schon irgendwo gesehen, oder wenigstens Jemand, der ihr ähnlich sah? Doch ja richtig, in jenem Medaillon, das Bildniß der Prinzessin LambaLe! Das hätte auch ihr Bild sein können. Äas junge Mädchen das natürlich keine Ahnung von seiner Ähnlichkeit mit der vornehmen Unglücklichen hatte antwortete mit einem freundlichen Lächeln auf den fast gar zu rothen Lippen einfach: Q ja, gewiß, wir ha?,n eine Wohnung zu vermiethen. Kommen Sie nur, bitte, mit mir." Sie ging innerhalb des Geländers hin, während Vincent ihr außerhalb folgte und sie dann auf der kleinen Freitreppe, die in's Hauptgebäude führte, einholte. Bitte, treten Sie ein." Gern folgte er der Aufforderung, denn Haus und Führerin gefielen ihm ungemein. Aus der ganzen Umgebung wehte ihm ein Hauch von Sauberkeit, Ordnung, Ehrenhaftigkeit und Frieden entgegen, der ihn unendlich wohlthuend berührte. Und auch dieses entzückende junge Mädchen bewahrte sich neben der südländischen Herzlichkeit ihres Wesens eine Würde, die ihren Eindruck auf einen gebildeten Mann niemals -fehltAls er an der Freitreppe mit ihr zusammengetroffen war, hatte er einen zweiten forschenden Blick in ihre Augen geworfen. Seltsam, seij einigen Tagen Pflegte er allen Frauen zuerst in die Augen zu schauen, sei es nun, daß die der Toulouserinnen ihm besonders beachtenswert!) erschienen, sei es, daß die Erinnerung an die Beschreibung der räthselhaften Augen mit den goldenen Blumen noch in ihm nachwirkte. Sie waren nun aber auch märchenhaft schön, diese großen strahlenden, blaugrünen, von dunkeln Wimpern umrahmten Augen mit ihrem ungewöhnlich wcchselvollen, manchmal fast schwermüthigen Ausdruck. Sie glitten mit einer Lebhaftigkeit und einem Feuer über ihre Umgebung hin, als wollten sie nTährend der vielleicht kurzen Zeit, die ihnm zum Schauen vergönnt war, möglichst viel in sich aufnehmen. Sollte sie am Ende leidend sein? Wie schade!" dachte der Hauptmann, als sich das junge Mädchen entfernte, wahrscheinlich um ihre Angehörigen zu rufen. Inzwischen betrachtete er das Zimmer, wohin sie ihn geführt hatte: einen kleinen, aetasenen (salon, den ein großes, nach Süden gehendes Fenster erhellte. Und wieder empfand er das 'Sofie Wohlgefallen, das schon beim ersten Anblick des Hauses über ihn gekommen war. Auch hier war Antikes und Modernes aufs Glucklichste ver einigt. Keine einzige schadhafte Stelle zeigte sich weder an den kunstvollen Schnitzereien des Getäfels, noch an dem mn beyauenen steinernen Fenster kreuz, noch an der hohen hölzernen Kaminbekleidung. Spiegel und Möbel aus der Zeit Ludwig des Fünfzehnten und Sechzehnten, sowie aus der des ersten Kaiserreichs schlössen sich in bru derlicher Eintracht den übrigen Alterthümern an. Alles war wohlerhalten, nicht ein Nagel fehlte und nicht der kleinste Riß zeigte sich an den prächtigen Stickereien der Sitzmöbel. Wie gut es meinem Vater hier gefallen hätte!" Ein weicher Teppich in zarten Farben, wohl abgetönte Verhänge und ein Ueberfluß an Blumen vertraten den , modernen Geschmack. Das Klavier war geöffnet, auf einem Tischchen lag ein rosenfarbiges Strickzeug mit lanaen Nadeln, daneben ein aufgeschlagn

