Indiana Tribüne, Volume 27, Number 112, Indianapolis, Marion County, 2 January 1904 — Page 4

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Jndlana Tribüne, 2. Januar 1904.

Jndiana Tribüne. Herauaedn von dr utenbttfl - Indianapolis, Ind.

Harry 0. Thuvium

, ,

Präsident.

eschaftSlocalt No 31 Süd Delaware Straße. Telephone

, erl at ihe Poit Office os Indianapolis second dass matter.

Hicaao'S (Satalttopbc

Das entsetzliche beschick oer Opfer der Jroquois Theater Katastrophe und die in vielen Hunderten von Familien hervorgerufene Trauer Über den so jähen Verlust ihrer Lieben, muß jedes Menschenherz mit Theilnahme aber auch mit Entsetzen erfüllen, daß das schaurige Ereignitz überhaupt eintreten konnte in diesem Zeitalter feuersicherer ebäude und städtischer Sicherheltsgesetze. Die Frage wird einem nahe ge legt, wie steht es in unserer Stadt mit VerhütungsmaKregcln gegen derartige Ereigniße. Sollten die Cpftr vom Jroquois Theater, wie die vom Wie ner Ringtheater dem Theater in Brooklyn, den St. Petersburger Thcatern und dem Exeter Theater in London, nicht endlich genügen um rücksichtslos gegen die Interessen der Unternehmer, solche Bau. und SicherheitSbedingun gen für Theatergedüude von Stadtwegen zu stellen, daß die Gefahren die den Theaterbesucher bedrohen, soweit dies im menschlichen Beweise liegt abgestellt werden. Nach der Brand'Vatastrophe in Wien wurde in Deutschland die Bestimmung zum Gesetz, daß TheaterGebäude nur auf freiem Platze errichtet werden dür fen. Dadurch ist die Möglichkeit gege den in unglaublich kurzer Zeit ein gepakt volles Haus in kürzester Zeit auf die Straße zu entleeren. Kein Theaterbau darf aufgeführt werden, der nicht dieser Bestimmung entspricht. Die beiden Seitenfronten, sowie die Fassade müssen mit zahlreichen Thüren versehen sein, die, wenn im Augenblick der Ge fahr geöffnet, dem Publikum den sofortigen Weg in's Freie weisen und dem selben ein Sicherheitsgefühl geben, welches allein im Stande ist. ie entsetz' liche Panik und die planlose Flucht des 'Publikum, welche die meisten Opfer fordert, zulverhütcn. Wir haben in Indianapolis nur ein einziges Theater, welches mit genügenden Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet ist. um dem Publikum in der Stun de der Gefahr Zeit und Gelegenheit zu geben, sich in Sicherheit zu bringen. (?. ist das Engkish Theater. In dem Theaterraum selbst ist kein Holz für Fußböden verwendet. Große Doppcl thürcn, die sich dunkel von der hellen Wandbekleidung abheben, sind klar er kenntlich und weisen den Weg in's Freie. Die Gänge sind breiter wie in irgend einem anderen Theater und auch im Balkon und in der Gallerie sind ge nügend Thüren, um dem Publikum Gelegenheit (zum eiligen Verlassen des Theaters zu geben. Das Grind Opera Haus hingegen wird durch die Gewinnsucht der Unternehmer, welche um einer lumpigen Mehreinnahme wegen, selbst in den Gängen das Publikum zusammenpferchen zu einer erftklassizen Feuerfalle. Wäre in der Weihnachtswoche in dem vollgedrängten Grand" ein FeuerAlarm, wenn auch nur ein falscher, während der Vorftelluna laut geworden, so wäre eine entsetzliche Catastrophe unabwendbar geblieben. Die Geschäfts- . führer von solchm Theatern, welche, die Gefahr kennend, dennoch des Mehr gewinnstes wegen, eine derartige Sper rung der Gänge gestatten, sind ganz gewissenlose Subjekte, welche strengere Strafe verdienen und in eine niedrigere Kategorie gehörten, wie die Weinstubenbesitzer. Das PakTheater ist etwas bester angelegt und bietet schon dadurch bessere Fluchtgelegenheit, daß es auf drei Seiten freisteht. Auch das Empire Theater bietet größere Sicherheit, wie sonst bei derartigen Tingel - Tangeln gebräuchlich. Um zu verhüten, daß unsere Ver gnüqungslokale zu Stätten des Grau senS werden, sollte kein neuer Theater bau gestattet werden, der zwischen an deren Gebäuden eingepfercht ist. Das Theater sollte auf einem freien Platze stehen. Bei unsren bestehenden Theatern

sollten Gesetzbestimmungen streng vor1

schreiben:

Das', die Noththüren auch an jedem gewöhnlichen Theaterabend dem Prblikum zum Gebrauch stets offen stehen. DaS Publikum gewöhnt sich dann an die Lage derselben und würde im Au genblicke der Gefahr nicht nur nach dem Haupteingang eilen. Daß die Gänge zwischen den Sitzen und zu den Sitzen stets frei sein müssen. Daß bei jeder Theatervorstellung zwei Feuerwehrleute mit Handspritzen einer im Hause, ein anderer auf der Bühne stationirt werden müsten auf Kosten der Theater-Eigenthttmer. Diese Feuerwehrmänner sollen amt lich ' pflichtet sein, vor Beginn der Vorstellung den Mechanismus deö Asbest-Vorhanges auf seine Betriebs fügigkeit zu prüfen. Der ASbest . Vorhang sollte bei je der Theater Vorstellung wenigstens einmal während eines längeren Zwischenaktcs völlig herabgelassen werden. Diese Vorschriften, deren Uebertre tung alS misdemeanor" vom Gesetze bestraft werden sollten, müssen unter allen Umständen in den hiesigen Thea tern durchgeführt werden. Dann aber auch sollte der staat liche Inspektor verpflichtet sein, nicht nur zu infpiciren, ob die vorhandenen Gesetze zum Schutz des Theatcrpublikums befolgt werden, sondern gehalten sein, den Befund sei ner regelmäßigen Inspektion schriftlich und eidlich bestätigt in seinem Bureau zu hinterlegen. Das blödsinnige Staatsgesetz, welches die Theaterbesitzer mit je $5000 für jeden im Theater durch Unfall Getödte ten bestraft, sollte auS unseren so schon mit Blödsinn überladenen Gesetzbüchern gestrichen wenden. Jeder vernünftige Mensch weiß, daß bei einer Katastrophe wie der in Chicago kein Theaterunternehmcr bemittelt genug ist, um eine solche Summ.' zu zahlen. Bei dem Verlust von Menschenleben in Chicago hätte sich das Strafgeld auf über 3,000,000 belaufen. Die Ungeheuer lichkeit der Summe allein macht das Gesetz hinfällt. Will man den Theaterbesitzern aber wirklich zu Leibe, so sollten sie crimi nell haftbar gehalten werden, wenn sie nicht beweisen können, daß alle Gebote der Sicherheit beobachtet würden. Wenn erst ein Paar der Spekulan ten mit Menschenleben hinter schwedi schen Gardinen über ihren verbrechen schen Leichtsinn nachzudenken Gelegen heit Hütten, würden die Theatcrunier uchmer auf den Schutz des Publikums mehr bedacht sein. Unserem Indianapolis wünschen wir aber, daß es nie auf einen so entsetz lichen Jahresschluß zurückzublicken habe wie das so schwer betroffene Zhicago. Wenn man die Ereignisse in städ tischen demokratischen Kreisen überblickt, so liegt einem die Frage nahe: Heißt er Holtzman und ist er Mayor, oder heißt er Mayor und ist er ein Wooden Man k "

