Indiana Tribüne, Volume 27, Number 138, Indianapolis, Marion County, 2 February 1904 — Page 7

Jndiana Tribüne, S. Februar 1904

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Der Aeversall von Tcacup Can-qon.

Auch eine Kiinstlergchichte vom fernen besten. Von F 3. 1. Das nennen sie einen TarantellaTanz! Und diese bedauernswerthen Americanos rufen Bravo und Dacapo dazu, werfen ihnen die Geldstücke in den Hut und erzählen daheim ihren Freunden, daß sie den Tarantella e sehen hätten, wie er in seiner Heimath getanzt wird. Potztausend! An einem kühleren Tag werde ich selber einmal aufstehen und diesen Kerlen zeigen, was Tanzen ist, wäre es auch nur für die Ehre meines Landes!" Es war unter dem blauen Himmel des schöneil Sorrent, wo eine Partie Fremden - Belustiger für klingenden Lohn diesen Tanz aufführte, und ein schon etwas älterer und beleibterer Ortssasse die obige Kritik gegenüber seinem deutschamerikanischen Freunde

losließ. Ordentlich böse kann es mich machen, Signor, diese plumpen Capriolen und Grimassen zu sehen," fügte der Kritiker eifrig hinzu. Ach, vor zwanzig Jahren gab es Wenige, die ich im Tanz meine Meister genannt hätte. Wie gerne tanzten ich und Meinesgleichen einem des Weges kommenden Cavalier zu Gefallen den Tarantella aus freier Lust und Liebe; aber ich glaube, wir hätten den Schelm niedergestochen, der uns mit dem Ansinnen gekommen wäre, aus der AusÜbung einer Kunst, welche zu den Titeln unseres Nationalstolzes gehört, ein schnödes Geschäft zu machen! Doch ja, einmal haben ich und einige Freunde uns dazu erniedrigen müssen weit drüben bei Euch war es es war die traurigste Zeit meines Lebens, aber eine sehr denkwürdige . . ." ), bitte, verschweigen Sie mir das doch nicht, drang der Deutschameritaner in ihn, als er sah, daß die Lippen sich zornig schließen wollten; die Kunst geht nach Brot, warum nicht manchmal auch die des TarantellaTänzers? Das thut meiner Hochachtung für Sie gewiß keinen Abbruch." Na, Ihnen zu Liebe sei es, der Sie gewiß auch schon genug von den Höhen und Tiefen des Lebens in der neuen Welt gesehen haben," fuhr der Sorrentiner und ehemalige Amerika-Aben-teurer etwas ruhiger fort. Ich will eine lange Geschichte kurz machen: 2. Fast genau zwanzig Jahre sind es her, daß mein unvergeßlicher Freund Pietro, seine herrliche Gattin Lucia und ich an den sogenannten gastlichen Gestaden Amerikas landeten. Diese miserablen glattzüngigen Auswanderungs - Agenten! Was hatten sie uns nicht Alles von dem Lande des Goldes und den hohenLöhnen vorgeschwindelt! Fünf Jahre lang führten wir das reinste Segfeuer Leben. Dann drangen Geschichten von reichen westlichen Bergwerken an unser Ohr, und auf diese Karte wollten wir noch setzen. Wir veräußerten die letzten paar Sachen, die wir noch hatten, und schlössen uns einem Wageizuge an, der über's Land nach Californien strebte. Schon näherten wir uns dem Ende unserer langen und strapaziösen Reise. Nur noch zwji bis drei Tage würden vergehen sagte man uns bis wir in die Nähe des Goldenen Thores kämen. Mehrere Bergbauer - Orte hatten wir schon passirt. Seit fünf Iahren waren wir nicht mehr so lustig gewesen, so leer auch unser Beutel war. Sogar ich, Schwarzseher wie ich immer war, wurde von der allgemeinen Lustigkeit etwas angesteckt. Lucia lächelte beständig und zeigte ihre schönen Zähne, als wären sie eben erst gewachsen. Pietro aber sang und trällerte in Einem fort, und als er vom Wagen sprang, welcher in einem Hüttengebauten Flecken für die Nacht rastete, und einen schmutzigen Hofraum überquerte, machte er über einen niedergebückten Stallknecht hinweg einen Luftsprang und eine Wirbelbewegung so kühn, daß alle Beistehenden bewundernd Augen und Ohren aufsperrten, als der Springer auf der obersten Stufe einer Treppe gelandet war. Das war nichts weiter, als ein Ausbruch toller Fröhlichkeit meines leichtbeschwingten Freundes gewesen, bei allen Heiligen, wenn ich eine Ahnung davon gehabt hätte, welche entscheidende Wirkung dieser kleine Scherz auf unsere Zukunft zu üben bestimmt war, und wie schnell! Ei, thun Sie das noch einmal." Die Worte kamen von einem fetten Mann, mit dickem Hals, derben Gesichtszügen, aber gutmüthigem Lächeln, der gerade vorüberging und wie gesparnt stehen blieb, als er Pietro's Wirbelsprung sah. Pietro's Stirn runzelte sich. Bon einem Fremden sich etwas befehlen lassen? Er kehrte ihm einfach den Rüaen. Der Fremde aber zog lachend den Hut, und näher tretend und sich verbeugend, sagte er zu Pietro: Würde es Ihrer Höflichkeit belieben, dieses Prachtstückchen zu wiederhol len?" Das klang ein wenig anders. Pietro, schnell umgestimmt, schoß nochmals in die Höhe, trat ein PferdeKummet, das sieben Fuß über dem Boden hing, vom Nagel weg und fing es beim Fallen über seinem Kopf auf. Dabei grinste er wie ein Faun. Der dicke Fremde klatschte entzückt