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f 44 JLjLm . V V i 4 Uoman von (Slhampöl 4 ii R -. nes Buch. Obwohl man merkte, daß der Raum zum täglichen Aufenthalt benützt wurde, herrschte doch die tadelloseste Ordnung. Man könnte fast glauben, das Haus fei nur von Frauen bewohnt!" Während Vincent diese Bemerkung machte, öffnete sich die Thüre und seine Vermuthung schien sich zu verwirklichen: das hübsche junge Mädchen, das ihn hereingeführt hatte, kam nämlich mit zwei andern Damen zurück, vermuthlich ihrer Mutter und Schwester. Nach kurzer Vorstellung und einigen förmlichen Verbeugungen setzte man sich und betrachtete sich gegenseitig ein wenig prüfend. Die beiden Schwestern sahen sich nicht ähnlich. Die soeben eingetretene anscheinend die ältere; sie mochte zwanzig oder zweiundzwanzig Jahre zählen, die andre achtzehn war weniger hübsch, als die jüngere und namentlich weniaer ätherisch. Sie hatte eine kleinere, rundlichere Gestalt, hellblondes Haar und ein frisches, gesundes Gesicht mit etwas ernstem, sinnendem Ausdruck. In ihren Augen war auch entfernt nichts von versteckter Gluth, von flammenfprühenden gelben Blumen oder dergleichen zu fehen. Diese blauen Sterne erinnerten vielmehr an zwei Vergißmeinnicht, und ihre Besitzerin war sicherlich das Hausmütterchen der Familie, deren emsigem Walten dieses Heim wohl seine heitere Frische und seine Sauberkeit verdankte. Sie trug ein einfaches dunieiviaues Kleid. Vincent blieb aber keine Zeit mehr zu eingehender Betrachtung. Sie suchen eine Wohnung?" begann die Mutter. Wunderbar! Keine Spur von Aehnlichkeit bestand zwischen diesen drei Familiengliedern! Niemals hätte man diese beiden anmuthigen Mädchen für die Töchter der qroßen. tief dunklen f.rau ehalten, die sich soeben steif und cckia wie ein alter Unteroffizier Vincent aegenüber auf einem Lehnstubl nieOergemkn hatte und den Besucher unter ihren buschigen, gerunzelten Augenbrauen hervor fast feindselig betrachtete. Vincent hatte das Gefühl, als müsse er sich auf einen Sturmangriff gefaßt machen. So ist es, gnadige Frau, murmelte er. Den zweiten Stock haben wir zu vernethen. , Die Wohnung ist klein, zwei Zimmer und Küche sammt Zubehör. Würde Ihnen das genügen?" Sie sprach rasch, mit heiserer Stimme, die etwas mürrisch klang, fast wie die eines schlechtgelaunten Obersten. Auch hatte die Dame eine gewisse militärisch bestimmte Art, geradeswegs auf ihrZiel loszugehen, die auf einen entschloß enen Charakter schließen ließ. Ja, das würde mir genügen," 'antwertete der junge Offizier etwas tin--geschüchtert. ' So sind Sie wohl Junggeselle?" Ja, gnädige Frau." Die mächtigen Augenbrauen zogen sich drohend zusammen, so daß Vincent nicht anders glaubte, als man werde ihn im . nächsten Augenblick vor die Thüre setzen. Die Wohnung ist nicht möblirt." Ich habe meine eigene Einrichtung." Sie haben Ihre eigene Einrichtung? Das lobe ich mir für einen Junggesellen!" Die alte Dame schien plötzlich die Waffen . niederzulegen. Ich habe eZ ja immer gesagt, mit dem Militär ist stets leichter zu verkehren als mit dem Civil. Ich spreche als Sachverständige, denn ich hatte zwei Stabsoffiziere zu Männern." Ein halb unterdrücktes Lachen zu ihrer Rechten veranlaßte die dicke Dame, sich umzuwenden. Na, was gibt's, Estelle?" rief sie mit einem strengen Blick ' nach der hübschen jungen Brünette, deren Gesicht in fröhlichem Uebermuth strcchlte. Dann fuhr sie fort: Der erste war Major Desprez vom dreiundfünfzigsten Infanterieregiment; der zweite Major Lancelot von den Husaren. Vielleicht haben Sie von ihnen gehört?" Die Namen sind mir allerdings nicht unbekannt," stammelte höflich der Hauptmann. . , Das glaube ich wohl, denn beide waren vortreffliche Offiziere. Doch diese Zeiten sind vorüber ich bin nun Wittwe und Wollen Sie die Wohnung sehen?" sagte sie, die Erinnerung . . . . v . ' r' . tv r. i 1 an eine giorreicnc ergangenyeii nacri drücklich von sich abschüttelnd. Wenn es nicht unbescheiden