Indiana Tribüne, Volume 27, Number 131, Indianapolis, Marion County, 25 January 1904 — Page 3

Vom Kerker erlöst.

Oberst Lynch'S Freilassung angeblich auf Initiative von Präsident Roosevelt. Rußland und Iapin. Verschwörung cgcn Peter. Yreyfusall Aalesund's Zerstörung.

Großbritannien. Arthur Lynch frei. London. 2'.. Jan. Der Daily Telegraph" berichtet heute Früh, daß Oberst Lynch. Commandeur der Jrifchen Brigade im Burenkriege, und wegen Hochverraths lebenslänglich derurtheilt, gestern auf Licenz hin in Freiheit gesetzt worden sei. Die kgl. Begnadigung erhielt er nicht. (5S verlautet, die Freilassung L. sei der niative des Präsidenten Roosevelt zu danken, der Michael Davitt bei sei. nem letzten Besuch? in America sein In teresse an dem Fall ausdruckte, und be dauerte, nicht selbst Milde empfehlen zu künnen. Davitt erzählte Thomas L ipton des Präsidenten Aeußerung und wurde selbst beim Könige in der Angelegenheit vorstellig. Nach diesbezüglicher Mitth-ilung des Königs an den Sekretär des Innern erfolgte die Freilassung. Durch einen Elephanten g e t ö d t e t. L o n d o n. 24. Jan. Geo. Lockart. der bekannte (UrcuS Besitzer, wurde beute währeud deS Verladens von Thieren durch einen Elephanten durch Zufall zu Tode getrampelt. C tasten. Rußland und Neutrali tüt. Seoul. Korea, 24. Jan. Eine Depesche des koreanischen Gesandten in St. Petersburg meldet, daß Rußland die Neutralitäts - Erklärung Korea's mißbilligt. y (m Unfall auf der elektr. Gtraßeii' bahn, wobei ein Koreaner um's Leben kam. führte heute zu einem Tumulte seitens eines Theils der Bevölkerung. Bevor jedoch die Unruhen ernsteren Umfang annahmen, waren sie von der amer. (esandtschaftswache, ohne Wafsen'Veb rauch, unterdrückt. A l a r m - B e r i ch t e. St. Petersburg, 24. Jan. Aus Ostasien laufen noch immer AlarmBerichte ein. ES gehören dazu die Meldung, daß die Japaner eine Armee in Masampho, Korea, landen und daß 3000 Russen den ?)alu treu zen. Weder das auswärtige Amt noch der japanische (Gesandte glauben diese beiden Berichte; die Meldung, eine chinesische, von europ. Offizieren ausgebildete Armee bade die große Mauer llberfchritten, um die Ordnung in der Mandschurei zu wahren, kann hier nicht bestätigt werden. Der russische Departements-Chef im auswärtigen Ministerium, Hartwig. sprach sich gestern gegenüber dem japa Nischen Gesandten Kurino über den Schaoen. den übertriebene und gänzlich grundlose Berichte anrichten, freimüthig aus. Die russische Regierung erkennt, daß die Lage in ßona gestört, ja selbst drohend ist, sie ist aber nicht darüber unterrichtet, daß die Situation schwer genug wäre, um die Landung einer starken japanischen Streitmacht zu rechtfertigen. Rußland gesteht Japan das Recht zu, unter den herrschenden Verträgen eine angemessene Truppenzahl zur Wahrung der Ordnung in Korea zu landen, würde aber in diesem Stadium der Verhandlungen die Landung einer Armee nicht gleichmüthig hinnehmen. Ueber die Verzögerung der russischen Antwort auf die letzte japanische Note ist Herr Kurino nicht besorgt; er erklärt, daß Japan nicht um sofortige Antwort dränge. Die Meldung der Novoe Vremya", daß Rußland, weil es den Frieden wolle, nicht in Allem nachgeben könne, deckt sich mit dem im auswärtigen Amt erhaltenen Eindruck, daß Rußland auch fernhin die Souveränitäts-Frage in der Mandschurei als ausschließliche Angelegenheit zwischen sich und Japan behan delt haben will. Russen und chinesische R a u b e r. London, 25. Jan. Nach der Daily Mail" hat auf der Mandschurei Bahn zwischen russischen Truppen und chinesischen Räubern ein Gefecht stattgefunden, in dem drei Russen fielen. Auf der japanischen Gesandtschaft ging gestern keine Nachricht au dem Osten ein.

