Indiana Tribüne, Volume 27, Number 169, Indianapolis, Marion County, 9 March 1904 — Page 6

LmorSische Nachrichten,

Beschwerden der Mutterschaft.

895 Broad trabe. Bdiladelvdia, Pa.. den 12. Juni. 1903. Ich litt neun Iayr lang an Eierstockbeschwerden. waS mir das Leben, so wi auch meiner Familie, zur Last machte. Während jener Zeit hatte ich zwei Frübaebur. ten. und obgleich wir unS nach einem Kinde sehnten, das unser HauS beglücken sollte, so schien dies unmöglich. Ich hatte beständig marternde, niederdrückende Schmer en in den Beckenorganen und in Reiben tn meinen Gliedern, mit häufigen Kopfschmerzen. Es war mir Übel, hatte häufiges Erbrechen, und keine Medizin half mir. bis ich den Win 0f Oardal drobirte. Dann besserte sich mein allgemeiner Gesundheitszustand, die Schmerzen wurden allmälig geringer, und nach acht A sf J SsSj ehn Wochen war ich gesund. Ich bin jetzt die glückliche Mutter eine achtzehn Monate alten Knaben, und mein Mann 0U& cfa-M"01 dankt Ihnen U mir. von ganzem Herzen, für Ihre werthvolle Medizin. Ohne dieselbe wäre ich kinderlos geblieben. anstatt eine glückliche unO gesunde Mutter zu sein. Ehaplain. Gt. Llndrew'S ssoctation. wine Cardin Gs war nicht sonderbar, dah Frau Nirdlinger eine Krül)k.burt hatte, nachdem sie neun Jahre lang an Eicrstock. Störung gelitten. Diese Schwäche machte sie für die Aufgabe unfähig, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen. Niederdrückende Schmerzen und Leiden des Eierftocki sind die Folgen von Entzündung, und der daraus entstehenden Schwächung der Muskeln und Bänder, die die weiblichen Organe an ihrer Stelle halten. Entweder drücken deren eigenes Gcwicht dieselben nieder, oder irgend eine Anstrengung, welche in gesundem Zustande nicht emPfunden wurde, verursacht daö Leiden. Indem der Wlne of Cardui die MonatSregcln ordnet, vertreibt er die Entzündungen von dem ganzen weiblichen Organismus, und die gestärkten Bänder bringen die Organe in ihre gehörige Lage zurück. TaS ist'S, was der Win? of Cardui für Frau Nirdlinger gethan hat. Ihre Gesundheit und Kräfte kehrten zurück, und schreibt sie eS dem Wlne ok Cnrdui zu, daß sie in den Stand versetzt worden ist. eine gsückliche Mutter zu werden. ES giebt viele leidende Frauen, die denken, dah sie nie gesund werden können, weil sie sich nickit der Dienste eines berühmten Epezialisten bedienen können. Aber wir möchten gerade hier bemerken, dah MrS. Nirdlinger. obsckon sie in Philadelphia, einer großen medizinischen Stadt, wohnt, sich doch auf den Win of Cardui verlassen hat. und dah sie kuriert wurde. Wollt Ihr ihn versuchen? Alle Apotheker verkaufen 51.00.Jlaschen des Wlne of Cardui.

