Indiana Tribüne, Volume 27, Number 194, Indianapolis, Marion County, 7 April 1904 — Page 7

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Roman von Eufemia v. Adlersseld-Ballestrem. Fortsetzung. Beatrix hat diese Einladung sofort mit der ihr eigenen stürmischen Art an genommen und mit der Gräfin sofort eine Liste der Kleider entworfen, die sie brauchen würde. Von mir war dabei absolut nicht die Rede, weder von der einen noch von der anderen Seite, und in der That bin ich ja auch überflüssig, wenn Beatrix in die Stelle der Tochter des Hauses bei den Rablonowskis einrückt. Lange würde sie dort doch nicht bleiben, denn solche Goldfische bleiben nicht ungefangen. Nun also, wenn ich auch fo blitzdumm wäre, dieses dritte Zeichen mißzuverstehen oder zu übersehen: es kommt noch dazu, daß Justizrath Klaus mir nicht traut. Der schlaue Fuchs thut zwar, als wäre er ganz begeistert von mir und er war's auch, als er mich für die Erbin seines Clienten Zell engagirte. Seitdem hat er, ich weiß nicht was, erfahren, jedenfalls unsere Verwandtschaft, mein lieber Max. Nun, er ist eben ein Paar Tage hier gewesen und heut' abgereist. Ein Haus, das hier gebaut wird für die Angestellten als Kindergarten, Nähschule oder Spital, was weiß ich, um dem Götzen Humanitätsdusel zu opfern, war der Grund oder Vorwand für des Justizraths Besuch, aus dem Beatrix ein wahres Bacchanal an Wein- und Speiseopfern machte. Im Uebrigen lag er mir ob. wir sprachen über Politik und Literatur und spielten Pikett miteinander und ich mußte allzeit auf dem qui vive" sein, um mich nicht durch fabelhaft geschickt geflochtene Fragen, auch nach dir, überrumpeln zu lassen. Objectiv betrachtet, war es ein höchst amüsantes Spiel, fubjectiv hat es mich angegriffen. Die Summe, die ich aus diesem Besuch gezogen, ist Folgendes: Der Justizrath ist ganz einverstanden mit der Idee, Beatrix von den Rablonowskis im Winter ausfllhren zu lassen, und auch er überging in dem Arrangement meine werthe Person. Ferner unterstützte er mit Nachdruck eine Einladung der Tante Aebtissin nach der Abtei für den ganzen Sommer! Zum Glück kann die Tante Aebtissin aber erst im August abkommen, und bis zu dieser Zeit ist auch der Justizrath kalt gestellt durch seine Kur in Karlsbad und die Nachkur in Tirol. Unser ist also diese Zeit und kurz wie sie ist, müssen wir Alles aus ihr zu machen suchen. Hans Truchseß hat die Handwerker im Hause, die das Oberste zu unterst kehren zum Empfang der jungen Frau. Er hat also mit seiner Landwirthschaft und seinen Bräutigamsbesuchen alle Hände voll zu thun und ist beschäftigt genug, um uns verhältnißmäßig in Ruhe zu lassen. Das alte Fossil hier im Hause, der Pater Müller, zählt nicht mit. Insoweit ist also die Bahn frei und du kannst sofort abreisen, aber ich darf dir nicht verhehlen, daß gam unerwartet, unberechnet und auch unberechenbar eine Complikation eingetreten ist, eine Gefahr für unsere Pläne, so drohend, so niederdrückend, daß ich eigentlich sagen müßte: Bleib', wo du bist, du hast keine Chance! Aber ich vertraue nicht allein auf meine Gabe der Intrigue, wo eine solche eingefädelt werden muß, und auf dein altes Renommee als la'dy-killer, ich sage auch: va banque. Entweder wir verlieren oder wir gewinnen, aber das Letztere ist