ist." Vincent hatte sich erhoben, sie that desgleichen und ging ihm mit dem festen Schritt eines Kürassiers auf den Vorplatz voraus. An der untersten Treppenstufe blieb sie stehen und rief in befehlendem Tone und mit der Handbe wegung eine Generals, der seine Ordonnanzen abfertigt: Estelle! Ge? mame!" kindlich solgjam stiegen die vewen Mädchen die Treppe hinauf, wobei ein Flüstern und Lächeln indeß von nichi allzu großer Einschüchterung zeugte. Was dieze allerliebstenMädchen doch für eine komische Mutter haben! wie derholte Vincent in Gedanken. ,,S' sind wahrscheinlich Stiefschwestern; d'. blonde wird Fräulein Desprez und d"3 brünette Fraulein Lancelot sein. Ver

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muthlich gleichen sie ihren Vätern und sehen sich deshalb so wenig ähnlich. Ja, ja, so wird es sein," beruhigte tt sich. " Sie waren inzwischen die Treppe hinaufgestiegen und oben mit einer? sauberen Dienstmädchen zusammengetroffen, das einen Schlüsselbund brachte. Die jungen Damen hatten sich taktvoll zurückgezogen. - Es war eine sehr freundliche Wohnung, wie man sie nur noch in alten Häusern trifft. Unter einem ungeheuren Dach lagen zwei große Zimmer mit breiten Doppelfenstern Raum und Luft und Sonne und trauliche Eckchen in Fülle! Man könnte wahrhaftig glauben, diese Wohnung sei eigens für meine Möbel gemacht," sagte Gerbault zu sich selbst. Hier die Truhe, dort der Glaskästen und der große Waffenschrank aber halt, der große Schrank, wo könnte der wohl untergebracht wer-den?"

Ganz aufgeregt zog er ein Metermaß aus der Tasche. Doch, auch der Schrank fand Platz. Nun galt es, nicht mehr zu zögern. Als er sich zum Hinuntergehen anschickte, zeigte das Mädchen auf eine zu einem besonderen Ausgang führende Hintertreppe. Der Herr Hauptmann können auch hier hinuntergehen. Dieser Ausgang führte m emen kleinen, hinter dem Hause liegenden schattigen Garten, an dessen Ende sich em Stall sammt Brunnentrog befand. Weder er noch sein Pferd hätte es besser treffen könnend Nur eine Sorge quälte ihn ietzt, als er sich zu Frau Lancelot begab, die ihn, in ihrem Lehnstuhl sitzend, erwartete. Und der Preis, gnadige Frau? Ihre Stirne leate sich in unzähliac Falten, so daß Gerbault sich auf ein: riesige Summe gefaßt machte. Anstatt jedoch ihr Urtheil zu sprechen, rief sie von Neuem ihre Adjutanten zur Entscheidung herbei. Germaine, nenne dem Herrn Hauptmann den Preis." Nun, was die srureren Miether auch bezahlten: dreihundert Franken für die Wohnung und hundert Iranken für den Stall." Die Summe war nichts weniger als zu hoch gegriffen, und so sagte der Haiwtmann mit emc? Verbeugung gegen Zrau Lancelot: Gnadige Frau, ich bitte, mich als Ihren Miether zu betrachten." Dieser rasche Entschluß gewann das Wohlwollen der guten Frau. Das lasse ich mir gefallen, Herr Hauptmann! Immer rasch entschlossen, so gehört sich s für emen Soldaten! Das lernt sich, wenn man von einer Garnison in die andre verschlagen wird. Davon weiß ich ein Liedchen zu singen. Ich glaube, ich bin beinahe in allen Garnisonen Frankreichs herumgekommen, sogar in Algier waren wir. Alle Vierteljahr hatte man einzupacken. Damals ließ man die Regimenter noch nicht wie heutzutage in ihren Garnisonen versauern, das gab dann aber auch rechte Männer, und, wohlverstanden auch rechte Frauen." Vincent dachte, daß er ganz gerne hier längere Zeit versauern" würde, wagte jedoch diese Schwäche nicht einzugestehen, sondern fragte nur: Und wann könnte ich wohl einziehen?" Die in der Theorie so entschlossene Frau Lancelot