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ssen ' Actrrnltndt. D a r m st a d t. Fouragehändler Johannes Müller von Ober Ramstadt, welcher vor der hiesigen StrafZanimer in der Berufungsinstanz einen Beleidigungsprozeh ausfocht und dabei wegen Ungebühr durch sein rücksichtsloseö Auftreten zu drei Tagen Haft verurtheilt worden war, machte, nachdem er in das Arresthaus eingebracht war. seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Altenbuseck beiGiesen. Hier erstach der Arbeiter Becker den jungen Arbeiter A'lban nach einem Wortwechsel. Becker erhängte sich im Gefängniß. B e ch e n h e i m (Alzey). Der Gemeindehebamme Katharina Förster wurde die silberne Medaille des Ludwigs - Ordens mit der Inschrift ..Für fünfzigjährige treue Dienste" verliehen. Cr'ainfeld. Arbeiter Johannes Oechler von hier litt an einer 'ahnsistel und ließ sich zwei kranke Zähne ziehen. Ungeachtet der Vorstellungen des Arztes griff er als pas sionirter Raucher gleich wieder nach der Pfeife. Es stellte fid, Blutvergiftung ein. welcher der unglückliche Mann schon nach kurzer Zeit in der Klinik zu Gießen, erlag. G e n s i n g e n. Nach kurzem Krankenlager verstarb der früher in Amerika, seit 20 Jahren hier wohnende 80 Jahre alte Rentner Peter Höhn. Bald darauf erlöste auch der Tod seine 82jährige Gattin von ihrem langen Leiden. Zgcryern. München. Das hiesige Schwurgericht verurtheilte den zwanzigjährigen Buchhalter Baureis von hier, welcher den Kölner Rentier Franz Völker auf einem waldigen Bergweg von der Neureutb nach Tegernsee niederschlug und berauben wollte, zu 10 Jahren 4 Monaten Zuchthaus. Im Hause No. 2 an der Gentzstraße war die Frau des Küchenchefs F. Seid in der Küche der Wohnung mit Bügeln beschäftigt, wobei sie sich eines Kohlenbügeleisens bediente. Während dessen entfernte sie sich für kurze Zeit aus der Küche und ließ ihr zwölf Wochen altes Kind, einen Knaben, in nächster Nähe des Ofens liegen. Vermuthlich sprang ein Funke aus dem Bügeleisen auf einige in der Nähe befindliche Gegenstände, die alsbald in Brand geriethen. Schließlich entzündete sich auch daö Bett chen des Kindes, das hierdurch an beiden Händen sowie am Kopfe furchtbare Brandwunden erlitt. Aschaffenburg. Zum Mord an der Telephonistin Haas. Der des Mordes dringend verdächtige Taglöhne? Weygand von Herxheim wurde aus der Untersuchungshaft entlassen und wieder in die Irrenanstalt in KlingenMünster verbracht. Der Mord am Büchelberg konnte ihm nicht nachgeratesen werden. E i ch st ä t t. Der deS Raubmordes dringend verdächtige 23jährige Dienstknecht Andreas Strobel von Mennina legte dem GendarmerieWachtmeister, der ihn in das hiesige Landgerichtsqefängnih zu transportiren hatte, das Geständniß seiner Schuld ab. Er gab an, daß er den Ermordeten auf dem Heimwege vom Wirthshause in Menning um ein Almosen bat, worauf er von diesem 20 Pfennige erhielt. Hierauf habe er den Unglücklichen zu Boden geschlagen, sich auf ihn gekniet, ihm mit dem Messer den Hals durchschnitten und die Baarschaft von 10 Mark sowie eine silberne Uhr an sich genommen. Dann sei er an ein nahes Wasser gegangen und habe sich vom Blute geremigt, was ihm aber an seiner Wäsche nicht gelungen sei und zu seiner Verhaftung führte. Hain (A s ch a f f e .l b u r g). In der Waldabtheilung Hischberg wurde der 64 Jahre alte Kürschner August Eduard Schurig aus Herzberg a. d. Elster erfroren aufgefunden. Hof. Im 72. Lebensjahre verschied hier der langjährige rechtskundige Bürgermeister Hofrath Ritter v. Mann. Hohenwart. Der weit bekannte Spediteur Martin Schauer hier wurde beim Holzfllhren vom Schlage getroffen und war sofort todt. Er war erst 36 Jahre alt. K e m p t e n. Gelegentlich eines Gerllsteinsturzes eines Neubaues der Baufirma Kurz & Co. gerieth der Maurerpolier Vinzenz Leonarduzzi mit dem Kopf zwischen zwei Balken und wurde so schwer verletzt, daß der Tod fast sofort eintrat. K i tz i n g e n. Der 30jährige Dienstknecht Gg. Nik. Schott aus Schernau. der stellenlos war, ertränkte sich im Main. Der Selbstmörder sprengte erst die Eisdecke mit den Füßen und ließ sich durch das entstandene Loch in das Wasser leiten. Nürnberg. Hier erschoß sich der Gastwirth Wolfgang Suttner aus München. Reistenhausen(Markthei. d e n f 1 1 d). Der angetrunken nach Hause kommende ledige Steinhauer Adalbert Söller gerieth mit seiner schon zu Bette liegenden älterenSchwester in Streit. Im Zorne schoß er mit einem Zimmerstutzen seiner Schwester eine Kugel in die Wange und versetzte ihr noch einen nicht gefährlichen Messerstich in den Kopf; darauf schoß er sich eine Kugel in den Kopf. Bald nach der That starb er.

