Indiana Tribüne, Volume 27, Number 174, Indianapolis, Marion County, 15 March 1904 — Page 7
Jndiana Tribüne, IX März 190.
Trix. Roman von Eusemia v. Adlersfkld.Ballestrcm.
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Forlsejznng. stifte Marienthal bin ich
nominell Aebtissin die eigentliche Herrscherin darin ist aber Trix Dornberg daran läßt sich nicht deuteln, läßt sich nichts beschönigen. Sie hat damit angefangen, sich das dienende Personal zu unterjochen, und die meiften ziehen mit strahlendem Lächeln an ihrem Triumphwagen die, welche Opposition machen, plagt sie dasür mit Streichen, mit denen man ein Buch füllen könnte. Man könnte rasend vor Wuth darüber werden, wenn man nicht darüber lachen müßte, denn nicht Bosheit, sondern beller Uebermuth setzt sie in Scene. Nachdem sie in den unteren Reqionen gesiegt, ging Triz gegen die Stiftsdamen vor. Was half's, daß ich mit allem mir zu Gebote stehenden Ernste einschritt? Ich habe keine Autorität vor den lustigen blauen Augen, und wenn mir mit einem Kuß, daß mir Hören und Sehen vergeht, lachend gesagt wird: Na. laß nur gut sein, alte Tante, du freust dich ja doch, wenn man deine alten, mausrigen Vogelscheuchen mal 'n bissel aufmöbelt" so ist ds eine Jnsinuirung, vor der man eben verstummt. Nun, die meisten lassen sich ja alle gutmüthig, willig oder widerwillig von ihr gefallen und finden im Grunde den frischen Wind, der mit TrxenZ Gegenwart durch das Stift weht, unterhaltend und erfrischend: aber es gibt unter den Damen immer sauertöpfische und humorlose Wesen, die unter allen Umständen als Verbrechen und Niederträchtigkeit auffassen, was nichts als harmlosester, jugendlicher Uebermutlj ist. Trix vor diesen u warnen, ist leider ganz Verlorne Liebesmüh. Laß nur gut sein," sagt sie dazu mit einer groszartiaen Handbewegung, mit den alten fossilen Giftbollen werde ich schon fertig werden." Und dann hallt das Stift wieder
von dem Zetergeschrei dieser Unglücklichen, denen Trix einen Beweis ihrer unerschöpflichen Erfindungsgabe auf dem Gebiete des St.eichespielens gegeben hat. In der letzten Zeit betreibt sie das Geschäft des Kafperstellens" mit einem lirjtsi und einer Gründlichkeit, die mich schon on den Rand der Verzweiflung gebracht hat, wovon drei Entwürfe von Briefen an das Stiftskapitel Zeugniß geben, in vclchen ich mein Amt feierlich niederlege und Trix Dornberg als Nachfolgerin in Borschlag bringe. Denn es ist meine feste Ueberzeugung, daß sie da Tüchtiges leisten kann, wo sie etwas zu thun hat. Ab originell, amüsant und etwas gewaltsam wird besagtez Tüchtiges trotzdem bleiben. Trix hat aber ein sehr gutes, lieb reiches Herz, das nur ton seinen Schlacken befreit zu werden braucht, um über all ihre kleinen und großen Fehler zu siegen, und wenn man den Weg zu ihrem Herzen findet, vermag man viel, vielleicht alles über sie. Aber der Weg ist nicht immer der gleiche, und darum kann man sich nicht darauf verlassen, dabei etwas zu erreichen. Unter allen Umständen aber ist sie nicht aus dem Dutzend, sie ist nicht in einen Topf mit dem Durchschnitt werfen, und sie hat Tugenden, die gar nicht so häufig sind, daß man sie nicht extra nennen sollte: sie ist ohne falsch und wahr bis zur Nücksichtslosigkeit, und dann ist sie treu bis zu der Grenze, welche die Mehrzahl der Menschen in ihrer Größe nicht faßt und darum lächerlich nennt. Das Bild zu vollenden, muß ich doch auch noch sagen, daß Beatrix Doinberg sehr hübsch ist. Manche werden sie vielleicht sogar schön finden, aber ich glaube, oas ist zu viel gesagt. Ihre Vtutter war gar n;cM hübsch, aber sie hatte eine Schönheit: ihre wundervollen blauen Augen, wirkliche