Indiana Tribüne, Volume 27, Number 157, Indianapolis, Marion County, 24 February 1904 — Page 7

Jndian Tribüne, S. Februar I.

AaSkunst erkete.

!

i

w

y

i .4 1

Von 8, von Logem Still und einsam lebte ich, eine einsame ?srau, in meiner dritten Etage. Mama, die seit der Katastrophe zu mir gezogen, war vor einem halben Jahr gestorben. Ich hatte sie gut gepflegt, und es war nicht leicht gewesen, denn Mama war schwer umgänglich und launenhaft sie machte den Eindruck, als ob sie weder mit sich noch mit den anderen in Frieden leben könnie. Ddr Kreis um uns herum war langsam zusammengeschmolzen; die alten Damen, Mamas Freundinnen, waren mir nie sympathisch gewesen, so daß ich es dersäumte, ihre Besuche zu erwidern. Mit meinen anderen Bekannten lag es noch anders. Als es zwischen Albert und mir zu einer Scbeidung gekommen war, hatten die meisten, damals, vor fünf Jahren, vielleicht aus Furcht, für einen von beiden Partei ergreifen zu müssen, den Verkehr mit uns aufgegeben. Und das war mir ganz recht. Eine Unterhaltung mit einer gcschiedenen Frau, die man in ihrer Ehe gut gekannt, hat immer etwas Peinliches; man kann nie wissen, welche Erinnerungen, welche Anspielungen ihr angenehm, welche anderen ihr schmerzlich sind, und eine Unterhaltung, bei der man weder die Vergangenheit noch die Zukunft berühren darf, wird nur zu bald interesselos. Für eine Freundin von mir, die uns. hin und wieder besuchte, war es auch peinlich, daß Maina sich in ihrer Kritik über Albert und unser Eheleben so wenig mäßigte. Es wurde in ihrer Beleuchtung alles so viel schwärzer, so viel gehässiger, als eö mir selbst, und besonders unseren Bekannten erschienen war. Mama war mich auf die Freunde unseres jungen Haushalts, der freilich nur drei Jahre gedauert hatte, nie gut zu sprechen geWesen. Sie fand jene Freunde, junge Eheleute wie wir. eitel und leichtsinmg; die einen zu sarkastisch oder zu modern, andere unbedeutend, slatterhaft und zu ivenig häuslich. Albert behauptete einmal, daß Mama mich unseren Freunden und Freundinnen ebensowenig gönnte wie ihm. So war es denn also auch nicht zu verwundern, daß diese uns. als sie bei ihren Besuchen. an Stelle von Albert und mir. immer mich mit meiner Mutter fanden und ich mich bei der Unterhaltung mei stens schweigend verhielt, uns sehr bald zu vernachlässigen anfingen. Mama pflegte dann auch den Grund zu unserer Scheidung in einer Weise zu besprechen, die meine Freundinnen nicht gut heißen konnten, auf die sie aber, aus Rücksicht für mich, nicht weiter eingingen. Daö waren dann sehr peinliche Augenblicke. Aber nun war Mama todt, und mir erschien mein Leben für eine Frau von fünfundzwanzig Jahren sehr öde. Eö war vielleicht undankbar, denn ich hatte doch Grund zufrieden zu sein: eine hübsche Wohnung, schön-: Möbel, zu denen Albert und ich Zeichnungen entworfen hatten. Ich hatte auch ein ansehnliches Vermögen behalten Mama hatte mit Hilfe des Notars und ohne mein Wissen diese Bedingung gestellt, und Albert war zu vornehm, um deshalb Schwierigkeiten zu machen. Dazu eine gute Gesundheit, die durch Mamas Siechthum wohl etwas Zartes und Blasses bekommen hatte, nun abe: wieder aufgeblüht war, so dah man mir hin und wieder sogar Complimente über mein Aussehen machte. Ich füllic meine Zeit mit Lektüre, ernster Musik, zuweilen auch mit Besuchen aus. Lust zu Eoncerten oder Theatern hatte ich noch nicht; es war mir. als mühten die früheren Bekannten sich wundern, wenn sie mich dort träfen. Ich hatte auch keine Lust. Toi. leite zu machen; seit meiner Scheidung vor vier Jahren halte ich meine sarbi aen und eleganten Toiletten zum Theil fortgegeben, zum Theil vertragen und mir alle neuen ganz einfach und un auffällig machen lassen. Gesellschaften besuchte ich nicht und hatte mich sovr mit ungewohnter Energie gegen das Ansinnen meines Dienstmädchens aufgelehnt eigentlich Mamas Dienstmädchen, von Mama mitgebracht die mir bei Gelegenheit einen Cana rienvogel. eine Angorakade oder einen Papagei hatte anpreisen wollen. So weit war ich denn doch noch nicht! Und wiederum ... es war ja doch nur eine Frage der Zeit, an welchem ?age ein Kanarienvogel, eine Katze, ein Papagei oder ein Kakadu bei mir seinen Einzug halten würden. Und die Tage zwischen jetzt und diesem Datum wilrden alle gleich sein, mit der einzigen Abwechselung, daß es Sommer und Winter. Regen oder Sonnenschein geden würde, und dah ich nach dem ersten arauen Haar in meinem aschblonden Scheitel in der darauf folgenden Saison eine ganze Menge entdecken würde. ( war an einem Morgen im Mo nat Mai. als mir durch ein Dienst mädchen ein Brief gebracht wurde, dessen Handschrist mir fremd vorkam und mich neugierig machte. Er hatte fol genden Inhalt: Sehr geehrte, gnädige Frau! Würden Sie die Liebenswürdigkeit haben, mir heute Nachmittag zwischen drei und vier Uhr eine Unterredung zu gestatten? Ich komme weder betteln, noch etwa zum Kauf anbieten. Ich m'6u nur einige Informationen ha ben. die für mich von höchster Wichtigkeit sind. Ihre Adresse verdanke ich grau Parie, die ich im Hause einer ge