in die Hände. Kommt mtt mir!" rief er uns Allen zu und lootste das ganze Trio nach einer Wirthschaftsstube, wo er ohne ein Wort der Erklärung Fleisch und Getränke für uns bestellte. Himmel, was thaten wir dieser Mahlzeit Ehre an, nachdem wir länger als einen Monat auf dem Prairiewagen fu gerpfoten gesaugt! Erst als wir fertig waren und wir übereilten uns wahrlich nicht ergriff unser fetter Gönner das Wort. Er fragte, ob wir Alle tanzen könnten. Wir uno ob! Auf der Stelle legten wir eine Probe ab, die den Amerikaner zu enthusiastischen Beifalls - Bezeugungen hinriß. Vielleicht hatten wir noch nie zuvor so gut Tarantella getanzt, zumal auch der Wein in unseren Köpfen seine Wirkung that. Andere Gäste wollten auch hereinkommen und den Tanz mit ansehen. Aber unser Gastgeber trieb sie fluchend zurück und verschloß die Thüre.

Erst dann weihte er uns in feinen

Plan ein. Er war der Besitzer so einer

Wirthschaft und Tanzhalle, wie sie den

westlichen Vergbauer - Orten eigen tst, und Abend für Abend gab es hier

Piano-, Concert-, Tanz-, Taschen-

spielerei- und sonstige Unterhaltung für Vergbauer und Andere. Und er bot uns 5 Dollars pro Person und Abend, wenn wir vor seinen Gästen tanzen würden, und fügte hinzu, wenn wir dem Publikum gefielen, so werde diese Einnahme durch freiwillige Gaben der Zuschauer verdreifacht werden. Das war Musik für unsere Ohren glauben Sie? Pietro that einen tiefen Athemzug und sah mich an. Auch ich konnte dieses Gericht nicht schlucken. Sich zum Poenreißer für einen Haufen wildwestlicher. Desperados zu machen, wir, die wir bei so manchem WettTanz in Neapel und Sicilien die Palme davongetragen hatten? Ich schüttelte den Kopf. Aber wir hatten ohne Lucia gerechnet! Männchen," sagte sie, indem sie ihre Hand auf Pietro's Arm legte, sieh einmal, wir haben nichts, wir sind in einem fremden Lande, wir sind ausgehungert. Ist es zuviel, was man von uns verlangt? Haben wir ein Recht, so stolz zu fein?" Pietro blickte in ihre flehenden Augen und auf ihre eingefallenen Wan-

