Indiana Tribüne, Volume 27, Number 111, Indianapolis, Marion County, 31 December 1903 — Page 7
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4 pXCfo&Xt tt (Fortsetzung.) Ilso der Toni." fuhr sie fort, .das gibt ganz den richtigen Mann für die Stasi. Pressiren thut ja die Sach' riet, so kann man also leicht bis Ostern warten, und bis dahin die Hochzeit ausrichten, wie's für eine richtige Jauerntochter q'ho'rt." LoiÄ war jäh von seinem Sihe aufgesprungen und hatte in der Anwandlung eines wilden Zorncefühles mit der geballten Faust auf den Tisch geschlagen. Jessas, Maria und Joseph!" kreischte Frau Maria auf, wie kannst mich denn so erschrect'n! Was ist denn, was hast denn?" Was ich hab'?" rief ihr der junge Mann in sprudelnden: Eifer entgegen, das magst Tu noch fragen? In meir , " , , , 'f .. f i. r." " fljC nein eoen rzall icq nicyi sur mogiii i gehalten, daß Tu Teine eigene Tochter ' weggeben und verhandeln konntest an einen wildfremden Menschen, weil eben dieser zufällig Geld im Kasten und Haus und Hof hat! Gilt denn das , Herz des Kindes nichts? Weißt Du "benn, ob es nicht schon einen Anderen jgern hat?" ..?sfirr PniT wi? fnrrrmst 11 mir vor? Mit welchem Recht stellst Du mich in der Weis' zu Red'? Ich denk doch, ich hätt' an Dir" Mein Recht ist einzig und allein die Pflicht des Stärkeren, jederzeit das Schwache vor Unterdrückung zu schuhen. Aber schau" seine Stimme wurde weich und bittend ich kann immer ncch nicht glauben, daß ich recht gehört habe; Du gehst gewiß und sicher von der Ansicht aus, daß Stasi mit der Art, wie Du für ihre Zukunft sorgen willst, vollständig einverstanden ist?" Frau Maria hatte ' sich von dem Schrecken, den ihr das vollständig unge wohnte Aufbrausen des jungen Mannes verursacht hatte, wieder erholt und saß jetzt hinter dem Tische, beide Arme über die Brust geschlagen und mit einem trotzigen Zuge in dem älter scheinenden Gesichte. Sie fühlte, daß es jetzt auf einen gefährlichen Kampf ankomme, in dem sie Siegerin bleiben mußte, wenn sie glücklich werden wollte. Es war ihr natürlich nicht entgangen, daß die beiden jungen Leute vorzugsweise gut miteinander barmonirten; allein sie befrachtete dies für ein der jahrelangen Gewohnheit des Zusammensein!.' entsprossznes, kindlich freundschaftliches Verhältniß. Stasi hielt sie eigentlich eines kräftigen Liebesgefühles gar nicht fähig, und für Loisl glaubte sie, daß ein solches erst geweckt werden müßte. Tas Gesicht der jung?n Frau war bleich geworden, und ihre Augen flackerten in einem unruhigen Glänze, als sie ent?egne!e: ' Ja. Ich weiß, was ich g'sagt hab', und weiß, was ich will. Tie Stasi ist gewin ermaßen noch ein Kind, für das man sorgen muß; außerdem, glaub' ich, ist es ihr vollständig recht, wenn ich die Auswahl für sie treff'. Ich mein' immer. Tu regst Dich für CnifiPn rnif hie ftrfi itm-tlorA soirfifr 7 - - - 1 P - vj v v-y v I richten werd'n, als Du Dir heut' vork firrn - .Das glaubst Du selbst nicht!" rief Loisl in höchster Erregung und faßte sich wie verzweifelt an die Stirne. JJDarurn?" klang es ihm fest und herausfordernd entgegen. Weil weil die Stasi einen Andern als den Toni liebt weil sie mich liebt!Ein kurzes, trockenes Auslachen der Bäuerin, dann stand sie auf und trat init einem kalten, entschlossenen Gesichte vor den Hocherregten hin. Meinst Tu, ich hab' nicht kommen sehen, was Du mir da eben g'sagt hast? Da m ßt' ich ja seither blind und taub g'weser. iein, hätt' ich net g'merkt. daß zwischen uch zwei eine große Freundschaft los Xt. Aber das war mir recht es .war ein Nutzen dabei für das Madl, mit dem Du Dich ganz besonders abgeben hast, und für Dich war's kein Schaden, denn wenn ein junger Mensch so eine kleine Schwärmerei im Kopf hat, so ist das ein gut's Mittel gegen gar manchen Unfug. Mehr aber war's net, und wenn Du jetzt in Teiner Aufregung und dem ganz braven Gefühl, daß Du meinst, Tu müßt' ein arm's Madl vor ihrer eigenwilligen Mutter schütz'n, Tich mir gegenüber aufmannelst und dabei zu dem Glauben kommst, daß Du selbig's Madl und sie Dich so gern hat, daß es ein Unglück gibt, wenn man Euch aus, einanderreißt, so ist das eben ein Irr-
per
- thum. und zwar von Deiner Seiten.
