Indiana Tribüne, Volume 27, Number 139, Indianapolis, Marion County, 3 February 1904 — Page 3
Jndiana Tribüne, Februar 1904U
Der Panama - putsch im Senat.
Riefige Mehransgabe wird die Penfians-Borlage bedingen.
flüchtiger Rassirer. Millionen - Corporaticnen in Schwulitäten. fünf Rinder verbrannt. Berathungen im ause.
Congretz.
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' Senat. Im Senat ftand heute der Antrag Bacon, Untersuchung der Ansprüche Eolombias gegen Amerika anläßlich die Panama VedokK betreffend, auf der Tagesordnung. Als erster Redner trat Senator Fairbanks auf, der hauptsächlich die Frage behandelte, ob den Ver Staaten die Mitschuld an der Panama-Revolte zur Last falle. Er betonte, wie wichtig es sei. diese Beschuldigung als grundlos nachzuweisen. So lebhaft wir einen Canal wünschen, noch viel mehr liegt uns daran, daß er ohne irgendwelche Flecken auf der nationalen Ehre gebaut werden tarn." Nach weiteren Ausführungen bemerkte der Senator, wir seien nicht in Zweifel darüber gelassen, wie sich die Ver. Staaten in Verbindung mit der Revolte verhalten hätten. Sekretär Hay wies in seiner Note vom 1. Jan. an General Reyes die Anklagen, daß unsere Regierung an der Revolution betheiligt war, als jeder Begründung entbehrend" zurück. Dieses emphatische Dementi des Staatssekretärs werde das amer. Volk ohne Frage oder Zweifel annehmen. Den Schluß der Rede bildete ein Resume über die durch den Panama-Fall geschaffene Sachlage.
Auf Senator Fairbanks folgte Senator Clarke (Arkansas), der eine Rede zu Gunsten des Vertrags hielt. Er erklärte, daß er die Politik des Präsidenten in jeder Hinsicht unterstütze. Ueber die Frage der Klugheit beim Bau eines Jfthmus-Canals lasse sich nicht länger discutiren. Die Anerkennung PanamaS fei völlig ordnungsmäßig und im Einklang mit Präcedenzfällen erfolgt. Der Senator bedauert, nicht mit denjenigen feiner demokratischen Collegen übereinstimmen zu können, welche sich der Ratification des Vertrags widersetzen, macht aber zugleich darauf aufmerksam, daß viele Gegner des Vertrags aufrichtige Freunde eines Jfth-. mus-Canals seien. Er könne keine Obstruktionspolitik treiben gegenüber einem Unternehmen, an dem das ganze Land interessirt sei, weil vielleicht nicht alle Handlungen des Präsidenten Beifall verdienen. Redner stellt zugleich die Absicht in Abrede, den Präsidenten tadeln zu wollen; denn angesichts der großen Provo-
kation durch Columbia setze ihn bei einem Manne von des Präsidenten Temperament deffen Vorgehe nicht in Erstaunen. Es überrasche ihn sogar, daß man in Washington den PanamaAufruhr nicht noch mehr ermuthigt habe. Haus. Das Haus berieth über den Antrag der Geschäfts-Ordnungs-Commission, dem Porto-Rico Commiffär Degaten die Redefreiheit im Hause und Vertretung im Ausschuß für Insel Angelegenheiten zu gewähren. Minderheitsführer Abg. Williams münschte Zurückverweisung des Berichts an die Commission, um dem Commissar alle Rechte eines Territoriums-De-legaten zu verleihen. Für die Debatte wurden 40 Minuten gestattet. Abg. Cooper ffiisc unterstützte den Antrag, obwohl er glaube, daß Porto Rico mit seiner Million Einwohner ebeuso zu einem Delegaten berechtigt sei wie Hawai mit weniger als 200,000 Einwohnern. Nach einigen weiteren Bemerkungen von Williams m d Grosvenor (hio) wurde der Antrag angenommen und der Sprecher kündigte die Ernennung des Herrn Delegaten als Mitglied des Insel. Ausschuffes an. Es kamen sodann Vorlagen auf dem Privat-Calen-der zur Berathung.
t William Whitney
Nach einer Operation gestorben.
