Indiana Tribüne, Volume 27, Number 168, Indianapolis, Marion County, 8 March 1904 — Page 7
Jndiana Tribüne, . März 1904
m
ttirCHrCrk&rtrtrbitrirCHrCrk-to
V
dienst!
Käsern enroman in drri Tagen $ onii x i Nndolpir $tru
x S.
MMM- Vi (Fortsetzung.) Er hatte die verrückte Empfindung, als säße derselbe Mensch hier in dreifeig oder vierzigfacher Gestalt bei Tische und spräche eifrig mit sich selbst und reiche sich artig Kaffeetasse und Licht. Dann versank er wieder in Brüten. Seltsam wenn er an das zurückdachte, was er in der letzten Stunde erlebt, dann verblaßte immer wieder vor seinen Augen das Bild des einsamen Sees im Dämmergrauen, es verblaßten die Felder und Weiden ringsum und die ganze Umgebung, es verblaßte selbst ihre Gestalt, und er sah etwas anderes, etwas ganz Unwahrscheinliches. Er sah immer wieder die Fabrik, an der er vorhin halb achtlos vorbeigegangen! Oder vielmehr nicht eigentlich die Fabrik, sondern die kleine Tafel am Hauptportal und darauf die Inschrift: Aktiengesellschaft, vormals Giesecke. Kern und Komp." Und neben den verwischten Gold, buchstaben dieser Tafel sah er die Gruppen der herauskommenden Arbeiter, verbissenes, hageres Volk, dem es offenbar recht schleckt ging im Leben. Giesecke, Kern und Komp." verdienten Geld. Und weil der alte Giesecke Hunderte von Arbeitern für sich arbeiten lassen konnte er selbst arbeitete freilich am meisten darum brauchte sich sein Sohn kaum einen Wunsch zu versagen. Er konnte wie ein Kind nach allem greifen, was da glänzte und seinem Auge wohlgefiel. Er konnte freilich seiner Frau ein sicheres Dasein bieten. Dort hinten, in der sckimukiaen Vorstadt, summte und axtu a die Fabrik uno yannrre vom friihen Morgen bis zum späten Abend das Volk der Arbeit zwischen sausenden Niemen und kreisenden Rädern, und Goldstrom floß aus den düsteren, lärmenden Gebäuden und verwandelte sich in die prunkvolle Villa, die die Familie Giesecke vor der Stadt bewohnte, in Reitpferde, in Diener, in alles, was das Herz begehrte. Da fühlte sich Elcke leicht an der Schulter berührt. Leutnanl Giesecke stand hinter ihm. Der hübsche Mensch sah etwas erregt aus. Sein gutmüthiges Gesicht war blaß, seine Stimme unsicher. ..Ich möchte Sie gerne sprechen. Elcke." sagte er rasch. Elcke erhob sich. Beide traten in das anstoßende, sogenannte Damenzimmer, das für die Regiments-Damen mit ihren Begleitern reservirt war, aber fast immer leer stand. Dort schioieaen Beide. Endlich faßte sich Giesecke Muth und ging mitten in die Dinge hinein. -ehen Sie. Elcke," sagte er stockend, die Sache ist die: Wenn Sie mir jetz: noch in diesem Augenblick sagen, daß Sie irgenv eine Aussicht haben jetzt oder später sie zu heirathen irgend einmal zu heirathen daß vielleicht irgend ein Onkel da ist oder eine Familienstiftung was weiß ich in diesem Augenblick trete ich zurück und räume Ihnen das Feld." Wdi zuckte die Achseln. Sie wissen. Giesecke." sagte er. ... daß ich keinen Groschen habe und aller Voraussicht nach vor dem Hauptmann erster Klasse keinen haben werde. Warum fragen Sie also?" ..Weil ich mich dazu verpflichtet halte" Der blonde Leutnant ging UNruhig im Zimmer auf und ab. . . . wir wollen doch offen sein, Elcke! mich liebt sie nicht vorderhand wenigstens sie hält mich eben für einen anständigen Kerl, mit dem sich zur Noth im Leden auskommen läßt na das bin ich ja auch schließlich wohl hingegen Sie aber schließlichwenn nun gar keine Aussicht ist nicht die geringste Hoff nung auf eine Ehe. ES ist ja hart für Sie, lieber Elcke furchtbar hart aber ändern läßt sich's ja nun einmal nicht und da-" Er brach ab und sah den Regiments kameraden erwartungsvoll an. Wenn Sie das Jawort erhalten." sagte Elcke ruhig, so ift's ja gut!