unmöglich, wenn wir keinen Muth haben. Also: in Weißenrode bei Rablonowskis trifft morgen früh Seine Gnaden der Herzog v. Lom Lomond, der Neffe der Gräfin, zum Besuch ein und wir sind zum Diner dahin eingeladen! Rablonowskis waren gestern hier zum Thee und brachten selbst die große Neuigkeit und ihre Einladung und ein Blick, den die Gräfin dabei auf Beatrix warf, die, seitdem sie in den Händen einer Kam merjungfer meiner Wahl ist, so gut aussieht, daß sie sogar in Berlin auffallen würde, belehrte mich, daß man da Pläne hat, die blendend genug sind, um einem so jungen Wesen in den Kopf zu steigen. Die A.s hatten vielfache Verbindungen mit der englischen Socicty und von ihnen weiß ich, daß sich durch die lange Minorennität des jetzi- . gen Herzogs von Lom Lomond die vurs seinen Vater stark rrütteten Z?inanzen des Hauses Dunroß wieder ganz geordnet haben, so datz m ustx bindung mit dem Titel, einem der älte sten Namen Scbottlands. einem bisto riscken Scklok in den Socklanden und einem mit Kunstschätzen angefüllten Palast in London, diverser Jagdschlößchen oder shootingboxes nicht zu aedenken. der nunn!kbriae Herzog zu den besten Partien" zahlt. (Sin engllscher Herzog, wenn er aucy nicyr regiert, ist in den Augen junger und alter Mädcken immerbin schwerer im Gewicht, als ein simpler deutscher Edelmann, und die Magnaten von tenfeiis des Canals baben ein solch' romantisches Prestige durch den historischen Hintergrund lyrer aitm vca men ex Ki. Nablonowskis yi wit wv " ' ' ' schneiten die Leute von Freienwald t.i r. Vt Sni Oitmmel ijiuxm vi, tv h 'v . von Volontären, Alle in ein Break im iSnmnurhrnn sftflS GeNllZ WVillUlllflUllv yvww. i der Gräfin und ihrer Tochter, als d Braussion auf dem Söller, wo wir den

Thee einnahmen, erschien war zum Malen, sage ich dir. Beatrix war natürlick aanz au Sause mit diesen Leu-

ten; die würde mit Steinklopfern ?u Sause sein! ?ibt verscblua es nichts. daß der lange Tölpel, dieser . junge Rindig, einen Korbtisch mit Allem, toc.8 darauf war, umwarf und dann aus Verlegenheit so viel Kuchen aß. daß es beangstrgend zu leyen war; ne encouragirte diese vulgäre Frau Richter in der Mittbeiluna von Kochrecepten an die ganz theilnahmlose Phroso; es amüsirte sie sichtlich, daß Herr vtxq ter sofort mit dem Grafen einen landwirtbsckaftlichen Streit anfing und dabei so brüllte, daß die Tassen auf dem Tische klirrten; sie liefe den Äffen, den jungen Syrop, den angenehmen Scbwerenötber spielen, ohne ihn in seine Grenzen zu weisen, und inzwischen fand der junge Rheinftld nichts Besseres zu thun, als den Dackel zu necken, bis dieser wüthend auf ihn einfuhr und ihm seine Beinfutterale zerriß. Das ist Ihnen ganz recht," sagte Beatrix, aber da der Dackel weucr knurrte und kläffte, so klingelte sie und saate. nein schrie dem berbeieilenden Diener zu: Schmeißen Sie mal Seine Excellenz 'naus und sperren feie :yn ordentlich ein!" Die Vause. die auf diesen Befehl entstand, war nicht frei von allgemeiner Beklemmung und als der D:ener mit dem Dackel abgegangen war, lagte ver Graf langsam und steif: Wie heißt der Hund, wenn ich mir die Frage erlauben darf?" Veatrir war alübend roth geworden. als das Wort ihren Lippen entflohen war. und batte sich zum Ueberfluß noch auf den Mund geschlagen; das