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Flüchtiger C a s s i r e r. A l t a m o n t, Mo., 2. Febr. Gegen den Casfirer der Bank von Alt mont, De Ford, ist wegen Unterschlagung von $21,000 ein Haftbefehl erlassen ; er hat aber bereits die Stadt verlaffen. Die Bank ist in Händen eines vorläufigen CsncurSverwalterS.
Ersatzklagen. Victor, Col., 2. Febr. Anläßlich der Militär.Herrschaft im StreikDistrikt wurden heute im Diftrikts-Ge-richt Schadenersatzklagen von einer Million eingereicht. Die Beklagten sind Gouverneur Peabody, General Chase und andere MilizOffiziere. Fünf Kinder verbrannt. CouncilBluffs, Ja., 2.Febr. Die Wohnung von P. Chriftianson wurde heute durch Feuer zerstört; seine fünf Kinder, das älteste 11 Jahre, ka. men in den Flammen um und seine Gattin ist lebensgefährlich verletzt. Querkopf im Weißen Hause. Washington, 2. Febr. Im Weißen Hause wurde N. Aldrich aus Edwardsville, Jll., verhaftet, als er den Präsidenten sehen wollte, um über territoriale Exyansion" zu discutirenr Er widersetzte sich nicht und soll auf seinen Gesundheitszustand untersucht werden. Nachtragsbewilligung sVorlage. Washington. 2. Febr. Die Senats - Commission amendirte die dringliche Nachtrags BewilligungsVorlage auf 816,378,216, um 85, 852,216 mehr als die Haus-Bewilli-fe, ' S ' 1 J u -ii
gung. Va jeoocy rner öle Anlelye für die St. Louiser Ausstellung einbegriffen ist, so beträgt die wirkliche Erhöhung nur $752,216.
860.000.000 mehr für neue Pensionen. Washington, 2. Febr. Die neue allgemeine Penfionsvorlage, welche allen Veteranen des Bürgerkriegs, sofern sie nur 90 Tage der Unionsarmee angehört haben, gleichgiltig ob sie je Pulver gerochen hätten oder nicht, eine Penston von 812 pro Monat zuspricht, dürfte noch viel Staub aufwirbeln. Die Einreichung dieser Bill ist auf die Agitation der Pensionsanwälte zurückzuführen, welche nach neuen Einnahmequellen streben, und die Grand Army wird vorgeschoben als der angeblich fordernde Faktor. Der Zeitpunkt ist schlau gewählt; eine PräfidentschaftsKampagne steht bevor, und die Urheber des Vorschlags können mit den Vetera-nen-Stimmen drohen, um ihre Forderung durchzusetzen. Durch solche Drohungen lassen die Politiker sich gewohnlich in's Bockshorn jagen, und zu
verwundern wäre deshalb nicht, wenn
der Congreß. aus Angst davor, sich zur Passirung dieser Maßregel verstehen würde. Nach konservativer Schätzung muß das Inkrafttreten einer solchen Maß-
regel dem Schatzamt jährlich mindestens 60 Millionen kosten, so daß die PenfionSzahlungen pro Jahr auf mehr als 200 Millionen anschwellen würden. Das Schatzamt ist unter den gegenwärtigen Verhältniffen nicht in der Lage, diese zusätzliche Bürde zu tragen; wird dieselbe forcirt, so muß, um den Panamakanal zu bauen, entweder eine Bond - Emission erfolgen, oder die Steuerschraube muß von neuem angezogen werden. Kriegsrecht aufgehoben. CrippleCreek, Col., 2. Febr. Alle Gefangenen wurden heute den Civilbehürden überwiesen. John M. Glover, früherer Miffourier CongreßAbgeordneter, der beschuldigt war, einen Mordversuch auf zwei Milizler gemacht zu haben, sowie der Ardeiterführer Parker wurden gegen Bürgschaft entlasten. Vom Schatzamt. Washington, 2. Febr. Der heutige Ausweis zeigt, die Goldreserve von 8150,000.000 nicht eingerechnet, einen Baarbeftand von 8227,817.430; Gold 598.134,140. Fährboot im EiS. C i n c i n n a t i, 2. Febr. Ein Fährboot zwischen New Richmond. O., und California, Ky., das zahlreiche Paffagiere an Bord hatte, gerieth heute durch den Andrang der Eismaffen in die Gefahr deS Sinkens. Das Schiff trieb zwei Meilen umher, bevor es an das Ufer in Sicherheit gebracht werden konnte.
