Indiana Tribüne, Volume 27, Number 179, Indianapolis, Marion County, 21 March 1904 — Page 7

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Trix.

Roman von CFufcir.in v. dlcttscld Vallestrcm.

stortschnng. Ja. das ist nun einmal so,- erjui derte dir Beschlies'.rrin, die ffrage total mißverstehend, aber sehr geschmeichelt, um r:P.ab gefragt worden zu sein. Darf ich mir die rage erlauben, wann die Dame ankoinmt?Gewiß, ffrau von Grahmann wollte morgen Abend hier eintreffen." Der Äeschlieszerin blieb völlig der Mund offen stehen. ftrau von rabmann' wiederhol' te sie fassungöloö. Ja. das ist ja die Schwester " "Jßon der Gräfin Zell." nickte i?3ea trix. Kennen Sie sie denn?" Ei, aber natürlich. Gnädiqe ffrau haben ftrau Gräfin mehrmals besucht. tin paarmal allein, einmal tu den Osterferien mit dem Söbncken!" 9tm war es an Beatrix, erstaunt zu sein. Ja freilich." fuhr Fräulein Tinchen fort, himmlischer Aater. war das da-

malS eine Range! Ich bitte vielmals

um Vergebung, daß ich mir solch eine Bezeichnung erlaubte aber Herr Graf haben es hundertmal selbst gesagt und sich gelb und grün geärgert über den nichtsnutzigen, boshaften Schlingel, wie Herr Graf sagten. Er durfte auch nur einmal nach Frauensee komnien, ja, nur einmal. Nun, tzt ist er längst Offizier, und da wird er wohl anders geworden sein!" Beatrix hatte Tinchen im Verdacht, daß sie die Personen in ihrem ältlichen Kopfe stark durcheincinderwllrfelte; der Justizrath hatte ihr nie etwas davon gesagt, daß Frau v. Graßmann einen Sohn hatte, er schien vielmehr selbst nichts davon zu wissen. Aber das war ja schließlich einerlei mit demSohne hatte sie nichts zu thun, und am liebsten war's ihr gewesen, sie hätte mit der Mutter auch nichts zu thun gehabt. Daß sie die Zimmer mit dem Ehvpregeruch nicht beziehen würde, stand fest in ibr sie gönnte den Geruch sammt den Reminiszenzen ihrer künftiaen Ehrendame von Herzen und trat ihr auch mit Wonne sämmtliche likruriöse Sessel darin ab indeß fand sie in den anderen Zimmern nicht so leicht den Plah, an dein sie sich gern niedergelassen hätte, denn der Geruch der Unwohnlichkeit lag auf diesen Gemächern. die selten eines Menschen Fuß betrat. Beatrix konnte sich zu keinem so recht entschließen, trotzdem Fräulein Tinchen das Zusammentragen von Möbeln vorschlug und von Bett- und anderen Vorhängen sprach, welche die Zimmer gleich gemüthlich machen würden. Zuletzt gelangten sie zu einem völlig gesonderten Appartement dem des verstorbenen Besitzers, und kaum hatten sie es betreten, so stand es in Beatrix fest, daß sie hier und nirgends anders wohnen wollte. Es waren nur drei Zimmer, nach dem See gelegen, in den eine Art von Söller, von ihnen ausgehend, hineinragte, epheuumsponnen die Itcrsgrauen Mauern, spitzbogig die Fenster, in deren Steinrosetten farbige Gläser eingelassen waren. Das erste war als Schlafzimmer eingerichtet, mit mächtigem. eichengeschnitzten Himmelbett, das purpurne Seidenvorhänge nun verhüllten, die sonstigen Möbel, alle köstlich in Eiche geschnitzt und schwarz vorAlter, wa.en reichlich vertreten und machten das Gemach wohnlich aemig, wenn auch in seiner schweren Pracht nicht gerade dem Geschmack junger Mädchen angemessen. Das zweite Zimmer war als Wohngemach im gleichen gediegenen Renaissancestil eingerichtet, nur war es hier nicht der deutsche, sondern der Florentiner Stil, der sich zu einer seltenen Collektin vereinte und Paneele und Tischplatten von Mosaikarbeit in Pietra dura" auswies, deren unvergleicht. .ye Schönheit und Kostbarkeit Acatrix' ungeübtes Auge instinktiv de griff, während sie den Werth dieser Tische. Kabinette und Schränke kaum annähernd ahnte. Die mit Purpurrothen Seidentapeten bekleideten Wände trugen in reichen, Florentiner Rahmen Eopien italienischer Meister des Einguecento. zumeist Portläts nach Tizian, Broncino u. a. und eintge Originalbüsten in vergilbter Pasta oder mit grüner Patina überzogenem Metall standen zwischen kostbaren alten Glas- und Mctallgefäßen aufBorden und Schränkchen. Die Bort)änge und der Bezug der Möbel waren von modernem, ober nach altem Muster hergestelltem lammet von tief purvurrothem Ton, der herrlich zu den schwarzen, eingelegten Möbeln stimm te, während ein großer, prachtvoller Flügel sich vergeblich bemühte, mit seiner Hiille von fchwarzpolirtem Pi lisander in seil Umgebung zu passen. Das drctte dieser Zimmer war rund, denn es lag in dem Thurm, der sich neben dem Söller zwischen diesen Flügel des Hauses und die Kirche drängte, welche das Viereck des gan zen Baus nach Norden abschloß. Es war al Speisezimmer im gothischen Geschmack vollgehangt, wo sich irgend ein Platz dafür fand. Die Verbindungsthür nach den beiden vorgenannten Gemächern stammte noch aus des Kloiter ältesten Tagen, eine zweite

