Indiana Tribüne, Volume 27, Number 201, Indianapolis, Marion County, 15 April 1904 — Page 6

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Europäische Nachrichten. WöerNVxarz. A l s e n z. Der auf dem MorbacherHof bei Qekonom Wenz bedienstete 15 jährige ledige Knecht Müller stürzte beim Fruchtfassen die Speichertreppe hinunter, brach das Genick und war sofort todt. E l m st e i n. Letztens fuhr der 20 Jahre alte hiesige Metzger Karl Moser mit einer Fuhre, der er Vorspann leistete. Später setzte er sich auf sein Pferd und wollte nach hier zurückreiim; bald darauf fand ihn eine Frau als Leiche im Walde liegen, sein Pferd stand bei ihm; der junge Mann hatte sich das Genick gebrochen. K a i s e r sl a u t e r n. An der achtjährigen Tochter des Fabrikarbeiters Michel wurde ein Lustmord verübt. Nachdem der Unhold das Kind auf das Feld gelockt hatte, vergewaltigte er es, erwürgte es und warf es in einen Bach. Der des Lustmords verdächtige Florian Stefanelli, der hier unter falschem Namen sich aufhielt, wurde verhaftet. Ludwigshafen. Selbstmord beging der verht,irathete 55 Jahre alte Tagner Georg Butterfaß, indem er sich mittelst eines Ledergürtels an der äußeren Umzäunung des Friedhofes erhängte. Pirmasens'. Der Direktor der

Brauerei Bürgerbräu, Georg Semm- , ler, wollte an einem neuen Sudkessel, 1 der bis zu semer vollstandlgen Emrichtung vorläufig durch einen Flaschenzug geHoden wird, etwas nachsehen, als im selben Augenblick der Flaschenzug zerriß und der Deckel des Kessels, von riesigem Umfang, ihm ruf den Kopf fiel. Der Direktor, dem der Kopf zertrümmert wurde, war sofort todt. Der am selben Kessel beschäftigte Braumeister kam mit dem rechten Arm zwischen Kessel und Deckel, sodaß ihm der Arm abgedrückt wurde. Semmler hinterläßt Frau und Kind. We lch w eiler. Maurer Weit von Erzweiler kam hierher, um Besen zu verkaufen. Auf dem Kirchwege nach Ulmet wurde Weit später von Pfarrkindern todt aufgefunden. Die Todesursache ist unbekannt. iLksaß-Lc'lhringen. Straßburg. Ein tragisches Ende nahm in Basny-Sous-Bois der Taglöhner Georg Lienhard. Er drang in eine Stube ein, wo eine Wittwe bei der Leiche ihres Mannes mit anderen Personen Nachtwache hielt, und brüstete sich, zu der Wittwe intime Beziehungen zu unterhalten. Die Wittwe wies dem angetrunkenen Eindringling empört die Thür, weshalb er auf sie eindrang. Als ein 73jähriger Mann ihm bei der Verfolgung den Weg absperrte, kehrte er seine ganze Erbitterung gegen diesen. Der Greis ging, ohne ein Wort zu sagen, zurück, holte eine Flinte und schoß den Lienhard nieder. Das Allgemeine Ehrenzeichen erhielten: Pensionirter Eisenbahn - Lokomotivführer K. Erb, pensionirter Bahnwärter Hieronymus Wolff und Aktenhefter Ernst Stötzer beim hiesigen Bezirkspräsidium. Metz. Auf Los 5 der StadterWeiterung wurde der Erdarbeiter Giovanni Koyato zwischen zwei Erdkippwagen, die er bremsen wollte und von denen einer aus den Schienen sprang, gequetscht und derart am Oberkörpei verletzt, daß der Tod auf dem Wege nach dem Paulinenstift eintrat. Niederbronn. Seron von Dietrich, Besitzer der hiesigen Eisenwerke, ist in der Nähe von Riedingen bei einer Autobilfahrt schwer verunglückt. W a l s ch e i d. Waldarbeiter Mllller durchschnitt sich, nachdem er seine Frau mit Messerstichen tödtlich verwundet hatte, den Hals. Mecklenburg. Schwerin.. Frau Registrator Dorothea Gollmann, Mutter der früheren Hofschauspielerin Christine Gollmann, verstarb hier im 100. Lebensjahre. Dem EisenbahnwagenBegleiter Kagel wurde die goldene Medaille des preußischen Kronenordens verliehen. Karrenzien. Das Gehöft des Hofbesitzers Godewall brannte vollständig nieder. Sämmtliches Mobiliar ist mitverbrannt. P l a u. Postgehilfe Reder aus Rostock, welcher im verflossenen Herbst bei einer nächtlichen Segelfahrt von Silbermühle nach hier auf unserem See verunglückte, indem das Boot voll Wasser schlug und sank, wurde letztens von den Fischern aufgefunden. Schönberg. Schlachtergeselle Granzow aus Godendorf bei Strelitz, welcher vor einiger Zeit im Fieber aus dem Fenster sprang, ist nunmehr seinen Verletzungen erlegen. Strelitz. Feuer zerstörte das am Bahnhof gelegene Fabrikgebäude der Firma Heldt & Hoffmann. W i s m a r. Fischer Fritz Fust, Ziegenmarkt 7, feierte sein fünfzigjähriges Bürger-Jubiläum. Alle Fischerboote im Hafen hatten aus diesem Anlaß festlich geflaggt. Hldenvurg. Oldenburg. Die Polizei theilt mit, daß der Einbrecher, der hier im September bei dem Wirth Oestermann am Stau ca. 10,000 Mark erbeutete, in der Person des angeblichen Josef Gottwald in Eigelo in Holland bei Verübung eines neuen Einbruchs erwischt und festgesetzt wurde. Es liegt begründeter Verdacht vor, daß Gottwald auch den Doppelmord an : den beiden Frauen hier begangen hat. Er soll am Abend vor dem Morde hier

