Indiana Tribüne, Volume 27, Number 148, Indianapolis, Marion County, 13 February 1904 — Page 5
Jndiana Tribüne, ia, Februar im.
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Mummenschanz
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Indianapolis Männeräwr
(Sine ceue glämenber Prachtentsaltung. euenfce Masken. Prächtige DekofiUionen.
jpanifchm Gruppe an und in bunter Polanaise gina, es durch den Saal. Die Marschmusik löfit sich in der lockende Walzertakte auf. die Paare fanden sich und bald rauschte und wogte die Menge im graciösen Tanz der Ball war eröffnet und aus dem dann folgenden fröhlichen Treiben
Ginz. Frl. Frieda Binninger, Frl. Binninger, Frl. Bertha Binninger; Schullehrerin, Frau Thom. Pletcher. Die vier Jahreszeiten: Frühling. Frau Lena Fertig; Sommer. Frau Sig. Armstrong; Herbst. Frau Anna Greiner; Winter. Frau (Tora Goeh; Japanesin, Gertrude Grinsteincr; Ta-
TaS Gesicht oes Lebens.
Die sprühenden Faschingsgeiftcr tummelten sich qeft'rn Abeno in den im vornehmsten Geschmacke zu einer echten Narhalla hergertchteten Räumen des MnnerchorS. Ein seltsam schönes Bild war unter den Hünden bei (shicagoer Dekorationskünstler entstanden, welche schon seit Monatsfrist sich emsig im Dienste der Münnerchörler g-ngt hatten, (sin Bild, welche Wuuderpaläste der orientalischen Märchen in die Wirklichkeit setzte und greifbar machte. Die glatte Weftwand im kroßen Feftsaale hatte einen Balkon - Anbau erhalten, hinter welchem auS farbi gen Nunftfenftern kaleidoskopisches Licht die Szene ttberfluthete und sich auf den Maskenschmall ergoß, der. von den Faschingsteufelchen besessen, sein anmu. thig'tolles Wesen trieb. Unter dem Mittelpseiler deS Balkon-AndaueS er. goß eine Fontaine ihren kühlen Sprüh regen, den tropischen Gewächsen, wclcbe unter einem llaSdome grupp'.rt waren, erfrischende Feuchtigkeit spendend, und aus dem gesättigt? Grün der vielen verschiedenartigen Palmen und Farren erhoben sich die leuchtenden Marmor leider griechischer Götterftatuen in re: ner. klassischer Schöne. In graciöser Verfchlingung zierten rose, durchwirkte Guirlanden die hohen vergoldeten Säulen, schlangen ihre grüne Wucht um die hohen Strebepfeiler und vereinten sich in riefigen Krünzen. Ein Treppenaufgang führte vom Saale auf die von MarmordaUuftra den umgebene Bühne, wo inmitten ein-s heiterem LandschaftSdildeS daS Orchester placirt war. Bunte japa Nische Laternen hingen wie tropisct'e Leuchtkäfer auS dem Geweige, der die Landschaft bildenden Baumpruppen und fügten ihr gedämpftes Licht zu der schon feenhaften Beleuchtung. sei ten ist dem taunigen Prinzen ein schöneres Heim geboten worden, und dak er sich heimisch und wohl in der präch tigen Umgebung fühlte, gab er durch die Ausschüttung seiner carnevalistischen Laune über die bunte Menge kund. Rurj vor 9 Uhr langten die ersten MaSkei an und nahmen, nachdem sie vor den strengen Augen des Empfangs' Comite, bestehend aus d:nHerren L oui Murr. Iul. ffeller, Hy. Jamefon, Aug. Hook, I. Henry Runge, Adolph Scher rer. George Alig. Frrd. C. Noelke, William tticmeyer. Fred, grancke, Albert Lieber, F. P. Rufh. Armin C. Koehne, Fred Fahnleh. Philip Äoep. F. G. Darlittgton. B. I. Hermann, George F. Borst, John A. Schumacher, Mar Leckner, H. O. Thudium, I H . Ballmann , Fred. Merz , William Haerle, H. H. Hanna, Louis Hollmeg, . W. FairdankS, P. I. Hauß. Ges. A. Gay, Edward HawkinS, I. A. Lemcke. John I. Appel. Hugh Mc Goman, Franz Bellinger, William P. Iungclaus. A. I. Meyer, C. . Weib, A. M. Kühn, tL E. Emmerich. John Bertermann, Lorenz Schmidt, John Rauch. Alois weiger, Franz Havpersberger. George T. Breunig, Peter Frick, tt. H. '.')a?le und E. C. Dolmetsch.
