Indiana Tribüne, Volume 27, Number 191, Indianapolis, Marion County, 4 April 1904 — Page 3
Jndiana Tribüne. Mpril
3
Große Zurückhaltung Zeigt die russische Presse bei Besprechung der Tibct-Angclegenhcit. Japanischer Vormarsch in Nord-Korca. Russen vermeiden ein Gefecht. Neue Schiffe für Makaroff. Port Arthur gerüstet. Amerikanische Corporationcn in Rußland.
Ostasien. Die Presse und Tibet. St. Petersburg, 3 April. Die Blätter fahren mit Besprechung der britischen Tibet-Expedition und der Rcde des indischen Vicekönigs Lord Clirzon vom 30. März (worin er die wachsame Politik der Regierung betonte) fort, die meisten schreiben aber in leidenschaftslosem Tone. Die Börsen-Zeitung".erwähnt,!daß König Edward eine Annäherung zwischen Rußland und England suche, und meint, es sei kein Grund zur Besorgniß vorhanden. Rußland sei seit den Ta gen Disraeli's und Salisbury's an solch' verschleierte Drohungen gewöhnt, jedoch die auswärtige Politik Englands ruhe jetzt in höheren Händen als denen Curzon's. und wir Alle wissen, daß König Edward einen aufrichtigen, friedlichen und loyalen Einfluß ausübt". Man sei jedoch gespannt, ' wie England seinen bewaffneten 'Angriff auf eine chinesische Provinz rechtfertigen werde. Der Ruß" sagt, England habe die Eröffnung der Feindseligleiten gegen die Tibetaner ohne vor herige Kriegserklärung von Japan gelernt. Die Novoe Vremya" sagt: Zwei amerik. Millionäre haben die Geschicke Indien's geändert. Seit Lord Curzon der Schwager Lord Kitchener's ist, scheinen ihre Persönlichkeiten verschmolzen. Curzon sprach mit den Worten von Kitchener über die Brustwehr-Theorie und dieser adoptirte die Politik Curson's, indem er eine angeblich diplomatise Mission nach Tibet sandte. Die Brustwehr'Theorie ist so lange gut, als sie es mit waffenlosen Feinden zu thun hat." Der Irrthum des Blattes, indem es von Curzon und Kitchener als Schwäger spricht, röhrt vermuthlich durch ein früheres Gerücht her, wonach K. eine Schwester der Ladt, Crzon, Daisy Leister, heirathnt wollte. Die Brustwehr-Theorie bezieht sich auf eine Bemerkung in Curzon's Cal-cutta-Rede, worin er sagte, Indien gleiche einer Feste, hinter deren Wällen eine Brustwehr exiftire, die es selbst nicht zu besetzen wünsche, aber auch von keinem Feinde okkupiren lassen werde. Der japanische Voc. marsch. Tokio. 3. April. Die AvantGarde der japanischen Armee in NordKorea besetzte gestern Nachmittaz die Stadt Sang Chen ohne Widerstand. Der Ort liegt an der Pekinger Straße, 18 Meilen westlich von Chengju und etwa 40 südlich von Wiju. Als die Japaner am letzten Montag die Russen aus Chengju verjagten, zogen sich Letztere in zwei Abtheilungen zurück, die eine über die Koak SvnStraße, die andere über die Pekinger. Der japanische Vormarsch von Chengju ging sehr rasch von Statten. Die Er Wartung, die Russen würden sich diesem Vormarsche widersetzen, ging nicht in Erfüllung, und eö ist jetzt nicht wahrscheinlich, daß die Japaner südlich vom Valu auf weiteren Widerstand stoßen. Cheng ist im Hinblick auf seine Lage der stärkste Platz zwischen Ping Yang und Wiju. Außer natürlichen Vortheilen, befindet sich dort eine alte koreanische Festung, die, wenn mutbig vertheidigt, schwer zu nehmen gewesen wäre Russische Patrouillen wurden östlich von der Pekinger Straße gemeldet; daß sich eine nennenswerthe feindliche Streitmacht in jener Gegend aufhält, ist jedoch nicht anzunehmen. Die Patrouil len ziehen sich , langsam nördlich gegen den Yalu zurück. DaS Eis im Yalu soll aufgebrochen fein und der Fluß muß künftig in Booten oder auf Pon-toon-Brücken gekreuzt werden. (Am 1. April war gemeldet worden, die Japaner seien, nach Vertreibung des Feindes aus Cheng Ju, nach Yong Chun marschirt und sollten von dort die Russen nach kurzem Gefecht verjagt haben. r , .