nnrf) dem Korridor, der sich an den Zimmern entlang zog, war erst von dem letzten Besitzer ducchgebrochkli worden. Da, hier in diesen drei Zimmern haben der .Herr Graf fast ausschliej)lich gelebt," erklärte Fräulein TinÄcn mit Befriedigung. Im Thurmgcmach mußte ihm servirt werden, auf dem Söller standen im Sommer Gar tenmöbkl unter einem Zelt, das ganz zu öffnen war, wenn die Sonne unter-

gegangen war. Herr Graf mußten aber noch andere AußaÄVgt gekannt haben, als die. lvelche Baronesse seht, denn er war oftmals in den anderen Flügeln, während keine Seele gesehen, daß e den Korridor betreten hätte, llnd ebenso gangten Herr Graf in der Kirche drüben in die vergitterte Aebtissinncnloge, ohne bic Treppe dazu zu benutzen, die sozusagen officiett hinaufführt. Äa. ja in diesen alten ftänsern gibt'S mehr Schlupswinlei, al? iinfercijiu sich träumen läßt!" Beatrix duraischritt sinnend noch einmal diese drei Räume, indem ihre Hand in der Tasche ihres 5i leides mit dem Schlüsselbund klimrerte. das ihr all' diese Schränke. Schrärfchen und Schübe öffnen konnte sie trat durch die schmale, spitzbogige Thür des Wohn- oder Florentiner Zimmers, wie sein officieler Titel war. hinaus auf den Söller, der noch im voller Glänze der nachmittägigen Maisonne lag. die das junge Grün der neuen Epntriebe an dem alten Mauerwerk wie mit einem goldigen Reif überzog. Unten umspülten bi tiefgrünen Wasser des Sees dic Mauern flimmernd dehnte er sich südwärts aus in seiner ganzen Länge wie ein breiter Strom, der aber oben, spitz zulaufend, sein Ende fand, eingefaßt von beiden Seiten durch Laubwälder, in deren jungem, frischem Grün sich etliche Nadelhölzer fast schwarz ausnahmen. ..In diesen Zimmern werde ich wohnen," sagte Beatrix nach einer Weile laut. Bitte, lassen Sie meinen Koffer herausschaffen, richten Sie das Bett und machen Sie's sonst wohnlich, Fräulein Tinchen hier ist's hübsch und hier werde ich bleiben, denn hier habe ich Licht und Sonne und den Blick auf den See und den Wald da können Sie nur die ganzen anderen modrigen und finstern Zimmer lassen, wie sie sind vor mir huben sie Rube. Herrje! Was ist denn das?" unterbrach sie sich, denn mit einem Male schwirrte es über ihr, es kam wie eine dunkle Wolke vom Dache her und eine Taubenscbaar, größer wie die des heiligen Markus in Venedig ließ sich auf den Söller herab und versuchte Platz zu finden auf Beatrix' Schultern, Armcn und Kopf. Ja, ja, die denken, der Herr ist wieder da." nickte Fräulein Tinchen, in ihrer Tasche nach Krümchen suchend. ..Sobald Herr Graf sich auf dem Söller sehen lieh, waren sie da, sich ihre Leckerbissen von ihm zu holen. Aber was den Wunsch von Baronesse betrifft, hier zu wohnen natürlich, wie Baronesse befehlen, aber ich darf doch wohl nicht verschweigen, daß Herr Graf hier gestorben sind, zwar nicht im Bett, aber in dem hohen Lehnsessel am Kamin im Schlafzimmer." Beatrix drückte lächelnd ihre Wan ge an eine der Tauben, die sich ganz zutraulich auf ihre Schultern gesetzt hatten. Ja," sagte sie. das kann ich mir schon denken, daß er in seinem Zimmer gestorben ist. Daran ist doch nichts zn verschweigen." )," machte die Begleiterin verle gen, ich wollte nur sagen ich meine, Baronesse werden sich doch am

