Indiana Tribüne, Volume 27, Number 143, Indianapolis, Marion County, 8 February 1904 — Page 6

fe

tt

I

Judiana Tribüne, 8. Februar lOH.

Ja, wir vertausen"

m I

I

i I

Ifllicl C OlT430 und tRaiigefl Möbeln und Tcppicbe zu den niedriqstcn preisen.

WILLIG'S Möbcl.Ladcn, 141 W. Washington Str. aar oder ffredtt.

mm

ImMWm

IBDLIANDO

ixrria

hsa

142 Nord Pennsylvania Strafte, Hauptquartier für KriUen xxxxb Operngläser

gjljM-rpN. SkSVw'Sk ZS

Brillrn werden nach den besten Metdoden den

Augen angepaßt. ltlittliche Augen werden Idjmfrgo eingesevt.

i

Bis Banst."

Etadlirt 18H3, nimmt jederzeit Sngage ments entgegen. Irgendwelche Orchester Musik und irgend eine Anzahl von Musikern wird geliefert. Neue Ausstattung und neue Uniformen, ckt. A Miller. Direktor Henry Sprengpfeil. Geschäftsführer 801 Aenrucky venue. Telephon -Alt. roth 11. Reu m.

...Etwas Neues...

Wir haben beschlossen. Alle ,v"lche künstliches

Was gebrauchen, um Borauszahlungs Metern

B versehen, ohne ein .cpostt zu verlaiuien lr stellen die Verbindung mit der Haupt Leltunqsröhre her. ebenso sehen wir einen SRl

terauf und liefern das Ükro für einen Dollar per Tausend. Die einzige Berechnung die wir

machen, lst für dte Verdlndungiiröhre von der

ttrund.-lgenthutns - Grenze bio zur Stelle dee

Meters. Wir garanNren, daß dttselven Zu friedenheit geben. Für Näheres spreche man in der Crnce vor. INDIANAPOLIS GAS CO

The Home Fuel Co.

Europäische Nachrichten.

nern angefallen und so schwer mitzhandklt, daß er an den Folgen der Verletzungen im Krankenhause verstarb. Schuwald konnte die Thäter nicht be-

zeichnen, da er in der Dunkelheit nicht

Reine Jndiana Kohlen zu 8H.O0 per Tonne.

Eiucinnari Lump Coke 12c per Bushel. Cincinnttti Ck ushed Coke 13c per Vusliel. The Home Fuel Co., 61 Baldwin Gebäude. ülttx Phone. Mai S303 eu?r Phone 4780.

Provinz "gärmrfccnlHira. Berlin. Im Alter von 63 Iah-

ren verschied hier die in weiten Kreisen sehen konnte.

bekannte und geschätzte Malerin und S e n s b u r a. Mit einem Spaten Schriftstellerin Minna Landien nach hat der Knecht KraLcak aus Gollingen, ' f!Z. iMA rttt 1 vairt S.nf((iii linim srZ. ri .in. ,,,t

längerer jirciniini. vsic iimi im .nie vuvuii, uikih uiuh.iu uu

inentllch aus kunstgewerblrrn Gebiete rummeroor den Schädel gespalten.

thätig. Professor der Zoologie an Der schrecklich Mißhandelte starb auf der hiesigen Universität und Direktor der Stelle. Ein Streit im Gasthause des Museums für Naturkunde, sowie hatte den Anlaß zu dieser That gegeVorsteher der zoologischen Sammlung den. Der Todtschläger wurde flüchtig.

dieses Museums, Dr. Karl August W e h l a u. Als ein von Jnsterburg

Nöbius. feierte sein fahriges Doc- kommender Personen.ug in den hiest-

tor Jubiläum. Großfeuer kam in gen Bahnhof einlief, verließ eine Frau der Pepion und Albuulinfabrik auf Namens Plensat aus Schönfließ bei dem städtischen Zentral Aiehhof durch , Königsberg den Zug, noch bevor er

noch nicht ermittelte Ursache .zum Au völlig zum Halten kam. Sie glitt vom

mtoHt swayi 9on

fc fl l 5 s? sCm W L 2 C j I Btffl m iAILHik 8 W'W f SSBSlB BB3y

Aug. Diener, s 449 Ost Washington Stt tlpdo S526

bruch. Im Fruluahr V.: ist diese

Fabrik schon einmal von einem größe

ren Brande heiniaesucht worden.

