Indiana Tribüne, Volume 27, Number 182, Indianapolis, Marion County, 24 March 1904 — Page 5

Jüdinn Tribüne, März 1904.

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G

Achte Ehre

Hon ttouifc A l g e n st a e d t (X. AnmtA$tn)

A v

S gibt Icbeuöfatlc Leute, die den 2cb rufen, so lange er aufrer Si.ht ist, aber wenn er kommt, noch eii.ru Versuch machen, ihn

3 li betrügen. Aber Leute, die ohne lyie (5rdenlvallen6 müde zu sein -sich mächtig auf ihr ciaenei Beqr.bnib

freuen, sind gewiß seltener. Ter kleine Aktuar in Grenz war ein solcher, und das; er sein Leichenbegngniß herbeisehnte, ohi'e doch Ueberdruf; an seiner irdischen Pilgerschaft ,',u empfinden, trug einen Konflikt in sein Leben. Daö Leben war für ihn Bedingung des vorempfindenden Genusses dieser Feierlichkeit und zugleich ein Hinderniß des wirklichen. Es befähigte ihn zu diesem Hochgefühl und verbot es ihm zugleich. Wenn er sich fein dercinstiges militarisches Leichenbegängniß ausmalte, was er täg..ch that, machte es ihm ein erhabenes und zugleich grausam wehcS Gefühl. Unfaßbar herrlich war es. Gegenstand desselben zu sein und unerträglich der Gedanke, drinnen im Sarge eingekapselt zu liegen und es ganz einerlei zu finden, was um ihn her vorging. In den Reihen des Grenzer KriegerVereins hinter der umflorten Fahne kam er wieder einmal vom Friedhof. Die Musik gab die Rückkehr zur Alltäglichkeit an; vor der großen Pforte hatte sie das Lied begonnen: Ich hatt' einen Kameraden" in die Stadt ging es mit einem feurigen Marsch. war Soldatentrauer, ähnlich wie im Felde: Beistand dem Fallenden ein wehmüthiger letzter Gruß dann vor wärts! Die straffen Tritte knirschten über den gefrorenen Boden, aus Osten wehte es scharf. Eine ganz verwünschte Kälte das beute!" sagte der Oberaintsrichte? zu dem Aktuar, dessen Borge setzter er !var. DaS langsame Gehen undas lange Stehen! Ich bin über zeussk.'be! jedem solchen Vegräbniß wird der Grund zum nächsten gelegt." Der mit dieser Anrede Beebrte stimmte mit ein paar schüchternen Worten und einem Zcrlcai?n'hcithuft''n bei. das zugleich geeignet tvar, die Besorgniß des gestrengen Herrn in wohlthuender Weise von dessen eigener Person abzulenken. D Nachbarschaft war ihni nicht eben behaglich; der Oberamtsrichte? war heute nur auSnahmc'lveise mitgegangen. Oft machte der Kriegerverein diesen Weg, und iiimier einer weniger wurde es. Wen ließ man das nächste Mal dort? Man kam unwillkürlich in das verstohlene Abschätzen. Viel Verlaß war auf die meisten nicht: lauter Leute in den Fünfzigern manche von ihnen hatten vor Metz zu lange in Lehmpfützcn gelegen oder bei Loignn und Orleans w'xt einer Kugel im Leibe auf dem bereiften Erdreich. Was hatte der Pastor zuletzt gesagt? 4j;tut laßen mir ihn Ijirr fclilafcu Uno 0ff)it all hei tinirc 3tmfefM, Echt unß uch mit allem ffleist, Teiln per leb lommt uns glcichcrwris'. Wem zuerst? ..Jetzt nehmen wir den Kirchhof leichter. att in Loignn." sagte ein großer. lebenslustig au. schauender Gastwirth. der von auswärts gekommen war, und strich seinen wundervollen Bart. Er hatte die Mitkämpfer lange nicht ansehen. ..Jetzt geht'S alleweil von alleine." ..Und mit mehr Ehren." nickte der kleine Aktuar. Damals mit d.'m Schuß im S b?nkel von Stiefeln und Pfcrdehufezl getreten und hier so!" Obwohl er hohe Absätze und einen wahren Wolkenkratzer von Cylinder trug und die Brust herausdrückte, war er zwischen seinen beiden Nachbarn leicht zu übersehen. Er steckte in einem abgetragenen iockchen. aber er trug es nicht flatternd wie die Mehrzahl der Kameraden, sondern zugeknöpft, was ihm im vergleich eine schlanke, schnittige Figur verlieh. Der schöne Gastwirth machte sich an den OberamtSrichter das Gespräch ging über des Äcittetmannes Kopf weg. .Wie wir zweimal mit Hurrah über

