Indiana Tribüne, Volume 27, Number 184, Indianapolis, Marion County, 26 March 1904 — Page 5

Jttdiana Tribüne, SS. März tnon.

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rf 4UU W M JV , VUUll V. . ' v un Namen wußten seine

Eltern nicht zu finden, viel Zeit zum Nachdenken war nicht vorhanden, und dann war er auch gerade recht," meinte sein Vater brummend, so bekommt er meinen Namen." Da war das einzige, was Claus senior bei der Geburt sagte, und daraus schlug er die wackelige Thür hinter sich zu und trampelte von dannen. Matt und bleich lag die Mutter in ihrer engen Dachstube und dachte über so manche Dinge nach. Sie träumte von der Jugend, als sie noch so glücklich auf dem Lande wohnte, eine seltsame Vision erschien ihr. Sie sah grüne Kornfelder von grünen Hecken eingeschlössen, aus denen rothbackige Brombeeren hervorleuchteten, einen kleinen, rieselnden Bach, von rauschenden Ulmen umrahmt. Sie hörte Lerchen jubiliren und der blaue Himmel war so groß, daß sie fast davor erschrak. Sie fühlte sich so schwach und müde. In der letzten Zeit hatte sie so wenig Arbeit bekommen, und wenig Arbeit bedeutete wenig Brot. Eigentlich mußte sie aufstehen und an die Arbeit gehen, sie verlor da viel zu viel Zeit auf ihrer harten Lagerstätte. Doch als sie nur eben versuchte sicb zu erheben, fiel ihr Kopf schwer zurück und die Hände zitterten. Nun blieb sie ruhig liegen und hatte fast einen Genuß von dieser ungewohnten Ruhe ihres ganzen Korpers am hellen Tage. Nur wenn der Storch in ihr Tachstüblein geflogen kam, dann konnte sie diese Ruhe haben, vier waren schon dagewesen, doch sie hielten es nicht lange in der kalten Stube au ungenügende Ernährung" war jedesmal die Todesursache gewesen. Unwillkürlich zog sie das kleine Bündel ..Mensch" dichter an sich, und die Wärme des kleinen Körpers beruhigte sie. Der kleine Claus athmete so ruhig und hatte seine beiden Fäustchen geballt. Es begann zu dämmern, und die Mutter hoffte, daß Claus senior bald zurückkommen würde, er hatte ihr etwas mitzubringen versprochen- es fröstelle sie sie begann sich zu ängstigen. Plötzlich fuhr sie empor, si- hörte schwere Schritte auf der Treppe und dann ein Flüstern an ihrer Thür. Dann wurde die Thür geöffnet und sie gewahrte einen Mann, der schüchtern auf der Schwelle stehen blieb. Hinter ihm tauchten die Gesichter von einigen Frauen auf und suchten den Mann vorzudrängen. Geh doch hinein und sag' es," ricf ihm eine rauhe Frauenstimme zu. Du magst es sagen, ich kann nicht." gab der Mann zurück. Dich haben wir dazu gewählt," ricfen nun verschiedene Stimmen von der Treppe her. Der Mann schien nun all seinen Muth zusammen zu nehmen und trat einige Schritte vor und dem Bette der armen FtflN etwas näher. In der Hand hielt er eine alte Mütze, aus der Wasser tropfte, und streckte diese der Frau entgegen. mM dachte, diese würde Dir Freude bereiten, diese alte Mütze das ist nämlich ein Andenken an Deinen Allen,

