Indiana Tribüne, Volume 27, Number 184, Indianapolis, Marion County, 26 March 1904 — Page 7
Jndiana Tribüne, S. Marz I.
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Tv!x. Noman von EufemZa v. "Adlcrsseld-Ballestrem.
Jortsetznng. Trix trieb also Dackologic und war so tief in diese ebenso unergründliche wie interessante Wissenschaft versunsen, daß die fleit unbeachtet von itft verstrich und sie ordentli.h zusammen fuhr, als Fräulein Tinchen, ohne vorher anzuklopfen, plötzlich in ihr Zim--mer stürzte uib nur mit Mühe die Worte hervorstieh : Schnell, schnell, Baronesse! Die gnädiqe ffrau kommt der Wagen bog eben in die Allee ein!" Gnädige fixan : Welche gnädige Frau?" fragte Trix erstaunt. Frau von Grahmann ach Gott, sie muß ja gleich vorfahren." brachte Fräulein Tinchen in der größten Aufregung vor. Frau von Graßmann!" Trir erhob sich aus ihrer liegenden Stellung auf dem Teppich neben Seiner Excellenz, den die Sache colossal kalt zu lassen schien. Frau von Graßmann! Ja, dann führen Sie Frau von Graßmann nur in die für sie bestimmten Zimmer und fragen sie. ob sie den Thee dort oder bei mir trinken will. Und dann, Fräulein Tinchen. bitte ich, ein anderes Mal erst anzuklopfen, wenn Sie zu mir kommen." Ja, ach. ich bitte tausendmal um Entschuldigung." entgegnete dieWirthfchafterin noch bebend, aber Frau von Graßmann sind so eigen " Ja?" fragte Trix. Na. daö ist ja hübsch von Frau von Graßmann apropos, sind Sie gestern auch so gerannt, als ich gekommen bin? Na. mir scheint, es fährt unten ein Wagen vor. Sie werden also zum Empfang zu spät kommen." Fräulein Tinchen schlich sich nach Absolvirung eines mißlungenen Knickses wieder hinaus und Trix setzte sich, figürlich gesprochen, mit stark gesträubten Federn kerzengerade in den nachsten Sessel. Sie hatte die Absicht gehabt, natürlich, Frau v. Graßmann bei ihrer Ankunft ;u begrüßen; es wäre ihr gar nicht eingefallen, etwas anderes zu thun, aber was wederHans Truchseh' vorsichtiger Wink, noch auch Pater Müller's milde, aber doch zum Nachdenken anregende Worte vermocht, das hatte nun die Wirthschaften in ihrer Dummheit zuwege gebracht: Trix war auf dem Qui vive" und was sich an Widerspruchsgeist in ihrer Seele befand, das hatte sich erhobn und lehnte sich mit einem Male gegen die Person der Ehrendame auf. Ja. nicht wahr, vor dem Hause ausgebaut dastehen, einen Strauß in der Hand und einen Aerö aufsagen, das wär's, was ich nach der Ansicht der dummen Gans zum Empfange des Drachens zu thun hätte!" sagte sie laut vor sich hin. Was denn noch? Das muß ja ein hübscher Satanas sein, wenn nach so vielen Jahren ''t Leute hier noch vor ihr zittern wie Wetngelee? Und ich soll auch mitzittern? Na. da kennt ihr Trix Dornberg falsch. Gezittert wird nicht, aber auf die Hinterbeine wollen wir uns setzen!" Seine Excellenz schlug zu diesen, mit erhöhter Stimme gesprochenen Worten bei stimmend mit dem Schwanz auf den Boden auf und dadurch wesentlich ermuntert, fuhr Trix mit wachsender Entrüstung fort: Wer ist denn hier die Herrin. Frau von Graßmann oder ich? Bis jetzt hatte ich geglaubt, ich bin'S, aber nach dem blödsinnigen Gethue von der dummen Life scheine ich's nicht zu sein. I nein! Vor mir: Schwänzeln und Tänzeln und gnädige Baronesse hinten und gnädige Baronesse vorne, aber vor der Heulen und Zähnetlappern! Na, es