Das alte Jahr ist nicht geschieden, ohne einen entsetzlichen Dämpfer auf alle Festfreude zu setzen. Jeder FUhlende steht ergriffen vor dem schrecklichen Autodafe, welches Gewinnsucht, dieser Götze unserer Zeit, in Chicago veran staltete. Die Armen, die bei dem schau rigen Ereignisse umkamen, wurden bea goldenen Kalbe geopfert. Es ist Zeit, daß reinere Ideale Einzug halten. Unter den diesjährigen Empfängern der Nobel-Preise genießt Björnstjerne Björnson, dem der Literaturpreis zu gefallen ist, unstreitig den größten und allgemeinsten Ruhm. Noch vor Ibsen und dem Tondichter Grieg ist er es ge wesen, der die Norweger in die Reihe der Kunstvölker eingeführt hat. In seinen Bauerngeschichten lernte die Welt zum ersten Male die Normeger kennen und lieben; sie zählen zu den Werken, in denen das Herz cmes Volkes schlägt. Er hat den Norwegern eine schwungvolle und mächtige National hamne geschenkt. Ja, wir lieben dieses Land, wie es, wetterzerfressen, mit seinen tausend Heimstätten aus dem Wasser sich erhebt." Kein Wunder, daß die Norweger ihren Dichter ehren und lieben; er kennt aber auch seine Macht über sie. .,Wenn der Mann, der Euch Kare Nationalhymne gesungen hat. Euch sag1 's ist so, dann könnt Ihr e glauben !" riec er vergangenen Sommer in einer Rede aus, in der er- die norwegische Politik be sprach. Den größten Theil des Jahres wohnt Björnson auf sein-m schönen Hofe Aulestad freilich nicht gerade als Bauer a la Tolstoi. Vielleicht hatte der Dichter früher mehr Neigung, als

Edelbauer" zu leben ; allein seine große Schwärmerei für das Bauern thum hat etwas nachgelassen, seitdem fanatische Schwärmer in Norwegen die Schriftsprache des Landes durch eine Bauernsprache ersetzen möchten, die übrigens nicht einmal als einheitliches Idiom, sondern nur in hundert Dia leite zersplittert existirt. Diese Sprachenfrage bildete den Grund für eine entschiedene Wendung Björnsons dem Bauernstand gegen über; wie könne er die Sprache von Leuten annehmen, die sich nicht einmal genug wünschen so hat er sich geäu ßert; uud das ist ihm von manchem im Lande recht Übel genommen worden. Jedenfalls regiert heute in Aulestad durchaus europäische Kultur, sogar mit einigem aristokratischen Anstrich, der zu Hof und Land in einsm gewissen Ge gensatze steht. Björnson hält hier fö'.nlich Hof; immer sind Gäste anwe send und in ihrer Mitte thront der Dichter als absoluter Despot. ES ist ganz bezeichnend, was er einmal einer Dame zurief, die ihm widersprach : Wagen Sie es, nein zu sagen, wenn ich ja sage?" Wunderlicher Kontrast. Der Freiheitskämpfer ist eine Auto kratennatur. Bei alledcm bleibt er nicht nur ein großer Dichter, sondern auch eine große Seele, voll begeisterter Hingabe an die Ideale ; uud noch bis in sein jetziges Greisenalter hat er sich jenen Zug von Kindlichkeit gewahrt, der nur reinen Seelen gegeben ist. '

Au den Gerichtshöfen.