'Alte Leutchen.

ion (5amiUc cmouniei. Jeden Nachmittag kam regelmäßig dcr kleine Schneider. Einmal hatte ra:i ihn Graufaden genannt und den 'j'an.en trug er eben fortan. i)!iemand hätte sagen können, ov er einen anderen gchabt Halle als er zur Welt kam. 2tb)i Phina, seine zärtliche Phina hatte ihn nie anders genannt. Zusammen hatten die beiden wohl schon ein uno ein halbes Jahrhundert; der kleine Schneider war der ältere, aber Phina that, was sie konnte, um ihn einzuholen. tLinmal. vor sehr langer Zeit, hatten sie zueinander von Liebe gesprochen. Das war zur Zeit, da sie beide noch viel Leben vor sich hatten. Der junge Sommer lachte im Feld: beide waren sie um des Sonntags willen hinausgegangen, der ihnen einen freien Tag gab. Aber daö wollte sich damals 'nicht machen lassen. Sie stand bei einer alten Dame im Dienst, die sie nicht verlassen wollte; er seinerseits schlug sich mit seiner Flickschneiderei bis in' Alter durch. Em paar Mal sprachen sie sich wieder seit jenem Tage, dem kein gleicher, mehr folgte; aber niemals sprachen sie von Liebe mehr. Mein Gott, das war ja nun wohl vierzig Jahre her! ch ch ch Ganz abgesehen vom Dienst war sie schließlich mit der kleinen Rente, die ihr die Dame hinterlassen hatte, in das Godhrns eingetreten. Godhuis nennt man in Brügge die Versorgungshäuser für alte Leute. Auch Graufaden hatte sich ein kleines Zimmer im Godhuis für Männer gesucht, das eine Viertelstunde vom andern lag. Und wenn die anderen Greise des Hospizes ihn die Thür öffnen sahen und beobachteten, wie er, die Beine gekrümmt, mit den trippelnden Schritten eines Schneiders und he5aufklappernden Absätzen sich entfernte, da wußten sie gleich, was das zu bedeuten hatte. Phina in kaffeebrauner Jacke, eine frische weihe Haube über ihrem Haar mit dem erloschenen Blond von einstmalö, wartete hinter den kleinen Fenstervorhängen, während sie Kleider ausflickte oder ihre Stickereispulen abwickelte. Graufaden kam zweimal in jeder Woche, am Donnerstag und Sonntag. Langsam öffnete er die Thür. Die Scheibe funkelte; der Wandschrank schien Morgens frisch gefirnißt wordrn zu sein, und der kleine Spiegel am Kaminsims zeigte in seiner täuschenden Fläche die kalkgestrichenen Wände, die dunklen Balken des Plafonds, den hellgescheuerten Tisch und drei Stühle. Einmal, zu ihrem Namensfeste, hatte er ihr eine Kaffeekanne mit vergoldeten Streifen geschenkt und die Milchkanne dazu. Inzwischen hatte )q vas Service Stück fUr Stück vervollkommnet. je eine Tasse zum Tag der heiligen Dephina, den er feierte. So zählte die Garnitur zehn Porzellantassen, die alle lasurblau waren und goldgestreift. Und um jede lief die Inschrift: Souvenir d'amiti6." Das war einer der Schätze des Godhuiö. Kam eine Frau von einem anderen Hospiz, so ließ man sie durch die Scheiben Phina's Service s.hen. Um jeder neuen Tasse willen gab es in den kleinen Häuschen ein Tuscheln hinter den vorgehaltenen Händen. Würde das noch lange so fortgehen? Und bis zu welcher Anzahl wohl? Alle diese Frauen hatten eine Beschäftigung.; die einen arbeiteten auf 'niederen Sesseln hart an der Schwelle, jene Spitzen, die man die schweren Spitzen von Brügge nennt. Andere wieder trennten nur jene Spitzen wieder auf. die ihnen die Kunden brachten. Die, welche nicht mehr gut sahen, wuschen mit endloser Mühe die feinen maschigen Schleier, die wie Marienfäden waren. Jede lebte für sich allein in genügsamer und ein wenig mürrischer Greisenhaftigkeit. Am Ende deß einen Hofes lag daö Hospiz, mit der Kapelle zur Seite, vier Reihen

