Indiana Tribüne, Volume 27, Number 122, Indianapolis, Marion County, 14 January 1904 — Page 4

Judtana Tribüne, 11, Januar 1901.

Indiana Tribüne. Herausgegeben von der Gutenberg Co. Indianapolis, Ind.

Harry v. Thudium . . . Präsident Geschäftslocal: No, 31 Süd Delaware Strasse. Telephone 269.

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Sittenbild.

"Millionen stehlen, das ist fein; aber einen Laib Brod, das ist gemein". Der Refrain des vom Komiker Heinemann am Montag so trefflich vorgetragenen Couplets klingt einem noch in den Ohren und die demselben inncwohnc'nde Wahrheit, wird man so recht gewahr, wenn man die Berichte Über die Heim kehr des von Merieo heimgebrachten St. Louiser Oberbudlers Kratz liest. Krak liesz, ttl3 er einsah, daß es dem Staatsanwalt Folt mit seiner Berfolgung der St. Louiser Budler bitterer Ernst war, seine Bürgschaft von 320,. 000 im Stich und etablirte sich mit Hilfe der noch unentdeckten Budler, die seine RUcktehr wegen seiner etwaigen Zeugenaussagen fürchteten, als Großindustrieller in Merico. Staatsanwalt Folt gelang es mit Hilfe des Staatsdepartements die Aus lieferung des Budler zu erlangen. Mrntag kehrt- er in Begleitung eines Polizeibeamten zurück, aber nicht als gedemUthigter und ertappter Died, son dern mit der Miene eineS Triumphators. Er wurde vom Richter Taylor unter $40,000 Bürgschaft gestellt und der erste, der sich herzudlüngte. um als BUrge z:l fungiren. war der frühere St. Louiser $)la)or Ziegenhain, unter dessen Administration die Budclei in so hoher Blüthe stand. Wahrlich, Zie genhain muß sehr, sehr viel von der Feindschaft Kratz zu fürchten haben, daß er sich dermaßen UM seine freundschaft bemüht. Ter St. Louiser Abend Anzeiger" schreibt über den Einzug" deS Kratz unter der Spitzmarke: Las gestrige Kratzfest": Wieder einmal hat das im vorigen Jahre von einem auswärtigen Kritiker gegen unsere Stadt gerichtet schürfe Wort ..The Shameleßneß o St. LouiS" reichliche Nahrung gc funden. Von seinem (Eintritt in den Bahn Hof bis zum (Champagner. frühstück

(nach der Bürgfchafts Unterzeichn nung) hat der aus Mexico zurück ransportirte nichtige Wicht eine Pose angenommen als ob seinetwegen der ganze Staat aus allen Fugen kracht. In seinem (bei berühmten" Ver drechern ziemlich häufig anzutref. senden) Gröhenwahn versicherte er den Zeitungsleuten', er habe so viele Freunde und ski so b-liebt (populär) noch, daß er. wenn auf's Ticket gesetzt, mehr Stimmen denn je auf sich ver einigen würde. Die Geftnnung? Genossen" beider politischer iParteien. welche die Bürg fchaftS'Angelegeuheit für ihn vor feiner Ankunft schon in Ordnung gebracht hatten und ihm den geräuschvollen Empfang bereitet, ten, wie er einem siegreichen Märtyrer gebührt diese Freunde mögen ihm allerdings einen Floh in'S Ohr gesetzt haben : Thne recht üppig und scheue Niemand, wie bisher; du hast ja Geld, wir haben noch mehr: es reicht für alle Fülle die theuersten Advokaten, die längste Fluchtreise, dem gcheinlsten Aer steck. Dein Schweigen ist töold" sür Alle, die noch nicht in Folt'S Händen sind." Damit daS Publikum genau wisse, um waS es sich sür die Budrlklasse han delte, gab Ed. Butter nach seiner Bcgrüßung des Flüchtlings. d?n Repor. lern zu verstehen, das; 700,000 bereit lägen, um dem Manne zu helfen, welchen eine ruchlose politische Justiz zu verderben trachte. Mag nun auch vielleicht an dieser Ziffer eine Null zu viel sein" das revublikanisch'demokratischeBUrgschafts' Ensemble, welches sich auf Bcradredung in den oiir EourtS eingefunden hatte, wäre jedenfalls für 880,000 ebenso zu haben gewesen, wie für die $40,000. Richter Taylor war der Situation in keiner Weise gewachsen. Herrn Joll'S Antrag auf 8100,000 Bürgschaft, nachdem Kratz eine von $20,000 bereit hatte verfallen lassen, erschien nur zu gerechtfertigt. Doch die Entscheidung des Richters, baft 40,000 schon ein hoher Betrag seien, wurde vielleicht durch die Erwägung herbeigeführt, daß Fluchtverdacht