Serbien. Verschwörung gegen Peter. Wien, 24. Jan. Einer Depesche aus Belgrad zufolge betreiben im AuSlande lebende Serben und Mntenegri ner eine energische Agitation gegen die Karageorgcvitch . Dynastie und haben sogar eine Verschwörung gegen König Peter geplant. Die serbische Regierung lehnt es zwar ab, diese Bewegung ernsthaft zu be trachten: es sind aber Instruktionen er lassen, um serbische und montenegrinische Emigranten scharf im Auge zu behalten. Man vermuthet, daß: die Verschwörung entweder von Montene grinern oder den Schwestern der der storbenen Königin Draga ausgeht Eine Depesche an das Neue Wiener Journal" aus Semiin. ti Meilen von Belgrad, besagt, daß kürzlich eine An zahl betrunkener Offiziere. Die zur Mörder-Partei" gehören, in einem Belgrader Restaurar eine Kundgebung gegen die Mächte veranstalteten, wobei die Bilder des österreichischen Kaisers und des Zaren verbrannt wurden. Die Offiziere kamen vor ein Kriegsgericht: -das Verfahren wurde aber auf speziellen Befehl des Königs Peter niedergeschlagen. ' Frankreich. D r e y f u s . F a l !. Paris, 24. Jan. Es ist Grund zu der Annahme vorhanden, daß der Bericht von Banrdoin, außer günstiger Auffassung für Dreyfuß. eine wettere Untersuchung durch die Eriminalabkheilung des Eafationshof' s empfiehlt,, betm der ganze Gerichtshof seine Entsiyeidung über den Fall abfliebt. Schweden und Norwegen. j Das B r a n d . U n g l ü ck. A a l e s u n d, 24. Jan. Der gestrige Brand hat alle Häuser der Stadt, mit Ausnahme des Hospitals, zerstört. Die Bewohner mußten im Freien campiren, da nur wenige beschädigte und unbewohnbare Häuser stehen blieben. Xie Kinder wurden zeitweilig midie Kirche nach Borgund gebracht. Die Panik war nach dem Brandt Ausbruch derart, daß von Führungsoder Dicipl.n-Versuchen nichi die Rede sein konnte. Jedoch wurden keinerlei Excesse begangen. Die Leute versuchten von ihrer Habe zu retten, sahen aber bald, daß sie alle Kraft brauchten, um mit dem Leben davonzukommen. Die Zerstörung der Stadt war zwei Stunden nach dem Brand-Ausdr'uch vollendet. Um sie vor den Flaminen zu retten, wurden über 20 Dampfböote und zahlreiche Segler im Hafen versenkt; indessen sind drei Dampfer ind viele kleine Fahrzeuge verbrannt. . Nur 3 Personen dürften um's Leben gekommen sein. Hilfe kam aus Monde, Bergen und anderen Plätzen und Vor räthe werden ausgetheilt. HilfS-Eo-mites sind gebildet und ladei zn öffhnt lichen Subscriptioncn ein. j Das Königspaar hat 81500 für ben Hilfsfond beigesteuert ; ebenso gaben andere Glieder der kgl. Familie Bei träge. . Die meisten Bewohner der Stadt haden ihr g?sammtes Eigenthum ein'gebüßt, das nur in sehr seltenen Fällen versichert war. Tausende von Menschen mußten 24 Stunden auf offenem Felde zubringen, ohne Nahrung, bitterer Kälte und einem schweren Regensturm ausgesetzt. San Domingo. Die Revolution. S a n I u a n, P. R., 24. Jan. Nach Nachrichten aus guter Ouelle üus Santo Domingo wird die ganze Trüp--penmacht des Revolutionsführers Jimi nez u gegen die Grenze Hayti's h'm getrieben. E R p H a y t i e n , Hayti, 24. Januar. General Deschamps und an dere Parteigänger von Jiminez, die im amerikanischen Eonsulate zu Puerto Plata Zuflucht sachten, werden lion dem amerikanischen Kreuzer Hartford" nach Euda überführt. Jiminez ist in Monte Christi. Seine Lage ist hoffnungslos, da die Regie ruugStruppen weitere Siege bei La Ve'ga und Moca errangen.