kleiner spitzer Giebel unter den alten Dächern, die durch viereckig: rothe Ziegel waffelartig geziert waren. Ein Garten mit starkem Dufte blühte im hohen Grase, mitten im Hofraum. Das erinnerte an einen Kirchhof ohne Kreuz, längshin mit kleinen GrabHäuschen besäet, in denen die alten Leutchen von damals schlafen konnten. die Hände über der Brust gekreuzt. Und doch ließ es sich da gut leben des Sommers, wenn ein lauer Wind unter den Dächern zugleich mit dem herben Erdgeruch: den Duft der Lilien und der Resede.i in den Abend emportrug, wie den Dust eines Gartens voll gottgefälliger Tugenden. Der kleine Schneider brachte stets etwas mit, zwei Maccaronen, eine reife Birne, ein Bild der heiligen Jungfrau oder eine Bohne, die er in einen kleinen Topf einpflanzte. Dort in seinem Godhuis ließen ihm hier und da durchreisende Fremde etwas zukommen unter der Form eines Entgeltes für Flickarbeit. Das war es, zusammen mit seinem Sou für Tabak und Wachholderwein, wovon er seine kleinen Geschenke bestreiten konnte. Er stellte die dann immer auf deu Rand des Tisches; beide sahen sich an, Phina lächelte und er war zufrieden. Da er von draußen kam. brachte er Neuigkeiten mit. Ein Arbeiter kratzte seit drei Monaten die Figuren des Stadthauses ab, hoch emporgezogen auf einem Gerüste. Keiner von beiden verwunderte sich darüber, daß man nur einen einzigen Arbeiter für eine so große Arbeit genommen hatte. Der Gemüsehändler in dem Gäßchen an der Brücke batte seinen Laden friscb streichen lassen. Zwei Störche waren über den Belfried hingeflogen. Der Bäcker hatte am Morgen des Allerheiligsten wie alljährlich an allen vier Ecken deö Platzes trompeten lassen, um die kleinen heiligen Brötchen anzuzeigen. Und er bezeugte eine große Freude, ihr zu erzählen, daß endlich die ersten Blätter an den Bäumen ausschlugen. Manchmal überzuckerte der Reif noch die Dächer des Godhuis ganz fein wie Waffeln. Aber da er es sagte, mußte es wohl so sein. Die ersten Blätter, Graufaden! Unser Herrgott will uns also noch einmal den Frühling schenken!" Und noch einmal wird es Sommer sein, Phina. wie an jenem Sonntag, da wir auf's Land gegangen sind." Das war der große Tag ihres. Lebens. Niemals mehr war die Svnne so schön gewesen. Die Felder waren voll Gold und Diamanten wie der Weg einer Procession. Ein Honigduftender Wind erquickte ihren Mund. Ihr schlichtes, unschuldiges Herz belebte wieder diese kurze herrliche Ewigkeit. Sie sprachen davon, einer an d?n andern gelehnt, hinter den beiden Geraniumtöpfen des Fensters, ein Lächeln und eine Verlorenheit in den Blicken. Und später sprachen sie dann nichts anderes mehr. Einmal, als er kam, zog er geheimnißvoll aus seinem Schnupftuch eine kleine Mühle, die er aus Pappe hergestellt hatte. Lange schon hatte er von einer Ueberraschung gesprochen, d.ie er für sie vorbereite. Und nun stand die Mühle, mit der Leiter, auf der der Müller emporklettert, und mit ihren großen Flügeln wie ein Ordenskreuz. Phina begann leise zu weinen. In der Landschaft des unvergeßlichen SommersonntagS sah auch eine Mühlenschwinge über den Horizont. Graufaden blies die Backen auf und stieß inen leichten Lustzug hervor, der die Flügel sich drehen ließ. ES war, als ob der liebe Gott zum Fenster hereinschaute. Und dann begannen die Lilien von Neuem wieder zu duften. Eine ganze Ecke deö Gartenö badete sich in ihrer milchweißen Farbenhelle. Gegen die Mauern hin gab eS Sonnenblumen, kleine Sonnen für arme Leute und welkenden Goldlack. Hoch oben an den Fenstern kletterten Winden mit weißen