Die Klage der Stadt Green field gegen die Green f i e l d GaS.Gefellschaft. Vor Richter Allen wurde heute mit den Verhandlungen in der Klagt fort gefahren, welch- die Stadt Green field gegen die Greenfield Gas-Gesellschaft eingereicht hat. Es handelt sich darum, dieselbe zu zwingen, ihren Kunden nach wie vor Naturgas zu liefern. Bankerott. Die C. F. Thomas Eo. von Galveston, Eaß County. meldete im Bun desgerichte ihren Bankerott an. Die Passiva werden auf $7776. 8r und die Activa auf 81604.92 angegeben. Wm. P. Tice von Hammond erklärte ebenfalls im Gericht, daß er pleite sei. Seinen Passiva von stehen Activa von 7332.58 gegenüber. Fehlgeschlagene Ehen. Wm. L. Armstrong verklagte seine Gattin Elisabeth auf Scheidung. Das Ebepaar lebte etwa 6 Monate zusammen. Dann trennte es sich. Wie er sagt, soll sie zänkischer Natur sein. Ophelia Leonard beschuldigt in ihrer gestern gegen ihren Gatten John crhodenen Scheidungsklage denselben der Pflich'vernachlüssigung. dcö böswilligen. Berlassens und der Trunkenheit' Schadenersatzklage. Pauline L. Tinker verlangt von der Straßenbahngesellschaft $5000 Schadenersatz. Sie wollte von einer Car steigen, als bteYe sich zu frühzeitig in Bewegung setzte. Sie stürzte zu Bo den und trng erhebliche Verletzungen davon. Dr. Carterverlangt sein Geld. Dr. Charles A. Carter, Er-Che. Clerk der verflossenen Gesundheitsbe hörde. leitete im Superiorgericht ein Mandamusverfahren gegen den StadtControlle? Jacob P. Dunn ein, um denselben zu zwingen ihm $445, welche die Stadt ihm schuldet, auszuzahlen. Dr. Carter verlangt dieses Geld für Ertra - Dienste, welche er der Stadt während der Blattern-Epidemie gelei stet hat. Dunn weigerte sich zu zahlen, weil er die Forderung für eine ungesetzliche hielt. Im Polizeigericht kam Sam Toner, welcher seinen 17 jähriger Sohn in brutaler Weise be handelt hatte, mit einem suspendirten Urtheil davon, da seine Frau erklärte, daß sie 9 Kinder hätte und daß sie auf seinen Verdienst angewiesen wäre. Er mußte sich aber eidlich verpflichten, keine Spiritussen mehr zu trinken.

Vortrag einer chines. Ercellenz. Nl Commercial Club wird heute Abend Excellenz Wong KaiKah, der Special-Commissär China's für die St. Louiö' Ausstellung, der mit seiner Familie hier temporär Quartier genommen hat. einen Vortrag über ,.Han dels'Verbindungen mit China" halten. Er ist ein Graduirter von ZZale und des Englischen vollkommen mächtig.

Sylvester im Männerchor. Ein weihevoller Abend von Frohsinn durchweht.

Das zweite Concert des Männerchor.

