Indiana Tribüne, Volume 27, Number 143, Indianapolis, Marion County, 8 February 1904 — Page 3
Jndiana Tribüne, Februar wo.
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Raub der Flammen. Verheerender Brand in Baltimore. (Zahlrcichc große Geschäftshäuscr in Triimmcrn und auch der Wohnungsdistrikt vom faucr bedroht. Glücklicherweise keine Opfer an Leben, dagegen verschicdene Personen verletzt. Schaden wird nach vorläufiger Schädling auf 40 Millionen Dollars veranschlagt
verheerender Brand. Baltimore. Md., 7. Februar. Heute wurde Baltimore vom verhäng nikvollsten Brande seit seinem Bestehen heimgesucht. Viele Stunden wütheten die tfimmxtl, zahlreiche der größten GeschöftShöustt zerstörend und einen 5, tzadcn anrichtend, der sich noch nicht abschätzen läßt. Bei Einbruch der Nacht sind die Flammen noch nicht er stickt. Sicher ist. daß der Schaden die Summe von 825.000.000 überschrei, tet Das Feuer brach kurz vor 11 Uhr Vormittags in dem EngroS Weiß-waarcn-cschafte von John (5. Hurst 6 So. an HopkinS Platz, im Herzen des (eschaftSdistriks aus. nebst einer Reihensolge von lauten Erplosionen, die in den entlegensten Theilen der Stadt vernehmbar waren. Die Flam mer verbreiteten sich mit furchtbarer Schnelligkeit. In einer halben Stande standen ein Dutzend der großen Waaren'Häuser in Flammen. Das gesammte Feuerwehr Departement rückte aus. war aber gänzlich machtlos dem Umsichgreifen der Flammen zu gebieten, die durch starke Winde unterstützt wurden. Am Mitten wütheten die Flammen in mindestens dreißig großen Waaren Häusern und der verheerende Brand dehnte sich immer weiter nach Ost. Hord. West und Süd aus. Haus um Haus fiel als Raub der Flammen: nach dem Brand in Balti more Str. griffen die Flammen auch die nördlich von jener Straße liegenden schafte an. MullinS Hotel wurde ergrlsfen und andere Gebäude in der Nähe. Auf dem HopkinS'Platze, wo der Brand begonnen. ftUrzte daS Hurst.Ge büude und die übrigen Häuser auf bei den Seiten der Straße zusammen. x Anblick, welchen die der gttstK rung geweihten verschiedenen Häuser gtdintt boten, war schrecklich. Auf dem HopkinSPlatz wurden die Hopkings SavingS Bank und die Na tiomil vchnge Bank von den Flam men zerstört: die wenigen Ströme Was ser, welche die Feu-"wchrlcutc gegen die Webdude richten ko.mten. erwiesen sich als gänzlich wirkungslos. Stils vor 2 Uhr stand Mullin's Hotel. ein siebenstöckiger Bau. völlig in ft lammen; da alle Wüste vorher zum rlassen des PlatzeS aufgefordert wa ren. herrschte keine Verwirrung und eS wllrde niemand verletzt. Trotzdem jeder FeuerApparat der 3 labt tu Dienst gestellt war, erkannten die Feuerwehrleute an dem rapiden lllsdreiten der Flammen, daß sie der Aufgabe allein nicht gewachsen sein. Depeschen um Feuerspritzen gingen nach Philadelphia und Washington ab: 6 trafen aus letzterem. 4 aus ersterem Orte ein. Im Ganzen waren zu gleicher Zeit etwa 350 Spritzen in den verschiedenen Theilen der Stadt thätig. Mit lautem Krachen stürzte Haus um Haus in den Straßen und die Feuerwehrleute hatten alle Gewandt heit aufzubieten, um ihr Leben in Sicherheit zu bringen. Um 3 Uhr erfolgte eine fürchterliche (rplofion von etwa 150 Whiskey. Fässern in der Hanover Str.; bren nende Trümmerstückf wurden in die gegenüberliegenden Häuser, in welchen die Feuerwehr mit den Flammen kämpfte, geschleudert. Die ganze Stadt erhielt Kenntniß von dem Brande durch eine Explosion, zur Zeit, als die Kirchen in der Mitte der Stadt mit Andächtigen gefüllt waren. Es kamen zwa keine Scenen von Panik vor; aber Hunderte eilten auf die Straße, um sich nach dem Ge schehenen zu erkundigen.