Ende nicht fürchten Beatrix lachte hell auf mit der ganzen Ueberlegenhcit ihrer neunzehn Jahre. Fürchten?" fragte sie. Vor was denn? Doch nicht vor n, einem todten Onkel? Ich hab' mich vor meinem todten Vater auch nicht gefürchtet, nein, er sah so schön, so verklärt aus. als er im Sarg' lag und ich Abschied von ihm nahm, und weil ich ihn so kehl gelieb! habe, bin ich nachher in sein Zimmer gezogen, weil mir's dort war. als wenn er unsichtbar bei mir wäre. Mein Onkel, sel'en Sie, hat mir seinen Besitz freiwillig hinterlassen: er muß also doch freundlich ineiner gedacht haben warum sollte ich niicl) vor ihn furchten?" Fräulein Tinchen wußte auf diese kunstlose Beweisführung nichts zu erwidern die Logik war ihr unbegreiflich, und deshalb fand sie auch keine Einwendung. Aber sie war eine gewissenhafte Person, deshalb machte sie einen neuen Anlauf. Herr Graf oachien auch gerade so," sagte sie noch einer verlegenen Pause, .und vor .)ochwürden darf mau ja uq nicniö unvere'' jagen, aver ur ven aü, daß Baronesse beunruhigt werden sollten und niich kann am Ende dafür veraiitivortlich machen sollten, so muß ich schon noch sagen, daß dieser Söller niäits ist, als das Dach für die Gruftkapelle der Tonnen, die hier gestorben si.itd dort unten liegen sie alle begrabe!" Lassen wir sie ruhen," erwiderte Beatrix, immer noch mit den Tauben spielend. ..Habend si: meinen Onkel ungeschoren gelassen, so haben sie an mir schon gar kein Interesse, denn ich habe das Ziloster doch nicht aufeho den, nicht wahr?" Das war ein Faktum, vor dem Fräulein Tinchen völlig verblüfft die Seael streichen mußte, und sie muu

