Indiana Tribüne, Volume 27, Number 212, Indianapolis, Marion County, 28 April 1904 — Page 7

Jndiana Tribüne, 28. April

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... TT oLöene , Ssirotm , , tS" w K- - H 44- , , , , , VV 1. K a p i t e. l. '"VrV ie kam es nur, daß Vincent Jdy Gerbault sich einer solch allgemeinen Beliebtheit erfreute? Verdankte er sie seiner Gutmüthigkeit, seinem liebenswürdigen Charakter und jenem heiteren Humor, der ein Zeichen körperlicher und seelischer Gesundheit ist? seinem offe. neu, natürlichen Wesen, oder seinen äußeren Vorzügen? seinem jugendlich gewandten, vornehmen Auftreten, oder seinem dunklen, ausdrucksvollen und regelmäßigen Gesicht, dem typischen Gesicht eines französischen Offiziers? Ohne Zweifel all diesen Eigenschaften zusammen, in erster Linie aber wohl dem ihm ganz besonders eigenen Talent, sich beliebt zu machen. Als er sich nach beendigtem Abendessen im militärischen Klub erhob, ein Lehnfrankenstück als Trinkgeld neben seinen Teller legend, fragte ihn der Kellner besorgt: Werden der Herr Leutnant nicht wiederkommen?" Vorläufig nicht, mein guter August. Ich bin- zum Hauptmann befördert worden und reise noch heute Abend nach Toulouse." August hatte ehemals den Rang eines Unteroffiziers bekleidet und derstand eine Beförderung' recht gut zu würdigen er wußte aber auch einen Bummel auf der Avenue de l'Opera zu schätzen, und so fügte er mit einem mitleidigen Seufzer hinzu: Toulouse ist weit fort und kann Versailles jedenfalls das Wasser nicht bieten." Mit einem ' traurigen Kopfnicken stimmte ihm der Hauptmann bei. Dasselbe hatte er auch schon gedacht, und ganz besonders heute, am Tage seiner Abreise. Versailles, seine erste Garnison nach seinem Abgang von de? Kriegsschule in Saint-Cyr, die siebeü in der alten Königsstadt verbrachten Jugendjahre, seine Lebensgewohnheiten, der ihm so lieb gewordene gesellschaftliche Verkehr sowohl hier als in Paris nicht ohne Wehmuth vermochte er sich von all dem zu trennen, mit so stolzer Freude ihn auch die unverhoffte Beförderung erfüllte, die ihn zu einem der jüngsten Hauptleute des französ.fchen Heeres machte. Bei dem ihm am Mittag von feinen Kameraden in Versailles gegebenen Abschiedsmahle war er von einer lächerlichen' Rührung übermannt worden, und diese Stimmung quälte ihn auch jetzt noch, während er in einer herbeigerufenen Droschke durch die "Straßen von Paris fuhr und hin und wieder zum Fenster hinaussah, um einen Blick auf irgend ein strahlendes Schaufenster, eine erhellte Straßenecke oder .die sich in der Seine spiegelnden Lichter zu werfen kurz auf das Wenige, was man eben durch den Nebel eines trüben Novemderabends sehen kann. Der Abschied von Paris lag ihm schwer auf der Seele der Abschied von dem schönen Paris, wo er den größten Theil seiner freien Zeit verbracht hatte, von diesem lebensvollen, lustigen Paris mit seinen Theatern, seinen Ausstellungen und seinen mannigfaltigen Vergnügungen, von diesem alten, trauten Paris mit. seinem 'großartigen, malerischen Aeußern und seinen von der Geschichte des französischen Volkes redenden Denkmälern, von Paris, der gemeinsamen Heimstätte aller Franzosen, die keine andre Heimath mehr ihr