nunmehr weniger als früher vorliege, weil Kratz sich je. überzeugt hat, daß er auch aus vertraglosen Ländern herge holt werden kann. Dieses Argument ist thatsächlich et. was werth. Man könnte sich deshalb über Jgnvrirnng der Fol''schcn Förde rungen seitens Richters Taylor etwas bcruhigen. Höchst unangenehln aber wurde das öffentliche Bewußtsein von der Schwäche e5 Richters gegenüber der empörenden Beleidigung des Volkes durch den Lawyer Rowe berührt. Er unterbrach ihn zwar und sagte : ,.ch wünsche den Ausdruck, daß der Staat schon 820,000 an Kratz profitirt habe, nicht wieder zu hören" verlangte aber nicht einmal, dak oer Anwalt wegen seines Hohnes sich entschuldige und die niederträchtige Redensart zurücknehme. Eiu stärkerer Geist, als Herr Taylor, würde aus dem Benehmen des Lawr,.'rS den FrechheitS-(i;ra der ganzen Budel bände erkannt und durch scharfe DiS ziplinirung des Wortführers an seiner Bar die spatere Feuchtfröhlichkeit an der anderen Bar" erheblich herabge stimmt haben. ..Ich habe Niemanden ein Leid zugefügt und wüßte nicht, warum nuine Freunde mich im Stiche lassen sollten" - sagte Kratz gestern. Gewiß : volle Unterstützung seiner Freunde wild ihm gegönnt: eS wäre schlimm in der Welt, wenn alte Freuudschaft sich in Zeiten der Roth in Richt? verflüchtigte. Die Freundschaft darf aber nicht in der Weise, wie hier, zur Fälschung der öffentlichen Meinung mißbraucht wer den : daß einer, weil er Hunderttausend

Thaler - Männer und Millionäre zu EomPlicen hat, das Bolt und den Staat, die Rechtschaffenht und die Rechtspflege verhöhnen dürfe. Ich habe keinem cNvas zu leide gethan", meint Kratz, weil er weder des Straßenraubes, noch des Mordes, noch der lheckfälschung bezichtigt wird. 5 fortgesetzter Mißbrauch deS Ber trauenS tansender von Wählern nicht Leid" genug I 11 ufern Mülkwunsch dem . ünab. hängigen Turnverein" zu seiner Sil berseier! Möge eS ihm nie an solchen Männern fehlen, die, wie die jetzigen Beamten, ihm allein zu solcher Blüthe verhelfen konnten. und möge er stets der Verpflichtungen eingedenk sein, die er diesen Mänrnrn schuldet? Am 1. Jan. 1904 wurde in der

Rollcndors Str. 2030 zu Berlin ein Bureau eröffnet, das in aller Stille den sozialen Bestrebungen von Privaten und Bereinen als Sammelpuutt und Stütz.' dienen will. Die Mittel zu seiner Unterhaltung werden von dem I'..sti tut für (Gemeinwohl in Frankfurt am Main, der Gesellschaft Soziale Praxis", dem Verein für Sozialpolitik, der OjescUfchaft für soziale Reform und durch die freiwillige!! Beiträge von Freunden des Unternehmens aufgebracht. Unter der Leitung d3 Her ausgebers der Wochenschrift Soziale Praxis". Pros. Fraitcke, werden des halb die auf Berlin bezüglichen Sekre iariatsgeschäfte der genannt.' freien Bereinigungen hier in tranlichem Ne beneinaudcr erledigt werden. Als eine felbständige Aufgabe wird das Bureau zunächst die Schaffung einer Jedermann zugänglichen Biblio thel für sozialpolitische literarische Arbeiten und eines Archivs sür Notizen von sozialpolitischem Interesse in Angriff nehmen. Den Besuchern des Lesezimmers und seinen Eorrespondenten wird von den Beamten des Bureaus auch itt bibliographischen und an;en literarischen Fragen Rath und ich. weis ertheilt w'rden. Zur Besprechung wird sozialpolitischen Vereinen u.id Arbeiterorganisationen ein geeigneter Raum kostenlos zur Verfügung stellt werden. Besonderer Werth wir., da raus gelegt werden, den nicht organisirten Arbeitern, die gewöhnlich in St.'citsällett mit den Arbeitgebern oder bei Störungen ihrer Erwerbsthätigkeit ganz rathlos dastehen, die Benutzung