meinschaftlichen Freunden Frau Rie-

ger kennen gelernt habe. Mit vorzüglicher Hochachtung Wittwe Louise Dolma van Warften. Diese Da.ne wußte augenscheinlich, dak ick nicht ntrw Fr- emyfina. und wollte nichi abgeMsen weroen. Sie sorgte daher für eine vollständige Einführung. Frau Riegers Namen hatte ich nennen hören, Frau Paree war eine entfernte Verwandte von Albert. Ohne unhöflich zu sein,- konnte ich ihren Besuch also Nicht abweisen. Eigentlich hätte ich neugierig sein müssc.l auf die Information von höchster Wichtigkeit", aber so weit konnte ich es nicht bringen. Ich wußte nur zu genau, daß die Informationen, die ich geben konnte, für keinen Menschen von höchster Wichtigkeit" i ein konnten. Wahrscheinlich beruhte die Geschichte auf einen Irrthum, oder es war eine kluge Art, mir einen größeren Beitrag für ein Krankenhaus oder dergleichen abzuringen. Hätte sie es dann nur geschrieben; ich hatte für solche Fälle ein Budget und würde ihr durchaus keine Schwierigkeit gemacht haben. In meiner Stellung hat das Geld nur wenig Werth; für wen sollte ich sparen? Dennoch sah ich gegen drei Uhr mit einiger Sorge meinen Salon an, rückte hier ein paar Nippsachen zurecht, nahm dort eine Photographie fort, die wir im ersten Jahr unserer Ehe mit einigen Bekannten hatten machen lassen eigentlich hatte ich sie aus einer Art OpPosition gegen Mama stehen lassen, die gern aus allen Erinnerungen ein Autodafe hatte machen wollen und sah in den Spiegel. . . Ich hatte mich wirklich ganz davon entwöhnt. Menschen bei mir zu sehen, da ich mich auf den Empfang so vorbereitete. Als ich mir das Zimmer ansah, fiel es mir auf, daß alles wieder ganz gut harmonirte, seitdem Mamas dunkelrother Fauteuil mit dem orange und blau gestreiften Kissen auf den Boden gebracht war und ihre gelbe Arbeitstasche nicht mehr auf dem Fensterbrett lag. Ich hatte nun auch wieder Veilchen und Maiglöckchen in die Basen gesteckt. Mama war immer dagegen gewese:- seitdem sie wußte, daß es Alberts Lieblingsblumen waren; aber eigentlich waren es die meinen, und er brachte sie mir auch immer. Mit dem Glockenschlag drei Uhr klingelte es und Käthchen hatte Oider. die Dame sogleich nach oben zu führen. Frau Dolma war eine hübsche Frau, ziemlich jung noch, und hatte etwas Resolutes, aber durchaus nichts Distinguirtes in ihrem Wesen. Sie mochte ein paar Jahre älter sein als ich. hatte braune Augen und Haar. Prachtvolle Zähne und rothe Lippen. Sie hatte einen Hut auf mit metallisch glänzendem, blau und grünem Band, oer ihre Farbe noch erhöhte. Eigentlich sah sie aus wie ihr Briefchen. Ich nöthigte sie Plctz zu nehmen, fragte sie nach Frau Riezer und Frau Paree und sagte ihr. daß ich mir keine Vorstellung davon machen könnte, welche höchst wichtige Information sie von mir erwarten könnte. Wenn Sie hören, welche Absicht ich habe, werden Sie mich verstehen." antwartete sie. Ich bin seit zwei Jahren Wittwe und gedenke, mich wieder zu verheirathen. Ich bin wiederholt in der Gesellschaft Ihrem geschiedenen Gatten. Herrn van Haerßen. begegnet; er gefällt mir sehr gut, aber bevor die Geschichte weiter geht, möchte ich gern etwa? mehr über ihn wissen." Ich traute meinen Ohren nicht. Mein Mann, dem . . . und darnach kommen Sie mich fragen?" Ich komme, so zu sagen, mir eine Auskunft holen. Ueber Ihr Dienstmädchen würden Sie mir eine Auskunft ertheilen; und da es für mich von viel größerer Wichtigkeit ist. einen gu tm Mann zu bekommen als eine gute Köchin, sehe ich nicht ein. warum Sie mir nicht Auskunft ertheilen wollten.Ich konnte vor Erstaunen und Bestürzung nicht sogleich antworten; ich stammelte: Aber . . . gnädige Frau . . ein so zartes Thema . . . daS geht wirklich nicht, daß Sie mich darüber ausfra fltn." Wir wollen es so zart behandeln, wie S: nur wollen; aber seien Sie gerecht und hören Sie mich einen Augenblick an. Was ist die Veranlassung zu so vielen unglücklichen Ehen? Daß man einander nicht kennt, nicht wahr? . . . Die einzige Gelegenheit für mich. jetzt, wo ich den großen Schritt thun will, eine Auskunft m erhalten, wäre durch Sie. Ist denn das so unverzeihlich von mir, sie mir verschaffen zu woüen? Ich möchte faft sagen: wäre es nicht unverzeihlich, wenn Sie sie mir nicht geben wollten? Wollen Sie mich blindlings in mein Unglück rennen lassen? Herr von Haerhen ist mir immer wie ein gebildeter Mann vorgekommen; etwas leichtsinnig, aber liebenöwürdig im Umgang. Aielleicht ist er ein Heuchler, ein versteckter Tyrann, jemand, mit dem man unmöglich zusammen leben kann . . ." Ach, was das anbetrifft . . .Run?" ,Nein. gnädige Frau, eS geht wirkli nicht; alles in mir bäumt sich dagegen auf. mit Ihnen über unsere dreijahnge Üfjt zu sprechen. Einer Fremden gegenüber ginge das noch eher an, aber Ihnen, mit Ihren Plänen und Fragen, sitze ich ganz nderS gegenüber, als einer gleichgültigen Fremden ... ich kann nicht ... ich kann nicht