Noch 2 weitere Explosionen folgten und Tausende eilten nach dem Schauplatz des Brandes. Nur Wenige tonn ten indessen den Brand selbst sehen. Hunderte von lijeschüftsleuten in dem bedrohten Distrikt wurden von der Polizei benachrichtigt und fast alle brachten ihre Bücher in Sicherheit. Um Mitternacht bahnte nch das Feuer langsam den Weg östlich von Baltimore Str.. nachdem fast alle großen Geschäftsgebäude im EngroöDistrikt um Hopkins Platz, an beiden Seiten der Baltimore Str. und andern Straßen zerstört sind. Nach den Feuerwehr-Beamten beläuft sich der Schaden aus 40 Millionen. Kurz vor 11 Uhr Nachts fing das Gebäude, in dem sich die Assoc. Presse befindet. Feuer und die Angestellten mußten fliehen, hatten indessen Zeit die werthvolle Ausrüstung zu retten. Sie nahmen Zuflucht in einem Zweigbureatl der Western Union Eo. an GayStr., doch mußte auch dieses Haus, nachdem die Flammen es erreicht, ge rüumt werden. Der Brand spottet aller Bewältigungsversucheund alle Bewohner von VedSuden in der Mitte der Stadt ent. fernen fo rafch als möglich ihre Werth fachen. Das städtische Hospital dringt seine 2i Patienten mit möglichster Schnellig keit nach anderen Hospitalern, 17 Bcr letzte fanden Ausnahme im städtischen Hospital, meist Feuermehrleute. So viel man weiß, kam bis jetzt Niemand um's Leben. Militär Abtheilungen patroilliren die Straßen in der Nähe des Brandschauplatzes. Bi jetzt hat der Brand die Woh nungsgegend noch nicht erreicht, aber in Ost Baltimore brachen Feuer aus und die Wohnungsstraßen scheinen in Gefahr. Bon den 5 Zeitungen, drei englischen und 9 deutschen, wird höchstens morgen früh die Äun erscheinen können. Auch dem Finanzdistrikt droht die Befall der Einäscherung. Das pyro technische Schauspiel ist von einer ge wältigen Großartigkeit. Chicago.?, gebr. ES wird ge meldet, daß die Gebäude der Western Union und der Postal Telegraph (o. in Baltimore abgebrannt sind. Senator H a n n a. W a s h i tt g t o n . 7. Februar, Senator Hanna verbrachte den Tag ohne wesentliche Aenderung in seinem Befinden. Die große Schwäche trat noch etwas schärfer hervor und die Temperatur war etwas höher, (ine Konsultation zwischen Dr. Rirey und zwn Aerzten von außerhalb der Stadt führte zu einem Bulletin, nach welchem die Herzthätigkeit gut ist uud keine (omvlicationen vorliegen. Alls Wunsch des Senators trifft morgen sein Fami lienarzt Dr. Carter ans Eleveland ein. Der Senator nimmt alsNahrung nur Milch. Er ist zu schwach, um zu spre chen. außer gelegentlich wenige Worte zu seiner Umgebung; nur die Gattin und die Nichte Frl. PhelpS, haben, ab gesehen von den Pflegerinnen. Zutritt. Mord auS Liebe. N e w V o r k , 7. Febr. Die 21 Jahre alte Beffie Healy 'st unter der Anklaze verhaftet woroen, JameSKohn, einen jungen Mann von 23 Jahren, besten Bater ein wohlhabender Wirth ist. in Paterson. R. I.. erstochen zu haben. Die junge Frau hatte ein Ver hültniß mit Kohn und lebte von ihrem Manne getrennt. Der Letztere stattete ihr unv Kohn einen Besuch ab und daS Trio saß einige Zeit trinkender Weise zusammen. Plötzlich stürzte Healy auf die Straße nnd erzählte, daß seine Frau Kohn erstochen habe, nachdem Letzterer Drohungen gegen sie auöge stoßen hatte. Als die Polizei in die Wohnung drang, war Kohn bereit todt.