Indiana Tribüne, 25

Geiftes-Gcgenwart Eines Schauspielers veraindert eine Panik im Deutschen Theater-

Berlin, 24. Jan. Während der heutigen Vorstellung im Deutschen Theater erregte der Einsturz eines Theils der Eorrioor-Wand große Bestürzung. Nur ein Thttrsteher ist leicht verletzt. Der Einsturz erfolgte aber mit großem Krachen und das Publikum sprang schreckgelühmt auf. Von der Bühne aus versicherte ein Schauspieler, daß keine Gefahr vorhanden sei und die Ruhe war wieder hergestellt. In gro ßer Zahl eilte die Feuerwehr nach diin Theater. Nachdem sich die Aufregung gelegt, ging die Vorstellung weiter. P e t r o l e u mG e s e l l s ch a f t e n. Berlin, 24. Jan. Die Hamburger Petroleum Produkten - Gesellschaft hat ihr Capital von 750.000 auf 33,000,000 erhöht und ulle rumänischen Petro,euM'Jnteressen tVr deutschen Bank aufgekauft. In Verbindung mit der Gründung der neuen deutschen Petroleum-lesell schaft zu Berlin mit einem Eapital von 85,000,000, in letzter Woche, darf man ein höheres Interesse der deutschen Ca pitalisten gegenüber dem PetroleumGeschäft, als dies während der letzten 10 Jahre zu Tage trat, annehmen. Tod des Herzogs. Dessau, Herzogthum Anhalt, 24. Jan. Friedrich. Herzog von Anhalt, ist auf Schloß Ballensted heute gestorben, nachdem er gestern einen Schlaganfall erlitten. Er war 1831 geboren. Westindien. Amer. Touristen. Kingston, Jam., 24. Jan. Der Hamburg Amerika Dampfer Prinzessin Victoria Luise, apt. Kufer, traf heute mit 150 amer. Touristen aus Euracao an. Alle sind wohl, obwohl bei der Fahrt durch das caribische Meer schlimmes Wetter herrschte. Morgen fährt das Schiff nach Santiago de öuba. Panama Amer. Schiffe. olon, 24. Jan. Die May. floiv. r fuhr heute nach Norfolk, Va., ab. Derzeit sind vou amer. Schiffen nur das Flaggschiff Olympia" und Torpedoboot-Zerstörer Trurton" im Hafen. Italien. Papst und Präsident D i a z. Rom, 21. Jan. Der Papst hat den neuen apostolischen Detegatcn in Merke, Mg. Scrafino, in Abschieds audienz empfangeltnid bi.aaftragt, der mexitan. Regierung j die Zufriedenheit der (Vinie über bijfc unter Präsident Diaz dem Katholicismus iu Mexico gewährte Freiheit auszudrücken. Per.ieu. Neuer Großvezir. Teheran, 24. Jan. Prinz Ain Ed Daoulch. fest bisher als Mini, ster des Innern fungirte. ist zum Groß vezic und Premier-Minister von Persien ernannt worden.

Kurze Depeschen.

24. Januar. Ausland. j Los P a l m a s, Canarien Inseln. Kreuzer Buffalo und die TorpedoZerstörer, die hier am 0. ankamen, fahren am Montag nach Gibraltar ab. Inland. Fort Worth. Tex. In Denison starb Frau N. C. Hargis im Alter vou 80 Jahren. Von ihr stammen 17 Kinder, 68 Enkel nnd 165 Urenkel ab. New o r k. Unter den Pasta gieren der Auguste Victoria" befindet sich der aus Rußland zurückkehrende Bischof der griechischen Kirche in Nord amerika, Rev. Tikon. N e w p o r t. N. I. Der Dampfer Larchman, von New f)oxl nach Providence, Pr. I., lief mit 200 Paffagie ren in der Nähe von hier auf. konnte aber später die Fahrt fortsetzen. Es brach keine Panik aus. Abgefahren: Queenstown : Etruria" nach New Vork. Southampton: Blücher" nach New Jork.

. Januar 1004.