New York. 2. Febr. Der frühere Flotten-Sekretär Wm. C. Whitney starb heute kurz nach 4 Uhr in seinem Heim 871 Fünfte Avenue unter den Händen der Aerzte, die ihn gerade durch Aether für die zweite Operation für Blinddarm-Entzündung zu betäuden versuchten. Als die Aerzte die Gefahr bemerkten, wendeten sie alle möglichen Gegenmittel aber vergeblich an. Der Tod des Patienten wird auf Blutvergiftung, welche in Folge der ersten Operation eintrat, zurückgeführt. Seine Kinder Harry und Dorothy Whitney waren an seinem sSterbelager. Der Verstorbene war 64 Jahre alt. Zwei Feuerwehrleute bei einem Brande umgekommen. K n o x v i l l e, Tenn., 2. Febr. Das sechsstöckige Gebäude der Firma Murphy & Robinson an der Gay Str. wurde durch Feuer zerstört. Die Flammen ergriffen auch das angrenzende Gebäude der Grocer Firma Roß & Co. und der Firma Cullen & Nero man. Während der Löscharbeiten stürzte dasGebälk in denHäusern ein und begrub zwei Feuerwehrmänner unter seinen Trümmern. Der sinanzielle Verlust wird weit über $300,000 betragen. Morgan'sNeffeund die Japanerin. New York, 2. Febr. Eine Depesche aus Vokohama meldet die dort erfolgte Vermählung von G. D. Morgan, eines Neffen von I. Pierpont Morgan, mit der Japanerin Juki Kato. Der junge Mann lebt seit 2 Jahren in Japan. Demokr. Arrangements-Comite.
S t. L o u i s, 2. Februar. Im Southern Hotel trat heute das Arran-gements-Comite des demokratischen Na-tional-Comites zusammen. Alle Mitglieder, anßer I. McLean aus Ohio, waren anwefeud. Die Commission ist voraussichtlich zwei Tage in Sitzung, um die Vorbereitungen für die Convention zu treffen. Ein Comite der Liga d-r Geschäftsleute gab die Versicherung
ab, daß keine Erhöhung der HotelPreise ftattsinden werde. Tödtlich verlaufener Streit L o u i s v i l l e, 2. Febr. I. K. Shraoer, ein junger Anmalt, der bis kürzlich als Hilfs-Staatsanwalt fungirte, ist heute im Hospital einer Kugelwunde erlegen, die ihm Nachts W. E. Neal aus Oroensboro, Ky., beigebracht hatte. Der Vorfall ereignete sich im Reftaurant deS Capital Hotels und soll dte Folge eines Streites sein, in welchem der Name von Frau Neal genannt wurde. In Händen von MassenVerwaltern. Houston, Tex., 2. Febr. Die Kirby Lumber Co. und die Houston Oil Co., die oeiden größten Corporationen im Staate, sind in den Händen von Maffenverwaltern. Die Lumber Co. ist mit 810. 000,000, die Oil Co. mit $30,000,000 kapitalifirt. GeiftlichesGericht. W i l m i n g t o n . Del., 2. Febr. Pastor Robert Elwood wurde vom Newcastle Presbyteriat schuldig befunden durch seine Predigt die Lynchung des Negers White ermuthigt zu haben. Einem Comite wurde es überlasten die Strafe für Pastor Ellwood zu be-stimmen.