ist nur gut, daß es gleich damit losgegangen ist, da weiß man doch, waS man zu thun hat!" Eigentlich wußte Trir das nicht so recht, aber wenn die Ereignisse ihr Zeit gelassen hätten, dann hätte sie sich vielleicht eine Art 5lurs zurecht gelegt und wäre nach der falschen Richtung gesegelt. Jum Glück ließ da Schicksal, das es immer gut mit ihr gemeint hatte. aber keine Zeit zu Beschlüssen und deren Sanktiontrung durch Seine dj cellenz, denn es klopfte an die Thür und auf Trixens Herein!", das wie eine Herausforderung klang, betrat, von Fräulein Tinchen begleitet und becomplimentirt, eine impojanteJrauengestalt das Zimmer Frau v. Graßmann mit einem Worte, welche die Initiative ergriffen und sich dadurch als kluge und weltgewandte Frau einführte. Vroy gewachsen, kerzengerave, rmposant, trat die schwarz gekleidete Gestatt nicht ganz ohne Prätension auf, ihr feines, blasses Gesicht mit der edeln Nase und dem schöngeschnittenen, aber etwas schmalen Munde, dessen Winkel leicht herabgezogen waren, war das einer Aristokratin M pur sang"; schneeweißes Haar umrahmte in leichtcm. federartigem Gekräusel ihre schmale Stirn und der ganze Eindruck konnte für den oberflächlichen Beobachter nur ein äußerst einnehmender sein, doch der aufmerksamere hätte in den herabgezogenen Winkeln des feinen Mundes eine hohnvolle Verachtung ihm Umgebung, einen nur sehr ditnn übertünchten Hochmuth lesen können.
und die etwas schweren weißen Augenlider unter den dunkel gebliebenen Brauen, welche die scharfen, etrua steckeuden Auaen immer halb verbara hätten dem geübten Charakterleser sagen können, daß die Gedanken dieser Frau sich nicht immer mit ihren Morten deckten. Frau v. Graßmann blieb einen Moment in der Thür stehen und schritt dann mit der sicheren Gewandtheit der Weltdame auf Trix zu, die sich erhoben hatte und der Eintretenden gleichfalls einen Schritt entgegengetreten war. Mein liebes Fräulein von 3otn berg," sagte Frau von Graßl mnn mit leiser, voller, musikalischer Stimme, die wie das beruhigende, behagliche Schnurren einer wohlgepflegten Katze klang, ..Sie ahnen nicht, mit welcher Freude ich mein Amt bei Ihnen antrete ich habe in der That diesen Wink zu Ihnen alö einen Fingerzeig des Himmels selbst betrachtet und den Moment ersehnt wie ein Schulmädchen, der mich zu Ihnen führte! Ihre liebe, reizende, so früh verklärte Mutter war eine ich darf wohl sagen, die liebste Freundin meiner Jugend, und nun ihrer Tochter zur Seite stehen zu dürfen, ist ein Glück für mich, das ich noch kaum begreife. Ach Sie haben ja ihre lieben Augen die süßen, herzigen Delfter" Augen. Nicht wahr, Sie nennen mich Tante Sophie, und ich darf Beatrix zu Ihnen sagen?" Die weichen, wohlmodulirten Worte, der Hinweis auf die früh verstorbene Mutter, der ganze vornehme Ton, die imponirende Erscheinung der Sprecherin, das alles hätte sicher seinen wohlberechneten Einfluß auf Trixens jeder Freundlichkeit zugängliches Herz nicht verfehlt, wenn wenn die Wirthschaften vorher nicht ihren Bock geschössen hätte. Aber Trixens qe-
sträubte Federn hatten noch keine Zeit j gehabt, sich zu glätten, und sie hörte ,