kommt davon, wenn man den Hunden solcke Namen aibt! 3um ersten Male hätte ihr das Mundwerk hier sicher versagt, aber es entstand ihr ein Retter m der Noth, denn ehe sie noch etwas stottern, ek ick mich noch auf etwas Passendes oder Unpassendes besinnen konnte, sagte der junge Rindig irnt der größten Seelenruhe: ?emex heißt er, Herr Graf. Ich nehme an, daß der Oberförster damit irgend einen griechischen Helden unverkennbar verhunzt hat." Dan Veatrir ibren Retter nicht umarmt hat, halte ich für eine Art von Wunder: sie warf ibm nur einen Blick zu, der mit ihrem Munde um die Wette lachte, und reichte chm den vollsten Kuchenteller. Der Graf war aber, wie die anderen Ahnungslosen wohl auch. ganz überzeugt. Seinex so, so, Seinex!" sagte er. Sicherlich irgend ein verballhornter griechischer Name. Mein Diener nannte meinen Pollux auch immer Pullochs. Es war chm mcht auszureden. Ich hatte wahrhaftig verstanden, der Hund hieße Seine Excellenz". Wie leicht man sich doch verhören kann!" So, diese kleine Episode zu deiner Erheiterung und um dir zu zeigen, daß ich unsere Lage trotz der Gefahr von Weißenrode her nicht für direct hoffnungslos halte. Aber, wir müssen die Zeit nützen, wo der Justizrath im Bade und Tante Aebtissin noch nicht abkömmlich ist. Und, was die Hauptfache ist, wir müssen sie mit ruhigem Blut und klarer Ueberlegung nützen und uns auch nicht eine, nicht die ge ringste Chance entschlüpfen lassen. Denn, lieber Max, daß ich es ohne Umschweife sage: hier liegt unsere letzte Hoffnung. Der Hundertmarkschein, den ich diesen Zeilen beilege, .ist der Rest meiner kleinen Ersparnisse. Ich besitze nichts mehr, als mein Gehalt für einen Monat, das der Rentmeister mir gestern auszahlte. Die Brillanten in meinen Ringen dem einzigen Schmuck, den ich trage sind keine echten mehr; die habe ich 'vor sechs Wochen in Berlin verkauft und durch Simili ersetzen lassen, als du deiner letzten Chance wegen nach Bayern reisen wolltest. Credit, um für dich Geld zu leihen, habe ich nicht. - Das ist in dürren Worten unsere Lage. Was wir also auf die eine Karte setzen, ist alles oder nichts. Gewinnen wir, dann ist Alles gut, und das sage ich nicht leichtsinnig hin, denn den reichen Herrn v. Graßmann wird die Gesellschaft schnell genug wieder acceptiren, darum ist keine Sorge, aber wie und was, wenn wir verlieren? Der Gedanke, daß unser Schicksal, deine Zukunft in den Händen dieses Mädchens liegt, könnte mir die Besinnung rauben, und wenn sie mich ansieht, mit ihren Zell'schen Augen, möchte ich meine Hände um ihren Huls legen und sie kalten Blutes erdrosseln. Manchmal denke ich, daß ich mir zu viel zugemuthet, hierher zu kommen, und nur der Gedanke, daß ich's für dich that. Max. bringt mich über das Unmögliche hinweg. Meine Zimmer, die Zimmer meiner Schwester, sind noch voll von dem schweren Chypredufte. den sie auf meinen Rath um sich verbreitete, weil Rudolf Zell ihn verabscheute, und dieser Duft, der mich manchmal toll machen möchte, ist mein Stimulans. Mit schimpf und Schande hat Rudolf Zell mich aus seinem au e gemgt und mix noch seine Groß muth vorgehalten, daß er mich dem Staatsanwalt nicht übergeben, wegen seines Namenszuges auf einem gewissen Papier, den er zwar. nicht geschrieben, aber aus Familienrücksichten" anerkannt. Als die bezahlte Ehren dame seiner Erbin bin ich hierher zurückgekehrt mit der festen Absicht, als Königinmutter" nicht zu den Füßen des Thrones, sondern neben demselben