blaue Augen, von jenem herrlichcn, reinen Porzellanblau, wie man es nur selten sieht wir nannten sie scherzweise immer die Delfter Augen." Und diese Augen hat Trix von ihrer Mutter geerbt, doch im Uebrigen gleich! sie mehr ihrem Vater, der immer als schöner Mann gegolten. Sie bat v n echt Dornber'scben germanischen stlachskopf, zu dem die dunkeln Brauen und Wimpern so scharf contrastiren, daß man das allein wohl schon als Schönheit bezeichnen kann. Auf alle Fälle wirkt es interessant und äußerst pikant. Die kurze, gebogene Nase mit den großen Nüstern ist vielleicht aber doch zu kurz, der sonst reizend geschnit tene Mund mit den herrlichen, aber etwas kapriziös gewachsenen Zähnen am Ende zu groß, das Kinn zu fest uno energisch, dafür aber hat it wenn sie lacht und sie lacht sehr viel und eigentlich über alles in den Wangen zwei Grübchen, denen zu widerstehen schwer, wenn nicht platterdings unmöglich ist. Ihr Teint ist tadellos und triumphirt in seiner gesunden Klarheit über alle Mißhandlungen seiner Besitzerin. Von Gestalt ist sie unter Mittelgröße, aber von tadcllosen Proportionen. Hän)e und Füße nicht ausgenommen. Nun, lieber Freund, habe ich alles gesagt, was Ste wissen wollen und vielleicht noch mehr. Ich bin neugieria. ob Sie sich in allem ein richtiges Bild meiner jüngsten Stiftödame rnawerden. Ich wünsche ihr und
hieraus spracht ' nicht etwa schnöder Egoismus ich wünsche ihr ein desseres Loos. alS hier im Stifte ihr Leven zu beschließen, denn selbst eme so sonnige Natur wie die ihrige muß in dem einförmigen Leben versauern und geistig einschlafen. Mit unseren zeitweiligen Residentinnen ist's ja etwas anders, die treten nach ihren alljähri gen. vorschriftsmäßigen drei Stiftsmonatcn wieder in die Welt zurück und holen sich dort frische Anregung. aber unsere ständigen Reside 'binnen sind eben die ganz Armen, denen, wenn's hoch kommt, mal eine kurze Einladung zu freunden und Berwandten blüht, und denen man es gar nicht einmal zur Last legen kann, wenn sie sich nach und nach zu fossilen Giftbollen" um in Trixenö eigenem Deutsch zu reden, ausbilden. Es mag um viele unter ihnen schade sein, aber noch mehr schade wär's um Trix. wenn das ihr Loos sein sollte. Doch sie ist ein Sonntagskind, und darauf bau' ich meine Hoffnungen. Vielleicht hat Ihre Anfrage damit etwas zu thun, trotzdem ich mir bei allem Kopfzerbrechen nicht denken kann, in welchem Zusammenhange aber daß sie nicht aus eitler Neugierde gefragt haben, das muß der harmloseste Menses) sich an den Fingern abzäh!en können, und wenn ich ja auch nicht fragen darf, so steht's mir doch frei, Vermuthungen zu hegen, und voll von diesen bin und bleibe ich allezeit Ihre treu: alte Freundin. Anna v. Sulgenbach aeb. Gräfin Zell. Stift Macienthal, d:n 7. Sept. 139. . . Acht Monate nachdem die Aebtissin von Marienthal den obigen Brief geschrieben, also Ende April im Jahre des Heils 189., stand diese würdige, wohlbeleibte und unendlich freundlich aussehende Dame an dem Tisch ihres Wohnzimmers und sah die angekommenen Postsachen durch, indem sie die für die Stiftsdamen bestimmten Briefe aus der Posttafche auf ein silbernes Tablett legte, das ein sehr alter, fein livrirter Diener, neben dem Tische stehend, in der Hand hielt, und die an ihre eigene Adresse gerichteten Schreiben zur Seite that. ES bildeten die letzteren immer ein ganzes Häuflein für sich, denn das Stit war groß und die Negierungsgeschäfte" demgemäß auch ziemlich umfangreich. Warten Sie mal, Krause." sagte Frau v. Sulgenbach, als der Diener sich entfernen wollte. Sie können gleich die Briefe mitnehmen, die den Herrn Verwalter angehen so, alle