Gnade gefunden hatten, den Weg in die Prunkgelnächer feiner carnevalisti schen Hoheit. Immer größer schmoll die Zahl der Jeftgäste und bald der kündete ein Hörnerslgnal. dab die ofsi' cielle Eröffnung deS MaSkenfefteS be vorstehe. Eine Schaar von 20 Damen und Herren in der kleidsamen caftilianischen Tracht, die Damen mit Tambourinen, die Herren lavalliere mit Castagnetten rythmische Musik machend, durchschritt in anmuthigem Tanzschritt den Fest, räum, deployirte dann vor der Bühne m lruvven und beaann unter den
Klängen jeurig spanischer Tanzmelodien einen characteristisch spanischen Reigen. Lauter Beifall wurde den tanzenden Paaren, die als BallLeiter des Abends fungirten. zu Theil. Es waren Herr und Frau Charles H. Adam, Herr und Frau Ferdinand A. Mueller. Herr und Frau Cmil Steinhilber, Herr und Frau Victor R. Jose. Herr und Frau C. C. Reyer. Herr und Frau R. M. Müller, Herr und Frau Robert Tlliott, Herr undFrau I. W. Rhodehamel, Herr und Frau heo. Reher, Herr und Iran A. I. Meyer. Der Tanz war beendet, der Mas kenschwall schloß sich der Führung der
tonnte man gar leicht ersehen, daß die i men aus der Colouialzeit, Rosa Wa Worte . Der Fashing die herrliche , termann;Altdeutsche Beschließerin Frau
Zeit, macht Weise zu kcarr'n, Rarr'n gescheit 5a fröhliche Treiben der-
A. Schcrrer; Domino Frau Paul H. ffraun. Mädchen auS der Colonial-
zaubert gar schnell das Alter in zeit, Helene Hearsey; Madchen aus öer
Jugend am (sarnevalSguell" zur Wahr heit wurden. Die Streitigkeiten der Welt hielten sich fern vom MaSlenfeft. Friedlich aneinander ge schmiegt konnte man die zierliche Ja panerln mit dem bärtigen Russen charmircn sehen. Onkel Sam und der deutsche Michel tranken in brüderlicher Eintracht, die goldigen Tropfen vom
Rhein und die Rafscnfrge mar abgethan, wenn man mit ansah wie die ..Topsy's" mit den Kenmcky Colonel gar fröhlich von derselben Schüssel aßen, bei dem schmackhaften Souper welches die Damen so mundgerecht zu bereiten gewußt hatten und welches von Holdinncn servirt wurde. Aber nicht lange schwelgte man bc den Tasklgenüssen, denn gar zu derlockend klang die Tanzmusik auS dem Festsaal den Schmausenden in den Ohren. Furore machten einmal wieder die Mitglieder des Push", welche eine Scene aus dem Gericht für jugendliche Sträflinge ausführten. Diese originelle Gruppe f.'pte sich aus folgenden Herren zusammen: Richter: Henry BalS; Polizisten: Charles Off und Charles Kottemann ; Vater, alter Deut scher: Paul H. Krauß; feine Frau: Will. Off; ihre Tochter: Cd. Hoffmeyer; irische Frau: Harry Hearsey; irisches Mädchen: A. Swank; Bunga'loos: Will Harris, Henry Bauer; Crapspieler: I. M. Armstrong. Frank E. Kottemann und G. Mueller; Dago: Al. On; Nigger - Mädchen: Fr.'d. Strauß; Riggergrau: Will Leppert; Nigger.Junge: Tony BalS Cine au) 21, in phantastische Cistume gekleid?, auS kZarbigl"' bestehende Gruppe brachte im Saaie du Trauung eines loloiiden Ehepaare in brillanter Weise zur (Mtiina.. Tie Theililehmer an dieser Gruppe waren:
Herr John Weimann, Frau Cd. I
