Indiana Tribüne, Volume 27, Number 161, Indianapolis, Marion County, 29 February 1904 — Page 7
Jnbiana Tribüne, 2S. Kebrnar
Aus dem NeK. NovcUtte von Ralph von Ramitz. Die Helmstcdter Jugend drängte sich am Gitter des Kasino Gartens, und auch die Erwachsenen blieben stehen, um einige 2a!te der Fledermaus Quadrille" zu erhäschen, die dort in den erleuchteten Räumen von der Kapelle des Ulanen Regiments eycfjtirt wurde. Hin und wieder rollte auch noch eine verspätete Equipage vor. und wenn die Insassen daS sauber gefegte Vorgäclchen durchschritten, und die Rüsche eines seidenen Ballkleides oder ein Ordensband unter den Man teln sichtbar wurde, dann war die Straßenjugend außer sich vor Vergnügen. Die Quadrille beschloß den ersten Theil des Balles, zu dem sich die Offiziersfamilien des Ulanen Regimen teö, der Landadel und die Stadthono rationen eingefunden hatten. Während die Musici auf der Empore in den Kasino-Keller zu einem Gläschen Bier und kurzer Erholung hinabstiegen, be gab sich die Ballgesellschaft in die Nebenräume des großen TanzsaaleS, um eine kurze Conversation zu pflegen. In einer lauschigen Ecke hatten mehrere junge Damen und einige Officiere Platz genommen. Man diökutirte mit Eifer das weitere Winter Programm und namentlich die Liebhaber - Bor stellung. die demnächst im Kasinotzvon statten gehen sollte. Ach. um die Jnszenirung brauchen wir keine Sorge zu tragen," sagte eine Rothblondine, die sich mit einem Straußenfächer langsam und nicht ohne Koketterie Erfrischung zufächelte, das wird Mon der gute Herr Baurath besorgen." ..Natürlich. Baronesse, wozu wäre ich sonst wohl Garnison - Bauinspettor. wenn ich's nicht auch verstände, für unsere Schönheiten den entsprechenden Hintergrund zu arrangiren. Wenn alles so klappt, wie die Jnszenirung. dann wird unser Helmstedter Publi kum zufrieden sein!" Ja. Herr Gusoviuö, auf Sie ist Verlaß, aber die Herren Leutnants! Ich wette, Sie haben noch keine Zeile gelernt, Herr von Gieselfingeu?" Der Angeredete, eine brünette, schlanke Erscheinung, wirbelte das schwarze Bärtchen lächelnd in die Höhe und machte eine halbe Verbeugung: Gerathen. Baronesse!" Aber, lieber Herr von Gieselfingen. das geht doch wirklich nicht! Ich muh Sie wirklich einmal in's Gebet nehmen! In vierzehn Tagen soll daö Stück in Szene gehen, dazwischen sahren wir und Sie gewiß auch? noch auf drei Tage nach Berlin zum Kaoalierball, wann denken Sie den Parr denn zu lernen? In den beiden Akten kommen wir beide, Sie und ich. mindestens zehn Mal vor, und es wäre doch schade, wenn wir umwürfen, nicht wahr? Schon allein die reizende Lie besszene im zweiten Akt!" 2ie schlug ihn mit Ivm zugeklappten Fächer auf den Arm und machte eine scherzhaft-böse Mie'le. .Seien Sie ohne Soge. Baroneß, ich t)abe ein glänzendes Gedächtniß und lerne die ganze Rolle in vierundzwanzig Stunden. Ueberdies soufflirt Herr Gusovius." Es ilt aber nicht so leicht, auf den Souffleur hin zu spielen," irwiderte der Baurath. Und dann habe ich noch eine Reserve. Unser Stückchen wird in Ber lin sehr oft gespielt, und wenn ich zum Bau drüben bin. dann kann ich mir's ja ansehen." Das wird Ihnen gerade viel hel fen!" lachte Baronesse