Indiana Tribüne, Volume 27, Number 202, Indianapolis, Marion County, 16 April 1904 — Page 7

Jndiana Tribüne I. April 1901

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HrSfSS?

Roman von Eösemia v. Adlcrsse.d-Ballestrem. i Fcrtsexnng. Aber nun kam für Trir wieder der verwirrende Vorfall vom gestrigen Abend zurück, die Scene mit Phroso und dem Herzog in der Bibliothek, und damit auch der brennende Wunsch, etwas thun zu können, um Hans Truchseß vor den schrecklichen Consequenzen des erlauschten Nein" zu retten. Der weise Rath des Paters, sich nicht in Dinge zu mischen, die sie nichts angingen, und einen schlafenden Hund, der da beißt, nicht zu wecken, schien ihr trotz des Paters bekannter und bewährter Gutmüthigkeit einfach herzlos. Aber der Pater wußte ja auch nicht alles, er ahnte nichts von ihrem stillen Wissen", dem einen Namen zu geben, sie sich selbst scheute. Sie mußte handeln, um diesem Fremdling" ein wllrdiges Begräbniß zu bereiten, den Schlaftrunk zu bereiten, der ihn zur fftütit brachte bis zu der Zeit, da es ihr erlaubt war, ihn in einer besseren Welt offen zu bekennen. Trix war nicht exaltirt und nicht eine Spur sentimental, aber sie war noch sehr jung und kannte dieWelt und ihre Wege nicht, und darum schien ihr des Paterö Rath einfach herzlos. Sie zerbrach sich den Kopf, wie sie's am besten anfangen könnte, Hans Truchseß vor ocm Schlage zu schützen, der ihn bedrohte, wenn sie Phroso recht verstanden Wenn! Der Zweifel stieg nun doch in ihr auf, trotzdem sie geztern noch hätte auf dieses Nein" schwören können. Die beiden hatten englisch, gesprachen und Trix sprach auch sehr gut englisch, das heißt, sie hatte es mit ihrer englischen Gouvernante gesprochen und seitdem nicht allzu viel davon dergessen, besonders das einfache Wörtlein no" nicht, aber sie konnte sich wirklich immerhin verhört haben. Das war schon möglich. Aber wie sich dessen versichern Nun, Phroso. fragen das war ooch das einfachste! Natürlich nicht so geradezu Trix hatte heut' auch ein ganzes Theil von ihrem gestrigen Bedürfniß eingebüßt, Phroso das Eingeständniß zu machen, daß sie in der Bibliothek nicht gerade gelauscht, aber doch zugehört; so ein paaö Stunden zwischenEntschluß und Ausführung sind da oft sehr entscheidend. Trix war sich's vage bewußt, diplomatisches Talent nicht zu besitzen es schien ihr aber auch wiederum, als würde sie mit ihrem gewohnten Geradezu" bei Phroso wenig oder nichts oder gerade das Gegentheil von dem erreichen, was sie bezweckte. Trix faßte also den Entschluß, diplomatisch" zu sein sie wußte für den Moment nur nicht, wie man das machen muß. Sich Sachen und Worte vorher zurechtlegen ist ja ganz gut und schön, aber man kann eben nicht vorher wissen, ob und wie die Leute darauf eingehen und da sltzt man denn mit dem Rest. Trix war in ihren tiefen Gedanken Knd Plänen und beschäftigt mit den Conflikten, die das Leben ihr so unerwartet in den Weg warf, vorwärts gelaufen, ohne zu wissen wohin. Mit einem Male stand sie vor demWalde auf freiem Felde und wäre auch vielleicht noch da weiter geeilt, wenn nicht plötzlich Oberamtmann Richters kurze und gedrungene Gestalt ihr den Weg versperrt hatte. Na schlag' doch dieser und jener drein Sie rennen ja die Leute bei lebendigem Leibe um, Fräulein von Dornberg," schrie er sie an, daß sie wie geprellt still stand. Die Augen auf dem Boden, als ob Sie eine Stecknadel suchen wollten, die Gedanken scheint's, in Wolkenkuckucksheim ja was ist denn passirt?" Tttx iay ven anen Herrn erii w:e verständnißlos an; dann aber kam sie mit einem Rucke zu sich. 