die grauen, blauen und gelben Couverts mit den Geschäftsfirmen darauf. Ist nicht mein Ressort. Was an das Stift" adressirt ist. bekommt, wie Sie wissen, der Verwalter zur Erledigung, was an die Aebtissin" gerichtet ist, muß ich lesen. So. nun können Sie gehen. Was ist das? Ein Brief von Freund Klaus wird zuerst gelesen!" Die Aebtissin öffnete das fragliche Schreiben und beqan.. zu lesen, während d:r alte, im Dienste des Stiftes ergraute Diener noch die Zeitungen unter den Arm nahm und langsam aus dem Zimmer zu schusseln begann. Aber kaum hatte er die Thür hinter sich geschlossen, als er auch schon wieder zurückberufen wurde. Krause'" rief Frau ö. Tulguibach ihm entgegen, und es war deutlich zu hören, daß sie erregt war, Kraule. bitten Sie einmal gleich Fräulein von Dornberg, zu mir zu kommen, daö heißt wenn Sie wissen, wo sie ist." ..Det kann man mit Bestimmtheit
j nie nich sagen." meinte das alte Fak-
totum mit einem msen Schmunzele. Vor 'ner St'inde etwa sind die gna dige Fräulein Baronesse bei dem Herrn Verwalter ii der Frau BerwaUerin ihre Wohnstube 'rinjeji ng'n kann man nich sagen, aber durch bei Fenster, auf den Weinspalieren russ, sozusagen rinjeklettert." Aber Krause!" sagte die Aebtissin erregt. 0, die Spaliere sind fest." suui Frau v. Sulgenbach zum Ueberflusse auf. Wer hat denn das wieder gesehen?" ..Ick selber hab's jesehen. Excellenz zu befehlen." sagte der alte Diener nun über's ganze Gesicht schmunzelnd. Et jing nur so eins. zwe!. drei! Excellenz hätten et höchst selbst jar nich so flink zuwege jebracht " ..Aber. Krause!" fiel die Aebtissin nicht nur erregt, nein ganz empört ein. Wenn Excellenz sich herabje!''en hätten, et thun zu wollen vollendete der Diener mit unerschütterlicl,?m Gleichmuth, und die Aebtissin wandte sich rasch-ab, ein unwillkürliches Lacheln verbergend, denn sie hatte Humor, und die (Empörung kielt dem nicht stand. Was wollte denn die Baroneß bei Verwalters?" fragte sie, mehr um Zeit zu gewinnen, als aus besonder?? Wißbegier. ..Det kann ick Excellenz for janz jewih noch nich sagen," erwiderte Krause. Ick habe nur jeh'ört, wie Baroneß 'raufschrien: ob der Barbuz schonst da wäre." Was ist denn das?" fragte die Aebtifsin hilflos. Sozusagen der Barbier," erklärte Krause bereitwilligst. Baronesse a, ruhen ihn aber Barbuz" zu nennen und ihn allemal allergnädigst etwas zu uzen, wenn er um den anderen Tag herkommt, den Herrn Verwalter zu balbiren." Aha!" sagte die Aebtissin nicht
onne Verständniß. Aber." setzte sie energisch zu, aber um den Barbier zu uzen, braucht man doch nicht durch'ö Fenster zu steigen!" Hat man absolut N'cht nothwendig, Execellenz," gab Krause wohlwollend zu. Baronesse jeruhten auch noch hinzuzusetzen: Heut' soll Barbuzelchen mich einmal, unter die Klauen kriegen und mir mit Schwung die Haare schneiden!" Nein - -!" entfuhr eö der Aebtifsin im ersten Schrecken, aber schnell gefaßt setzte sie hinzu: Baronesse haben natürlich nur gescherzt. W"nn Sie sie also sehen, Krause, dann sagen Sie ihr, ich ließe sie zu mir bitten!" Zu Bcfehl". sagte Krause und entftrnte sich wieder. Die Aebtissin genehn.izte sich zunächst einen tiefen Seufzer und 'inen raschen, hastig'n Gang durch das Zimmcr ein Zeichen, daß etwas sie beunruhigte. Sie wird doch nicht etwa " murmelte sie vor sich hin, aber sie kam nicht weiter, denn die Tdür öffnete sich unv herein kam, nein, sauste die zierliche Gestalt eines reizenden jungen Mädchenö, dem die schwarze, vorschriftsmähige Stiftstracht nichts von der sonnigen, siegenden Glorie nehmen konnte, die von ihrem lichtblorden Kopfe und den strahlenden blauen Augen ausging. Sie hielt in den Härn den einen langen, dicken Strähn flachs blonder Haare ?'