schien sich in der Praxis gern an andre zu halten, denn wieder sagte sie in ihrem befehlenden Tone: Germaine!" Ganz wie es Ihnen paßt, Herr Hauptmann," antwortete die hübsche Blondine. Der heikelste Punkt blieb indeß noch zu erledigen: Gestatten Sie, gnädige Frau, Ihnen, wie üblich, die erste halbjährige Miethe im Voraus zu entrichten," sagte er, indem er möglichst unauffällig zwei blaue Scheine auf die Tischecke legte. Frau Lancelot machte zwar einige Redensarten, ihr sich plötzlich aufhellendes Gesicht aber strafte sie Lugen. Der ordentliche und behagliche Zustand des Hauses schloß nicht aus, daß seine Bewohner sich in bescheidenen Verhältnissen befanden, und der Hauptmann freute sich herzlich, daß fein Geld der braven Offizierswittwe erwünscht zu kommen schien. Germaine schrieb eine Quittung, und schon fast als Freunde reichte man sich die Hände zum Abschied. Begleitet den Herrn Hauptmann, liebe Kinder," befahl Frau Lancelot, in ihre Lehnstuhl zurücksinkend. Obwohl er dagegen eifrige Verwahrung einlegte, gaben ihm die jungen Mädchen doch bis zur Hausthüre das Geleite. Estelle stieg sogar noch die Freitreppe mit hinunter. Draußen blies ein heftiger Wind, der die schonen braunen Haare zerzauste und in den Falten des hellen Kleides spielte; Estelle aber athmete mit Genuß die kühle Luft. Ach, wie herrlich! Wie leicht man heute athmet!" Ihre Wangen färbten sich dabei fast gar zu lebhaft roth und ihre Augen glänzten. Die arme Kleine, sie ist gewiß schwindsüchtig!" dachte Gerbault, und besorgt sagte er: Gnädiges Fräulein, ich bitte, gehen Sie in's Haus zurück, Ihre Fräulein Schwester wartet auf Sie." Ein melodisches Lachen ertönte. Sie haben Germaine für meine Schwester gehalten?" Allerdings" Und Frau Lancelot am Ende gar für meine Mutter?" Ich muß gestehen " Sie lachte herzlich und erschien da-

durcH so hinreißend hübsch, daß der Offizier die Unrichtigkeit seiner VermuttHng einsah. war die Freitreppe wieder hinaufgestiegen und rief nun von der Thüch aus mit schelmischem Lächeln: Sie werden mindestens acht Tage brauchen, bis Sie unsere verwandtschaftlichen Verhältnisse durchschaut habend" Auf dem Rückweg beschäftigte sich Vincent Gerbault ernstlich mit der Lösung dieser Frage. Estelle war also nicht Frau Lancelots Tochter. Germaine aber -da fiel ihm ein, daß er ja ein Aufklärung verheißendes Schriftstück in Händen hielt, und die Quittung hervorziehend, betrachtete er die Unterschrift: Germaine Ramel. Also Ramel! Auch Germaine war somit nicht die Tochter Frau Lancelots. Wer aber war sie dann? Schließlich kam Vincent zu folgendem befriedigendem Schluß: Es sind wahrscheinlich Kousinen: Frau Lancelot ist ihre Tante, und das Haus gehört Germaine, da diese die Quittung ausgestellt hat! Sei es, daß das neue Heim eine ganz besondere Anziehungskraft auf Vincent ausübte, sei es, daß die Erzählungen der Frau Lancelot seinen Ehrgeiz angestachelt hatten, jedenfalls betrieb er einen Umzug sofort mit großer Gechäftigkeit, so daß er schon am Abend ?es nächsten Tages mit all seinen Sachen von der neuen Wohnung Besitz ergriffen hatte. Dennoch war ihm noch so viel Zeit geblieben, sich an allerlei kleinen Unterbrechungen zu erfreuen. Das Durcheinander und Hin- und Herlaufen des Umzugs mußte, trotz alter Zurückhaltung beider Theile, nothgedrungen einige Begegnungen herbeiführen: hie und da auf der Treppe, oder hinter einer angelehnten Thüre fah er eine liebliche Mädchengestalt auftauchen, wodurch sich das gleich zu Anfang empfundene behagliche Gefühl in ihm befestigte. Als er dann