's geht mir halt was durch den Kopf und da bin ich so vorwärts gekommen, ohne daß ich darauf geachtet," sagte sie, selbst ein bischen verwundert. Guten Morgen, Herr Richter sind Sie gestern gut heimgekommen?" Danke ja," erwiderte der Oberamtmann, Trix mit erstauntem Kopfschütteln betrachtend. Sind alle ganz heil und kregel, das heißt bis auf den Lümmel, den Syrop. Der hat einen . Katzenjammer, daß h?ut' blau" bei dem im Kalender steht und meine Frau nur zu thun hat, alle saueren Conserven zu seiner Ermunterung aizZ den Pötten zu fischen. Essiggurken, Essig pilze, Senfpickel was weiß ich! Na also, der außer Gefecht gesetzt und der junge Rindig in die Sommerfrische bei Ihrem Oberförster abgesockt da muß halt der alte Richter mit seinen alten Knochen doppelt heran." Sagen Sie mal, Herr Richter daß Herr Rindig nervös sein soll, das ist doch kaum zu glauben," sagte Trix lachend, denn das plötzliche Rencontre hatte sie heilsam aufgeweckt. Herr Richter zog sein rothseidenes Taschentuch heraus und schneuzte sich umständlich und dröhnend. Nervös, so, was man darunter versteht, das kann man nicht sagen, daß er das ist," erklärte der alte Herr, mit einer gewissenBefangenheit laborirend, die Trix aber natürlich entging. Nervös! Nun ja doch! Es macht einen manchmal etwas nervös etwas Ge

wisses, ohne daß man im Allgemeinen nervös ist. Was?" Kribblig macht einen manchmal was, meinen Sie," erläuterte Trix vcrständnißvoll des alten Herrn Rede. Ich begreife nur nicht, daß Herr Rindig seine Sommerfrische deshalb bei Ihnen durchgesetzt hat. Dem haben Sie wohl denMarsch dahin höllisch geblasen?" Vater Richter zog seine Augenbrauen hoch und legte sein braunes Gesicht schmunzelnd in die bewußten Trompeterfaltzn. Ich fing schon an zu blasen," gestand er, ja ich muß sogar sagen, daß ich einmal ein bissel gebrüllt habe Herrgott, man wird doch sonst mit der Schwefelbande gar nicht fertig aber er hat mich ruhig brüllen lassen, ja, und dann hat er mich ganz überzeugt ganz. Ein famoser Bengel, der Rindig, sage ich Ihnen!" Ja, ich habe ihn auch sehr gern," sagte Trix harmlos. Aber nun muß ich umdrehen, denn ich habe noch nicht gefrühstückt und es ist mir schon ganz schwach!" Neun Uhr durch und noch nicht gefrühstückt," rief Herr Richter, entsetzt mit einem Blick auf seine mächtige silberne Zwiebel. Das halten Sie ja gar nicht aus bis in die Abtei! Kommen Sie zu uns, meine Alte wird sich riesig freuen " Es fällt ihr ja gar nicht ein, Frau Richter hat früh was anderes zu thun, als sich die Leute auf ven Hals laufen zu lassen," wendete Trix ein. Ich muß außerdem zurück und wenn man mal inFreiwald ist, dann schwatzt man sich leicht fest." Aber den weiten Weg so mit hungrigem Magen und ohne den Hund." Dessen werthe Gesellschaft würde mich auch nicht satt machen," lachte Trix. Na denn schönen guten I!orgen, Herr Nachbar!" Schönen " begann Herr Richter, in die dargebotene Hand einschlagend, unterbrach sich aber selbst. Halt," rief er, in seine Tasche fahrend und ein in sauberes weißes Papier gepacktes Paket hervorziehend. Sie brauchen nicht hungernd nach Hause zu laufen, denn meine Frau hat mir hier was zum zweiten Frühstück mitgegeben und das wollen wir christlich theilen! Ja, ja, die alte Richtern ist eine praktische Person und was sie für einen rechnet, das reicht mit Kußhand immer für drei, bei normalen Mägen. So, setzen Sie sich man hübsch auf den Bäumstumpf hier und langen Sie zu einem satten Menschen kommt die Welt ganz anders vor, als einem hungrigen! Nur nicht geziert Sie sehen, es ist genug da, auch wenn ich selbst fest zulangen wollte." Und Trix zierte sich nicht, beim einmal fühlte sie sich wirklich ganz erschöpft und dann sahen die Klappstullen in dem weißen Papier auch zu verlockend aus: vom schönsten hausbackenen Schwarzbrot, reich mit goldgelber Butter gestrichen und mit saftigen Schinken- und Rehbratenscheiben belegt. Und sie saß auf dem Baumstumpf nieder und aß mit herrlichem Appetit eine Stulle nach der anderen, und Herr Richter lehnte neben ihr an einem Baum und aß zur Gesellschaft mit, weil das den Appetit erhöht und den Wetteifer, gewissermaßen anfeuert. So gut hat es mir lange nicht geschmeckt," versicherte Trix, ganz glaubhaft hinsichtlich der vertilgten Massen, als sie wieder aufgestanden war und unter herzlichstem Dank von ihrem Gastfreund unter freiem Himmel Abschied nahm. Jetzt fühle ich wieder Kraft in mir, es sogar ein bischen mit

