Indiana Tribüne, Volume 27, Number 197, Indianapolis, Marion County, 11 April 1904 — Page 6

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Europäische Nachrichten.

Frovinz Wrandenöurg. Berlin. Durch Leuchtgas vergiftet hat sich, während ihr Mann in Dienst war, die 25 Jahre alte Frau des Ober - Postassistenten Hahn in der Richthofenstraße 21. Oö.sie die That in einem Anfall von Geistesstörung ausgeführt hat oder ob das AusströkRen des Gases auf eine Unvorsichtigkeit zurückzuführen ist, steht nicht fest. Aeußerliche Gründe zu einem Selbstmord lagen jedoch nicht vor. Einem Unfall erlegen ist der 50 Jahre alte Dienstmann Otto Brinke, der seit 28 Jahren an der Ecke der Friedrichund Besselstraße seinen Stand hatte und in jener Gegend eine bekannte Straßenfigur war. Brinke stürzte vor einiger Zeit in einem Schwindelanfall von der Hinteren Platform eines Straßenbahnwagens während der Fahrt auf das Pflaster und zog sich schwere innere Verletzungen zu, denen er jetzt erlag. Seine verwachsene Nase brachte ihm den Spitznamen NasenOtto" ein. Eine Ehetragödie spielte sich in dem Hause Andreasstraße 70 ab. Der 27 Jahre alte Arbeiter August Sternberg lebte mit seiner Frau uach einer 4jährigen Ehe in Unfrieden, weil er dem Kartenspiel zuneigte und daher zu wenig Geld von seinem Verdienst nach Hause brachte. Nach einem Streit ging die Frau mit ihrem kleinen Kind zu ihren Eltern nach der Kleinen Markusstraße. Als sie die Wohnung in der Andreasstraße wieder besuchen wollte, um etwas zu holen, erhielt sie keinen Einlaß. Nachdem ein Schlosser die Thür geöffnet hatte, fand Frau Sternberg ihren Mann todt im Bett liegend auf. Er hatte sich aus einem Revolver eine Kugel in das Herz geschossen. Von einer Equipage überfahren und sehr schwer verletzt wurde das 7 Jahre alte Söhnchen Georg des Bierverlegers Carl Schieche vor der Thür der elterlichen Wohnung, Wilhelmstraße 113. An der Ecke der Oranienburger und Friedrichstraße lief, die 69 Jahre alte Privatiere Ernestine Cohn gegen einen langsam fahrenden Kohlenwagen, fiel dabei hin und trug schwere Knochenbrüche nn Armen und Beinen davon. In Geistesumnachtung sprang die 31 Jahre alte Ehefrau Hedwig des Lampenarbeiters Graszik aus der Karlsgatenstraße 17 aus dem dritten Stockwerk auf die Straße hinab. Die Lebensmüde zog sich sehr schwere innere und äußere Verletzungen zu. B e l z i g. Dem Oberpfarrer Superintendenten Meyer wurde der Kronenorden 3. Klasse verliehen. Guben. Dem Schlosser Max Krüger wurde die Rettungsmedaille am Bande verliehen. Grunewald bei Berlin. Silberne Hochzeit feierte der bei der hiesigen Gemeinde thätige TelephonBeamte Wilhelm Kleinig mit seiner Ehefrau Auguste, geb. Gröschke, Herbertstraße 2 wohnhaft. Köpenick. Aus Anlaß seiner L5jährigen Zugehörigkeit zur Stadtverordnetenversammlung wurde dem Photographen Hermann Hausmann auf Beschluß der städtischen Behörden eine Adresse überreicht, worin ihm der Dank für seine treue Mitarbeit am Gemeinwesen ausgesprochen wird. Klein - Glienicke. In der Reitbahn des Prinzen Friedrich Leopold hat ein schwerer Unfall sich ereignet. Stallgehilfe Paul Scholz ritt ein besonders muthiges Pferd ein, das sich dabei plötzlich hoch aufbäumte und ihn abwarf. Scholz erlitt dabei, außer anderen schweren Verletzungen, auch einen Oberschenkelbruch und wurde besinnungslos aus der Reitbahn