Hell leuchteten am SyloesterAbend die stylvollen Kunstfenster der Männer chor Halle durch die in nächtliches Dun kel gehüöteUmgebung. schon vonWeiiem den Besuchern des gastlichen Hauses ein fröhliches Willkommen zuwinkend, lln aufhörlich rollten die Equipagen dem Eingange zu und entluden ihre Fracht von reizenden Damen in hellen Ball toiletten und deren Cavaliere in ein fachem Schwarz. Trotz der Abendstunde sanden sich viele Neugierige ein, welche die geschmackvollen Toiletten be wundern wollten, ehe ihre Trägerinnen eilig durch das Schutzzelt in die Halle schlüpften. Oben in den Sälen herrschte bald ein muutcreS buntes Getümmel, wel ches seinen wirkungsvollen Hintergrund durch die von den Gebrüder Berter mann geschmackvoll gestellten Pflanzendekoration erhielt. Es war ein schönes, farbenprächtiges Bild. Gegen 9 Uhr begab sich die Gesell schaft in den Concertsaal und jeder ließ es sich angelegen sein. Sitze für seine Dame zu sichern denn der Besucher waren viele. ES lag sicherlich nicht amProgramm. wenn den Gästen des Männerchor ge stern Abend nicht der Himmel voller Geigen hing. Das Spiering Streich Quartett, welches für die Gelegenheit gewonnen war, stand mit drei Num mern auf dem Programm und einzelne seiner Künstler waren mit SoloVor trägen verzeichnet. Dem Spiering Quartett lag mit dem Quartett in C-dur von Mozart die Eröffnung deö Concerts ab. Die vierseitige Compofltion Adagio Alle gro; Andante cantabile; Menuelto; Molto Attegro erwärmte die Hörer zu rauschenden Beifall. Die Geigenbogen von Meisterhänden geführt, entlockten den Instrumenten die herrlichen Tongedanken 'des Unsterblichen Meisters in vollendeter Harmonie. Der Mäiincrchor. der nun mit dem Vortrag Mägdlein so schön so hold" folgte, sang so tresflkch. daß das Publi kum durchaus eine Wiederholung des Liedes. cii:e Composition vo : Kirchl. verlangte AIS der Dirigent Bellinger uud seine Sänger dem Wunsche nachgaben, wurde der Beifall, den das Publikum spendete, geradezu zu einer Qvation. Indianapolis kann stolz auf den Männerchor sein", sagte Herr Diestel, der Cello-Birtuose des Spiering-Quar-tettS, zum Berichterstatt.'r. ..Ich kenne keinen Gesangverein im Westen, der Aehnliches zu leisten vermag, und nur wenige im Osten, die ohne prosessionelle Stimmen Besseres leisten." Gewlß ein schmeichelhaftes Lob von einem so eminenten Fachmanne und Künstler. Als solcher erwies er sich mit dem Eello Solo Serenade" von Lindner. welches er nun vortrug, auf's Neue. Als D'reingabe spielte Herr Diestel für den rauschenden Beifall dankend den zweiten Satz aus Schumann's Stücken im Volkston. Einem vielseitig geäußerten Wun sche folgend, sang der Männerchor das Ave Maria" von Schmölzer. dessen überwältigend schöner Vortrag beim er ften Concert so enthusiastische Aufnahme beim Publikum fand. Eine virtuose Leistung gab Herr Theodore Spiering mit dem Violin Solo Hejre Kati" von Hubay. Eine typisch ungarische Composition in der sich fieberische'.Ausgelaffenheit und cras. feste Melancholie überpurzeln. In wunderbarer Weise brachte Herr Spie ring den Gefühlstaumel des Pußta sohnes zu Ohr. Für den frenetischen Beisall der ihm wurde, dankte er , durch eine Dreingabe. Weilere küstliche Streichmusik des Spiering Quartett von Rubenftein, Lolo und Cherubini. und dann gab der Männerchor die schönste Leistung die wir je von einem Män nerchor hörten, in der Wiedergabe des Sturm'schen Liedes ..Unterm Linden bäum." Bei solchem Gesänge möchte man einen ganzen Abend austräumen auögenießen. Das Concert war zu Ende und die Zwischenzeit, die bis zur Mitternachts, stunde verblieb, wurde tresflichen leib lichen Erfrischungen im Speisezimmer gewidm. Dort hatten wir auch Gele

zgenheit einen Gast aus dem fernen

Westen in Frau ChaS. Butsch aus Boulder, Col., die bei ihren hiesigen Verwandten. Herr und Frau Paul Krauß, zu Besuch weilt, begrüßen zu können. PrositNeujahr. Unmerklich aber sicher, schoben sich die Zeiger der Zeitmesser der zwölften Stunde zu und bald füllte sich der Concertsaal wieder mit den Festgästen, welche einen Blick auf das von Herrn Fred. Mack entworfene Tableau er haschen wollten. Nur noch wenige Secunden bis Zwölf. Eine erwartungsvolle Stille bemächtigte sich der Anwesenden. Da plötzlich verhüllte tiefes Dunkel den Saal, nur von der Bühne her ein schwacher Lichtschimmer als der Vor. hang langsam emporstieg, ein kaltes win erlicheS Bild enthüllend. Müde und abgespannt durchwandert das alte Jahr (Toni BalS) die schneebedeckte Scene, da plötzlich schmilzt der graue Nebel der Winternacht vor dem sieg reichen rosigen Lichte welches das Bits purpurnem Gewölk emporschwebendc neue Jahr (Frl. Clara Röpke) ver breitete. Von dem holden rosigen Lichte förm lich eingehüllt, erscheint die ideal schöne Figur, umflosscn von weißer Gewan dung mit künstlerischem F'itenwnrfe Der Abglanz ihres Lichtes fällt auf zwei allegorische Figuren (Frl. Irma Ber termann und Eugen Keller), welche ihr mit Blumengaben huldigen. In goldenen Lettern erglänzt die Zahl 1904. Ein donnerndes Prosit Neujahr" durchbrauste die weite Halle. Freundeshände finden sich in starkem Druck. Das neue Jahr ist da.

An Stadt- und Connty-Ber-waltung.