Daran kann ich auch nichts ändern, so
wenig wie an meiner Armuth." Der hübsche Leutnant trat dicht vor ihn hin. Aber ich möchte nicht vor Ihnen un-
kameradschaftlich erscheinen, lieber Elcke." sprach er mit gedämpfter, auf
geregter Stimme. Ich om toll ver
liebtdas wissen Sie ja das ist keine
Neuigkeit von gestern aber trotzdem
möchte ich nie etwas nehmen, was einem Kameraden irgend einmal gehören
konnte und darum Elcke trat an die Thür. Lassen Sie's gut sein. Giesecke!"
sagte er. wir wollen nicht weiter dar-
über sprechen. E kommt ja auch nicht
auf uns an, sondern, was sie thut.-
Dah ich Ihnen Glück wünsche, werden Sie woh' nicht verlangen alsoAdieu!"
Blesecke zuckte stumm die Schultern
und sie schieden.
Eine Stunde darauf war da Ka
sino so ziemlich verödet. Ein Theil der
Leutnants war in befreundete oder ver
wandte Familien gegangen, andere saßen an dem runden Stammtisch in der Kneipe, einige Streber" wohl auch zu Hause über ihren Büchern, und einer oder der andere der Herren gng in Civil unter dem Schutze der Dunkelheit den bescheidenen Liebesabenteuern nach, wie solche die kleine Garnison eben zu bieten vermochte. Nur eine Gruppe war im Spielzim mec des Kasinos zurückgeblieben, der Oberleutnant von Bloode und vier oder fünf andere Herren. Der dicke Baron Bloode war eben auf acht Tage Strohwittwer geworden und feierte dies Ereigniß durch die Erzeugung jener weitbekannten Mischung aus Porter und Sekt, die man im Kasino aus unbekannten Gründen Türkenblut nannte. Als der Porter ausgegangen war, trank man einfachen Sekt weiter und tempelte verstohlen . ein bißchen dazu, ganz bescheiden, um Mark- und Thalerstücke. Es war ia kein Kavallerist in
der Nähe, der sich darüber hätte lustig machen können. Elcke hatte sich dieser Gesellschaft an geschlossen oder vielmehr, er war einfach sitzen geblieben, als die anderen alle weggingen. Er fühlte sich völlig willenlos. Er machte mit, was man ihm vorschlug, er trank Sekt, den er sich sonst nur bei Kaisers Geburtstag erlaubte, er tcmpelte. während er sonst nie eine Karte anrührte, und gewann die zwanzig Mark, die sein Sek- und Vorterantheil btrua Es war drei Uhr Nachts, als er durch die triefende Regennacht nach der Kaferne zurückging. Er warf sich auf'S Bett. Er fühlte sich todtmüde und sein Kopf war schwer. Aber er konnte nicht schlafen. Ein Gedanke hielt ihn wach. Warum hatte Giesecke Geld und er nicht? Warum mußte er darben, während jener das Lebensglück in vollen Zügen genoß? Warum besaß er nicht auch eine Fabrik? Warum arbeiteten nicht auch für ihn, wie für jenen Giesecke. die Schwärme dunkler, verbissen lächelnder Gestalten, die er heute Abend gesehen? Warum ? Mit dem Gelde jchlug ihn jener aus ben Schranken, mit dem gemeinen Geld! Draußen triefte die Dachrinne. Eintönig klang das Fallen der slropfen wie Geld und Geld und wieder Geld. Elcke versank in Halbschlaf. Aber seine Gedanken wanderten und in ihr Schweifen klatschten eintönig die Tropfen ihr Geld und Geld. Endlich schlief er ein. Da trat unten in der zugigen Wölbung des 5asernenthors der Spielmann aus der Wachtstube heraus und in den Hof. Dort nestelte er sein Horn los und setzte es an den Mund. Habt Ihr noch nicht lang genug geschlafen?" klang die schmetlernde Mahnuna und brach sich an den schweigenden Kasernenwänden, toieder. Und in den gellenden Ton drang von oben her. irgendwoher aus der stockdunklen Winternacht ein heiseres Rasseln. Die alte Kasernenuhr rüstete sich zum Schlagen und verkündete die sechste Morgenstunde. Da wurde es innen lebendig. Flimmernde Lichtschaukeln tauchten in den Fensterreihen auf, dumpfe Tritte hallten in den Gängen und schlürften über den Hof und stöhnend öffneten sich die schweren Flügel des Kasernenthores. Und allmälig erhellte ein matter Dämmerschein das finstere Regengerie -sel. Alle Dinge ringsum lagen in einem fahlen Grau, ein farbloses Licht