Adda Bergholm. Nein, versprechen Sie mir lieber, daß Sie jetzt jeden Tag eine halbe Stunde memoriren. Und was noch besser ist. Sie kommen zu uns auf das Gut heraus. und wir lernen n dvux. Es ist ja nur eine halbe Stunde ja? Papa schickt denScdlitten. dann haben Sie es ganz bequem. Mein Gesellschaftsfräulein kann uns souffliren.Wie geht es Fräulein von Falk? Sie ist leider nicht hier?" Danke, sie wild sich sehr geschmeichelt fühlen, daß Sie nach ihrem Befinden gefraat haben. Herr von Gieselfingen, sie hat so viel in der Wirth schaft zu thun. Also, wann darf ich Sie erwarten? Wäre Ihnen Nach mittags zwischen 4 und 5 recht?" Diese Konversation hatten zwei Leutnants mit angehört, die von Gruppe zu Gruppe schritten, hier ein Scherzwort in das Gespräch hinein warfen, dort einen Tanz auf der Karte einer Dame notirten. und die jetzt Arm in Arm in die stillere Bibliothek mandenen. Nun. was sagen Sie dazu. Em mingdorf? DaS war ein Wink mit dem Zaunpfahl!" Die Baroneß Bergholm und Gieselfingen. meinen Sie? Wie man's nimmt! Vielleicht geschieht es wirklich nur im Interesse der guten Sache, d. h. unserer Aufführung." lber nein. Emmingdorf! Haben Sie denn nicht bemerkt, daß sie schon monatelang alle Netze nach ihm aus wirft?" Ich meine, sie hat' nicht nöthig. Rossow! Der alte Bergholm besitzt nicht nur Marzahne und Puschdorf. sondern soll auch in Berlin auf der Reichsbank noch ein nettes Baarsümmchen liegen haben. Und hübsch ist die Erbtochter auch, das weiß der Teufel. Also warum soll sie ii tout prlx auf Gieselfingen versessen sein?" Ei ist aber so! Wer kann Weiberherzen ergründen? Hir sind heute so
weit, daß wir ohne Draht von New Z)ork nach London sprechen, wir beobachten nach der Methode des ja, wie heißt er doch, der Strahlencnkel?" Röntgen?" Ja dank? Methode Röntgen den ganzen inneren Korpus; aber da hin, mein Theurer, werden wir iH ge langen, daß wir Mädchenlaunen analysiren und Frauengedanken errathen. Und so sage ich Ihnen: sie ist auf ihn versessen." ..Aber diese Neigung scheint sehr einseitig: Gieftlsinzen denkt gar nicht daran, sein Aaronleben so bald aufzugeben und sie von den rothblonden Flechten der Gnädigen fesseln zu las sen." Wer kann das so sreiwe(, sonst' tiren? So etwas geht manchmal ra pide. wenn erst die Richtige kommt. Sehen Sie mich an. Emmingdorf. ich bin ?in lebendes Beispiel. Am Morgen hätte ich noch darauf geschworen, daß ich mich zeitlebens für nichts anderes interessiren würde, als Reit instruktion und dergleichen; und zwölf Stunden später war e geschehen: vl'iili'c n. N'i'i um mich reitensch auszudrücken, oder wenn Sie lieber wollen: das Ganze Halt." Ja Sie lachen . aber Ihn Stunde kommt auch noch, alter Freund." Wollen's abwarten.Mwiß; ich tanze noch auf Ihrer Hochzeit. Und n propo Tanzen; da fangen unsere Blechpuster gerade wieder an und ich habe für die Qua drille die Kommandeuse. Also auf in den Kampf." Die beiden Leutnants begaben sich in den Saal, und gleich darauf schlan gen die Paare zu den Klängen Mil löcker's die zierlichen Figuren: Dom pttmmik k drolte il jauche das erste Paar n nvnnt!" Ernst von Gieselfingen war also nunmehr jeden Tag Gast in Marzahne; Punkt vier