61 hätte nicht viel gefehlt, dann hat It ich geweint; war eö Verdruß, Erinnerung, Aerger, Furcht, Scham . . . ich weiß es nicht. Die Frau, die imverschämte, böse Frau hatte mich plötzlich ganz außer Fassung gebracht. Ich war nicht geschaffen, jemand zu hassen, aber sie haßte ich, 'das war ohne Zweifel. Wir schwiegen einen Augenblick. Dann fing sie wieder an. Wie Sie wollen. Ich werde Sie nicht um ?kbre M-inuna frac-en. Aber ein paar ganz einfache Thatsachen könnten Sie mir schon erzählen. Als Beweismaterial Ihrer Scheidung hat ein Brief gedient, den Ihr Mann an eine andere Frau geschrieben haben joll. Der Brief war sicher erdichtet?" Der Brief war erdichtet. Albert war nicht der Mann dazu, um sich mit solchen Frauen abzugeben." Während feiner Ehe. Abe? vor seiner Ehe? Das wird er Ihnen wohl tz zählt haben, als er mit Ihnen verheirathet war. So etwas können d Mcmner gewöhnlich nicht verschwelnen." . . . Das brauchen Sie ihn also nur zu fragen, wenn Sie mit ihm verheirathet sind," rief ich aus. Die Frau sah mich erstaunt an. ,,ie müssen mir darum nicht zurnen. gnädige Frau. Mein Gott, meine Fragen sind doch nicht dazu angethan. Van Haerßen ist Ihr Mann doch nicht mehr; Sie thun ja gerade, als ob Sie etwas dagegen hätten, daß er der meine wird!" Ich fühlte, daß ich zu weit gegangen war; sie hatte recht; was mußte sie wohl von mir denken? Ich hatte mich beruhigt. Ich führte mein Taschentuch an meine Augen und wischte meine Thränen ab. Fragen Sie nur." flüsterte ich. Sie schien es sich zu überlegen, was sie nun. um mich nicht zu verletzen, für gleichgültige Dinge fragen sollte. ..Waren Sie sehr jung, als Sie sich verheiratheten?" fing sie an. Ich war neunzehn." Und Ihr Mann war auch ganz jung?" ' Dreiundzwanzig." Sind Sie lange verlobt gewesen?" Sechs Monate." ..So kannten Sie einander also nur wenig vor der Hochzeit. Fingen die Zerwürfnisse schon bald nach der Hoch" zeit an?" Zerwürfnisse?" ..Wenn Sie keine Zerwürfnisse gehabt hätten, wären Sie doch noch Mann und Frau." Jawohl; Pardon. Ach. wir zankten uns wohl auch schonmal während unserer Verlobungszeit, ich war wohl manchmal nervös und müde. In unserer Ehe glaube ich war es das erste Mal wegen eines Kleides, das ich bei Regenweiter angezogen hatte. Er war ärgerlich darüber und meinte, ich würde schwerlich wieder eine Toilette finden. die mich so gut kleidete; darauf entgegnete Mama, daß mich alle Toileiten gut kleideten, und daß er keine Bemerkungen darüber zu machen brauchte, was ich für Sachen trüge." Ihre Mama? Was hatte die dabei zu thun?" Damals logirte Mama zum ersten Mal bei uns . . ." Dieser Besuch scheint als" für ihn wenig angenehm gewesen r n . . ." ..Ja, so etwas kam nun zufällig größtentheils vor. gerade damals, als Mama bei uns war." Aber, das war doch nichts ErnstHaftes." Nein; ernsthafter war es. daß er das Rauchen nicht lassen wollte, ob' gleich ich ihn so freundlich darum gebeten hatte." War es ihnen denn so fatal?" Ach. nein, mir nicht: aber, da wir damals Logirbesuch hatten." Logirbesuch. die alte Dame nat!irlich?" Ja. und wenn ich ihn nun darum bitte, muhte er es doch lassen. nicht wahr? Und das wollte er nicht. Das beweist doch, daß er mich nicht liebt." Und was that er sonst noch Böses?" Da gab denn ein Wort daö andere. Ich sagte dann, dah er mich nicht liebte. und er. daß ich ihn nicht liebte, und dah es dann wohl besser wäre, man ginge auseinander. Das ist dann auch geschehen." Aber, entschuldigen Sie, gnädige Frau; ich nehme an, dah Sie mir den wahren Grund zur Scheidung nicht sagen wollen! Ihr Mann hat doch wohl ausgesprochene Fehler, sollte ich meinen. Schlug er Sie?" Aber, gnädige Frau! Albert ist ein Gentleman vom Scheitel bis zur Soh!e." Trinkt ,er denn?" Eigentlich nicht." Eigentlich?" Ja, da heiht im allgemeinen nicht. aber eö kam wohl 'mal vor. daß er sich mit seinen Freunden verabredet hatte. einmal ein Diner, das andere Mal das Frühstück auher dem Hause einzunehmen, und daS können Sie sich doch denken dann kam er immer etwas angeheitert nach Hause." Zuzeiten, mehrfach hintereinander? Das ist wohl beunruhigend. Zu einer bestimmten Mi im Jahre? Mit dem Kommen und Fallen der Blätter?" Nun konnte ich ein Lächeln über ihre Voraussetzung nicht unterdrücken. Nein, nein," sagte ich. Da hat damit nicht zu thun, so ist das nicht. Niemal zur bestimmten Zelt, nur