spielte über dem naßglanzenden Hofe, den zugigen Treppen und Gängen, als Elcke eine Minute nach sieben Uhr zur Rekruten-Jnstruktion herunterschritt. Vor dem ersten Zimmer blieb er stehen. Die Stimme des Sergeanten klang von innen: Tuleikes Du Himmelhund kannst Du es immer noch nicht?" Und stockend kam in hartem, gsbrochenem Deutsch die Antwort: Der Soldat soll der ernsten Pflichten seines Berufes eingedenk dieselben gewissenhaft zu erfüllen eifrig bemüht fein." Der 1. Mai. 0 1. 'soch stand die Maiensonne tief im Osten. Ihre schrägen O' Strahlen flimmerten durch den Frühnebel und woben ein röthliches. rauchiges Dunstgespwnst um die Kasernengebäude. Eine frische, herbe Kälte lag aus dem Hofe. Wie Silber glitzerte eine feine Reisschicht über den Pflastersteinen, und der Athem der heraustretenden Mannschaft ballte sich in der Lust zu dicken Rauchwolken zusammen. Aus allen Thüren und Thoren kamen sie heraus, mit schweren trappenden Schritt p. das Gewehr schräg in der Hand, den gepackten Tornister sammt dem Rollmantel durch einen letzten Schulterruck zurechtgeschoben. Dann formirten sich die Korporalschaften der Schießunteroffizier vertheilte die PlatzPatronen, der Feldwebel stellte die drei Züge zusammen und in seine dröhnende Stimme scholl da und dort das knurrende Schelten der Unteroffiziere. Stillgestanden!" hallte die Stimme deö Feldwebels. Ein Richte Säbelklirren lieh sich von dem Treppenabsatz vernehmen. Der Feldwebel warf einen prüfenden Blick auf die regungslose
Mannschaft, schob sich daö dicke Notizbuch zwischen den knöpfen deö Waffenrocks zurecht und meldete dem Leutnant von Elcke die Kompagnie zur Stelle. Elcke legte stumm zwei Finger an den Helmrand, musterte einen Augenblick die Linien und brachte sie dann durch ein halblautes Rührt Euch!" zum Leben zurück. Die Mannschaft sah ihn schweigend und erwartungsvoll an. Er war in den letzten Monaten sie wußten nicht recht, warum unerbittlich und unermüdlich im Dienste geworden, einer jener gefürchteten Vorgesetzten, für welche die Kaserne trotz aller Kniffe und Ränke kein Geheimniß mehr hat. Einem der Leute faßte er mit de flachen Hand unter d?n Tornister, lüftete denselben und wcg ihn mit prüfender Miene. Die Sache stimmte nicht. Der Mann mußte ableg.'n, und es e flc b sich, daß er durch eine seltsame ftr streutheit vergessen hatte, sein Paa; rindslederne Schuhe in dem feldmarschmäßig gepackten Affen" unterzubri' gen. Der Leutnant wandte sich den Nächsten zu. Hier zoj er ein Seite.' -gewehr aus der Lederscheide, um zu sehen, ob ei genügend eingefettet sei; dort ließ er einen Mnn den affenrcck aufknöpfen und den vorschriftmäßigt..', Brustbeutel vorzeigen, fuhr mit ten Fingerspitzen zwischen Koppel und Wassenrock und prüfte, ob der Mann fest genug umgeschnallt hatte, einen an-
deren ließ er den Fuß hochheben, um etwaige Defekte an den nägelbeschlagenen Stiefelsohlen zu entdecken. Inzwischen waren auch die beiden anderen Herren erschienen: Leutnant von Hessel. der jetzt zur Kompagnie versetzt war. und ein Reserveleutnant. Sie inspizirten rasch ihre Züge und blieben dann schweigend etwas abseits beisammen stehen. Schweigend stand ttnitt ihnen. Gewehr bei Fuß, die Mannschaft, schweigend und müßig vor sich hinblinzelnd, daneben die Unteroffiziere. Eine feierliche Oede deö Dienstes lag im Morgengrauen über der kleinen Schaar. Das einzige, was man vernahm, waren ab und zu ein paar halblaute Worte Elckes. der immer noch an seinen Leuten herumarbeitete. Endlich war auch ei bei dem letzten Mann des zweiten Gliedes angelangt und trat dann mit kurzem Gruße zu den beiden andern Herren. ..Du wirst der reinste Streber. Albrecht," sagte der kleine Hessel verdrießlich und gab ihm gähnend die Hand. Es ist ja ganz schön, wenn man gehörigen Biereifer im Dienst zeigt, aber Du" Dienst ist Dienst!" Na, früher hast Du doch immer auf den Dienst geschimpft." Das war früher; jetzt seh' ich ein, daß der Dienst das einzig Wahre ist. Das ist nun mal unser Beruf. Und ein