Professor an der hiesigen XfyttllriUii chen Hochschule Geheimer Regierrings

rath Dr. Wilhelm Dicckerhoff ist nach

kurzem Krankenlager im Alter von 08

fahren einem bkttltiden erlebn. Ge

hcimrath Dieckerhoff stand seit langen

Zähren der medicinischen Klinik der

Iliicrär,ztlicl)en Hochschule vor. Eme

Schreckensthat hat sich in der Christburger St.'. fV7 zugetragen. Dvrt warf die 24jährige Frau des Postboten

euendorf ihr H Wochen altes Kind

aus dem Flurfenster des vierten Stocks des Quergebäudes auf den Hof hinab und sprana dcini selbst nach. Der Tod

trat Ivi betden sofort ein; die That soll aus Berzlveiflllng iibcr eine Krankheit des Kindes geschehen sein. Sein 27,jähriges Dienstjubiläum bei der Poli-

zei feierte der t rtmlnalivac'nn'eluer Äiielisch. Der Jubilar machte den

deutsch - franzvsiscken Krieg bei den Todtenkopf - Husaren mit. P o t s d a m. Kurzlich wurde die hiesige Feuerivehr nach der Alten Königs! ruße 12 gerufen, wo in der Wol)nung einer Frau Scholz Feuer ausgekrochen tvar. Als die Feuerwehr an der Brandstätte erschien, mußte sie sich mit Gewalt den Zugang zu der Woh nung bahnen, da Frau Scholz ausgegangen war. Beim Eindringen schlug den Mannschaften ein dicker Qualm entgegen, der von einem brennenden Strohsack herrührte, den Frau Scholz hinter den stark geheizten Ofen gestellt hatte. Mit leichter Mühe wurde das Feuer gelöscht, als man im Bett die beiden kleinen Kinder der Frau Scholz erstickt vorfand. B e l z i g. Auf der Feldmai k Neuwerbig befand sich der Landwirth Höpfner aus Werbig. ein älterer Mann, auf dem Anstand?, wobei er in einer Grube saß. aus der cr nur tvenig hervorragte. Der vorüberpürschende Kaufmannssohn Borgwald aus dem gleichen Orte sah ihn für ein Stück Wild an, schoß und traf de.r alten SOfewt, der sofort todt zu Boden sank. K l a u d o r f. (Landsberg a. W.) Hei einem Brunnenbau wurde hier der Sohn des Brunnenmachers Rau aus Berlinchen durch Nachstürzen des Crbreich beim Untermauern der Ninge verschüttet. N e i n i ck e n d o r f. Goldene Hochzeit feierten der früher in Berlin ansässige Tischlermeister, jetzige Yiesige Rentier Ludwig Plath und seine Frau Auguste, geb. Ducks. im Kreise ihrer .Kinder und Enkelkinder. Das Zubelpaat erfreut sich noch großer Rüstigkeit. T r e u n b r i e tz e n. l?Zn trauriger Jagdunfakl trug sich in der hiesigen Feldmark zu. Ein höherer Officier der Potsdam Garnison hatte einen Fasan angeschossen und wollte noch einen Schuß auf denselben abgeben. Trotz des Zurufß des Schützen ging d?r Treiber Schildhauer auf das Wild