verstehst Du?" Viiin war's heraus und der Redner wunderte sich, daß eo noch so gut geganqen. Wi wollt Ihr denn?" schrie die arme Frau, die sich ganz entsetzt mühsam emporgerichtet hatte. Ein Andenken an Deinen Alten." sagte der Redner von vorhin, mehr konnte er nicht herausbringen. ..Dummkopf, geh' wg. ich sag's ihr jetzt" schrie eine Frau, und trat hervor. ..Dein Mann ist ertrunken und das ist seine Mütze Gott steh' Dir bei. Man sucht noch immer nach ihm, gute Frau, und fischt mit großen Haken," sagte eine andere, wie um dem tragischen Gemälde noch eine buntere Färbung zu fc.ben. So kam es, daß der flein? Cla itl da einzige blieb, was die arme Frau auf Gottes Erdboden besaß. . AU Claus größer mürbe, war er v'cl allein. Dic Mutter mußte schon früh Morgens aufbrechen, um sich Arbeit zu suchen und erst beim Dunkelwerden kehrte sie heim. Ia konnte er dann seinen Gedanken nachhängen. Groß war sein Horizont zwar nicM, durch das kleine Daifenster blickte ein ganz kleines Stückch?n blauen Himmels l'mein und nicht immer war rl blau. Manchmal bekam er ein Stückchen blanker Kohle zu fassen, dann konnte er lange damit spielen. Er unterhielt sich mit diesem schwarzen Gegenstand und fragte ihn um so vieles aus. Al er aber niemals eine Antwort erhielt, wurde er böse und warf die Kohle fort. Manchmal wieder kletterte er an den Balken zum Dachfenster hinauf und beobachtete die Rauchsäulen, die aus hohen Schornsteinen n bis dumpfe Stadtluft stiegen, oder dic flinken Spatzen, die in den Dachrinnen

yecumpletten. Gar zu gerne hatte er mit diesen munteren Gesellen gespult,

sie kamen aber nie naner, blinzelten ihn bloß schelmisch an. und hüpften davon. Einmal blickte der siloern glänzende Vcmcud zum Icnsterchen hinein. Claus schrie laut auf vor Angst und crtroch sick unter der Mutter Bett. Es schien ihm ein großes, bleiches ßef'tcht zu sein. Die Gaslichter auf der Straße gefielen ihm schon besser, denn er wußte, wenn sie angezündet wurden, so mußte seine Mutter bald kommen. So lebte Claus den Tag nach seiner Art auS, die Mutter ließ ihm immer etwas zu essen zurück, und wenn er von all dem Denken müde wurde, so kroch er in seiner Mutter Bett und schlief bald fest ein. Mit sechs Jahren durfte Claus sein Spielfeld auf die Straßen verlegen, da! war eine Freude! Er war ganz glücklich kein Wunsch nach etwas Höherem. Schöncrem störte ihn in seinen Straßen-Träumcn. Alles war ihm gut genug und er konnte sich mit einem Schwein streiten. BIN eine weggeworfene

Orange im Rinnstein der einsame i

Claus aus der Dachstube war ein rechter Straßenjunge geworden. Vom lieben Gott hatte er selten etwas gehört, dagegen vom Teufel sehr häufig. Der Polizist diente ihm zur Erklärung beider Worte er stellte für ihn das Gute und das Böse dar. Wenn er in seiner besten Uniform und in seiner besten Laune durch die engen Straßen geschritten kam, so war er für unsern Claus ein guter Gott. Wenn er dagegen an nien, kalten Tagen dahergepoltert kam, so war er der Teufel und das rief ihm Claus oft genug nach. Bi zu dieser Zeit war Claul woh! schwerlich zum Bewußtsein gekommen, daß er auch eine Seele habe. Doch eines Tages sand er eine schöne Blume und diese erzählte ihm von seiner Seele. Bisher kannte er eigentlich nur Kartoffelschalen. Zwieleln. 5iohlblätter, aber eine wirkliche schöne Blume hatte er noch nicht gesehen. Eine weiße Hyazinthe hielt er in der Hand. Was. ihn zuerst frappirte. war der 8&ttffc Der drang durch all' seine Sinne, und bereitete ihm ein ungeahn te Vergnügen. Di'un merkte er zum erstenmal, daß der Rinnstein auch Düfte ausströmte, die ab:r recht verschieden von dem Hya-zinthen-Duft waren. Tann geioahrte er die feinen, weiften Blätter und das brachte ihn darauf, daß er im Vergleich doch recht, recht schmutzig war. Das reine, weis-.e. süß duftende Blümelcin fehle ihn vorwurfsvoll anzusehen, und e schien ihm. als ob es sich von ihnfern halten lvollte. Er wollte es küjZ'.'N, doch er fürchtete sich. Er legt? eS an feine Lippen, und dann neben sich auf die Stufen zur Kirche, wo er gerade saß, und blickte es lange, lange an. Da schlugen droben im Thurme die Glocken, und auch diese schienen für Claus einen Ton de Bortvurfs zu haben. Die Blume erzählte: Da ist draußen eine Welt, die Du noch nie gesehen, eine Welt, so frisch und duftig und glänzend, und dahin gehöre ich." Tie Glocken sangen: Da ist eine Welt hoch über uns, über diesem Rauch und Dan.pf. wo wir leben und wo unscre Stimmen ewig schwingen; höre doch, wie glücklich wir sind." Da begann eine Sehnsucht in Claus' kleinem Herzen zu klingen. Was es war, was er wollte, das wußt? er nicht, aber er fühlte, daß esetwas wunderbar Schönes war, und das er wohl nie erreichen würde. Er nahm die Hyazinthe vorsichtig auf und ihr Duft duccbschauerte ihn.