Mensch, der seinen Beruf mißachtet, der taugt den Deubel was!" Bon," sprach der kleine Hessel philosophisch. Ich widerspreche Dir nicht mehr." Alle drei schwiegen. Kein Laut war hörbar außer dem schweren Athmen und zuweilen einem Husten der Mann,chaft, deren Reihen nunmehr schon ganz hell im Morgenschein blinkten. Einzelne von ihnen schienen im Stehen wieder einschlafen zu wollen, wie müde Pferde. Die meisten starrten gedankenlos vor sich hin, und neben ihnen gähnten am Ende der Züge die verschlafenen Unteroffiziere. Da plötzlich klang es draußen von der Straße her wie eine rauschende, einschmeichelnde Musik. Buntfarbige Tonwellen huschten unter der niederen Thorwölbung durch, flogen in klingenden Akkorden über den Kasernenhof dahin und kehrten von den hohen Wänden in verdoppeltem Schall zurück. Draußen, mitten auf der Straße, stand die Regiments-Kapelle vor der Dienstwohnung deö Grafen Dahlem. Man konnte ')urch das Thor deutlich den Kreis der Musiker sehen, und in ihrer Mitte den dicken, ordengeschmückten Stabshoboien. der mit wichtiger Miene die muntere Weise dirigirte. Nanu?" fragte der Reserveleutnant erstaunt. Die beiden anderen antworteten nicht. Was ist denn los?" fragte jener weiter. Kriegt denn der Oberst ein Ständchen?" Nee das nicht!" erwiderte der kleine Hessel und sah auf Elcke. Ein Ständchen kriegt er nicht!" sagte dieser ruhig zu dem Reservemann aber einen Schwiegersohn. Er verheirathet heute feie Tochter an unseren Regimentskamera n Giesecke." Ach ja richtig der Reserveleutnant hatte davon gehört. Also eine Aufmerksamkeit des KaPellmeisters für die glückliche Braut?" fragte er scherzend. Elcke nickte. Da wird es heute wohl leer im Kasino werden! Die aktiven Herren sind doch wohl alle beim Hochzeitsmahl!" Nur wenige! Der alte Direktor Giesecke, der Vater des Bräutigam, ist schon seit Monaten schwer leidend. Die Hochzeit findet in aller Stille in seinem Hause statt." O!" sagte der Reserveleutnant. dann sind Sie wohl auch nicht dabei?" ..Nein nicht einmal i ch bin eingeladen!" erwiderte Elcke lachend. Denken Sie sich nur! Und außerdem habe ich gerade um die Zeit Dienst Kam-mer-Revision von drei Uhr ab und nachher Turnen und" (Fortsetzung folgt.)
Die Zenfterscheiben.
Gin wahre Geschichte von Henry de Forge. autorisierte Uebersetzung von A. Wille. Meine theure Braut! Du warst heute Abend unzufrieden mit mir, nicht wahr? Du warst böse auf mich, weil ich mein Lieschen nicht gescholten habe und mich weigerte, sie zu bestrafen Du sagtest mir. daß dies Pflicht der Väer sei, die Kinder zu strafen, wenn sie unartig gewesen sind, daß es den Bätern obliege, strenge mit ihnen zu
verfahren, von klein auf. aus Prinzip, j
Lieschen hat in der That em schweres Verbrechen" begangen, welches Strafe erheischt. Mit ihren kleinen rosigen Fingern hat sie auf die gefrorene Fensterscheibe die Silhouette ihres Kindermädchens gezeichnet, als Karikatur, mit einer grotesken Nase, einem viereckigen Kinn und langen Ohren, wie die Kleine sie auf dem Karton, den sie von ihrem Pathen bekommen, bei dem Eselsblid gesehen hat. Lieschen ist vier Jahre alt. und für ein vierjähriges Kind ist dies ein Frevel, der eine strenge Strafe nach sich ziehen sollte: Entziehung des Nachtifches oder einige Minuten in der Ecke stehen. Ich bin allerdings nicht strenge mit meinem Lieschen verfahren. Anstatt