Gausepohl. Herr Will. Gardner, Fiau Reine Miller. Frau (id. Neumeyer Frau John Weimann. Frau Th. Weiß. Frau Pete Balz, Fräulein Cdith Sa niels, Fräulein Lilly Langsenkam, Herr (5d. Renmeyer, Herr Pete Balz, Herr Cmory Crawsord, grau Will Gardner, Fräulein Pearl Howard, Fräulein .fielen Hickman. Herr Ed. Gausepohl, Herr Henry Langsenkamp. Herr Th. Weiß, Herr Friß Schmidt und Herr Weine. Miller, Pastor. Viele Hunderte von hübschen und in teressnnten Masken tummelten sich im Saale umher. Von diesen seien er wähnt: Frau Cdward Bertermann, deut sche Bretzel Verkäuferin, Frau ohn P. Frenzel, Studentin, Frl. Rose Waterman. Dame aus der Colonia! Zeit. Gertrude Grinsteiner, Japanesin; Blumenmädchen , Margarethe Hook, Katherin? Hook: französische Bäuerin, Frau Charles Balke; Voppy. grau C. P. Brown; Spanierin, Frl. Auguste Rentsch, deutsche Bäuerin, Fra.; C. G.
Weik: Studentin, Frau Frank Hap. perSdergeri spanisches Müdcheu. Frl. Ivsephine L. Hauß. Eine prächiige Gruppe war auch die, welche In der schönen Sommerszeit" repräsentirten. Dieselben wurden von den Fräulein Irma Bertermann, Frieda HapperSderger. Elsa Bertcrmaiin. Bertha R?U Ist, Emma Sihlans und den Herren Alfred Bronte. Emil Keller, Harry Hofsmann, Harley Ahodehame! und Frau HapperSderger gebildet; Fischer maid Frau Jchn Bertermann; interessante Gruppe von Babie?, sämmtlich in langen weißen Kleider und mit Saugflaschen versehen: Frau I. Geiger. Frau Gustav Oberländer. Frl. Minnie Butter. Frl. Carrie Butler. Frau Pauline Cor. Frl. Jose, phine Fickel, Frl. Frieda Sander, Frau John Fickle, Frl. Emma Lizius, Frl. AgneS Beager, Frau Williams. Bauermädchen ans dem Kinzigthal, Frau IofephKeller; Bauermädchen aS dem Schwarzwald, Frau Iul. Keller; Altdeutsche Dame. Frau Schilling; Zigeuner Königin, Cthyl Kealing; Dolly Barden", Frau Hermann Jun ge; Kammerher-., Hermann Junge; Priscilla, Leona Templeton; Griechische Schönheiten, Frau Franz Btnningea, grau Julius Keller jr., Frl. Laura
Rcoolutionszeit, Lenore. Templeton; Chrysanthemum, Frau W. C. GrigSley; Moderner Künstler, p. A. Scherrer; OrphauS", John P. F.enzel; Damen aus der Coloniolzeit. Anna Möhlc; Faicheles und SchmeicdelcS", Gustav
Oberländer und Richard Lieber: schwä bischer Bauer. Comard Bertermann; Mcricaner, M. Schumacher; Offizker, I. H. Laid; Tramp, C. Cor; Harte quin, F. C. Schnabel; Tranip, Otto Ural's; Nigger, Elmer Rafchig; Meri caner, D. B. Bye; Clown, O. C. Forbe; Matrose. Andr. Trieb; Chlnesen: Arthur Ditkson. B. Guedelhofer; Tramp. Cmil Schmidt; Rretzel Bäcker, Carl Benncrscheidt; schwäbischer Bauer, E. H. Johnson; Clown: GuS. Harms. W. Whitney; Hofmarschall, C. L. OakS; Jndianer-Häuptlinge: A. In gersoll, H. Kroeckel und C. T. Cullen; Nigger ' Pärchen: Wm. un Bert ha Kiemeyer; Wärterinnen beiden Babies: Frl. Dora Reisner, Frl. Rosa Hindel. Frl. Mathilde Hartt; Clown: C W. DickS; Farmer: E. H. Leib und ChaS. Stehen; Offizier aus der Colonialzeit: Walter Bertermann: Richter: Frank Jttenbach; Matrofe: George C. gearrey: Carmen: Frau Frank Baden, Frau Marks ans Chicago: Japanese: A. Kroeff; Carmen: Frl. Alma Schergen; Matrosen: Bert Leppert. Carl Hindel; Cavallerie-Ofsizier: Ray Thompson; Studentin: Frau Caesar Haß; Schwarz und Weiß"- Frl.