getragen,, um einem Potsdamer Krankenhaus zugeführt zu werden. L i ch t e n b e r g. Ein Opfer seines Berufes wurde der 34jährige alte Dr. med. Max Seeger, Frankfurter Chaussee 28 wohnhaft. Dr. Seeger yatte einen an Gesichts- und Kopfrose Leidenden in Behandlung. Während sich der Zustand des Patienten bald besferte, erkrankte der Arzt, zweifellos infolge Ansteckung an Kopfrose. Die Krankheit nahm bei ihm einen derartigen schweren Verlauf, daß ihr der Vedauernswerthe innerhalb kurzer Zeit erlag. R i x d o r f. Tödtlich verunglückt ist der Bahnhülfs Wächter Tobold aus der Siegfriedstraße, als er eben im Begriff war, die Geleise auf der Strecke zwischen den Stationen Tempelhof und General - Pape - Straße zu überschreiten. Der Bedauernswerthe hatte auf das Herannahen des Personenzuges nicht geachtet; noch ehe es ihm gelang, sich auf ine fre?e Stelle zu flüchten, war er von den Puffern der Lokomotive ergriffen und zu Boden geschleudert worden. Die Verletzung war so schwer, daß der Verunglückte unmittelbar nach dem Unfall starb. gxovixxi Hstpreußen. Königsberg. Das Fest der Diamant - Hochzeit beging , der Gerichtsvollzieher a. D. Drinkmann mit seiner Gattin. DaS Jubelpaar, welches sich noch großer geistiger und körperlicher Frische erfreut, steht i. 83. Lebensjahre. Die Wiedereinsegnung vollzog Pfarrer Henkel, der auch die vom Kaiser verliehene Ehejubiläumsmedaille sowie Namens des GemeindeKirchenraths eine Jubelbibel überreichte. A l t h o f (Allenstein). Dem Instmann Lesczinski und dem Kuttermei

irer Vollmann wurde das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen. Groß-Schiemanen. Verunglückt ist der 15jährige Sohn des Besitzers Bialluch von hier. Infolge der großen Glätte auf der Chaussee gerieth der Wagen, auf dem der Verunglückte saß, in's Schleudern, wobei der Knabe so unglücklich fiel, daß ihm ver Wagen über die Brufl ging. A Verletzungen das Kreuz und mehrere Rippen sind gebrochen sind so schwer, daß der Bedauernswerthe schwerlich mit dem Leben davonkommen dürfte. , Klein -Wronnen. Auf der Südbahnstrecke bei Mertenheim wurde der hiesige Besitzer Hermann vom Personenzuge überfahren und getödtet. Lyck. In dem Distanzritt der Cavallerieofficiere des I. Armeecorps hat in diesem ebenso wie in den vorigen Jahren Leutnant Freiherr Wolff von und zu Todenwarth vom hiesigen Ulanenregiment No. 8 den Kaiserpreis erhalten, der somit in feinen Besitz übergeht. Der Reiter legte die Entfernung von 159 Kilometer in 13 Stunden 10 Minuten zurück. Bei seiner Ankunft am Ziele wurde sein Pferd von der Commission als besonders frisch" beurtheilt. Lengainen. Dem emeritirten Hauptlehrer Blaschy wurde der Adler der Inhaber des Hausordens von Hohenzollern verliehen. S e e m e n (O st e r o d e). Dem herrschaftlichen Kutscher Mix wurde das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen. Provinz Westpreußen D an zig. Das hiesige Schwurgericht verurtheilte den wegen ähnlicher Verbrechen schon mehrmals bestraften Arbeiter Michael Petrowski wegen Verbrechens wider die Sittlichkeit in zwei Fällen zu 15 Jahren Zuchthaus. Er hatte im vorigen Jahre in der Nähe von Stutthof ein Mädchen und eine Frau überfallen und vergewaltigt. Fleischermeister Bachstach aus Petershagen hat sich aus Lebensüberdruß in der Nähe der Krähenschanze durch drei Revolverschüsse getödtet; außerdem