wenn er wußte, dah ich Gesellschaft hatte." Als Ihre Mama bei Ihnen logirt?" Ja; wenn ich allein war. lehnte er Einladungen ab, aber ich denk, daß er dann die Verabredungen verschoben, sonst hätte eö in drei Wochen &ar nicht so oft vorkommen können." Und wenn er dann so angeheitert war. zankte er dann mit Ihnen? oder was that er dann eigentlich, was Sie ärgerte?" Hierauf konnte ich plötzlich nicht antworten, denn ich wollte doch de? fremden Frau nicht erzählen, daß Albert dann immer viel zärtlicher war. als es mir lieb war; das würde sie mit ihrer gewissermaßen gewöhnlichenAufsassung der Dinge wohl gar nicht begriffen haben. Ich antwortete also steif: ES ist nicht passend, daß ein Mann angeheitert nach Hause kommt. Es erregt auch Anstoß bei den Dienstboten, wenn sie ihren Herrn Nachts nach Hause kommen hören." Ein Mann von fünfundzwanzig Jahren! DaS erregt keinen Anstoß!" Mein Bater würde eö nicht gethan haben, das weiß ich wohl." DaS haben Sie vielleicht vom Hö rensagen. Aber Ihr Mann muh noch andere, größere Untugenden gehabt haben. Er war wohl sicher verschwender.'sch?" Ja, ziemlich. Er sah darauf, jeder Zeit gut gekleidet zu gehen; und dasselbe verlangte er auch von mir. Wir brauchten auf diese Weise viel Geld für unsere Toiletten." Und es kleidet ihn gut. nicht wahr?" Ausgezei...!" Ich vollendete das Wort nicht. Es gab mir einen Stich durchs Herz, mit der Frau, die seine Frau werden würde, davon zu sprechen, dah sich Albert gut kleidete. Die Möglichkeit seiner Wiederverheirathung war mir plötzlich entsetzlich. Es war doch, abgesehen von allem Häßlichen, eine starke Verletzung des Zartgefühls. Als ob wir Frauen eines Harems wären, die die mehr oder weniger großen Vorzüge ihres Sultans zum Gegenstand ihrer Unterhaltung wählen. Daß ein Mann zwei Frauen haben kann, dah Albert nach mir eine andere Frau heirathen könnte. schien mir ganz unerhört. Dann würde er ihr dasselbe sagen, was er mir gesagt hat. Hatte für sie dieselbe Liebenswürdigkeit und Aufmerksamkeit, würde mit ihr 'dieselben Scherze machen, die vielleicht etwas Fades und Jungenhaftes hatten, die aber durch seine liebenswürdige und herzliche Art. mit der er dann lachend seinen Schnurrbart drehte, etwaö so Anziehenoes bekamen. Das wollte mir nicht in den Sinn. Ich verwünschte die Frau, die mir meine Ruhe rauben kam; hätte ich nur nicht gewußt, daß er sich wieder verheirathet. wäre sie nur mit ihm fortgezogen. Frau Dolma stand auf. Ich merke wohl, gnädige Frau, daß sie meine Unbescheidenheit haben strafen wollen und mich verzeihen Sie mir. wenn ich sage, mit unnützem Geschwätz am Narrenseil führen. Sie suchen mich mit leeren Worten abzuspeisen. Es muß einen Grund geben, vielleicht einen ganz intimen Grund, über den Sie nicht sprechen wollen, der aber doch Veranlassung zur Eheschei dung für Sie war. Ich werde nicht indiskret sein; hätten Sie es mir nur gleich gesagt, wie die Sachen stehen. Solcher Geheimnißthuerei gegenüber ist es das Richtigste, einen gewissen Abstand halten: ich bin nun gewarnt, und werde mich nicht in Gefahren begeben. über die Sie sich zu sprechen scheuen." Was konnte sie meinen? Es war mir ein Räthsel, aber ich merkte, dah sie im Begriff war. etwas abscheulich Geheimnißvolles von Albert zu densen. Sie schien mir mit ihren grünblauen Schleifen, die wie blitzende Schlangenhaut aussahen, so recht die Frau dazu, ihn auf solche Vermuihungen hin zu verleumden. Das derdiente er doch nicht! Wir waren beide jung gewesen; er war nur fünf Jahre älter und ich wußte es nur zu gut. daß bei unseren Streitigkeiten die Schuld nicht immer an ihm gelegen hatte, wenn er auch manchmal heftig und ungerecht gewesen war. Und nun sollte er darunter leiden; das wollte ich nicht. Gnädige Frau," sagte ich, wai Sie meinen, weih ich nicht; aber ich kann Ihnen die Versicherung geben, dah es zwischen meinem Mann und mir nichts Geheimnißvolle gegeben hat. Wir sind geschieden unter einem Vorwand, denn Sie werden gut wissen, daß launenhafte Unverträglichkeit kein Scheidungsgrund ist; der einzige und eigentliche Grund war der, daß wir nicht gut miteinander auskommen konnten. Als wir anfangs böse aufeinander waren, machte die Versöhnung alles wieder gut, später nicht mehr. Er war heftig, ich weinte . . . Ihre Mama hetzte . . Ich blickte auf. Ach! e war leider wahr; ich glaube, Mama hat gehetzt. ES giebt solche Worte, die wie Wolken in der Luft hängen, bis jemand sie ausspricht. Dann kommen sie hernieder als ein Regenschauer, und nicht immer thut daö gut. Mama liebte mich sehr," sag ich. Mama konnte es nicht ertragen, daß ich nicht mit Respekt behandelt wur-be."