Irgend etlva in nun begann zu schmerzen, etwas stimmte ihn so plötzlieh traurig und füllte seine Augen mit Thränen, er wußte nicht wie, nocd warum. Er wußte es nicht, der kleine Claus, daß in diesem Augenblick er seiner Seele bewußt lvurde. Sie kam zu ihm durch der Alütbe Duft und durch den Glockenklang. Claus war ganz ernst und still geworden und ' ging langsam seiner: Dachstübchen zu. er fühlte, daß irgcnd etwas in ihm vorgegangen war. Als an diesem Abend Claus' Mutter nach Hause kam. fand sie ihn fest einteschlafen und in seinem Händchen die Hyazinthe. Sie füllte einen allen Wasserkrug und stellte die Blume hinein. Wahrend der 'Icacht mußte der Geist, der im Blümelcin so wunderbar duf tete. der Mutter auch mancherlei -iit (eil erzählt haben, vom rieselnden Bach lein und den rauschenden Bäumen sie saß so still vor dem feuerlosen Herd und dann und wann führte sie ihr Taschentuch an die Augen.

Gar manches passirte nun, nachdem Claus seine Seele entdeckt hatte'. Die schmutzige, dampfende Straße, früher sein ganzes Glück, war ihm zu wider geivo.den. Ein Hang nacb Abenteuern kam über ihn. Früher war er nie viel weiter als bis zur engen Judengasse gekommen. Eine Ahimu, sagte ihm,' daß nicht weit entfernt eine andere Welt Pulsire, eine schönere, größere Welt, und er sehnte sich danach, und er entschloß sich, sie zu suchen. Weder Kolumbus noch Vasco di Gama, als sie nach vielen Entehrungen und harten Kämpfen endlich das lang ersehnte Land gewahrten, konnten glücklicher und stolzer sein, als unser Claus, als er aus den dunklen, dumpfen Siraßen zum erstenmal hinauskam in die

laute, leuchtende Friedrichstraße und dann weiter wanderte, wie im Traum, bis Unter den Linden es erschreckte ihn fast, nie hatte er so.ch' einen großen Naui'l gesehen, aber die grünen Bäume, die waren ganz wunderbar, und er hätte laut herausjuvcln mögen. Er ließ sich vom Menschcnstrom weiter forttragen, es war eine ganz wundersame Welt für ihn. Run kam er durch ein honcs. prächtiges Thor da mußte es wohl zum lieben Gott gchcy. zum Reiche, wo die hallen Glocken freundlich herrschen, und wo alles so schön weiß und rein ist. Dock, wie jauchzte er erst auf, als er zu den Anlagen des Thiergartens kam die hohen grünen Bäume rauschten und schienen ihm etwas zurufen zu wollen, die Wasser plätscherten so silberhell, wie die Glocken, und erzählten ihm von einem ganz neuen Reich, wie konnte es nur so eine kristallklare Pracht geben, die kam jedenfalls vom Himmel, und jene Wasser in seinem Gossenstein direkt aus der Hölle. Diese liebliche Alumcnpracht, sie alle schienen auf ihn zu blicken und ihre DuftSprache verkündete ihm so viel Schönes. Wie verzückt blieb Claus stehen, die Hände auf dem Rücken und seine Mütze neben ihm auf dem Boden. Das mußte seine Seele gewesen sein, oie ihm sagte, seine Mütze abzunehmen vor dieser Blumenvracht. Nie hatte er etwas ähnliches gethan, es war sein erstes, unbewußtes Gebet. An diesem Tag kam Claus erst sebr spät heim, und nicht allein, sondern an der Hand eines Schutzmannes, der ihn aufgefangen und ihn gefragt, wo er hingehöre. Claus kam nun in die Volksschule und mit großer Freude begann er zu lernen. Doch auch die Liebe, die warme, unschuldige, reine Liebe lernte er dort in den kalten Schulräumen kennen, und das kam so. Zur selben Zeit mit ihm wurde ein kleines Mädchen aus seiner Nachbarschaft in dieselbe Schule gebracht. Sie war nicht hübsch, die kleine Lisbeth und