rncltc daher nur etwas von gleich be sorgen" mit so lonsternirtem Gesicht, daß Beatrix Mühe hatte, nicht heraus zu lachen. Nun hab' ich sie aber schön auf den Pfropfen geseht." dachte sie. Der Justizrath hat mir'S aber gleich gesagt, ich soll mich nicht eliirn durch Tünchen' alberne Vespiknftergeschich ten schrecken lassen. Thue ich auch gar nicht hab' selbst ein paarmal im Stifte Gespenst gespielt und weiß also, wie'ö gemacht wird. Was hat er denn noch gesagt ach! ich soll, wenn ich'S fertig bringe, den Leuten eine Rede schwingen. ' Ja. warnm sollt' ich denn das nicht fertig bringen? 3ch yab's zwar noch nie gethan, aber solchen Quatsch, wie unser Nachbar Wulkuin tr unseren Iagdoiners zusammen gekolkt hat. bringe ich noch zehnmal sertig. Warten Sie mal 'n Bissel. Fräulein Tinchen." rief sie der gni schwindenden na i. ich komme mit und will mal unten in der Halle eine Nede halten. bis Sie hier oben fertig sind." Die Bes,I)!ießerin machte große Augen, aber sie führte ihre junge Herrin ohne Einwand hinab, wo in der Halle die Angestellten immer noch saßen und zwar nicht mehr tafelten, aber mit stellenweise schon recht rothen köpfen dem guten Weine zuspracheil, mit dem nicht gegeizt wurde. Als die weiße Gestalt der neuen Herrin von Frau.'nsee in der mit altem Gewafsen, Rüstungen und Hirsche geweihen schön dekorirten gewölbten Eingangshalle erschien, schwieg die schon stark te'fi Laute gehenoe (5onversation an dem langen Festtische, dem der Oberförster präsidirte und heute besonder verblüffendes Jäger latein zusammenlog. Beatrir stutzte wohl einen Moniern, aber die heimathlichen Ernte- und Neujahrsfeste tauchten in ihrer Erinnerung auf oas war so ungefähr das Gleiche, und dort batte sie sogar tapfer mit all' dem männlichen Personal tanzen müssen, was eigentlich recht harte Arbeit war. Friedrich, der alte Diener, der bei ihrem Erscheinen übrigens sofort zur Stelle war und nach ihren Befehlen fragte, brachte alsbald ein Glas Wein, das Beatrir ergriff. Sie trat damit an den Tisch, an dem sich alle erhoben hatten auf ein Zeichen des Ober.orsters. denn der wußte, was sich sckickt. ..Jetzt will ich eine Nede hallen." begann Beatrix. Darüber nachg dacht hab' ich nicht, sonst würde sie besser gehen, aber's schadet nichts, 's wird auch so werden. Eigentlich weiß ich nämlich nicht, was ich sagen soll, denn was ich von Reden bisher gehört, das waren immer Jagdtoaste, und so einer hat wohl heut' hier weiter keinen Sinn " c D-tch, doch." brummte der Oberför'ster dazwischen, und seine Untergedenen am Tische hielten sich für ver-

pflichtet, gleichfalls doch, doch zu rufen. Aha." fuhr Beatrix fort. ..na. dann ist die Sache überhaupt kolossal einfach! Hatt' ich mir gar nicht so gedacht. Nämlich, willkommen heißen konnt' ich Sie nicht, weil Sie schon vor mir da waren, und Sie ausfordern, brav zu sein, das ist pures Blech, weit Sie das schon allein besorgen werden. Wenn's aber ein Jägertoast ist, was Sie wollen, dann erhebe ich mein llas und rufe auf Ihr Wohl: Weidmanns Heil und fröhlich Gejaid alleweg! Hurra'." Hurra!" si:l der Stab der Armee von Frauensee begeistert ein. dreifach den Ruf wiederholend, und es ent stand ein Gedränge, weil alle zugleich mit der neuen Herrin anstoßen lvoll4n b schwellt von Stolz über ihre

eben entdeckte Rednergabe, dastand und mit glühenden Wangen den Effekt ihrer Worte bewunderte. Kaum aber hatte sich der Sturm gelegt, da klopfte der Oberförster an sein Glas, denn er wußte, was sich schickte, und daß es an ihm dem Doyen des Stab?s. war. den Toast zn erwidern. Hvch reckte er seine kolossale Gestalt in die Höhe, schöpfte tief Athem, putzte sun, um Zeit zu gewinnen, sodann umständlich die Nase und tthov endlich sein Glas. Also." begann er. ..loerthe und liebe Freund- und Tischgenossen'. Wir aben eben Worte gehört, welche unö lief ergriffen haben. Jawohl, das haben sie. darum erhebe ich mein Glas anb rufe: Die Dame, welche oft nein, die Dame, welche niemals das heißt, die Dame, welche immer na. kurz und gut. die gnädige Baronesse von Dornbcrg soll leben hoch' noch! bock!" eatriz stieg bald darauf, höchst zufrieden mit sich selbst, nach ihren Zimmern hinauf, nnd wenn ste in ihrem Gerechtigkeitssinn auch rückhaltslos anerkennen mußte, daß der Oberförster ihr in der Rednergabe zweifellos ,.iibtx" war, so konnte sie andererseits den Effekt ihres Weidspceches doch nicht unterschätzen. E? kommt also gar nicht daranf an, was man sagt," reslettnte sie, dnrch den langen Korridor im Kiebitzschritt chassirend eine Gangart, in der sie Birtuosin war. Die Hauptsache ist, daß man zuletzt Hurra schreit. Im Uebrigen glaube ich vorläufig, daß es ganz hübsch ist, solch' großen Besitz zu haben, und wenn die Aussicht auf d-n Ehrendrachen nicht wäre na, am Ende ist's aber ein ganz gemüthliches altes Haus!" Mit diesem Troste kam sie in ihren Zimmern wieder an, und da min inzwischen in den kaminartigen Oefen ein Feuer entzündet hatte, das 'die