hatte er sich mit einem Messer einen Stich in der Nähe des Herzens beigebracht. Flatow. Ein Unglücksfall ereignete sich auf dem Gute Bergelau. Die Arbeiterin Caroline Rhensius gerieth beim Dreschen mit dem Roßwerk durch Unvorsichtigkeit mit den Kleidern in die Kurbeln der Welle; sie wurde mehreremal mitgeschleudert und so schwer verwundet, daß sie starb. , G r a u d e n z. Sein 25jähriges Jubiläum als Jnnungsmeister feierte Bäckermeister Hermann Pegen. Dre Innung ehrte den Jubilar durch Ueberreichung eines Diploms und eines werthvollen Kaffee- und Thee - Services. K o n i tz. Hier tödtete sich der 63iäöriae Arbeiter Paul Sczipprit in seiner Wohnung, indem er ncü mu dem Rasirmesser den Hals durchschnitt. Der That war ein häuslicher Zwist vorausgegangen. Sczipprit hatte die Feldzüge 1866 und 1870 71 mitgemacht. ' . L a n d e ck. Der Kaiser hat dem hiesigen Kriegerverein aus Anlaß seims 25jährigen Bestehens ein Fahnenband verliehen, welches in feierlicher Weise an der Vereinsfahne befestigt wurde. Mewe. Dem Rentier Papendick'schen Ehepaar wurde aus Anlaß der goldenen Hochzeit die Ehejubiläumsmedaille verliehen. , r P e l p l i n. In emcm Gasthause zechten Erntearbeiter aus Gemauerten Krug mit dem Arbeiter Nicklewski aus Pehsken, begleiteten ihn eine Strecke, lockten ihn dann unter einem Vorwand in der Nähe der katholischen Schule zu Osterwitt von der Chaussee unter eme Brücke und bearbeiteten ihn dort mit Messern und Latten, um ihm sein volles Portemonnaie zu rauben. Dies gelang ihnen aber nicht, da sie bei ihrer That gestört wurden. Nicklewski wurde in das hiesige Krankenhaus gebracht, wo er gestorben ist. Riesenburg. Des Schneidermeistcr Teßmer'sche Ehepaar in Gr.Rohdau feierte das Fest der goldenen Hochzeit. Dem Ehepaar wurde em Geschenk des Kaisers im Betrage von 30 Mark überreicht. Außerdem hat der Kriegerverein, dessen Mitglied Herr Teßmer ist, dem Jubilar ein Kaiserbild und seiner Ehefrau einen goldenen Kranz gespendet. Z a k r z e w o. (Flatow). An dem hiesigen Bahnwärter Gerth wurde von ein-m Unbekannten mit einer Axt ein Mordversuch verübt. Frau Gerth hat das Schreien ihres Mannes, als dieser die Schläge mit der Axt erhielt, in der Stube gehört. Gleich darauf kam der Mordgeselle auch schon die Treppe nach dem Bahnwärterhäuschen herauf. Nachdem er die Axt der Tochter des Gerth abgegeben, stand er wie in Gedanken versunken. In diesem Augenblick winkte auch der schwer verwundete Bahnwärter heran. Als der Mörder seines Opfers ansichtig wurde, ergriff er. die Flucht nach dem nahen Walde. Zfrovinz sommern. Stettin. Dem Pastor emer. Thilo zu Berlinchen im Kreise Soldin. bisher zu Alt - Krakow im Kreise Schlawe, und dem Kirchenältesten Kanzleirath zu Bahn Paul im Kreise pwifaifiaaen. wurde der Rotbe Adleroröen vierter Klasse, dem 'Geheimen Kommerzienrath Schlutow zu Stettin der Stern zum Kronenorden zweiter Klasse, dem Direktor der Stettiner