Ni und wurde von dem Schuß getroffen. Die Ladung drang dein 27 Zahre .ilten Manne in die Lunge, und er starb kurz darauf. Provinz Hltprcithctr. Königsberg. In einem hiessgen Hotel hat sich der 18jährige Sohn eines höheren russischen angesehenen Postbeamten, v. Wolsky - Kidarty, er-

schössen. Der Berstorbene war Kanzlist auf dem Wirballer Zollamte. Noch kurz vorher war er auf einer Wohlthätigkeitsvorstellung in Kilbarty. Fischhausen. Auf dem Rittergute Laptau war der Gespannmann Frank mit einem vierspännigen, mit Holz beladenen Wagen vorgefahren. Nachdem er abgestiegen war, zogen die Vorderpferde plötzlich nochmals an. wobei Frank zu Fall kam und übersahren wurde. Es wurden ihm beide Hände zermalmt, außerdem erlitt er lebensgefährliche innere Verletzungen. G r i e s l i e n e n. Bei dem siebenten Sohne des Schuhmachers Weski hat der Kaiser Pathenstelle angenommen. Karls? ode. Ertrunken ist im Timberfluß der Zeitpächter Grecksch. Auf dem Heimwege von Sussemilken wollte er über die noch ganz dünne Eisdecke des Flusses gehen, brach aber ein und ertrank. Landsberg. Beim Schlittschuhlaufen auf dem schwachen Eise des hiesigen Töpferteiches brach der 12jährige Sohn des Schmiedemeisters Kreutz und der 13jährige Sohn des Töpfermeisters Fröhlich von hier ein. Kreutz ertrank, Fröhlich wurde durch den Briefträger Neubert und Factor Ouoß gerettet. O st e r o d e. Arbeiter Friedrich Schuwald wurde vor Kurzem auf der

I Liebemühler Chaussee von zwei Man-

Trittbrett herab und fiel so unglücklich,

daß ihr von den Rädern beide Beine abgefahren wurden. Die fsrau konnte noch ihren Namen und die Adresse ihrer Eltern angeben, verfiel dann in Bewußtlosigkeit und starb im Krankenhause. Mtovinz 3fl c li pro u ) c n. D a n z i g. Auf Beranlassung seir.er Eltern wurde der Arbeiter Max Raetzki verhaftet, weil er in deren Wohnung Möbelstücke demolirte und die Eltern mit Erstechen bedrohte. Dir schau. Der Zugführer F. Martschin aus Königsberg, loelcher einen Güterzug von Dirschau nach Königslerg begleitete, wurde auf der Bahnstation Mühlhausen überfahren und sofort getödtet. E l b i n g. Durch den flüchtigen Äcalireriiikister Meinberg sind recht viele Leute unserer Stadt empfindlich geschädigt worden.

K o n s ch i tz. Ein Bierfamilienhaue, dem Maurer Lipski gehörig, brannte vollständig nieder. Die Belvohner konnten nicht Alles retten, weil das Feuer zu schncll um sich griff. L a l k a u. Feuer zerstörte Scheune und Viehstall des Besitzers Firin. Viel i'k'treide- und Futtcrvorräthe sind verbranni. Es liegt Brandstiftung vor VI e u m a r k. In der gemeinschaft'csrfn Sitzung des Magistrots und der Stadtverordneten wurde Schlllrath Lange mit 11 gegen O Stimmen zum Kreistagsmitgliede gewählt. R i e s e n b u r a. Es ging in Stangenlerg eine dem königlichen Oberförster Grafen v. Rittberg gehörige Nothscheune. welche mit ungefähr 500 Fuder Weizen gefüllt war. in Flammen auf. S ch ö n e ck. Bei der Stadtverordneten - Ersatzwahl wurde in der ersten Abtheilung der Kaufmann Otto Zielke einstimmig gewählt. T h o r n. Der Gymnasial - Oberlehrer Benserner vom kgl. Gymnasium in Thorn ist zum 1. April an dasjenige in Strahburg in Westpreußen versetzt. Zfrovinz 'Ac'Ntttrern. Stettin. Im GerichtSgefängnitz erhängte sich der 19 Jahre alte Schlosscr Thoms, der sich wegen Einbruchsdiebstahls in Untersuchungshaft befand. Groß - H o r st. Der bisherige trandvogt Rentier Friedrich Duwe erhielt das Kreuz des Allgemeinen Ehrenzei'chens. Lubmin Greifs wald). Dem Eisenbahnstations - Assistenten a. T. Karl Blunk wurde der Kronenorden 4. Klasse verliehen. K ö s l i n. Dem Feldwebelleutnant a. D. Wenzel Wrana beim hiesigen Eadettenhause wurde der Rothe Adlerorden 4. Klasse verliehen. 8.200 Entbindungen hat während einer 4.".jährigen Wirksamkeit die 64 Jahre alte Hebamme Röther hier vollzogen. Jetzt hat sie infolge eines Schlagan-