die Dorfstraße gingen und jedesmal

ein Dutzend von den Unsern siel daS waren Vluqenblide, man mochte sagen

Momente, ijrn Kamerad! Bis in den

Kirchthurui binauf hatte der Feind

seine Schießscharten, und hinter der Feldftennl.iucr lag er Schulten ai

Schulter. Da aeaenan!"

..a- bi die Kirche voll von Ber-

tvundeten war und sie das Handtuch mit dem rothen ilrcin heraushängten,"

saate der Anaeredete m etwas reservn-

tm Ion, der aber doch die Stärke der

Erinnerung verrieth. Da blieb ja

auch vvn dort das schießen nach. Und wie die anderen Kompagnieen Haus für Haus mit Beil und Hacke nahmen und den Feind ausräucherten der Athem würd' einem knapp von all dem Qualm. Die Kerls ivehrten sich brav Sie schössen zu lange daö Dorf war ja schon unser." Und wi aus dem KeNer der Haufen' Dorfleute herauskroch 'wie aus dem feurigen Ofen. Der OrtSpriester hatt' sie gerufen und mit unstrm Leutnant verhandelt. Die wären sonst knusperig gebraten. Der Priester überhaupt hatt'

öcvurage nveraU war der lange, schwarze Nock! Sein eig'n Haus hatt' er voll Bertoundeter. Und wie unser Hauptmann die Ferme mit der Genfer Flagge anbinden lassen will, weil er lucini, die Flagge lügt weil wir von da beschossen wurden da wirft er sich auch dazwischen und holt die bewaffneten Soldaten heraus. So blieb das Haus sieben. Die übrige Zeit hat n Verwundete getragen. Da hat er ja auch diesen Kameraden hier sich in dei linken Arm gesammelt und ihil in Ber, Wahrung genommen." Ein witziger Blick glitt zu b:m Aktuar nieoer und suchte dann das Einverständniß bet

vornehk.:en Waffengefclhrl'en.

Dem kleinen Mann schoß da Blut

in die Stirn. Er öffnete d'.e Lippen zu einer zornigeit Entgegnung, aber die Nähe des Vorgesetzten bändigte ihn. $

erwiderte er nur melancholisch: Er be-

handelte mich so a6)ti.ngsvl.ll, als hätt' er einen Offizier vor sich. :nb wie er

die gequetschten und geschundenen Stel

len von den Fußtruten der Unseren sah.

sagte er, ich solle mich dieser kleinen

Wnndcn erinnern txrar vous cn foirc

honnour' ja so sagte er. Und rech! Hat er es ist ein anderes Getretenwerden, als im Civilleben."

Na ja die Honneurs kommen ge

wohnlich einen Posttag zu spät," sagte der Andere begütigend. Heute hatt'

unser tod.er Kamerad sie mal. aber

nun nennt der Pastor ihn Erde Asch: uno Staub. Mies was? Man muß

sich eben beizeiten dazu halte?, wenn

man nicht zu kurz kommen will. ' Er

nahm einen elastischen Tritt an. strich seinen auffallenden Äart und ließ die

blanken, dunkeln Augen über den Bür gersteig schießen, von lvo die Blicke sich auf ihn zu sammeln schienen.

Der Aktuar stand vor seiner Woh-

nung, grüßte die Kameraden militä-

rksch, aber riß danach für seinen Ge waltigen doch noch den Eylinder tief

vom Kopf. Hiernach stieg er die Trep-

pen htnan.