sie zu schelten und zu strafen, habe ich sie sogar noch in meine Arme genommen und geküßt. Unverzeihliche Schwäche! Erbarmliche Erziehung!" hast Du mir gesagt! Vielleicht hast Du recht. . . Aber ich habe einen Grund, einen sehr ernsten Grund, den ich Dir jetzt brieflich mittheilen will, damit ich mich besser erklären kann, damit Du vor Allem Deinen sonst so männlichen Bräutigam nicht gar in Thränen zu sehen brauchst. . . Vor langen Jahren, zu einer Zeit, da ich selbst nicht viel älter war als unser Lieschen, hatte ich einen kleinen Bruder, Hans Hänschen nannten wir ihn , den ich von ganzem Herzen als meinen besten Kameraden und einzigen Freund liebte. Hänschen, ein hübscher, lockiger Blondkopf, mit großen blauen Augen, die ich noch vor mir sehe, war für sein jugendliches Alter ein erstaunlich entwialelter. pfiffiger Junge. Er war vier und ein halbes, ich sechs Jahre alt. Wir verlebten eine sonnige, glückliche Kindheit. Im Sommer tummelten wir uns vom frühen Morgen bis späten Abend in unserem schönen Garten umher, und unsere Lieblingsbeschäftigung war es dann, aus Sand die erstaunlichsten Bauten aufzuführen. Allerdings mußte ich mich immer mit den schweren, groben Arbeiten defassen, denn Hänschen, schmächtig und von zarter Gesundheit, erhitzte sich gar zu leicht. Der kleine Schelm ersparte sich alle seine Kräfte, um taufend Streiche zu ersinnen und zu begehen, oft die drolligsten, die man sich denken kann, und ich erinnere mich noch sehr gut, wie mein armer Vater genöthigt war, ihn beständig zu schelten und ihn die ganze Skala von Strafen, welche man einem Kinde in diesem Alter überhaupt auferlegen kann, durchmachen zu lassen. Als der Winter kam, verfiel mein Brüderchen auf eine neue Unthat. Ebenso, wie heute unser Lieschen, zeichnete er auf die gefrorenen Fensterscheiden die Portraits der verschiedenen Familienmitglieder in den gewagtesten Posen. Er fand das sehr amüsant, der kleine liebenswerthe Schelm, und an jenen kalten Wintertagen, welche die Glasscheiben befrieren ließen, verbrachte er ganze Stunden, um mit seinen kleinen Fingern über die schönen weißen sternförmigen Krystalle zu fahren und darin geheimnißvolle Hieroglyphen und gewagte Karikaturen einzuzeichnen. Als meine Mutter dies entdeckte, war sie sehr böse. Auch der Vater wurde von der Missethat unterrichtet und untersagte ihm diese Spielerei; aber Hänschen beachtete nicht das Verbot; und als er eines Tages sogar das Portrait unserer guten Großmutter karikirte, hielt man um seinetwillen einen förmlichen Familienrath. Nach reiflicher Ueberlegung wurde der kleine Mitthäter gerufen und zu feierlicher Abbitte veranlaßt. Außerdem machte Vater ihm sehr böse Augen, Mutter verweigerte ihm den .Gute-Nacht-Kuß" und ich erhielt die Ordre, den ganzen folgenden Tag nicht mit ihm zu sprechen. Jeder glaubte, daß diese Strafe exemplarisch wirken würde. Aber ach! dem war nicht so! Hänschen hatte auch in Zukunft nicht anderes im Kopf, als dieser Lieblingsbeschäftigung nachzugehen. Heimlich, bei jeder nur möglichen Gelegenheit, lief er an die verbotenen Fensterscheiben, um seine Zeichnungen von Neuem auszuführen. Sehr frühreif für sein Alter, kannte er schon die Buchstaben und setzte ganz richtige Worte zusammen, wa ihm ermöglichte, unter seine schrecklichen" Illustrationen die Namen seiner Opfer zu schreiben: Da ist Mama! Daö ist Bertha! Er wählte die Stunden, wo er ungestört zu sein glaubte und, auf einem Stuhle knieenv, arbeitete er", wie sagte, an seinen Malereien. Oh, wie oft de Abend, wenn n
mit gefalteten Handchen sein Gebet aufsagte: Lieber Gott, beschütze Papa, beschütze Mama, beschütze Brüderchen ", sprang er plötzlich auf, eilte an'ö Fenster, und, nachdem er auf die schönen weißen Krystalle schnell irgend eine phc?Wastische Zeichnung hingeworfen hatte, kehrte er strahlend vor Uebermuth zu seinem unterbrochenen Gebetchen zurück. Ich war Mitschuldiger an seinen Unthaten, ich gestehe eö offen, beschützte ihn so gut ich konnle, und, wenn ich mit ihm allein war, fand er in mir i
nen Bewunderer, wie er ihn begeisterter nicht hätte wünschen können. Aber ach! wie viele Male wurde der arme, liebe Kerl trotzdem bei der That ertappt und, wie es sich gebührt, von den heftig erzürnten Eltern bestraft. Nur die Grohmutter war nachsichtig und suchte ihn zu vertheidigen. Laßt ihn doch!" bat sie. Er wird eines Tages ein großer Künstler, ein unübertroffener Maler werden!" Inzwischen entwarf dieser Zukunftskünstler immer wieder von Neuem die unglaublichsten Portraits.