auf einmal nichts als das leise Knurren Seiner Excellenz, der den Ankömmling mit grün funkelnden Augen betrachtete, und es war ihr, als hörte sie ihren Vater sagen: Wen ein Dackel anknurrt, vor dem kann man sich gerade in acht nehmen." Und unter diesem dreifachen Einfluß sagte Trix. was sie hinterdrein mit halber, sehr halber Reue sich als ..Rüpelei" anrechnete. das aber sicher Eingebung war. indem sie von den beiden hinaehaltenen Händen der Dme eine flüchtig berührte: Willkommen in der Abtei, Frau v. Graßmann! Ich denke, wenn Sie mich Fräulein von Dornberg" nennen wollen, wäre es für uns beide angenehmer, damit wir nicht gleich in den Zustand der Qualverwandtschaft" treten. Wenn man jemand Tante" nennen soll, der's doch nicht ist, so heißt das meist gleich so viel wie ..Schön. Apport"!" Frau von Graßmann öffnete ihre halbverschleierten Augen für einen kurzen. sehr kurzen Moment etwas weiter. verbarg aber das Aufblitzen derselben. was ein künstlich beherrschtes. sehr heftiges Temperament verrieth. sofort wieder unter den schweren weißen Widern, und nicht ein Zucken des lächelnden Mundes verrieth, daß sie auf ihre erste, sehr geschickteAttacke eine demüthigende Niederlage erlitten. Wie originell Sie das ausdrücken." rief sie mit einer Heiterkeit, die Trix' sonst gar nicht empfindliche Nerven eigenthümlich unharmonisch berührte. Man sagte mir schon, Sie wären gar nicht wie andere junge Mädchen. Ihr Papa war auch so originell, nicht wahr? Ach, in unserer immer mehr verflachenden eit wirkt das so erfrischend!" Trix stand da stocksteif, wie sie's selbst nannte sie hörte kaum, was Frau v. Graßmann sagte, sie hörte nur das leise, fortgesetzte knurren dc Hundes. Ich habe Ihnen zvri von dcnZiinmern Ihrer Frau t hwe,ier, Onkel Wiioolf Frau, herrichten lassen," sagte sie, ohne aus die verflachende Zeit einzugehen. Fräulein Tinchen. die Ihnen ja noch bekannt ist, wird Sie gern dorthin führen zum Thee, wenn Sie ihn nicht lieber allein nct men wollen, erwarte ich Sie unten auf der Veranda vor dem Speisezimmer. Ich hoffe. Sie werden sich in den Zimmein heimisch fühlen!" Sie sind sehr gütig, Fräulein von Dornberg." erwiderte Frau v. Grakmann liebenswürdig für den Unbefangenen, aber mit bitterem Höhne für den, der sie kannte, und die Wirthschafterin an der Thür kannte den Ton und kroch darunter in sich zusammen wie unter einem Peitschenhiebe. Tie Zimmer meiner Schwester welch reizende Aufmerksamkeit von Ihnen! Ich danke Ihnen tausendmal dafür! Und Sie selbst haben, wie ich seht, meines Schwagers Zimmer gewähkt mir ist, als wehte sein aggressiver und grimmiger Geist mich hier an haha! Nicht wahr, Sie sind mir nicht böse, Fräulein von Dornberg, wenn ich den Thee bei mir nehme ich bin nicht mehr jung und man liebt die Ruhe in meinen Jahren das Fahren auf der Eisenbahn greift mich immer etwas an. Ich bin sonst kein Einsiedler aus Neigung, im Gegentheil, die Gesellschaft der Jugend erfrischt und erfreut mich, und auf das Zusammenleben mit Ihnen habe ich mich so sehr gefreut ich habe mir so einen kleinen Plan dafür entworfen, der. da Säe selbst ia