recht ärmlich angezogen, doch immer so reinlich. Manchmal trug sie sogar ein buntes Bändchen um ihren Hals und das stand dem bleichen, kleinen Gesicht so gut. Sie war blond, hatte graue melancholische Augen. Leider hinkte sie etlvas auf dem einen Fuß. An einem feuchtkalten lachmiitug, als dic Straßen so schlüpfrig waren,

sah Claus das kleine Machen vorsichtig dahinhumpcln, und seine Seele sagte ihm, daß er dem 5(inde helfen müsse, und er that e auch. Bon diesem Tag an begleitete er sie jeden Nachmittag nach Hause. Und sie theilten sich auch ihre mageren Borrathe. Auf ihrem Heimweg sehten sie sich oftmals auf irgend eine Treppenstufe zum Ausruhen, und dann erzählten sie sich immer so viel. Claus." sagte sie einmal, glaubst Du, daß e zu irgend etwas gut ist. daß man geboren wird? Ich glaub? es nicht." Davon weiß ich nichts," erwiderte Claus, der noch nie an derartigen Zweifeln gelitten. Nein, wirklich nicht, und ganz besonders dann nicht, wenn man ein Krüppel ist. Mein Bater schlägt mich so oft heute Abend mag ich nicht nach Haus." Das beunruhigte Claus und machte ihn auch neugieria. Was willst Du denn aber thun?" fragte er. Ertrinken will ich mich," antwortete Lisbeth ganz ernsthaft, das thun viele Menschen und weh soll's gar nicht thun." Nein, das gebe ich nicht zu, das will ich nicht," sagte Claus ganz entschlössen. Ich tbue es aber doch, und weiß auch schon die Stelle. Da ist's tief, wenn Du willst, so zeige ich sie Dir." Gut, zeigen kannst Du sie mir, aber weiter auch nichts, Du darfst Dich nicht hineinstürzen, das mußt Du mir ver sprechen." entgegnete Claus. Nun begann die Wanderung durch die Friedrichstraße. die Linden, beim Zeughausmarkt vorbei, bis sie zur Brücke kamen. Es war schon bereits dunkel geworden und ein dichter Nebel hüllte die ganze Gegend ein. Ein Wo -; gen rollte rasch vorbei, seine Laternen glänzten wie zwei Augen, erschrocken wichen die Kinder aus und verloren sich im (bedränge. Wo bist Du. Lisbeth," schrie Claus, dem unheimlich zu Muthe wurde. Sie hat sich ertränkt," rief er laut und weinend und suchte iin dichten Nebel in seiner Angst nach den Stufen, die zum Wasser hinuntersüyrtcn. Qni lich fand er sie. Gespenstischen Schau warfen die rothen Lichter von der Brücke oben und wie fernes Donnerrollen klang hier unten da Wagengerassel. Und da rollten die gelben Wassermassen langsam vorwärts, ein eisig kalter Hauch kam von ihnen herauf Claus begann seinen Muts) zu verlieren. Er lief hin und her am Wasserrand und rief uach seiner Lisbeth. Plötzlich hörte er einen leisen Ruf und im Nebel erkannte er eine dunkle Gestalt, auf die er zustürzte e war Lisbeth. Erst wollte er recht böse sein, wie es die Manncs-Natur in solchen Fällen ja immer ist. aber feine Seele erlaubte es ihm nicht. Er schlang seine Arme um das kleine,, zitternde Mädchen und küßte e& Bisher hatte er nur seine Mutter ge-

mßi, und oas kam auch nicht häufig vor. Es i:uirde ihm so warm, so glücklich um' Herz und tarn ihm vor, als ob Sonnenschein ihn umsloß, als ob viele, viele Bäumen ihren Duft auö-strömten.

