Indiana Tribüne, Volume 27, Number 214, Indianapolis, Marion County, 30 April 1904 — Page 3
Jndiana Tribüne, S. Hpril 190a
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Alles in Bereitschaft.
Welt-Ausstcllung in St. Besucher
Gen. Ostcrhaus gefeiert. Aus der Cabmets-Sitzung. Haywood in Freiheit.
Verhaftete Arbcttcr-Fuhrer.-Rasche Justiz. Im Eise verunglückt Die Jowa-Erplosion.
Der letzte Tag vorder Eröffnung. S t. Louis, 29. April. Mit nur einem Tage noch bis zur Eröffnung der großen Ausstellung arbeitete heute die Riesen-Schaar der Arbeiter, unter denen alle Berufsarten vertreten sind, gleich Bibern, um morgen dem Ganzen ein abgeschlossenes Aussehen geben zu können. Noch vor einer Woche hätte sich der nicht eingeweihte Beschauer angesichts des scheinbaren Chaos zweifelnd gefragt, ob es der Ausstellungs-Leitung gelingen werde, den äußeren Theil der Ausstellung bei Zeiten fertig zu bringen. Von Tag zu Tag aber ging eine immer mehr staunenswerthe Umwandlung auf dem Platze vor sich. Tonnen voll Trümmern, zeitweilige Brücken und schmutzige Sümpfe, welche das scköne Hauptbild verunstalteten, verschwanden in einer Nacht ; an ihrer Stelle prangen jetzt Blumenbeete und glänzend bemalte Buden. Die Reihen der Frachtwagen, welche in der Mitte des Bildes mit Ausstellungsmaterial von allen vier Welttheilen auf den Geleisen standen. sind verschwunden und ihre Fracht ist in den Gebäuden untergebracht. Die noch kurz zuvor von Gerüsten umgebenen Gebäude strahlen jetzt im Glanz ibrer frischen ffarbe und der wehenden Fahnen. Von morgen ab ist kein Arbeiter mehr sichtbar. Das Werk ist vollendet und für die bewundernden Blicke der Weltaus-stellungs-Besucher bereit. Geschäftshäuser und Wohnungen in der ganzen Stadt find dekorirt und Alles rüstet sich , auf den Anfangstag der Ausstellung. Hotels und Kosthäuser nähern sich ihrer Höhe; jeder Zug, der heute auf dem Union-Bahnhof eintraf, war dicht besetzt. Das Kanonenboot Nashville und Torpedoboot - Jäger Lawrence trafen heute im St. Louiser Hafen ein. Die Kriegsschiffe bleiben mehrere Wochen. Die Gefahr vom Hochwasser ist allem Anschein nach geschwunden; das langsame Steigen des Mississippi wird bald zu Ende sein und wenn, wie vorausgesagt, der Wasserstand 34 Fuß nicht überschreitet, ist der Schaden verhältnißmäßig klein. Frl. Julia T. E. McBlain, von Washington, D. C., welche im Frauen Gebäude die Aufficht führt, wurde heute auf dem Ausstellungs-Platze von einem wildgewordenen Pferde umgerannt und schlimm am Fuße verletzt. D i e morgige Feier. Die morgige Feier wird mehr ernst als glanzvoll werden. Es wird wenig vcn dem geboten, was das schillernde Schauspiel der vorjährigen Einweihungsfeier ausmachte; aber die Ceremonien vor der formellen Eröffnung werden nichtsdestoweniger Interesse erregen. Um 9 Uhr Vormittags versammeln sich sämmtliche hohe Beamte der Ausftellung im Verwaltungs-Gebäude und marschiren unter Vorantritt einer Kapelle nach dem St. Louiser Platze im Mittelpunkte des Ausstellungsplatzes. Zur gleichen Stunde treten in der Halle für Zongresse Vertreter auswärtiger Regierungen zusammen, um dann mit den aus entgegengefetzter Richtung kommenden Ausstellungsbeamten im glei chen Augenblicke auf dem St. Louiser Platze einzutreffen. Vom Bundesgebände her erscheinen zu gleicher Zeit Vertreter der Staaten und Territorien. Nach Begrüßung der Versammlung durch Präsident Francis spricht Rev. F. W. Gansulus von Chicago ein Gebet. Hierauf übergibt der Direktor der Arbeiten I. S. Taylor die Schlüs sel zu den Gebäuden Präsident Irancis, der seinerseits die Baulichkeiten an den Ausstellungs-Direktor F. I. O. Skiff übergibt. Es wird sodann der Chor Hymne des Westens", Text von E. C. Stedman, Mufik von I. K. Paine, gesungen, worauf sich Ansprachen von folgenden Herren an-schließen:
Louis znm Empfang der
gerüstet. Bürgermeister Wells von St. Louis; Thos. Carter, Präsident der NationalCommission; Senator H. E. Burnham von New Hampshire, im Namen des Bundes - Senats; Congreß-Abg. I. A. Tawney, Minnesota, für das Abg. Haus des Congresses; General Commlssär Albino R. Muncio von Mexico im Namen der auswärtigen Tommissäre; E. H. Harriman von New York für die Aussteller. Die letzte Rede hält Kriegs-Sekretär W. Tost; nach deren Beendigung erhält Präfident Roosevelt im Weißen Hause ein Zeichen, um auf den goldenen Lei tungsknopf zu drücken, die Caskaden werden ihre Fluthen herabsenden. Tausende von Fahnen werden enthüllt und die Louisiana Ankaufs-Ausstellung ist für die Welt geöffnet. Da massenhaft Excursions-Züge ein laufen und morgen ein gesetzlicher Feiertag erklärt ist, so wird eine unge heure Menge erwartet. Heute Abend trafen Sekretär Taft und General Chaffee ein; ebenso der Special-Congreß-Zug mit 400 Personen, Gouverneure verschiedener Staaten und verschiedene namhafte auswär tige Besucher. Gen. O st e r h a u s. W a s h i n g t o n, 29. April. Gen Peter I. Osterhaus, der verdiente Unions-Kämpfer, der wenige Tage zuvor von Deutschland eintraf, machte heute dem Präsidenten seine Aufmav tung. Er fuhr sodann mit dem Abg Bartholdt m der Stadt svazieren und frühstückte später beim Präsidenten. Washington. 29. April. Abends war der General Ehrengast bei einem vlner der Uiiinte Poor Wills", einer hiesigen Veteranen-Organisation. Der Besuch war zahlreich. Reden hielten Abg. Bartholdt. Pensions-Commissär Wari u. A., auch Osterhaus sprach Bartholdt regte den Gedanken an, der Congreß solle den General auf die Pensionsliste mit dem Rang zur Zeit seines Abschieds setzen. Cabinets-Sitzung. Washington, 29. April. Jn de heutigen Cabmets-Sltzuna waren mit Ausnahme von Sekretär Taft alle Mit glieder anwesend; seit verschiedenen Wochen, auch zum erstenmale wieder Generalpostmeister Payne. Er war erst heute aus E. C. zurückgekehrt. Sekretär Wllson berichtete, daß das Ackerbau-Departement der venezol. Regierung Erlaubniß zur Einfuhr von 1000 Stück Rindvieh gab. Es handelt sich ausschließlich um Schlacht-, nicht um Zuchtvieh. Sekretär Shaw unterbreitete dem Präsidenten die neue Bestallung von W. D. Crum als Hafencollektor von Charleston, S. C., welche der Präsident unterzeichnete. .Verhaftete Arbeiterführer. Grand Rapid s. Mich., 29. April. C. P. Shea, Präsident der Kutscher-Gewerkschaft, der erste . Vice Präsident Fitzpatrick, sowie Walter Shuck, Organisator der Ver. Kleidermacher, wurden gestern Nacht unter der Anklage des thätlichen Angriffs ververhaftet. Der Vorfall soll sich bei einem Kartenspiel zugetragen haben. Im Polizei-Gericht wurde ihr Verhör auf nächste Woche angesetzt und alle unter eigener Bürgschaft freigelassen. Shea und Fitzpatrick leiten den hiesigen Kutscher-Streik. Haywood frei. Denver, Col., 29. April. W. D. Haywood, Sekretär des Westlichen Grubenarbeiterverbandes, wurde heute aus der Haft entlassen und durfte die Geschäfte im hiesigen Hauptquartier des Verbandes übernehmen. Rasche Justiz. Austin, Texas, 29. April. Der Neger Simmons, der am 21. April Lula Sankberg ermordet, wurde heute vott einer Jury nach 3 Minuten schuldig befunden. Der ganze Proz-ß dauert nur 2 Stunden DerRichter verurtheilte ihn zum Galgen am nächsten Montag, 2. Mai.
Smandliche Nache.