Uhr stand der ele gante Schlitten mit den Füchsen vor seiner Thür, und da m ging es hinaus aus der kleinen Stadt über verschneite Felder und durch den Puschdorfer 5iiefernwald zum Gutshause, in dessen Salon die Baronesse und Eva von Falk, die Gesellschaftsdame, den Besuch erwarteten. Am ersten und zweiten Tage war man leidlich fleißig, die Aesammtauffassung des Lustspiels wurde besprochen. eine und die andere Scene auch gelesen; dann aber stockte die Lektüre, die Bücher wurden kaum aufgeschlagen. und statt dessen plauderte Adda von tausend Dingen, die sie im Augenblick mehr amüsirten. Also morgen, übermorgen und am Sonntag unterbrechen wir das Stutrnirn, nicht wahr. Herr von Gieselsingen? Des Kavalierballes wegen. Sie sind doch auch in Berlin?" Natürlich!" Ich freue mich so sehr dararf! Ach. es geht doch nichts über unser liebes. altes Berlin! Schon wenn man vom Stettiner Bahnhof in den Abendstunden hineinkoinmt! Die glänzend erleuchteten Läden, dieses Meer von elek irischem Licht, diese Hochfluth der Fahrzeuge, dieses Leben und Treiben, Kommen undGehen, das entzückt mich! Da fühlt man doch, daß man dasKind einer großen Zeit ist. einer eminenten Kultur, die uns tausend Genüsse oermittelt. Desto gräßlicher ist allerdings nachher das Gefühl, wenn die schönen Tage vorbei sind, und wenn wir in Helmstedt wieder aussteigen; diese nie drigen Häuser, ohne den kleinsten Schmuck der Architektur, diese holprigen Straßen und vor allem die entsetzlich dummen Gesichter der Spießbürger. Glotzen uns an, als wäre man ein Wunderthier aus dem Zoologischen Garten." Gieselfingen lächelte, Eva von Falk sagte nichts und lieh nur einmal die schlanken, vom kräftigen Zugreifen in der Wirthschaft leicht gerötheten Hände über die Klaviatur des Bechstein glei ten. Ja. auch das. Evchen! Die Musik! Was haben wir hier in unserem Nest? Gestehen Sie selbst, liebster Gieselsin. gen. die Trompeter Ihres sonst so brilkanten Regimentes sind seine schwache Seite. Wie hat Ihr Stabstrompeter das hübsche Menuett verunstaltet neulich Abends!? Oder yar die Regina Polonaise mit dem zierlichen Tr o?! Und was wir hier von Hausmusik fabriziren, das ist auch nur so, so! Aber Berlin! Die Philharmonie. Joachim. d'Albert und gar erst die Oper! Ha den Sie die Destinn schon gehört? Sie soll brillant sein! Und die Herzog und Kraus und wie sie alle heißen!" So plauderte Adda von Bergholm stundenlang in einem Zuge, ohne daß Gieselfingen dazu kam. mehr als ein ..Ja". Nein". ..Natürlich" in die Un terhaltung zu werfen. Als das Konversationstalent der schönen jungen Dame endlich keine neuen Themata mehr fand, war die siebente Abendstunde herangerückt, und der Officier empfahl sich. Adieu. Herr von Gieselfingen, Montag also Fortsetzung! Wir halten Sie heute nicht länger auf, denn meine Toilette für morgen erfordert noch mancherlei. Oh! Eva! Se hen Sie, das haben wir nun doch vergessen daS Seidenband! Weil Sie mich auch niemals erinnern! Was mache ich nun?" Sollte sich das nicht tn Berlin noch besorgen lassen?" fragte Gieselfingen, derk es verletzte, daß die Baronesse in seiner Gegenwart ihrer Gesellschafterin Vorwürfe machte, in Berlin bekommt man doch alles."