Ein Mai-Morgen Unter den Linden. All' die hohen Bäume begannen auszuschlageu. ein frisches Grün machte sich an ihnen bemerkbar und der leichtfüßi Frühling sprang von Wipfel zu Wipfel mit leisem, hoffnungsvollem Geflüster, daß er schöne Zeilen mitgc bracht habe. Die Bäume zitterten und rauschten vor Freude darob. Ein warmer Wind kam aus duftigen Schwirn gen einher, und am blauen Himmel lagerte eine einzige schneeweiße Wolke, auf der die Sonne glitzerte. Alle athmete Frohsinn, alles war frisch und rosig angehaucht und die Menschen trugen Blumen und plauderten so fröhlich das .rohe Berlin bereitete sich vor einen willkommenen Gast zu empfan gen, der böse Winter hatte lange und strenge genug geherrscht. Dort unter einer Linde standen unsere beiden Lieblinge, fast erwachsen und doch noch Kinder. Claus sah ganz stattlich au in einem guten Anzug, er war in einem groß? Geschäft ange stellt. Sein Herz war so voller kindlichem Frohsinn. Jeden Vorgen trafen sich die Beiden hier. Lisbeth verkaufte Blumen, holde Frühlingsengel, und etwas von der Zartheit und dem Dusle ihrer Pfleglinge haftete an ihrer zarten niedlichen Gestalt. Um ihre großen, grauen Augen lag stets ein tiefer, blauer Schatten. Ihre einzige Freude war der Augenblick, wenn Claus mit ihr plauderte, und deswegen alleine hatte sie noch Freude am Leben. Das leuchtete wie warmer Sonnenschein, wenn ihr schmucker Claus sich neben sie setzte und ihre Blümlcin bewunderte. E war wunderschön, und an diesem Morgen lag es wie Musik und köstlicher Duft in der Luft. Die Morgensonne vergoldete die ragenden 5lirchenspitzen und legte sich tvarm und liebkosend auf da frische junge Grün der

Bäume. Sicher ahnte Lisbeth etwas von dieser Pracht in sich, denn sie suhlt; sich so zufrieden und glüalich, und die Blicke der Borbeieilcndcn schienen ihr so voller Güte nnd Milde zu sein, wenn die Sonne schien. Sie saßen dann ruhig eine Weil?

zusammen und plauderten, während sie ilre Blnnien anbot. Manchn?a! fühle ich mich so müde," sagte Lisbcth, dch dann denke ich an Dlch, Clau--, und daß der näch'ic Morzen bald wieder da ist. und dann geht' mir wieder besser." Warte nur. sobald ich es nur kann, so Heirathe ich Dich. Lisbeth. und dann ciichsi Du keine Blumen mehr auf der Straße zu verkaufen." Aber ich thue das ja gerne, ich habe meine Bluinen so lieb gewonnen. Wenn ich sie anblicke, so male ich mir in'mer aus, wie schön es dort sein muß, wo sie wachsen. Du bist schon einmal dort draußen gewesen, nicht Claus? Erzahle mir doch einmal wieder etwas davon." Du weißt es ja schon. Lisbeth." und doch machte es ihm solch' inniges Bergi.ügen, immer und immer wieder davon zu erzählen es war eb:n bisher noch das größte und schönste Ereigniß seines Lebens. Als ich vor cinem Jahr zum erstenmal hinaus auf's freie Land kam, erschrak ich vor all' dieser Pracht da draußen, genau so, wie ich als kleineBursche zum erstenmal den Thiergarten durchstreifte. Weithin erstreckten sich die Felder und in der Ferne konnte ich genau sehen, wo der Himmel sich mit der rde vereinigte. Dazwischen waren wieder grüne Hecken mit vielen bunten Blumen, und Bäume, die auch überall mit Blüthen bedeckt waren und ganz wunderbar dufteten. Und ein Wald war da auch und ich blickte vorsichtig hinein. War das eine Pracht von blauen und gelben Blumen, weit, weit hin, al ob ein Teppich da ausgebreitet liege nichts als Blumen. Ich blickte mich um. ob auch keiner mich sehen konnte, und dann drang ich hinein in den dunklen Waldcsdom nnd warf mich mitten in die Blumenbeete hinein da waren so furchtbar viele, daß mein Hummwöl zen nichts schaden konnte. Immer wi?der rollte ich mich in den Blun'.en herum, und lachte und schrie vor un sagbarer Freude und Lust und stk's', mit meinen! Kopf an einen Baum, doch ich fühlte nichts, war viel zu glücklich. Auch glaube ich, daß der Wald es wußte, daß ich mich fo riesnglücklich fühlte, denn dort oben sang und trillerte es so frisch nnd fröhlich. Es war ein himmlisches Nottcn durch die Blu menpracht. Den Duft der vielen Blümelcin .konnte ich noch wochenlang nachher in mciilem Anzug spüren. ,'Jch spare jetzt und an einem warmcn Sonntag fahren wir Beide zusammen hinaus, wo Gott dic Welt viel lieblicher gemacht, als hier in der Siadt." Schon oft hatte Lisbeth diese Geschichte gehört, aber nie wurde sie müde, sie wieder und wieder anzuhören. Sie träumte dann immer davon an trüben Tagen, wenn sie ihre Blumen nicht verkaufen konnte. Tann un.'r hielt sie sich mit ihren Pfleglingen und fragte sie ans, wo sie her kämer, und wie'' es dort in ihrer Heinwth denn eigentlich aussähe. Wenn keiner sie be