.nd legte diese mit einem graziösen Knicks der fast verstcinerten Aebtissin zu Füßen. Was was soll oas heißen?" fragte di:se mit total mißglückter St. enge. Baö ist der Zankapfel, kantet," war die fröhliche Antwort, und auf eine ausdrucksvolle Handbewe'.'.ng der alten Dame sete sie mit sichtlichem Behagen hinzu: Na, nun siehst du mal, roaL ich alles für dich thun kann. Seit Monaten klöhnst du mir vor, daß meine Frisur immer verrauft ist und mein Kopf aussieht wie ein Donnerbesen. Aber meine Schuld war das faktisch nicht ganz, denn die dummen Haare sind von selbst so kraus, daß man sich zehnmal kämmen kann, ohne daß es was nutzt. Und gestern Abend, wo du so schlechter Laune warst, machst du mir den Trara und sagst mir, ich wäre mit dem verrauften Kopfe die Schande und Vogelscheuche des ganzen Stiftes, und wenn ich das nicht änderte, dann würdest du mir die Haare abscheeren lassen wie einem Zuckthaussträfling. Hübsch wir das nicht von dir. Tante, aber gutmüthig, wie ich nun einmal bin. dachte ich mir: bn ! wir wollen ihr den Willen thun u.'.d ihr die Freude machen fort mit den Haaren! Na, und da haft du sie und mich inmus!" Die Aebtissin machte ein Gesicht, als ob sie weinen wollte. Die schönen Haare!" jammerte sie. Trix. Tri, du bist noch mein Tod!" iiir, leste den Kopf, der mit seinein kurzen, flachsblonden Kraushaar so reizend aussah, daß man sich ihn gar nicht mit einer modernen Tamenfrisllr denken konnte, auf die Seite und sah die Aebtissin kritisch an. Dann lachte sie hell iiuf, faßte Frau v. Sulgenbach um die umfangreiche Taille und zog sie vor den nächsten Spiegel.
..Da sieh dich 'mal an, du alte, liebe Brummtante, ob du nach Tod" aussiehst." rief sie übermüthig. I bebewahre - tth bekomme dir gänz vorzüglich! Seil ich im Hause bin, hast du mindestens, na sage,, wir einen halben lentner, zugenommen. Apropos, findest du nicht, duft die kurzen Haare inir famos stehen? Der Bar-
buz sagt, wenn sie sich erst dran gewöhnt haben, werden sie besser gefal len, und es :ommt dann auch mehr Schwung in die Frisur. Und jetzt werde ich inuner ordentlich aussehen. Na, was sagst du nu dazu?" ..Kleiden that'6 dir, das ist wahr," gab die Aebtifsin zu. Aber die fchonen langen Haare! Und was werden die Domen dazu sagen?" Du, darauf freue ich mich diebisch." versicherte Trix, indem sie auf einem Bein in der Stube herumhllpfte. Paß mal auf und denke an mich, wenn sie mich sel,en werden, da wird's ein Durcheinanderkaieln geben wie auf einem Hühnerhofe. Gack - - adat ack! Mordsdankbvr müssen sie mir sein, daß ich ihnen Gesprächsstoff auf ein holdes Jahr liefere. Ich bitt' dich! Und von meinen Haaren vertheilen wir Locken, oder du laßt aus Stiftskosten Armbänder davon flechten, wie zur Aiedermaierzeit das wird die gutei. alten Dinger so anheimeln " rir. Trix! Du wirst auch mal so ein altes Dinq werden Wenn ich nicht jung sterbe. Tausei," war die oergnüqte Antwort. Aber ich habe überhaupt keine x!uft, t ier tu sterben. Ja, mach' nur Augen! Irgend etwaL wird geschehen, ich werde einen Beruf ergreifen und mich auf meine eigenen Füß; stellen, das werde ich. Denn siehst du, Tante, hier tyiiT ich' doch nicht mehr tauge aus, und wenn ich so darcm dei.ke. daß ich achtzig Jahre alt werden und hier leben und sterben soll, da wird's mit brühsiedendheiß und kf möchte geradezu davonrennen in's Blaue hinein, nur fort, nur fort! Nicht wahr. Tantel, daS nimmst du mir nicht übel, weil ich dir das Asyl hier eigentlich verdanke, aber aber da wirst du mir doch selbst zugeb?n, daß es hier zum Auswachsen ist!" lFortsetzung folgt.)