Haß: Sonne, xav Henry Roeble:
Französische Fottie, Herr und Zrau Ruuaall. Herr ulid Frau llarl; ..Happy Hooligan'' Georg Strebet; Gloomy Guö, Otto EchmM; PoliM. Hd. "JiöbUx; Stierfelyter: S. W. Bcrnlöhr; BabieS (Zwillinge): Julius Keller Jr. uud Franz B'nninger; Mönche Otto Deluse; Landpomeranze: Frank Abei: Spanische Tänzerin: Frau Adolph Rentsch. & eine sehr originellelle Jd?? wa reu die Herren Fred Steiukühler und Frank Baden verfallen. Der liue stellte nämlich ein japanisches und der Andere ein russisches Kanonenboot dar, Im Saale kam eS zu einem Gefecht und das Cnde vom Liede war, daß daS russische Schift zum Sinken gebracht wurde. Der Sieg der Japaner wurde na tllrlich mit großem Halloh begrUßt. Cin prtch3 Oelgemälde, Herrn I. P. Frenzel als Orpheus in idyllische.r Landschaft verewigend, wurde von dem Künstler Herrn Scherrer Jr., den, Ta!miOrpheuS überreicht. Wann das Fest endete, können wir im Morgigen dringen. Die prächtigen Z'lumeN'Dekoratio nen iaren von Gebrüder Bertermann gelieser t.
T ü ck i s ch e Schicksals f ü g u n g. In der Grube zu Neun kirchen. Rheinprodinz, wurde unlängst der f7 ahre alte Bergmann Bach ca: Oitweiler von herabfallendem Gesten erschlagen. Bach sollte auf Drängen seiner Familie schon im Sommer 19V3 in Pension geben, er -"MH? aber das Brrgfest im Sommer t.ock ab warten, weil er dann wcgei? seiner langjänrigen Dienste von der TZnjpc! tion die ubl'wze goldene llh7 erhalten hätte. Diese Fr?nde 'tt ':$ir. durch jähen Be?gmannt?d otmuU '.vordcn. Bon einer schrecklichen Seefahrt berichtet der Kapitän UtberfeU, aus Sagard aus Rügen. Gt befand sich mit seinem Dampfer in den inoischen Gewässern. Seine guze Ladung bestand aus Petroleum in Kisten. Plctzlich brach an Bord Feuer aus, uitd während sich tk gesammte Mannschaft an die Loscharbeit machte, erfogte im Mittelschiff eine starte (5xplosion. und ein Flammenmeer ergoß sich über das ganze Schiff; die Befatzung flüchtete eilig an Deck, daß es nicht mehr möglich nar, die Maschinen zum Stillstand zu bringen und in Folge dessen eilte das Schifi steuerund führerlos vorwärts; von der Besatzung waren 1!) Mann theils durch die Explosion umgekommen, theils durch die Flammen getödtet, und aus dem Innern des Schisses ertönten fortgesetzt neue Explosionen. Das sJitttungsboot schlug voll Wasser, als es kaum herabgelassen war. Der Kapitän und der Rest der Mannschaft retteten sich auf Bambusfloße und schließ, tich wurden die Schiffbrüchigen von einem englischen Dampfer bemerkt und aufgenommen.