Her erst gestern eingetroffen sind und vielleicht deshalb noch außerhalb einer .Hausordnung stehen, Ihren Wünschen jedenfalls entgegenkommen wird ich meine eine Eintheilung deS Tages " Ja. bitte, theilen Sie sich den kag nur ganz ein. wie es Ihnen paßt," fiel Tri.. ein, da Frau von Graßmann zösiede. Sie sind ganz ungenirt. und ich will Sie so wenig wie möglich incommodiren " .Aber so war eö nicht gemeint," wehrte Frau v. Graßmann ab. doch Trix war einmal im Zuge. Ja, ich meine es aber so," versicherte sie geläufig. Sie brauchen Fräulein Tinchen nur zu sagen, was Sie wollen, und Wagen und Pferde stehen Ihnen auch zu jeder Zeit zur Verfügung. Die Grauschimmel und die Viktoria ich hab's schon unten 'im Stall gesagt. Oder hab' ich's sagen wollen? Na. das ist egal, da hab' ich's jetzt gesagt! An den Hauptmahl. Zeiten Mittag und Abendbrot sich zu betheiligen, wäre wohl freundlies) von Ihnen, denn da kommt Pater Vküller auch herunter, aber wenn's Ihnen mal nicht paßt, wird Ihnen auch auf dem Zimmer servirt!" Ach in der That! Wirklich, Sie überschütten mich mit Güie," sagte Frau v. Graßmann ironisch. Ich bin mir ja vollständig bewußt, wie weit meine Stellung in Ihrem Hause geht, aber so ganz und gar ornamental hatte ich sie denn doch nicht aufgefaßt!" Sie werden auch so noch genug von mir bekommen," versicherte Trix, der das Siegesbewußtsein etwas von ihrem sorglosen Uebermuth zurückgab. Frau v. Graßmann's weiße Augenlier senkten sich noch etwas tiefer und ihre Lippen kniffen sich mehr zusammen ihre Bemerkung hatte eigentlich eine andere Antwort provoziren wolle l. ..Vielleicht habe ich schon genug," sagte diese stun me Sprache, laut aber erwiderte sie: Wir werden sehen. Auf Wiedersehen denn, beim Souper!" Damit trat sie, gefolgt von der Wirthschaften, den Rückzug an und hielt Einzug in die ihr bestimmten Räume, die ihr freilich nicht fremd waren: ob sie aber gerade angenehmr Erinnerungen in ihr Incesten, das stand freilich auf einem anderen Blatt. Trix aber blieb triumphirend auf der Wahlstatt dieses ersten Treffens zurück. Das haben wir fein gemacht," versicherte sie ihrem freundlich wedelnden T ickel. Mit Gracie haben wir sie auf ihr eigenes Pedal gestellt, Piedestal übrigens, nicht Pedal, hat VetterHans gesagt. Daö ist zwar wieder mal analog dasselbe, aber gleichsam quasi das Gegentheil. Wir wissen schon, wie'ö gemeint ist, nicht wahr, Excellenz? Aus deutsch nennt umn'S kalt stellen". Freundlich war ja eigentlich meine Begrüßung nicht, das kann kein Mensch behaupten, aber warum kommt die dumme Pute auch angezittert, als ob die Kaiserin von China käme! Uno Tante" soll ich sie nennen? Ja, weiter könnte mir gerade nichts fehlen!" Und die Erinnerung an diese glücklich überstandene Gefahr machte Trix so vergnügt, daß sie nach einem ergiebigen Thee, dessen consistentcren Theil sie christlich mit dem durchaus damit einverstandenen Dackel teilte, mit diesem einen Spazierang machte, von dem sie erst zurückkam, als es schon höchste Zeit für das Abendbrot war, und als sie nach ciner hastigen Toilettc in ihrem gewöhnlichen Sturmestempo in den Salon flog, der neben dem sogenannten kleinen Speisezimmer im Erdgeschoß lag, da fand sie dort schon Frau v. Graßmann und Pater Müller vor sich, die sich, wie Trix es für sich selbst ausdrückte, in allen lebenden und todten Sprachen anschwiegen." Den Anschein hattr e. Frau v. Graß mann saß, sich mit einem schwarten Flitterfächer fächelnd, stumm am Jta min. dessen Feuer dem kühlen Früh lingöabend eine behagliche Wärme im Wmnm verlieh, und Pater Müller stand am Tisch in der Mitte und schnitt die Blätter einiger der darous liegenden Revücn auf mit der liebe vollen Sorglichkeit des BUchersreun des. Er war schon vor ihr hier gewe sen der neu gelommcnen Journale wegen natürlich und hatte so die stattliche Ehrendame der Herrin von Frauensee bei ihrem Eintritt begrüßen können und sich ihr vorgestellt. .Pater Müller. Cavlan der Abtei." 