!j c ffi 11 r 0 c t. tftal ,!,,ir idgkschilj.tr. von Eduard HLder. (5r wußte genau, wann e4 geschehen war. Zwanzig Jahre waren dem ernsten, stillen Mann, den niemals leicht herzige Fröhlichkeit erfüllte, dessen La chen niemals den goldenen Klang reiner Freude besas'.. seitdem' verflossen, und es war dem Vic i r.ern nach kein sonderlich l'ebcutsanu:- Creigniß gewesen. Doch oft und oft daaile er daran, mit wehii'.uthvolljter (Seele besonders San, wenn er gefragt wurde, u?arum er, dem es doch gut gehe, so seltsam still sei und so ernst. Er war damals Terlianer gewesen und vlcrhi Jahre alt. Aufwachsend unt.r der klugen Cbrrnt liebreicher Eltern, hatte sich der gutberziae begabte Junge frisch und glücklich entwickelt. Er saß in der Schale nicht gerade unter den Ersten, aber doch fast immer da. wo sich die Befähigten und Fleißigen ihre Plätze erobert hatten. Er lernte leicht, nnd da ihn seine ältern nicht unnöthig im engen Zimmer festhielten, so fand er viel Zeil, sich in freier Luft auf freiem Felde herumu ummeln. Besonders die nahen allen Fettungswälle, die jetzt nnbenui und vereinsaun dalagen, zogen ihn in diesen herrlichen freien Spielslundcn an. und hier stellten ihn seine körperliche Gewandtheit, sein sprudelndes Temperament und fein froher Sinn schnell an die Spitze der Kameraden, mit denen er turnte, raufte und umherjagte. Die übermüthige Gesellschaft, die er anführte, war im ganzen Stadtviertel bekannt, und oft genug mußten erschreckte Eltern es mitansehen, wie der Trupp, mit Stöcken und Ruthen a' -gerüstet, untereinander Schlachten liefene oder auch einmal gegen die feindliche Schaar eines bcnachbarien Stadtlheiles voll bitteren Ernstes losrückte und mit blutigen Gesichtern und zerrissenen Allei dern heimkehrte. Aber alles Unheil und alle Unbill wurden schnell wieder vergessen. nich. nur bei den Jungen, auch bei de-l Alten, denn in all der wilden Ausgelassenheit steckte solch schönes Stück Jugendfrische und Jugendtollheit, daß im Grunde Niemand ihr ernstlich zürnen konnte. Aber eines Tage fand sich doch Jemand. der der frohen Jugendnildheit zürnte. Es war ein Lehrer des GyMnassums. das die A!ehrzahl der Knaben besuchte. Er war dazugekommen. als gerade einmal wieder mitten auf der Straße eine gelvaltige Schlacht zlvi sch?n ..Bleichgesichtern" und ..Siouxinvia"?rn" ausgekämpft wurde und er hielt es für nöthig, am nächsten Tage alle Betheiligtcn bei ihren Zlassenlehrern anzuzeigen. Die nahmen fich dann die Schüler vor, die an der Prügelei vetheiligt gewesen waren, und bedachten sie mij bitter rügenden Worten. Und ihm. der als der Führer der flegelhaften Horde" erkannt und angezeigt war, wurde eine harte Strafe zudiktirt. Hwi war der Anfang. Seit diesem Tage war bei seinen Lehrern ein Mißtrauen gegen ihn erwacht, und all sein Thun und Treiben tvure fortan mit geschärften Augen beobachtet. Er, der unter seiner sprühenden Ausgelassen heit ein selten weiches und zartes Gemüth besaß, war gewiß nicht wilder und schlimmer als die meisten seiner Kameraden; aber unglückliche Zufälle fügten es, daß er jetzt gerade ein paar Mal als der Urheber ungezogener Streiche ermittelt wurde. Als während einer Unterrichtsstunde vor den Augen des Lehrers unter dem Kätheder hervor, an einem Faden von einer Hinteren Ban! der Klasse c.us gezogen, ein Bogen Papier mit einer bunten Fratze erschien, wurde in strenger Untersuchung festgestellt, daß er diesen Unfug ersonnen habe. Und noch Schlimmeres geschah: der Ordinarius tonfiszirte in der Zwischenpause ein Oktavhcft, d den geschriebenen Text von Schillers ..Glocke ' enthielt und zwischen die Verse eingestreut allerlei mit der Feder hingezeichncte karitaturartige Bilder. Da waren die Bcrse ..Doch der Segen kommt von oben" durch das wohlgetroffene Porträt eines unge wöhnlich langen Lehrers illuftrnt, der sich zu einem vor ihm stehenden kleinen Schüler herabbückte und ihm von oben herunter eine Ohrfeige versetzte; da waren zu den Worten Das ist's ja. was den Menschen zieret" Armbänder, Ringe. Uhrketten und Krawattennadeln gezeichnet, und unter dem Vers Und dazu lvard ihm der Verstand" prangte eine Reihe Bücher, deren Rücken die Rainen Eäsar, Cicero, Livius, Xcnophon, Ettendt-Seyfert und Plötz zierten. Und so ging es weiter in harmlos lustiger und dreister Weise durch das ganze Gedicht. Auch dies Jlluftrationswerk, diese schamlose Verhöhnung Schillers," wie der Ordinarius es charakterisirte, war von ihm angestiftet worden. Mit knapper Roth kam er an einer Karzerstrafe vorbei; aber er erhielt einen Strafplatz und mußte seinen Eltern einen in sein Ordnungsbuch eingetragenen scharfen Tadel zur Unterschrift vorlegen. Bon NUN an galt es bei seinen Lehrern als ausgemacht, daß er der Anstiftcr und Hauptausführer aller dummen Streiche war, die in der Klasse verübt wurden. Er war das in Wahrheit nicht; aber gerade, weil es ihm daher ss selten klar nachgewiesen werden konnte, bildete sich bei einzelnen Lehrern ein förmlicher Haß gegen ihn aus. Ein Haß vor allem geg:n seine Fröhlichkeit und Ausgelassenheit, die