ooaryrne, so viuate t Die vlauen, zarten B ilchcn an ihre bleichen Lippen und flüsterte ihnen ihre Wünsche in die biauc. Blumensetleu. Wenn Etau dann an die Arbeit ging, so bcam er stets das schönste Blümlein mit, dai' war wie ein zarter Stuß. Für einen Augrultck wir das große, stolze Berlin vor ihren Aug?.i verschwunden und sie sahen nur einonder und suhlten den Schwung ih:er Seelen. Der lang ersehnte Sonntag war eingetroffen, das ersparte Geld wurde in zwei Elsenbahnbillets nach Ahlbcck angelegt, sie wollten an's Meer. Das war ein furchtbares Gedränge, der Zug war so überfüllt. Doch nun saßen die Beiden ganz glückselig am Strande und in sprachlosem Erstaunen-blickten sie auf dieses Wunder hinaus. Hätte mir nie gcdacht, daß es etwas so Große's gäbe in der ) uT meinte Elans, und auch nicht, daß der Himmel so weit reiche." Das kommt daher, daß man in Berlin den Himmel immer mir so stückweise zu schon bekommt," erwiderte die kleine Philosophin Lisbeth. Ich bin doch ängstlich vor all' diesem Wasser, es ist aber so wunderschön und gliiert wie Silber dort drüben." Claus legte seinen Arm um seine kleine Blume. Viele Worte fand er nicht, aber er fühlte, daß diese Mädchen ihm angehöre und er es im Leben beschützen müßte. Sie blickten voller Glück in den Augen auf die rollenden, rauschenden Wogen, ihre Seelen erzitterten. Weit draußen lag ein rother Schein avf dem Meere und einzelne weiß leuchten' Segelboote zogen hindurch. Im Süden ballten sich Wolkenmassen zu wein, molligen Dünenmassen zusamme luf welche die Sirahlen sich fun-keln..-legten. Sie erschienen nun wie Gebirgsränder im Alpenglühen. Doch die Massen kamen langsam näher und färbten sich immer dunkler und ein Windhauch strich über den Strand und wirbelte feinen Sand auf. Zugleich giug die durchsichtig blaue Färbung des Meeres und des Himmels in grau über