falle ihre Wirksamkeit aufgeben müssen. Sie war Vorsitzende des hiesigen Kreis - Hebammen - Vereins und wurde vor einigen Jahren von der Kaiserin durch Verleihung einer aoldenen Brosche geehrt. S t o l p e. Vom Eisenbahnzuge abgestürzt und tödtlich verunglückt ist ailf dem hiesigen Bahnhof der Bremfer Degener aus Pankow. Degener versuchte, auf den soeben von Stralfund gekommenen Güterzug zu springen, als sich dieser bereits wieder in Bewegung gesetzt hatte.

Schlimmer witzbeiLauen bürg. Das Schulhaus hier wurde durch Feuer zerstört. Das Haus bestand aus Steinfachwerk und war mit Stroh bedeckt. Versichert war das Gebäude mit 1400 Mark, doch übersteigt der Werth des Gebäudes die Versucherungssumme. S t o l p. Der König von England spendete 10.000 Mark für das hier zu errichtende Bücherdenkmal. Der König ist der Chef des hiesigen Husarenregiments Fürst Blücher v. Wahlstatt. B ö ! s ch o w. Ein trauriger Gedenktag für unseren Ort kehrte kürzlich wieder, es waren zweihundert Jahre rerflossen, daß eme Feuersbrunst fast die ganze Ortschaft zerstörte. Die Chronik berichtet hierüber: Ein entsetzliche? Windsturm ereignete sich 1703 am 2. Adventssonntage aus Sü'dwefl und hielt 20 Stunden an. Er riß nicht allein den Nicolai-Kirch-thurm in Rostock. Wismar, Stralsund, doch ohne Beschädigung der Menschen außer eines Kindes, sondern auch viele Kirchthürme auf dem Lande um und that vielen Schaden an den Gebäuden, Giebeln und Holzungen. Weil auch bei dem Winde ein Blitzfeuer war. so äscherte er da Dois Völschow meistens ein.

GtNlepper fUr Vrastlten. Aus Berlin wird gemeldet, daß dort eine Rio Grande Änsiedlungs-Gesell-schast" gegründet wurde, welche 1,700.000 Mcrgen wildes Land mit deutschen Bauern besiedeln will. Es sollen 17.000 Güter ausgelegt werden, min will eine Eisenbahn in den zu besiedelnden Urwald bauen und den Ta-guary-Fluh so vertiefen, daß er schiffbar wird. Die Unternehmer der Gesellschaft machen bekannt, daß sie von der Regierung des Staates Rio Grande do Sul bereits die Genehmigung sür die Ausführung ihres Planes erlangt haben. Der genannte Staat hat etwa zwei Drittheile der Größe des Köniqsreichs

ireunen und seine Einwohnerzahl wurde im Jahre 10lX) auf M,4Sö berechnet. Ueber die dortigen unsicheren Zustände haben wir wiederholt bericht tet. In welch geringem Ansehen die deutschen Einwanderer dort stehen, geht aus einem amtlichen Berichte der Acker bouverwaltung Brasiliens l?ervoi. welche die ..fremdsprachlichen" Ansiedler (in Brasilien wird bekanntlich wkist portugiesisch gesprochen) als Landes verwiesene und unter der brasilianiscken Kultur Stehende bezeichnete: was natürlich bei den eiiigelvaitderten Deut schen und Italienern viel böses Blut erregt hat. Sie protestirten" gegen die ihnen zu Theil gewordene amtliche Bertlnglimpfung: aber diese ist bisher nicht zurückgenommen worden. Daß die deutschen Bauern, welche sich in Rio Grande do Sul niederließen, theil iveisc um das Kaufgeld, tvelcres sie für ihr Land entrichtet hatten, betrogen wurden lind daß viele von ihnen für ihre Farmen noch einmal bezahlen mußten, ist ja allgemein bekannt.