neunzehn und vretunozwanzig Jahre und dann einander mit Respekt behandeln!" lachte Frau Dolma, und ihre grünblauen, metallfarbenen Bander zitterten. Hören Sie mal, liebes gnädiges Frauchen, ich bin nun zweiunddreißig und van Haerßen ist einunddreißig, und wir haben nun jeder schon einen anderen gehabt, um unsere kindlichen Gemüthsbewegungen an dem anderen auszulassen; aber trotzdem weiß ich nicht, ob ich von ihm verlangt hätte, er sollte mich mit Respekt behandeln, wenn er mein Mann geworden wäre . . ." Geworden wäre . . .?" Geworden wäre, denn daraus wird nun nichts. Ich habe Herrn van Haerßen kennen gelernt; eine gemeinschaftliche Freundin hat aus uns ein Paar machen wollen.' Zwischen uns selbst ist davon noch keine Rede gewesen; aber ich habe den Eindruck bekommen, daß man von den drei Jahren seiner Ehe und die darauf folgende Zeit mit ihm nicht sprechen darf. Er bat. so vorsichtig tcy ihm auch auf den Zahn gefühlt habe, kein einziges Wort über Sie, nicht einmal über Ihre Mutter, die doch wohl die Ursache seines Unglllcks gewesen ist, sagen wollen. Ich habe wohl verstanden, daß es ihm noch immer ein Räthsel war, ein trauriges Räthsel, wie es so schnell und so ernst hat ablaufen können. Sie haben ihn doch geliebt. . . " Ich konnte nicht antworten. Der Gram der langen Jahre brach los. Ich sah nun ein, wie thöricht, wie verbrecherisch thöricht ich gewesen war. Albert hatte den Reibereien gegenüber nicht aufkommen können, weil ich ihn in meiner Schwäche nicht unterstützt habe, obschon es meine Pflicht gewesen wäre. Wir waren beide zu jung gewesen. Wir annten kein Maß und handelten nur nach Impulsen er war heftig, ich weinte; er lief aus dem Haus, ich beklagte mich; aber bei alledem war er gutmüthig, hübsch und ein Gentleman. Dumm, dreifach dumm war ich gewesen, das Glück, das ich einmal besessen, so von mir zu stoßen. Sie lieben ihn noch." fuhr Frau Dolma fort; und die Veranlassung Ihrer Mißverständnisse ist durch den Verlust, den Sie erlitten haben, aus dem Weg geräumt. Einer Tochter gegenüber mag man von der Mutter nichts Böses sagen . . ." Natürlich nicht, gnädige Frau; Mama meinte es gut. sie hatte mich lieb. Ich würde nicht gern etwas über Mama hören wollen. Ich hätte selbst stärker und verständiger sein müssen . . Verständiger sind Sie inzwischen ja geworden. Ich kam zu Ihnen, mir Auskunft über Ihren Mann zu holen; mir scheint aber. Sie haben mir in erster Reihe Auskunft über sich selbst gegeben . . . alles was ich wünschen kann, ist. daß Ihr Gatte sich wieder mit Jhnen versöhnt; und alles, was ich thun kann. ist. dafür zu sorgen, daß er h'erher kommt. Leben Sie wohl, gnädige Frau, ich werde Ihnen Ihren Mann schicken!"