'an,' mamie ssrau v. raymann likierruscht. Ich hatte nicht gewußt, daß dle Abtei jetzt einen Caplan hat. Als meine Schwester, die Gräfin Zell. hier lebte, mußte man nach Dorf Frauensee in die Kirche fahren." Das müßte man wohl auch heut' noc'), wenn mein alter, lieber Freund Rudolf Zell mich nicht im Moment des Versagens meiner Kräfte hierher ge bracht hätte," erwiderte der Pater. Gnädige Frau wissen ja, wie er war ,.O, vollkomme.!," warf Frau v. Graßmann kühl ein. Dank nahm er nie an," fuhr Pater Müller fort, und wenn ich mal davon anfing und ihn meinen Leben, retter nannte, da schnob er mich an: was ich mir denn einbildete, denn er hätte mich bloß hierher gelockt, um einen Grund für die Restaurirung der Abteikirche zu haben." ). die Kirche ist jetzt auch restaurirt?" fragte Frau v. Graßmann ohne sonderliches Interesse. Ich kenne sie
nur alö Lagerraum für die heterogensten Gegenstände " Sie ist sehr gut restaurirt, ich muß das sagen, trotzdem der Stil kein reiner ist. Spätgothischer Bau mit Ba-
rockornamentcn! Ein schreiender Anachronismus ! Aber natürlich, es hätte Unsummen gekostet, hätte man den ganzen Schniuck entfernen wollen. Und daö Altarbild, eine sehr schöne maris stelln", hat ein junger deutscher Künstler in Rom gemalt und damit sein Glück und seinen Ruhm begründet. . . im Auftrage Rudolf Zell's. Ia, mein guter, seliger Freund hatte in seiner rauhen Schale doch ein vortreffliches Herz, und '.x hat seinen Reichthum richtig angewendet. Wenn man das von allen Krösussen sagen könnte, gnädige Frau, dann wäre das Bibelwort vom Kameel und vom Radelöhr hinfällig " Wahrscheinlich." nickte Frau von Graßmann kühl. Apropos, hatte mein Schwager, mit dem ich seit seiner Trennung von meiner Schwester gar nicht mehr in Verbindung gestanden, in seinen letzten Lebensjahren einen Sekretär Namens Namens Mayer nein Müller, Aloys Müller?" Pater Müller rieb sich verlegen die Hände. Doch nicht, gnädige Frau," sagte er. die Augen auf den Journalen. Das feilt, einen Sekretär unter die--sem officicllen Titel hatte er nicht. Nur hin und wieder habe ich selbst rür meinen Freund dessen Corrcspondenz erledigt, wenn er mich in besonderen Fällen damit beauftragte " Ah so. Ich verstehe." fiel Frau v. Graßmann gelassen ein, aber ihre leise, einschmeichelnde Stimme klang jetzt etwas heiser. Im Auftrage Aloys Müller" war der Brief an mich vom Vorjahre gezeichnet. Verzeihen Sie meine Wißbegierde, Ho'chwürden war dieser Brief diktirt?" Ja und nein, gnädige Frau," erwiderte der Pater, sich in seine stille Klause zurückwünschend. Ich habe das Diktat, im Einverständniß mit Rudolf Zell natürlich, noch einmal umgeschrieben " Ah, das heißt, Sie haben die Insulten ausgelassen und den Rest aus dem Sinn, der ja schon freundlich genug War, möglichst schonend siilisirt," sagte Frau v. Graßmann. Schade, daß Rudolf sich nicht für alle seine Ergüsse eines solch' freundlichen Filters bediente, er hätte dadurch viel Bitterkeit vcrinieden und viel weniger Haß erweckt. O. wir sind also eigentlich Bekannte. Hochwürden durch oie Feder. Run. Sie hätten sich Ihre Lobeshymne auf meines Schwagers edles Herz ruhig