und einzelne Wolkenvorboten mgten über den Himmel hin und verhüllten dic Sonre. Aus weiter, weiter Ferne kam ein leichlcs Donnerrollen über die See, das zu einem dumpfen Grotten der brütenden Gewittcrmächte an schwoll. Lisbeth ergriff ihre Feldblumen, die sie sich auf ihrem Wege zum Strande gepflückt, nn'o Beid: eilien zurück. Die Abfahrtstation lag ein? gute Sirecke landeinwärts und schon begannen schwere Wassertropfen zu fallen. Ws sie endlich zum Bahnhof gclanglen, waren sie schon tüchtig durchnäßt. Alles war schon besetzt und Claus und Lisbeth konnten nur noch ein Plätzchen unter dem Dach des Bahnsteige finden: der erzürnte Himmel erschreckte sie. nnd das Donnern nnd Tosen ließ ihre Herzen erbeben. Dumpf rollend kam d?r Zua bcrangebraust. Plötzlich fiel Lisbeth auf die Schienen, wahrscheinlich war sie vc! den drängenden Menschen gestoßen worden. Claus sprang ihr zu Hilfe und riß sie vom Geleise und Hundert? von Armen streckten sich ans. um das klein.' Mädchen zu ergreifen. Doch ehe man sich dessen versah, rasselte die Lokomotive hcran und ergriff Claus und die schjncren Räder rolllen über den zuckenden Körper. Matt trug ihn in ein nahes Krankenbaus und die zitternde Lisbeth folgte, wie in einem bösen Traum befangen. Das war ein braver Junge." m.:i'e einer aus der Menge, hoffentlich rettet man ihn noch." Ein großer Friede herrschte hier in den Räumen des Leidens, aus de: nahen Kirche drang Orgelspiel zu den Kranken und die barmherzigen Schwer steril brachten Trost und Linderung den armen Leidenden, von denen manche ihrem Gott schon sehr nahe waren und darunter befand sich auch der brave Claus. Er lag in einem schönen, schnceweien Bett und neben ihm saß seine i leine, zarte Lisbeth, die er gerettet halte. Sie schien nichts zu hören und nichts zu sehen, mit großen, weiten Augen blickte sie durch' offene Fenster, wo d e letzten wannen Sonnenstrahlen sich spiegelten. Ihren Strauß Feldblumen hatte sie auf's Bett gelegt. Ihr Ge sicht war fo bleich, fast bleicher noch als das ihres brauen Retter, dessen Hand sie umklammc-tlelt. Die Sonne warf ihre verschwindenden Strahlen bis an' :ti des Sterbenden und vergoldete die Blumen. D'e Orgeltöne schmolzen so weich durch di? Abendluft. Plötzlich schrote Lisbeth auf und rief verzweifelnd aus: Nein, nein, er darf nicht sterben, mein Claus, me'n lieber guter Claus, Gott, nimm ihn mir nicht." Die barmherzige Schwester weint? leise und sprach beruhigend auf Libeth ein und strich über ihre weichen, braunen Haare. Waren es die Orc;e! töne oder das krampfhafte Schluchzen des Mädchens Claus öffnete noch ein mal die Augen und flüsterte mit glänzendem Blick: Das war aber ein ivundcrvollcs Rollen durch all' die duftenden Blumen."

'.mMirl,. Fritz! (der den zlveiten Tag die Schule besucht): Papa, wie lanz muß ich noch die Schule besuchen?"