gen und wurde wankend. Hunger, für uns Männer wäre das noch immer nicht fchlimm gewesen, aber für Lucia? Hatten wir ein Recht, sie diesem Loos zu überantworten, wenn wir es verhindern konnten? Diese Erwägung gab den Ausschlag, bei Pietro und bei mir. Wir gingen ohne weitere Bedenken auf die Offerte unseres neuen Freundes ein. Pietro sagte zu uns noch: Wenn wir so etwas überhaupt thun, wollen wir es auch ordentlich thun!" und wir hielten eine zanze Stunde lang Tanzprobe. Sapperlott! Pietro übertraf an jenem Abend sich selbst. Wir waren selber verblüfft davon, was er im Theater wenn man es so nennen will, es war eigentlich nur eine Scheune Alles 'leistete. Er trat wassergefüllte Gläser von einer sechs Fuß hohen Stange weg und fing sie auf, ohne daß ein Tropfen verloren ging; er schnellte Lucia's Hut mit dem einen Fuß vom Kopf und ließ ihn auf dem andern Fuß herumtanzen u. s. w. Und was für einen Tarantella wir lieferten! Kurzum, wir feierten auf der ganzen Linie einen vollständigen Triumph und ernteten fort und fort Beifalls - Salven. Die Begeisterung setzte auch die Börsen tüchtig in Bewegung. Nicht nur gab uns unser Padrone das Doppelte dessen, was er versprochen, sondern es regnete Münzen und sogar Goldkörner auf die Äiihne! Volle dreihundert Dollars heimsten wir an jenem Abend ein, mehr als wir in fünf Jahren hatten ersparen können. Mit wild erregten Gesichtern traten wir in dem kleinen Vorgemach zusammen. Lucia brach zusammen und weinte vor Freude. Es war uns Allen zu Muthe, wie Kindern, welche der Schule und der Fuchtel des Schulmeisters entronnen sind. Eine Woche blieben wir, nicht länger. Die Bergbauer selber waren

eine rohe Gesellschafk. aber meistens gutherzig; doch noch allerlei andere Elemente tauchen in solchen Lagern auf. Was vorfiel, habeckch nie bestimmt erfahren; aber Pietro's Lippen schlössen sich wie ein Schraubstock. Ohne Zweifel hatte irgend ein Strolch Lucia in ihrer Weiblichkeit beleidig!. Der Padrone bot uns das doppelte, das dreifache der Gage, aber Pietro blieb diesmal unerbittlich. Es giebt Dinge,Signor, die niemals eine Frage des Preises sein können," das war Alles, was er sagte, obwohl er unserm Gönner herzlich für Alles dankte. Als Lucia ihm Lebewohl sagte, fielen ihre Thränen auf seine fette Hand. 8. Die Herzen höher, als je, von ErWartungen geschwellt, bestiegen wir den nach San Francisco fahrenden regulären Omnibus; die Zeit der Prairiewagen war für uns vorüber. 1000 Dollars hatten wir zur Verfügung, um das neue Leben zu beginnen. Wenn wir in einem Bergbauer - Lager triumphirt hatten, welche Zukunft mochte erst am Goldenen Thor unser warten? Damals ging die Hcmptstraße der Sierras über den Teacup Canyon". Welch großartigeSchlucht mitten durch die Hügel! Verwegen wand sich der

Pfad an den Seiten und schroffen Abhängen empor; es war weniger ein Weg als eine vielgegliederte Trittleiter. Wir hatten nur einen Mitpassagier, einen sehr gütigen und immer ritterlich auf Lucia's Comfort bedachten Amerikaner. Glücklich wie die Vögel, plauderten und scherzten wir beständig und erwarteten, nach einer romantischen Fahrt wohlbehalten an unserm Bestimmungsorte einzutreffen. Mitten im fröhlichsten Geplauder eines Frühmorgens hielt plötzlich der Omnibus mit einem Stoß an. Als tcy den Hop zum Fenner vmaus steckte, da bot sich mir folgendes Bild, das ich nie vergessen werde: Wir umfuhren gerade einen mächtigen Hügel. Der Sonnenaufgang ergoß auf das Ende der Schlucht sein blutrothes Licht. Wie ein Schattenbild hob sich vomMorgendämmerschein eine Mannesgestalt ab, welche mitten auf dem Wege stand, in jeder Faust einen Revolver haltend und starr auf den Lenker und den Wächter des Qmnibusses blickend, die ihre Hände über dem Kopfe hielten. Die sechs staubbedeckten und schwitzenden Maulthiere keuchten. Der Bandit wandte seinen Blick nach uns. Alle aussteigen, meine Herrschaften, und Hände hochhalten!" commandirte er. Ich faßte den Griff der Omnibusthüre, um zu öffnen, als unser amerikanifcher Freund mich zurückstieß. Auch er hatte seinen Revolver. Aber ach! Der Andere war schneller. Zwei Schüsse weckten das Echo der Schlucht. Ein Staubwölkchen an der Felswand zeigte, wo die eine Kugel eingeschlagen hatte, die zweite drang unserem armen Freund in die Stirne und riß den Hinteren Theil des Schädels ab. Er sank gegen die Thüre, sprengte sie dabei auf und stürzte als regungslose Masse auf den Kies! Der Anblick machte unsere Herzen erstarren. Doch zögerten wir nicht länger, dem Befehl des Banditen zu gehorchen und auszusteigen. Dieser gebo t uns, an der Felswand uns aufzustellen, während er unsere Taschen durchsuchte. Auch leerte er die Taschen des Todten aus. Lucia zwang er, ihre langen Aermel und ihre Röcke umzuwenden. Damen haben überall Taschen," bemerkte er, während Pietro's Stirnadern dick aufschwollen. Indeß fand der Raubmörder bei uns nur ein Halbdutzend Geldscheine und einiges Silber. Diese Enttäuschung machte ihn fuchsteufelswild. Er fluchte und beschimpfte uns. Wir müßten noch viel mehr versteckt haben, sagte er; denn er habe unsere Vorstellungen gesehen und könne berechnen, was wir eingeheimst haben möchten. Heraus damit und etwas plötzlich!" schrie er, oder ich ziehe Euch splitternackt aus und reiße Euch die Seele aus dem Leibe." Wir erklärten ihm, daß wir das Geld als Wechsel an eine Bank vorausgesandt hätten, und daß wir keinen Pfennig mehr hätten, als er bei uns gesunden habe. Aber wir logen ihn tüchtig an: Lucia hatte das ganze Geld unter ihrem schönen Haupthaar böchst geschickt eingeflochten, und an eine solche Möglichkeit dachte der Bandit nicht, ein so geriebener Kerl er auch war. Wie so manchmal, hatte die Teufelsrechnung doch noch ein unerwartetes Loch! Der Strolch fluchte wie ein Kümmeltllrke weiter und erschöpfte sein ganzes Lexicon von Schändlichkeiten.