Brutale Gewalt. Drei Uohlenqräber als Cvfer der Kugeln von Schergea der lrub -besther. - Kn o ; v i l i e, Tenn., 7. Feb. In dem 40 Meilen nordwestlich liegenden kleinen Städtchen Knoxville' kam eS heute zu einer blutigen Tragödie, bei der vier Menschenleben vernichtet und einige, ein Mann vielleicht tödtlich, verletzt wurden. Der Vorfall entstand durch Streitigkeiten zwischen Gewerk schaftlern und NichtGewerkschaftlern. 3 der Leute wurden von Wachen der (5oal (rec! (so. erschossen, das vierte Opfer, ein HilfkSheriff, von einem Wächter, den er verhaften wollte. 2 der Todten hinterlassen Wittwen und 4 bezm. 8 Kinder. Als die Lohnscala im Distrikt 19 der Ver. Grubenarbeiter unterzeichnet wurde, lehnte die Coal Creek 3o. die Forderungen der Arbeiter ab. 2 Gru den wurden geschlossen; Versuche, sie mit Nicht Unionisten in Betrieb zu setzen, hinderten die Gewerkschaftler durch Ueberredung oder Gewalt. Verhaftungen und Ermittirungen steigerten die Erbitterung der Leute bis zur Siedehitze. Heute kam eS auf dem Bahnhof, wo der frühere Polizeileutnant Reeder mit 12 Wächtern auf Ankunft von Nicht Unionisten wartete, zum Zusammen stoß mit den Gewerkschaftlern. Die Unionisten scheinen durch Beleidigun gen provozirt zu haben; R. und ein an, derer Wächter zogen die Revolver und begannen zu schießen. Bevor die Kohlengräber sich noch von ihrer Ueber raschung erholt hatten, waren die Wächter bereits wieder in ihrem Wagen zu der Grube zurückgefahren. Schwere Heimsuchung. L o u i s v i l l e , Ky.. 7. Febr. Ein Gcwittersturm, von Hagel beglei tet. verheerte in der SamstagNacht Kentucky, einen Schaden anrichtend, der in die Hunderttausende von Dollars geht. In Cornishville wurden sieben Häuser und eine Kirche zerstört; Kirchen ferner in Fairview und Point Lick. in Carlisle ein neues Schulhaus mit 850,000 Verlust. Ashland. Wis . 7. Februar. In Folge des hier wüthenden Blizzards wird ein Todesfall gemeldet; sicher sind noch andere Unfälle vorgekommen. Der Straßenbahndienst liegt ganz brach. Im Streite g e t ö d t e t. St. LouiS. Mo.. 7. Febr. Bei einer Streitigkeit wurde heute Josef Mittler. Besitzer des Bachelor Hotel, er schössen; der Polizeibeamte E. Mackele ist ernstlich verletzt. Häuptling erfroren. V i n i t a , I. T.. 7. Februar. George Bearskin. der Ober.Häuptling der Seneca ' Indianer, wurde bei Eayuga todt aufgefunden. Er hatte sich wahrscheinlich verirrt und ersror. Heftiger Stur m. St. LouiS, Mo.. 7. Februar. Vor Tagesgrauen wüthete hier ein hef' tiger Sturm, der beträchtlichen igen thlunSschaden verübte. 15 Minuten lang blies der Wind mit einer Schnel ligkeit von 60 Meilen die Stunde. Eine Reihe von Häusern an der 20. Strafe wurde entdacht. Vier andere Budler vor Gericht. St. LouiS. Mo.. 7. Febr. Da Kreisgericht hat für morgen eine Lifte vcn 00 SpecialGeschworenen. au denen 12 gewählt werden, für die Processe von Eh. F. Kelly. Eh. I. Denny. Ch. A. Guthie und E. Bertsch angeordnet. ES sind dies frühere Mitglieder des DelegatenhauseS, von denen jeder eine Summe von $2,500 für die Passirung der städtischen