der staatlichen, städtischen und Vereins Institutionell für Rechtsschutz, Versicherungswesen, Arbeiterschutz, Woh nungSbeschafjnng, Vermittelung von Arbeitsgelegenheit etc. zu erleichtern.

....Das silberne Jubelfest.... des Z.lnnblrängigen Turnnereins Wurde gestern Abend in glänzender Welse gefeiert. EDnnciroll; Decorationen. Interessante Reden. IPoblivrbiciite Ehrung bes Ersten Spre; chers. Lm neues Portrait von Adolph Scftciiftufer.

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P a u e r l a u d n i tz s ch e i n e : George Stiegmann. 1211 Ost New Vjuil, Reparaturen, $500. Frau B. S. Hollingsworth, 20 Ruth. Re. paraturen. NW. JoS. F. Flack, Mass. & Delaware. Reparaturen $700.

Wettlifb L e u ! h a r d t, ..Die gemüthliche 6cfe," Mt Noble und Market Str

Der Unabhängige Turnverein" feierte gestern sein silbernes Jubelfest, fünfundzwanzig Jahre waren im Zeitenstrome oahingerauscht. seitdem 33 thatkräftige zielbewußte Männer den Unabhängigen Turnverein" gründeten. All dem zarten Bäumchen, welches sie damals pflanzten, ist ein starker krästiger B.tum geworden, der es mit jedem Sturm und Wetter getrost aus' nehmen kann. Der Verein hatte von Anfang an das Glück, daß er von umsichtigen

Männern geleitet wurde, denen da? Whl und Wche desselben am Herzen

lag. Sie ermöglichten, daß der Ver ein heute ein prächtiges Heim sein EigkU nennt, in welchem iu erster Linie wohl die Interessen der Turnerei ge wahrt werden, aber auch deutsche Ge selligleit gi'hegt und gepflegt wird, (r war von jeher eine stütze deS Deuljlb thumS, ein Erhalter und Förderer der deütschen Sprache und Silten und eS gibt keine einzige deutsche Bestrebung in Indianapolis, welche er nicht mit uilterstttdte. zNiemalS hat er eine au ihn ergangen? Aufforderung, mitzuwirken, abgelehnt und viele Male hat er zum Erfolge eines deutschen Feste thatkräftig beige tragen. Kein Wunder daher, daß er mit den deutschen Vereinen, sowie auch mjt den Schwester-Turngemeinden auf freundschaftlichem und cameradschastlichem Fuße steht. lGern hätte er dieselben gestern zu seinc)n Jubelfeste als Gäste bei sich gese hen, allein der Raum war zu beschränkt, da der Verein selbst bekanntlich über eine sehr große Anzahl Mitglieder ver

fugt. Dirccte Einladungen waren daher nur an die beiden Altmeister deS Gesanges. Ernst Knödel und ttarl Barus. ,j Herrn Professor Emmerich und den Äännerchor" ergangen. Mit dem Letzteren verbinden den festgehenden Vdrein seit seinem Bestehen die wärmsten Freulldschastsbaude. Der Männer' chvr" hat ihm einst beim ersten Feste sein Wiegenlied gesungen und viele Male haben sie gcmeinschastliche UnterHaltungen veranstaltet. Im F e st g e w a n d c. Noch nie zuvor waren die Räume deS Unabhängigen Turnvereins in so wundervoller Weise decorirt, als wie gestern am silbernen Jubelfeste. Schon der Treppenaufgang und das Vestibüle deuieteil mit ihrem reichen Schmuck

vfcm Blattgewächsen an. daß in der Halle etwas besondere vor sich gehen wird. Aber dieser Schmuck verschwand vor der marchenschönen Decoration des Saales. Jede Säule war mit Immergrün umwunden Guirlanden aus demsrlben Material, durchwoben von '.0,'en, zgen sich r.ach allen Seiten am Plafond dahin; der Balcon aber war , einen förmlich?! Launbegang ver. wandelt, und jede einzelne Laube chüle ein aus den Kindern FZra'S gebildeter Baldachin. Palmen und andere tropische Ge wüchse raren z'l beiden Seiten der Bühne angebracht, während vor derselben zahlreiche kleine Blattpflanzen das Auge des BesncherS erfreute. Nahe zu tausend electrische Glühlichter lugten auS den Guirlanden wie schimmernde löeuchtkäfer hervor und schufen ein .'magisches, zauberisches Licht.

