Indiana Tribüne, Volume 27, Number 206, Indianapolis, Marion County, 21 April 1904 — Page 7
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Roman von Ensemia v. Adlersse d-Ballestrem. Fcrtsexnng. Wie sollt' ich, wenn Du Deine Mutter besuchst?" erwiderte Truchseß mit scharfer Betonung. Na, selbst wenn ich Jemand anderen besuchen wollte, ginge es Dich nichts an," war die liebenswürdige Entgegnung. So viel mir bekannt ist, bist Du weder mein, noch anderer Leute Vormund. Also: Finger weg, mein Junge!" . Hans Truchseß streifte mit icinem scharfen Blick d.e drohend funkelnden Augen seines Vetters und das unbewegliche Gesicht seiner Tante. Meine Finger sind nicht so empfindlich," sagte er kalt. Man kann ja auch eine Faust daraus machen und sehen, was man damit ausrichtet!" Max Graßmann bekam einen hochrothen Kopf und wollte aufbahren, aber seine Mutter legte ihm die Hand auf den Arm. Daß ihr Vettern euch fcoch immer gleich an den Köpfen kriegen müßt," sagte sie lachend. Gleich sagt ihr euch hübsch guten Tag, ihr bösen Buben!" Es gilt dafür, Tante," erwiderte Truchseß, und gutmüthig fügte er hinzu: Max hat es nicht mal der Mühe für werth gehalten, mich in Kroschwitz zu besuchen." Ich dränge mich Niemand auf," rief Graßmann gereizt. Sehr lobenswert." war die prompte Erwiderung, aber schließlich: blood is thicker than water! Na, und Du Willst nach Neu - Guinea gehen, Max, sagte mir die Tante?" Wenn EuerHochwohlgeboren nichts dagegen haben " Du thust mir zu viel Ehre an, Max! Na, ich wünsche Dir Glück, und wenn ich Dir mit etwas dienen kann das Moos ist mir zwar jetzt etwas knapp, weil ich Kroschwitz für meine könftige Frau einrichte' aber was sich möglich machen läßt, darauf kannst Du rechnen." Max murmelte etwas in den Bart, was so wenig wie ein Dank klang, daß seine Mutter sich verpflichtet fühlte, etwas von sehr liebenswürdig und sehr freundlich" zu sagen und hastig hinzusetzte: BistDu gekommen, mich zu sehen?" Ich' soll Trix von Phroso etwas ausrichten," erwiderte er, eine direkte Antwort umgehend. Sie ist doch zu Hause?" Frau v. Graßmann erklärte, daß sie ihres Wissens mit dem Pater im alten RefektoriumBücher auspacke und ordne, wenn sie das nicht inzwischen satt bekommen habe," und Truchseß ritt mit einem kurzen Gruß an seine Verwandten- in den Hof und stieg dort ab. Also, Max," sagte Frau v. Graßmann, als sie außer GeHörweite waren, hastig, Du bleibst in unmittelbarer Nähe der Oberförsterei und wartest auf Nackri von mir. Ich würde Dich ein Stück begleiten, aber ich mutz hinein Hans darf mit dem Mädchen nicht allein gelassen werden, damit sie ihm nichts von Dir und mir erzählt. Er darf absolut keine Witterung davon erhalten, sonst ist alles verloren." Na, erlaube mal! WelchesRecht " Alles ist ihm hier eingeräumt worden! Also Adieu!" Ein paar Minuten später erschien sie in dem großen, noch sehr leeren und öden Raume, der in Bälde in die vom Pater ersehnte Bibliothek für die Angestellten von Fraüensee verwandelt werden sollte, und hier fand sie Trix, den Pater und Hans vor, auf BücherHaufen sitzend. Kommen Sie auch helfen?" erkundigte sich Trix. Nein, ich komme, meine Pflicht als Ehrendame zu erfüllen," erklärte Frau v. Graßmann, sich einen Stuhl frei machend. Trix lachte gerade hinaus. Deswegen hätten Sie ruhig Ihre Siesta halten können ich sitze ' ja schon den ganzen Vormittag mit dem Pater allein!" ' Sie mißverstehen mich mit Absicht," erwiderte Frau v. Graßmann, sollten Sie aber Dinge besprechen wollen, die ich nicht hören soll, so wäre es besser, das offen zu sagen." Daß ich das thun würde, darauf können Sie Gift nehmen," gab Trix prompt zurück, und Truchseß dachte sich, daß er auch Gift darauf nehmen