Als er in das Zimmer trat, wo seine

Mutter ihm von ihrem Fensterplatz her

mit Stolz entgegenjah, blieb er zunächst an der Thür stramm stehen und reckte

sich, als trüge er Kürassiersttefel und

Pallasch. Dann ging er rasch auf sie

zu und küßte ihr die Hand. Dal?l ;

legte sie die Linte ihm aus das schon

spärlich werdende Haar. Solche Ka valicrsmoden und tags wasch' und scheuer' ich meinem Innchon!" sagte sie zärtlich. Wenn Du Dich mau nicht

erkältet hast bei dem Winde. "

Ach Mutter -es war wieder ergrei send schön wie immer," erwiderte er fast schwärmerisch. Er ließ sich aus

das kattunbezogene, harte Sofa fallen.

..Du bist wieder ganz erregt ich seh'S Deinen Augen an." Wenn sie mich hintragen, so laß mir rückwärts im Deckel eine Glasscheibe machen, Mutter, damit ich sehen kann, lver mitgeht." Wie Du spaßen kannst! Wer mitgeht, kannst Du Dir aufrechnen. Keine Fainilie mit rothgelyeinten Augen weil Du bei Deiner alten Mutter ge blieben bist. Jluz die, mit denen Du eben herkamst! Aber die schwanen und lächelt wenigstens such nicht. Die sind wenigstens ernst und beuten an dazumal und wer das nächste Mal drankounnt. Und der Herr Oberamtsrich ter würde Dir auch vielleicht die letzte Ehre gebeu." Der Kleine setzte die Fußspitze un sanft nieder. Das wäre dann zugleich die erste!" murmelte er. Danach fiel er in großäugiges Brüten, während ihre sanfte, süße Altsrauenstimme ihm allerhand Lob, allerhand kleine, trbstcnde Sorglickikeit und Zärtlimkeit zusang wie ein Wiegenlied. Laß mich das Kissen sehen, das Du für ineiue Orden gestickt hast. Mut ter," sagte er plöb.lich und stand auf. Laß mich sehen, loie sie sich darauf au nehmen loerden -aber bemüh' Dich nicht, bleib' fil;fn. Im Schrank, nicht i

Ich wollte Immer so gern Dir Ehre machen. Mutter." Er suchte hastig aus öen Borten und brachte dann einen in Leinen ciilgeschlagenen Gegenstand hervor. Es lvar ein weißes Atlaski ffeg mit schwarzem Boden und schwarzer Umrandung. Bl c die Alte legte er es aus den Nähtisch, töftl die Medaillen von seiner Brust und befestigte sie probeweise darauf. Es waren das Eiserne .Kreuz zweiter Klasse, die Militärverdienstu'.edaille und die öricgsdenkmünze. Bald so. bald so paßte er sie auf den weißen Grund es wollte immer nicht recht stimmen; eigentlich war es einer zu wenig. Den inzivi' schen im Civile icnst erworlienen Orden, dem redlichen Manne und guten Bürger" gewidmet, ließ er aber zurii k. 5)eute hatte ex ihn nur angelegt, weil sein oberster Vorgesetzter mitging, auf dessen Befürwortung er ihn bekommen hatte. Der soll nicht mit. Mittt das ist ja. als wär' Redlichkeit nicht von mir zu ertv.irlen gewesen! Sieh. bitte so müssen sie liegen. Und dann gut befestigen, daß nicht einer in den

(schmuk fällt, Wie damals, als wir den Apotheker begruben. Und paß darauf, daß der Kamerad das Kissen ordentlich vor sich trägt nicht so an sich herandrückt, daß nichts zu schen ist." Wie soll ich darauf achten, Jungchen? Dazu mußt Du Dir 'mal jemand anders bestellen. 5ch werde nicht allein übrig bleiben." Doch doch! Du mußt übrig b!ei. den. Gerade Tu sollst noch etwas da von haben, und ich muß mich sputen. Wir wollen noch einmal Glanz und Pracht zusammen haben, Mutter! Immer ist Dein Leben Entsagung gewesen. Wenn ich hätt' lernen können