noch ilunier nicht verschwunden waren. Denn er fühlte sich nicht von schweler i Schuld bedrückt. Und immer wuchtia.er lastete das Dcihtrauen und Uebel, wollen ver Lehrer auf ibm. dessen weiches und ehrliches Gemüth schon durch eine geringe Unaerechtiakcit ud Härte auf das Empfindlichste gerczzt und verletzt wurde. Unter dieser Behandlung wurde er auch bei seinen Arbeiten unsicher, und immer häufiger kam es vor. daß er feine Aufgaben nicht so gelöst hatte, wie es die Lehrer fordern konnten. Die Lehrer stempelten ihn zum frechen Patron." zum schlechten Schülcr, und allmälig wurde er fast ein schlechter Schüler. Es kam der Michaelistermin heran, wo er nach Sekunda versetzt werden sollte. Seine Arbeiten waren in den letzten Wochen wieder besser ausgcfallen, und wenn man die Summe sei.-ier Leistlingcn zog, so mußte er. wie er meinte, gerechter Weise mitvcrsetzt lverden. Doch sein.' Lehrer hatten bcschlosscn, an ihm, dem unentwegt Lachenden und Fröhlichen, einmal ein Beispiel zu statuircn und ihn gründlich von seinem miserablen Betragen" zu kurircn. Er wurde nicht versetzt, und in der Aula, vor der Hälfte der Schüler des ganzen Gymnasiums, wurde ihm vom Direktor mit feierlicher Strenge mitgetheilt, daß das hauptsächlich seines Betragens wegen geschehe, das im höchsten Grade empörend gewesen sei. Als ihm das verkündet wurde, saß er da, wie von einem lvuchtigen Schlag auf den Kopf getroffen, benommen, betäubt, mit umnebelten Sinnen. Es war das erste Mal, daß er nicht versetzt war und ein ganz schlechtes Zeugniß erhielt. Scham und unbegreifcndes Erstaunen über die Schande und Strafe, die er in dieser Schwere wie eine grausame Ungerechtigkeit empfand, wogten lvirr in ihm durcheinander. Und wie betäubt schlich er mit seiner Censur nach Hause, setzte sich in seine Stube und weinte still vor sich hin. Seine Eltern waren bitter erzürnt über das Zeugniß, das ihr Sohn, auf den sie sonst so stolz gewesen, erhalten hatte, und schalten ihn laut. Aber ihr Schelten verstummte bald; sie fühlten, was sie nicht sagen durften, daß einem aufblühenden Menschen hier ein Unrecht, ein Frevel zugefügt war. Als er nach den Ferien wieder die Schule betrat, war er ein anderer geworden. Alle Lust an wilden Spielen, am Umhertollen und kecken Scherzen, all sein jauchzendes Lachen waren ihm entflohen; er kniff die Lippen zusammen und saß da als der Sittsamsten einer auf der Schulbank. Ein Jahr hindurch hatte er noch gegen das Mißtrauen seiner Lehrer anzukämpfen. Dann begannen sie seine Uebeltbatcn zu vergessen und ließen ihn ohne Argwohn tvieder einen guten Schüler werden. Er wurde wieder ein guter Schüler. Aber nie wieder wurde er so sonnig froh, so frisch und wild und ausgclassen wie früher. Damals kam ihm feines Wesens Wandlung nicht zum Bewußtsein. Aber hente. da er älter geworden war und reif und überdachte, tvas er erlebt, wußte er genau, was ihm geschehen war, wußte er, daß ihm damals sein schönstes Erbgut geraubt war, daß ihm seine Fröhlichkeit und sein Lachen gemordet war.

Der findige Musikdirektor.