Kachsliscke ischVzster wird zum zwei tenchale daö Dürer eims Ner. brechens. Wheelin g, W. Va., 29. April. Schwester Mary Alma von der St. Joseph Gemeinde, welche im kath. Waisenhaus zu Elm Grove im Sept. einen unsittlichen Angriff durch 3 Neger zu bestehen hatte, wurde heute von einem Landstreicher mit einer großen Flasche Carbol-Säure Übergossen." Sie liegt in gefährlichem Zustande im Con vent, wenn auch das Augenlicht nach Meinung des Arztes gerettet werden kann. Hlestge Zeitungen erhielten kürzlich Drohbriefe, worin gesagt war, daß Anarchisten" die Bestrafung der Neger wegen jenes Verbrechens rächen würden. Mehrere Verdächtige sind in Haft. Die I o w a"-E x p l o s i o n. Washington, 29. April. -Die Marine-Behörde, welche die Explo sion von zwei 8 Zoll Geschützen auf der Iowa", am 5. Februar, untersuchte. berichtete an den Sekretär, daß beim Abfeuern der Geschütze alle Vorsicht?maßregeln getroffen gewesen seien. Im Eise umgekommen. W a s h i n g t o n. 29. April. Die Geschichte einer Tragödie am Nordpol enthält eine heutige Mittheilung des russischen Botschafters Cassini an's Staatsdepartement, worin er das vollständige Verschwinden einer Nordpolar.Expedition anzeigt. Es handelt sich um den Baron Ed ward Toll, der von der Akademie der Wissenschaften in Petersburg nebst seinen Begleitern am 26. Oktober 1902 ausgesandt wurde. Die Gesellschaft ging von der Bennet Insel, nördlich von New Sibirien, aus und scheint im Eise umgekommen zu sein, da alle Nachforschungen vergeblich blieben. Die Akademie bietet für Auffindung der Expedition oder eines Theils der lelven öuuu atuoei Mloynuna, eine Belohnung von 25 für genaue Anga ben bezüglich der Spur. Schach-Turnier. Cambridge Spring s, Pa., 29. April. Be! der 4. Runde des in ternationalen Schach-Turniers war das Resultat: Lalmer verlor an T. Teilymann in 33 Zügen; Marco nnd Schlechter une entschieden; Napier verlor an L awrenc in Z4 Zügen; Fox von Lasker in 45 Zügen geschlagen; Marshall schlug Mieses in 57 Zügen; Pillsbury schlug Barry in 40 Zügen: Tfchigorin von Showalter in 41 Zügen geschlagen. V e r t h i e r t e r Geselle verurtheilt. Rock Rapid s. Ja., 29. April. Eine Jury fand heute Ch. Röcker der Ermordung von A. Schroeder, Juni 1900, für schuldig und verurtheilte ihn zum Tode. Röcker, ein Farm-Arbeiter Schroeder's, hatte aus 'Leidenschaft zu dessen Frau ihren Mann umgebracht und später Frau Schroeder aeheirathet. Er erzählte ihr nachher die That, als ein Kind geboren wurde und die Frau den Vorschlag, dasselbe zu tödten, entrüstet zurückwies. Als Hauptzeugin in dem Prozeß erschien Frau Schroeder, indem ihre Hei rath nichtig war, da eine erste Frau von R. lebe. Betrügerischer Bankers tt e u r. New York, 29. April. Die Bureaus von Woodend & Co., Mit glieder der Aktien-Börse, wurden heute von einem Sheriff zu Gunsten von Gläubigern in Beschlag .genommen Die Firma hatte etwa 20 Zwig-Bu aus. Gegen Woodend, der sich hev vorragend an Rennen betheiligte, wurde Abends ein Hastbefehl erlassen und ein zeitweiliger Conkursverwalter für die Firma eingesetzt. Das letzte Mittel. Toledo. O.. 29. April. John W. Martin und Frau wurden heute an Leuchtgas erstickt in ihren Betten vorgefunden. Wahrscheinlich liegt Doppel-Selbstmord vor, da in Martin's Büchern ' im städtischen WasserAmte, wo er 12 Jahre lang die Stelle eines Buchhalters bekleidete, gestern Fehlbeträge entdeckt wurden. Der Mann scheint durch Spiel und Spekulationen zu Grunde gegangen zu sein. Milwaukee. I. A. Fagg, vieljähriger Clerk im Kansas City, Mo.', Postamt, wurde wegen früherer dortiger Diedftähle verhaftet.
Neue Confiikte. Chile zu einem bewaffneten Angriff aus peruan. Gebiet gerüstet.