Neujahrs Gaben der Sicherheits-Behörde. Vor Jahresschluß hat die SicherheitsBehörde die folgenden Männer zu Eubstitut Feuerwehrleuten ernannt : Robert L. Simms, Edward Steinruck. W. E. Kennedy. Harry Harwood, Conrad Striedeck. William Shea, Jas. Warrenburg, Demokraten ; C. S. Geyers, W. M. Faust, Dennis Murphp, Fred Garringer, Thos. Graham, Republikaner. Ben. I. Taylor, farbig, und Henry Arnouil werden zu regulären Feuerwehrleuten gemacht und Fred. Reineckc wurde als weiterer Janitor für den Oft.Markt angestellt. Uebrigens wird betreffs des Dennis Murphy behauptet, derselbe könne gar nicht zu deu Bürgern oder Stimmgebern unserer Stadt ge rechnet werden könne. da er erst ganz kürz lich von Chicago hierhergekommen und nicht einmal stimmberechtigt sei, ganz abgesehen von seinen körperlichen Fehlern. Heute Abend wird der Polizist Robert R. Roß vor der Behörde zu erscheinen haben, um sich gegen die An klage der Trunkenheit zu verantworten. Neuer Straßen bahndien st für Broad Ripple. Der StraßenbahnBetricb zwischen Indianapolis und Broad Ripple erfuhr eine Aenderung ; denn mit dem gestri gen Tage ging der nördliche Theil der Linie, beginnend an der Light Avenue. formell in den Besitz der Jndiana Union Traction Co." über. Der neue Fahrplan sieht folgenden Dienst vor: Beginnend um 6 Uhr 15 bis um 9 Uhr Morgens jede Stunde eine Car von Broad Ripple nach Indianapolis und zurück. Von 4 Uhr Nachm. bis 7 Uhr Abends ftündl. Dienst von Zndpls. nach Broud Ripple und zurück. Während der andern Stunden und während der Frühstunden am Morgen und am Spätnachmittage wird der Nerkehr zwischen Jndpls. und Broad Ripple durch die Cars der NordDivi sion der Jndiana U. T. Co. vermittelt werden.

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A u f Ersuchen der scht?

zerischen Bundcspolizeibehörde verhc:

tete die Genfer Pol:zel zwei Anarchisten Namens Stoyanow oder Burgen) und Krakow. Der Name des Erst?rn ist ungewiß. Er kam zui'i ersten Male im Jahre 1889 von Sibirien nach Genf, blieb aber nicht dauernd dort. Später wurde er in London wegen anarchistischer Propaganda und Aufreizung zur Anwendung gewaltthäiiger Mittel zu 18 Monaten Gefängnis; verurtheilt. Nach Verbüßung dieser Strafe kehrte er nach Genf zurück, wo er vor zwei Jahren Krakow kennen lernte. Sie gaben beide ein Blatt. Narodowoletz (Volkswille) heraus. Zur Täuschung der Polizei trug das Blatt den Vermerk: Gedruckt in London". Beide Anarchisten hielten sich bcild in Genf, bald in Clarens und in Montreur auf. Voraussichtlich werden sie ausgewiesen und an die Landes ( grenze geführt werden, welche sie wählen. Von Löwen zerrissen. In Dessau, Herzogthum Anhalt, führte neulich die Thierbändiqerin Fischer dem Pudlitum. wie. gewohnt, ihre Löwen vor, von denen einer von Beginn an nicht Ordre pariren wollte. Sie versetzte ihm schließlich einen wuchtigen Hieb mit der Peitsche; das gereizte Thier schlug mit der Pranke nach ihr und riß ihr den Unterleib auf. Nun stürzten sich auch die anderen Löwen auf das unglückliche Opfer, und im Augenblick war der ganze Körper gräßlich zerfleischt. Als die Wärter mit glühenden Eisen herbeieilten, war nichts mehr zu retten. Das Publikum war von panikartigem Entsetzen befallen. und was das Furchtbare der Szene noch erhöhte, war, daß die 5tinder der Thierbändigerin der Vorstellung beilohnten und Zeugen sein mußten, wie die Mutter von den wüthenden Bestien zerrissen wurde. - V. Jf.