eigen nennen. Diese allgemeinen schmerzlichen Abschiedsgefühle des jungen Offiziers nahmen jedoch eine bestimmtere Form an, als der Wagen über eine Brücke rollte, dann längs der Kais hinfuhr und aus der Rue des Saints-Percs auf den Boulevard Saint-Germain einbog, um vor einem großen, etwas düsteren Hause zu halten. Vincent Gerbault sah auf seine Uhr und dachte an die Abgangszeit seines Zuges. Mir bleibt kaum eine halbe Stunde zum Abschiednehmen." Hastig war er in's Haus getreten und zog nun an einer Thüre des Erdgeschosses die Klingel. An der Thüre war ein glänzendes Messingschild angebracht mit der Inschrift: Bernhard Lepage, Dr. med. et chir. Sprechstui'.ixn täglich von 122 Nhr. Dieses letzte Lebewohl des Hauptmanns Gerbault galt somit nicht etwa einer Braut oder Geliebten, wie man hätte glauben können, sondern einem Freunde. Wenn nun auch ein solcher Abschied nicht gerade sehr poesievoll sein mag, so kann er doch bei Männern, die fähig sind, sich mit der ganzen Kraft ihrer Seele einem Gefühl warmer Freundschaft hinzugeben, ebenso tief gehen, als der von einem geliebten weiblichen Wesen und Vincent Gerbault gehörte zu dieser Art Männer. Die zwischen Doktor Lepage und Vincent bestehende Freundschaft war inniger, als man sie gewöhnlich zwischen Freunden findet. Die Beiden betrachteten sich wie Brüder, ja fast wie, Zwillingsbrüder, denn sie waren vor etwa dreißig Jahren in der gleichen Woche zur Welt gekommen und in demselben alten Hause einer Straße in Dijon. Bernhard hatte das Licht der Welt im Erdaescboß erblickt, neben dem

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Neben den mit gediegenem Luxus ausgestatteten Warte- und Sprechzimmern, die ihren wohlberechneten Eindruck auf die Patienten nicht verfehlten, hätte Niemand die bescheidene Schlafstube ihres Besitzers mit der schmalen eisernen Bettstelle, oder den geheimnißvollen kleinen Winkel vermuthet, wo der Doktor seine grobe Kost einnahm. Dabei war ihm sein stetes Bestreben, jede persönliche Bequemlichkeit dem äußeren Anstand zu opfern und sich würdevoll zu geben, derart zur zweiten Natur- geworden, daß Vincent Gerbault auf's Höchste erstaunt war, seinen freund jetzt in nachlässiger, linkischer Haltung mit einer alten, halb ausgegangenen Pfeife in der Hand auf sich zukommen zu sehen. Du rauchst? Da muß etwas nicht in Ordnung sein!" rief Vincent. Da der Doktor seine kleinen Liebhabereien auf das geringste Maß beschränkte, so gestattete er sich auch das Rauchen nur um sich über Stunden der Mißstimmung wegzutäuschen. Vincent kannte diese Eigenthümlichkeit seines Freundes sehr wohl und fuhr bestürzt fort: Ist Deine Operation mißglückt? Die Operation, die Du heute an dem alten Fräulein in Bougival vornehmen solltest?" Ich habe sie gar nicht vorgenommen." Wieso? Ist ein andrer dazu berufen worden?" , Nein, ich selbst habe sie auf morgen verschoben. Ich war heute nicht dazu aufgelegt." Daß Doktor Lepage sich nicht in der Stimmung befinden sollte, eine ihm dreitausend Franken eintragende Operation zu unternehmen, war höchst unglaubwürdig. Launen, Stimmungen und dergleichen bildeten bei ihm einen Luxus, den er sich nicht erlaubte. Was ist Dir denn Unangenehmes