Aber damit konnte er kein Geld hervorzaubern. Wüthend hob er endlich seinen einen Revolver und feuerte unmittelbar vor Pietro's Füßen eine Kugel in den Staub. Verfluchter Hund!" schrie er, Etwas will ich doch von Dir noch haben. Tanze, Du Affe, tanze, ehe meine nächste Kugel Dir zeigt, wie!" Einen Augenblick zögerte Pietro. Sein Antlitz zeigte, welch' ein Sturm in seinem Innern tobte. Mein Herz schlug wie eine Trommel. Ich glaubte und fürchtete schon, Pietro werde in blinder Wuth auf den Hallunken losgehen, aber ein Seufzer, der sich von Lucia's Lippen stahl, brachte ihn zur Besinnung. Er wandte sich ganz gesetzt um, verbeugte sich gegen uns Alle und winkte mir zu, vorzutreten und sein Tanzpartner zu werden. Wir begannen ein Menuet. So ein Tanzen ist gewiß noch selten dagewesen: als Zuschauerschaft einen Raubmörder und diejenigen, deren Leben

davon abhmg, ob unsereKunst ihn zufriedenstellen könnte; als Theater eine Felsspalte in den ewigen Hügeln; als Applaus dieRevolverschüsse, welche der Räuber noch immer um unsere Füße hageln ließ, und als Bühnenbeleuchtung der stets zunehmende Glanz des Sonnen - Aufgangs! Schwerlich könnte das Genie eines Malers einen großartigeren Vorwurf für ein wirkungsvolles Bild finden! Immer wieder tanzten wir; vom Menuet gingen wir zu Saraband aber, von Saraband zu Jig", von Jig" zu Tarantella und endlich zu iinem tollen Cancan mit solchen Sprüngen und Grimassen, daß der Räuber, ganz matt vom Lachen, das Schießen einstellte, uns (.der mit widerhallender Stimme zubrüllte: Holla, lustig, nur immer zu!" Wie wir schwitzten, wie wir keuchten! Und bei alledem machte Pietro, während seine Glieder wie zornige Schlangen über den Staub dahin wirbelten. ein eiaentbümlick ernstes Ge-