Bom Inlande. Neulich kainen an einem Tage 65 bewaffnete Indianer in die Stadt Herbert. I. T.. und thaten sehr -geheim, was einigen Bürgern schon Aufregung verursachte. Schließlich erklärten die rothen Ztrieger, daß sie von einem Spezialagenten des Mikado angeworben seien, um Japan gegen Ruhland Hilse zu leisten. Jeder hatte dem Agenten $2 bezahlt als Psand für sein Erscheinen, worauf sie direkt in den Krieg ziehen und außer gutem Gehalt auch viel ..Feuerwasser" erhalten sollten. Als man ihnen klar machte, daß sie die Opfer eines Schwindlers geworden seien, war dic Wuth groß, umsomehr, da die meisten arm sind und kein Geld mehr hatten. In Niagara Falls. N. Y., fiel neulich eine bedeutende Eismasse von dem Gletscher am Rande der Schlucht auf das Turbinenhaus der Catarakt City - M'ihle und zertrümmerte diese Struktur vollständig. Auch das Dach der Schoellkopf & Matthewsschen Mühle wurde von fallenden Eismassen schwer beschädigt. Das Eis an manchen Stellen war dieses Jahr von ungewöhnlicher Dicke, und man wußte, daß das eintretende Thanwetter Zerstörung von Eigenthum bringen würde. Der Vormüller der Catarakt Co. hatte dieses Werk ' kurz vor dem Niedersturz außer Betrieb gesetzt und wahrscheinlich dadurch größeres Unglück verhütet. Ein braves, altes Ehepaar ist fast gleichzeitig gestorben auf der Insel Mackinac in Michigan. Als vor einigen Wochen die Gattin des dortigen hochgeachteten zweiundsiebzigjährigen Burgers Joseph Willmote schwer erkrankte, sagte er: Wenn jetzt nach unserer achtundvierzigjährigen glücklichen Ehe meine liebe Frau stirbt, kann ich sie nicht überleben." Kurz darauf erkrankte auch er schwer. Und jetzt ist er eines Morgens um 1 Uhr gestorben, als seine Frau in den letzten Zügen lag; vierzehn Stunden darauf folgte sie ihm in den Tod. Die gesammte Bevölkerung der Insel betrauert die Verstorbenen. Das Leichenbegängniß ward von der StadtVerwaltung geleitet. Die Aldermen und die Ex-Äldermen fungirten als Bahrtuchträger. Das Opfer einer abergläubischen Furcht wurde angeblich der New Dorker Kaufmann John Reves. Er litt an Asthma und kürzlich verschlimmerte sich sein Zustand derart, daß seine Frau Amclia in ihn drang, er möge sich nach dem Bellevue Hospital bringen lassen. Nicht heute," protestirte Neves. Weißt Du nicht, daß heute der 13. ist? Wenn ich den heutigen Tag überlebe, gehe ich in's Hospital, aber nicht am 13." Frau Reves holte einen Arzt, welcher den Patienten sehr krank fand und die einzige Rettung darin erblickte, daß sich Neves ins Hospital begebe, weil eine Operation nohloendig sei. Alles Zureden blieb vergebens. Am Nachmittag kam der Arzt nochmal und requirirte, unbekümmert um Reves' Protest, eine Ambulanz. Als diese erschien, war der Kranke schon todt.

Den Niagara - Fällen, die bereits von der Industrie so schlver beeinträchtigt sind, droht noch größercr Wasserverlust. Eine neue Corporation ist erschienen, die Niagara Falls, Lockport & Ontario Ponxr Co., welche nichts Geringeres beansprucht, als den Fällen Wasser in beliebiger Menge entziehen zu dürfen. Durch Verleihung einer Concession an sie würde der Pracht der Fälle ein baldiges Ende gemacht werden. Gegen diesen Anschlag regt sich nun aber doch eine starke Opposition, freilich nicht sowohl von Naturfreunden, als von denjenigen industriellen Unternehmungen, die den Fällen schon jetzt ungeheure Wassermassen für ihre persönlichen Zwecke entziehen und eim neue Concurrcntin fern zu Hilfen suchen. Von der New Dörfer Staategesetzgebuna wird jetzt, namentlich auch von der New Aorker Staatsbehörde, welche die Aufsicht über den New Dörfer Theil der Fälle fuhrt, kräftig gegen die neue Gefahr angekämpft. Noch immer gefährlich ist die Baltimore? Brandstätte. Arbeiter ein Salvage & Wrccking Company waren in dem Keller des Gebäudes an der Ecke von South und Water Straße mit dem Bergen von WXX) Kisten von Conserven, die dort lagerten, beschädigt. Die Mauern des Kellers befanden sich in anscheinend gutem Zustande, aber kurz nach 11 UhrBormittags stürzte ein etwa 12 bei 16 Fuß großer Theil ohne irgend welche Warnung zusammen und in den Keller hinein. Der Arbeiter Byrne wurde bis unter die Arme und sein Kamerad McGuire vollständig von den Ziegelsteinen begraben; deren Mitarbeiter kamen mit dem bloßen, wenn auch großen Schrecken davon; aber der Vormann Stewart erlitt durch fallende Ziegelsteine ebenfalls Verletzungen. Daß Bnrnes und McGnire nicht augenblicklich getödtet wurden, ist der Thatsache zuzuschzeiben, daß sie vor der vollen Wucht oer Steinmasssn durch ein starkes Drahtnetz, wie eö bei Elevatoren zur VerWendung kommt und das zuerst auf sie fiel, Schutz fanden. Das Netz selbst mußte mit Zangen zerschnitten werden, ehe man sie nach mehr als einer Stunde aus ihrer schrecklichen Lage befreien konnte; sie sind gleich dem Vormann schwer verletzt.