Möglicherweise hat die sehr verschiedene Schreibweise korean. Namen auf Karten und Bulletins Verwirrung an gerichtet, so daß das oben erwähnte Seng Chang" mit .Yong Chun" am 1. April identisch ist. Die beiden Orte selbst sind aber völlig verschieden nd liegen etwa 20 Meilen von einander entfernt). Truppen für Söul. Söul, 3. April. In Chemülpo sind 5 japan. Transportdampfer mit leichter Artillerie, Cavallerie und Infanterie angelangt. Die Truppen sind für Söul bestimmt. General Haragucar, der neue japan. Befehlshaber, ist angekommen. PortArthurge rüstet. P o r t A r t h u r, 3. April. Es sind hier alle Vorbereitungen zu einem warmen Empfange für die Japaner getroffen, sollten sie nochmals einen Blockirungs - Versuch beim Hafen wagen. Ein Signal-Mann, der während der Beschießung von Vladivostock auf einer kleinen Signal-Station auf der Askold Insel in der Nähe der feindlichen Schiffe verblieb und die Bewegungen der Festnng signalisirte, wurde mit dem St. Georgs Kreuz dekorirt. Neue Schiffe. St. Petersburg. 3. April. Sobald die Newa eisfrei ist, werden di Schlachtschiffe Sonvaroff", Slava", Borodino" und Orel", ferner der Kreuzer Maleg" und ein Transportdampfer, die jetzt im Bau begriffen sind, nach Cronstadt zur Vollendung gesandt. Bereits dort find die Kreuzer Zhomchug" und Jzumrud" und die Schlachtschiff- Sissoi Veliky" und Kaiser Alexander III." Diese Schiffe bilden einen Theil der Flotte, welche die Flotte von Admiral Makaroff im Sommer verstärkt. Die ersten Gefangenen. T s i t a ih e r, Mandschurei, 23 März. Der Correspondent der Assoc. Presse traf hier die ersten jap. Kriegsgefangenen auf dem Wege nach Chita, wo sie festgehalten werden. Unter ihnen ist ein Major des Generalftabs mit Frau und Dienstmädchen und 7 in Korea von Kosaken gefangene Soldaten. ' Sie waren scharf bewacht und schie nen sehr niedergeschlagen bei der Ausficht auf lange Gefangenschaft. Der Major konnte keine fremde Sprache, seine Frau sprach russisch. Hochgefeiert. Sebastopol, 3. April. Die Ueberlebenden vom Variag und Korietz wurden heute enthusiastisch empfangen Vor dem Hafen war die ganze Schwarze Meer Flotte aufgefahren und dahinter lag die Stadt im Festgemand. Admiral Skrydloff hieß die Ueberlebenden willkommen und nahm in der Cathedrale sich den St. Georgs-Orden von der Brust, um ihn Capt. Stepha noff anzuheften. St. und die Mannschaften sind nach Petersburg befohlen. St. Petersburg, 3 April. Ei-senbahn-Minifter Fürst Khilkoff kehrte heute zurück. Das Kaiserpaar fuhr heute Nachmittag eine Stunde in der Stadt spazieren.
i 5tftT - -
;-:-::;:
ir::-:-:v.-.-X-:W"mv rZ-S-jH i, 5- .- '"
wm'm
mm ,MZSWMWWi '"HHL -s-r" - . 30ftS 1 '. j i '-J xl '&& 4 v, ? '.Vv., r im, it 1er .11 sTriM -"j - Vi 4 m ' .v.v.v.'.'.jjn.. -m ... i ...-.., -r , mvi ? , v I
SMM
fp mrwm 'WMi -M P Sk- sxnsMi
' mf - hM:J1ir L&
mm ;SV r-JiF" Z? JLät v, i Äf--::-:: i-iI J&ZZI v-.Ai ...-.rYs.-yr 6t-y,-M- ?f y.-w.-jaw -.mm, -4,Jff ijEk, z tM-
Japanische Kanoniere auf dem Panzer'Kreuzer Asama" die Wirkung eines ffernschusses auf ein feindliches Schiff beobachtend.