Beleuchtungsvorlage an genommen haben joll. Zwei Neger bei lebendigem Leibe verbrannt. M e m p h i . Tenn., 7. F.br. In Doddsville. Miff.. wurden heute L. Holbert und Frau, Neger, von einem 1000kvpfigen Mob wegeu Ermordung de angesehenen Pflanzer Gastland und eines Negers auf dem Scheiterhau. fen verbrannt. Hiermit kommt eim Tragödie zum Abschlüsse, die, mit der Verfolgung der Neger, insgesammt 8 Leben gekostet, 200 Leute und zahlreiche Bluthunde engagirt und diese Gegend in wahnsinnige Erregung versetzt hat.
Auf elnem Mantslljen Kriegsschiff. Ein Besuch an Bord eines japanischen Kriegsschiffes wird von einem deutschen Marine Officer wie folgt! geschildert: Am 2. December traf der japanische Kreuzer Ehivoda" vor T singtau ein. um der Colonie einen Besuch abzustatten. Leider waren die ersten Liegetage für den Gast im deutschen Gebiet nicht besonders günstig, da ein heftiger Nordweststurm einsetzte und für zwei Tage den Verkehr mit dem Lande fast ganz unmöglich machte. Endlich hatte der Windgott jedoch ein Einsehen, und nun entspann sich außer den officiellen Besuchen ein lebhafter Verkehr zwischen dem japanischen Schiff :d der Colonie. sowie den im Hafen liegenden deutschen Kriegsschiffen. Um für die verschiedenen genossenen Liebenswürdigkeiten zu danken. lud derCommandant des Chiyoda" die Officiere der Eolonie und der Schiffe an dem der Abfahrt des Kreuzers vorhergehenden Nachmittage zu einer Bordfestlichkeit auf seinem Schiffe ein. die seiner Eigenart wegen für alle Theilnehmer wohl eine neue Erinnerung sein wird. Beim Anbordkommen empfingen die japanischen Officiere ihre deut schen Kameraden in üblicher Weise am FaUrep und führten sie auf das sehr gemüthlich ausgeschmückte Achterdeck. Das Dekorieren des Festplatzes mit Flagge ist an Bord ja meist Gebrauch; besonders lieblich hatten die Japaner es aber verstanden, durch kleine, künstlich angelegte Beete jeden Winkel des Achterdecks auszunutzen. So hatte man eine Ecke mit einem dicken Tau, wie mit einem Boskett, abgegrenzt, den so entstandenen Raum mit Sand ausgefüllt und in diesen Sand künstliche Chrysanthemen hineingepflant. Auf der ander? Seite standen etwas erhaben gegen 50Miniaturkirschbciumchen in voller Blüthenpracht, wie man erzählte, ebenso wie die Chrysanthemen. an Bord von der Mannschaft angefertigt. Eine Schildkröte, gleichfalls mit Bordmitteln hergestellt, der Leib aus Segeltuch, der Kopf aus einem Block und der Schwanz aus einem Stück Leder bestehend, ein Knanich. in ähnlicher einfacher Weise hergestellt, gaben dem einem Garten gleichenden Deck ein sehr lebendiges Bild und zeigten wieder mal. wie es der Japaner versteht, mit einfachen Mitteln derartig nette Dinge anzufertigen. Nach dem Empfange ging es in'die Ofsicermesse. wo die deutschen Officiere mit einem Schluck Sake. Reisschnaps, dem Nationalgetränk der Japaner, willkommen geheißen wurden. Ungefähr 20 japanische Offi ciere. einschließlich der Seecadetten. und doppelt so viel Deutsche nahmen an der Festlichkeit theil. Sehr bald entspann sich eine lebhafte Unterhalhing; zwar war dies nicht