demDerxel aufzunehmen jetzt soll er mir nur kommen. Heute früh da hätte er mich bald mit einem Waschläppen umgeworfen." HerrRichter, der nicht gewohnt war, Trix in Allegorien reden zu hören, bezog das einfach auf den hungrigen und wieder befriedigten Magen seiner holven 'acyvann und nett ve icymunzelnd über seinen guten Einfall davonziehen. Mag sie doch laufen, das schadet ihr nichts," dachte er, den Rest seiner Brote wieder säuberlich verpackend. Den Hund sollte sie mitnehmen, weil er den Standlaut gibt. Na, der Rindig wird schon aufpassen. Famoser Junge, der Rindig! Hätt' ich ihm nach der Richtung hin gar n'cht zugetraut. Meine alte Jdamutter hat schon recht man muß sich die Leute auch darauf hin ansehen, ob sie was anderes können, als ein Feld rationell bearbeiten. Das Herz macht's, das Herz, nrcht der Grips allein und Punkto Herz wär' es dem Kroschwitzer auch zu wünschen, daß er sich in eine andere verschossen hätte, als in die affektirte Prinzeß aus Weißenrode, die ihn blos nimmt, weil kein Reicherer sie gemocht hat ä la bonheur! Aber heirathen möchte ich die nicht, die wird als Frau ohne das nöthige Kleingeld nicht zum Todtlachen sein." Mit welchem Verdikt sich Herr Richter in den Stand seiner Lupinen versenkte. Trix aber eilte zurück, ein anderer Mensch, als sie ihren Gang heute Morgen angetreten sie war erfrischt und ermuthigt. Du Hauch der Liebe, dran dieMenschen sterben," kam ihr aus dem Gedicht wieder in den Sinn. Ob ich daran sterben werde? Im Augenblick ist es mir gar nicht so zu Muthe mir ist es im Gegentheil so, als ob ich wieder lebte so hoffnungsvoll. Und doch habe ich nichts zu hoffen, gar nichts. Vielleicht muß man aber

hoffen auf etwas Unmögliches,' auf etwas - Wunderbares. Und das Wunderbare ist nie unmöglich, sagt der Pater. Der Pater sagt eigentlich oft sehr, schöne Dinge, weil er eine Poetennatur ist, sagt der Justizrath. Vielleicht bin ich auch eine Poetennatur, ohne daß ich es weiß, weil mir die Sache mit dem Wunderbaren so gefällt. Gut, daß es mir eingefallen ist und daß der Wald so schön grün und frisch ist und die Sonne so hell und daß Herr Richter an die Butter-; brote gedacht hat, ehe ich nach Hause ging. Ich war ganz elend vor Hunger! ,

Das nächste Mal " Trix kam nicht dazu, sich zu überlegen, was sie das nächste Mal thun würde, denn ein Schatten fiel plötzlich über ihren Weg und Max Graßmann stand, den Hut in der Hand, vor ihr. Unterthänigsten guten Morgen! Gnädiges Fräulein machen schon so früh eine Promenade?" sagte er mit jenem Gemisch von geselligerGewandtheit, respektvoller Freundlichkeit und persönlicher Liebenswürdigkeit, das ihm bisher immer noch so gute und erfolgreiche Dienste gethan. Es ist zehn Uhr durch," erwiderte Trix trocken. Nennen Sie das früh?" In Anbetracht dessen, daß gnädiges Fräulein sich evident auf dem Heim Wege befinden, doch," war seine prompte Antwort. Es ist noch ein gutes Ende bis zur Abtei danach zu urtheilen, müssen gnädiges Fräulein wirklich sehr zeitig aufgebrochen sein. Beunruhigt es denn meine Mutter nicht, wenn Sie so allein im Walde umherstreifen" Nein!" entgegnete Trix sehr entschieden. Das hab' ich ihr von vornberein abgewöhnt. Es ist auch allein viel schöner im Walde. Guten Morgen, Herr von Graßmann!" Damit ging sie an ihm vorbei, weil ihr Hans Truchseß' Worte von gestern Abend eingefallen waren, aber er war sofort wieder an ihrer Seite. Gestatten gnädiges Fräulein, daß ich Sie einige Schritte begleite?" fragte er respektvoll. Ich hatte mir heute die Ehre geben wollen, meine Aufwartung zu machen, aber es liegt mir so sehr daran, ein paar Worte betreffs meiner Mutter zu sagen, daß ich mir