Kurze Depeschen.
2. Februar. Inland. New Bork. Wm. Burgeß, der die Marschall Niel Rose hier einführte, ist gestorben. Albuquerque, N.M. M. S. Otero, wohl der reichste Mann in N. M., früher Congreß - Delegat, ist gestorben. 4 Houston, Tex. Gegen die Kirby Lumber Co., eine der größten Cvrporationen ihrer Art im Südwesten, wurde das Conkursverfahren eröffnet. Schiffsnachrichten. Angekommen. Antwerpen: Kroonland" v;n New Bork. Cherbourg: Kaiser Wilhelm II." von New Bork.
UuMschcr olksuntcrricht. Volksschulen. Lehrkräfte. Verwaltung und osten des Unterricht. Nach einer Statistik des Volksunterrichtswesens im russischen Reich betrug im verwichenen Jahre die Zahl sammtlicher Volksschulen des russischen Reichs 88,544, von denen 40,131 zu dem Ministerium der Volksaufklärung gehörten, während die übrigen Schulen andern Ministerien und Verwaltungen, hauptsächlich aber dem Geistlichen Ressort (42,588 Schulen) unterstanden. Von der Gesammizahl der Schulen entfielen auf die Städte 9144 und auf die Dörfer 73,006. In sämmtlichen Volksschulen wurden 66,177 Erwachsene, 3,291,694 Knaben und 1,203,902 Mädchen unterrichtet. Die Gesammtzahl der Lehrenden überstieg 172,000. wobei auf 100 Unterrichtende durchschnittlich 55 Lehrerinnen und 45 Lehrer kamen, doch gab es einzelne Gouvernements, in denen die Zahl der Lehrerinnen den mittlern Durchschnitt weit überstieg, wie in den Gouvernements Perm, Moskau und Wjatka, in denen man auf je 100 Lehrende 66 bis 75 Lehrerinnen zählte. Der jährliche Unterhalt sämmtlicher Schulen im Reich belauft sich aus über 50,000,000 Rubel (1 Rubel gleich 100 Kopeken gleich 76 Cents), wobei die größte Ausgabensumme (11.484,134 Rubel) auf Rechnung der Landschaft und (10,372,653 Rudel) auf Rechnung des Staats kam; die Landgemeinden verwenden jährlich über 8,000.000 Rubel zu diesem Zweck, und für den Unterricht gehen jährlich an Zahlungen gegen 3,000,000 Rubel ein. Die größte Ausgabe auf die Einzelperson der Bevölkerung fällt auf die Gouvernements Moskau, gegen 1.38 Kopeken, und Petersburg, gegen 1.21 Kopeken, während die Bevölkerung des Gouvernements Ssamara am wenigsten auf die Volksbildung verwendet. Der Unterricht des einzelnen Schülers kommt in den Schulen des Ministeriums der Volksaufklärung, in den einklass'zen städti-
scheu über 19 Rubel und in den emklassigen Landschulen unter 10 Rubel im Durchschnitt zu stehen, während rie Unterrichtskosten in den zweiklasstgen Schulen zwischen 14 Rubel in dn ländlichen und 19 Rubel in den städtischen schwankten. Chinenickc Restaurants. Chinesische Köche und chinesische Speisen gewinnen in den Ver. Staaten immer größere Popularität. Es gibt kaum noch eine amerikanische Stadt, die nicht ihr chinesisches Restaurant besitzt, das auch von Kaukasiern allr Volksklassen gerne besucht wird. Das ist nicht gerade verwunderlich, denn der bezopfte Sohn des Reichs der Mitte ist, wie der Franzose, ein Künstler auf