Lima, Peru , 29. April. Aus Santiago de Chile gehen beunruhigende Depeschen ein, wonach die chilen. Regierung ihren Gesandten in Washington beauftragt hat. anzufragen, ob die Ver. Staaten Peru schützen würden. falls Chile mit Gewalt zur Annexion der Provinzen Tacra und.Arima schreite. Am 9. Dezember war aus Valparaiso gemeldet worden, daß die Regierung bei der Kammer um Erlaubniß zur Annexion der beiden Provinzen nachgesucht hatte. . Der Plan war, in den Provinzen die Verwaltungs - Methoden Chile's einzuführen und die Schwierigkeiten durch das dortige Son-der-System zu enden. Britisch Colombia. Fastderganze Ort zer stört. V a n c o u v e r , 29. April. 910 von Fernie , eines Städtchens von 3000 Einwohnern, wurde heute durch Feuer zerstört. Schaden auf $500,000 geschätzt. Die Wasserzufuhr fehlte fast gänzlich und dem Feuer konnte kein Einhalt geschehen. Unglücksfälle kamen nicht vor. Kurze Depeschen. 29. April. Inland. M t. Vernon, Jll. A. W. Wood, Constabler, wurde in einem Kampfe mit den Brüdern Howard, die er verhaften wollte, getödtet. Ein an derer Constabler ist verletzt. Brownsvillle, Tenn. Tom Searcy, ein 20-jähriger Neger, wurde in einer entlegenen Gegend gelyncht. Er hatte einen unsittlichen Angriff auf ein 9-jähriges Mädchen gemacht. San Francisco. Der morgen nach Manila abfahrende Armee Transport - Dampfer Thomas" defördert gegen $1,000,000 in Silber zur Benützung auf den Philippinen. Portsmouth, O. Die Woh nung von Th. Sikes in Wheelersburg wurde gestern Nacht völlig von Räu bern geplündert und in Brand gesteckt. Die Familie entkam mit knapper Noth. Atlantic City, N. I. Der gestrandete Dampfer Craigheuk ist infolge des hohen Seegangs in fast hilf loser Lage und wahrscheinlich völlig verloren. Die Ladung wird entfernt. Chicago, 29. April In der heutigen Schluß-Sitzung der Munici-pal-Liga hielt Dr. Rowe von der Penn-silvania-Universität die Hauptrede. Weiter sprachen Ch. N. Kendall von Indianapolis und Andere. Ausland. M e n t o n e , Frankr. Bei Ex Präsident Krüger machen sich Anzeichen eines Gehirnleidens bemerkbar und eine Consultation von Aerzten fand statt. Krüger ist ausnehmend schwach. Schiffsnachrichten. Angekommen. Hamburg: Belgravia" von New Aork. Cherbourg: Columbia" von New York. Neapel: Prinzessin Victoria Luise" von Vew York; Prinz Okar" von New York. Queenstown: Company" von New York. Havre: Bretagne" von New York. Queenstown: Cymric" von Boston. Boulogne: Ryndam" von New York. Liverpool: Pretorian" von Halifax; Turcoman von Portland. London: Anglian" von Boston. Liverpool: Bovic" von New York. Genua: Sicilian" von New York via Neapel. Havre : Missouri" v on New York via Deptford. Sidney: Moana" von Vancouver via Honolulu und Brisbane. Queenstown: Merion" von Phila delphia. Abgefahren: Cherbourg; Deutschland" nach New York. - Moville: Anchoria" nach New York. Manchester: Caledonian" nach New York. Southampton: Deutschland" von Hamburg nach New York via Cherbourg. Moville: Bavarian" von Liverpool nach Montreal. Copenhagen: Morge" nach New
York. I
Lllcxiew, Statthalter a. D. Mit der Enthebung des Admirals Alexiew von dem eigens für ihn geschaffencn Posten des Statthalters im fernen Osten sucht der Zar den anscheinend schwersten Fehler wieder gut zu machen, den er und seine Rathgeber seit der Zeit begangen haben, als die ostasiatische Kriegswolke sich am Firmament zu zeigen begann. Alexlew stand bekanntermaßen aö der Spitze der russischen Kriegspartei, er wurde nach dem fernen Osten entsandt, um dort nach dem Rechten zu sehen. Ihm wurde auch die letzteZensur der russischen Noten an die japanische Regierung anheimgestellt. Es ist schwer, zu sagen, ob er die Zustände im eigenen Lager verkannte oder aber den Gegner mit geradezu strafwürdiger Leichtfertigkeit , unterschätzte; unbestreitbare Thatsache bleibt es auf alle Fälle, daß er dem Zaren und dessen Umgebung, absichtlich oder unabsichtlich, die Lage der