Zrotzdcm will jetzt die ..Rio Grande Vesiedlunaß - Gesellschaft" abermals deutsche Bauern nach einem Lande ver schleppen, dessen Klima. Sicherheit, stärkte und Verkehrsmittel mit denen in den Vereinigten Staaten keinen Ver gleich aushalten. Es handelt sich da

um eine riesige x:andspekulatlon, bn .velcher die Zukunft der etwaigen Ausvanderer gar nicht in Betracht kommt. Welche Zustände zur Zeit in Bra silien herrschen, darüber haben, nicht nur unsere eigenen Mittheilungen Aufschluß gegeben, wir können dafür auch das Zeugniß der Kölnischen Zeitung" anführen, der man gewiß keine Voreingenommenheit für die Vereinigten Staaten und gcgen Brasilien vorwerfen kann. Die ..Kölnische Zeitung" veröffentlicht einen Brief aus Porto Allegre. der Hauptstadt von Rio Grande do Sul, in welchem unter Aiiderem berichtet wird, daß ein Abgeordneter dieses Staates im Bundes-Kongreh Brasiliens, ein Herr Varella. die Zustände zu Parana in einer Rede beleuchtete. Er sagte, daß er die Republik zu erhalten

wünscht?, daß er aber eine Republik mit verlotterten Republikanern nicht wolle. Darob großer Lärm. Aber der Bericht der ..Kölnischen Zeitung" sagt: ..Das Schlimmste bei der Sache ist der Umstand, daß Varellas Reden nicht etwa blos Ausbrüche der persönlichen Erregung eines Einzelnen sind, sondern geradezu als Kennzeichen einer allgemeinen gährenden Unzufriedenheit gelten können. Das Volk seufzt unter erdrückenden Steuern, und vor einigen Tagen ging sogar ein Gerücht, das H-er und die Flotte hätten in Rio eine Revolution gemacht. Zum Glück ist es ein Gerücht geblieben, aber auf gesunde Zustände deutet es nicht." Und weiter malt der Korrespondent des genannten Blattes die brasilianischen Zustände folgendermaßen: Die brasilianischen Verkehrsverhältnisse, sowohl zu Wasser wie zu Lande, sind je nach Belieben vorsintfluthlich oder mittelalterlich faustrechtlich zu nennen. Ganz unerträglich sind sie aber seit dem berücbitigten KüstcnschifffahrtSgesetz ge-. worden. Diesem Gesetz gemäß dürfen nämlich nur brasilianische Schiffe Waaren von einem unserer Häfen zum andern befördern. Nun gibt es aber blos zwei DampferGesellschaften. den Rovo Lloyd Brasileiro" und die ..Navegacao Eosteira". von denen die erstere von der Bundeskasse unterstützt wird und als ein Verwaltungszweig der Negierung angesehen werden kann, weil

alle Ernennungen des Pccsonals von ob "kommen und viele Kommandanten Marine-Ofiziere sind. Diese beiden Gesellschaften theilen sich in den Waarenverkehr. Neulich bezahlte ein großes Handelshaus in Rio dem Lloyd" als Fracht für einen Trolley bis Corumba in Matto Grosso die Summe von 1210 Mark, was wahrscheinlich mehr ist. als der Werth des Frachtguts beträgt. Ein Sack Kaffee von Sao Paulo bis Buenos Aires bezahlte doppelt so viel an Fracht, als er werth war. Häufig bleiben die bereits vom Zollamt abgefertigten Waaren noch wochenlang liegen, weil es der Agentur oder dem Komamndanten des Dampfers nicht paßt, sie mitzunehmen. Da man doch schon von vielen Seiten erkannt hat, welch ein Hindernih für den ganzen Handel aus jenem Gesetz erwachsen ist. so ist bereits im Bundes-Kongreß ein Gesetz eingebracht und angenommen worden, das den ausländischen Dampfern gestattet, schnell verderbende Waaren an der brasilanischen Küste zu befördern, und zwar hat man den Begriff ..schnell verderbende" auf viele Dinge ausgedehnt, die sich im gewöhnlichen Leben sehr lange halten. Aber trotz diesem Entgegenkommen ist und bleibt es eine Halbheit. Nun wurde vor vierzehn Taaen ein neuer