kuyle. fröstliche Jufi. die unbcwohnten Ammern eigen ist, in behagliche Wärme verwandelte, und Fräulein Tinchen .nicht nur Blumen in Basen gethan und. weil es doch zu dunkeln anfing, Lampen angezündet, sondern auch im Florentiner Zimmer einen sogenannten stummen Diener aufgestellt hatte, auf dem ein alter silberner Theekessel leise summte inmitten kleiner, mit allerlei leckerem Zubiß belegter Schalen, so war Beatrix entzückt und beglüawünschte sich zu ihrem Entschluß. gerade diese Zimmer zu den ihrigen erwählt zu haben. Fräulein Tinchen wirthschaftete noch im Schlafzimmer herum, wo auch schon ein Kan: inserier biannte. Die Bettvorhänge waren zurückgezogen behufs Aufma chung des Bettes, welche Arbeit ein nettes, sauberes Zimmermädchen flink und geräuschlos besorgte. Riesig gemüthlich ist's hier," konstatirte Bcotrix vergnügt. Mein Onkel hat schon gewußt, warum er hier gewohnt Hut und würde sich sicherlich kolossal freuen, wenn er wüßte, daß ich den gleichen Geschmack habe wie er!" Sie teat noch ein Weilchen hinaus

auf den Söller, dann machte ste sich etne Tasse Thee, naschte von allen Platten unter Bevorzugung der Kaviarbrötchen und war endlich herzlich froh, als dic Schlafenszeit herankam und sie sich mit Anstand, ohne direkt zu den Hühnern gerechnet werden zu können, zu Bett legen konnte, denn der Tag war ermüdend für sie gewesen und im Stift hatte man auch auf frühe Stunden gekalten. Als sie sich dann, herzhaft gähnend, gelvohnhcitsmäßig selbst entkleidete, fiel ihr das Schlüsselbündeichen wieder in die Hände, das ihr der Justizrath gegeben, und die Neugierde, zu wissen, was die Schlüssel alles aufschließen würden, vertrieb ihr sofort die Müdigkeit. Kleider- und Wäscheschränke, beide von köstlichster Schnitzarbeit, waren nicht verschlossen, sondern von Fräulein Tinchen schon mit Beatrix' Habseligkeiten aus deren Koffer vollgeräumt worden, aber ein

großer Schreibtisch neben oem einen, sehr breiten Fenster de Schlafzimmer. der zwar modern war, aber sich in seiner Ausstattung den Renaissailcemöbeln d: Zimmers ebenso glücklich wie geschickt anschloß und mit zum Theil sehr merkwürdigen und werthvollen alten Gerathen bedeckt lvar, schien fest verschlossen; sicher hatte der Verstorbene hier gearbeitet und den zum Schreiben eingerichteten Tisch im Florentiner Ziminer nur gelegentlich benutzt. Die Schlüssel dazu zu finden, war leicht genug, sie waren an dem Gebund mittels kleiner gravirter Messingtäfelckzen bezeichnet, trotzdem zögerte Beatrix einen Moment, Gebrauch davon zu machen, denn in des Verstorbenen intimsten Dingen zu kramen, schien ihr nicht viel besser, als einen liegen gebliebenen Brief zu lesen, der nicht an sie gerichtet war; aber dann erinnerte sie sich, daß der Justizrath ihr ja ausdrücklich gesagt, sie solle den Schreibtisch beson ders gut durchsehen, denn es sei nicht unmöglich, daß Graf Zell etwas Schriftliches an sie hinterlassen habe, weil er davon gesprochen hätte, an sie schreiben ,',u sollen. Sie setzt? sich also vor den Schreibtisch und schloß die mittelste Schieblade auf -sie enthielt in tadellos Pein licher Ordnung eine Reihe sorgsam gebündelter Briefe, eine Bronzeschale mit uiigebraüchten Briefmarken jeden Werthes. eine Masse Federhalter aus den