pcht, das leidenschastslo? genug für eine Messe war. Immer näher rückte der Bandit, die Hand an der Pistolenhüfte, während er gegen den Schenkel Beifall klatschte und gleichzeitig Bewunderungs-Flüche donnerte. Und weiß vor Schrecken, in athemloscn Zweifelsqualen, standen noch immer Lucia, der OmnibusWächter und der Kutscher mit hochgehobenen Händen da. Jeder Augenblick konnte sie dem Tode weihen. Der Räuber mußte sich mindestens fühlen wie ein hochgeborener Herrscher, für welchen eine Bühnentruppe eine ausschließliche Privatvorstellung giebt; aber wer konnte sagen, was ihm im nächsten Momente beifallen würde? Da warf mir Pietro durch die Staubwolke einen blitzschnellen Blick zu. Mehr durch Instinkt als durch irgend etwas sonst, erfaßte ich die Bedeuiung dieses Blickes '. Wir sollten unserm Peiniger noch näher kommen, und doch sollte zugleich der Kreis unserer gräßlichen Tanz - Komödie erweiter! werden. Pietro brauchte Spielraum. Unmerklich entfernte ich mich allmälig von ihm, und er von mir. Aber noch immer unsere Kreise tanzend und Capriolen machend, hüpften wir fort und fort an einander vorÜber. Der Räuber, welcher von dem Vergnügen gar nicht genug kriegen konnte, grinste über das ganze Gesicht, während seine wohlerhaltenen Zähne durch die Lippen schimmerten, und hetzte uns noch immer weiter an. In einer Hand hielt er noch ein Schießeisen, die zweite steckte lässig in der Tasche. Jetzt war Pietro nur noch eine Dard von ihm entfernt, plötzlich ein dumpfes Aufschlagen und ein gräßlicher Schrei, während der Fuß meines Kameraden in die Lust wirbelte! Der Revolver fuhr aus der Hand des Banditen wie eine Rakete und fiel gegen die Felsklippe nieder, und blitzschnell war der linke Schuh Pietro's auf der Brust des Schurken wuchtig gelandet! Der Kerl fiel zur Erde, als ob ihn eine Kanonenkugel getroffen habe. Er kreischte und wand sich, und während wir Beide, sowie der Kutscher und der Omnibuswächter uns auf ihn warfen, biß er in seinem Schmerz noch wie ein wüthender Hund um sich. Da war Alles, was er noch konnte: er hatte einen gebrochnen Brustknochen und ein gebrochenes Handgelenk. Pietro hatt seinen künstlerischen Erfolgen die Krone aufgesetzt! Und doch, was hätte er erreicht ohne Lucia? Wir ließen den Mörder und den Ermordeten einander im Omnibus Gesellschaft leisten, setzten uns auf das Kutschendach, und noch am Abend desselben Tages erreichten wir das Goldene Thor, wohin die ganze Geschichte bereits von unserem nächsten Halteplatz aus telegraphirt worden war. Ein riesiger Volkszusammenlauf, wie er schwerlich bei einem Präsidentenbesuch je größer gewesen ist, begrüßte uns. Als die Einbringer eines der berühmtesten Räuber waren wir die Löwen des Tages. Ehe der Morgen kam, hatten wir von einem Dutzend Musikhallen glänzende Anerbietungen. Binnen vier Wochen waren wir um 5000 Dollars reicher; dann sagte Pietro: Jetzt ist's genug." Und wir hatten noch das Glück, daß uns ein Landsmann, ein Capitan von Neapel, direkt nach der alten Heimath beförderte, wo oer eingeheimste amerikanische Mammon ausreichte, uns eine anständige Existenz für unsere übrigen Lebenstage zu sichern. Nun fühle ich mich hier einsam und alt: denn Pietro und Lucia sind längst dahingeschieden. Gestatten Sie, mein Glas auf ihr Andenken zu leerend Und eine Thräne fiel dem Erzähler in den Wein.

Ein neuer Schleifenfahrer-Trick.

Bismarck'S Spraykenntnisse.

Wie großartig die Sprachkenntnisse Bismarcks waren und seine Fähigkeit, sicb in den Geist einer Sprache hineinzudenken, zeigt folgendes Erlebniß, das der Regierungspräsident a. D. Gustav v. Diest in seinem kürzlich herausgegebenen Werk Aus dem Leben eines Glücklichen, Erinnerungen eines alten Beamten" erzählt: Der amerikanische Gesandte Bancroft besuchte mich einige Tage in Danzig (wo o. Diest von 1869 bis 1876 Regierungspräsident war), um diese Stadt kennen zu lernen. Danziger Kaufleute, die ich ihm zu Ehren zum Mittagessen eingeladen hatte, wollten alle mit ihrer guten englischen Sprache vor dem berühmten amerikanischen Geschichtsschreiber Paradiren; Bancroft aber blieb dabei, ihnen in deutscher Sprache,welche er fehlerlos beherrschte, zu antworten. Als nun einer meiner Gäste meinte, er spreche wohl nicht gut genug Englisch, erklärte Bancroft: Nein, Sie sprechen vortrefflich, aber ich habe mir zum Grundsatz gemacht, daß ich, so lange ich in Deutschland bin, nur Deutsch sprechen will." Da warf ich ihm ein, daß ich ihn oft genug im Gespräch mit Bismarck 'habe Englisch sprechen hören. Ja," erwiderte Bancroft, mitBismarck, das ist etwas anderes, denn seine englische Ausdrucksweise ist sprachlich so belehrend für mich, er braucht namentlich so wunderbare Eigenschaftswörter, daß ich mir niemals das Vergnügen habe nehmen lassen wollen, aus Bismarcks Munde die englischeSprache zu hören."