Ein allgemeines Ah" aber entfuhr unwillkürlich den Lippen der Besucher, alS plötzlich aus der Mitte deS Vor. Hanges die Initialen l'. T. V." in weißem, über denselben die ahl 1879 in rothem, und unter den Buchstaben die Zahl 1904 in blauem Lichte erstrahlten. Diese funkelnde Decoration übte eine bestrickende Wirkung aus die Be sucher aus, welche durch die gesamnite zauberhafte Decorirung deS Saales, die den Gebrüder Bertcrrnann wieder ein

mal zu Ehre gereichte, von vornherein itt eine echte weihevolle Feftstimmung geriethen. Der Speisesaal und die Kneipe" trugen ebenfalls festliche Gewänder. Nachdem Bercher'S Orchester die Ou verturc zu Raymond von Thomas ab folvirt hatte, kielt hierauf Herr G e 0 r g e S e i d e n st i ck c r folgende BcgrüßuugS Ansprache: Fünfundzwanzig ,ahre sind vergan gen seit jenem Neujahrstage, an welchcm W Mitglieder des Indianapolis Socialen TurttvcleinS. mit Grimm und Entrüstung ihren übrigen Verein verbündeten den Rücken kehrten und in der früheren Mozart Halle den Unab hängigen Turnverein gründeten. Mo. natelang zuvor hatten in jeder Ver samrnl.lng heftige Debatten die lemttther der Mitglieder erregt, nud Spaltung des Vereins war nicht nur vorausfehbar, sondern unausbleiblich. Daß unter den obwaltenden Umständen manch bitteres Wort gesprochen, das; sogar die Fehde von VereiliSangelegen-

heiten in'S private und geschäftliche

Leben übertragen wurde, kann n cht verleugnet werden: daß jene Spaltung aber der ßache der Xuniru in der Stadt Indianapolis einen großen Vorschnb leistete und eher als ein Segen als ein Unglück anzusehen ist, will ich durch eiue kurze Betrachtung der damaliges uud gegenwärtigen Zustande zu beweisen suchen. Um den Fortschritt scharf zu desiuiren, werden Sie mir erlauben, in kurzen Worten das in'S Auge gefaßte Ziel deS früh?ren Turnvereins zu markiren. und in welcher Weife man versuchte, dasselbe zu er reichen. Die Hauptaufgabe der Turnvereine zu jener Zeit nr, durch anregendes Beispiel den Grundsatz des TurnvatcrZ Iahn: ElN gesunder Geist kann nur in einem gesunden Körper bestehen", zu verwirkliche.,, oder mit anderen Worten: daS deutsche Turnen dem amerikauischen Volle zur allgcn.ciuen Annahme zu empfehlen. Ich bin mir wohl be wußt, daß auf den Turner.Tagsaun' gen gewisse Prinzipien und Grundsätze dcbattirt uud angenommen wurden, doch sind dieselben niemals weiter zur Geltung gekommen, als im Turnerbuude selber. AuS was bestand mm der einzige Turnverein in Indianapulis vor der Gründung des jetzigen Unabhängigen Turnvereins? Zur Zeit der Trennung zählte derselbe nicht ganz hundert Mitclieder, active und passive. Wir hatten eine active Niege und eine ZöglingsClasse, welche zusammen turnten, und eine mit Mtthe irnd Noth zusammenge trommelte nnd ebenso gehaltene Turn schule. Geturnt wurde in der Halle an der Maryland'Straße, und die Ausstattung derselben bestand aus einem Reck, einem Barren, einer wagerechten