Amerikanische CorporaHonen. St. P e t e r s b u r g. 3. April, Botschafter McCormick verhandelt mit dem auswärtigen Amt wegen eines Vertrags, welcher amer. Corporationen das Recht verleiht, vor russischen Gerichtshöfen zu klagen und russischen Corporationen das Recht bei den Gerichten Amerikas zu klagen. Nach russischem Recht können amer. Corporationen vor den Gerichten des Reichs verklagt werden, aber nicht selbst klagbar auftreten. Dieser Zustand hat bis jetzt für amerikanische Firmen zu großen Widerwärtigkeiten und Verlusten geführt. Außerdem hofft der Botschafter eine Clausel durchzusetzen, welche amerikanischen Corporationen alle Arten von Privilegien, welche ausländische Corporationen genießen, verleiht. Es sind zwar Schmierigkeiten vorHanden, aber die Vorschläge des Botschafters fanden freundliches Entgegenkommen und den Anzeichen nach werden die Verhandlungen erfolgreich. Die einzigen Länder, welche die von McZormick für Amerika erstrebten Privilegien jetzt genießen, find das deutsche Reich, Griechenland, Serbien und Italien. Di befürchteten a n t i - jüdischen Excesse. St. Petersburg, 3. April. Nachrichten an das Ministerium des Innern zufolge werden die Vorbeugunqsmaßregeln gegen judenfeindliche Excesse während der Qsterwoche zur Vermeidung ernster Unruhen führen. Immerhin gelten Versuche zu Ruhestörungen für möglich, die jedoch die Behörden mit starker Hand unterdrücken werden. Aus Odessa ging heute eine Privat, Depesche ein, wonach angesichts der Er eignisse vom letzten Jahre die üblichen Meldungen über anti-jüdische Ausschreitungen zur Osterzeit größere Besorgniß als gewöhnlich erregen. Die dortigen Juden find aufgeregt, aber die Regierung hat Vertrauen zu Gouverneur Eidhardt, dem die Staat untersteht, und auch in Baron KauldarS, dem Truppen-Commandeur in SüdRußland. Die Regierungsblätter veröffentlichen Warnungen in scharfer Sprache, und m der Stadt find Plakate angeschlagen, welche allen Friedensstörern mit strenger Strafe drohen. Frankreich. Colombia's Drohungen. Paris, 3. April. Der colombische Finanzagent Helgum erklärt, daß die Republik Colomdia, falls ihr Protest gegen die Panama Canal Co. in den französischen Gerichten abgewiesen werden sollte, der Welt erklären werde, daß sie um Panama einfach beraubt worden sei, und daß Colomdia, sobald die amerikanischen Schiffe von Colon und Pa nama abführen, Panama mit Krieg überziehen werde.
Kurze Depeschen. 3. April. Stand. Berlin. Aus Hamburg ist der angesehene Importeur Cäsar Prediger unter Hintelassung großer Wechselschulden geflohen, vermuthlich nach den Ver. Staaten. Berlin. Bodby" Walthour, der amer. Zweiradfahrer, schlug bei einer Wettfahrt im Sport - Park bei Friedenau den deutschen Nobe, ferner Ryser, Demke, Salzmann und Beuisson. - ' "srJzM r .xxi ""3 i:--&:Zi:?v-täü j jr''j?i jA&m&A i -rx,inLrsz, H iSm w i & t-r v.aifcw-ivx r4 1: : v- . tiü,r ;'W" r&titofo' tri i ' mme &ä. z&r s IHii'.S, hi ? rCkji (fe tj jrr j-.. ..v m m j lillrf ' r t-jar-jz . 4$ .-JZT iMM.
iUchM,!
.
i r
cT'S
.rtlwl, 1
Als erfunden Erklärt die Nordd. Allg Ztg. die Gerüchte bezüglich des Kaisers.