Novelle vo'! Mal Treu. Mein c'ter, guter Freund Ernst Landers hatte alle Anlage zum ..ewi gen Studenten." Seit fünfzehn Semestern schon studirte er Ä!edizin, ohne just mehr zu wissen, als cr im ersten Semester auch schn gewustt hatte. So manchen Fuchc- ziatte er bereits einoeweiht in die '.VKnnenen des akadennscbt'n Lebens unb oes freien, frohen Bursentrcib.nö. und schon so manchen, der aus dein Fuchs zum bemoosten Burschen geworden tvar. hatte er wieder beimgeleitet in das Philisterium. Er selbst aber war der statte Khuiin,, cerevisiae geblieben, da in allen Kneipen der asic: Musenstadt besser Bescheid wute als in den Hörsälen und Laboratorien seiner Fatultät. Wo irgcnd eine Schaar lustiger Gesellen zu fröhlichem Thun beieinander saß, oa fehlte der gute Ernst sicher nicht, und aus den Wirthsgärten der nahen Umgehend konnte gar mancher Borüberaekeude noch zu später Abendstunde irgend ein Lied vernehmen, welches jener mit seinem tiefen Bierbah intonirte, zu dem sich dznn bald dte Stimmen der übrigen Anwesenden gr
seilten. Für ihn lag das Leben im weiten, nimnur verlöschenden Sonnenglänz der Burschenherrlichkeit, und er war nicht gewillt, diesem heiteren Glänze Balet zu sagen. Vom pekuniären Standpunkt aus, der ''o manchen anderen zum möglichst raschen Abschluß des Studiums treibt und zwingt, konnte Ernst sich das wohl leisten. Er hatte Glück gehabt vom ersten lauten Schrei an, den er in diese Welt hinein that. Sein Vater war ein reicher Fabrikbesitzer, ein gutmüthiger, feinem einzigen Sohne in abgöttischer Liebe zugethaner Herr, der keinen anderen Wunsch hatte als seinen Jungen vergnügt und zufrieden zu sehen. Der Mouatswechsel war diesem so reichlich bemessen, daß der junge Student trotz seines flotten Lebens niemals Schuld den zu machen brauchte und auch zu seiner Ehre sei es gesagt! - - niemals welche machte, und wenn etwa i in Laufe eines Monats besondere Gelegenheiten kämm, die außergewöhnliche Ansprüche an oen Geldbeutel stellten, so kostete es dem guten Ernst eine schlichte Posikartc an seinen Vater.
und dmnen zwei bis drei Tagen war der Betrag in der gewünschten Hohe in se'nen fänden. Taß Ernst auch schon aus diesem sehr reellen Grunde eine große Jahl von Freunden hatte, brauche ich iaum besonders zu erwähn nen; Bruder Stu'v nimmt zuweilen gar grn Getegnheit, sich eines wohlsituirkcn Bekannten zu erinnern und Ihm mit einem mehr oder wenige- der- ". Hirnen Wunsche ,aus die Bude zu steigen." 'der auch sonst mußte man dem Ernfl gut sein. Eine treuer?, ehrlichere Seele gab es nicht. Es lag lein falsch n: ihm, und tat! ihm nur einmal in das frische, narbcnbedeckte G'jichl gksehen hatte, der fühlte sich zu ihm b'ngezoacn zu dauernder freundschast. und Ernst trug ganz gewiß Nicht die Schuld, wenn solme Zreundschaf: etwa einmal einen Aiß be?am. ür sc!ne Freunde war er 'mmer zu hab.'n; er wanderte alv K(?rtellträger unermiidlich treppauf, treppab, er schlichtete wistigkeitcn, tl besorgte Bücher von der Nninersitätsuibliothek. ja, er taufte in Nothfällen für sich selbst irgend ein für ihn an nutzloses Buch, nur um ?inem Freunde damit auSzuhelün : , inem Worte, cr war das allezeit rathende und thatende Faktotum seiner Freunde. i'nft war das jetzi schor, fünfzehn C mester lang. Nun weiß ich nicht, wie es geschek en war, aber eines schönen Tt7ges mitten km Semester lxsuchte mich