Leiter, Ringen, Trapez, Sprungbrett uud Federbrett, Rundlauf und Ge wichten zum Stemmen; und nicht zu vergessen im hinteren Hofe ein Apparat zum Gehrwerfen und Stabspringen. Wasser lieferte eiue große eiserne Pumpe, welche direct im Vorderthei! deS Turnsaales angebracht war. und welche neben anderen guten Eigen schaften diejenige befaß, daß sie einen vorn Reck abfliegenden Turner davor bewahrte, mit der Backsteinmauer in l5onflict zu geratbcn. Dieselbe ver-

hinderte nicht, daß der unglückliche Turner Arm und Bein brach oder 'ein halb Dutzend Zähne opferte, doch im gewissen Maße diente sie cls Schutz Wächter, und das war auch Alles. Der Turner oder Zögling wickelte sich am Turnabend zu Hause seine Turn hosen, Schuhe uud Hemd in eine Zei tung und zog sröblich zur Turnhalle. Dort zog er im Turnsaale selbst seine Straßenkleider uud Schuhe aus. hängte die Kleider an einen in der Turnhalle angebrachten Nagel, warf sich in sein TurN'EostÜm nnd turnte draus los. Am Ende des Turnabend, nachdem er eine gehörige Portion von Staub verschluckt hatte, zog er sich wieder an, ging nach Hause, wo ihm dann die Gelegenheit geboten wurde. Schweiß uud Stiud abzuwaschen. Es klingt 'unseren jetzigen Turnern recht so.iderbar, daß unter solchen Um ständen eS ttberbalipt Turner nnd Zög linge gab, doch es bildeten sich zu jener Zeit tüchtige Turner heran, ebenso wie später uuter viel auzieheudereu Bedin gungen. Als Propagandamittel für die gute Sache oer Turnerei, ließen diese Umstände recht viel zu wünschen übrig. AlS uuu die Spaltung kam, hatte jeder Verein blos ein Bruchtheil der früheren Mitglieder und Turnenden. Der U. T. arbeitete mit Eifer. NW sich eine Eristenz zu schaffen, der I. S. T. um sich vom Untergange zu retten. Eine Rivaletie zwischen den beiden Vereinen entsprang, welche bezweckte, oa: im Turnen noch nie Dagewesenes geleistet wurdc. Während man in di?ser Weise den Hauptzweck oeS Turnvereins Vi rschnb leiste!?, so würd,, auch der sogenannte Passive Turner nicht vergessen. DaS gesettichastliche Leben wurde gehegt uud gepflegt ui'd es dauerte nicht lailge bis beide Vereine erhebliche Fort' schritte machten. Lassen Sie uns nun die gegenwärtige Lage der Turnvereine und des Turnens in'S Auge fassen. In jlder öffentlichen Schnle und in jeder Er ziehungsanstalt ist das Turnen ein obligatorischer Theil des Lehrplanes. Bei nahe jeder amerikanische Geschäftsmann sowohl wie feine Angestellten haben ?U nen sogenannten Phvsical Eulture" Apparat im Hause. Unzählige Personen bezahlen ihr theures Geld um durch die sog. orrejpondenz-Methode Turnunterricht zu erhalten ; in der That, das Turnen und hauptsächlich das deutsche Turnen hat sich überall verbreitet und eingebürgert. Und wie steht es mit den Turnver. einen selbst? Wo bis zum 1. Januar 1879 in Indianapolis ein einziger Turnverein, mit weniger als hundert Mitgliedern bestand in einer Stadt die damals 75,000 Einwohner zählte, ha. den wir jetzt drei große tonangebende Vereine mit einer Mitgliedschaft von circa 1000.