tn der schule und vorwärts kommen dann hätt' ich Dir ein Dasein bereitet lvie Du's verdienst. Aber ich kennt', nur dai Gew?hr mit Anstand schlep pen. Wenn ich die alten Frauen mit heißem Haar in den oorn't?:nen Hcu fern aniehe. wie sie durch Kind:r und Enkel ihren Einfluß weit um sich (,:: (.usbreiicn. thut es mir Her nvy " ei schlug sich die Hand auf die linke Bru. feite, und die Erschütterung v:rursm.t ihm einen kurzen bellmdcn Husten. ..Sie sind nicht halb, was Du bist. S!e

sind den Ihren niemals so einfaa) alle!, gewesen, wie Du mir, Mutter!" ..Sie werden auch nicht halb so a:' ehrt wie ich es bin durch mern Jungchen." ! Aber die Leute lachen höchstens, lpenn sie sehen, wie wir miteinander ünd und nennen es Bornehmchun. Alk wenn anständige Manieren für un? Hochmuth wären!" ..Nein die kosten kein Geld, nur Liebe. Wer nichts auf sich hält, der ist auch nichts." Er verwahrte sorgfältig daS Kissen und die Orden. Hast Tu Deinen Thee gehabt. Mutter? Berzeih'. daß ich jetzt erst danach frage. Ncin'i O. verzeih'!" Er brachte eilig auf dn tannenen Seitentischchen den Spirituslocher in Gang, deckte sauber und voll ständig den Sofatisch. holte ein paar Schüsseln aus dem 5iüchenschrank und vot dann seiner Mutter den Arm. Wenn das manchmal die Leute sähen, die mich am Tage, wenn mein Iungchen nicht zu Hause ist, bei der Arbeit treffen." lachte sie gerührt. Abends werd' ich bedient wie eine Königin." Er strich ihr die Brötchen und versorgte sie mir einer Eh:erbietui,q. die tägliche Gewohnbeit verrieth. Er selbst aß jedoch nur zum Schein; so saßen sie lange. Sein Gesicht wurde allmälia roth und di? Pupillen wurden sehr ;'.roß, wodurch seine sonst matten Augen etwas eigenthümlich Leuchtendes öekamen. Wie man sich verzehren!) ach Ehre sehnen kann, Mutter! Aber nicht für mich alles Dir zutragen yollte ich, um Dich etwas zu cntschädigen. Das mit dem Militär ist das einzige geblieben--und um den Einzug sind lnir a .nh noch gekommen wegen der Verwundung. Tarum mußt D'.l nothwendig übrig bleiben!" ; Was sprichst Tu. Jungchen? I'' docb warnm issest Tu nicht? Wie erli'fct Du aussiehst-" . t?s war lvieder ein schöncr Dag, Butter werth, roth angestrichen zu Werden." Wenn Du Dich nur nicht erkältet hast! Laß Deinen Puls fühlen ich alaube wirklich, Du fieberst. Bist Du nicht wohl? Sag' mir die Wabrheit!" Hier ist's mir etwas unbebaglich." sagte der kleine Attuar langsam und berührte wieder mit der Hand die linle Brustseite, aber diesmal vorsichtiger. Fünf Tage lag seiner Mutter Svln hi steigender Hitzc mit fliegenden Pulsen und einem eifrigen, zufriedenen, stolzen Gesicht. ES war ein Ausdruck, als raste und liefe er schnell und immer schneller zu einem lockenden Ziel. Der

Atheiti wurde immer kürzer und da

Gesicht immer glühender, bis es eines Morgens g.?nz weiß war. Die Alle

war überzeugt, er hatte die Ehre im Tode zu start herbeigewünscht, darum

ivar er gestorben.