kulmarischem Gebiete; seme Speijen sind durch besondere Schmackhaftigkeit dem verwöhntesten Gaumen angenehm, und die chinesische Küche ist durch seltene Reinlichkeit ausgezeichnet. Dazu sind die chinesischen Restaurants oft überaus geschmackvoll ausgestattet; ive zierlichen, kleinen Tischchen zeigen gewöhnlich kunstvoll ausgeführte Ein-lege-Arbeit. Viele dieser orientalischen Speiselokale sind so eingerichtet, daß die Gäste das Restaurant durch die Küche betreten müssen. Sie finden dann Gelegcnheit, die peinliche Reinlichkeit und Ordnung in der Küche anzustaunen. In jedem chinesischen Restaurant liegen neben dem bei uns gebräuchlichen, aus Gabel und Messer bestehenden Besteck zwei Elfenbeinstäbchen, die im Reiche der Mitte dessen Stelle einnehmen. Vielen kaukasischen Gästen macht es natürlich Spaß, mit diesen beiden Stäbchen zu essen. Die Speisen sind alle schon in der Küche so hergerichtet, daß man der Dienste des Messers mit Leichtigkeit entbehren kann. Brod findet man selten in den chinesischen Restaurants; statt dessen wird zu allen Speisen gedämpfter Reis servirt. Selbstverständlich fehlt zu keiner Mahlzeit der in kleinen Tassen aufgetragene chinesische Thee, der jedoch ohne Cream und Zucker genossen wird. Bei einer chinesischen Mahlzeit spielt das Dessert eine große Rolle. Man macht Salate aus Chrysanthemum-, aus Veilchen- und Rosenblättern und Orangenblüthen, die ihres deliciösen Geschmacks wegen alle Feinschmecker zu Aeußerungen der Bewunderung hinreißen. Teutsche in Chile. Die Deutschen stehen in Chile nicht nur als Erzieher und Gelehrte in hohem Ansehen, sondern auch als Aerzte und Apotheker; ebenso erfreuen sie sich wegen ihrer Tüchtigkeit in Handel, Gewerbe und Landwirthschaft eines weitverbreiteten vorzüglichen Rufes. Die im Allgemeinen günstige soziale Stellung, die die Mehrheit der Deutschen in diesem Lands Annimmt, hat allerdings auch den Ncd und die Eifersucht der Einheimischen erweckt, die, wenigstens was den großen Haufen betrifft, ihnen geistig bei Weitem unterlegen sind. Die tiefe Kluft, die die dortigen Deutschen in geistiger, sittlicher und auch in wirthschaftlicher Hinsicht von der Mehrzahl der Einheimischen trennt, trägt (neben der geographischen und ethnographischen Abgeschlossenheit der von den Deutschen in Südchile besiedelten Gebiete) wesentlich dazu bei, daß sich jene ihre deutsche Sprache und Eigenart rein erhalten haben und wohl auch erhalten werden, zumal das romanische Element, wenigstens hier, dem germanischen nicht feindselig gegenübersteht.