diese günstige Gelegenheit, wo sie nicht mit dabei ist. nicht entgehen lassen möchte mit Ihrer gnädigen Erlaubniß selbstverständlich." Trix blieb stehen und sah den jungen Mann mit einem leichten und dabei etwas hochmüthigen Staunen an, das einer Phroso Rablonowska nicht besser hätte gelingen können. , Was er für unverschämte Augen hat," dachte sie dabei und doch hatte Max Graßmann seine größten Eroberungen seinen Augen zu verdanken. Bitte," sagte sie nach einer Pause, die sichtlich eine nicht gerade behagliche Wirkung auf ihn ausübte, denn er schlug seinen Siegerblick für einenMoment vor den blauen Augen nieder, die ihn so voll und doch so kalt ansahen. Wollen gnädiges Fräulein nicht weiter gehen?" fragte er beflissen. Ich will allein weiter gehen," entgegnete Trix, den Kopf zurückwerfend. Also: Sie wollten sagen ?" In Max Graßmanns Augen blitzte es halb böse, halb amüsirt auf. Verflixte keine Kröte," dachte er, fügte aber laut in seinem verbindlichsten Ton und Lächeln hinzu: Gnädiges Fräulein sind sehr gütig! Ich kann ja auch ein anderes Mal, wenn es Ihnen besser paßt aber es liegt mir in der That daran, Ihre gütige Nachsicht für meine Mutter zu erbitten, falls dies elbe, wie ich leider zu vermuthen gezwungen bin, zu lebhaft und dringlich für mich bei Ihnen eingetreten sein sollte. Gnädiges Fräulein glauben gar nicht, wie entsetzlich peinlich mir dieser Gedanke ist oder vielmehr, gnädiges Fräulein werden dieses Gefühl vollauf versieben und zu würdk gen wissen. Es ist wirklich mit einer der bittersten Tropfen in dem Kelche meines, wenn auch nicht ganz unoerschuldeten, aber doch unverdient harten Schicksals. Ich verstehe ja meine arme Mutter aber wie können gnädiges Fräulein sie verstehen? Das ist in der That unmöglich meine Mutter hat das in ihrer Liebe und in ihrem Eiser für mich sicherlich übersehen. Ich " Güten Morgen, Fräulein v. Dornberg," fiel hier eine andere Stimme ein, der man es anhörte, daß ihr Besitzer eben noch rasch gelaufen war, und Siegfried , Rindig's Hünengestalt tauchte hinter dem eloquenten Sprecher auf, der zornesroth über die unwillkommeneUnterbrechung herumfuhr und den jungen Riesen hochmüthig musterte. Schönen guten Morgen," rief Trix erfreut, dem Ankömmling die Hand reichend. Gut geschlafen? Herr Rindig Herr von Graßmann," fügte sie vorstellend hinzu. Graßmann lüftete feinen Hut nur eben zur Noth und warf wüthende Blicke auf den Bengel", der ihn gerade stören mußte, wo er so schön im Zuge war, der Bengel" aber schien sich seines Kapitalverbrechens nicht im entferntesten bewußt zu sein, sondern sagte nach seiner eigenen, ganz einwandfreien Verbeugung harmlos: Das ist Glück, daß ich Sie treffe, gnädiges Fräulein, denn Frau Richter hat mir ein Recept für Sie anvertraut ich glaube, von dem berühmten Mandelprasselkuchen, und dann soll ich auch noch ausrichten

Kommen Sie ein Stückchen mit," fiel Trix unbedacht ein. es total vergessend, daß sie das eben Max Graßmann verweigert. Aber sie war so froh, ihn los zu sein, daß sie daran gar nicht dachte. Und in ihrer Erleichterung setzte sie hinzu: Adieu, Herr von Graßmann, ich darf doch Ihre Frau Mutter von Ihnen grüßen?" Wenn ich unterthänigst darum bitten darf," murmelte Graßmann zornbebend und sah unter Hervorknirschen nicht gerade, parlamentarischer Liebesnamen für Trix und Rindig den beiden nach, wie sie in nicht zu raschem Tempo den Weg zur Abtei verfolgten. Rindig entledigte sich seines Aufträges und verabschiedete sich dann von Trix, denn er war ein wohlerzogener junger Mensch, in dessen Natur es auch gar nicht lag, sich Freiheiten zu nehmen. Und Trix ließ ihn jetzt ruhig gehen, nahm herzlich Abschied pon ihm und kehrte müde, aber doch erfrischt, in die Abtei zurück, wo sie dann total vergaß. Frau v. Graßmann von ihrem Sohne zu grüßen. Ihr erster Gang daheim führte zu dem Pater, dessen gutes, ein bißchen verträumtes altes