zu stehen und ich dachte es mir so leicht, dahin zu gelangen über ein junges, unerfahrenes Gänschen . hinweg, das von Rechts wegen Wachs sein müßte ' in meinen geschickten Händen. Ich war sogar geneigt, dies Gänschen

zu lieben soweit sich davon reden läßt trotzdem es Zell'sches Blut in den Adern hat. Es gibt wirklich kern harmloseres Wesen als diese Beatrix Dornberg, aber es muß dieser Tropfen Zell'fchen Blutes in ihren Adern gewesen sein, der sich instinktiv gegen Mich kehrte. Das ist ja naturlich Unsinn, denn die wahre Ursache ist die, daß ich unter falschen Voraussetzungen handelte, indem ich Beatrix unter dem Begriff junges Mädchen" aus der Schablone wähnte. Nein, sie hat nichts Schablonenhaftes; sie ist auch nicht schlecht, sondern einfach gar nicht erzogen! Aber es liegt etwas m ihr man fühlt das, wenn sie Geige spielt doch kann man nicht sagen, was es ist; es liegt noch wie ein Schleier darüber. Eins ist sicher: sie wird alle Tage hübscher in angemessener Toilette, deren Schnitt Chic hat mein Verdienst." Am dritten Tage war's, nachdem dieser lange Brief geschrieben und abgesendet worden war, ein schwüler. wonenoedeckter, fruchtbarer Tag rn der Mitte des Juni, ein Tag, erfüllt vom Dufte der Rosen und des Goldlacks, der, von der schweren Atmosphäre medergedrückt, betäubend und nervenaufregend zu gleicher Zeit, in schweren Wogen durch die offenen Fenster und Thuren der Abter eindrang. Schon seit dem Morgen hatte die Gewitterluft niederdrückend für Menschen und Thiere über der Gegend gelegen, um Mittag hatte es in der Ferne gegrollt, aber weder Regen noch Gewitter hatten die erhoffte Kühlung und Erleichterung gebracht. Auf der niedrigen Freitreppe vor der Eingangshalle stand Trix am Nachmittage, so gegen vier Uhr, im weißen Batistkleide, und sah einem Besuche nach, der langst schon nicht mehr zu sehen war Phroso und ihrem Cousin Angus Dunroß, Herzog v. Lom Lomond, die, der drückenden Schwüle ungeachtet, zusammen von Weißenrode herüber geritten waren, um der Herrin von Frauensee einen Besuch zu machen. Die schlanke, weiße Gestalt Phrosos an der Seite des hochaufgeschossenen, noch recht knabenhaft aussehenden schottischen Magnaten, war den Blicken in dem Augenblick entschwunden, als Beide durch den tunnelartigen Thorweg unter dem südlichen Thurm geritten waren dennoch stand Trix und sah ihren Gästen nach, die etwa eine halbe Stunde bei ihr in der kühleü Halle geweilt, sah ihnen nach, auf demselben Flecke stehend, wie angewurzelt, mit einem eigenen, halb erschrockenen, halb verwunderten Ausdruck in den Augen und einem Gesichte, in dem das Lachen plötzlich erstarrt schien durch das Dazwischentreten anderer Eindrücke. Trix war eine harmlose Seele, der jeder Arg und jeder Argwohn so fern lag, wie der Mond der Erde, aber es gibt Dinge, die man eben nicht umhin kann, zu sehen. Und sie hatte eine ganz fremde, ganz andere Phroso gesehen als die, welche sie kannte kühl bis an's Herz hinan , apathisch, apart, blasirt und nur dann zur Heftigkeit aeneigt, wenn die Dinge nicht ihren Begriffen von Comfort für ihr eigenes, souveränes