Berlin, 3. April. Die Halbamtl'che Nordd. Allgemeine Zeitung dementirt die in London gedruckten und in Amerika verbreiteten Gerüchte, die Gesundheit des deutschen Kaisers gebe Anlaß zu Besorgnissen. Es wird hinzugefügt, die Gesundheit des Kaisers bleibe vorzüglich und die gegenwärtige Seereise biete alle Aussichten auf vollen Erfolg in Wiedererlangung feiner Kräfte. Offiziers-Tragödie. B e r l i n. 3. April. Eine furchtbare Tragödie wird aus Nürnberg gemeldet. In einem dortigen Hotel hatte sich ein Offizier, welcher sich als v. Arnim aus Grunewald in's Flemdenbuch eintrug, sammt Frau und einem Kinde einlogirt. Da sich gestern Niemand von der Familie blicken ließ, schöpfte die Hotelvermaltung Verdacht, und als auf wiederholtes Klopfen das Zimmer nicht geöffnet ward, wurde die Thür aufgesprengt. Den Eintretenden bot fich'ein entsetzlicher Anblick dar. Die Frau und das Kind lagen todtauf dem Bette. Der Offizier selbst war, schwer verletzt, neben einem Stuhl nie dergesunken. Wie sich ergab, hatte er die Frau erschossen, das Kind erdrosselt und dann einen Selbstmordversuch gemacht. Die Ursachen der unseligen That sind vorderhand in geheimnißvolles Dunkel gehüllt, da die lebensgefährliche Verwundung des Offiziers seine Vernehmung ausschließt. Sängerin als UniversalErbin. B e r l i n, 3. April. Das Oberlan. desgericht in Breslau hat die Berufung gegen Gräfin Chamare, geborene Blaustein, welche Graf Pius HärbuvalChamare im letzten November nach einem Automobile-Unfalle auf dem Todtenbette heirathete und zur UniversalErbin einsetzte, aufgehoben. Die ehemalige Sängerin Wanda Blaustem ge langt demnach rechtlich in den Besitz des riefigen Vermögens. Bei dem AutoMobilunfall hatte der Graf mehrere Schädelbrüche erlitten. Ungefähr zehn Tage nachher machte er sein Testament, da er fühlte, daß er dem Tode nahe sei. Er war nicht fähig, zuschreiben; seine Hände versagten ihm den Dienst. Es wurden desbalb Zeugen in sein Zimmer gebeten, die später bestätigen sollten. daß er vor ihnen in gültiger Weise seinen letzten Willen geäußert habe. Die Zeugen waren Aerzte. Vor diesen erklärte der Graf nun in Kürze, daß er die Sängerin, die er schon seit mehreren Jahren kenne und liebe Fräulein Wanda Blaustein, eine Polin zur Universal-Erbin seines Vermögens ein setze. Tags darauf wurde der Schwerkranke von einem Priester mit den Sterbesakramenten versehen und unmittelbar nachher mit der Sängerin getraut. Er lebte noch anderthalb Tage und starb dann. Der Versuch der Verwandten des Grafen, den Nachweis zu erbringen, daß Letzterer bei der Abfassung des Testaments wegen der erlittenen Schädelbrüche unzurechnungsfähig gewesen sei, schlug fehl. Großbritannien. Prinzessin von SachsenWeimars. London, 3. April. Prinzessin Edward von Sachsen - Weimar erlag heute einer Lungen-Entzündung. Die Prinzessin, früher Lady Augusta C. Gordon Lennox, wurde 1851 mit Prinz Edward morganatisch vermählt. Sie war eine Tochter des fünften Her zogs von Richmond. Königin Victoria verlieh ihr den Titel Prinzessin von Sachsen Weimar in England, während sie in Deutschland Gräfin Dornburg hieß. Sie war 1827 geboren. Der Ueberfall auf den Correspondenten. London, 4. April. Herr Gandler, der in dem Kampfe bei Curu am 31. März verwundete Correspondent der Daily Mail", dessen linke Hand amputirt wurde, beschreibt den Angriff auf ihn wie folgt: Ich sah der Entwaffnung der Tibetaner zu, als mich ein Schwertträger angriff. Der Ueberfall war zu plötz lich. als daß ich meinen Revolver hätte ziehen können. Ich faßte den Mann bei den Knien, wurde aber selbst zu Boden gezogen, und bei dem Versuche, aufzustehen, von verschiedenen Tibeta nern niedergestoßen. Diese wurden schließlich erschossen.
Kühnes Wagnitz. Von der Südvol'Exvedition des brit. Dampfers Diöcovery".