diversesten Materialien, mehrere Gros Federn verschiedener Systeme nnd eine große lederne Briefmappe. Diese zog Beatrix aus der Lade hervor und legte sie vor sich hin aber sie enthielt nichts als lose, unbeschriebene Papierblätter in den Taschen und einige Bos.cn Löschpapier, die sie, ohne sonderliche Interesse, durchblätterte. Sie waren stark gebraucht, mit Tinte fast gesättigt hin und wieder lag ein Papierschnitzel dazwischen. Auf' dem letzten Blatte aber lag ein Bogen schlechtes Eonzeptpapier, bedeckt nlit'einer großen, dicken Handschrift, von der Beatrix die Ueberschrift Eonzept zu eineni Bliese au meine Nichte B. v. Dornberg' sogleich in die Augen fiel. Also hatte der Justizrath doch recht der Onkel hatte ihr schreiben wollen vielleicht hatte nur der Tod ihn an der Abschrift dieses Eonzeptes verhindert. Schrecklich langloeilige Mode dos, Conzeptc zu seinen Briefen zu schreiben," murmelte Beatrix, die das Schreiben überhaupt als eine höchst langweilige Erfindung betrachtete, so weit ihre eigene Thätigkeit dabei in betracht kam. Und sie las wie folgt: Richte! Ich nenne dich mit Willen nicht Uebe Nichte", denn ich kenne dich nicht und kann dich dal,er natürlich auch nicht lieben im wahren Sinne des Wortes, und das Wort nur anzuwenden. weil's mal so Mode ist ich hab' die Mode als solche nie mitgemacht und es fillt mir auch gar nicht im Traume ein, jetzt noch, am Schlüsse meines Lebens damit anzufangen. Paßt dir also dicAnrcde Nichte" ohne Epitheton Ornans" nicht, dann laß dir sagen, daß e? nichts niacht. Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben,' sage ich mit Pilatus, trotzdem ich sonst mit diesem geschichtlichen und biblischen Waschlappen nicht fympathisire. (Randbemerkung: Quatsch. Weglassen oder ändern. Würde dem MLbei blos den Schwachkopf verdrehen). (Fortsetzung folgt.)

M a l l t i ö S.

Denk' Dir nur, Amalic. neulich ist in, letzten Augenblick noch ein Leutnant zu mir ins Eoupe eingestiegen ein reizender Vcensch'.. . . Leider fuhr er bloß bis zur nächsten Station!" Natürlich! r konnte eben nicht früher aussteigen!"

Er hält nicht Wort. Sie wollen sich also scheiden lassen. Madaine? Ja. das will ich. Haben Sie auch besondere Gründe dazu? Natürlich. Er hat ein feierliches Bersprechen gebrochen, das er mir vor unserer Hochzeit gegeben hat. Und das wäre? Er hat versprochen, für mich selbst zu sterben, und hat es bisher noch immer nicht gethan.

Enttäuschung.

Dic Uhr her!" Leider habe ich nur den Pfandschein darüber!"

O d i e s e K i n d e r. Na. Bobbv, ich höre, du lernst schwimmen? Ja, und du auch, nicht wahr, Onkel? Ich nicht. Wie kommst du denn darauf? Ich dachte nur, weil Papa gesagt hat, dah du dich nur mit Mühe über Wasser hältst.

Ein Schlauberger.

Tourist: Was! Für einfaches Nachtlogis rechnen Sie fünf Mark?" Gebirgshotelier: Aber, Jhna, als echter Kraxler. darf do nix zu hoch sei'." Ein h ö , e r W i tz. . . .Ja. erznblte der Bt..?isch noch ganz erregt, und a6 wir vhe.l auf dem Plateau angelangi waren, gestand er mir seine Liebe. Also eine platonische Liebe, sagte die Freundin und verdarb dadurch mit einem Male die ganze Wirkung. E i n Biedermann.

Feuer - Signale.

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Strastenräuber (die Brieftasche durchtramend. die er einem Touristen abgenommen hat): Vier Vcahnbriefe vom Schneider. . . na wissen Sie, den hätten Sie auch längst bezahlen kön-ncn!

Schadenfreude. Ä. (zu stimm fortwährend lachenden Freunde): Was freut dich denn so? B.: Mir hat Einer auf dem Bahnhofe meine Ubr gestohlen. A.: Aber das ist doch nicht zum Lachen! B.: Doch; denn das Ding geht nach, und ich male mir gerade aus, wie sich der Dieb ärgern wird, wenn er seinen Zug verfüumt.