Die Teutsche Schule iu HaidarPascha. Für die Fortschritte des Deutsch' thums im Orient ist nichts bezeichnender als die rasche Entwicklung de, Deutschen Schule in Constantinopel. Der vor sechs Jahren errichtete gewaltige Neubau der Deutschen Realschul' und Höheren Mädchenschule zu Perc muhte schon im verflossenen Sommer um einen stattlichen Anbau erweitert werden, und jetzt hat auch Haidar-Pa-scha. der bei ßkutari gelegene Hafenort der Bagdadbahn, an Stelle seiner früheren, bescheidenen Eisenbahn-

Die neue Deutsche Schule in Haidar-Pascha. schule eine deutsche Schule erhalten, die unter Verwaltung und Leitung der Deutschen Schule in Pera steht. In herrlicher freier Lage, mit groß, artiger Fernsicht über da Marmarameer. Stambul und dos bunte Häuser.uerr von Skutari steht auf dem höchsten Punkt in Hatdar - Pascha die neue Deutsche Schule, ein architektonisch schöner Bau. ausgeführt nach einem Plan desStadtbauraths Schwatlo in Frankfurt a. O. Die innere Einrichtung und Eintheilung. Schulräume und Lehrerwohnungen entsprechen allen Anforderungen moderner Schulbaukunst.

Gerechtes utrU st un g. Zahnarzt (beim Glatteis zu seinem Hausherrn): Verklagen werde ich Sie auf Schadenersatz, wenn Sie nicht vor der Hausthüre Asche streuen; verste hen Sie!- Sind Sie hingefallen?Ich nicht, aber einer meiner Patienten, und der hat sich einen Zahn ausgefallen, den er sich gnade bei mir ziehen lassen wollte!-

Feuer Signale.