würde. Frau v. Graßmann aber überwand wie immer auf der Stelle ihren Aerger, erklärte liebenswürdig lächelnd, daß dies sie ganz befriedige und blieb nach dem Grundsatz: J'j suis et j'y Phroso's Botschaft, welche die Weite des ihr von Trix, verheißenen HalsSandes betraf, war schon vor Frau v. Graßmann's pflichtgemäßem Erscheinen ausgerichtet worden, aber Truchseß hatt: keine Eile, sich sogleich wieder zu entfernen. Die Verheißung einer Tasse Thee, wenn er brav mithülfe, war ihm anscheinend nach dem heißen Ritt ganz verlockend, und Frau v. Graßmann besorgte das Serviren des erquickenden Trankes, während der Pater auspackte und seine Amateurassistenten die Bücher nach seiner An-
Weisung an die Stellen trugen, wo sie Aufstellung finden sollten. Dabei gelang es Truchseß, mit Trix einige Worte zu wechseln. Ich bin eigentlich gekommen, nach Dir zu sehen," sagte er ihr ehrlich. Du sahst gestern in Weißenrode müde aus und ernst. Beides ist man an Dir nicht gewohnt!" O, ich bin ganz Allheil"." dersicherte Trix, wobei ihr die Thränen wider Willen in die Augen schössen, und darüber ärgerte sie sich. Ader es that so lächerlich wohl, daß einer" sich um sie sorgte. Ja, ich meinte auch nicht, daß Du krank wärst," fuhr Truchseß fort. Hast Du Kummer, Trix? Hat man Dich geärgert?" Der Thränenschleier vor ihren Augen wurde dichter und ein paar heiße Tropfen fielen auf den Pack Bucyer, den sie eben niederlegte. Sie wischte die Thränen hastig fort, damit er sie nicht sähe. Ach was," sagte sie resolut, wegen dem bissel Aerger. ich wollte, ich könnte Dir etwas erzählen, Hans, aber nicht hier, weißt Du " Aha, apropos Tante Sophie," murmelte er verständnißvoll. Ich werde morgen mal wieder borsprechen, Trix, oder kommst Du vielleicht nach Weißenrode? ' Dort' nimmt uns meine Schwiegermutter oder Phroso Tante Sophie ab. sollte sie Dich begleiten wollen. Wir finden dort Verständniß für ein kleines Komplott!" Schön." nickte Trix, denn die Aussicht auf einen Schabernack hatte ihre Reize für sie durchaus nicht verloren. Sie begriff ganz gut, daß Frau v. Graßmann eine Mittheilung des Geschehenen an ihren Neffen verhindern wollte, und darum schien es ihr doppelt reizvoll, Hans davon zu unterrichten. Dann war ihr auch der Gedanke gekommen, ihn um seine Vermittlung zu bitten, damit Frau v. Graßmann ihren Posten in der Abtei niederlegte, denn seit heute morgen wollte es Trix scheinen, als wäre eine Trennung von ihrer Ehrendame nur eine Art dringender Nothwendigkeit geworden. Wenn Frau v. Graßmann das nicht empfand, und es schien nicht, als ob sie das thäte, so war das natürlich ihre Sache, aber Trix war es peinlich, und wenn Hans seiner Tante die Sache nahe legte, dann konnte es in absehbarerZeit ganz gemüthlich in der Abtei werden. Sie machen heute keinen Spaziergang?" fragte Frau v, Graßmann, als ihr Neffe fortgeritten war. Trix hatte das nun allerdings vorgehabt, aber Frau v. Graßmann ging ihr heute wider den Strich und sorderte ihre Opposition heraus. Ich wollte eigentlich zum Alchimistenthurm aber jetzt hab' ich keine Lust mehr," erklärte sie. O, der Alchimistenthurm!" wiederholte Frau v. Graßmann. Ich hatte ganz vergessen, daß er noch exisiirt. Wir hatten zu meiner Schwester Zeiten einmal ein Picnic dort, aber ich besinne mich, daß es nicht sehr gemüthlieb war in dem düsteren Eulennest. Er hat so etwas Todtes. Verlassenes, Melancholisches, dieser alte Bau, etwas, was einen zwingt, leise zu sprechen oder zu schweigen. Die tiefe Einsamkeit des dichten Föhrenwaldes drückt dort auf das Gemüth, glaube ich! Aber andererseits reizt das auch wieder es hat etwas Unheimliches. So, so! Also zum Alchimistenthurm wollten Sie. Nun, er läuft Ihnen ja nicht