Gesicht ihr in wachsendem Maße Vertrauen einflößte, von dem sie das bei der Jugend so sei ten trügende Gefühl hatte, daß er ihr Freund war. Den fragte sie, ob er das Halsband und seine Geschichte kenne, und der Pater besann sich, daß sein Freund Zell ihm davon erzählt. Gesehen hatte er es nie. Ich glaube auch nicht, daß die Geschichte wahr ist," setzte er hinzu. Nichts bildet sich leichter als solche Legenden, zu denen jede neue Generation etwas dazulügt. Besonders wenn der Name Borgia" erst damit verquickt wird, dann macht die Phantasie ir die wildesten Sprünge. Lassen Sie mich die Historie gelegentlich lesen und den Schmuck untersuchen, vielleicht komme ich auf des Räthsels Lösung. Aber daß ein Fluch" auf einem Gegenstande, von Menschenhand gebildet, haften und auf unschuldige Menschen weiter wirken sollte, das ist ein, so krasser Aberglaube, daß man eigentlich darüber lachen müßte, wenn er nicht so viele Opfer forderte." Da erzählte Trix dem Pater, was der Schmuck ihr inspirirt, ohne im entferntesten zu ahnen, daß sie damit dem alten Seelenkenner ihr Geheimniß. das stille Wissen ihrer tiefsten Noth" verrieth. 'Aber," schloß sie unsicher, aber das hätte ich Ihnen wohl eigentlich beichten müssen." Unsinn," erwiderte der Pater in seiner Rührung rauher, als er beabsichtigte. Wo der Wille und die Absicht dazu nicht vorliegt, kann von einer Sünde keine Rede sein. Auch sind Versuchungen keine Sünde, sondern sie werden uns zum Verdienst,' wenn wir ernsthaft gegen sie ankämpfen. Selig der Mann, der die Prüfung bestanden," sagte der Apostel Jakobus. Sie aber, liebe, vielliebe Tochter, sollen sich keine Dummheiten in den Kopf setzen und sich Herz und Hirn mit Skrupeln verwirren. Dabei kommt nichts Vernünftiges heraus, sondern bloß Futter für den Teufel. Der liebe Herrgott hat Ihnen das Herz so auf den rechten Fleck gegeben, daß Sie bloß zu folgen brauchen, wie es Ihnen den Weg weist. Das Grübeln ist nicht Ihre Sache. Wenn der Bär die Orgel spielen will, dann kommt etwas heraus, was weder ihn noch andere freut, mit welchem Gleichniß ich Ihnen aber nicht zu nahe treten will " Hier passirte dem Pater zum zweiten Mal. was ihm sein ganzes Leben nicht passirt: Trix fiel ihm um den Hals und k"ßte seine runzlige Wange. Denn das ist nun einmal nicht anders in der Welt: ohne ein mitfühlendes Herz kann der Mensch, besonders wenn er jung ist, schwer durchkommen mit seinen inneren Nöthen, er braucht ein lebendes Wesen, an das er sich lehnen kann, das ihm zuredet, das ihn versteht, wenn er weint und lacht, dem er .vertrauen kann, was ihn bewegt. Und Trix hatte zwar die Abtei mit ihren großen Besitzungen, aber sie war schrecklich allein und isolirt darin das hatte sie erst heut' Nacht plötzlich drückend schwer empfunden. Und nun schlug der alte Priester, vielleicht eben darum, weil er sie persönlich in's Herz geschlossen, den rechten Ton an, welcher der jungen Seele wohlthat, und da Trix ein höchst impulsives Geschöpf war, so erkannte sie in ihrer Art die erhaltene Wohlthat an. Na ja, ja," sagte der alte Herr, Trix streichelnd, wie man ein Kind liebkost, um es darüber zu trösten, daß sein bestes Spielzeug ihm zerbrochen. Wir wcrden's schon überwinden mit Gottes Hilfe. Unser alter, treuer Herrgott packt niemandem mehr auf, als er tragen kann. Freilich, tapfer müssen wir fein und unser Leid ihm aufopfern. Und tapfer sind Sie ja, liebes, vielliebes Töchterchen, nicht wahr?" ' Trix traute sich nicht zu sprechen, weil ihr die Thränen so arg nahe waren. aber dabei mußte sie schon wieder lachen über des Paters etwas kerniges (Euphemismus für grobes) Gleichniß.Mnd indem sie ihm noch flink einen tüchtigen Kuß gab, lief sie havon, um allein in ihren Räumen fertig zu werden mit all' den Eindrücken, die seit gestern auf sie eingestürmt waren. Der Pater nahm aber nach ihrem Fortgange eine extra große Prise. (Fortsetzung folgt.)