Nein, nein." sie stampfte mit dem ?uße auf. ich muß das Band noch eute haben! Sie müssen noch nach Helmstedt hinein, zu Baumann Gebrüder, Eva! Hoffentlich haben sie noch auf; in dem Nest werden die Läden ja schon so früh geschlossen." Wir fahren also zusammen, gnädiges Fräulein?" Eva neigte das Haupt und ging, um Jacket und Hut anzulegen. Sie ist furchtbar nachlässig." sagte Adda. als die .bür sich hinter ihrer Gesellschafterin geschlossen hatte. Nachlässig und widerspenstig. Niä)l mit Worten, aber mit stiller Duldermiene. hinter der sich ein ganz schlech ter Charakter versteckt." Gieselfingen zuckte die Achseln und schwieg. Sie würd:n mich verbinden. Herr von Gieselfingen. wenn Sie sich rneiner Gesellschafterin gegenüber das ..gnädige" Fräulein ersparten. Wer für Geld arbeitet, ist niemals gnädig! Und machen Sie in Helmstedt nur keine Umstände rnit ihr; setzen Sie sie am Thor ab. dann kann sie das Uebrige zur Strafe für ihre Nachlässigkeit zu Fuß gehen." Gieselfingen verbeugte sich und übersah eS. daß Adda ihm die Hand reichte. Zehn Minuten darauf fuhr er an Eoa's Seite durch den Wald nach der Stadt. Sitzen Sie auch gut. gnädiges Fräulein, und sind Sie warm zugedeckt? Der Nord Ost meint es heute tüchtig." Danke verbindlichst, ich sitze sehr gut. Und ich finde eS auch gar nicht sehr kalt. Die frische Luft thut mir recht wohl nach der Gluthhitze. die im Salon herrschte." Und die Unterhaltung macht auch warm; wir beide haben allerdings nicht allzuviel gesprochen." 3 Adda spricht wohl etwaö viel, aber sie spricht doch auch sehr ut." Finden Sie das, gnädiges Fraulein?" Ja. Sie nicht? Wir können ganz laut strichen, der Kutscher ist stocktaub. Finden Sie nicht, daß Adda eine blendende Konversation macht?" Nein, gnädiges Fräulein! Ich finde, daß alles, was die Baronesse sagt, sehr oberflächlich ist; von tiefen Gedanken will ich gar nicht reden, aber auch nur eine bescheidene Reflexion muß ich vermissen. Und vor allem, der Gesichtswinkel gefällt mir nicht, unter dem sie die Menschen und die Dinge betrachtet. Gewiß ist Berlin sehr schön, gewiß bietet es zahlreiche Genüsse. Aber unser schlichtes, plattes Land hat doch auch seine Reize, und ich stehe für meine Person nicht an. sie über die Berliner Freuden zu stellen. Jahrelang habe ich in der Hauptstadt in Garnison gestanden und kann wohl sagen, ich kenne mein Spree - Athen von der Müllerstraße bis auf das Tempelhofer Feld. Aber ich tausche jetzt unter keiner Bedingung mehr die Metropole gegen Helmstedt ein. Dort geht alles auf die Nerven. hier wirkt alles zum Gesunden: der weite Blick übet die Felder, unser ernster. märkischer Wald, immer schön und ehrwürdig, ob in lichten Früh' lingbtrieben. ob im rothen Kleid des HaidekrauteL. ob in der Schneehülle' die Luft, die Menschen alles. Ich bin ein Sohn des Landes und kann mir nicht anders helfen: das Rauschen des Juni Kornes geht mir über das ganze Opern Orchester, und die erste Lerche, die von der Saat aufsteigt, singt mir lieblicher, als die Prima donna im Opernhause." Weiß Gott Sie haben mir aus dem Herzen gesprochen, Herr von Gieselfingen. Das war der Grund, wes halb ich diese Stelle annahm; ich glaubte hier auf dem Lande Ruhe und Frieden zu finden." Sie hofften, aber Sie fanden nicht das kann ich mir denken; Baronesse Adda ist nicht die. die anderen Men schen das Leben verschönt " Sie urtheilen zu hart. Herr von Gieself'ngen " Nein, gnädiges Fräulein, ich ur theile nicht zu hart; ich habe niemals eine allzu hohe Meinung vom Charak ter der Baronesse gehabt, aber heute ist auch noch das letzte Restchen von Sym pathie erloschen. Es hat mich empört, wie sie zu Ihnen, meine Gnädigste, sprach. Sie entstammen einer alten Familie, Ihr Herr Papa war, soviel ich weiß. Stabsofficier. Sie haben somit ein volles Recht, als Stand:sgenossin behandelt zu werden. Und da der Baronesse dieser Takt abgeht, so würde es mich freuen, wenn Sie. gnädiges Fräulein, recht bald Gut Marzahne den Rücken wendeten." Aber wohin? Ich bin darauf angewiesen!" Meine Schwester Lisbeth hat sich jüngst verheirathet. und meine gute, alt,' Mama, die nun vereinsamt ist. be darf dringend einer liebevollen Pflege rin. Wenn ich Sie, gnädiges Fräu lein, dafür inAussicht nehmen dürste?" Sie sah ihn dankbar an und reichte ihm die Hand, die er an die Lippen zog: Abgemacht und jeden Augen blick, wann Sie befehlen." In Helmstedt angekommen, suchte Eva das Band auö, das ebensogut in jedem Putzwaarengeschäft Berlins zu kaufen aewefen wäre; Gieselfingen wartete so lange, bis sie wieder den Schlitten bestiegen hatte; dann deckte er sie sorgfältig mit dem Woilok u und ermähnte sie, den Pelzkragen in die Höhe zu schlagen.