von zwei Frauen in der Staustraße gesehen worden sein. Gerichtsseitig wurde von hier nach Eigelo gesandt, um ihn zu recognosziren. Der katholische Bürgerverein konnte auf ein 26jähriges Bestehen zurückblicken. Löningen. Hier ertrank, der iljährige Sobn , des Landwirths Moorlampen aus Röpke, mdem er durch's Eis brach. Z e t e l. Hier erschoß sich im Bette der Marinesoldat Plöger, als er bei seinem Schwager zu Besuch war. Was den jungen Mann in den Tod getrieben hat, ist nicht bekannt. Z,reie Städte. Hamburg. Arbeiter Panck hatte in dem Hause Kaiser , Wilhelmstraße 83 (Holstenhof) ein Packet abgegeben und benutzte den Fahrstuhl. Dabei gerieth er zwischen die Mauer und den Fahrstuhl, so daß er festgeklemmt wurde. Die Feuerwehr befreite .den Mann aus seiner gefährlichen Lage. Er hatte lebensgefährliche Verletzungen erlitten und mußte bewußtlos in das Hafenkrankenhaus gefahren werden, wo er starb. Ein schwerer Unfall ereignete sich auf dem englischen Dampfer Ravenshoe", Kapitän Bat:, der von hier nach Cardiff abgegangen war und bei Wittenbergen vor Anker lag. Dort .stürzte der einzige Sohn des Capitans, der die Reise mit sei nem Vater machte, infolge eines Fehltrittes durch die Luke in den Raum hinab und erlitt so schwere Verletzungen, daß er nach kurzer' Zeit seinen Geist aufgab. Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich auf dem SüdBahnhofe; dem in Harburg wohnenden unheiratheten Bahnarbeiter Rudolph wurden von einem Rangirzuge beide Beine abgefahren. Noch lebend wurde der Unglückliche nach dem St. Georg - Krankenhause geschafft, wo er starb. Heizer Emil von Lojewsky vom Dampfer Eap Rocca" wollte beim' Niederbaumponton auf den abfahrenden Fährdampfer Martini" nachspringen, sprang aber zu kurz und fiel ins Wasser. Trotz sofort angestellter Rettungsversuche konnte Lojewsky nur als Leiche geborgen werden. Bremen. Im Hause Seefahrt fand, wie alljährlich, dieSchiffermahlzeit statt, an der eine große Anzahl hervorragender Persönlichkeiten von auswärts theilnahm, u. a. der oldenburgische Staatsminister Wilich und Admiral Bendemann. Kaufmann Victor brachte ein Hoch auf den Kaiser aus, in welches die Anwesenden begeistert einstimmten. Der Schiffer des z. Zt. hier in der kleinen Weser liegenden Vockschiffes Emilie" H. Gronemann aus Minden hatte, als er über die Bedachung von der einen Sei! zur anderen Seite des Schiffes gehen wollte, das Unglück, in den leeren Schiffsraum zu stürzen. Der in den fünfziger Jahren stehende Mann zog sich innere Verletzungen und einen Schenkelbruch zu. Er wurde mittelst Droschke zum hiesigen Krankenhause geschafft.