und blauen Blüthen, und die breiten Blätter und safrangelben Blüthenkrönen der Kapuzinerkresse wanden sich schraubenartig empor. Wie ein kleines Paradies war dieser alte enge Garten. Die Giebel zerzackten sich m tyrem malten ioiv von unten, vunkel getönt vom Rauch. Phina kreuzte die Hände über ihrem Brusttuch und spürte, daß es noch einmal Sommer geworden war. wie er es gesagt hatte. Und langsam begannen die kleinen Schotengewinde aufzusteigen aus den kleinen Blumentöpfen. ch ch ch Jeden Morgen gab nun die gute, reiche Erde, die in Fülle bewässert wurde, frische schimmernde Blumensträuße zur Ausschmückung der Ka pelle. Morgens läutete die Glocke; alle die alten Leutchen suchten sich leise trippelnd wie Mäuse ihren Platz auf den Bänken. Die Aelteste, die sich auf Krücken weiterschleppke, näselte die Litaneien; die anderen mit dünnen harten Stimmchen murmelten die Antwort. Dies war die einzige tägliche Pflicht, dem diese kleine Völkchen guter Frauen unterworfen war. Graufaden bemühte sich um Phina'ö Geranienbeete und manchmal scharrte er die Erde der Lilien um. Wie ein Manegen brauste da? feine klingende Zittern einer Glocke über die Dächer. Am Sonntag flocht sich Phina das Haar zu einer hohen Frisur, die grüne Bänder durchzogen, und zog ihre Jacke an. Der kleine Schneider hatte mit einem Bügelstriche die verriebenen Nähte seines olivengelben Jacketts wieder glänzend gemacht. Und so gingen sie dahin. Es fanden sich immer einige, die, während sie ihre Hälse wie Schildkröten herausstreckten, bis zur Kirchenhalle mitkamen, um dann dfe beiden in der Straßenbiegung verschwinden zu sehen. Sie schwankte langsam auf ihren großen Füßen, welcke die Mühen von einstmals spürten. Graufaden daneben machte seine kleinen Schneiderschritte so. wie er an seinem Tische Stich für Stich die Nadel Handhabte. Manchmal neigten sie sich lange über die Brustwehr der Brücken, wo das Licht durch die Bäume wie durch ein goldenes Sieb das Pflaster des Quais bestreute; ein Schatten zog sich an den Fassaden hin, wo ein wechselnder Reflex, der vom Wasser aufleuchtete, längs der Mauer mit den Glaskugeln eines alten Garten spielte. Sie konnten sich nicht satt sehen, wie die blanken Kupjersteie der Sonne auf den Canälen zurüa;rallten und abglänzten. Mit kleinen Schritten durchmahen sie die Beguinage. Weiße Schafe mit gekräuselten Locken wie mystische Lämmer weideten unter dem lelsen Brausen der Pappeln. Der kleine Schneider verrauchte seinen Sou für Tabak; der Rauch seiner Pfeife wallte in runden Wolken um die Apfelbäume. Eine Stunde blieben sie so am Rande des Schattens unter freiem Himmel sitzen. Sie hatte den Rock aufgestreift, er unter sich sein Taschentuch aufgefaltet. Ihre Hände lagen ausgebreitet im kühlen Gras: Es war ein Tag wie heute, Phina," sagte er. Du hast deine Hand in meine genommen, Graufaden, damals, ja damaU." Aber es hat doch nicht so sein sollen, Phina!" Sie hörten auf zu sprechen, er sog an seiner kleinen Pfeife, sie athmete mit offenem Munde den warmen Getreideduft. Keiner von beiden dachte aitU Glück, sie waren nur zufrieden, .daß der Himmel blau war und ein süher Wind zu ihnen herstrich. So hatten sie am liebsten immer gelebt, in der Erwartung eines Irgendwas, von dem sie nicht wußten, was es sei. AlS eS kühl wurde, schritten sie mit wiegendem, ermattetem Gange zurück, ihre Löwenzahnsträußchen in den Händen. Sin GlaS bitteren Bieres tränken sie unter einer schattigen Gar tenlaube. und wie am Morgen sahen sie dann daS Wasser unter der rücke

vorbeiströmen. Nun waren es nur -in paar Schritte mehr bis zum Godhuis; mein Gott, war das dann ein schöner Tag gewesen! Die Nacht sank schon herab, als er sie an der Scdwelle verlieh. Eilige Schatten kehrten verstohlen zurück, gehetmnihvoll ihre aufgeblähten Handkorbe unter den breiten Falten verbergend. Alle die kleinen Thüren da drin im Dufte der Lilien und Reseden fielen zu, eine nach der anderen. Und dann läuteten die Vesperglocken.