Ich entsprachen. Schon vorgestern bei dem Diner in Weißenrode zu Ehren der Anrunst des Her zogs hatte die arglose Trix lachend bemerkt: Phroso mußte heut' entschieden mit dem rechten Fuße zuerst das Bett verlassen haben, weil sie so allgemein gnädig sei," aber heute war das noch ganz anders gewesen. Das war eine strahlende Phroso, aus deren leuchtenden Augen der Ausdruck gelangweilter Träumerei gewichen, eine Phroso voll hinreißender Liebenswürdigkeit und heiterster Laune, eine Phroso, die unverhohlen und ohne sich Zwang auszu erlegen und ohne sich vor Trix irgendwie zu geniren, mit ihrem Cousin und Gast geflirtet , daß Trix rmmer gro ßere Augen machte und ganz vergaß, im schönsten Slang an der Unterhal tung tyeuzuneymen! Äls Frau v. Graßmann dann auf der Bildfläche erschien, hatte Phroso das Flirten" etwas eingestellt ein Beweis also, daß sie sich dessen bewußt war und die Beobachtung der erfahrenen Frau scheute, während sie die harmlose Trix dabei all ungefährliche Null betrach tete. Aber man täuscht sich so oft in den Leuten Trix hatte auch dies Manöver bemerkt und stand nun ganz perplex und sah ihren davontrabenden Gästen nach, und die schlanke Gestalt Phrosos, wie diese sich aus dem Sattel bog mit ihrer schlangengleichen Grazie, um dem Herzog ein paar Worte zuzuflüstern, als sie durch den Thorweg ritten, sie stand noch vor Trix' Augen, als der Hufschlag der Pferde längst verhallt war. Trix wußte selbst nicht genau, was sie fühlte sie hätte es um die Welt nicht sagen können. Durch die Geige vielleicht, mit Worten entschieden nicht. Erstaunen, Enttäuschung und Entrü stung wogten durcheinander in ibr. vor Allem aber fühlte sie einen dumpfen cymerz irgenowo im Kopse nein. in der Brust, im Herzen einen Schmerz, der kein physischer war und doch so geheimnißvoll weh that, einen Schmerz, der te personlich aar nichts anzugehen schien, ihr nicht gehörte und oocy aus gx hervorging.

. Verwirrt durch das, was in ihr vorging, dem sie keinen Namen geben konn1e, wandte sie sich endlich wieder zurück in 's Haus. ' Nein, was ist das heute heiß," sagte sie mit einem tiefen Athemzuge und

wollte an Frau v. Graßmann vorbei, die in der Halle saß, den Kops gesenkt und die Hand über den Augen. Ich geh' etwas in den Wald vielleicht ist's dort besser." Vielleicht," wiederholte Frau v. Graßmann mit merkwürdig bebender Stimme, indem sie me Hand sinken ließ und den Kopf hob, und dabei rollten zwei schwere Thränen über ihre Wangen herab. I Nanu, was ist denn los?" fragte Trix und blieb stehen, und da sie keine Antwort bekam, fondern aus den gesenkten Augenlidern nur zwer weitere Thränen herabriefelten, so setzte sie hinzu: Thut Ihnen der Kopf weh? Ich weiß Sie haben zu Tisch schon den Pater und mich allein reden lassen legen Sie sich hin und schlafen Sie ein bischen, das wird das Beste sein!" Mein liebes Kind, wenn das Herz so schwer ist, daß man meint, man könnte es nicht mehr ertragen, dann kommt der Schlaf nicht ohne Weiteres, wenn man ihn ruft," erwiderte Frau v. Graßmann mit mattem Lächeln und zwei weitere Thränen, die auf ihrem schwarzen Grenadinekleide funkelten wie Jettperlen. O! machte Trix bedauernd, aber seltsam ungerührt. Haben Sie schlechte Nachrichten bekommen?" Frau v. Graßmann deckte bei diesen Worten