iiiriir rirüirCrirktr'birCr kittirrCr I DZensiZ . 0a(hm.h.. - v . m
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v P 4WMMjr7-. 14 r. CK1 (Fortsetzung.) Ein Trupp von Leutnanis. Hessel, Heirze. Cl.-te und andere, steuerte unter Führung oe bicicn Barons Bloode säbelklirrend quer über die Straße in die Wirtbschaft. um vor allem die ausgedörrten Kehlen uuSgiebig anzufeuch teu. Ihre iiler und über mit Staub bedeckten Uniformen, ihre hohen Stiefel. auf denen der Thau des frühen Morgens mit dem Sand de-. ExerzierPlatzes dicke Krusten gebildet hatte, die schwärzten Handschuhe und beschmutzten Gesichter standen in seltsamem Ge-
gensatz zu der peinlichen Eleganz, mit der die Herren jonst auf der Straße auftraten. Aber das war ja Könige licher Dienst! Da brauchte man sich der Flecken niut zu schämen. Im Gegentheil: es war ganz grn, wenn d'.e Civil-
bevolkerung auf der Straße und in den Fenstern d-n sonst so disiinguirten Herren die Svuren ihrer schweren Strapazen ansah. Nun saß man glücklich um den runden Tisa in der Ecke. Der Kellner, den man immer noch den säumigen Graal" rief, hinkte umher und brachte die Glöser. Und allmälig wurde man nach dem Ausdruck des dicken Bloode wieder Mensch." Uff!" sagte er. sein Seidel absetzend, und wischte sich den Bierschaum aus dem Bart, ..nu heute Abend noch Nachtschießen und morgen in aller Gottessrühe in's Manöver ich donke schön man weiß doch wenigstens, wozu man auf der Welt ist!" Das !)chtschi?ßen dauert nicht lange!" tröstete ihn einer der Bataillonsadjutanten. Kurz vor SonnenUntergang sind wir auf dem Platz, rich!en die Gewehre ein. und sowie es dunkel ist, gk'ht das Geknalle los. Das dauert noch nicht eine Stunde!" Und was hat eö eigentlich für einen sittlichen Werth." fragte neben ihm ein Reserve-Offizier, so in die Nacht hinkinzuböllcrn?" J& in ein; Uebung für den Jestung, krieg!" belehrte ihn der Adjutant. So lange es hell ist, wird da Gewehr in einer vtinne der Brustwehr pemiii auf die feindliche Stellung eiugerichtet, die in unserem Falle durch eine Reihe von Mannsscheiben auf ach:hundert Meter markirt ist. Dann können wir im Laufe der Nacht einfach losdrücken und wissen, daß die 5tug:l auf einen bestimmten Punkt fliegen muß." Las heißt in unserem Falle veri?iuthlich wieder, wie vor zwei Jahren, auf irgend einen bezechten Bauern, der zu spät auf dem Ackerweg nach Hause trottet!" Das konlmt nicht wieder vor!" erwiderte der Negiments-Adjlltant dem kleinen Hessel. Diesmal sind die äusjersten Vorsichtsmaßregeln getrofse.l. o-sch stellt die südliche Postenkette aus. Hanitz die nördliche " Ich wollt', es wäre Schlafenszeit!" brummte der dicke Premier. ...und ttlvrgen wär' Manöver!" lachte unten am Tisch ein blutjunger Leutnant mit seiner hellen Stimme. Ich freue mich diebisch darauf!" Das ärgerte den Baron Bloode. Auf was denn?" fragte er entrüstet. Wissen Sie denn, was ein Manöver iü. ie junger Dachs? Nein denn 3ie pnb im Herbst als Aoantageur ein. getreten und waren vorigen Herbst auf der 5riegsschule! Ich will es Ihnen sagen: Man! 'ver heißt einfach sich des lcorgens nicht waschen! Ungekämmt und ungesäuert wie ein Höhlenoewchner trabt man in den ag hinaus! Manöver heißt, des Nachmittags n;il den Backfischen im Schloßpark ttroclet spielen, wenn man sich vorher ack't 3ii ndcn lang die Beine in den Leib