Cliinellsches eichenbegängniß. Wie der Eisenbhndirettor Tcheng seinen verftorbenen Bater el,rte. Die Chinesen sind im Allgemeinen sparsame Leute. Die Macht der Sitte ist im Reiche der Mitte aber so groß, daß man sich unter Umständen viel lieber in Schulden stürzt, statt Sparsamkeit zu üben. Keine Familie würde es z. B. über das Herz bringen, zu Neujahr hinter ihren Nachbarn an Schmausereien zurückzustehen, auch wenn sich die Folgen davon für den Geldbeutel auf Monate hinaus in empfindlichster Weise bcmerklich machen sollten. Ebenso ist es bei B:erdigungen. Ganz arme Schlucker, für die ein einziger Dollar ein kleines Kapital ist, haben nicht selten jahrelang darunter zu leiden, daß sie ihren verstorbenen Vater nicht in einem dünnen und billigen Sarge bestatten lassen wollten, sondern durchaus in einem von dickem Holz, der wenigstens $15 bis $20 kostet, da Holz in China theuer ist. Wer aber als wohlhabender Mann bekannt ist, muß unbedingt für ein stattliches Leichenbegängniß sorgen, wenn einer seiner Angehörigen gestorben ist. Der bekannte Eisenbahndirektor Scheng, eine? der reichsten Leute Chinas, der vor einiger Zeit seinen Water verlor, hat es sich nicht nehmen lassen, hierin alles zu überbieten, was Shanghai in dieser Beziehung bisher gesehen hatte. Nach chinesischer Sitte blieb der starke Sarg mit der Leiche erst einige Monate im Hause stehen, bis die Zeichendeuter einen günstigen Tag für die Bestattung gefunden hatten. Schließlich wurde ein Tag festgesetzt. An demselben bewegte sich der aus mehr als 2000 Personen bestehende Zug drei Stunden lang durch verschiedene Straßen der Stadt. An der Spitze ritten vier Sikhs, denen zwei Figuren auf Rollwagen folgten, die dem Tcdten in das Jenseits voraufeilenden Kuriere. Natürlich fehlte es nicht an der ohrenzerreißenden chinesischen Musik. Auf die Musik folgten groteske Figuren zu Pferde und dann Soldaten zu Fuß mit fürchterlichen Hellebarden und Dreizacken. Eine lange Reihe von Kulis, die Banner und Schirme trugen, darunter sehr schöne und kostbare Exemplare, schloß stch an. Dann kamen wieder Soldaten, die ganz g?müthlich rauchten und Früchte verzehrten, und Priester, letztere in höchst auffallende Gewänder gekleidet und mit Weihrauchstäben in den Händen. Hierauf folgten mehr als 50 von ausländischen Bekannten des Eisenbahndirektors gesandte Kränze; ste wurden an Vambusstangen getragen. Nun erst kamen die eigentlichen Leidtragenden, sowie der von nicht weniger als 64 Kulis getragene, über und über mit Blumen bedeckte kostbare Sarg. An der Bahre fehlte der unvermeidliche wild aussehende Drache nicht, während an dem Sarge ein silberner Storch als Symbol der Langlebigkeit angebracht war. Die nächsten Angehörigen schriiten vor dem Sarge; ste waren aber den Blicken der neugierigen Menge durch eine Art beweglichen Zeltes vollständig entzogen. Den Beschluß des Zuges bildeten die in Tragsesseln sitzenden Freunde des Verstorbenen. Erwähnt sei noch, daß ein geschlachteics Schwein, eine todte Ziege und andere für Mahlzeiten bestimmte Gegenstände im Zuge waren, um mit in die andere Welt zu gehen, wie das Volk glaubt. Die Kosten für dieses großartige Leichenbegängniß wurden auf $17,500 bis $20,000 geschätzt. Gräberfunde in Zürich. Vor einiger Zeit wurde in Zürich für die Fundamente einer neuen städtischen Turnhalle Grund ausgehoben. Ein vorübergehender Realschullehrer von Außersiyl sah, daß die Arbeiter aus dem Boden hervorgezogene menschliche Knochen auf die Erdhaufen warfen. Er theilte seine Wahrnehmung sofort der Direktion des Nationalmuseums mit, und diese ließ den Platz untersuchen. Es zeigte sich, daß die zum Vorschein gekommenen menschlichen Gebeine zu einem Begräbnißplatz der alemannisch-fränkischen Periode, wahrscheinlich des 6. Jahrhunderts gehörten und in die Zeit des Sieges des Chlode,vig über die Alemannen zu datiren sind. Einige der Todten lagen ohne Umhüllung in der Erde, andere lagen auf eineni Holzbrett. In einigen Gräbcrn fanden sich Spuren von Särgen in Trapezform, das sind solche Särge, die mit der schmalen Seite auflagen, so daß der Todte auf die Seite zu liegen kam. In der Nachbarschaft der Fund stätte bei Außersthl und Wiedikon wirden noch weitere Funde aus dieser Zeit gemacht. Sie sind in das Nationalmuseum in Zürich gekommen.
Aerzte.