beide weiße, diamantfunkelnde Hände über ihr Gesicht und schluchzte leise und Trix stand vor ihr und wunderte sich, warum sie ihr nicht leid that. Kann ich kann ich Ihnen etwas nützen?" fragte sie hilflos. Oder vielleicht der Pater?" setzte sie mit plötzlicher Erleuchtung hinzu, denn dieser Fall gehörte entschieden in das Ressort des hochwllrdigen Herrn. Frau v. Graßmann neß ihre Hände wieder sinken und schüttelte mit dem Kopf. Weder Sie noch der Pater wurden mich verstehen," sagte sie resignirt. Woher sollten Sie auch wissen, wie es in einem blutenden Mutterherzen aussieht?" O!" sagte Trix noch einmal. Ist Ihrem Sohne etwas passirt?" Mein Sohn schreibt mir, daß er eine Anstellung in Neuguinea gefunden habe und nach dort in einigen Wochen abreisen will," erwiderteFrau v. Graßmann mit bebender Stimme. Was das bedeutet, darüber bin ich mir vollkommen klar: ein Scheiden für's Leben! Die Entfernung, das mörderische Klima dort ach! wie soll ich's ertragen?" Und sie bedeckte ihr Antlitz abermals mit den Händen. Ach heutzutage gibt's ja keine Entfernungen mehr!" sagte Trix, der Frau v. Graßmann immer noch nicht leid thun wollte. Gehen Sie doch mit ihm!" schlug sie. strahlend über diesen guten Gedanken, vor. Frau v. Graßmann schien diesen Vorschlag in ihrem Schmerze gar nicht gehört zu haben. Das Schicksal ist wirklich sehr hart gegen viele Menschen," sagte sie mit unterdrücktem Schluchzen. Ich möchte wirklich wissen, ob es eine so schwere Sünde ist. dagegen zu hadern. Mir, die ich aus glänzenden Verhältnissen beraus aenötbiat bin, mein Brot unter Fremden zu suchen, mir nimmt es den Trost der trauernden Wittwe oas einzige Kind. Und diesem Kinde nimmt es den Boden der Heimath unter den Füßen weg durch böswillige Verleumdung und falsches Zeugniß und sch'ckt es in ein fernes Land unter einen Himmelsstrich, der den sicheren Tod für denFremden im Schooße hat. Soll man da nicht mit dem Schicksal hadern?" Ich weiß nicht," sagte Trix unbehuglich. Der Pater wird es gewiß sagen können er ist sehr gut." Frau v. Graßmann nahm auch von dem Pater keine Notiz. Schmählich ist mein Sohn behandelt worden," fuhr sie fort, und wenn er Rache nehmen wollte, dann wäre es der sichere Sturz hoher Personen Aber er ist zu edel, zu vornehm und geht lieber hinaus in Dunkel und Nacht und in den sicheren Tod, ehe er den kleinen Finger hebt, um die zu stürzen, die, eifersüchtig auf seine Fähigkeiten und auf seine Carriere, ihn hinausgedrängt haben aus seiner Laufbahn. O, wenn Sie meinen Max kennten ein herrlicher Mensch! Mein Leben ließe ich für diesen Sohn! Und nun werde , ich ihn nicht mehr wiedersehen!" Trix stand da und wußte nicht recht, was sie sagen sollte; aber da kam ihr wieder ein Gedanke. Q," sagte sie, gehen Sie doch jetzt noch zu ihm, ehe er abreist. Ich kann ganz gut hier eine Zeitlang allein bleiben. Der Pater ist ja auch noch da. Und schließlich, wenn's mir hier zu langweilig wird, ich kann alle Tage nach Weißenrode oder nach Freienwald hinüber Sie können ganz ruhig abreisen!" Frau v. Graßmann senkte die schweren Lider noch tiefer wie gewöhnlich über ihre Augen, ihr Mund wurde noch schmäler und es zitterte leise in ihren Nasenflügeln. (Fortsetzung folgt.) Die beste 5 Cent Cigarre in der Stadt, Mucho's Longsellow".