Maschinenbauaktiengesellschaft Vultan" Baurath Zimmermann zu Stet tin der Kronenorden dritter Klasse, dem Kirchenältesten und PatronatsVertreter Johow zu Schlemmin im Kreise Franzburg, dem Bureauvorsteher Holldorf, dem Ingenieur Schlllter, dem Betriebsingenieur Venzlaff, sämmtlich zu Stettin, der Kronenorden vierter Klasse. Anklam. Der Organist an der St. Nicolaikirche Heinrich Stange wurde, als er letztens zu Beginn des Vormittags - Gottesdienstes sich auf dem Chor der Kirche befand und gerade zu spielen beginnen wollte, vom Schlage gelähmt und sank zur Seite. Er wurde sofort in seine Wohnung gebracht und verstarb dort nach kurzer Zeit. Die in der Kirche anwesende Gemeinde hatte kaum etwas von dem traurigen Vorfalle bemerkt, da ein anwesender Seminarist das Orgelspiel übernahm. Stange war mehr als 30 Jahre Organist an der St. NicolaiKirche. B e l g a r d. Während der Arbeiter Glasenapp in Gloetzin auf einem beladenen Hcuwagen'eine Kette anzog, riß die letztere und Glasenapp stürzte infolge dessen rücklings von oben herab auf die Erde. Hierbei erlitt er einen Bruch der Wirbelsäule. ' Die untere Körperhälfte ist gelähmt. Auch trug der Verunglückte innere Verletzungen davon. Es erfolgte die Ueberführung des Verunglückten in das Polziner Krankenhaus. Mittel gegen Hausschwamm. Zwei Pfund gewöhnliches Salz und 3 Unzen gepulverte Borsäure werden innig gemischt und in 5 Quart Wasser gelöst. Mit dieser noch heißen Lösung werden alle zu schützenden oder bereits infizirten Holztheile mittels eines Pinsels oder Schwammcs, oder in Höhlungen mittels einer kleinen Spritze in Zwischenräumen bon einigen Tagen zweimal befeuchtet. In feuchten Kellern kann die Luft auselbem durch Einlegen von unelöschten, Kalk getrocknet werden. Nachdem sie infolge uoermäßigen Springens über einen Strick zwei Tage lang bewußtlos gewesen, erlangte die neunjährige Gertruds Slater in Wilkesbarre, Pa.. das Bewußtsein wieder. Die Aerzte fanden, daß das Herz des kleinen Mädchens durch die enorme Aufblähung derLungen zwei Zoll aus seinerLage gedrängt worden war. Die Kleine hatte alle ihre Mitspielerinnen im Springen übertroffen und dann das Springen noch fortgesetzt, bis ste bewußtlos zu Boden stürzte. Kürzlich entnahm ein Fremder aus einem Leihstall in Crookston, Minn., einGespann Pferde und Fuhrwerk für eine kurze Fahrt auf's Land, er kam aber nicht wieder. Man verfolgte die Spuren bis an die White Earth Indianer - Reservation, wo sie verloren ging. Auf ebenso geheimnißvolle Weise verloren viele Ansiedler in einer weiten Umgebung werthvolle Pferde, und man glaubt. jetzt, daß auf der Reservation eine organisirteVande Pferdediebe existirt. Die IndianerPolizei will nichts Verdächtiges bemerkt haben, aber man will jetztBelohnungen aussetzen, den Räubern auf die Spur zu kommen. Ein neuesBoot zurBeförderung von Einwanderern von El lis Island nach der Stadt New York wird demnächst an Stelle des sehr mangelhaften bisherigen treten. In Wilmington in Delaware gebaut und dieser Tage vom Stapel gelassen, soll es nächstens in Dienst gestellt werden. Das Fahrzeug hat zwei Schrauben, ist 160 Fuß lang. 45 Fuß breit und 15 Fuß tief und besitzt zwei Decks. Das untere Deck ist für Einwanderer und ihr Gepäck bestimmt, das obere Deck hat eine Kabine für die Angestellten und eine Privatkabine für den Commissär. Durch einen besonderen Anstrich wird dieses Ellis Jsland-Boot leicht von allen anderen Booten zu unterscheiden sein. Der obere Theil wird gelb, der untere dunkelroth und der Mitteltheil dunkelgrün angestrichen werden, der Rauchfang unten lohfarbig und oben schwarz. Aufregend und zugleich interessant gestaltete sich eine 'Vorfiellung, welche kürzlich in einer MusikHalle an W. 125. Straße in New York stattfand. Es wurde