Bei der ersten dieswinterlichen Sitzung der Kölner Karnevalsgesellschaft kam es zu einer lustigen Situation. Dem Dirigenten der Kürassierkapelle, Musikdirektor Fellenberg, hat eine" Tages der Verband österreichischer Musikalienhändler auf gerichtlichem Wege das Verbot zustellen lassen, österreichische Tanzmelodien zu spielen. Wie man weiß, spricht das Urheverrechlgesetz die öffentliche Aufführung auc-schließ-lich dem Komponisten zu, der aber das Recht meist an seinen Verleger abtritt. Nun endet eine beliebte Karneoalsmclodie mit einem Refrain, der nicht im Gart-n des Komponisten, sondern an der schönen blauen Donau a-wachsen ist. Als nun diesmal die Kapelle an den gefürchteten Refrain kam, brach sie jäh ab und überließ die weitere Begleitung dem .Klavierspieler, der darauf eingeübt war. Der Kontrast zwischen der vollen Blechkapelle und den Tönen des zarten Pianos rief bei jeder Strophe erneute Heiterkeit hervor. Aber das Damoklesschwert blieb über dem Haupte des Musikdirektors hängen! Der österreichische Verband konnte ihm nichts anhaben. ntcr ltttfccrit. Die kleine Erna: Wir haben nicht ausgeschlafen. Unser Z!einer Bruder hat einen Zahn gekriegt und deswegen die ganze Nacht geschrieen und geweint." L i e s ch e n : Ach, ist das ein dummer Junge! Unsere große Schwester hat vorgestern gleich zwölf Zähne auf einmal gekriegt und seitdem lacht sie immer."

(edanücnsplilter.

Schlechte Behandlung läßt man sich am wenigsten gern von seinem Arzt gefallen. Wer jling die Nacht um Taae macht, tvird leicht später umnachtl lc Tage haben. t7s gibt grauen, die das Tanzen nicht lieden, aber es doch gut verstehen, mit Mannern umzuspringen. Trockener Witz ged.iht am besten auf feuchtem Grunde. Ueber die Widersprüche in der Welt wun, dert fich nicht, wer scitlen eigcn-n Beitrag dazu kennt. Tie Kunst ernährt leichter zehn Händler, als einen Künstler.

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Jagdbeute einer L o k o . m o t i v e. Auf der Bahnstrecke iiv--schen Urmersbach und Monreal in der Eifelgegend wurde jüngst ein ttioa 200 Pfund schweres Wildschwein vca der Maschine gefaßt und erlegt! Die ungewöhnliche Jagdbeute hat ihrerseits glücklicher Weise weiter kein Unheil angerichtet. Hungrige Spitzbuben. Ter Milchhändler Andreß von Ehester, Pa., wurde auf der Straße von Räubern übersatten und um seine Baarschaft von $L beraubt. Die Strolche, die offenbar hungrig waren, tranken dann eine halbe Galione Milch aus und machten sich davon. Man vermochte der Ga!genvöo?l nicht habhaft zu werden. Unverdiente Ohrfeigen. In einem Pariser Vorortzug nahm dieser Tage ein älterer Herr neben einer Dame Platz, die ihm, als der Zug sich in Bewegung gesetzt hatte, bemertlich zu machen suchte, daß er sich auf ihr Äleid gesetzt hatte. Der Herr nahm davon keinerlei Notiz und blieb auch schweigsam, als die Dame eindringlicher wurde. Das versetzte diese schließlich in eine solche Wuth, daß sie dem Herrn ein paar Ohrfeigen versetzte. Das brachte auch sein Blut in Wallung und er gab der Ohrfeigenspenderin einen Stoß, daß sie an's andere Ende des Abteiles flog. Die Dame ließ, da der Zug gerade in den BahnHof einlief, den Herrn festnehmen. Bei der Vernehmung vor dem Polizeikommissär erklärte die Dame, der Mann habe den Auftritt absichtlich herbeigeführt. Der Herr blieb unbeweglich, aber da er an dem Gesichtsausdrucke des Kommissärs erkannte, daß die Sache für ihn eine schlechte Wendung nahm, sagte er schließlich: Ich habe nicht ein Wort von dem verstanden, was die Dame erzählt hat. Ich bin nämlich taub und weiß nur, daß ich ein paar Ohrfeigen bekommen habe; weshalb ist mir völlig unbekannt. Ich habe etwas heftig erwidert und bitte deshalb um Verzeihung." Die Züge der Dame hellten sich bei dielen Worten auf ur.d sie reichte dem Herrn die Hand zur Versöhnung.