Gesetzentwurf vorgelegt, ver bezwecrie. die Küstenschifffahrt wieder freizugeben, wie zur Zeit des Kaiserreichs. Leider ist dieser Entwurf im Senat verworfen worden." Und nach einem Lande mit solchen Zuständen will .nan auswanderungslustige Teutsche verschlevven. um zu verhindern, daß sie nach nserer Republik kommen. Das Schlimmste an diesem faulen Handel ist, daß die deutsche Regierung die Verschleppungs-Versuche nicht nur geschehen läht. sondern sie indirekt fördert durch ..Subventionirung" der sogenannten Auswanderer-Auö-tunftöstelle in Berlin, lvelch? Brasilien begünstigt. Das Reich schädigt dadurch diejenigen Auswanderer, welche auf den Rath der Auskunftsstelle und auf die Werbungen der Ansicdlungs-

Gesellschaft hin noch Brasilien gehen, nd es stört sein gutes Einvernehmen mit den Vereinigten Staaten.

if-iit heilloser Itifdilflfl. Die Bill, welche Einzelstaaten das Recht giebt, gegen geistige Getränke. die in Original-Verpackung aus dem Wcge des ztvischelrstaatlichen Handels bei ihnen eingeführt werden, staatliche Prohibitionsgesetze in Anwendung zu dringen, ist vom Justizausschusse des nationalen Abgeordnetenharlsco auf den 2., :;. und 4. März zur Verhandlung vertagt. M rüstige Beweisführungen gegen die Bill sind bekanntlich bereits durch Dr. Heramer von Philadelphia uuv an dere Herren vor dem besagtem Aus schusse vorgetragen worden. Dieser hat den Reoubikaner Zenkins vom

Bierstaate Wisconsin, gebürtig aus dem Porterbierlande England, zum Vorsitzer und wird sich hoffentlich ge gen die Bill entscheiden. Daß ein Mann von Iowa, der Abgeordnete Hepburn. sich zur Vaterschaft für die Bill hergab, ist um so schmählicher, als gerade Iowa sein rohibitionSgesetz als unhaltbar durch fein Mulctgesetz großentheils beseitigt hat. Um so unbegreiflicher ist es. daß auch der talentvolle Jowaer BundcSsenator Dolliver den Gesetzentwurf begünstigt im Gegensatz zum dortigen ebenfalls republikanischi'n Gouverneur Eummins, der ein abgesagter Feind des ganzen Prohibitionsschwindels ist und nun dennoch zum zweiten Male das Gouverneursamt Iowa's antreten konnte. In Texas, wo von einer dcmokratischen Staatsgesetzgebung ein ähnliches Gesetz fabrizirt wurde, welches die Einfuhr geistiger Getränke auch in den Originalgebindcn in denjenigen SlaatSthcilen. die mittelst des dortigen tückischen Localoption-Gesetzes unter dem Prohibitionsjoche sind, verhindern wollte, hat neulich das Oberstaatsgericht dasselbe für verfassungswidrig und ungültig erklärt. Ein Einfuhrverbot, wie es die dem Congreß vorliegende Bill anstrebt, würde höchstens den Genuß von Bier und Wein in Prohibitionsstaaten verhindern; Schnaps, der weit leichter eingeschmuggelt werden kann, würde doch kommen. Und das Beispiel des Urprohibitionsstaates Maine. der übrigens im Justizcomite des nationalen Abgeordnetenhauses in der Person des scharfen Juristen Littlefield einen