auf der Bühne mit flüssiger Luft experimentirt. und dabei fiel eine kleine Alkohol-Lampe um und setzte die Tischdecke und den Teppich unter dem Tisch in Brand. Das Publikum war im Nu auf den Beinen und viele Frauen schickten sich an, den Saal zu verlassen. Die Theater -Angestellten aber forderten das Publikum auf, sitzen zu bleiben, da der kleine Unfall nichts zu bedeuten habe, und der Bühnen - Inspektor ließ sofort den Asbest - Vorhang herunterlassen. Als alle wieder Platz genommen hatten, ging der Vorhang wieder auf, obwohl das Feuer noch brannte, und der Inspektor und ein Feuerwehrmann standen dabei mit chemischen Feuer lösch - Apparaten in den Händen. Meine Herren und Damen," sagte Ersterer, wir wünschen Ihnen zu zeigen, wie leicht es ist, ein kleines Feuer, wie dies, zu löschen." Beide spritzten und aus gingen die Flammen. Dann fuhr der Inspektor fort: Sie sehen, wie leicht es ist, der Flammen Herr zu werden, wenn man den Kopf nicht verliert. Währen Sie ohne Grund hinausgestllrzt, so wären Sie vielleicht un nöthigerweise verletzt worden."

Die grundlose Heirath. Non The von Rom. Weshalb wir uns eigentlich geheirathet hatten, Freda und ich? Diese Frage pflegten all' unsere Bekannten zu stellen, wenn sie einmal bei uns zu Gast gewesen. Vielleicht hätten wir antworten sollen: Aus Liebe! Aber das war eine zu offenkundige Unwahrheit, jeder sah doch, daß wir keine halbe Stunde zusammen sein konnten, ohne uns zu zanken. Ich erinnere mich, daß Freda mir am Hochzeitsmorgen sagte, ich sei eigentlich selbst für einen Mann zu häßlich, sie müsse sich meiner schämen, worauf ich gekränkt meinte, sie könne ihrem Schöpfer danken, daß sie überHaupt einen Mann bekäme. Eine Geldheirath konnten wir uns auch nicht vorwerfen, da unsere beiderfertigen Kapitalien kaum taufend Mark betrugen und die spärliche Einrichtung auf Abzahlung gekauft war und weder Name" noch Stellung" waren derart, daß sie uns gereizt hatten. Ja, nachdem unsere Freunde uns nach vielen Fragen von der absoluten Grundlosigkeit unserer Ehe überzeugt hatten, quälten wir uns gegenseitig darob. Heinz, ich brauche ein neues Kleid, wenn ich nicht h la Eva herumlaufen soll. Wenn du mich nun einmal geheirathest hast, so mußt du auch für mich sorgen." Freda, wenn ich auch nicht begreife, weshalb du eigentlich meine Frau geworden bist, so möchte ich dich doch aufmerksam machen, daß jeder Ehemann angenähte Hemdknöpfe und anständige Mahlzeiten braucht!" Wirklich? Ich dachte, die Kost richte sich nach Arbeit und Verdienst." Damit kitzelte sie mich an meiner Achillesferse: ich bin nämlich Schrift steller Gelegenheitsdichter" nennt es Freda und meine Hauptthätigkeit besteht darin, meine Manuskripte ein- und nach der treulichen Rückkehr wieder auszupacken. Das verschlingt unheimliche Mengen von Zeit. Porto. Bindfaden, Siegellack und Geduld. Aber alle die lachenden Hoffnungen, die ich jedesmal mit in's Packet fchnüre, kehren stets wieder zurück und schmiegen sich lvillig unter die neue Adresse. Und meine Gedanken suchen und empfangen täglich neue Nahrung und klimmen über den Wust der höflichen Ablehnungsschreiben hinauf zum Parnaß. Das materielle Leben bestreitet der schnöde Sold, den ich von einem empörend reichen Mäcen erhalte, damit ich täglich von 9 bis 1 Uhr seine Kunstsammlungen beaufsichtige und Fremden erkläre, sowie