immer ganz einfach, denn von den 20 Japanern sprach nur die Hälfte verständlich englisch, zwei deutsch, die andern überhaupt n ir japanisch. Die UnterHaltung mit letzteren beschränkte sich deshalb nur ans Zutrinken und Anbringen der von den deutschen Offineren im Verkehr mit Japanern erlernten japanischen Brocken, wie bannet Profit, arijrato danke usw. Ihre fehlende Sprachkenntnist snchten die japanischen Officiere in jeder Meise durch zuvorkommendes Wesen und Aufmerksamkeiten aller Art ersetzen. Nach dem echt japanischen Willkoin mentrunk ging alles wieder auf das Achterdeck, wo einige Vorsiellnnacn dlirch llcannschasten stattfinden soNten. Bin Programm hatte einer der dklltsck) - sprechenden Dssiciere QufftC stellt: bieftfl zeigt, toi! die Wirthe sich hemUht hatten, ihren Gästen den Alisenthalt an Bord in jeder Weise angenehm zu machen, und soll seiner Ei genart wegen im Original wiederge geben werden: P r o g r a m m c. L Das Hechten. 2. Die Ladungen Ausübung. (LoacHng Exerciie), 3. Die Schwert ganzen. 4. Die japanische Tanzen ..Kappore". Der erste Theil des Programms zeigte nacheinander mehrere Fechterpaare, die mit lanzenartigen Holzschwertern einander bekämpften. Das game Fechten konnte man als ..Stos hiebfechten" 'bezeichnen, da sowohl .ebe wie Stöße ausgetheilt wur den. Geschützt waren die Fechter durch eine Art geflochtenen Panzers. der die Brust bedeckte; der Kopf war. wie bei uns. durch eine Maske ge schützt. Ungeschützt waren die Oberarme. Bedingung für den Siege? war es. seinem Gegner je einen Stoß oder Schlag auf Kopf. Oberarm und Brust versetzt zu haben. Bei dem fechten mußte man die Geschmeidig keit der Körper bewundern, die durch Ducken oder Rumpfbeugen nach den Seiten und geschicktes Pariren den ste bedrohenden Schlägen oder Stößen auszuweichen suchten. Man sah. daß viel Uebung auf das Fech.en verwandt war. und an dem Interesse, mit dem Officiere und Mannschaften die ZZechterpaare verfolgten, daß der Ausgang des Kampfes wohl nicht von vornherein sichergestellt war. Nachdem drei Fechtpaare in dieser Weise ihre Geschicklichkeit bewiesen hatten, wurden, als Nummer 2 des Programms, La-
dungsuvungen vorgeführt. Zwei Erercierböcke. bestehend aus kurzen Rohren, die auf festen Gestellen ruhten. wurden auf das Achterdeck gebracht. Das Kaliber der Rohre war etwas größer, als das der zugehörigen Granaten, sonst das Rohr mit einem einfachen Verschluß versehen. Die Geschützbedienungen traten an die Erercierböcke und führten nun LadeÜbungen aus. Der Verschluß wurde geöffnet, die Granate hineingeschobcn (eigentlich vielmehr geworfen, da sie infolge des größeren Rohrkalibers nach vorn zu hinausflog und dort aufgefangen lvurde). eine kurze Hülsenkartusche hinterher und der Verschluß geschlossen: dann dieser geöffnet. die Kartusche mit einer Ladezange herausgeholt, an Deck gelegt und nun von neuem geladen. Jede GeschüZbedienung bestand aus vier Mann; es war das Bestreben, möglichst schnell zu chargiren; die Anzahl' der Chargirungen lvurde von einem Stückmeister nach der Uhr verfolgt. So brachten es die