fort." Deswegen will ich erst morgen hingehen," bemerkte Trix. Wollten Sie nicht morgen nach Weißenröde?" Nachmittags." Zum five o'clock tea, natürlich. Nun, am Vormittag wird der Alchimistenthurm auch mehr Sonne haben. Aber er ist jedenfalls verschlossen." Ich habe den Schlüssel!" Und Trix produzirte aus ihrer Tasche das mächtige Stück Eisen, das mit sich herumzuschleppen einem Arbeiter mit sackleinenen Taschen unbequem erschienen wäre. Gott behüte," sagte auch Frau v. Graßmann entsetzt, das ist ja der reine Todtschläger, den bringen Sie ja gar nicht bis dorthin. Denn es ist, so viel ich mich erinnere, ziemlich weit bis zum Alchimistenthurm, und es führt nur ein Fußweg hin. Das wird wohl eine von Ihren berühmten Frühpromenaden werden?" Weiß ich noch nicht," entgegnete Trix und ging hinaus, um auf dem See zu rudern und ärgerte sich, daß sie Frau v. Graßmann von ihrem beabsichtigten Besuche des Thurmes erzählt. Denn nun wird sie ununterbrochen auf der Sache herumreiten, und das verdirbt mir das ganze Vergnügen," murrte sie unvernünftig genug. Wenn sie mich bloß endlich mal in Ruhe lassen wollte, oder wenn sie wäre, wo der Pfeffer wächst! Ich bliebe nicht hier, wenn ich wäre wie sie, aber die hat ein Fell wie ein Nilpferd, da kommt nichts durch." Und zu Trixens Aerger wählte sich Frau v. Graßmann beim Abendzssen richtig den Alchimistenthurm zum Thema, ließ sich vom Pater dessen historische Daten erzählen und gab selbst zum besten, was die Legende über den alten Bau ersonnen und erdichtet hatte, und das machte Trix schließlich so wild, daß sie absichtlich am anderen Morgen sich verspätete und dann keine Lust mehr hatte, den Weg am Vor-
mittag zu machen, trotzdem Frau v. Graßmann sie auf's freundlichste dazu animirte. Gerade nicht," gelobte sich Trix, bei der alle Geister der Opposition erweckt waren. Und so kindisch dieses gerade nicht" auch wär, so wenig störte sie das, denn darüber war sie noch lange nicht hinweg. Außerdem hatte sie heute mit Bestimmtheit Frau v. Graßmann's Demission erwartet, und daß nichts vergleichen erfolgte, das irritirte Trix. . Denn," hatte sie kalkulirt. denn sie wird sich's beschlafen haben, daß ich ihrem Engel von Sohn doch eigentlich eine schwere Beleidigung zugefügt habe, weil ich ibm nicht sofort um den Hals gefallen bin und nicht ganz weg von der Ehre war, die er mir erwiesen hat. Sie wird die Pikirte spielen und wird gehen wollen, und ich werde sie gehen lassen mit meinem Segen und werde ein Freudendiner mit dem Pater als Ehrendame eben, wenn sie zum Tempel hinaus ist." Aber nichts davon erfolgte. Frau v. Graßmann war liebenswürdiger denn je und zeigte mit keiner Miene, daß sie Trixen's Korb persönlich genommen. Und das ärgerte Trix 'und befestigte ihre Meinung von der Dickfelligkeit" der ihr aufgedrungenen und ihr herzlich unsympathischen Genossin, und ihr Entschluß, Hans Truchseß zu einem ernsten Wort in oiesem Sinne anzufeuern, wurde immer fester. Er wird mir helfen, er ist so lieb und gut zu mir," dachte sie, und das thut mir so wohl und auch wieder ,so weye. L)äs hab' ich früher gar nicht gewußt, daß einem etwas wohl und wehe zugleich thun kann. Ich dachte, es kommt bloß in Gedichten vor. Das macht aber wohl das stille Wissen meiner tiefsten Noth"!" Zu Trixens großer Enttäuschung aber kam im Laufe des Vormittags von Weißenrode die Votschaft, daß man dort heute nicht zu Hause sein würde und ihren Besuch erst morgen erbitte. Nun, dann hindert Sie ja nichts, den heute früh verschlafenen Besuch des Alchimistenthurmes nachzuholen," meinte Frau v. Graßmann lächelnd, denn diese Nachricht kam ihr sehr willkommen, weil sie sich ja auch zwei und zwei addiren konnte und eine Mittheilung