Freda's Gehalt von der Kleinkinderschule. Da sind deine Musenkinder wieder," sagte meine Frau eines Mittags und händigte mir mehrere ansehnliche Packete aus. Du solltest doch deine schöne Handschrift nutzbringender ver werthen." Ich verkniff die Antwort und las während des Essens die netten, gedruckten Bedauernsphrasen der Redaktionen seit wir uns der Grundlosigkeit unserer Heirath bewußt geworden, lasen wir immer bei Tisch. Plötzlich schrie ich so laut auf, daß Freda ihren englischen Roman in den Suppenteller fallen ließ. Freda ich glaube du mußt nach dem Arzt schicken, meine Augen haben Halluzinationen!" Sie nahm mir den Brief aus der Hand: O ich gratulire! Die Neueste Monatsleuchte hat deinen Artikel über die Landgräfin Amalie von Hessen-Kassel angenommen und fragt, ob du mit fünfzig Mark Honorar zufrieden bist! Fünfzig Mark ein aanzes Monatsgehalt!" Sie sah mich kopfschüttelnd an. Das hätte icb dir nie zugetraut, Heinz! Wenn du so viel verdienst, kann ich meine Stellung endlich aufgeben." Was?! Deine Stellung fünfhundert Mark jährlich aufgeben?! Du willst uns wohl ruiniren?" . Der Mann muß die Frau ernähren!" Dann muß die Frau auch darnach sein!" Das frage ich mich auch!" .Wohl nur, weil ich eine feste Stellung habe und du dafür faulenzen wolltest?" So?" An dieser Beschuldigung erstickte ich beinahe. So! Ein Mann, der mit einer einzigen Nachmittags -Arbeit 50 Mark zu verdienen im Stande ist, soll deine lumpigen 500 Mark brauchen? Ich verzichte überhaupt ganz auf dich und deine Thätigkeit!" Gut," sagte Freda und stand auf, das ist deiner würdig. Nun du Geld genug hast, setzest du mich auf bie Straße. Ich gehe adieu!" Eine Viertelstunde später kam sie in Hut und Mantel, eine Reisetasche in der Hand, und holte sich auf dem Sekretär ihr Portemonnaie. Daß du's weißt die Miethe ist gerade bis morgen bezahlt. Da liegt die Quittung. Du kannst ja nun die Wohnung allem für dich behalten." Ich danke!" rief ich ärgerlich. Mach' du hier, was 'du willst. Ich suche mir sofort wieder ein verständiges edarndre ganiie, wo mich keine Weiberlaunen plagen!" Und da sie mit eimm Knall die Thür schloß, warf

ich voll Wuth die Fleischschüssel zu Boden und raste nach Hut und Stock. Meine kostbaren Papiere nahm ich mit, setzte mich in ein Kaffeehaus und , schrieb gleich Antwort. Als der Brief besorgt war, fiel mir em, daß ich noch die alte Adresse angegeben hatte freilich, ich mußte erst eine neue suchen. So schlenderte ich die Straßen entlang und theilte mein Interesse zwischen Wohnungsschildern und Motive" -Jagen. Es war ein dunkler, herber Vorfrühlingstag, die Lenzstürme sausten um die Häusergipfel und peitschten die fröstelnden Bäume der Großstadtanlagen, welche schon dicke, braune Knospen zeigten. Eine frühe Nebeldämmerung sank herab und hüllte die hoffnnnFbebende, sehnsüchtige Erde in 'graue Schleier, durch welche die Gaslaternen wie Glühwürmchen' zitterten. Eine sonderbare Wehmuth umfing mich. Ich stand vor einem kleinen, leeren Ladenfenster, welches zur Reinigung ausgeräumt schien, und starrte in den halb-, dunklen Verkaufsraum. Der zeigtx im Hintergrund eine Thüröffnung ' nach einem helleren Zimmerchen das nun gerade wie ein Bildchen im dunklen Rahmen aussah. Da saßen an einem runden Wachstuchtisch ein paar friedliche Menschen. Vater. Mutter und Kind, beim