zugestoßsn?" Nichts Schlimmes, nur etwas Seltsames. Ein schändliches Frauenzimmer " Wie, Du!" Die Sache wurde immer wunderbarer. Vincent ließ sich, seine Abreise, seine Eile und seine beabsichtigten Herzensergießungen vergessend, mit der Cigarette im Munde auf dem Sofa nieder, um seinem Freunde zuzuhören. Erzähle!" Es ist ja alles nur dummes Zeug, und das Allerdümmste ist, daß ich den seltsamen Eindruck meines Erlebnisses nicht los werden kann." Noch ganz unter dem Banne dieses Eindrucks, schwankte der Doktor zwischen einer gewissen Scheu vor der Mittheilung und dem innerlichen Wunsche nach Aussprache. Doch Vincent seine Gedanken anvertrauen, hieß ja fast nur mit sich selbst reden. Die Geschichte hat eigentlich weder Hand noch Fuß," begann er mit plötzlichem Entschluß, indem er seine Pfeife wieder anzündete und im Zimmer auf und ab ging. Doch wenn Dich's interessirt Es war also heute Mittag gegen Schluß meiner Sprechstunde. Es hatten sich nicht viele Leute eingefunden, denn es ist eine schlechte Jahreszeit jetzt: die Sommerkrankheiten haben aufgehört, und für die schweren Katarrhe ist es noch zu früh. Warum lachst Du? Dürfen wir Aerzte denn nicht mit dem gleichen Rechte an eine Epidemie denken, wie Du an einen Krieg? Wenn man sich auszeichnen will, muß man doch auch Gelegenheit dazu haben! Doch zur Sache. Heute war mir meine Freiheit ganz erwünscht, da ich um zwei Uhr mit Sautrot nach Bougival zu gehen beabsichtigte. Ich hatte ihn gebeten, bei der Operation zu assistiren, da ich wegen jener Beinamputation, zu der er mich vergangenen Monat zugezogen, noch in seiner Schuld stand. Und dann war es unter den obwaltenden Umständen clch besser, zu zweit zu sein; nicht daß die Operation besonders schwierig wäre es handelt sich nur um die Entfernung einer kleinen Geschwulst sondern weil die Dame fünfundsiebzig Jahre alt und Besitzerin von zwei bis drei Millionen ist." Nun der Doktor bei seinen Lieblingsthemen: Geschwülsten, abgeschnittenen Beinen und Millionen, angelangt war, kehrte auch seine gewohnte Stimmung zurück. Er bemühte sich, die Sache auf die leichte Schulter zu nehmen und fuhr fort: Gegen halb zwei Uhr nun meldet mir mein alter Kaleb, daß sich nur noch eine Person, eine untergeordnete Patientin, im Wartezimmer befinde. Da ich eilig bin, gehe ich von meinem gewohnten Grundsatz, die Patienten etwas warten zu lassen, ab und lasse sie sogleich zu mir führen. Herein tritt ein junges Mädchen " Hübfch?" unterbrach ihn der Hauptmann. Ged.uld nicht hübsch beim Eintreten." Und beim Fortgehen?" Geduld, Geduld; warte doch! Ich sitze dort drüben " dabei zeigte der Doktor auf seinen Schreibtisch und sie setzt sich auf Deinen Platz, während ich sie prüfend betrachte. Eine kleine, blasse, nichtssagende Brünette in schwarzer Jacke und einfachem Hute, eine jener unbedeutenden Erfcheinungen, wie man sie alltäglich trifft. Gut, denke ich mir. eine unbemittelte bleichsüchtige Ladenmamfell. und nehme mir vor. ihr zu verordnen, daß sie eine Handvoll Nägel in ihre Wasserflasche thun soll denn, weißt Du, man darf den Leuten immer nur ihren Verhältnissen entsprechende Mittel verschreiben. Da sie indeß noch immer schweigt, so beginne ich mein Verhör.