Das ging so bis gegen Ende des Winters. Hänschen hatte eine immer größere Leidenschaft für die Fensterscheiden gefaßt und hatte es sogar so weit gebracht, ganze Sätze einzukritzeln. Die Eltern hatten sich schließlich darein ergeben und wurden auch müde, ihn immerfort zu strafen. Da wurde eine Abends Hänschen von einem bösen Fieber befallen, dessen Ursache man nicht kannte. Der arme Kerl mußte das Bett hüten und beruhigende Arzneien schlucken. Es hat nichts auf sich," sagte der Arzt. Aber ach! Es hatte leider doch etwas auf sich, und zwar etwas sehr Ernstliches; denn man verbot mir sogar, das Krankenzimmer zu betreten, und alle angewandten Mittel vermochten nicht, das Fieber zu beseitigen. Lassen Sie den Kleinen ruhig spielen, nur hüten Sie ihn vor Uebermüdung und halten Sie ihn recht warm," lautete der Ausspruch des Arztes, der sich gar nicht erttären konnte, weshalb das Fieber nicht weichen wollte. Hänschen, ohne Zweifel von einer hoffnungslosen Krankheit ergriffen, wurde immer elender und magerte in erschreckender Weise ab. Nun würde Mutter überglücklich gewesen sein, hätte mein Brüderchen sich dem Spiel hingegeben, welches sie ihm so oft verboten hatte; aber ach! der arme Kleine hatte zu nichts mehr Lust, selbst nicht zu seinen früher so geliebten Malereien. Und dabei lieh der Schnee, der nicht aufhörte, in dicken Flocken zu fallen, die Scheiben so einladend zum Bemalen für Hänschen befrieren. Hat Hänschen heute etwas geschrieben, Väterchen?" fragte ich jeden Tag voller Spannung. Und jeden Tag schüttelte der Vater stumm und traurig sein Haupt. Da. eines Morgens, trat er bastig in mein Zimmer, mit todestrauriger Miene. Unser HanS ist todt!" sagte er. Wie? Mein Hänschen, mein armer, kleiner, vielgeliebter Bruder todt!? Was bedeutete dieses eisige Wort, we!ches man mir noch nie erklärt hatte?. . . In der Erschütterung des ersten heftigen Schmerzes erzählte der Vater mir alles. Hänschen hatte, wie gewöhnlich, die Nacht gut geschlafen, und auch noch am Morgen so tief, daß man geglaubt hatte, ihn eine Weile allein lassen zu können. Als dann die Mutter wieder eingetreten war, war HänSchen nicht mehr am Leben. Nicht mehr am Leben! Nicht mehr am Leben! oh! doch! doch! Das konnte ja gar nicht möglich sein! Ich möchte ihn sehen!" bat ich den Vater, indem ich mich an seinen Rock anklammerte. Komm", sagte er einfach. Und er führte mich zu ihm. Hänschen lag in seinem Bettchen, ein kleiner Engel, umgeben von einem Flor von Rosen. Aber er schläft doch nur?". . . murmelte ich ganz leise. Wie blaß er aussteht!...?" Da siel mein Blick auf die Mutter, die auf den Knieen lag und heftig schluchzte. Auf's tiefste erschüttert, beide Eltern so traurig zu sehen, schlich ich an'8 Fenster und kauerte mich dort in die Ecke nieder. Als ich mein Auge ganz mechanisch auf die weihen Scheiben richtete, bemerkte ich einen eingekritzelten Satz, welcher schon zu vergehen anfing. Seht nur! Seht nur!" rief ich sehr erregt den Eltern zu. Die kleine Hand unseres Hänschens hatte noch im letzten Moment, wo er
auf Erden weilte, mit yöchster Anstrengung folgende Worte geschrieben: Hänschen wird sterben. Lebt wohl!- ' - Dies ist der Grund, meine theure Braut, weshalb ich heute schwach gerne sen bin und nicht da Herz gehabt habe, Lieschen zu strafen. Zürne mir daher nicht, zürne auch unserm Liebling nicht. Man muh nachsichtig sein mit hen kleinen Lieblingen, welcje. fielen wollen.,
Feuer 5ignat.