Tie Nnruden in Afrika. Die ursprüngliche Annahme, daß es sich bei der Erhebung der Herero um eine lokale Erscheinung und einzig und allein um den plötzlichen Ausbruch des Unwillens gegen die unverantwortliche Ausbeutung der Eingeborenen durch die Händler handelt, wird durch die Thatsachen gründlich widerlegt. An allen Ecken und Enden in Afrika gährt es. Ein besonderes Licht auf die Lage werfen die Meldungen aus den britisch-afrikanischen Besitzungen. Als die Bondelzwarts aufstanden und die Herero unmittelbar darauf zu den Waffen griffen, wurden in der Londoner Presse hämische Bemerkungen über die deutsche Unfähigkeit laut, Kolonien zu verwalten. Inzwischen folgten aber. Schlag auf Schlag, die Meldungen über Auflehnungen der Afrikaner gegen die britische Oberhoheit. Im Basutolande, im ehemaligen Transvaal und in ganz Rhodesia macht sich eine ausgesprochene Feindschaft der Kaffern gegen die Weißen bemerkbar. In Nigeria kam es zu ernsten Blutvergießcn. Der Stamm der Okpoto überfiel und tödtete eine starke, von zwei Offizieren geführte britische Patrouille und rieb in offenem Feldgefecht eine Strafexpedition auf, welche zur Sühne der Blutthat gegen die Rebellen entsandt worden war. 'Wenn man außer diesen beunruhigenden Erscheinungen die Ermordung des Grafen Pückler und einer Anzahl Polizisten in Deutsch-Kamerun. den langen und bis jetzt vergeblichen Kampf der Briten im Somalilande, die Auflehnung der Eingeborenen gegen die Kongoregierung, die portugiesische Oberhoheit und die französische Herrschaft in Algier in Betracht zieht, so erhält man einen nichts weniger als rosigen Begriff von dem Glücke, das den Eingeborenen Afrikas durch die europäischen Kulturträger" gebracht worden, ist. ' .Jedenfalls kann sich Niemand, der vorurtheilslos und mit offenen Augen die Lage der Dinge beurtheilt, der Einsicht verschließen, daß die Eingeborenen Afrikas bisher nur scheinbar unterworfen sind, und daß die Unterdrückung der Aufstände in diesem und jenem Gebiet noch lange nicht genügt, um weiteren unliebsamen Ueberraschungen vorzubeugen Großbritannien unterhält in Afrika, ausschließlich Aegyptens. eine Armee von 205 Offizieren und 41.542 Mann. In diese Zahl sind die Mannschaften, nicht aber die Offiziere der Abtheilungen im Somalilande eingeschlossen. Aus britischen Kreisen wurde kürzlich der deutschen Regierung der Rath ertheilt, ihre Schutztruppen wesentlich mindestens um 2000 Mann zu verstärken, wenn sie die Eingeborenen dauernd im Zaume halten und eine völlige Beruhigung erreichen wolle. Dadurch würden die Verwaltungskosten der Kolonien natürlicher Weise bedeutend gesteigert, die ohnehin sehr geringen Erträgnisse aber nicht um einen Deut erhöht werden. Nichisdestoweniger wird der Rath der edlen Briten aber doch wohl befolgt werden müssen, denn diese haben ja, so lange, sich Deutschland Mit einer sehr geringen Mannschaftszahl in Afrika zu behelfen vermochte, den Eingeborenen hinterlistig den falschen Glauben beigebracht, das Reich verfüge überhaupt nicht über genügende Streitkräfte, um seine Schutzherrschaft behaupten zu können. Diese Einflüsterungen haben blutige Früchte getragen, und es wird schwere Opfer an Gut und Leben kosten, die Leute wieder von dem Wahne abzubringen.