Geschützbedienungen als Durchschnitt auf 26 bis 30 Ehargirungen in der Minute, die beste Geschützbedienung sogar als Glanzleistung auf 32, was ihr ein besonderes Lob ihres Eommandanten eintrug. Scheinbar ist dies eine sehr gebräuchliche Uebung an Bord der japanischen Schiffe, die sicherlich dazu angethan ist. das Laden ohne Schädigung des GeschützMaterials zu üben und den oft recht ungelenken Bedienungs - Mannschaften Gewandtheit beizubringen. Die Nummern 3 und 4 des Programms fanden auf einer schnell improvistrten Bühne statt, hatten indeß natürlich für die deutschen Officiere nicht das Interesse, wie für die Japaner, da ihnen der japanisch gesungene Text der Lieder unverständlich blieb. Der Schwertertanz zeigte einen japanischen Krieger der vergangenen Zeiten. der scheinbar sehr viel Kampfe zu bestehen hatte; denn fortwährend schlug er mit seinem Schwert um sich, tödtete die am Boden liegenden Feinde und machte ein sehr grimmiges Geficht; zur Bekräftigung tauchte er das Schwert häufiger in irgendwelche, heimlich versteckten Gefäße mit rother Farbe und wischte dann das bluttriesende Schwert an seinem Kriegerwams ab. um es für neue Heldenthaten bereit zu haben. Immerhin bewegtc er sich auf der engen Bühne mit dem geschwungenen Schwert sehr geschickt und hatte, wie die meisten Japaner. ein ausgezeichnetes Mienenspiel. Die japanischen Tänze waren sehr nett vorgeführte Imitationen der Geisha - Tänze: der Handtanz. d. i. ein Tanz, bei dem die tanzende Person nur Handbewegungen ausführt und mit diesen Gesten alles mögliche andeutet, sowie der den Geishaö eigenthümliche. kreischende Ton des Singens zu einer recht eintönigen Guitarre - Begleitung sind für den europäischen Geschmack etwas Unvcrständliches. Schr treffend ahmten die Schauspieler jedoch die zierlichen und eleganten Bewegungen der Geishas nach und entlockten den Zuschauern manche Beifallsrufe; eine Ovation f n r die deutsche und japanische Kriegsflagge durch ,vci solche Geishas und eine plötzlich erscheinende japanische Inschrift: ..Hoch lebe der deutsche ftal ser!" bildeten den Schluß einer rllppe. Den letzten und VlaApUNkl des rogmunn bildete der Notionaltanz M4UHHC"; Ci war zugleich eine Art Ballett und Quartett ; elegante Bewe gungen gleichmäßig ausgeführt, in einigen gestellten Grllppen endend. na ten die Gelenkigkeit der japanischen Seeleute in diesen Dingen: der Text blieb den deutschen Zuschauern natürlich auch unverständlich, soll jedoch ei Nk Art KriegSgesang zu (hrcn cines Seenelden sein. Gebr gut zusammengestellt waren die Kostüme der allftresenden Krieger, wie denn überhaupt dcr Japaner in Farbenznsainmenstelhing ein außerordentliches Geschick besitzt' Damit endeten die Vorstellungen; man begab sich nur für kurze Zeit wie der zurück in die ssommandantenkajüte und Officiersmesse. wo den Mi sten jetzt europäische Erfrischungen in Gestalt von Wein und Bier gereicht wurden. Als Erinnerung aber an den vergnügt verlebten Nachmittag wurde jedem Gast beim Vonbordgchen eines der vorher erwähnten Kirschbäumchen oder Chrysanthemen verabreicht.