Und noch drei Tage später stieg di.'

alte iTau in eine Droschke, nachdem

der Kricgerverein sich vor ihrem H.iu'e-

ordnet hatte, und fuhr auf Umwea.'u

dem Zuge voraus. Bvm Friedhofe

hörte und sah sie ibn cnkommen; bt;

Blasmusik durchschnitt scharf die Win !erluft die ffahne wallte in Flor. 'ä, leiern die Gcwehrlüufc einer Sol-

oatenabthcilung blitzten am Schlüsse

duf: er hielt vo der breiten Pforte

"jtun trat sie hinter Buschwerk und feej

mit adrigen Augen und lelchtgeöffne

tem 'iinde den Sinn allcj dessen ein.

was sie sah. Der Zug ordnete sich tvie der und bewegte sich herein. Die Haut

bvisten fingen denl)0pinschen Trauer-

inarsch auf's Weite an. Mit der erschü:

ternden, verzweifelnden 5Uage der Flü

.elhörner, Posaunen und Baßtube

vandelten sie im unerbittlichen Taki

.es Schicksals heran. Der Verein schwl sich daran, breite, augkgraute Mä-auc mit Orden auf dem Nock und sch ,'erc,

Augen, die oft starr auf einen Punli

gerichtet bli.-'en, damit leine Thräne

kollerte. Das nächste Mal brachen st.'

ivieder einen anderen. Wen? Dii

Hrage lag Ifl den Gesichtern.

DaS JlifitMi mit den Orden kam. S ''

loben steh schon ab von dein weis'.?.'.

Atlas ru wurden r.chtig gehalten -

das mußte sie noch i,'ntrolllren! Nun

der von Soldaten getrogene Sara -

Die alte Tixau dreiuc sich turz a'; und eilte mit uniicheren Knieen aus

Seite'.oegen voraus.

: Die Nöte und Klarinetten schluckten jetzt die süße, todtrau.ige Aclodie

des TnoS das Herz in der Brus

nrng ihr auf zum Zerspringen. Die

Tone nffen daran - ihr Jammern

fluthete ä':ei sie hinweg und drückle ihr

den 5topf so tief ncd?r. daß sie kau:'.

sah. wi-hin sie ging. Dieser 5Nage war

sie nicht g:'.oachzcn !venn sie doch gschwiegen hätten! Dir, war ja da! Weinen, was nicht einmal s i c sii. erlauben wollte es machte den Kcp so schwer. Erst als der Hauptsat) wie der erklang, war sie wieder bei ihr

Aufgabe. Sie durste nichts überseh n

oder überhören, für ihn mußte sie u, merken, um ihm später alles zu er zählen! Von allen Theilen deö Friedhose! kamen Leute, zwängten sich zwischen

den Gittern durch und juchten mn scheuer Reagier sich so nahe wie möglich an die Gruft heranzuschlängeln. Sei' er gestorben, war sie gar nichts meht von einer Königin, das war nur Ein bildung von ihm gewesen. Ungekann: strich sie zwischen den Grabstätten hir sie war nur eine gewöhnliche Frau. Nun war der Marsch zu Ende, und die Posaunen begannen nach ein Pause: Jesus meine Zuversicht." Eir innerliches Aufschluchzen warf die Altl

jetzt fast um; sie packte ein Gitter, aber

kein Laut kam über ihre Lippen, und

die weitsichtigen Augen blieben trockeu

und scharf, um alles aufzunehmen.

Unter den klängen des Chorals ver

sank der Sarg. Der Pastor nahm dai Barett vom Kopf, und die anderen

hielten ihre Eylinderhüte über deu Mund. Einigen war es nur eine Geste.

andere blieben in Andacht so noch stehen, als der Pastor sich wieder bedeckte.

Nun trat er auf den Erdhaufen, so dak

er über die Versammlung hinsprechen

konnte. Wentg nur verstand die Alte

auf ihrem ÄeobachtungSposten. Er nahm von einer ihm dargebotenen

Schaufel dret Hände voll Erde, warf

sie hinab und sprach das seltsame Wort von der Nichtigkeit und der unüberbiet-

baren Ehre: (?de zu Erde Asche

zu Asche Staub zu Staub" und

hier legen wtr um hinab tn der ge

wissen Hoffnung einer seligen Auferstehung." Wieder schwankte und flammte

der alten Frau alles vor den Augen. Sie griff um sich und faßte die Schul-

ter emes halblouchstqen Mädchens aus

der Nachbarschaft ihrer Wohnung und

stutzte sich auf dajielbe. ..Bletb hier 'n

bischen bei mir stehen, Kind ja?"