L o n d o n, 4. April. Der Correspondent der Daily Mail" in Christ Church. Neu Seeland, hatte eine Un'erredung mit Capt. Scott, dem Führer des Dampfers Discovery" bei der Südpol-Expedition der Geographischen Gesellschaft. Die Expedition nach dem westlichen Ende im Victoria Land ging unter den schwersten, klimatischen Verhältnissen vor sich, die eiligen Lüfte rissen den Forschern die Hzut am Kopf und Gesich! buchstäblich entzwei. Als die Gesellschaft den 189. Grad zum erstenmal in der Welt-Geschichte kreuzte, wies der Compaß genau die falsche Richtung. In Folge des Mangels an Nahrung und der Märsche von 10 Meilen täglich verlor Jeder mährend der 6-wöchentlichen Tour etwa 20 Pfund. Wien. Das dritte österreichische Armeecorpz wird marschbereit gehalten und in Ragusa liegen sechs Lloyddampfer zu seiner Aufnahme bereit, um es nach Mazedonien zu bringen, falls infolge einer ev. russischen Niederlage dort der Aufstand von Neuem ausbrechen sollte. Der verstorbenen K a'i serin Elisabeth von Oesterreich soll in Kissingcn ein Denkmal errichtet werden. Wiederholt hat sie in dem schönen Badeort an der fränkischen Saale zur Kur geweilt und die Heilkraft der Kissinger Quellen mit Erfolg erprobt. Zum ersten. Male erschien sie dort vor vierzig Jahren, um nach schwerer Krankheit völlige Genesung zu suchen. Kurze Zeit vor ihrem tragischen Ende hatte sie wiederum in Kissingcn Aufenthalt genommen. Schlicht und anspruchslos sich von allen Ovationen zurückziehend, war sie lediglich bestrebt, auf weiten Spaziergängen in Wiesen und Wäldern der schönen Natur zu huldigen. Zur Beschaffung von, Mitteln für die Errichtung' des jetzt projectirten Denkmals der Kaiserin ist von der Bürgerschaft Kissingens ein Comite gewählt worden. Folgende kaum glaubliche Geschichte wird aus Nürnberg berichtet: In dem Vorort Glaishammer unternahmen schulpflichtige Knäblein regelrechte Raub- und Streifzüge. Die Beute wurde von ihnen zumeist in Neubauten verzehrt und, soweit selbige in Cigaretten bestand, verdampft. Vor Kurzem war wieder eine Räuber-Zusammenkunft. Ein Mitglied, das besonders viel auf dem Kerbholz hatte und einer strengen Bestrafung entgegensah, erhielt von dem Ehrengericht" den Rath, sich aufzuhängen. Ein Strick war bald zur Stelle. Um die Sache feierlich zu ma chen, wurden Kerzen angebrannt, und das Lied wurde gesungen: Stieflein, mußt sterben. Bist noch so jung! Wenn das der Absatz wußt', Daß du schon sterben müßt', Thät er sich grämen Bis in den Tod." Und bald darauf war der Gehängte eine Leiche. . Ein Fallunnatürlicher Grausamkeit wird aus Oesterreich berichtet. Der Taglöhner Josef Schmi' dinger in Oberberg, Bezirk Mauthausen, entfernte sich eines Sonntags, während seine Frau in der Kirche war, mit dem dreivierteljährigen Söhnchen eilte zur Donau bei Albern und schleuderte das Kind in die Donau. Er begab sich dann in die Kirche. Von der Gattin nach dem Verbleiben des Kindes befragt, gab er an, es zu Verwandten gebracht zu haben, gestand aber, von der Frair gedrängt, die Wahrheit, worauf er auf Anzeige des Hausbesitzers, der durch das Jammern des Werbes aufmerksam geworden war, in Haft genommen wurde. Schmidinger gestand auch der Gendarmerie die That. Das Kind habe ihm, gab er an, stets Widerwillen entgegengebracht und seine Frau am Verdienen gehindert, darum habe er es in's Wasser geworfen. Ein bekannterKissinger Brunnenarzt, Sanitätsrath Dr. Phil, und med. G. Heckenlauer, ist kürzlich infolge einer Herzlähmung verschieden. Vielen, die in Kissingcn zur Kur geweilt haben, wird der Verstorbene bekannt geworden sein. Er war ein tüchtiger Arzt, ' der großes Vertrauen genoß und sich der Gunst weiter Kreise erfreute. Zu den Gönnern Heckenlauers hat auch Fürst Bismarck gehört. Wenn der Altreichskanzler sein Sommertuskulum, das Salinenschloß, bezog, war Heckenlauer, der ebenfalls dort wohnte, sein Nachbar. Da diesem auch die ärztliche Leitung des Salinenbades anvertraut war, so bot sich ihm genugsam Gelegenheit, mit dem Fürsten zu verkehren. Ebenso war es ihm vergönnt gewesen, eine Zeitlang feine ärztliche Kunst in den Dienst der deutschen Kaiserin zu stellen, als diese im Jahre 1889 Kissingen zur Kur ukd das Salinenschloß als Ausenthalt erwählt hatte.
Aerzte.