Eine Schauspielerin der Red Feather- - Truppe, die kürzlich in La Crosse. Wis., auftrat, verlor ihre Uhr und ein Angestellter eines Departementsladens fand sie. Als die Uhr der Dame eingehändigt wurde, fahte sie den ersten Mann, den sie im Laden sah. um den Hals und gab ihm einen schallenden Kuß. Dann griff sie den zweiten, dann den dritten Mann, bis keine Männer mehr zu finden waren. Ich könnte euch alle todt drücken." sagte sie dabei, so freue ich mich, daß ich meine Uhr wieder habe." Zwei Indianer, William Dekoran und Fruu, welche im nördlichen Theile von Sauk County, Wis.. ansässig sind, sind engagirt worden, den kommenden Sommer auf der Aus stellung in St. Louis zuzubringen. Die Frau soll die schwerste Indianerin in den Ver. Staaten sein; sie wiegt 400 Pfund. Beide gehören dem Winnebago - Stamme an. Dieamerikanischen Gesangvereine des Staates Texas Männer und gemischte Chöre halten im April in Houston ein Sängerfest ab. Das Symphonie - Orchester von Walter Damrosch von New Jork ist für dieses Fest engagirt worden, ebenso wie acht hervorragende Solisten und Solistinnen. Es werden zwei AbendConcerte und eine Matinee stattfinden. Gegen daS Gummikau n von Lehrerinnen hat der Schulrath von Boston, Mass., angeblich Stellung genommen. Die Bewegung soll aber auf den Umstand zurückzuführen sein, daß ein Mitglied der Behörde bei der Visitation einer Schule mit seinen UnauSsprechlichen an einem Stuhle festkleben blieb, auf den die kauende Schoolmam ihr Gummi - Priemchen hatte fallen lassen, Eine bekannte Berliner Straßenfigur. Wurst-Bruno" genannt, versuchte sich unlängst zum fünften Mal zu erhängen. Der Lebensmüde, ein 52jähriger Mann, heißt Bruno Schuck. hat das MalerHandwerk erlernt, betrieb aber in den letzten Jahren einen schwunghasten Handel mit heeßen Wienern" aus der Straße. Dieser anfängliche Aushilfeerwerb ist seit längerer Zeit zur Hauptsache geworden, und man kann den Wurst-Bruno während der Theatersaison Abends mit seinem Wurstkasten in der Karlstratze nahe am Cirkus hin- und hergehen sehen. Seine Ehefrau trägt als Aufwärterin bei sinem Arzt zum Unterhalt bei. Die Woh. nung theilt noch de: Sohn mit seiner Frau. Wurst-Bruno" braucht während seines nächtlichen Handelns eine Erquickung, die er als einer Destille am Ros.mthaler Thor bezieht. Dabei hält er nicht immer die Grenze inne und geräth dann zu Hause in einen Zustand der Unzufriedenheit mit sich selbst. Bei solcher Gelegenheit hat er nunmehr fünfmal Hand an sich gelegt, indem er zum Strick griff. Jedesmal war seine Ehefrau in der Nähe und konnte ihn aus der Schlinge befreien. Das letzte Mal hatte er einen Schemel unter seine Fühe gestellt und sich mit einem Bindfaden an einem Kleiderhaken aufgeknüpft. Als Polizei ge. rufen wurde, äußerte er: Die Oll läßt mir nicht mein vergnügen; sie hat mir wieder die Geschichte verdorben; ich wollte selig sterberu" Da außer dem die feste Absicht zu erkennen gab. sich doS sechste Mal zu erhangen, muhte er nach der Polizeiwache mitgehen, wo er sich nach mehreren Stunden wich beruhigt hatte.