Ein jeder dieser Bereine hat neben modernen Turnhallen die neuesten und besten Turngeräthe. Wasch, und An kleidezirnrner für Jung und Alt. Bade einrichtung. Verschlußkamrnern fürAufbewahrung der Kleider; nebenbei gcsellschaftliche Räume mit Kneipe, Speisesaal, Bibliothek. Küche, Specialräum. lichkeiten für die Damen, vulgo Parfor, und Kegelbahnen. Hätte uns activen Turnern vor 25 Jahren irgend Jernand ein Bild der Gegenwart vorgemalt, so hätten wir ihn ausgelacht. Meine Damen und Herren. Aerger und Verdruß find glücklicher Weise Eigenschaften, welche nilt der Zeit ver schwinden. Ein Verein, eine Loge, eine politische Partei, ja sogar ein Staat kann wohl eine kurze Zeit an die Si)m pathie seiner Mitmenschen appellircn, um in dieser Weise Unterstützung zu erhalten, so verwandelt sich die Sympa thie in Widerwillen und der ,'rfall ist unvermeidlich. Ein jeder Mensch und jeder Ve i;i muß sich durch eigne Arbeit emporschwingen nnd Erfolg krönt nur jene, welche es verdienen. Das Streben des U. T. durch feine Beamten und Mitgliedschaft ist es immer gewesen, in allen seinen Unternehmen an der Spitze zu stehen. Sei es auf turnerischem Gebiete nebst den jährlichen Schautur nen, sei es die Einrichtung seiner Gesellschaftszimmcr und Kneipe oder die Ausstattung seiner Kegelbahnen, im mer ist es unst? Ziel gewesen, daS Beste zu liefern, und ich glaube, der Ruf deS U. T. iu unserer Stadt ist ein solcher, daß diese Bemerkungen nicht als Selbst. überHebung, sondern als Wahrheit an erkannt werden. Es ist mein innigster Wunsch, daß in der Zukunft wie in der Vergangenheit diese so prächtig ausgestatteten Räum lichkeiten, welche durch den Besuch und die Unterstützung unserer Mitglieder und ffreunde unseren erzieherischen uud gesellschaftlichen Zwecken geweiht siud,

auch fernerhin eine Stütt. des deutschen Turnens, der deutschen Sprache und der deutschen Geselligkeit verbleiben mögen. Nun heiße ich Sie )llle im Namen des U. T. herzlich willkommen. Nach dieser herzlichen Ansprache dßS Herrn Seidcnsticker trug der JndplS. Männerchor, welcher vollzählig erschie. nen war, unter der Leitung seines Dirigenteu, Hcrrn Bellinger. daS stimmungsvolle Lied Treuer Tod" in so vortrefflicher Weise vor. daß die Zu hstrer nicht eher ruhten, als bis sie noch ein encort Ave Maria" zum Vortrag gebracht hatte. Hierauf hielt Herr Joseph Keller, seit 1893 der Erste Spre cher deS Unabhängigen Turnvereins für welchen er unermüdlich thätig gewesen ist, folgende Festrede: Wie der einzelne Mensch, erleben auch Vereine heitere und trübe Tage. Mit Mühe und Sorgen schwingt mau sich von bescheidenen Anfängen in die Höhe, und wenn dann nach jährelangem Ringen und unermüdlicher Arbeit ein Verein an einem gewissen Zeitabschnitte angelangt ist, und er mit berechtigtem Stolze auf eine erfolgreiche Thätigkeit zurückblicken kann, so durchglüht Jene, die in bösen wie in guten Zeiten treu und aufopfernd zur Fahne gehalten, das Verlangen, durch eine paffende Feierlichkeit die Erinnerung an den Tag wachzurufen, au welchem der Verein in'S Leben eingetreten ist. Ein dankbares Gefühl beschleicht uns heute Abend, bis in die innersten Fafern unseres Herzens sind wir erfüllt mit Freude, einer glücklichen Familie ähnelnd, in der das geliebte Ehepaar die silberne Hochzeit feiert. In unserem rasch lebenden Zeitalter sind sünsundwanzig Jahre ewe lange Spanne Zeit, bringt man dieselbe aber mit einem deutsch-amerikanischen Vereine in Verbindung, so kann man gc!rost sie doppelt zählen. Es ist eine Aufgabe mein,' Damen und Herren, einen Verein. 0er kulturelle Arbeit verrichtet, immer lebenskräftig uud erfolgreich zu erhalten. Diejenigen, die mit den inneren An. gclegenheiten deutsch - amerikanischer Vereine ellge verbunden find, wissen, mit welchen Schwierigkeiten man dort zu kämpfen hat. daß mit jedem Jahre die Anforderungen höher geschraubt, und immer und immer wieder neue Mittel gesncht werden müssen, um das Interesse der Mitglieder und der Bevölkerung im Allgemeinen am Verein wach zu erhalten. Es waren stürmische Zeiten, als der Unabhängige Turnverein in'S Leben trat, und an jenem kalten ersten Ja nuar der Bürgerschaft von Jndiana. poliS den ersten NeujahrS.Gruß fntbot.

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