Wegen angeblicher Beraubung eines verunglückten Automobilisten hatte sich der Hauptmann der Landwehr Mayer aus Nieder - Jngelheim vor der Strafkammer in Mainz zu verantworten. Mayer wird beschuldigt, am 19. Mai v. Js. dem betannten SportsmannPaul Albert aus Wiesbaden, der mit seinem Automobil auf der Fahrt nach Paris bei NiederJngelheim tödtlich verunglückte, 1500 Francs in Werthpapieren gestohlen zu haben. Der 13jährige Sohn Mayers fand damals unter den Trümmern des Automobils die Leiche des Verunglückten und benachrichtigte seinen Vater. Dieser nahm die Effecten des Todten an sich und lieferte sie auf der Bürgermeisterei ab, wo sofort das Fehlen von Werthpapieren auffiel. Obwohl nun mehrere Haussuchungen bei Mayer :rgebnißlos verlaufen sind, erhob die Staatsanwaltschaft doch Anklage, weil Mayer, der bei seiner Verheirathung den Abschied aus dem Heresdienst hatte nehmen müssen, durch den Ankauf der Villa an der Steig" in finanziellen Nöthen war und daher der That verdächtig schien. Da die Verhandlung nichts Belastendes gegen Mayer ergab, erfolgte seine Freisprechung. JneinemNewYorker Blatt veröffentlichte dieser Tage ein Brook lyner Arzt folgende Anzeige: $300 für drei Zoll einer vollkommen gesunden Haut werden gewünscht; Brü nette, weiblich; sofort. Absolute Verschwiegenheit zugesichert." Der Arzt hat eine wohlhabende Patientin, welche die Haut zur VerHeilung einer Wunde nöthig hat und willens ist, liberal dafür zu bezahlen. Er sagte, seine Patientin habe ein bösartiges Geschwür am Halse gehabt, das jetzt ausgeheilt sei. aber infolge eines krebsartigen Charakters sei die Wundöffnung so groß, daß es Jahre dauern könnte, bis sich neue Haut darüber gebildet hat. Durch das neue Verfahren, gesunde Haut eines anderen Menschen zum Flicken" zu verwenden, würde sich die Wunde in wenigen Monaten schließen, mit einer vollkommenen neuen Haut. Da die Patientin eine Brünette von etwas dunkler Hautfarbe ist. ist gleichfarbige Haut erforderlich, sonst würde die neue Haut als heller Fleck auf der dunklen Haut abstechen, was um so unangenehmer wäre, als die Patientin angeblich eine Gesellschaftsdaim sein soll und die Wunde sich am Hals be-findet.

HandekyochslAulen. Ihre Begründung, ihr Umfang und ihre Bedeutung in Deutschland.