Schonen Sie sich. Fräulein von Falk! Der Puschdorfer Wald ist kein Ballsalon!" Oh, ich erfriere nicht! Und viel Amüsement übermorgen in Berlin." Danke sehr, aber die guten Wünsche sind umsonst: Ich fahre nicht!" Sie fahren nicht zum Ball?" Nein ich habe es mir anders überlegt! Und auch das Liebhabertheater werde ich lassen; es wird sich schon ein anderer finden, der besser mimt als ich." Aber das ist schade, Adda wird bedauern Aber ich bedauere nicht!" Er griff salutirend an die Mütz?. der taube Johann schnippte mit der Peitsche, und mit Hellem Geläut glitt der Schlitten in die Nacht hinaus. Langsam schritt der junge Officie: über den Marktplatz der stillen, kleinen Stadt, seinem Heim entgegen. Der Liebhaber in der Komödie das wäre nun vorbei: aber mir scheini, als ob jetzt das Liebesdrama des Le bens anfängt." Ueber eine Feuer - Panik in einer Opern - Vorstellung in New ?)ork wird von dort berichtet: Viel Eonfusion und Aufregung entstand kürzlich Abends im Dreß Circle de Metropolitan Opera House beim zweiten Akt der Oper Lucia". alö plötzlich Flammen um eine elektrische Glocke neben dem Haupteingang zum Circle aufloderten und ein Rauchwölkchen sich über den Häuptern der Besucher aus breitete. Frau Sembrich und M. Campanari waren zur Zeit auf der Bühne, und Beide sahen erschrocken aus, alö sie die Wolke gewahrten. Die Musiker sahen den Rauch ebenfalls und Dirigent Vigna schaute sehr ha stig über seine Schulter. Mehrere Frauen erhoben sich von ihren Sitzen und traten angsterfüllt in die Gänge. Der Qualm war beschwerlich und alle, die ihn sahen, schauten un ruhig drein. Im Nun eilten die Sitzanweiser durch die Gänge und versicherten Allen, daß nicht die geringste Gefahr da sei. Sie veranlaßten die ängstlichen Damen, wieder in ihre Sitze zu gehen, und erklärten, es sei nur eine Akkumulatoren-Batterie ausgebrannt. JnBrooklyn bat dieser Tage der deutsche Musiker Carl Riedel Selbstmord begangen, vermuthlich weil er eine von ihm componirte Oper nicht zur Aufführung bringen konnte. Es wird über den Fall Folgendes gemeldet: Der fünfunddreißigjährige Mann wohnte mit Gattin und einem siebenjährigen Töchterchen Carlie in der dortigen Flatbush Avenue. Am Nachmittag wurde seine Leiche in ei nem Zimmer im Clarendon Hotel mit einer geleerten Carbolflasche entdeckt, nachdem seine treue Gattin in heller Verzweiflung den ganzen Tag drüben in New York nach ihm gesucht hatte. Riedel war Orchesterdirigent der Pegflie w Paris"-Truppe. die vor sieben Wachen in Kansas City weilte. Er IV m nach dem Osten U rück und konn:e seitdem keine Beschäftigung finden. Seit Jahren hatte er an einer Oper gearbeitet, zu welcher Rol-ert Waring von Chicago das Libretto geschrieben hat. Das Werk wurde vor einigen Wochen fertig und Riedel hatte seine ganze Hoffnung darauf gesetzt. Er ging mit seinem Werke von einem Theaterleiter zum andern, wurde aber überall abgewiesen. Die scheint ihn zur Verzweiflung getrieben zu haben. Er hinterlieh durch die Post folgenden Brief an seine Frau: Wenn Du diesen Brief crhälst, werde ich nicht mebr unter den Leben den weilen. Vielleicht wird meine Oper nach meinem Tode aufgeführt werden. Küsse meine kleine Carlie von ihcem Papa." Dem Pariser Unters