Dinge nicht im wahren Lichte zeigte. Als Japan bereits den letzten Rest seiner Geduld zu verlieren begann, hielt ' Alexlew die Note seiner Regierung, welche über Krieg und Frieden entsck.ed, so lange zurück, bis der Mikado seinen Gesandten aus St. Petersburg' abrief. Was dann folgte, ist wohl noch allgemein in frischer Erinnerung. Japans Angriff öffnete dem Zaren, Rußland und der Mitwelt die Augen über das leichtsinnige Spiel, das von Alexiew mit Krieg und Frieden getrieben worden war. Ueberall zeigten sich die Schwächen und Sünden der russischen Heeres-und Flottenverwaltung, überall herrschten Rathlosigkeit und Hülflosigkeit und überall traten die Mängel im Trans-Port-und Verpflegungswesen zu Tage. Rußland war auf den Krieg so unvorbereitet wie möglich, während Japans Flotte sofort mit Eifer, Thatkraft und einer Planmäßigkeit an's Werk zu gehen vermochte, die im schroffsten Gegensatze zu der russischen Zerfahrenheit stand und die Achtung der Mitwelt herausforderte. Nach den ersten Schlappen wälzte Alexiew die Verantwortlichkeit auf seine Unterbefehlshaber ab, und es jagte ein Wechsel in den höheren Kommandostellen den andern. In St. Petersburg war der unheilvolle Einfluß des Statthalters eine Zeit lang so mächtig, daß der Zar ihm Rußlands fähigsten Staatsmann, den Minister Witte, opferte. Es bedürfte vieler und schwerer Schläge, um den Zaren von der Nothwendigkeit zu überzeugen, daß Alexiew in den Hintergrund geschoben werden müsse. Der Admiral Makarow und der General Kuropatkin, zwei Männer von erprobter Tüchtigkeit,, wurden ihm amtlich zur Seite gestellt, thatsächlich aber mit völlig unabhängigen und selbstständigen Kommandos betraut. Makarow zählte zu Rußlands hervorragendsten Marineoffizieren, er wurde aber direkt von Kronstadt aus an die Spitze des bereits schwer geschädigten Geschwaders von Port Arthur berufen und verfügte somit nicht über die eingehenden Kenntnisse aller Einzelheiten der Augenblickslage, die ihm Vortheilhaft und erwünscht gewesen wären. Er ' brach mit Alexiews Taktik des Zauderns, ging dem überlegenen Feinde kühn entgegen, bezahlte aber, seinen Wagemuth und die Sünden seiner Vorgänger mit dem Leben. Dem Zaren soll der Verlust dieses Mannes ganz außerordentlich nahe gegangen sein; und mit dem Untergange ds Petropawlowsk" erlosch Alexiews Stern. Sein offizieller Rücktritt ist kaum mehr als leere Formsache.
Eine Manövcrgeschichte. In A., einer kleinen fürstlichen Residenz, liegt ein detachirtes Bataillon. ' Eines Tages ist Jnspizirung durch den Brigadekommandeur. Bei der Felddienstübung erhält ein älterer Hauptmann den Befehl, eine Brücke zu nehmen. Bei der Kritik ergiebt sich, daß die Sache total verkehrt angefaßt ist und in durchaus anderer Weise hätte ausgeführt werden müssen". Wie? wurde nicht gesagt. Nachmittags beim Liebesmahl im Kasino erlaubt sich der Hauptmann, der sehr gut angeschrieben war, auf die Kritik zurückzukommen. Verzeihen, Herr General," sagte er, daß ich mir eine Frage gestatte. Seitdem ich hier bin, habe ich nun schon an die zwanzigmal die Aufgabe gehabt, jene Brücke zu nehmen. Ich habe ihr von vorn, von hinten, von rechts, von links, aus allen Himmelsrichtungen, von unten und oben, mit Sturm und mit List beizukommen getrachtet, aber jedesmal habe ich es falsch gemacht. Ich würde mich sehr freuen, zu erfahren, wie denn nun eigentlich die Brücke genommen werden muß?!" Die Frage erregt natürlich allgemein und auch bei dem Herrn General große Heiterkeit. Da der Hauptmann an dem kleinen Hofe als gewandter Festordner eine gesicherte Position hatte, konnte er sich so etwas erlauben. Dem Gemeindevorste her in Hasenkrug (Holstein) gingen auf Postanweisung acht Pfennige zu mit der Angabe, daß im Juli 1903 für einen dort einquartirten Soldaten acht Pfennige Servisgeld zu wenig bezahlt worden sei. Da die Ueberseii" dung jedoch zehn Pfennige Gebühren verursachte, wurde die Annahme vcr-weigert.