.Nun, mein Fräulein, wo fehlt es?' Keine Antwort, ihre Augen bleiben gesenkt. Eine schüchterne Jungfrau, fage ich mir und wiederhole in ermuthigeudem Tone: ,Nun, mein Fräulein ' Da endlich entschließt sie sich zum Sprechen und sagt mit fester Stimme: .Entschuldigen Sie, Herr Doktor, es handelt sich nicht um meine Gesundheit.' Zum Kuckuck! Zu den Schüchternen zahlt sie nicht! Im Gegentheil lag in Haltung und Ton sogar eine aewisse Dreistigkeit, die mich sofortig stutzig machte. Sehr förmlich frage ich: .Um was handelt es sich denn dann, mein Fräulein?" ,Um eine Frage, die ich mit Ihnen erörtern möchte.' Diesmal glaubte ich nun bestimmt, das Richtige getroffen zu haben. Eine Nervenleidende, dachte ich; es wimmelt ja heutzutage davon. Dabei sehe ich sie mir näher an. Aeußere Anzeichen einer Geistesstörung sind freilich nicht zu bemerken, weder nervöse Bewegungen, noch krampfhaftes Auf- und Zuschlagen der Augenlider, noch die geringste Morphiumspur. Es ist das Gesicht eines jungen Bürgermädchens, wie es einem alle Tage entgegentritt. Allein man kann ja nie wissen. .Stellen Sie Ihre Frage .Nicht wahr, Sie sind der Arzt, der Fräulein Chapron operiren soll?' fragt sie mit ihrer ruhigen Miene. Darauf war ich nun aber am wenigsten gefaßt. Ein Arzt muß vor allein verschwiegen sein, und ich kann sagen, daß ich dieser Pflicht bis zur Uebertreibung nachkomme. Dich und Sautrot ausgenommen, hatte ich bei keinem Menschen etwas von dieser Operation verlauten lassen, und die alte Chapron, die seit Monaten an ihre Stube gefesselt ist, wird wohl auch keine Lust zum Plaudern verspürt haben. Vorsichtig antworte ich: Meines Wissens stehen Sie in keinem verwandtschaftlichen Verhältniß zu der Familie; was für ein Interesse kann dann diese Angelegenheit für Sie haben?' ,Jch sagte es Ihnen ja schon. Herr Doktor, sie interessirt mich vom menschlichen Gesichtspunkte aus. Es handelt sich um eine schwere, schmerzhafte Operation, bei der das Leben eines Menschen in Gefahr steht.' Es wäre mir nun ja ein Leichtes gewesen, dieses entweder halb verrückte oder abgefeimte Frauenzimmer mit einer kurzen Antwort abzuspeisen, allein die Neugierde hatte mich gepackt. Ein seltsamer Ausdruck war über ihre Züge gehuscht, den ich mir nicht zu deuten vermochte, und den ich gern noch einmal beobachtet und ergründet hätte. Plötzlich erhebt sie sich, macht einen Schritt auf mich zu und steht dadurch ganz nahe vor mir. Es wird mir unwillkürlich unbehaglich. .Fräulein Chaprons Leben steht in Gefahr,' wiederholt sie mit völlig veränderte? Stimme. . Wie ein halb unterdrückter Aufschrei klang es, von dem man nicht wußte, ob Angst oder Wuth, Furcht oder Ungeduld ihr ihn ausgepreßt hatte. Ein nur mühsam unterdrücktes Geheimniß hatte damit aus der Tiefe ihrer Seele hervorgezittert, und ich hätte es gerne vollends an die Oberfläche gezogen und ergründet. Aus diesem Grunde sagte ich: .Eine leichte Operation bringt das Leben doch wohl kaum in Gefahr.' .Doch im Alter von fünfundsieözig Jahren kann jede Operation verhängnißvoll werden.' .Ich bürge Ihnen dafür.' ',. .Das können Sie nicht. Aber selbst angenommen, daß Ihnen die Operation diesmal gelänge, so kann sich die Geschwulst doch von Neuem bilden.' Da hatte sie recht. Und weil eine Geschwulst häufig nur die Aeußerung einer verbo-genen Krankheit ist, so war eine Neubildung sogar wahrscheinlich. .So weit sind wir noch lange nicht,' antworte ich ihr. .Aber in sechs Monaten, höchstenfalls in einem Jahre werden Sie so weit sein. Dann müssen Sie die Operation von Neuem vornehmen, das arme Frqulein ein zweites Mal quälen, und das alles nur, um ihren Todeskampf zu verlängern und zu erschweren. Im Interesse der alten Dame kann man wirklich nicht wünschen, daß ste noch länger am Leben bleibt.' Sie sprach mit verblüffender Unverfrorenheit. Im Grunde hatte sie ja vielleicht eine Wahrheit ausgesprochen, die man freilich als Arzt nicht anerkennen darf. Was mochte sie mit dem allem bezwecken? Sie näherte sich mir noch mehr und mein Unbehagen wuchs. Es war mir, als durchzucke mich ein elektrische? Strom; wie ein Druck lag es mir auf den Nerven. Sie aber fuhr leise fort: .Es wäre mithin wünschenswerth, daß die Operation mißlänge.' Ich wollte. Du hättest den Ton gehört, womit sie das sagte. Entsetzt wich ich zurück. Dann kam mir sofort wieder mein erster Gedanke: Es ist eine Verrückte, und gewohnheitsmäßig fühlte ich ihr den Puls. Er ging ganz regelmäßig und kräftig, auch nicht wie der einer Bleichsüchtigen. (Fortsetzung folgt.)