ngegliederte nd selbftständige Handels, Hochschulen Kaufleute und Vertreter anderer Berufe Volkswirthschaftslehre. Epezialverträge Ergebniffe. Seit nunmehr sechs Jahren bestehen in Deutschland kaufmännische Hochschulen. Nachdem man sich bereits anfangs der Wer Jahre in weiteren Kreisen mit dem Gedanken beschäftigt hatte, höhere Bildungsstätten für den Kaufmann zu errichten, wie sie für die gelehrten Berufe in den Universitäten, für den Techniker in den technischen Hochschulen, für den Forstbeamten in den Forstakademien bestehen, trat die erste Handelshochschule im April 1898 in Leipzig in's Leben. Wie diese der Universität angegliedert wurde, so gründete man einige Zeit später an der technischen Hochschule in Aachen eine handelswissenschaftliche Abtheilung" mit etwa denselben Einrichtungen. Aber schon im Mai 1901 wurde in Köln eine völlig selbstständige Handelshochschule errichtet. Ein ähnlicher Plan kam im Oktober 1901 auch in Frankfurt a. M. durch die Gründung einer Akademie für Sozial- und HandelsWissenschaften" zur Ausführung. Der Gedanke, derartige höhere Bi'ldungsstätten für den Handelsstand zu schaffen, fand noch in anderen Städten Anklang, und so steht nun auch in Berlin die Errichtung einer kaufmännischen Hochschule bevor. Die Zahl der Besuche? dieser Anstalten ist von Jahr zu Jahr gestiegen, so daß im verflossenen Unterrichtssemester die Anzahl von 2500 bei sämmtlichen deutschen Handelshochschulen überschritten wurde. Von den Besuchern waren 2206 Reichsdeutsche und 337 Ausländer. Köln hatte 1537 Besucher aufzuweisen, darunter 21 Ausländer. In Frankfurt war die Besuchszahl auf 549 gestiegen, wovon 22 Ausländer waren. Die Leipziger Handelshochschule hatte einen Besuch von insgesammt 519, worin 213 Ausländer inbegriffen sind. Allerdings befanden sich unter diesen Besuchern, außer Kaufleuten, auch Vertreter anderer Berufe; namentlich stellten Juristen, Techniker und Verwaltungsbeamte ein beträchtliches Kontingent. Der Unterrichtsbetrieb in den deutschen Handelshochschulen sucht sich mehr oder weniger den Bedürfnissen des kaufmännischen Lebens dadurch anzuschließen, daß er sich auf Grundlage der Volkswirthschaftslehre entwickelt. Das haben denn auch alle HandelsHochschulen gemeinsam, daß sie der Volkswirthschaftslehre im Unterricht einen überaus breiten Raum einräumen. Das Hauptgewicht wird in diesem Unterrichtsfach darauf gelegt, daß der Studirende das, moderne Wirthschaftsleben in seiner Organisation und in seinen Ursachen und Erscheinungen kennen lernt, um dann später selbstständig die Vorgänge in ihren RückWirkungen auf den kaufmännischen Beruf beurtheilen zu können. Es treten daher auch in den einzelnen Vorlesungen die Zustände im Welthandel und Weltverkehr, die Verhältnisse der Handelspolitik, besonders auch das Bankund Vörsenwesen im Zusammenhang mit der Geldcirkulation in den Vordergrund. Mehr, als die Universitäten und sonstigen Hochschulen es zu thun pflegen, wird auf den Handelshochschulen auf eine möglichst ausführliche BeHandlung der Industrie und des Handels, andererseits auch der Kolonialwirthschaft Werth gelegt, weil diese Gebiete die eigentlichen Arbeitsgebiete des in die Praxis übertretenden Großkaufmanns oder Geschäftsleiters sind. Die Kölner Handelshochschule suchte außerdem im verwichenen Semester den volkswirtschaftlichen Unterricht durch eine Reihe von Spezialvorträgen handelspolit'scher Natur zu erweitern. So behandelte man dort aktuelle Fragen über: gegenwärtige Lage der Zuckerindustrie und des Zuckerhandels in Deutschland; die natürlichen Grundlagen der deutschen Eisenindustrie im Vergleich , mit England und den Ver. Staaten; das rheinisch - westfälisch? Kohlensyndikat; die Arbeitslosenversicherung; die Bedeutung des Checks. Faßt man das Ergebniß der wissen schaftlichen - Leistungen der deutschen Handelshochschulen zusammen, so findet man zweierlei: sie erschließen den angehenden Kaufleuten durch die erweiterte und vertiefte Bildung neue Möglichkeiten zu erfolgreicher Bethätigung. und sie geben den Anstoß zu zweckmäßigen Reformen und Neuerungen in den verschiedensten Zweigen des Handels, Verkehrs und der Industrie. Anzahl der Juden. Nach einem von Professor Haman veranstaltetcn Census gibt es in Europa beinahe 11.000.000 Juden und außerhalb von Europa 8,000.000. Auf die Ver. Staaten entfallen 1,000,000 Juden. Von europäischen Ländern hat Rußland 5,500.000 jüdische Einwohner, Oesterreich - Ungarn 1.860.000. Deutschland 568,000, Rumänien 300,000 Großbritannien 200,000. die Türkei 120.000. Holland 97.000. Frankreich 77.000. Italien 50.000. Bulgarien 31.000, die Schweiz 12.000, Griechenland 6000. Serbien 5000, Dänemark 4000. Schweden 3500. Belgien 3000, Spanien 2500 und Portugal 300 jüdische Einwohner.