1 Pennshlp md WlmM Cnglish'4ilon.Haus stund York 7 Noble und Muhigan 92. Jersey u. Stasi M Vme und Nond 0 Wartet und Pin 1 Vermont nah Kaft '2 Nz. Spritzenhau Wals. Ave nah Robl iS Deaware und Walnut :4 . Jersey ntral. li Mass und Eornkll ton lh d ,1. Strafte a Vark ve und 12 Ctt .8 lmnbta ndHMftde 19 Higbland v u. Pratt 11 Jlltno und Ct. Jv, u Vnmsvlv. und Pratt M Mcndlan und 11. Ctt o.b kpriyendauib. nahe Jllmi U Senate veu. Sulla 27 JUtnM und Michtgan Pe esplvania und 14. 19 Senate Ave. und 1. il o. 1 Spritzenhaus Inv Ärt nabklchlaa n Veridu und Walnut (4 altforma u vnmont s Blake und New g)orf Ind. . u. 6i Clair 17 tttz Hospital ' Blake und Norty ft Richigan und Lgne ei N. Sprttzenpau asbtngton nah es! x Geesxndors u Wasb. u Visseurt u New yort ift ertdian u ash il Jllmvi und Ohta 17 Capital v. u Sbasd 14 Kingtt's Porfchau Etraßmdabn EtSlle B. Washington tr il No. 10 Spritzenhaus Illinois u enrill Illinois u vouistana Wen und South West und Rctwtu Senate ve u Henry tt Vteridisn und y No. 4 Svriyenba Ltadison v. u ior.is Vladiion Av.u Dunlop St Haken Leiterdau South nahy Tklawar, a Penn, u Merrill D.'aa? Vriiarttz s unh 9kVos 9t Nen Jersey tu 9ui(Q ff Birst, tot. u 8r ad statt n tast und Prospekt Sieking und High n 9te. U Spritzenhaus ,r ve. nahe Hur, r Gast und eorgia 'S da, und SIm TA Davidson u Scorgt Snalish X. ii Ptnc Sheldy und Vates 8 o 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Shelby 'i Kletcher v. u Sheldy 'i Rarket u. New Jersey Delaware und Wash. Sast u Washington 4 New Dort u. Davids' Taubstummen nslalt Ber. Staaten Arienal s7 Onental und Wasb. ffrauewResk'rmat. n No. il Spritzenhaus Waryland nahe er. -? Meridian u. Eeoraia Veridian und South 4 Bennsykö u. kouistana '. Liraini, Ave u. Alad. ' Hauptquartier. n (Brand Hotel. Capital ve und Chi 'S No 16 Spritzenhaus 16. und Ash. u labam.1 und 1. 35 Central Ave und 11. 2 flandes und 15. 27 Vrookfid und Jupiter ttj Zentral Ave und 17. 29 Tela'vare und 13. .31 Alabama und li. st Bellesontain und . 34 College Ave und . ;it Delatvan und IX iM Alabama und North 57 Neromann und 18. (38 College dlve und 14. ist Cornell ve und 1. i4i Bandes unu 19. Hipdland Ave und 10. 43 Deeumseh und 10, .45 New Jersey and II. i44 Alvord und 17. 47 o. s Spritzenhaus HiMtd IM und 4 .8 College Ave und tu. i49 College Im und 17. i&4 Park Ave und S . .M 9 u. Bahn u. M. im Ramsky Ar und io. i Sillgdtvn u Stciomca 57 tlas und Pik. M loyd und Pawyaw. 5 . . 21 Ssrtvcnpaua nßhlwood .; Ar den und Depot 3 Brightwood und 26, ßs Staat und 9 loyd i4 45t. aiatr u. ttßßmm ,97 Arsenal AM un s. 48 ellesontatn und U.