Ein amerikanisaieS Ttadtverwal tungs2Sunder. So Tüchtiges im Allgemeinen die Bundesverwaltungen dieser Republik und auch nicht wenige ihrer Einzeln staatsverwaltungen leisten so mangelhaft sind die Verwaltungen der meisten ihrer Städte. Eine glänzende Ausnahme macht die Stadt G a l v eston in Texas, deren gegenwärtige Stadtverwaltung im Vergleich mit anderen amerikanischen größerenStäoten ein wahres Wunder bildet. Freilich hat Galveston nach der entsetzlichen Sturmfluth. die am 8. September 1900 einen großen Theil desselben und fünftausend Menschenleben vernichtete, seine ganze Munizipalverfassung umgekrempelt und an die Spitze seiner Verwaltung eine vom Volke gewählte Fünfercommission gestellt, die von der Parteipolitik unabhängig ist. Die Bürger aber gingen und gehen bei der Erwählung ihrer fllnfköpfigen Regierung so umsichtig zu Werke, daß unter ihr Galveston nicht nur die furchtbaren ihm durch jenes Naturereigniß zugefügten Schäden ausgebessert, sondern seine Finanzen und seinen Credit gehoben und die Zahl seiner Einwohner, trotz des BeVölkerungsverlustes an jenem schrecklichen Septembertage, vermehrt hat. Natürlich trägt zum Wiedergedeihen Galveston's auch seine günstige seeund handelsstädtische Lage bei. Aber durch die treffliche städtische Verwaltung werden diese natürlichenVortheile Cmgemein gefördert. Und trotz der gewaltigen Wiederherstellungs - Kosten vermag die Stadtkasse in Folge eines gerechten Steuersystems, durch welches am meisten das Großkapital und nicht der Mittelstand zur Tragung der Steuerlasten herangezogen wird, jeden städtischen Bedarf zu befriedigen.

Feuer - Signale

1 Pennsylv und Market i English'S Opern-Hau I CastundN'wDork 7 Noble und Michigan 91. Jersey u. Mass Av Pine und North 0 Mavket und Pine 1 Vermont nahe East '2 Ny. S Spritzenhau Maff. Ave nahe Noble .8 Dttaware und Walnut 4 N.Jerfcvu Central A. 6 Maff und Eornell Ave 6 Ash u,.d II. Straße 7 Park Ave und 12 Str d Columbia undHillfid 9 Highland Ave u.Pratt a Illinois und St. Joe !? Pennsylv. und Pratt A Meridian und ll Str '.5 513. 5 Spritzenhaus ,5. nahe Jllinovk :s Senate Ave u.StCla n Illinois und Michigan Petsylvania und 14 Senate Ave. und 13. l No. 1 Spritzenhau In ÄvenaheMichigan 2 Meridia und Walnut California u Vermont :5 Blake und New York 'S Ind. Av. u. fc Cla (7 City Hospital :s Blake und Norch 19 Michigan und Zfrtt a No. 6 Spritzenhau Washington nahe Aeft i2 GsendorfuWash. 43 Missouri u New York 'S Meridian u Wash JlltnoiS und Ohw vr Capitel Av. u Wash mgan'S PorkhauS Straßenbahn Ställe 33. Washington Str No. 10 Spritzenhaus JllmoiS u MerriU JllinoiS u Louisiana 58 West und South 54 West und McCarty Senate Ave. u Henry W Meridian und Ray No. 4 Spritzenhaus MMsonAv.uMorrU Madison Av.u Dunlop No 2 Haken Leiterhau South nah Delatvar 32 Penn, u Merrill Delawar n. McEartV 54 afi und WcCarty New Jersey u. MarM 7 Birg. Av. u Bradfha 3 Saft und Prospekt 19 Bicking und High tl No. u Spritzenhaus Cir Ave. mche Hur, 72 Tast und Georgia 73 Ceda und Elm 74 Davidson u Seorgia n English Av. Pwe 7 Sheüy und Bäte 8 No. 3 Spritzenhau Prospekt nahe Shelby Fletcher Av. u Shelby Zi Market u. New Jersey Z2 Delaware und Wash. 93 East u Washington U New gort. Davids? 85 Taubstummen Anstalt 86 Ber. Staaten Arsenal 37 Oriental und Wash. 39 Frauen-Reformat. U No. 13 Spritzenhaus Maryland nahe Mer 12 Meridian u. Veorqia. Z3 Meridian und South n Pennsylv u. Louistana 15 Virgini Ave u. Alab. 96 Hauptquartier. 37 Grand Hotel. 93 Capital Ave und Ohik Z3 No. 1 Spritzenhau 16. und Ash. .24 Alabama und 1. 