endlich eine freie Tischecke und einen freien Augenblick fand, warf er rofch folgende Zeilen auf's Papier: Mein lieber Lepage! Der Süden bietet entschieden einige anatomische Merkwürdigkeiten. In Tarascon hat man bekanntlich doppelte Muskeln, in Tiloufe aber, wie mir scheint, doppette Herzen. Ich wohne bei einer ehrenwerthen alten, Dame, die zwei gleichwerthige Gatten beweint, und ich selbst bin im besten Zuge, mich in zwej junge Mädchen zugleich zu verlieben." Schon wollte er den Brief schließen, da fiel ihm noch etwas ein, und fo fügte er die Nachschrift hinzu: Denkst Du auch noch manchmal an die Schöne mit den goldenen Blumen?" Z. K a p i t e l. s war Sonntag, einer jener laOf, chenden, Lebenslust und Wohlbehagen athmenden Tage, welche dieHerzen vonJung und Alt, von Arm und Reich erfreuen. In der alten Hauptstadt des südlichen Frankreichs bot ein solch schöner, son-

niger Wintersonntag noch einen besonders malerischen Reiz. Schon vom frühen Morgen an hatte das Geläute unzähliger Kirchenglocken die Luft durchzittert, von den Thürmen wurden alte Kirchenlieder und sonstige fromme Weisen geblasen, und kaum war der eine verstummt, so antwortete ein andrer, so daß man die Stadt für eine einzige riesige, seit dem Mittelalter gehende Spieluhr hätte halten können. In Schaaren folgten die Gläubigen den frommen Mahnrufen. Ueberall sah man trippelnde alte Frauen mit dem Gebetbuch in der Hand, hastig vorwärts strebende Modedamen, die sich bei der Toilette verspätet hatten, und sonntäglich aufgeputzte, langsam dahinwandelnde Familien. Aus allen Gesichtern, aus den Bewegungen und dem Klang der Stimmen sprach dieselbe lebhafte, ohne Scheu oder Zurückhaltung zur Schau getragene südländische Fröhlichkeit. Laut und ungernrt nes man sich über die Straße einen guten Morgen zu, und war man erst glücklich beisammen, dann gab es ein endloses Erzählen, Lachen und Scherzen, in das jeder, der gerade vorüberging, ohne Weiteres mit hineingezogen wurde. Zutraulich schiebt der junge Mann den Arm seines Liebchens in den seinigen, und wenig fehlt, daß auch noch ein Kuß die Wiedersehensfrcude besiegelt. Warum sollte er sich auch vor seinem Landsmann Zwang anthun? Würde dieser doch im gleichen Falle ebenso handeln! Eine solche Lebensauffassung erklärt und rechtfertigt auch die in den südlichen Ländern üblichen freien Sitten und Gebräuche. So rasiren sich beispielsweise noch heute die Herren ungenirt in Hemdärmeln am offenen Fcnster, stillen die Ammen ihre Säuglinge auf den öffentlichen Plätzen und feiern fröhliche Zecher ihre Gastmahle bei offenen Thüren. Umschwirrt von diesem lustigen Treiben empfand Vincent Gerbault zum ersten Male in seinem Leben ein Gefühl der Vereinsamung. Kam es von der fremden Umgebung, oder berührte ihn, den ernsten, gesetzien Sohn des Nordens, das ungebundene Gebahren der Südländer unangenehm? Bald machte er die Entdeckung, daß er angesichts dieser allgemeinen Fröhlichkeit ein unklares Bedauern empfand, nicht auch eine alte Mama in die Kirche, oder eine liebe Schwester oder ein hübsches Vräutchen auf die Promenade, oder gar einen kleinen Quälgeist in einen der dicht von Kindern und deren Müttern gefüllten Gärten führen zu dürfen. - '