uchungsrichter erzählte dieser Tage ein von der Polizei gefaßter Spitzbube ein heiteres Geschichtchen. Ein gewisser Douan, der als Kassenbote bei einem Bankhause angestellt war, hatte sich 20,000 Mark angeeignet, das Geld auf Rennplätzen zum großen Theil verspielt und war dann geflohen. Vorher hatte er sich den Bart abnehmen und das Haar anders arrangiren lassen. Inzwischen war von der Bank bei der Pariser Polizei Anzeige erstattet worden, und da die Spuren des Flüchtigen nach Orleans wiesen, wurde ein Polizeicommissär dorthin entsandt. um den Thäter zu verhaften. Douan war es gelungen, sich durch sein sicheres und gewandtes Auftreten den
Polizeicommissär von Orleans zum
i guten Freunde zu machen, und beide
sptelten Abend für Abend m nemRestaurant l'Hombre. Als der Pariser Beamte in Orleans eintraf, suchte er zunächst seinen Collegen auf und theil te ihm mit, in welcherMission er käme. Da er ebenfalls ein enragirter l'Hombrefpieler war, setzte er sich am Abend mit diesem und Douan zum Spiele nieder, dessen Spuren er am Tage nachgeforscht hatte. Wer weiß, wie das Collegium der Drei noch geendet hätte, wenn Douan nicht eines Abends eine Unvorsichtigkeit begangen hätte. In der Hitze des Spiels war er sich nämlich mit der Hand in die Haare gefahren, und die künstlich veränderte Frisur glich dadurch der Haartracht, wie sie der Dieb früher getragen hatte. Der Pariser Polizeicommissär wurde aufmerksam, sah sick seinen Partner näher an, der unruhig wurde, erkannte in ihm den Spitzbuben, den er abfassen sollte, und verhaftete ihn.
puppcn- und Kasperletheater in Sachsen. Zu den beliebtesten Unterhaltungen des sächsischen Volkes gehören immer --.cch, auf öffentlichen Jahrmärkten und essen wie in allerlei geselligen Zirkcln der Residenz, die altüberlieferten Puppen und Kasperletheater, die aus dem Lande draußen vielleicht noch immer eine Culturaufgabe erfüllen. Nach den Erhebungen eines Leipziger Arztes. der eine Sammlung von über 100 verschiedenen Puppentheatertexten zusammengebracht hat. gab es 1891 in Sachsen noch gegen 60 selbstständige, wandernde Puppen- und Kasperletheatergruppen. ' Einige davon mögen inzwischen verschwunden sein, aber mehrere von beiden Arten Hausen jetzt noch sogar ständig in Dresden. Der technische Unterschied zwischen beiden Theatern besteht darin, daß im Puppentheater die etwa 3 Fuß großen Puppen an Drähten von oben, im Kasperletheater vermittels Handbetriebs von unten her bewegt werden. Das Kasperletheater ist. wie schon sein Name andeutet, mehr die Stätte der
heiteren Muse, will sagen, der derben Komödie. Es kann deshalb auch auf eine glänzende Ausstattung eher verzichten. die Zuschauer kommen durch den Humor auf ihre Kosten. Das Puppentheater aber ist die Pflegstätte, fast sogar die Heimath unseres deutschen philosophischen, historischen Ritter undSchauerkramas großen Stils. Noch immer sigurirt da der Faust nebst Mephistopheles. aber die schöne Helena statt des Gretchens. Sehr gern wird aber auch etwelcher lokaler Stoff be handelt, namentlich wenn er sich gleich durch so schaurig-schöne Decknamen wie die Mordgrundbrllcke bei Dresden, die Kirchenräuber von Großenhain. die lange Schicht zu Ehrenfriedersdorf (ein Gegenstück zu dem