25 Central Ave und lt. ' 26 DsndeS und 15. 27 Brookside und Jupiter 28 Central Avt und 17. 29 Delaware und 19. .31 Alabama und 11. 82 Bellefontaine und 5. 34 College Ave und 29. 35 Delaware und 13. 36 Alabama und North 37 Newmann und 19. 55 College Ave und 14. 3 Cornell Ave und 13. .41 DandeS und 19. 42 Highland Ave und 10. 43 Teeumseh und 10 v 45 New Jersey und 22. tö Alvord und 17. 47 No. 2 Spritzenhaus Hikside Ave und 19. 8 College Ave und 22. 49 College Ave und 27. 52 Park Ave und 2. 5 LEu. W Bahn u. 22. 54 Ramfey Ave und 10. 56 Stoughton u Newman 57 Atlas und Pike. 55 Bloyd und Pawpaw. 59 No. 21 Spritzenhau Brightwood 5 Arden und Depot ,63 Brightwood und 25. 4 Rural und Bloyd 65 St. Clair u. Keystone .? Arsenal Ave unk 23. 68 Bellefontaine und 28. 169 Park A nd 1k 212 Capital Ave und Vr, 213 Pennsylv. . Mchiaa 214 JllinoiS und 2. 2is Senate Av und I. 216 Pennsvlvania und 21 17 Meridian und 16. 218 Capital Av und 26t 21 Broadway und 1. 231 Illinois und MeLea 234 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und 8. 35 JllinoiS und 33. Annetta und 3k 237 No. 9. Spritzenyiu Udell und Raser 233 Udeil Lsdder Morti 2SS Jsabel und 7. 241 Meridian und 24. 242 JllinoiS u St. ClR 243 Eldridg und 23. L12 West und Walnut 813 West und 12. 314 Howard und 16. 815 Torbet und Paca l Capital Ave und I, 817 Northwestern Ave u3f 818 Gent und 18. 819 Canal und 10. 821 Cerealine WorkS 824 Vermont und Lynn 25 Bismarck u Gremdvten 26 Ro. 2 SprenhauS HaughviUe. 27 Michigan u. Holme, 28 Michigan u. Concorv 41 West und McJntyr 412 Missouri u. Marylank 413 Mssouri und fth 415 Capital Av - eorg 416 Missouri entuckyS, 417 Senate Ave . Wash. 421 P und E rwndkau W. Washington. 42 Jrren-Hospital. 424 Miley Av.JDS 425 Wash und Harr"' 26 No. 18 SpritzenZauk W. Washington 427 Olwer und Birch 428 Olwer und OZgood 429 Slordyke und Dort 431 Hadley Av u. MorrU 432 River Ave u. MorriS 84 River Ave und Siay 435 Harding u. Big 4 R Z 436 Harding und OUva 437 No. 19 EpritzenhqZ MorriS und ttdn& 8 Hotvard Ak WWssB M toSyard 451 Reitn und 1552 452 Howard und See 45 MorriS und tUi&ptt 458 Lumbert und Beliui 7 Nordyke Ave u. u& atm Work 613 West ud Ray 1 enwcky Avu.Me 4 Meridia und MorrZ i. JllinoiS nd ans 517 Morris und Dakota 8 MorriS und Church big Capital A. u MeCar, 521 Meridian und Pal 23 Pwe und Lord 524 Madisor. Ave u Linco! 32 Meridian und BeU RN 527 CarloS und Ray 528 Meridian und Ärizsm, 29 Meridian u. Raymond 531 Meridian u. MrCar'. i SS No. 17 EdiitzenhA MorriS nahe West 1 McKernan und DouaiZk ei East u. Lincoln im 614 East und Beecher IS Wright und Sanders 17 WcEarty und Beary i New Jersey u ic A 71 Spru und Prospekt 71 EngliZH Ave. u. 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Schläge, 1 Uhr Mittags. 0 Die so bezeichneten Signale werden nur vo Thun ächter angegeben da an den betreffende Straß kreuzunge keine AlarmkSsten ansebracht find. Chicago und der grotze Nordwesten vi )(WlWWwMNkWMl( laSka-Sawali-BHUWPtne Insel. Bier tägliche Schnellzüge nach Chicago. p- Bon der Mono 47. Str. Station, hieag. !ind nur 5 Minuten mittelst elektrischer ar ach den Union Biehdöfen I'renod liick Springs, Indern Orange Countq Hochland. ffamilienHotel anter neuer Geschäftsleitung. Pluto. Proferptne md Bowle Quellen. Beste Mineralwasser dn elt. Zwei Züge täglich via Grer.icaftle. Ticket-Officen : Union Station, Massachusetts ve and 25 West Washington Straße. R. P.Alge o, Distrikt Pass. aent. Indianapolis, Ind. .H.MeDoel. . H. R o e! w eil. ras. und Gen. Zvtgr. err,rv,r? Frank J.Reed, 8n.Paft. Agent. Sbieago. Jll.