Selbst als er mit seinen Kameraden zusammentraf, verlor sich dieses Gefühl der Vereinsamung nicht. Die lärmende Tischgesellschaft des Kasinos, die flüchtigen Gespräche im Kaffeehause, das war schon recht für alltags aber für den Sonntag, da sollte man sich doch an etwas anderm. Besserem erfreuen können. Wen könnte ich jetzt wohl besuchen?" fragte er sich im Verlangen nach einer gemüthlichen Unterhaltung. Die offizielle Aufwartung bei seinen Vorgesetzten und deren Frauen hatte er schon im Laufe dieser Woche gemacht, und so ließ er sich gegen zwei Uhr bei seinen Nachbarinnen melden. Es war der erste Besuch seit seinem Einzug, trotzdem fühlte er sich in dem kleinen Salon, wohin man ihn führte, schon fast wie zu Hause. Auf den ersten Blick hätte man glauben können, das Zimmer sei leer und das Klavier spiele von selbst, denn dieses war so gestellt, daß seine hohe Rückwand die Künstlerin verdeckte, die, als die Thüre ging, ihr Stück vollends zu Ende spielte und sich dann erhob. Estelles reizendes Gesichtchen tauchte auf. Ah. Sie sind es, Herr Haupt-

mann! Mit ihrer natürlichen, von Gefallsucht freien Liebenswürdigkeit, ging sie ihm wie einem alten Freunde mit ausgestreckter Hand entgegen. Der Offizier aber wurde bei Berührung dieser zarten Hand von neuem Mitleid ergriffen, das seiner Stimme unwillkürlich einen warmen Klang verlieh. Ich muß um Entschuldigung bitten, daß ich nicht schon früher meine AufWartung gemacht habe, gnädiges Fräulein. Darf ich die Ehre haben, Ihre Frau MajorLancelot " (Fortsetzung folgt.) Korkgkiuinnung in NorÄasriKa. Bedeckung von Weingefäfzen In alter Zelt. Perignons Verdienst. Unter die Errungenschaften der modernen Kultur zählt auch der Stöpsel. Dem Weingenuß huldigten schon die Völker des Alterthums, bis zum Stöpsel aber brachten sie es nicht, obwohl Seefahrer schon Korkeichenrinde aus Nordafrika mitbrachten. Der Wein wurde in mit Pech ausgeschwenkten Ziegenbockfellen oder in tönernen Gefäßen aufbewahrt, und als man endlich den Rebensaft in Flaschen zu füllen begann, wurden dieselben, ebenso wie die Krüge, nicht geschlossen; man gab zum Schutz des edlen Trankes nur eine Oelschicht darauf. Der erste, der den großen Werth des Stöpsels erkannte, war der Pater-Kel-lermeister Perignon, der gegen Ende des Korkgewinnung in Nordafrika. 17. Jahrhunderts in der 'Abtei von Haut-Villiers, Frankreich, seinem Berufe oblag. Seinem Beispiele folgten alsbald andere Kellermeister. Anfangs schnitt man die Stöpsel mit freier Hand zurecht, dann wurden für di,esen Zweck Maschinen konstruirt, und fo hatte das Werk Perignons das Aufblühen einer neuen Industrie zur Folge, die zunächst fast ausschließlich in Spanien betrieben wurde, das der eigentlichen Heimath der Korkeiche, Nordafrika, am nächsten lag. Man beginnt in Nordafrika mit der Ausnutzung der Bäume gewöhnlich, wenn sie 13 Jahre alt geworden sind, und kann dann in Pausen von 8 bis 10 Jahren durchschnittlich 160 Jahre lang schälen. Brauchbaren Kork erzeugen die Bäume erst, nachdem die Außenrinde entfernt ist. Unter dieser Schicht sitzt das Korkgewebe, das sich nach der Abtrennung immer wieder erneuert, vorausgesetzt, daß man bei der Absch'älung nicht zu tief schneidet. Die abgelösten Platten werden in Stößen, mit Steinen beschwert, getrocknet, dann wird die äußere und innere Schicht abgeschabt, und endlich setzt man sie in großen Kesseln ein paar Minuten lang der Einwirkung kochenden Wassers aus. Gegenwärtig wird Kork übrigens nicht blos zu Stöpseln benutzt, er ist auch für zahlreiche andere Industrien werthvoll geworden, unter anderem für die Linoleumfabrikation. Auch die von dem römischen Architekten Rosa gegen Ende des 18. Jahrhunderts erfundene Korkbildnerei hat in unseren Tagen wieder Liebhaber gefunden, und man sieht zuweilen in Ausstellungen Kunstwerke diese? Art, insbesondere Nachbildungen von alten Bauten und Burgruinen.