I ftatnst?lv und Startet 7ltsh'90pe.Hau8 I ast und Nlv York 7 Noble und Michlgan 0. N. Jn1y u. Stoff Wa ö Ptn und North .0 Startet und Pine '1 Vermont nah Saft IS ty. 8 Spritzenhaus Mass. v nafft jlofclt (8 Deaware und Walnut 14 Jersey ukentral. 15 Mess, und CorncU Av 6 Ast) m.d 11. kraß (7 Vark Av und 12 Str .8 olumtna undHMfld 19 Higllland Av u. P,att II Jlltn end et. I n PennsvlV. und Statt U flevidtatt und 11. St, 6 Sto. 6 Spritzenhaus 16 naht Jllinoti t Senate Kmu. Stflatx I) Jllinoi und Vääfigan Pk isylvanta und 14. :9 Senate . und 18. U 5)o. l SpritzAnhau Ine Ärnahichtga Vertdia und Walnut (4 California u ftornont 16 Blak und ew Dort 'S Ind. . . St kok 37 Sitv Hospital :8 Blake und Norttz ichtgan und Sfrei ü No. 8 Spritzenhaut Washington nahe Weft 2 VAjendors u ash. Missouri u ew Kort ' 5 Meridian u ash Jllmoit und Cff o 17 apttol v. u Wash s maa' PorHaut 4 Straßenbahn Ställe . Washington Lrr 41 Ro. 10 Svritzenhau Jlltnoi u errill Illinois u douifiar 68 Wett und South 4 West und ttcort 48 Senate v u Henry 47 Meridian und Rny Ro. 4 Spritzenhou Vadison Av. orris 09 Vadiion v. u Dunlop No Haken Letterhaus South nah Delawar, tt Penn, u Vierrill I Delavan n RcOartt 88 OH tRd,IMtztz New Jersey u. VerriH 87 Virg. v. u radshaw 19 oft und Prospekt 49 tcktng und High n 9)o. 11 Spritzenhau vir Ave. nah Hur rt fast und Georgia 'S da, und Im m Davidson u Georgia m English Av. Pin 't Shelbh und ates f Ro. 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Shelbh ' letche? v. u Lbelby arket u. New Jersep Ttlaivan und Wash. aft u Washington 44 Nem J)ori u. Davidsor 6 Taubstummen Anstalt ver. Staaten Arsenal 47 Oriental und Wash. '9 Frauen-Nesormat. l No. ll Spritzenhaus Btarvland nahe Pier. 4 Meridian u. Seorqio. S Meridian und South 4 Pennsvko u. Louiftana ' trani, Ave u. Alob. 6 Hauptquartier. 7 Grand Hotel. 3 Capital Ave und Chl I Ro. 10 Spritzenhaus 18. und Asb. 4 Alabama und 1s. I Ctntral Ave und 14. 6 Landes und 16. ff Brookfld und Jupiter 8 (Ittitral Ave und 17 'S Delawan und 19. l Alabama und 11. ia Dellesontain und 5. 4 ollege v und 99 16 Delawar und 19. 56 Alabama und North 9 Newmann und 19. College und 14. 9 TorntU Av und 19. ii g)cnbt unb 10. 3 Htghland Av und 10. j Tecumieh und 10. 6 New Jersey and 83. . Alvord und 17. t No. 9 Spritzenhaus Hil.ftd Av und . . Kolleg Ktx und H. College Av und 97. Park Ave und 99. V L u, ahn u. 33. M Ramsey v und 10. 8 loughton u Nkwme .7 Atlas und Pike. Vloyd und Pawpaw. W 9)0. 21 Spritzenhaus Orightwoob 99 Ar den und Dpot 9 Brigottvood und 99. 44 Rural und Vloyd 66 St. klair u. eyfton 97 Arsenal Av tat 99. 68 lUfontotn und 99.