ersparen können. Ich kannte es, und darum ist der Eindruck nicht der Mitf) entsprechend." Damit ließ sie sich neben dem Ramin nieder und entfaltete ihren Fächer. De mortuis nil nisi bene," murmelte Pciter Müller halblaut, aber Frau v. Graßmann zuckte mit den Achseln. Das gehört zu Ihrem Amte," meinte sie trocken. Zum Amte jedes Christen." erwircrte der alte Herr sanft. Ich habe da einmal ein Lied singen hören in meinem Dorf von fahrenden Musikanten, und davon ist der eine Vers mir im Gedächtniß zurückgeblieben: Der Mensch soll nicht hassen, denn kurz ist das Leben, l'r soll, wenn er gekränkt wird, von Herzen vergeben, Wie viele haben auf Erden den Krieg sich erklärt Und machen erst Frieden tief unter der Erd' " Frau v. Graßman antwortete nicht gleich. Dann wandte sie dem Pater ihr weißes Gesicht zu. Hat er vorher Frieden gemacht?" fragte sie scharf. Doch in seiner Art," entgegnete der alte Herr. Der Beweis dafür ist die Anwesenheit von Beatrix Dornberg alö Herrin von Frauensee." Frau v. Graßmann zog die MundWinkel herab und schwieg, und da der Pater auch nicht recht wußte, wo und wie er von Neuem einsetzen sollte, so kehrte er zu seiner Revue zurück, und in dies Schweigen stürmte Trix herein. Na, ich dachte wunder, wie spät ich käme," lachte sie mit einem Blick auf die Uhr über dem Kamin. Lumpige fünf Minuten ist ja gar nicht der Nede wertb. Äck batte nämlirb nr. gessen, eine Uhr mitzunehmen und habe mich bloß nach der Sonne und nach meinem Magen richten können. Der scheint also richtig zu gehen. Die Herrschaften haben sich hoffentlich inzwischen gut unterhalten," setzte sie gedankenlos hinzu, denn sie hatte sich doch schon über das stumme Paar amllsirt. O. vortrefflich." lächelte Frau v. Graßmann. Und Sie sind allein herumgestreift, Fräulein von Dornberg?" , lllein? I, keine Spur. Seine Excellenz haben mich begleitet." Wahrhaftig? Spaziergehen auf nicht asphaltirten Wegen ist sonst nicht die Schwäche Seiner Excellenz." meinte Frau v. Graßmann kühl amüsirt. Rein? Kennen Sie ihn denn?" fragte Trix erstaunt. Ach ja, richng, setzte sie lachend hinzu. Er hat ' schon angeknurrt!" (Fortsetzung folgt.)
Schulen in amtschatka. Eine eigenartige Schilderung von den Schulen in Kamtschatka cntlvirft ein russischer Korrespondent aus dem fernen Osten". Wenn man in Betracht zieht, daß die Geistlichkeit des 20. Jahrhunderts in Kamtschatka, in deren Händen die Schulbildung der Tungusen und Kamtschadalen liegt, in ihren Kenntnissci? niedriger steht, als die russische Geistlichkeit des 16. JahrHunderts, daß man als Schuttehrer in jener Gegend sogar Matrosen gern nimmt, so bekoiumt man einen Begriff davon, welcher Art die Volksschulen in Kamtschatka sein müssen. Ich besuchte zufällig." so erzählt der Äerfas. 1 er, eine Schule im Dorfe Tschumiwn am Ufer bc Ochotskischen Meeres, die als Beispiel für viele andere Schulen les fernen Nordens dienen kann. Xi: Schule liegt im Wale. ungefähr 400 Meter von dem Häuflein elender Tunguscnhütten entfernt, die eine Dorfschaft bilden und am Mceresufer verstreut sind. Die Schule selbst, acht Quadratmeter groß, ist aus Holz gebaut, das vom Meer auee.eworfen ist. Im Borzimmer ist ein Herd, der gerade so gebaut ist. !vie bei den wohl habenden Eingeborenen, leinen Ofen giebt es nicht. Ferner sind in ihm zwei Zimmer; das eine ist die Schule.