einmal ErnstS Later, de?n btka litt war. daß ich mit seinem Sohne in herzlicher Freundschaft ver bn .den und daß ich so ziemlich der ein'.i'e war. der aus Ernst einen starken Einguß, welchem er sich sonst überall entzog, auszuüben in der Lage war. GZ gab ein: inkltsschwere Unterrcdung mit dem alten würdigen Herrn. Verwandte und Bekannte schienen bei ihm ivrsteflig geworden zu sein, daß es nun für seinen Jungen doch höchste 'it würde, sich auch einmal die ernste Veite oes akademischen Lebens, riöm liö daß Studium, gründlich anzuseden. und daß doch auch einmal die Siundk kommen müsse, in der Ernst ach bestandenem Examen die tüma mwti'v verlicße. um irgendwo als praktischer Arzt zu Ruh und Frommen der leidenden Menschheit ein ehrenvol le Slaatsbürgerdasein zu führen. Slc!,e :kieden waren dem alten Herrn zu Gemüth gegangen, und er hatte bc schloffen, seinem Jungen ernstlich den ZrA zu lesen und ihn zu gründlicher Arbeit zu bestimmen. Und dabei sollte ich thm helfen. Ich sagte natürlich mit Freuden zu. denn nichte hat mich im Leben mehr geschmerzt, als wenn ich eine im Griil'de tüchtige und solide Natur an den Klippen der akademischen Freiheit stranden sehen mußte. So nahin ich mir den guten Ernst denn bei Gelegenheit gründlich vor. Höre mal." sagte ich, ich meine, es wäre an der Zeit, daß du die Lücken in deinem Wissen jetzt auszufüllen beginnen würdest!" Er lachte. Hat dir mein alter Herr den Kopf warm gemacht?" .Gewiß, er ist bei mir gewesen
das sag' ich ganz offen. Ihd er bat reckt mit dem. was er sagt und WÜNl'cklt." Ach. zum Teufel, dazu ist noch immer Zeit!" Vielleicht auch nicht mehr. Siehst du. mein auterunae. dir ist's imLeben immer zu gut g.gangen, du hast stets nur seine heitere Seite gksehen. aber das wirkliche Gesicht des LcbenS haft dn noch nicht erkannt." Er horcht? auf. Das Gesicht dcs LebenS? Wie meinst du denn daS?" ,Hmj Ich glaube in der That, daß
du noch gar nicht weit. wie ernst das I
Gesicht des Lebens i st . das zu:oci!en nur gar zu sehr an das ?edusenan:l:tz erinnert." ..Ach. laß mich mit der M?dusa znfrieden! Die f-zb' ich vergessen, seit uns unser alter Professor in der Prima in jeder Stunde davon erzählt hat." Und lachend drebte e? stch ein pairmal auf dein Absatz um. !Lch legte ihm ernst die Hanv auf die Schuller. Vielleicht tommt doch noch einmal die Stunde, wo du gezwungen bist, in das Gesicht deS Lebens zu schauen. Möchtest du dann nicht bereuen, daß du eS nicht schon früher gethan bast." Ernst war eineReihe von Tagen mich dieser Unterredung ziemlich bedenklich. Ich sah ihn wiederholt in daS Nolleg gehen, und einmal erklärte er zum grenzenlosen Erstaunen einiger Freunde, die ihn zu einem Abendschoppen abholen wollten, oaß er zu Hause bleiben und arbeiten werde. Aber diese Wandlung hi?lt nicht an. Nach etwa zwei Wocden schon war er wieder der Alte; t,,,!. un d. hatte dem hh. ceretR weichen müssen. Mit Bedauern theilte ich seinem Vater die Vorgänge mit. Eines TageS traf ich Ernst Vormitiags 'wischen elf und zwölf Uhr auf der Hauptstraße unjerer Musenstadt. Wohin willst du V fragte ich. Hummeln, llnd nachher einen Frühschoppen machen, frommst du mit r Ein wenig spazieren gehen, ja. Zum Frühschoppen habe ich keine Zeit ich habe von ,'wöls bis ein Uhr Seminar." Alter Streber!" Ich danke fiir da Eomplimnet. Ich wollle. du könntest dir es selbst cndlick einmal machen." ..Tast ich ein Narr wäre! i gefällt mein Leben ganz gut na, und wenn ich auch kein Dramen mache, so bin ich doch meines Vaters einziger Sohn, und 'ür den ist schon so viel da;