Gesunde Familie. Versicherungsarzt (bei der Aufnahme in die Lebensversicherung): Und woran ist Ihr Großvater gestorben?" B e w e r b e r : IS weiß nicht mehr die Krankheit, aber es war nichts mfi'"

i. J. A u s land Z. ?-H-!"H ; i-x-h-x--:- ;-:-!-;-'!-!":":- E i n schlimmer Unfall stieß jüngst einem Einwohner von Bederkesa, Provinz Hannover, beim Viehfüttern zu. Er wurde von einer Kuh mit einem Horn in's Auge gestoßen, so daß, dieses vollständig auslief. Es ist dies umso bedauerlicher, als der Mann schon auf einem Auge blind war. Mutter und Sohn. Eine seltene Auszeichnung wurde der Gemahlin des Staatsministers Dr. Hentig in Gotha und dessen Sohn, dem 17jährigen Oberprimaner Otto Hentig in Gotha zu Theil. Mutter und Sohn hatten gelegentlich einer Erholungsreise in die Schweiz eine in der Familie thätige Erzieherin aus einem Alpensee gerettet. Für diese brave That sind nunmehr Frau Hentig und Otto Hentig durch Verleihung der preußischen Rettungsmedaille am Bande ausgezeichnet worden. Furcht vor Strafe. Vor einer Leipziger Strafkammer sollte sich letzthin der wiederholt bestrafte Techniker Gutezeit aus Weißenfels wegen Betrug und Unterschlagung verantworten. Nach Eröffnung der Verhandlung aber mußte sie auf Gutachten des Gerichtsarztes vertagt werden, da der aus der Landesanstalt Zwickau vorgeführte Angeklagte in selbstmörderischer Absicht . ein Messer, mehrere Nägel, einen abgebrochenen Löffelstiel und eine Portion Stecknadeln, von denen mehrere die Magenwände durchbohrten, verschluckt hatte. Wohlthätiges Werk. Der Frauenverein in Elberfeld, Rheinprovinz, läßt sich die Aussendung kurbedürftiger Schüler und Schülerinnen der Volksschulen in Erholungshäuser und Soolbäder in hohem Maße angelegen sein. Kürzlich wurde ein in der Umgebung von Elberfeld in gesunder Lage erbautes Kinder-Erholungshaus eröffnet. Um dem Frauenverein die Erreichung seiner Ziele zu erleichtern, beschloß dieser Tage die Stadtverord-neten-Versammlung, einen fortlaufenden Zuschuß von 2500 Mark in den Etat einzustellen. - B l n t d ü rst i g er Soldat. In Debreczin, Ungarn, hat unlängst der Infanterist Christo Trajan einen Korporal mit seinem Dienstgewehre erschössen. Der genannte Infanterist war aus dem Kerker entlassen morden, wo er eine zweijährige Kerkerstrafe abbüßte, weil .er bei den großen Manövern einen Oberleutnant mit scharfen Patronen angeschossen hatte und der Korporal hatte Trajan zu öeaufsichtigen. . Dieser meinte dem Korporal gegenüber, es sei unnöthig, daß er auf ihn aufpasse; darauf hin gab ihm der Korporal eine grobe Antwort, der Infanterist ergriff sein Dienstgewehr und schoß ihn nieder. Der Soldat wurde sofort verhaftet. Kriegshunde als Finder. Vor mehreren Wochen war aus Urbeis in Oberelsaß der Gemeindeförster Loche! verschwunden. Man hatte ihn seitdem vergebens gesucht. Letzthin traf nun eine Abtheilung von 15 Jägern vom Jögerbataillon Nr. 14 aus Kolmar in Urbeis ein, um mit einigen Kriegshunden des