Bergmann zu Falun) einführt, und in Stücken wie derKampf und dieFreiheit oder Kaspar in Transvaal dieses oder" ist natürlich auch nicht ohne - die Boxer in China. Kasperle als Einjährig Freiwilliger. Kasperle als Rekrut haben wir das Repertoire der puppen theatralischen Moderne. Denn natürlich geht man mit der Zeit mit man ist ja eben im ..hellen" Sachsen. Ueber die Moral" des Puppen und Kasperle Theaterstücks ist nur zu sagen, daß jedes einzelne wirklich seine Moral hat. Allem Guten reicher Lohn, schnödes Ende allem Bösen daS ist die Quintessenz nach allen Niederträchtigteiten, Stößen und Püffen, die sich diese Harlekingestalten mit ihren ewig rollenden Augen anthun. Der Ursprung dieser Theater reicht weit zurück und weit hinaus. Man unterhielt sich damit schon im alten Rom, im alten Griechenland, früher noch in Persien. China, in Aegypten. Vielleicht ist bei den lebesrohen Aegyptern ihre Heimath. Wo überall sie während des Mittelalters in den europäischen Ländern im Schwange waren und was sie bei Gelegenheit für eine literarische Rolle spielten, das würde hier zu weitläufig. Den Deutschen haben sie über den dreißigjährigen Krieg hinweg das Drama und den Faust gerettet. Der Vühnenschauplatz aber wird nach altcm Brauche, gleichviel welchen Inhalts im übrigen die Stücke selbst sind, das Himmelreich" benamset. Im 18. Jahrhundert, kurz ehe sie ihre weltbedeutende Rolle einbüßten, hatten sie noch viele hervorragende (Voltaire) und namentlich fürstliche Gönner, besonders in Frankreich, und Vater Haydn schrieb noch mehrere kleine Operetten für das Puppentheater der Esterhazy. Wenn sich Musik an den Puppentheatern betheiligt, eschieht es meist in der Art. daß sich crne Person nach der anderen mit einem Liede einsührt. In Dresden bestand ein Puppen - Hoftheater nachweislich bis 1626. Bezüglich der Schattenspiele, die in Europa jetzt auf die Türkei beschränkt sind, wo sie noch immer zu den üblichen Unterhaltungen der Haremsdamen gehören, ist vor allem der Anschauung entgegenzutreten, als ob es sich dabei um einfarbige, schwarze Figuren handelte. Die Puppen sind vielmehr auch bunt, aber ganz flach gearbeitet, und werden nun mit Stäbchen gegen einen Hintergrund von weiher Leinwand gedrückt, so daß sie dort ganz silhouettenhaft. wie Schatten wirten. Auch diese Spiele stammen auS dem Orient. Figuren dazu gehören zum merthvollsten Bestand aller Völkermuseen, besonders des zu Dresden, und Texte von Schattenspielen kennt man seit dem Jahre 1268 v. Chr. Bon ihrem Auftreten in Deutschland gibt zuerst dasNürnberger Wörterbuch des Kasper Stieler aus dem Jahre 1691 Kunde, und noch Goethe und Justinus Kerner, sür dergleichen ja Autorität, bezeugen, daß das Schattenspiel bis in ihre Zeit in Deutschland noch im Schwange war. Mißglückte Empfehl u n g. Wirth (dem Gaste eine Flasche bringend): Sehen Sie nur diesen Wein an, glänzt er nicht wie ein Diamant vom reinsten Wasser?! Jmmerzerftreut. Gelehrter (der auS dem Wirthshaus kommt, ärgerlich): Da bist Du ja doch erwacht. Wilhelmine! Um Deinen Schlummer nicht zu stören, hatte ich extra unten die Schuhe ausgezogen!" israu: Ja, aber nur die Gummi-chuhe!'
.euer Signale.
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