daß er auch als nneraminirter Staatsbmger behaglich leben kann." ,,'t das wirklich dein Ernst?" Warum denn nicht? Meinst du, daß nur die Leute mit akademischem ramcn brauchbare Staatsbürger und .nte Neichstagswä'bler geben?" Das gerade nicht! Aber das meine ich. daß, wenn einer mal angefangen hat zu studiren, er auch vor seinem Gewissen, seinen Angehörigen und der übrigen Welt verpflichtet ist. sein Studium zu Ende zu bringen, wenn es ihm nicht etwa an den geistigen Fälligkeiten dazu fehlen sollte. Tic fehlen dir aber ganz und gar t.icht. ergo" Tu bist ein Moral -.r.diger", warf ?r unmutmg hin. llnd ärgerlich schleuderte er seine noch brennende Eigarre in weiten; Bogen von nch weg. Und nun kam ein furchtbarer Auaenblick. Ich sah, wie die Eig'rre funkensprühend auf das Pferd einer gerade vor einem Hause haltenden Equipage nicdersauste und das Thier an den Ohren traf. In demselben Moment hob es sich hoch auf die Hinterbeine, riß mit einem iähen Ruck den Wagen vorwärts, schlug mit den Vorderhufen wild vor sich hin und stürzte dann zitternd und teuchend in die ttnie. Aus mehreren Kehlen erschallte :n lauter, entsetzensvoller Schrei. Einen Augenblick standen wir beide. Ernst unv' ich. starr wie gelähmt auf demselben Fleck. Dann bei löste sich die Starrheit. Unter dem zusammenaestützten Pferd lag blutend nute wimmernd ein kleines, ossenbar den niederen Volkstlasfen angehörigez Mädchen. Eine" Arzt!' Einen Arzt!" schrie olles durcheinander. Da kam Leben in Ernst. Im Nu stand er drüben neben dem Wagen. Er riß das Pferd in die Höhe, und unbekümmert darum, daß ihn felbft ein wnchtiger Hufschlag in die Seite traf, zog er das stöhnende kleine Wesen hervor. Es blutete überaus stark aus Brustund Kopfwunden. Einen Arzt!" rief auch Ernst. Dicht nebenan wohnt einer", antwortete eine Stimme. Im Flug nahm Ernst das Kind auf die Arme und trug es hinüber zum Arzt. Vergebliches Bemühen. Der Arzt war nicht zu Hause. Ein zweiter eben falls nicht, zu dem geschickt worden war; sie besuchten jetzt um die Mit 'agsstunde ihre Patienten. Sani 'ä'tswachen oder dergleichen aber gab es damals in der kleinen Universitätsstadt Noch rnch. In die Ritas! dann!" rief ich Ernst zu. der mit seiner blutenden Last in dem Hausflur der Arztwohnung stand. Mein Gott, bis dahin verblutet sich ja das Kind!" schrie er entsetzt, und
furchtbare Angst sprach aus seinen ZU gen. Kannst du denn dem kleinen Wesen nicht einen Nothverband anlegen?" fragte ich. Im Sprechzimmer des Arztes werden wir doch alleö Nöthige finden, und man wird es uns gern zur Verfügung stellen. Kannst du denn das nicht. Ernst?" Wie geistesabwesend schüttelte er mit dem Kopfe. ..Ich? Nein. Da5 habe - ich nech nicht gelernt, in fünfzehn Semester:, noch nicht gelernt!" ..Dann zur Klinik! Schnell, schnell!Ein Wcigen war zur kelle. Ernst vreßte sein Taschentuch aus die Stirnwunden des Kindes und dann ging eS in schneller Fc'br: zur Universitatsklint, die weit draußen vor den Thoren lag. In das UU Wimmern des Kindes aber mischt sicb das schmerzvolle Stöbnen eines todternsten Mannes, meines Freundes. Endlich enolich waren wir draußen. Mit fliegender Eile sprang Ernst die Stusen hi.iauf zum Verbandsaal, wo er das Kind dem Ar.te iu jour über gab. Ein Unfall?" fragte dieser. Ja, und ich trage die Schuld daran", antwortete Ernst düster. Tcr Arzt untersuchte das 5iind. ..Mein Gott", sagte er dann. ..war denn Niemand da. der einen Nr.hoerband anlegen konnte ? Das arme, schlecht genährte, schwache Ding geht zn Grunde an oem Blutverlust." Eit schauerte zusammen. prüfender Blick aus den '.'luoen