DR. F. M. PRAY, Spezialift. Auge, Ohren, Nase und 81 Ost Ohio Straße, Indianapolis. Hu,
Interessanter Erlaß. Der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten hat bekannt gegeben, daß eine gewaltsame Verhinderung der Reisenden am Ein- und Aussteigen bei fahrenden Zügen vermieden werden soll, weil hierdurch in der Regel die Gefahr vergrößert, nicht selten aber auch erst herbeigeführt wird. Es soll lediglich eine rechtzeitige Warnung der Reisenden erfolgen und bei ZuwiderHandlungen die Persönlichkeit festgestellt werden, damit Bestrafung eintreten kann. D i e Ordensländereieti auf den Philippinen gingen gegen Zahlung des Betrages von $7,210,000 in Gold in den Besitz der Ver. Staaten über.
0R. C L. RITTER, Newton Clayvool Gebäude, immer 232-253. N.ue Telephon 4l Vnnsylvata und Ohio Str.) 2. Stock Office. Stunden: 9 bis 10:30, 2 bis 3:30 Uhr 7 bis 8 Uhr Abends am Mont 'g. Dienstag, Donnerstag, Samstag. ohnuna: 144 Prospekt 5,ra,e, stunden : S Uhr ormi.tags uud l Uhr Nachmittag. Neues Telephon 93.
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Einerschütternder Vorfall hat sich in der ungarischen Ortschaft Groß - Kaniza ereignet. Dort lebt ein Mann Namens Deutsch, dessen beide Söhne Max und Emerich an unheilbaren Krankheiten litten; die fortwährenden Kosten für die ärztliche BeHandlung seiner kranken Kinder brachten Deutsch in eine sehr schlechte Vermögenslage. Um nun den Vater von der drückenden Last zu befreien, fahte der 18jährige Max den verzweifelten Entschluß, seinen neunjährigen Bruder und sich selbst umzubringen. Er gab dem Knaben Morphium, und als der Bruder eingeschlafen war, tödtete er ihn durch einen Revolverschuß. Dann richtete er die Waffe gegen sich selbst, wurde aber von herbeigeeilten Hausbewohnern gehindert, Selbstmord zu begehen. Max Deutsch hatte einen Abschiedsbrief geschrieben, in dem er ausführte, daß er durch seine That nur seine Eltern befreien wolle. Die Staatsanwaltschaft beließ den unglücklichen jungen Mann mit Rücksicht auf seinen leidendenZustand auf freiem Fuße. Ein Schadenersatzprozeß, in welchem es sich um ein'n Vorfall während der Präsidentschafts - Campagne im Jahre 1900 handelte, ist dieser Tage in einem New Dorker Gericht entschieden worden. In demselben wurden Jacob Turfield von Birmingham, Ala., von den Geschworenen 10,000 Schadenersatz zuerkannt. Der Prozeß drehte sich um den Tod des Sohnes Durfield's, der sich im September des Jahres 1900 zum Besuche in New Jork aufhielt. Es war am 12. September genannten Jahres, als der junge Durfield die Ecke des Broadway und der Duane Straße passirte. Zur Zeit tobte ein orkanartiger Sturm, der ein mächtiges Bryan Banner, welche? Tammany Hall an genannter Straßenecke und quer über den Broadway hatte anbringen lassen, herabwehte. Durfield wurde von einer der herabfallenden Vannerstangen getroffen und augenblicklich getödtet. Die Klage war sowohl gegen die Stadt als auch gegen die Firma gerichtet, welche das Banner angebracht hatte. Im Laufe der Verhandlungen wurde behauptet, daß die eine der beiden eisernen Stangen, und zwar diejenige, welche den Durfield getödtet hatte, defekt war. Sowohl die Stadt als auch die erwähnte verklagte Firma suchte geltend zu machen, daß der Unfall höheren Gewalten zuzuschreiben sei und daß von Sorglosigkeit seitens der Firma nicht die Rede gewesen wäre.