Dr. Carl Q.Winter Deutscher Arzt. Behandelt alle akute und chronische Krank, yenen. (öevurtsyulse Spezialität. Office: 14 West Ohio Str. OfftceSwnden : 10 li Bonn. 24 achm. Sonnt gS : 9 30 10.30 Bm. Telepson, Neu 4S. Wohnung: 1260 Kabis en Ave. Sprechstunden : 7-8 Vorm. Sonntags : 5-S Nachm. Wohnung ke'ephone: r, S02S ! Nen, 9282. 0R.C L. RITTER, Newton Claypool Gebäude, Zimmer 282233. Neues Telepdo 4661 PenvsyIvaia und Ohio Str.) 2. Stock OsfikeStunden: g biS 10:30, 2 bis 8:80 vh 7 bi3 8 Uhr Abend? am Montag, Dienstag, Donnerstag, Samstag. ohnung: 144 Prospct ratze, stunden : s Nhr Vormittag? uns i Uhr Nachmittag. Neues Telephon 9306. M Dr. j. A. Sutcliffe, Wund -Arzt, Seschlechts-, Urin undRectum Arankheitsn. Offfee : 155 Oft Market Str. Tel. 941 Osfice-Stunden : bi 10 Uhr Bm. : S bi Uhr R 301 West Washington Str Verkäufer deö berühmten Quinine :: Whisky Das beste Mittel gegen Malaria und Erkältung. Saloon und Restaurant. Cff n Xftft urnfc Um&t . ..Niedrige Aaten.. .... nach. . . . Kalifornien und zurück ..via. Big Fonr Nouie General-Conferenz der Methodisten Episcopal Kirche, Los Angeles, beginnend 3. Mai. National Association der Detail Grocerigm der Ver. Staaten San Francisco, 3. bis 8. Mai. Fahrkarten nach San Francisco und Los Angeles, Cal., und zurück werden verkauft vom 22. April bis einschließlich 3. April 1904 ; ebenso am 1. Mai für solche Züge, die ihre Passagiere in Chicago, Peoria, St. Louis oder Cairo an demselben Tag landen, von allen Punkten d Big Four", Ein cinnati Northern und D. & U. R. R. zu sehr niedrigen Raten. Schließliche Retourwhrt beschränkt auf 80. Juni? Liberale UeberliegungPrivilegieu. Der Western Christian dvoeate'S Spezial-Zug för Los ngeleS. fix equemlildkeit dn Delegate und Andere, welche die Pacifte Küste zu besuchen wun schen, sährt via Big Four Route. Für nShere Information und Eivzelhnte wende man sich an die Big Four Ticket ge"ten oder schreibe N WARREN j LYNCH, Gen'l V ss. & Ticket Agent, Cincinnatl, Ohio. Theodore F. Smith er, geschickter und zuverlässiger ...Dachdecker... Pech und Kiesdäazer, Dächer von Aöphalt und GMonit. Engros-Händler in allen Arten von Dachmaterialien. Telephon : Neu 661. 301 West Maryland Str. Südweftl. Ecke von Senate Ave. und Maryland Str. JnderRueSaint-Hya-cinthe in Paris kam unlängst in einer Wohnung des vierten Stockwerkes im Hause No. 8 ein Feuer aus, das nach einstündiger Arbeit durch die Feuerwehr abgelöscht werden konnte. Dieses an sich unbedeutende Ereigniß ist insofern interessant, als der Brandherd sich in der einstigen Wohnung von Maximilian Robespierre befand. Als dieser Mitglied der Convention Nationale" war, bewohnte er zwei kleine Räume in der vierten Etage der Rue Saint-Hyacinthe No. 8. Die Zimmer wiesen allerdings schon lange keine Erinnerung mehr an Robespierre auf. DieGrabstätte Heinrich von Kleists und seiner Freundin Henriette von Vogel, die in der Nähe des Wannsees bei Berlin vereint begraben liegen, wird demnächst ver schwinden. Der kleine Wildhügel birgt jetzt die sterblichen Reste der beiden Unglücklichen seit bald hundert Iahren. Das Terrain wird parzellirt und auch für den Bau des Friedrich-Leopold-Kanals gebraucht, so daß eine Ezhumirung der Leichen in kurzem nothwendig wird. Besitzer des Terrains ist Prinz Friedrich Leopold von Preußen. Hoffentlich wird rechtzeitig dafür gesorgt, daß dem Dichter eine neue würdige Ruhestätte in der Nähe de.Z Wannsees bereitet wird.
kmb
ioller