des Geschehenen an Hans Truchseß aus ihr bekannten Gründen hinausgeschoben haben wollte. Aber das machte bei Trix das Maß voll. Wenn Sie mich jetzt nicht endlich mit dem verflixten Alchimistenthurm in Ruhe lassen, dann soll ihn der Kuckuck holen," rief sie wüthend. Man sollte ja meinen, daß Ihr Lebensglllck davon abhängt, daß ich das dumme Ding besuche! ; Außerdem brenne ich gar nicht darauf, denn mir ist der Wald ohnehin dadurch verleidet, daß ich nicht die Nase hineinstecken darf, ohne Ihrem Sohn zu begegnen und mir von ihm das Blaue vom Himmel herunterquasseln zu lassen." Trix fühlte sehr wohl. , daß ihr die Schecke durchgegangen" war. aber nicht Reue darüber erfüllte sie, sondern der Gedanke: So, jetzt wird sie wohl genug haben." Doch sie kannte Frau v. Großmann noch lange nicht. Fräulein von Dornberg," erwiderte sie leise und mit ganz gesenkten Lidern, gestatten Sie mir, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß Sie eben sehr ungezo . wollte sagen, sehr unhöflich gewesen sind. Sehr. Aber ich setze das auf das Konto Ihrer merkwürdigen Erziehung, und Ihres leider sehr unbeherrschten Temperamentes. Lassen Sie sich außerdem versichern, daß es mir ganz gleichgiltig ist, wohin Sie hre Spaziergänge richten, es war nur Liebenswürdigkeit von mir, auf ein vorausgesetztes Interesse von Ihnen einzugehen. Und was Ihre so freundliche Erwähnung meines Sohnes betrifft, so kann ich Ihnen die angenehme Mittheilung machen, daß er beute früh abgereist ist. Er hat mich noch gestern Abend davon in Kenntniß gesetzt. Da meine schönsten und kühnsten Hoffnungen im Keime vernichtet sind," schrieb er mir, so gehe ich, in fernem Lande den Tod zu suchen und sage Dir auf diesem Wege Lebewohl, damit es Dir nicht unnöthig schwer gemacht werde. Morgen mit Sonnenaufgang werde ich Frauensee, die schöne Wiege meiner Leiden" verlassen haben." Sie sehen, ich weiß seine Worte sogar auswendig. So etwas schreibt sich mit glühendem Griffel in ein Mutterherz." Quatsch!" murmelte Trix verächtlieh. Sie wußte, was sie wußte, aber sie war viel' zu sehr Naturkind, um nicht die falschen Noten in den Rhapsodien von Mutter und Sohn mehr herauszuempfinden'. als direkt zu hören. Rührt Sie das nicht?" fragte Frau V. Graßmann mit bebender Stimme. Und wenn ich so gerührt und weich wäre wie Pomade, was hätte es denn für einen Zweck?" fragte Tr ungeduldig und ärgerlich, denn sie fah wirklich nicht die Nothwendigkeit dieses Hämmerns auf ihre Gefühle ein. Frau v. Graßmann überhörte den Wortlaut von Trixens Gegenfrage und hielt sich nur an den Sinn. Dann wär's ein Hoffnungsschimmer in dem dunkeln Dasein meines armen Jungen," murmelte sie halb für sich. Ihr armer Junge wird sich auch ohne das trösten." sagte Trix kürz. Und wenn Sie mir einen Gefallen
thun wollen, dann bitte, reden' Sie nicht mehr davon. Es ist absolut nutzlos. Denn ich hoffe, Sie werden mich Doch nicht für solch eine dumme Pute halten, die sich dergleichen einreden läßt. Das ist ja doch wohl klar, nicht?" Ganz klar," erwiderte Frau v. Graßmann kühl. Also," machte Trix aufathmend. Und wenn ich vorhin wegen des dummen Thurmes aufgefahren bin, so bitte ich um Entschuldigung. Man weiß selbst manchmal nicht, was einen aus dem Häuschen bringt. Zur Buße werde ich heute Nachmittag hinpilgern, schon um mir die Füße ein bischen zu vertreten aber wenn Sie wünschen, daß ich auf den , Knieen hinrutsche, dann brauchen Sie es bloß zu sagen." Frau v. Graßmann äcceptirte auf's liebenswürdigste die reichlich originelle Entschuldigung, und Trix hielt in der Unschuld ihrer Seele die Sache für erledigt. Ihr hatte es genügt, folglich mußte es auch der anderen genügen. Trotzdem aber blieb sie bei der