de Arztes fiel auf ibn. Sie sind doch selbst Mediner. Herr Landers." sagte er. Kannten Sie denn nicht selbst, wenn lcin Arzi aufzutreiben war" Er stockte. Müde und matt, todtblassen Antlitzes war Ernn auf einen Stuhl gesunken. Ich ich" stammelte er. Nein, ich konnte gar nichts!" Der Arzt schüttelte den Kopf. Tas Kinder wnrde verbunden und dann von den Krankenwärtern hinauf in einen Krankcnsaal getragen. Wir gingen. Ernst sprach lein Wort. Gegen Abend dieses Tages kam cr zu vlir. komm!" sagte er. Wohin r Wohin sonst als zur Klinik. Ich will wiffeu, wie es dem Kinde a?bl " Ich begleitete ihn. Wir fuhren lnnaus und suchten den Arzt auf. ' Äle geht es der Kleinen?" uaett Ernst, und Scheu. Angst und Vefvrg niß klangen aus seinen Worten. Der Arzt war tiefernst.
..Sie kommen zu spat. rcn." entgcgnete er. 2:i vor einer halben Stunde Sie hat den starten lul, ertragen können. Ein j
hätte sie gerettet, da die Lcclcnungen selbst nicht zu schwer waren." 2axt und groß schaute Ernst den Redenden an. Todt ist jW fragte er dann, und seine Stiniine klang ganz lonlos. und ein Not!)!?crrand bätte sit retten tonnen?" Gewiß. Taß Sie das aber auch nicht machen konnten. Herr Eollege!" Ueber Ernus Gesicht zuckte 3 hin, aber er sprach kein Wort, und schwcigend verabschiedeten wir uns. Draußen m Korridor stand eine ärmlich gekleidete bitter weinende Frau, die zwei Krankenschwestern zu trösten versuchten. Es war m.in einzigem Kind." schluchzte ste, und so lieb und brav war sie! Keinen Kummer machte sie uns" Jetzt wollte aber auch mir daß Herz fast brechen. Ernst war all die Frau Hera :actre ten. Er reichte ihr die Hand. Kann ich Ihnen helfen?" fragte er. Sie sah ihn starr an. ?.int ic der Herr, dcr" Ernst nickte. ..Ich bin es, der die Eigarrr fortgeworfen hat." ), Sie? Sie wissen nicht, was Sie ,ilir gethan haben einer Wittm nabmen Sie die Freude i-,rti Lebens. ' Er neigte gebrochen da) Haupt. 2ch toinme morgen zu Ihnen." fügte er. Wir wollen dann manches Niiteinander besprechen. Äis dahin behüte Sie Gott!" Er bot ihr die Hand. Langsam und zögernd legte sie die idrc hinein. Wir gingen. Draußen vor der großen Psorte fragte ih ihn: Wohin gehst du jetzt. Ernst?" Nach Hause zu meinen Büchern." Willst du arbeiten?" Ja. denn ich habe das Gesicht des Lebens gesehen, und ich weih jetzt, daß wir nur in ehrlicher Arbeit das Grauen vor diesem Medusenantlitz bannen und bezwingen können." Jsch drückte ihm herzlich die Hand. Aus dem stiid. --n-vis. wurde ein fleißiger tml. iiiel., der heute längst ein tüchtiger und gesuchter Arzt in einer deutschen Großstadt geworden ist. Der Mutter des unglücklichen Kindes aber geht allmonatlich eine beträchtliche Geldsumme mit einem freundlichen Briefe zu, der jedesmal unterschrieben ist: Ein ehrlicher Arbeiter." Sie weiß es wohl, von wem die Sendung kommt. Weiffenbach's Wirthschaft, No. 1401 Madison Avenue.
eine Her .lkin? iß v.iocn. i tl ' I Itir, N:M kbv-rbano