Der Pastor trat zurück. Die Ab-

iheilung Soldaten an der Gruft richtete

die Gewehrläufe schräg aufwärts in die

Baumkronen. DaS metallische Klirren

einer Kom- landostlinme unterschied sie

kaum von dem Geräusch der Griffe,

eine dreimalige Salve krachte über das

offene Grab hin. Dürre Blätter schweb-

ten nieder, und der Pulverdampf um-

zog die Nasen, die ihn auf dem Schlachtfelde einst aerochen.

Das war aber 'ne feine Salve und das Ganze überhaupt!" sagte das

Mnd. Die alte Frau nickte langsam.

Wenn er's doch noch erlebt hätte." lil MffUMS. Eine orioinelle Methode, der Post

ein Schnippchen zu schlagen, wurde unlänatt in Daris mit Erfola in Anwen-

dung gebracht. Kam da regelmäßig an

emem bcsttinmten Tage rn der Woche ein kaftanbekleidetes. schmachtlockiaes

Männchen auf das Hauptpostamt und

fragte den hinter dem Schalter sitzenden Beamten anaeleaentlick. ob nickt ein

Brief an seine Adresse aus Warschau

eingetroffen sei. Das war auch regel

mäßig der Falk. Da das Schreiben aber niemals frankirt war. sollte der

Pole selbstverständlich bezahlen. Un-

schlujstg nahm er jedesmal den Brief in die Hand, wog ihn hin und her, und gab ihn dann stets wieder zurück. Das geschah so oft, daß der Beamte endlich stutzig wurde und den Mann ziemlich

grob anfuhr, weshalb er denn so sehr aus den Brief versessen sei, lvenn er ihn dann nicht einmal annähme. Das will ich Ihnen um so lieber erklären," erwiderte der andere dienstbeflissen, als ich heute von hier fortreise. Porto kostet Geld und um das zu ersparen, habe ich mir mit meiner Familie folgenden Plan ausgedacht: Auf den Umschlag, den ich mir ja immer genau ansehe, schreibt meine Frau das. Wort ,r?,' meine Tochter setzi meinen Bor namen, mein Sohn meinen Nachnamen dahinter. Mein Schwiegersohn kritzelt das ,postlagernd' quer oben hin und meine kleine Tochtor fügt Paris hinzu. Wenn ich die sämmtlichen Handschriften der Meinigen vereinigt finde, toeiß ich, daß zu Hause al.es wohl ist und habe keinen Pfennig Porto zu bezahlen." Sprach's nnd ließ den verblüfften Beamten unter dem homerischen Gelächter der Zuhörenden stehen. Keine dumme Idee. Ter deutsche Kaiser machte jüngst in Potsdam in der Umgebung des Neuen Palais seinen gewohnten Spaziergang und kam dabei auch an eine Stelle, an der Handwerker dainit beschäftigt waren, die Fassade an einem Bauwerk auszubesfern. Ter Kaiser war etwas näher getreten und schien sich für die Arbeiten zu interessiren. Namentlich war dies der Fall bet einem der Arbeiter, der eifrig bemüht war, einen besonders schwierigeil Theil der Fauade auszubessern. Der 5laiser gab dem Mann einige Anleitilngcn, wie am besten ein Ausweg ge.unden werden könne, und der Arbeiter antwortete treuherzig: Wissen Se Maj?stät-das ist gar keene so dumme Idee!" Der Kaiser lächelte über diese freundliche Anerken. nung nnd setzte seinen Spaziergang fort, Merkwürdige Schulz ll ch t. Die älteren Knaben einer öffentlichen schule in Los Angeles. Kal., hatten sich, ungestört von ihren Lehrern, seit einiger Zeit das rohe Bergnügen gemacht, in den Pauseil ihre kleineren Kameraden dadurch zu qucilcn, daß sie dieselben hoch empor warfen und dann, lvenn möglich, beim Fallen auffingen. Letzthin gestatteten sie sich diesen Zeitvertreib mit dein neunjährigen Paul Hapst, verfehlten aber, ihn bei seinem Herabfallen aufzufangen; er fiel mit dein Unterleib auf einen Wasserhahn und wurde durch den Stoß tödtlich verletzt.

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