Jman Jwanowttsch." Ausbildung, Verpflegung und Eigenschaftcn des russischen Soldaten.

Lese- und Schreibunrerricht Prügelstrafe. Anstrengende Dienstperiode Knappe Nahrung Genügsamkeit und Gehorsam Erfrorene Schildtvachen-Tie Kosaken. Die russische Armee ist in ihren Erundzügen nach preußisch-deutschem Musier ausgebildet und organisirt, aber das Mannschaftsmaterial, der Bildungsstand des Offizierkorps, der Volkscharakter grenzen sie zu einem Linieninfanterie im Laufschritt. Ganzen ab, das auch in seiner inneren Eigenart in der Mitte zwischen Westeuropa und Asien steht. Der russische Bauer, der Muschik, der daheim das denkbar kümmerlichste Leben führt, wird erst in seiner Soldatenzeit zum Menschen. Lesen und Schreiben sind der großen Mehrzahl fremde Künste, in deren Geheimnisse sie erst während der vierjährigen Dienstzeit in den Nachmittagsstunden von sechs bis sieben Uhr von den Ossizieren nothdürftig eingeweiht wird. Die russischen Kriegsartikel sind außerordentlich .scharf. Noch besteht die Prügelstrafe, die zwar im Frieden nur über die zweite Klasse des Soldatenstandes verfügt werden darf, im Kriege aber allen Soldaten mit Ausnahme Kosaken, die transsibirische Eisenbahn be wachend. der Inhaber des Georgenkreuzes zudiktirt werden kann. Die anstrengendste Dienstperiode währt alljährlich vom April bis zum August. Felddienstübungen und Ge-, waltmärsche sollen in diesen Monaten den Truppen die höchstmögliche Ertragung von Strapazen und Kriegsbereitschaft anerziehen. Auch sonst verzärielt man den Soldaten nicht. Die Fleischration der Kost, deren Hauptspeisen Schwarzbrot, Kohl und Hülsenfrüchte bilden, ist knapp ausreichend. An Getränken wird Thee und Kwaß, der aus Brotschnitten, Hefe und Rosinen unter dem Zusatz von Wasser, hergestellt wird, geliefert. Die Löhnung des Gemeinen beläuft sich für den ganzen Monat auf etwa 16 Cents. Allen Mühseligkeiten zum Trotz ist Iwan Jwanowitfch." wie der Spitzname des russischen Soldaten lautet, aber guter Dinge, sobald es ihm nur einigermaßen erträglich geht. Im türkischen Kriege 1877, auf 1878 war seine fast ausschließliche Nahrung wochenlang steinharter ZwieRussische Truppen in Mulden. back, mußte er mitten in Schnee und Eis am Balkan kampiren, aber dennoch waren alle Kümmernisse und Unbilden vergessen, wenn nach Erreichung des Marschzieles am Abend eine Bala leika (guitarreartiges Musikinstrument