Weichherzig. Freddy (weinend): ..Ach. MamaSissy hat die kleine Fliege dort am Fenster todtgeschlagen." Aintter: Es freut mich. mein guter Junge, daß Du so weichherzig bist." Freddy' O, ich weine nicht darum. Mama. Ich wollte die Fliege selbst todtschlagen." Ueber die Taxe. Der Bader - Sepp ist dem Wirths - Stefsl schon lange zehn Mark schuldig, kann sie aber nicht bezahlen. Weißt' was." sagt der Sepp endlich aus wiederholte Mahnung, gibst mir für die 10 Mark a' g'hörige Watsch'n dann sind wir quitt!" Der Steffl ist mit dieser Art der Schuldentilgung einverstanden und versetzt dem Sepp sofort eine Ohrfeige, daß er einen Purzelbaum schlägt. Der aber steht ganz gelassen wieder auf und sagt: Du. hör' amal. die war doch a' bißl z' stark! Da krieg V no' 5 Mark 'raus!"
Aerzte.
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Kurze Depeschen. 7. Februar. Inland. C i n c i n n a t i. Dr. Ch. W. Dodd. ein bekannter Arzt, ist plötzlich gestorben. Lima. O. In SUd Lima stieß ein Passagierzug der Wheeling & (5nc mit einem Frachtzug der Chicago & Erie Bahn zusammen. 2 BahnBeamte wurden leicht verletzt. B on k e r s . N. Y. I. B. VoU gate, 1818 geboren, ist einer langen Krankheit erlegen. Im Bürgerkriege organisirte er die New Vorker Gold börse, deren Präsident er viele Jabre lang war. Washington. Das Post.Tpartement bewilligt den etwa 20.000 Landdriesträgern des Landes am Februar. Washington'S Geburtstag, einen Feiertag.
I n f r e ve n t l i che r We i se sein Leben auf's Spiel gesetzt hat in Berlin neulich Nachts ein jugendlicher Arbeiter, der im Verlauf txnti 93 i reise mit drei Kameraden die Wette eingegangen war. am Mühlendamm Über zertrümmerte Eisschollen hinweg die Spree von einem Ufer zum anderen zu passiren. lin Glas Bier und ein Schnaps sollte der ..Preis" dieser Wette sein. Der offenbar etwas an getrunkene Wagehals, den seine Kum pane zu dem gefährlichen Bravourstückchen noch anfeuerten, kletterte über ei nen an der Fischerbrücke verankerten Schlepper hinweg auf die Eismasse, die sich durch den Berkehr der 5rähne am Tage gelöst hatte. Auf den größeren Eisschollen war der Verwegene sprung weise bereits bis zur Mitte des Stromes gekommen, als er plötzlich ausglitt und in's Wasser stürzte. Zu feinem Glücke konnte er eine. Eisscholl errei chen und sich an ihr wieder emporwiu den. Auf demselben Wege kehrte der zu Tode Geängstigte wieder zum Ufer zurück. Die Wette aber hatte er verloren. Ein blutiges Gefecht zwischen Briganten und Caradlnie hat dieser Tage bei Bisacquino avv Si cilien stattgefunden. Die Gendarmen überraschten rie Räuber an einem Bauernhause; bald knallten auf beiden Seiten Schüsse, und auch aus den Fenstern des Hauses wurde gefeuert. Der Gendarm giletti war bereits nach de ersten Schüssen aefallen, und seine Ge" fährten Biöconti. Ganci und Furnari wurden schwer verwundet. Plötzlich hörte das Schießen auf. und die UNverletzt gebliebenen und die verwundeten Gendarmen drangen mit wahrem Heldenmuth ein. Sie fanden in einer Blutlache den berüchtigten Räuber Mirto als Leiche, der mehrere Kugeln im Leibe hatte. Er war schon seit vielen Jahren wegen seiner zahlreichen Verbrechen der Schrecken der Provinz Palermo. 3000 Lire waren dem zugesagt, der ihn lebendig oder todt einliefern würde. Im Hause trafen die Gendarmen noch fünf Räuber, die alle gefangen und in Ketten gelegt wurden. Drei von ihnen gehörten zu Mitro'S Bande; die anderen beiden scheinen nur Hehler gewesen zu sein.