da? andere die Wohnung des Lehrers. Das einzige Mobiliar sind aus Brei' tern zusammeng.'schlaceueBänke. Während der Besichtigung der dürftigen Schule erzählte mir der Lehrer, der auch Psalmenleser der Kirche am Orte ist. die sehr kurze Geschichte der Gründung dieser Schule: ..Als ich in Wladiwostok war. rief mich unsere Behordc und sagte: Wenn es möglich ist. so richten Sie dort eine Schule ein." 34 scigte: Warum nicht? Das kann man." Man gab mir auch Kredit zur Erbauung der Schule." Großen Kredit?" fragte ich voll Neugierde. Nein, keinen großen '.m Ganzen nur drei Rubel!" ..Und Sie haben mit diesen drei Rubeln die Schule erbaut?" Wie Sie sehen, habe ich sie erbaut. Ich kam hierher und rief alle Tungusen zusammen. Wollt Ihr Eure Kinder schreiben und lesen lernen lassen?" Ja. wir wün'schen es sehr." sagten sie. Nun. da fing ich an zu lehren. Es sind fünfzehn Schüler da. zuweilen mehr. Die Sache geht ganz gut; es ist nur schade, ich kann kein russisches Alphabet bekommen. Man hat einige ABE-Bücher geschickt, aber alle sind in Kirchenslavonisch geschrieben. So muß ich sie denn dieses lehn. Wieviel bekommen Sie für die große Mühe?" Das Gehalt beträgt '16 Rubel im Jahr.Ter rbcitotaa des PapfteS PiuoX. Piu3 X. verwandelt durch seine außerordentliche Tl'ätigkeit alle Getvohnheiten des päpstlichen Hofes. Er steht früh auf. setzt stch an die Arbeit und bleibt gern ohne jede Störung dabei. Er sttjt bi J0 Uhr und oft bis 1 l Uhr an semom Schreibtisch und dann
gewährt er die nöthigen Audlenen. Während friilxr der'Staatssecretär zwischen 9 und 10 Uhr in Audienz empfangen wurde, kommt er jetzt spä ter, damit die .lwrmittagsarbcit nicht unterbrochen wird. Der Kardinal Merry de Val stellt sich erst gegen VI Uhr zum Bericht ein. und es kommt manchmal vor, daß der Papst den Staatssekretär zu Tisch zieht, um nnt ihm lveit.?r über geschäftliche Angele Neuheiten zu f pichen. In diesem (falle wohnt nur Mon sonore Bressan. der eheimsekretär Pius X.. der Mahlzeit U: und betheiligl stch an der Unterhalt tung. Die Nachmittagsaudienzen sin den dann früher statt, damit der Papst iiber einen längeren Abend verfügen kann, aber nicht uni spazieren zu ge h?n und stch zu erholen; denn schon um 4 Uhr zieht er sich in sein Arbeitsi, mer zurück, in dem er bis !) Uhr bleibt. Seine einzige Ruhe besteht in dem Le sen des Breviers. Man kann sagen, daß jetzt die einzige Erholung Pius X. mit der Stunde des Abcndeessns be ginnt. Dann wird nicht mehr von Geschäft gesprochen. Die gewöhnlichen Tischgenussen sind Msgr. Bressan und Msgr. Pescini. Bon jeit zu Zeit läßt der Papst seine beiden Schwestern kom. men. di.? natürlich hocherfreut sind, wenn sie ganz vertraulich wie früher mit ihrem geliebten Bruder eine Stun de bei Tisch verbringen können. In d?r letzten Zeit ist es ztvei- oder dreimal vorgekommen, daß Pius X. an einem schönen Morgen, ohn? Jemand vorher zu benachrichtigen, seinen rothen Mantel genommen, die Thüren, deren Schlüsse,' er hat, selbst geöffnet und eineu einsamen Spaziergang in den vaticanischen Gärten gemacht hat. Wenn die Wachen ihm folgen wollten, hat er ihnen befohlen, auf ihrem Posten zu bleiben; den Personen, die er traf, machte er mit der Hand ein freundschaftliches Zeichen und setzte dann seinen Weg mit der Miene eines Men sch?n fort, der glücklich ist. einen Augenblick der Freiheit zu genießen. Kürzlich brachte er eine ganze Stunde in den Gärten zu. Man sah ihn schnellen Schrittes stehen, dann stch plötzlich auf eine Bank setzen, Papiere nachsehen und seinen Spa'zierganq wieder aufnehmen. - i Das deu t s ehe Theater in Philade lphia, das unter Alerander Wurster und seiner Frau so sehr blühte und glänzende Geschäft machte, ist seit Wurster's Rückki;,, dem leider seither Wurster's Tod folgte, in bedenklichem Rückgang begriffen.
Keuer - Signale.
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