Bataillons den Gemeindewald nach dem Vermißten abzusuchen. Nach einem kaum lstündigen Suchen fand man den Förster in einem Felsenversteck in sitzender Stellung erschossen vor. Seit einiger Zeit hatte er Spuren von Geistesgestörtheit gezeigt, und in einem Augenblick von Geistesumnachtung hatte er .sich eine Kugel durch den Kopf gejagt. Netter Volksvertreter. Der galizifche bäuerliche Abgeordnete Wlk übergab unlängst nach einer Sitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses in Wien einem Parlamentsdiener ein Packet zur Beförderung durch die Post. Der Diener wollte es umpacken und machte dabei die Wahrnehmung, daß sich darin etwa 1000 Bogen Briefpapier mit der Auffchrift Abgeordnetenhaus, zahlreiche Bleistifte und andere Schreibutensilien aus den Räumen des AbgeordnetenHauses befanden. Er meldete die Entdeckung dem Kanzleidirektor, der sich mit dem Obmann des Polenklubs in's Einvernehmen setzte. Der Klub hat daraufhin den Abgeordneten ausgeschlössen und ihn aufgefordert, fein Mandat niederzulegen. V e g e h r e n s w e r t h e Pred i g e r st e l l e. Der kürzlich in Hamburg verstorbene emeritirte Pastor Detmer hinterließ ein Vermögen von 11.000.000 Mark. Wenn Pastor Detwer auch reich geheirathet haben soll, so rechnet man ihm doch nach, daß er den größten Theil seines Vermögens von seinem Einkommen erübrigte. Detmer war ein Menschenalter hindurch Pastor in der früher außerordentlich großen Parochie St. Georg, zu der der wohlhabendste Theil der Einwohnerschaft Hamburgs gehörte. Ihm fielen daher in unzähligen Mengen Amtshandlungen zu, die in Hamburg nach alter Sitte von den wohlhabenden Kreisen mit hohen Summen freiwillig honorirt werden. Man schreibt in dieser Gesellschaftsklasse kurzerhand nach einer Taufe, Konfirmation, Trauung oder Beerdigung dem Bankkonto des betrefsenden Geistlichen Summen zu, die oft sich auf Hunderte von Mark belaufen. Je nach der Beliebtheit der einzelnen Geistlichen richtet s?-1 'sann die Zahl der Honorare.

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Di so bezeichneten Signal werden nur vom Xfpam dächter angegeben da an de betreffend Stratze Keuzungex keine SllarmkSSe angebracht sind. Chicago und der grohe Nordwefteu vi l . WA. i i , ii r m j) vataaaMgaatESEmu usssm fe UlaSka Sawaii Bdtttvpiue Insel. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. 9" Bon der Mono 47. Str. Station, Chicago, find nur 5 Minuten mittelst elektrischer Car nach den Union Biehbösen French Iick Springs, indem Orange Eounty Hochland. Familien-Hotel unter neuer GeschäftZleitung. Pluto, Proserpin ino Bowle Quellen. Bestes Mineralwasser der elt. wei Züge täglich via Greracaftle. Ticket-Ofsicen : Union Station, Massachusetts ve und 25 West Washington Straße. R.P.Alge, Distrikt Pass. aent. Indianapolis, Ind. . . H. McDoel .H.Rock well. ras. und en. Mgr. ,err,coilkr Frank J.Reed, Gen.Pzks. Agent. Chicago. Jll.

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