Ansicht stehen, daß eine Trennung von Frau v. Graßmann zu den wünschenswerthen Dingen dieses Lebens gehörte. Am Nachmittag um die fünfte Stunde machte sie sich nach dem Alchimistenthurm au' mit dem angenehmen Gefühl, Max Graßmann unter keinen Umständen begegnen zu müssen. Was ihr die Freude dabei einigermaßen vergällte, war, daß ihr Dackel sie nicht begleitete, denn Seine Excellenz war nirgends zu finden er mußte auf eigene Rechnung und in eigenen Angelegenheiten eine Promenade unternommen haben. Wie lange sie dauern würde, war nicht abzusehen. Trix steckte also das Kilo Eisen, Schlüssel genannt, zu sich und ging allein. Nur auf schmalen Fußwegen war zu dem Ziel zu gelangen, doch die führten scyarf nach Osten zu durch dichte Tannen, deren abgefallene Nadeln eine weiche Streu bildeten, auf welcher es sich für einen sicheren Fuß angenehm geht. Viel Sonnenlicht drang nichj durch bis auf den Boden, es fiel nur streifenweise auf den moosigen Grund, auf dem Preißelbeeren und Heidelbeeren üppig gediehen, und, wo der Boden feucht und moorhaltig war, auch feinfiebrige, lichtgrüne Farne. Der kräftige, nervenstärkende Duft der Föhren, das Rauschen und Raunen in ihren Zweigen aber sprach Trix an, und sie wunderte sich, daft sie nie diesen Weg genommen, sondern immer nach der anderen Seite gewandelt war. Links blitzte manchmal der See auf durch die geraden, braunen Stämme, ber dann wandte sich der Fußweg nach rechts und nach einer halbstündigen Wänderung stand Trix vor dem Alchimistenthurm, einem dreistöckigen, zinnengekrönten, epheu-umwucherten viereckigen Gebäude, das wie eine grimmige, drohende Frage in der stillen Waldeinsamkeit stand. ' Der große Schlüssel öffnete leicht das schwere, eisenbeschlagene eichene Thor, denn was auf Frauenseer Gelände stand und lag, war alles in tadellosem Gebrauchszustand. Auf gelten Angeln schwang das f)&t sich ohne' Widerstand nach innen in den fast dunkeln, nur durch runde Luftlöcher dürftig erhellten Raum des Erdgeschosses, in dem eiserne Ringe an den Wänden die Stellen bezeichneten, wo man früher die Kienfackeln aufgesteckt. Ein ganz moderner Reisbesen in einer Ecke zeigte, daß die Geister der ReinI ichfeit auch hier gelegentlich einkehrten, auch eine rohe Holzbank stand da sonst aber keine Geräthe. Von der Thür links führte eine schmale, steile, steinerne Treppe nach oben, sie mündete auf einen kleinen Vorraum und führte von diesem weiter. Die Thür, welche auf dem Absatz in das Gelaß des ersten Stockes führte, war unverschlosseit, und Trix betrat durch sie ein niederes, von altersschwarzen Balken getragenes, aber geräumiges Zimmer, in welchem ein großer, rauchgeschwärzter Kamin mit gemauertem Mantel den größten Platz einnahm. Ein alter eichener Tisch, ein paar Schemel und ein geradrückiger, lederbezogener Sessel und von der geschwärzten Decke herabhängend eine laternenartige, eisengeschmiedete Ampel das war alles, was der Raum enthielt. Hier hatte der Goldmacher" Henricus Rex wohl gehaust und seine alchimistischen Versuche Jahre hindurch unentwegt getrieben, wie so viele seiner Art anderorts, und das Gold, das er suchte, 'als Rauch zum Schornstein hinausziehen lassen. Die Luft in diesem Raum war dumpf, modrig und schwül und legte sich Trix auf die Brust, als würgte sie eine fremde Hand und drückte ihr langsam und stetig die cttfle zu. Rasch trat sie an das erne, nach Süden gehende niedere Fenster mit den blinden, bleigefaßten diamantartig geschnittenen Scheiben und öffnete es ah! das that wohl, die warme, tannenduftige Luft einzuathmen, die in vollen Wogen hereinfluthete. Trix setzte sich auf den breiten Rand des Fensters und sah hinaus in oen Wald, der bis dicht an den Thurm reichte und dem Lichte so viel von dem Eintritte wehrte, als der sonnenleuchtende Sommertag es zuließ ja, es war kein freundlicher Ort, der Alchimistenthurm, er war düster und einsam und melancholisch, aber unHeimlich kam er Trix nicht vor. Nur das Schweigen im Walde war wohl etwas