IM Park Ave Ad 19 tlt Capital AM nd 17. US Pknnsyld. u.VuHia 414 Jl!inoe4 nd M. 5 Senat AM und tl. 914 Pennsvlvanta und 99. 17 Meridian und 14. 18 Capital M und IC 91 Broadwa und 10. 991 Illinois und cLee 34 o. 14 Spritzenhaus Kenwood und 90. t5 Illinois und 99. 94 Lnnetta und 90 947 No. 9. Spritzenhaus Udell und Raver 95 Udell Lad der Work 944 J(Ml und 97. 141 Meridian und 24. 949 Jlltno u St. Slerv. 949 Sldridg und 99. 19 st uud atnut 91 West und 19. 144 Howard und 11 915 Dordet und Paea 19 azital AM und , 917 Northwestern Ave u3 918 Sent und 58. 919 Canal und 10. 994 Cerealin Works 994 oZermont und Lynn 995 VismarSu Srandtnett 994 No. 94 Spritzenhaus Haughvtlle. 997 eichigan u. Holmes, 94 Vtichlgan u. oncvrd 941 West und XcJnryr, 419 Missouri u. Varpland 419 ZNissouri und ryu 415 Capital AM Morena 414 Missouri u entuery?. 417 Senate Ave u. Wash. 491 P und slundau W. Washington. 499 Jrren-Hospital. 494 Vtiley ve u.JDu 425 Wash and tarr" 49s Nd. 18 Sptzen5auj W Sash' igton 497 Ollver und Sirch 448 Oliver und Osaoor 444 Nordyke und Bork 441 Hadley Ave u. Vorn 492 Rlver Ave u. viorris 434 Niver Ave und atz 44 Harvlng u. Big 4 R 4Harding und oltvn 447 No. 10 vritzenhoZ Morris und Hardtna,

ssl eisn id tl 459 Howard und Bm 404 orvts und oM 4b4 LamMrt und BKo 457 ordysk Ave u. ma 91011 Works 619 West und Ra 614 entuay 9w u. AtcrrC tu Rendian und Herr 514 Illinois r.r JUrntat 617 orni and Dakota 18 orris und durch 619 Capital . u IRcCatv 691 Vertdian und Calau 645 Pine und Lord 44 Wadisor. Ave u neow 49 Meridian und Bett ft 127 Carlos und a 644 Meridian unl roam K29 Meridian u. atrewnd 651 Meridian u. M C. I 644 No. 17 te:." t;j Morris nahe West Ci5 XlcAeraa-. und 2t4. 419 Saft u. Lincoln n 414 Saft und Oeecher 16 Wright und Sanixn 17 McSarty und Beaq l New Jersey u Bi. Ave 718 Spruc und Prasy, 714 Cnglish d.M. u. Saut) 714 Stade Ave u. elt? 71 Sheldy ud C0a 71 State AM um. Dran 718 Drangt und Saure I 71 Sheldy u. Cc(aat 2W 711 Leilnzton A u Je 79 gleicher veu Gprje 724 Statt Wh u. (Itatat HA Crtfwett und nUsar 794 Orange und Heala 718 Liberty und rn 794 Nvöle und South 814 No. 1 Spritzenhaus Ost Washington 4 li Startet und Noble 814 Dhto U Highland AM 814 Wiangem w. Hiadlanl 816 artet u Arsens Am 17 0 . Clstr uitt Union Bahn elerse 1 Van Handle Shops 99 Vermont und Wa leote 4 Wash. 4 Hott 88 Vtadden'töounae Kat 8t4 Duck und Dorfe

837 ash. und 95m

m Z0. u dvcheitwi.

45evtM M

841 SoutMaster m Woodstd.

M Bas, und

IM Sch42stern und rteeea! Kv4. 86 New Wort und renepk tl Iklnsts- Utd Vwtzl. it Joi4 und tartet 14 Pmn. nd 9Z8H

19!

Epeztal.Eznale. ersten 9 Schlage, pveiter Alarm. HiMittn 9 Schlag, dritter lar. Dritten 9 Schlage, vierter lar. 1-9-1, yU4r aus und Schlauch usgeroAs. 5 Schlag, fufedttd- ad 1 Schlage. 14 Uhr Mittags. M so Hoithneten Signale werden nur d : , W itt i mm . - mväuj OTgcgvvcn oa n WLn mui)imw frrminacw Mm JacmfMrr 4naebid sdud. sWVVG WWw W " WCp W

Chicago d der grohe Nordwefte

kyur

v

lt

MMm Mi

m

da-M4Vlt-Vdtltd,ie Jsl vttt tägliche Schnellzüge nach Ehicago. VW Von der Honen 47. Str. Station. Chicago, .nd s nur 6 Minuten mittelst elektrischer Car nach 9, Union Mhdösen rrsnod Lick Spring,

ntm Orange ounty Hochland. ffamtlien.Hot' ant er neun VeschäftAlelkun. Pluto. Vroserytn

sts 7i

tnd Vomles Quellen. Vek

lineraltVaffe? de

elt. e na, tkal ch via ree-.icaN!,.

Diet.dsstcen : Union Station, affachnsetts M nd 5 eft Vashington EttaKe. . V. ' g e o. Distrikt ast. ent. Indianapolis, .nd.

.eOoel. T.H.ot,ell,

s. and en. gr. Vnrie,!,,'

ffranr . v, Bn.9n. sent. biesso. 5.

ü