gelaufen hat und schlafen möchte, Mauövcr heißt, in einsanien Nachtstunden die Flöhe seines bäuerlichen Quartierwirths zählen kurzum, Manöver hißt illes andere, nur kein Vergnügen! 'ne Schweinerei ist's. Merken Sie sich das. junger Mann!" Nach dieser fulminanten Rede vergrub der Premier sein Antlitz in BierI rüg und hielt es nicht der Mühe wertb, auf die entrüsteten Einwände der anderen etwas du erwidern. An der Thür entstand ein WortWechsel. Der säumig: Graal verbaudelte dort mit dem Regimentsschreiber. ..Was gibt's?" fragte der lange Aojutant hinüber. Herr Leutnant von Loesch hat sie'
kraut gemeldet." berichtete strammstehend der Schreibt r. es muß rn anderer Herr zur Aufstellung oer Disianzierö auf der Südseite komnmndirt werden." ts ist gut! ich werde nachher beim Herrn Oberst anfragen." brummte der Adjutant. Der Schreibe c machte linksum kehrt und ging. Wenn Sie niemand Bestimmten im Auge haben." sagte plötzlich Elcte aus der Ecke, wollen Sie mich dann vielleicht kommandiren?" Die andern blickten erstaunt auf. Man hatte seit Stunden kein Wort von lese gehört. Mansch leben Sie denn noch?" sagte der dicke Bloode erstaunt. Das if. ja ein wahres Wunder, daß Sie einm.,k d,n )l?irnh . nkik..,'
Sie sehen übrigens miserabel aus!" rief der Leutnant Heinze. Man sollte gerade meinen. Sie roären heute bei der Hitze 'n bißchen schlapp geworden!" Schlapp?--Ich bin doch kein So.nmerleut " üldt unterbrach sich, denn er bemerkte jetzt erst, daß ihm gegenüber ein Reserve-Offizier saß und eine etwas streitfertige Miene aufzusetzen begann ..... also wie ist's?" wandte er sich zu dem Regiknentsadjutanten. Ja. Gott Sie toaren ja schon heute Morgen draußen! aber allerdings Sie haben einen Gaul zur Verfügung." ... und dem schadet ein Nachtritt so wenig wie mir. Sie thun mir wirklich einen besonderen Gefallen!" Ich weiß zwar nicht, woso!" der Adjutant notirte sich die Angelegenheit . . . aber ich werd's dem Grafen sagen." Elcke stand auf und griff nach Mütze und Handschuhen. Ich danke Ihnen!" sagte er. Mahlzeit, Ihr Herren!" Damit ging er. Die andern schauten ihm derwundert nach. Es entstand ein längeres Stillschweigen. Der dicke Premier schüttelte den Kopf. Kinder Kind?r " seufzte er endlich . . . was .o'.rd das nun schließlich mit dem Elcke ierden? der ist ja gan des Deubets!" Die übrigen Herren wußten das auch nicht. Wttzt Ihr, Herrschaften" fuhr Bloode fort und zerkrümelte das Brot vor sich auf dem Tisch, bei Elcke ist eben das kritische Stadium eingetreten man fühlt sich nutzlos zehn, fünfzehn Jahre macht man nun den Kram mit, und es gibt keinen Krieg und man steht in Reih und Glied mit dem jüngsten Dachs, der eben aus der Selekta kommt und hat ein Sternchen und fünfzig Pfennige täglich mehr wie der ja meine Herren, das ist eine fatale Sttmmung aber zum Donnerwetter! er schlug mit der geballten Faust auf den isch darüber muß einer eben hinauskommen, das ist seine Pflicht!" ..Und wenn er es nicht zu Stande bringt?" fragte neben ihm der kleine Hessel. Der lange Regiments - Adjutant cäusperte sich. ..Dann maa er um die Ecke aeben!" ,agie er mu seiner yeuen. leioniicnafts tosen Stimme. Dann taugt er eben nicht zum preußischen Offizier!" Stimmt!" sprach Bloode. Die andern schwiegen. Ter säumige Graal schlürfte umher und füllte die Gläser. III. Die erste Gluih des Augusttages war gewichen. Aber noch brütete in der späten Nachmittagstunde die Hitze in dem durchsonnten Mauerwerk der Ka sernengebäude. die ein reges Leben erfüllte. Man rüstete sich zu dem Nachtschießen und dazu kam das unvermeidlich: Getümmel, das dem Ausmarsch in's Manöver vorhergeht, die