999 fort KW tat 19. 913 fapttol Av und 19. 13 Pnmstzw.uchtaa 914 JUin8 nd 99. 916 Senat Av und . 19 PennsVivsnia und 39. 917 eridian und 19. 919 apital Ave und 99 19 Broadway und l. 981 JUinoU und Wcfieau 384 No. 14 pritzenyauA Kenwood und 0. 086 Jtlinvi8 und 88. 199 nnetta und 90. 837 Ro. 9. SpritzentzatDO Udell und Raoer US Udell Ladder Korkt M &4atl und tf. 41 ridian und 4 943 Jllinoi9 u St. las. 949 ldridg und 99. 81 West und Watnut 919 West und 19. 914 Howard und 19. II korbet und yoea 919 Sapital Av und 19. 317 Northwostern Av 919 Gent und 19. 919 Canal und 19. 94 Eenalin Worts 834 Vermont und &r 995 VtsmaVZ urandViA 9 No 9 Sontzenhaus HaughtnUe. 17 Wichigan u. Holmes. 999 ichtgan u Soncord 941 West und VerJntyr 91 Vistoun u. VarytoA 419 Mssouri und Odi 416 apital U orgia 419 Uifsourtu entuckvA. 417 Senate Ave u. Wash. 4! V und Nmidbou . Washington. iU Jrnn.Hospital. 494 ilev Ave u Tu33 499 Wash and Han4 499 No. 18 Spntzenbas W Washington 437 Oliv und Virch 499 Oliver und Osgood 439 Nordyk, und Dort 431 Hodley Av u. Vorrtl 489 River Av u. Morris 4 River Ave und Biatz 436 Hardtng u. Vig 4 ? 439 Hardtng und vUv 437 o. 19 SpritzenheZ Morris und fersaW
491 Rettn d II 45 Howard 8089 8 488 110199 89 9W9 969 Lamdovt und VekuoM
467 RordtM 19 U. mon Works 81 eft und Ray
18 kntueky Avt u.'
814 Reribion und WorM 10 Illinois uns ansas 817 Horns und Dakota 8 Morris und durch 819 apital . u flteSart, 891 Meridian und Pal, 883 Pin unk Lord 894 Madiior Ave u Lineod 99 Meridian und VUV 7 Carlos und atz 898 Meridian und AriZona 9 Meridian u. Ravaand 931 Meridian u. 3R.ai 88 Ro. 17 SpritznhS8ß Morrtt nah Weft
819 McKernan und
913 aft u. Lincoln
914 aft und Veecher . 918 Wright und Sondert, 917 McTarty und veary 918 Rw Jersey u BkW 71 Spru und Prospee, 7 ngllsh Av. u. arm) 714 Sta Av u. Bett R f 716 SseUch UAd nch 719 Statt Av und Oran 719 Orange und Laurel 718 SbUy u.c.taM, 791 Lexingtsn A u Sra3H 7t Fletcher Ave u. Oprue 794 Statt v u PleasaU' TU Prospekt und kaw 794 Orange und Harla 799 Liberty und 39m 799 oöl und South 819 o. 18 epritzenhau Oft ashtnaton 818 Market und Noble 814 Ohi u Huzhlsnd I9 818 Michigan u. Highla 19 Market u Arsenal 1 817 Oft lair und Union Sahn leise. 83i Pan Handle Shop 889 Vermont und aleo 814 ash. und Stadt 4 80 Madbn'8eoung?M9 899 lueker und Dorsay 897 ash. und Vevtse 9, 899 0. 1 Spriyenbau eviU nah uhdM 091 Loutbeaftern 9ük und oodfid, 83 ash. om Darh999,
894 Sontyenüern
Arsenal Avs,
898 ew Vor und
91" JKmois und Maryl,
9 9 Illinois und 914 Wen. n
1 Malaar rat? 98?
pezial, Signale. lrften Schlag, zweiter Alarm, iweittn 9 Schlag, dritter Alarm. Bitten Schlag,, viert Alarm. i-9-l, Feuer au9 und Schlauch aufgero89. Schlag, bsfierdru ad. 3 Schlag. 1 Uhr Mittags. Die so bezeichneten Signae werden nur v o Hur W A 4jM La a - - VwJfJMX QmgtQßDfn M an 9CH Hilf IfMMII VsMU
Chicago und der große Nordwefie
9(9
la8kM-8M9VMtt-dtlt9,Vte Jnfi Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. Von der onon 7. Str. Station, hicago, .ad nur 5 Minuten mittelst elektrischer ar nach den Union iehdöse Frencb Liefe Springs, in dem Orange Tonnt Hochland. stamiltlH9tki
unter neuer eltda?t9iettung. luto. Vroieroine
kfl8 WI
rad 9l(8 Quellen. Ve
ttneralwafser dar
elt. ei soe täaUA via reearakle.
ltcketHsjleen : Union Station. aachasetts 9 und 88 eft ashlngto Straße. . M.V-Z l
cts. 888 Ge. 89. etriehsleii?
887 j. 918 8 0,
. 8419089. A8.