Vertreter hat. beweist hinlänglich, wie leicht ein Prohibitionsstaat mit dem greulichsten, im Staate selbst angefertigten Fuscl überschwemmt und moralisch und physisch verseucht werden kann.

rmordun cineS deutschen Wtrn nafialdtrektors. In Ajaccio fanden Spaziergänger auf der Promenade die Leiche des Dr. ing. Mayer, des Direktors eines Gymnasiums in Baden. Alle Schmuckgegen,tände, wie Uhr. Ringe und Geld. wurden bei der Leiche vorgefunden. Die Aerzte konstatierten, daß der Todte mehrere Wunden trug, die von einem kleinen Taschenrevolver herstammten. Die Polizei soll einen Fremden, der dem Dr. Mayer überall hinfolgte, in Verdacht haben. Mayer ermordet zu haben. Ein unter dem Verdacht, den Diretlor Mayer erschossen zu haben, verhafteter deutscher Handlungsgehülfe Namens Thiemann hatte mit dem Ermordcten und dessen Sohn und Schwiegersöhn in einem Hotel zu Ajaccio gewohnt und sich fälschlich als ..Dr. med." ausgegeben. Wie durch Ermittelungen festgestellt wurde, war Thiemann dem Direktor häufig nachgeschlichen und hatte ihn auch am Abend vor der Ausführung des Verbrechens im Bois des Anglais angesprochen. Er leugnet nicht nur die That, sondern auch eine nähere Bekanntschaft mit Herrn Mayer; diesen Betreuerungen widersprechen Aufzeichnungen im Notizbuch des Verhafteten. Die Festnahme Thiemanns erfolgte auf Betreiben des Sohnes des Ermordeten, eines Infanterieleutnants. denn nach der Auffindung der Leiche seines Baterö das scheue Benehmen deS jungen Menschen aufgefallen war. Thiemann hatte schon früher in Ajaccio in keinem guten Rufe gestanden.

Der Kapitän zur See van Semmern. Chef des Stabes des Kreuzergeschwaders. ist mit der Vertretung des beurlaubten Gouverneurs des Kiautschougebiets Truppe! beauftragt. Semmern gilt als Nachfolger Trup-pelö.

ft?f?,tft' uAlanvspotttik. Der Budgetausschuß der österreichischen Delegation verhandelte den Voranschlag des Ministeriums des Aeußern. Nachdem der Berichterstatter Bacquehem die Verhandlungen eingc leitet hattl ergriff Delegicter Kra' marcz das Wort und erklärte, die Botschafc über die Erneuerung des Dreibundes habe kaum J'inand besonders aufgeregt, und der Minister des Auswänigen habe offenbar die Bedeutung dieses Ereignisses etwas heben uns unterstreichen wollen. Das verwirre aber einfache Gemüther dermaßen, daß zum Beispiel der preußische Kritiker der österreichischen Manöver zu verlangen wagte, deutsche Kavallerieoffiziere seien den österreichischen Kavallerremanövern zuzuziehen, damit sie das östliche Gelände besser kennen lernten. SolchcJntimi!äten mit den preußischen Offizieren mit einer direkten Spitze gegen Rußland wären zwar wohl nach dem Berliner Geschmack, aber für die österreichische Politik seien sie wohl für die Zukunft undenkbar. Jeder, der es mit dem Staate ehrlich meine, müsse aufrichtig wünschen, daß die iisterrei chisch russische Entente die Feuerprobe der Balkanwirren überdauere. In diesem Sinne sprach der Redner noch weiter, und andere Delegationsmitglie der schlugen in die gleiche Kerbe, '.vorauf sich Graf Goluchowski zu kurzer, aber energischer Abwehr erhob. Er sagte, er könne sich in Erwiderung der gehörten Reden um so kürzer fas sen. als in seinem Expos- ohnehin alle Punkte bereits erörtert seien. Der M'nister wendet sich zunächst gegen die Ausführinqeir des Delegirten Kra-