Besuche der Angehörigen aus dem Städtchen und den Dörfern ringsum, Unternehmer und Lieferanten, die mit aufgeregten Zahlmeistern über Wagengestellung und Strohlieferungen verhandelten. KleinHändler, die in verstohlenen Ecken der Mannschaft ihr Kommißbrot abkauften, Schreiber und Ordonnanzen mit ihren Blechmappen in der Hand. Ad jutanten und Feldwebel, Burschen mit Offizierskoffern und Weinkistchen. Postboten, Handwerker alles wirrte und eilte geschäftig durcheinander. Der Musketier Iren. Elrkes Bursche, war erstaunt über die vielen ZurüstllN' gen, die sein Herr zum Manöver traf. Er hatte eine Menge Papiere ver brannt, andere zerrissen, daß die Fetzen den Boden bedeckten, dann ein paar Briefe geschrieben und versiegelt zu sich gesteckt, während der Bursche den klei nen Feldkofser mit dem Nothwendigsten anfüllte. Nun ivar der Koffer gepackt und auf dem Kompagnie-Bureau abgegeben. Der Bursche stieg hinunter in den Hof. wo bereits das Pferd für den Leut nant, von dem B?:?schen des eckrankten Kompagnie- Ehefs ehalten, bereit stand. Elcke war allein in seinem Zimmei. das jetzt, mit den Papiersetzen bedeckt, in der Unordnung des Ausmarsche doppelt unwirklich aussah. ist legte die Hand über die Augen. Es kam ihm so seltsam vor, daß er das alles nicht mehr wiedersehen sollte AlleZ. was er seit Jahren m der Kaserne geschaut und gehört: der gichtb'.üchige Klang der alten Uhr oben und das eintönige Plärren der Mannschaft. die gerooe darunter im Hofe, mit großen blauen Schürzen angethan. Kartoffeln schälte und in die Wasserbottiche nebenan wa,f, die langgezogenen Töne der Reveille. das schwere Trapv?n und Tappen der antre'nden Musfeiiew auf den Fluren, die durcheinanderhallenden Kommandos, das taktm'ißige Klatschen der Klopfriemen auf den an Seilen hängenden Waffenröcken all dieser tausendfache und doch so eintönige Lärm sollte heute zum letztenmal an sein Ohr schlagen. Und zum letztenmal sah a die Kaferne selbst, die langen Gänge mit ihren Gewebrreihen und Papptafeln, die niedere Wölbung des Thores, den schlecht gepflasterten Hof mit seinen WasserPfützen, das ganze weitläufige, menschenwimmelnde und doch so öde Gebäude. Zum letztenmal sah er auch den und jenen Kameraden da unten, hörte er das Anscklaaen des Säbels iuf den Trev-
penstufen und die wohlbekannten SNmmen. Zum letztenmal. Albrecht von Elcke ging gleichgiltig hinunter in den Hof, stieg zu Pferde und ritt hinaus in die langsam hcrniederdämmernd.' Sommernacht. Bald nachher setzten sich auch die Truppen in Marsch. In schwarzen, endlosen, dröhnenden Kolonnen, über denen im Abcndroth funkelnd die Gewehre schwankten, ging es durch das Städichen hinaus in den Wald und durch den Wald ans den großen Exer zierplatz. Es wr schon halbdunkel, als die Mannschaft dort ankam und die Gewehre in den Rinnen der Schützengräben nach den undeutlich in der Ferne schimmernden Reihen der lebensgroßen Pappfiguren einrichtete. Die Figuren verschwamme fast in dem schiefergrauen Dunst, der hinter ihnen lang sam vom Horizont aufstieg, eine eintönige, mächtige Regenwand, eine Wolke, die sich in wenigen Stunden in Landregen-Geriesel entladen mußtc. Die Sonne war dahinter verschwunden. Nur an einzelnen Stellen zitterten nocy lyre langen blutrcthen Strahlen hindurch und legten sich über den im Nebelgrauen untertauchenden Ererzierplatz. Nach zehn Minuten hatte die Mannschaft ihre Gewehre auf die Neu-Rup-piner Scheiben eingerichtet, die reglos ferne in langer Reihe der Dinge harrten, die da kommen sollten. Dann er hoben sich die Leute, sorgsam die Ge