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Die GazcUcnhaltnnlc!. Bodenverhältniki deS Gebietes uns Kultur zustanS der Bewohner. Der GerichtZassessor Wolf hat an der Spitze einer Expedition die zu der deutschen Kolonie Neupommern gehörige Gazellenhalbinsel im westlichen Stillen Ozeane durchquert. Ueber seine dabei gemachten Erfahrungen und Be obachtungen hat er neulich vor der Abtheilung Berlin-Charlottenburg der deutschen KolonialgeZellschaft einen interessanten Vortrag gehalten. Bis vor einiger Zeit war von Neupommern nichts als die Küste bekannt, aber der Aufstand der Eingeborenen, der im Juli 1903 durch den Tod eines fanatischen Häuptlings ein Ende fand, hatte eine nähere Berührung mit den Eingeborenen nothwendig gemacht und die Gazellenhalbinsel für den Verkehr geöffnet. Den natürlichen Mittelpunkt dieser Landschaft bildet der Varzinberg, ein erloschener Vulkan, an den sich die Sagen und religiösen Vorstellungen der Eingeborenen knüpfen, wo die Kämpfe der verschiedenen Stämme untereinander stattfinden, und wo die meisten Ansiedelungen sind. Die einzelnen Landschaften von 400 bis 1000 Bewohnern stehen unter einem Häuptling, dessen Macht aber von seiner Persönlichkeit abhängig ist. Nachbarstämme unterhalten einen Marktverkehr, und der Duk-Duk, ein Geheimbund, dessen Mitglieder durch Blätterkleid und Maske vermummt sind, übt die Gerichtsbarkeit. Die aus zwei Weißen und 30 Polizisten und Eingeborenen bestehende Expedition brach vom Kaiser Wilhelm-Hafen an der Ostküste der Halbinsel auf und gelangte zunächst zu dem kleinen Stamme der Taulin, die eigene Sprache und Sitten haben und den Besuch zwar friedlich, aber nicht fehr erfreut empfingen. Mit Buschmesser und Kompaß wurde der Weg weiter durch den Urwald gemacht, und viele Bergflüßchen wurden passirt, bis man endlich auf Anpflanzungen und ein stattliches Dorf hinter Pallisadenzaun stieß, von wo die Bewohner anfangs vor den Fremden flüchteten, später aber zwei große Schweine schenkten und ihrerseits über einen Klumpen Salz, den sie der Reihe nach beleckten, über etwas Tabak und Lendentllcher sehr beglückt waren. Von dort gingen die Reisenden wieder durch Urwald und dann einen Bach entlang, der durch Nebenflüsse sich schließlich zu einem Strom vergrößerte und sich als der Torigufluß erwies. Das Fortkommen war schwierig, der Proviant verzehrt, und die Leute wurden so muthlos, daß sie sterben wollten. Ein Versuch, auf Flößen stromab zu fahren, mißglückte, aber schließlich gelangten doch alle an die Westküste, wo sie von der katholischen Mission, die dort eine Niederlassung hat, gastfrei aufgenommen wurden. Der Marsch, welcher zehn Tage gedauert, hat bewiesen, daß das Innere der Gazellenhalbinsel, an deren Küste alle wirthschaftliehen Unternehmungen Neupommerns gegründet sind, sich wegen des fruchtbaren Bodens gut zu Ansiedelungen eignet. y Gerechtes Verlangen. Reifender (der zwei Stunden gewartet, bis er endlich vorgelassen wird und alsdann sofort wieder herausfliegt): Hätten Se mich nicht gleich 'rausschmeißen können ich hab' doch meine Zeit nicht gestohlen!" Ans hev guten alten Zeit. Hauptmann der Feuerwehr (der zugleich auch Wirth ist): Du, Bürgermeester, wie wär's denn, wenn ma am nächsten Sonntag bei mir drunte e kleine Uebung abhalte' wollten, i han nämlich a Sau und a Kaible g'schlackU-.,,

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