Pnm'ylv und startet 5 SnflltV'lOmaul 8 stund N"w 2)Qrf 7 Noblc und Mchigan 4 N. Jerlrv u. äff Av, d Pine und ?korch 10 Maret und Pine l Crnnont nade Vaft 11 Nz. 8 Lpritzrnbau MaN. ve nadk Nobie 18 Trrtr.rt und fltalnut 14 . Jersey u Sentral . lb tafl, und Sorttkü Äv 6 b d li. traftc 17 Part Er und 11 6tr . olun bl n Hillfid l Htghland ve u. pntt :i 3llimn und Et. I li Pennsylv. und P.at! u Sikridtan und 11. ur lb No. k Spritzenhaus Ni nah Jllino m emattAvku.Stillatr ? Illinois und Viichig: Pe sylvania und 14. : Senate Lve. und it. il No. l Spritzenhaus Jno .IrrnabeMichtga 2 Mcrrdia und Walnut H California u ftoctent !b Biakc und New )ort ?nd. v. u. St. loir r, öity Hospital ?s Viake und Norch ?9 Vtichtgan und Snef U 1. S Spritzenbaus Washington uabe Ich lkf?,dorf u Was!). 48 MiNouri n New Fort 45 Meridian u Wash 4 Jllmots und Odio 17 Capitol u Wash 48 mgan't Polkhaus 4, Straßenbahn Stalle . Washington Ltt 1 No. 10 Spritzenhaus Jllink'is u erriU Illinois u Lonistana M West und South 64 Wcst und McTarty M Senate Ave. u Henry 87 Meridian und Rah No. 4 Spritzenhaus adison v.uVlorris 69 Madiion Av.u Dunlop 61 No Haken Leiterhaus South nahe Delawar 6 Penn, u Merrill 63 Delawan u. Vclkarttz 6 afl und Mar 66 N ? Jersey u. errM 6'.' Birg. v. u radshaw 66 Saft und Prospekt 66 Bicking und High n 9)o. ii Spritzenhaus Lir Ave. nah Huroa 7t 9 Ast und Beorgia 78 keda und lrn 74 Davidson u Seorgta ff English Av. u Pine 7 Shelby und Bates 8 510.3 Spritzenhaus Prospe t nah Shelbtz 7 Fletcher v. u Shelbtz 61 Marke! u. Nk'v Jersktz 32 Telawar und Wash. 88 Sast u WaZhwaton 44 New York u. Davidsor 8K Taubstummen Anstalt b cr. Etaaten Arsenal 87 Onental und Wash. 0 Fraucn-Resormat. No. 13 E. ritzenhaus Marpland nahe Mer. 92 Meridian u. ?ci rqia. 98 Meridian und South 4 Pennsylv u. Louistana 5 Virginia ve u. Alab. Hartquartier. n rand Hotkl. 03 Capital Ave und Ohik 8 No. 16 Spritzenhaus 1. und Ash. 124 Alabama und 16. fc& Central Ave und 16. .26 7)ndk und 16. :7 Brookstde und Jupiter 28 Eknrral Av und 17. .29 De'.awan und 19. .31 Alabama und li. ,32 Bcllesontain und 4. 134 oollkge Av und 6. IM Delawan und 13. .3 Alabama und North '37 Ne'.omann und 19. :38 Eollegc Wtz und 14. 13? (:r null Av und 18. 41 Dandes und i0. 142 Highiand Ave und 10, .43 Tumsh und 10. .4.1 New 's!1 and 22. 44 Alvord und 17. 47 No. 2 Spritzenhaus Hiltside Ave und 'S. .,8 Lolleae Ave und tt, i4tt oliege Av und 7. 62 Part Av und 62. L S u. W ahn u. 26. M Ramstz Av und 10 i.56 Ktoughton u Newman .67 Atla6 und Pik. .&8 Bloyd und Patrsaro. :ci No. 21 .pritzenhau6 rightwood i. Arden und Depot i8 rigotwood und 26. .64 Rural und lohd i6 St. (3 lau u. cyston i7 Arsenal v uns 28. 68 Beiiesoniaine und 28.

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