wehre :n der Sandnnne bettend und liegen labend, und traten nach hinten weg, um die völlige Dunkelheit abzuwarten. Etwas abseits davon standen dü' Offiziere des Füsilierbataillons beifammen. Wetten, daß wir heute wieder naß werden!" sagte der Kommandeur mißmuthig und warf einen Blick zu dem schiefergrauen Himmel, von dem sich schon ganz hinten am Horizont langsam ein silberfarbiger fließender Schleier auf die Erde niedersenkte. . . . na einerlei. Ich fange so bald wie möglich an bitte nur die Herren Kom pagniechess " vier Paar Sporen klirrten gleichzeitig an einander und vier weißbehandschuhte Hände hoben sich zum Helmrand,, . . . ja die Herren Kompagniechefs darauf zu achten, strengstens zu achten, daß kein Mann vor der Zett losknallt! Das Zeichen zum Beginn des Feuers geht von dem Hornisten neben mir aus die Kompagnieen nehmen das Signal au danke sehr wollen die Herren bequem stehenDie Herren standen bequem und schwiegen. Hinker ihnen klang halblaut das Schwatzen und Lachen der Mannschaft. Immer rascher brach die Dunkelheit herein. Elcke hatte seine Distanziers aufge stellt, genau nach der Vorschrift, die ihm der lange Regimentsadjutant einachändigt. Auf der großen Chaussee ganz hinten war ein Doppelposten ausgesetzt, an allen Ackerwegen und WaldPfaden, auf denen möglicher Weise ein Mensch sich dem Exerzierplatz nähern konnte, je ein Mann, mit dem strengen Befehl, keine Katze durchulassen und sich erst dann von seinem Platze zu entfernen, wenn das Gewehr in Ruh!" vom Waldrand her durch die Dunkelheit tönte. Nun war das alles erledigt. Der Leutnant hielt einsam mit seinem Rosse an einer Tannenschonung, die in spitzem Winkel in den Exerzierplatz vorsprang. Die Sonne war untergegangen. Mit der langsam höher steigenden Regen wand kämpfend, stand die schmale Mondsichel am Himmel. Sie erhellte die weite Sandsliche nicht eigentlich, sie warf einen bläulichen Schleier darüber, ein mildes, einschmeichelndes Dunkel. wie es auf dem Grunde des Meeres herrschen mochte, ein Dunkel, bei dem man auf einige Schritte in der Runde zu sehen und zu gehen vermochte. Das Pferd schnob ungeduldig und wandte sirt so, daß es den Kopf nach der Richtung seines Stalles bekam, dann sing es an. in die Züqel zu drängen und mit den Borderhufen den lockeren Boden aufzuscharren. Elcke lächelte. Er wußte, daß da; müde Thier unbeirrt und ungefährdet durch Wald und Dunkelheit dem Stalle feines Herrn, des Kompagniechefs, zustreben würde. So stieg er ab. warf die Steigbügel rechts und links über den Sattel, knüpfte Trenfen- und Kandarenzüae! lose auf deni Widerrist zu sammen und gab dann dem Gaule einen aufmunterlden Klaps auf den Hals. Das Pftrd sah ihn verdutzt an. Da aber sein Reiter sich, abwärts von der Stallrichtung, in der Dunkelheit verlor. begann es. erst im Schritt, dann in raschem Trabe der Stadt zuzuftreben. Am Wa'drand entstand einen Augenblick ein Getümmel. Undeutlich glaubten einige scharfäugige Bauernburschen aus der Mannschaft, einen Gaul im Dunkel vorüberlaufend gesehen zu haben, und die berittenen Offiziere juchten, schon im Voraus fluchend, die Stellen auf, wo ihre Pferde gehalten wurden, um zu sehen, ob sich eines von ihnen losgerissen hatte. Aber alle waren zur Stee und man beruhigte sich wieder. (Schluß folgt.) Die Stttdetttin. M, bereitest Du Dich auf's E?amen vor?" .Und wie! 5abe seit aci)t
Taaen die Schneiderin im Fiauk"