Das zuerst vor anderthalb Jahren ausgeführte Kunststück Looping the Loop", das Durchfahren einer Rad-bahn-Schleife mit Hülfe der Centrifugalkraft hat seither mehrere noch halsbrherischere Verbesserungen" erfahren. So brachte inParis dieDutrieu den Todessprung über die vurcybrochene Schleife, und Karl Mündner in Berlin folgte ihr nach. Mr. Eclair ließ sich im Cirkus Busch in einen

EinneuerSchleifenfahrerTrick. Radreifen einspannen und durchsauste so die Schleife, und jetzt gar copirt in den Pariser Folirs Vergres ein WageHals den Trick der Dutrieu, nur mit dem kleinen Unterschiede, daß die Schleife in ihrer Lauffläche nicht unten, sondern oben, wie auf unserem Bilde ersichtlich, auf 20 Fuß durchbrochen ist, daß also dsr Fahrer den gefährlichen Sprung mit dem Kopf nach unten macht. Kindliche Naivetät. Jetzt, Fritzchen, erzähle mir noch, was Du heute Nacht geträumt hast!" Ach, Papa, ich träumte: Du wärst mit mir spazieren gegangen und da wären wir an einen großen Fluß gekommen und da ... . Nun erzähle Du weiter, Papa, Du bist ja selbst dabei gewesen!"

Praktisch.

l ü h

Wie sich die junge Frau X zu helfen weiß, damit ihr beim Abspülen keine Teller zerbrechen. Pech. Junger Dichter: Es ist schrecklich, man kann's in der Jetztzeit dem Publikum nicht recht machen! Uever mein neues Trauerspiel hat alles gelacht!" Kritiker: Hätten Sie doch ein Lustspiel daraus gemacht!" Junger Dichter: Hab' ich ja dann hat wieder Alles geweint!"

EigenthümlicheKrankheit.

Feuer - Signale.

Was macht denn Euer Loisl? Geht's ihm gut?" Na, gar net guat, Herr Lehrer!" Was fehlt ihm?" G'rauft hat er, und jetz' hat er es Gendarmverwicklung hat der Doktor gsagt!" Moderne Kinder. Onkel: Warum hat der Fritz das Gesicht so zerkratzt? Lieschen: Ach, wir spielten Mann und Frau, und da wollte er sich immer nicht scheiden lassen. E i n angenehmer Freund. Ich brauche ein wenig Geld, lieber Freund." Freut mich wirklich." Auf einmal?" Nun ja, gewohnlich brauchst Du doch viel Geld."

Kennzeichen. Beamter (zum Dienstmädchen, das einen Heirathsschwindler zur Anzeige gebracht hat): Wissen Sie nicht ein besonderes Kennzeichen von dem Flüchtigen? . . . Besinnen Sie sich einmal!" Dienstmädchen (verschämt): Jawohl er drückt beim Küssen das linke Auge zu!Ein Bärenjäge? von Pig t o n Creek, N. W. T., berichtet folgenden Unfall: Ein Jndianerknabe, Sohn von Geo. Rein, entdeckte in einer Höhle zwei Bären. Er schoß auf sie und hoffte, mit einem Schuß beide zur Strecke zu bringen. Bei einem hatte fein Schuß die erwünschte Wirkung, während der andere Bär den Knaben angriff und ihn buchstäblich in Stücke zerriß. Die Eltern fanden auf der Suche nach ihrem Sohne denselben in schrecklich zugerichtetem Zustande neben dem Bären liegen.

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Gpezial-Signale. ersten 8 Schlage, zweiter Alarm, iioeit 8 Schlage, dritter Alarm, dritten 2 Schläge, vierter Alarm. -2-l, Feuer auS und Schlauch aufgerG. Schläge, Sbafferdruck ab. Schlage, 18 Nhr Mittags. Die Zo bezeichneten Signale werden nur vom Thür oachter angegeben da an den betreffenden Stratz Kreuzung er. keine Alarmkist? anaebracht fad.

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