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mit zwei Saiten) ertönte oder eine Flasche Wodka (Branntwein) von Mund zu Mund ging. Den Befehlen feiner Vorgesetzten folgt der Russe ohne Bedenken, man könnte sagen, automatisch. Mag die Gefahr auch noch so groß sein, auf den gegebenen Befehl geht er vor und stürmt er an, auch wenn selbst ihm es nicht zweifelhaft sein kann, daß allein der sichere Tod feiner wartet. Um die Schanzen von Plewna lagen die Gefallenen kranzförmig. Auf dem Schipkapaß fanden die Ablösungen in der furchtbaren Kälte der Balkanhöhen die Schildwachen Tag für Tag erfroren auf. Gleichwohl traten sie gelassen an die Stelle der Erstarrten, gewiß, in kurzer Zeit ebenfalls von der Kälte überwältigt zu sein. Vielfach überschätzt wird der typischste Theil des russischen Heeres, die Kosaken. Die Kosaien sind ein geborenes Reitervolk. Damit verbinden sich aber ebenso sehr Nachtheile wie Vortheile. Schon in den Befreiungskriegen haben sie die Erwartungen nicht gehalten, die man auf sie gesetzt hatte. Es muß den Kosaken eine erstaunliche Ausdauer, eine außerordentliche BeMöglichkeit jund großes Geschick in der Beunruhigung des Feindes zugestanden werden, aber dafür fehlt ihnen die. geregelte militärische Durchbildung. Abgesehen von der Verfolgung des geschlagenen Feindes ist bei der Feuerwirkung der heutigen Bewaffnung die Hauptaufgabe der Reiterei der Auftlärungsdienst. Es handelt sich hier nicht blos um die Aufspürung des Gegners, sondern mehr noch um die richtige Beurtheilung seiner Stärkeverhältnisse. In diesem äußerst wichtigen Punkte nun versagen die Kosaken überaus leicht. Der Mangel an militärischer Schulung und an Intelligenz verleitet

Festungsartillerie. sie zu falschen Schätzungen der feindliehen Kräfte und demgemäß zur Abstattung von Meldungen, die wegen ihrer Jrrthümlichkeit die Kommandostellen zu sehr verhänznißvollen Schritten veranlassen können. Das öuttcrschnölTn." Ei alter Volksbrauch zur Verkündung des Frühlings in Süd-Tirol. Wenn der Frühling in das Land gezogen ist und Felder und Wiesen zu grünen beginnen, rüstet der Bauer in Süd-Tirol zu einem altenVolksbrauch, dem Vutterschnöll'n." Dieser Brauch bildet die Bekanntmachung, daß nun das Vieh auf die Gemeinde- oder auch die Privatweiden getrieben werden kann. Die jungen Burschen richten sich schon lange vorher ihre Peitschen zum Schnöll'n" (Knallen) zurecht. Ein kurzer, meist aus Zirbelholz gedrehter Stiel, der unten fast armdick ist und sich nach oben verjüngt, tragt eine Peitsche, welche, aus dünnen Stricken geflochten, mit Pech geschmiert ist und eine Länge von 10 bis 13 Fuß hat. Es gehört große Kraft dazu, eine solche Peitsche zu handhaben, und ordentlich ausgeVutterschnöll'n in Tirol. zogen," knallt sie wie ein Stutzen mit scharfer Ladung. Zumeist stellen sich drei, fünf oder auch sieben Burschen zusammen und knallen im Takte. Sie ziehen an Sonntagen aus und knallen mit den Peitschen auf den Wiesen der wohlhabenden Bauern und werden dafür mit Wein und Brot bewirthet. Den Städtern ist dieser Brauch ein Zeichen, daß nun die Grünfütterung" auf den Gehöften allgemein eingeführt ist und in hellen Haufen ziehen sie hinaus, um sich an der Hajenbutter" (halbgeschlagener Sahne) einen verdorbenen Magen anzuessen. Reicher Kindersegen. Der Tapezirer Jsaak Weinberger in Washington. D. C.. ist Vater von drei Zwillingspaaren und einer Garnitur Drillinge. Das letzte Zwillingspaar wurde ihm vor Kurzem geboren. Weinbergers Gattin ist eine kleine zierliche Frau, die nicht mehr als 90 Pfund wiegt; sie ist auch die Mutter der Drillinge, während die anderen beiden Zwillingspaare von Weinbergers erster Frau, der Schwester der jetzigen, stam-men.

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