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Alab. 96 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 98 Capital Ave und Ohl 23 No. 18 Spritzenhaus 16. und Ash. 124 Alabama und 16. ;25 Central Av und lö. ,2S JandeS und IS. izt Brookside und Jupiter 128 Central Ave und 1? 129 Delaware und IS. .3l Alabama und 11. 132 Bellefontaine und. 134 College Av und 2. ;35 Delaware und 13. 136 Alabama und North 137 Newmann und 19. 138 College Ade und 14. 13g Cornell Ave und 13 141 Dandes und lg. H2 Highland Ave und 10. 143 Tecumseh und 10. 145 New Jersey und 22. ,46 Alvord und 17. ,47 No. 2 Spritzenhaus Hillside Ave und '6. .48 College Ave und 22. 69 Park SV und l. 21 Capital Ave und Vt 213 Pennsylv. u. Wichiaa 214 JllinoiS und 26. 215 Senate Ave und !. 216 Pennsviöania und 22. 21? Meridian nd 16. 218 Capital Av und 26, 219 Broadway und 10. 231 Illinois und McLea 234 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und 30. 35 Illinois und 33. 36 Annetta und 80 237 No. 9. Spritzend. Ndell und Rainer , 38 vdeil Ladder WorU 239 Jsabel und 27. 241 Meridian und 24. 842 Illinois u St. Clat 243 Eldridge und 23. 312 West uud Walnut 313 West und 12. 314 Howard und 1. 315 Torbet und Paca 316 Capital Ave und ttfc 317 Northwestern Aveu 818 Gent und 18. 319 Canal und 10. 324 Cerealin Worts 824 Vermont und Lynn 325 Bismarck u Grandviek 326 No. 2 Spritzenhaus Haughville. 327 Michigan u. HslmeS, 323 Michigan u. Concord 41 West und McJntyre 412 Missouri u. Martzland 413 Missouri und Ohw 415 Capital Ave'Leorgia 416 Missouri u Kenwcky A. 417 Senate Ave u. Wash. , 421 P und E siundbauS W. Washington. 423 Jrren-Hospital. 424 Miley Av u. I D S 425 Wash und Harr 426 No. 13 Spritzenhauj W. Washington 427 Ottver und Birch 28 Oliver und OSgood 429 Siordyke und Jork 431 Hadley Ave u. Morris 432 Rwer Ave u. MorriS 484 Rwer Ave und Ray 435 Harding U. 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SpezialSiznale. krsten Schläge, zweiter Alarm, gweiten 2 Schlage, dritter Alarm, Dritten 2 Schläge, vierter Alarm, l-k-l, Feuer aus und Schlauch aufgersSi. Schläge, Wasserdruck ab. 1 Schläge, 12 Uhr Mittag. Die so bezeichneten SignaK werden nur vo Thu? VSchter angegeben da an den betreffende GtreKe keuzunge keine AlarmköSen anaebracht And. Chicago und der große Nordweften toi )) (SWlZWSWZSWW Rüggv (T Ulatta Hawaii PHMVPWe Jnfel. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. fW Bon der Monon 47. Str. Station, Chicagv, find S nur 6 Minuten mittelst elektrischer Ear nach den Union Biehböfen I'renoK Ltick. Spring, in dem Orange County Hochland. FamiliemHotei unter neuer Geschäftsleitung. Pluto, Proserpine md BowleS Quellen. Beste? Mineralwasser der Seit. Zwei Züge täglich via Gree-acaftle. Dicket-Offtcen : Union Station, Massachusetts ve nd ss West Washington Straße. R. P. A I g 1 , Distrikt Dass. Agent, Jndianapoii, Ind. . H. M e D 0 1 1, E. H.R ockw eil. ras. und Gen. Mgr. errievn,rr Frank I. 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