beklemmend, wenn man von dem leisen
Raunen in den Zweigen absah, aber gerade als Trix das besonders auffiel, begann ein Kreuzschnabel in ihrer unmittelbaren Nähe zu singen, leise, süß und wunderbar, wie eine Stimme aus einer anderen Welt, weil man sie nur in der tiefsten Einsamkeit eines Fichtenwaldes hören kann. Da erinnerte sich Trix eines schönen Gedichtes, das sie. in den Kindertagen gelernt, ein Gedicht vom Kreuzschnabel, und wie er seinen gekreuzten Schnabel zur Erinnerung daran erhalten, daß er versucht, die Nägel heraus zu ziehen, die den Heiland an's Kreuz geschlagen, und seine rothe Brust zum Andenken an das heilige Blut, das ihn dabei überströmt. Und nun sang draußen im Tann ein Kreuzschnabel, und athemlos und andächtig lauschte ihm das junge, blühende Menschenkind mit großen, weit geöffneten Augen wie auf etwas Wunderbares, Niegehörtes. Und während sie dabei dachte, ob man diesen süßen, eigenartigen Gesang wohl auf der Geige nachahmen könnte, überhörte sie, daß leise, vorsichtige Schritte die Treppe heraufkamen, und erst, als die Thür geöffnet wurde, wandte sie den Kopf mit einem feltsamen Stocken des Herzens : Max Graßmann stand in dem Zimmer mit einem eigenen, glitzernden Blick seiner vorstehenden, frechen Augen. (Fortsetzung folgt.)
Eine wte große Verderbtheit hierzulande vielfach unter der Jugend herrscht, beweist der folgende, aus New Aork gemeldete Fall: Die Passagiere eines Lokalzuges es Vorstadtzweigs der New Jork, New Haven & Hartford - Bahn wurden an einem der letzten Abende nicht übel erschreckt, als in der Nähe der Brücke der New Aorker 149. Str. mehrere Rehposten gegen die Fenster schlugen, so daß die Glassplitter in allen Richtungen umherflogen. Wären die Fenster offen gewesen, so hätten Passagiere Verwundungen erlitten. Der Zug wurde zum Stehen gebracht und die Zugbediensteten suchten mit ihren Laternen das Geleise ab, das hier in ziemlich tiefem Einschnitt hinläuft, ohne indeß die Schützen zu finden. Glücklicherweise hatte der New Aorker Detectiv - Sergeant Kern den ganzen Vorgang mit angesehen. Der Zug war bereits wieder abgefahren, als Kern zwei Jungen mit Gewehren im Schatten der Brücke erblickte. Die Knaben flohen bei seinem Anblick, wurden aber nach kurzer Jagd eingeholt. Der eine derselben ist Philipp Roth, der Sohn eines Maurers, der andere Adolf Schweizer, der ohn eines Sattlers. Also leider deutsche Namen! Beide Jungen sind kaum vierzehn Jahre alt. Kaltblütig. Also zwei Stunden hat der wildgewordene Ochs unter dem Weidenbaum gewartet, auf den Sie sich geflüchtet hatten; was haben Sie Aermsier nun während der Zeit gemacht?" Dorfschullehrer: O. ich kam gerade aus der Schule, und da habe ich die Muße benutzt und oben meine Hefte nachgesehen!" Gemüthlich. Fremder (am Villetschalter): Verzeihen Sie. wann geht der nächste Zug nach Hamburg? Ich möchte heute noch weiter fahren. . ." Billetteur: Noch heute? Bleiben Sie doch noch ein bischen." E i n gemüthlicher ReZs e n d e r. Kaufmann: Ich habe ja schon vorhin erklart, daß ich von Jhnen nichts kaufen kann und überdies heute sehr beschäftigt bin. Was wollen Sie also noch?" Reisender: ..Nur noch a bisserl plaudern! Schaun's, ich müßt' mich vor meinem Dienstmann genir'n. wenn ich allweil so schnell aus den Läden bin!" Zarter Wink. Mein Herr, jetzt liegt's in Ihrer Hand, ob ich zum Räuber werden soll oder nicht!"
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