marcz und erklärt, das Lob. welches er (Goluchowski) dem Dreibunde gezollt habe, sei vollauf berechtigt gelvesen. der Dreibund bilde und werde auch in Zukunft die Grundlage unserer Politik bilden, und man dürfe nicht vergessen. daß man eire Konstellation, welche sich so herrlich bewährt habe, wie der Dreibund, nicht gern aufgebe." Wenn Kramarcz in der Anspielung der Neuen Freien Presse", daß es zweckmäßig wäre, eine größere Anzahl deutscher Offiziere bei den Manövern in Gcrlizien zuzuziehen, die Absicht ei ner Bevormundung seitens des Deutschen Reiches erblicken zu sollen glaube, so sei dies eine zu gewagte und durch nichts begründete Interpretation. Auf eine 'Anfrage bezüglich des Erzbischofs Kohn erwiderte Goluchowski. es sei nicht Sache des Ministers des Aeußcrn. sondern der österreichischen Regierung, mit der Kurie über diesen Gegenstand in Verhandlungen zu treten: das Ministerium desAeußern fungire nur als Vermittlungsorgan. Gegenüber dem Hinweis auf eine Äußerung des Ministers in einer früheren Delegations-Session bezüglich des Zj sammenschlusses der europäischen Machte gegenüber der außereuropäischen Konkurrenz glaubt der Minister geltend machen zu können, daß dte gegenwärtigen innerpolitischen Zustände der Monarchie auf wirthsckaftlichem Gebiet kaum dazu geeignet wären, um auf dieser. Gegenstand zurllckzukommen. - Eondervar aber praktisch. Aus Athen wird über ein für Land und Leute charakteristisches Reiseerlebniß des Kronprinzen von Griechenland berichtet. Der Kronprinz befand sich im Extrazug auf der Rückkehr von einer Dienstreise, die er in seiner Eigenschaft alsArmee-Jnspekteur unternommen hatte. Der Zug rollte in der Nähe von Chalois in großer Geschwindigkeit dahin, als plötzlich eine Fensterscheibe des Salonwagens zu Boden klirrt?. Ein größerer Stein war in den Wagen geschleudert worden. Alles eilte an's Fenster, da man unwillkürlich an eine Demonstration, wo nicht gar an in Attentat gegen den Kronprinzen dachte und des Schuldigen ansichtig werden wollte. Der Mann, der offenbar den Stein geworfen hatte, stand an der Strecke und fuchtelte aufgeregt mit den Händen in der Luft herum. War es ein Irrsinniger? Die Anju tanten traten zurück, um dem KrönPrinzen Bericht zu erstatten. Der Prinz hatte sich unterdessen nach dem vorauö, sichtlich nur ihm zugedachtenStein umgesehen. Er fand ihn. Merkwürdig, der Stein war in Papier gewickelt.

Auf dem Papier stand:n die Worte: Gefahr bei 50 Kilometer!" Die Warnung wurde verstanden. Die Schnelligkeit des Zuges, der bereits den 40. Kilometer passirt hatte, wurde gemäßigt: kurz vor dem 50. Kilometersteine wurde ganz abgestoppt. Es fand sich, daß der Bahndamm hier von den Wassern eincs benachbartenBaches vollständig unterspült war; ohne das Singreifen eines unbekanntenWarners. der ein zwar mrgewöhnlichs, aber pr?ktischeS Mittel zur Beförderung seine Hinweises gewählt hatte, wäre ein Eisenbahnunglück mit Sicherheit zu erwarten gewesen. Zu den griechischen Streckenwärtern scheint dieser Ungekannte kein rechtes Vertrauen zu haden. Es wäre ihm andernfalls wahrscheinl'ck nicht schwer gefallen, sich mit seiner Beobachtung in näherlieqende? Weise als durch den Steinwurf durchzusetzen I n Prohibitions-Di. strikten leben nach den letzten Sta. tistiken hierzulande etwa 30,000.000 Menschen, das ist mehr als ein Drittel der gesam.nten Bevölkeruyg der Ver Staaten. In Maine, Kansas und Nord-Dakota ist die Prohibition Staatsgesetz, in 33 anderen Stae.ten wurde sie durch Local-Option einae. führt.