Abendbrot. Die kleine Petroleumlampe warf wohl keinen strahlenden Schein, aber die frohe Zufriedenheit in den freundlichen Augen der Familie blendete mich. Ich weinte. Wie ich die drei Treppen zu unserer Wohnung hinaufkam, weiß ich nicht mehr nur. daß ich leise öffnete und scheu das Zelt unserer häuslichen Stürme betrat. Und ach von einem Kerzenstümpfchen beleuchtet, lag Freda auf dem noch unbezahlten Velvetteppich und bethaute die zerbrochene Fleischschüssel mit bitteren Thränen. Ja, und dann umarmten wir uns. Ich wußte plötzlich, weshalb wir uns eigentlich geheirathet hatten die arme, elternlose Kleinkinderschullehrerin Freda und ich. der einsame Träumer". Die Sehnsucht nach einem ge müthlichen Nestchen hatte uns einan.der in die willigen Arme getrieben, während die im Frost des harten Lebens erstarrten Herzen noch nicht aufgethaut waren. Nun wir den Grund unserer Heirath wissen, hindert uns eigentlich nichts mehr, glücklich zu sein," meinte ich nachdenklich, als wir an dem schnell gesäuberten Tisch saßen und der Theekessel auf dem Ofen summte. Wenn sich all' unsere Liebe auf dies kleine, bescherdene Heim concentrirt, muß es

doch schließlich so erfüllt davon jeien. daß noch genug für uns selbst abfällt bei der Kleinheit der Räume!" Da gab mir Freda einen Kuß und versicherte, ich sähe eben beinahe hübsch, aus. sie wolle versuchen, zuerst mich zu lieben und dann die Wohnung. So sind wir auf dem besten Weg, Krösusse zu werden wenn auch nicht an Geldeswerth (denn die Neueste Monatsleuchte ist eingegangen, ohne mich zu bezahlen, und ich habe eine Reporterstelle angenommen), aber an Liebe! Denn davon entdeckten wir plötzlich solchen Ueberfluß in uns, daß sie gemiß für eine ganze Familie reichen nnrd! Ein Pantoffelheld vor Gericht. Ueber eine vor dem Bezirksgericht Mieden in Wien stattgehabte Verhandlung wird berichtet: Richter (zum Justizwachmanne): Rufen Sie das Ehepaar Martin und Hedwig W." Die Frau tritt zuerst ein, mit ener gischem Schritte; er ängstlich dicht hinter ihr. Richter (zum Manne): Geben Sie Ihre Generalien ab!" Die Frau: Er ist im Jahre 1857 geboren, nach Wien zuständig!" Richter: So lassen Sie doch Ihren Mann reden! (Zum Mann): Sind Sie schon einmal vorbestraft?" Die Frau (energisch): Nein!" Richter: So lassen S' doch Ihren Mann reden!" Der Mann aber scheint die Sprache verloren zu haben. Zerknirscht, als wäre es eine Gardinenpredigt, hört er die Anklage an, die ihm zur Last legt, er habe seine Frau nach einem Wortstierte zu Bo 'n g-worfen, mit Füßen getreten . '.d m ßhandelt. Angekl.: Bitt', Herr Richter, ich hab's lang' ausg'halten, bin stad (still) g'wesen; aber endlich is mir die Geduld gerissen. Ich Hab's g'haut. (Wehmllthic" er so net, das is ehnder übertrieben." Richter: Wissen Sie, daß das eine Rohheit ist? Nicht einmal einen Hund behandelt man so, viel weniger seine angetraute Frau!" Die Frau erklärt dann, indem sie dem Manne einen strengen Blick zu wirft, ihm diesmal noch verzeihen zu wollen. Sie entschlägt sich der Zeugenaussage, und ermöglicht so den Freispruch deS Angeklagten. Richter (zu dem Manne): Aber ich warne Sie! Für diesmal geb' ich Ihnen nur einen Verweis." Der Mann (sich linkisch verbengend): Danke, bitte, ich werd's nicht mehr thun." Und die Frau wirft ihm im Hinausgehen einen Blick zu: .Ich möcht's Dir auch nicht rathen!"