Ein Unglück wär's für Dich, wollt' )ch Dir heut' nachgeben und ja dazu sagen; wie Schuppen th'ät's Dir von s den Augen fallen, wenn erst die Stasi Dein Meiö wär' Glaub' mir. alaub'
der Mutter, die ihr Kind kennt: das Madl hat kein tief's G'fühl in sich von einer Leidenschaft will ich gar net red'n und Du bist net der Mann, der sein Herz an ein' Eiszapfen hangen konnt'. Damit Du aberet sagen kannst, es sei Dir Unrecht g'scheh'n. so frag' das Madl selber. Frag sie nur, cb die Gattung von Lieb' in ibr steckt, dan sie
-- .- '1 I" 44 ch Hochlandsroman 4 von ctböfs Btt 4- $. JMl die Heimath verlassen könnt', und sich gegen den guten Rath der Mutter auflehnen. Glaub' auch net, daß Du mir zu g'ring wärst, als mein eh'maliger Ziehsohn! Ganz im Gcgenteil, ich bin so stolz auf Dich und hab' Tich so an's Herz g'schlossen. daß ich einzig Tein Glück will, aber selbig's Glück muß anders aussehn, als das. das Tu an der Seit'n des unreifen und kalther zigen Madels finden könntest." Der Ton ihrer Stimme war weicher und wärmer geworden, die Augen hatten sich mit einem. verzehrenden Feuer auf den jungen Mann gehefiet, der halb abgewendet, düster blickend an dem Tische lehnte. Es war ihr nicht entgongen, daß in dessen H?rzen ein Kampf lobte, bei dem die Zweifel die Oberhand bekamen, und diesen Vorgang durste sie nicht stören, wenn er sich zu ihrem Vorth?ile wenden sollte. Ter morgige Tag muß die Ent scheidung bringen, ob sie damals während der Nacht die geflüsterten Worte ihrer Tochter richtig verstand. Hatte sie sich nicht getäuscht, so hoffte sie auf die abkühlende Wirkung, welche eine formliche Absage auf Loisl ausüben mußte; ihn ganz zu gewinnen, war dann ihre nächste und sehr erleichterte Aufgabe. Tie Bäuerin zündete sich ein Licht an, nickte Loisl einen Gruß zu und stieg, diesen einsam in der Stube zurücklassend, nach ihrer Kammer hinauf. Er verharrte noch lange in dumpfem. schmerzlichem Hinbrüten, dann raffte er sich auf, und seine Gedanken begannen sich mehr und schärfer aus das zu vereinigen, was er soeben gehört hatte. Hatte die Ziehmutter recht, oder befand sie sich bezüglich Stasis in einem Irrthum? Tas war die Frage, und je ernstlicher und ehrlicher er sich damit befaßte, desto lauter mußte er sich sagen, daß der Schein gegen Stasi sprach. Ja. das Mädchen zeigte sich kühl und war nur ein einziges Mal aus ihrer Zurückhaltung herausgegangen, bei dem Heimwege von der Streuarbeit. Aber was damals aus ihr sprach, war doch echte Ltebesempfindung, sagte sich Loisl. . Tem stand gegenüber, daß die Mutter. welche ihre Tochter genau kennen mußte, schon deswegen, weil sie sich in deren weibliches Empfinden ungleich besser hineindenken konnte, als ein Mann, das Gegentheil behauptete, ja. noch weiter ging und diese so unselbstständig hinstellte, daß sie sich selbst in dieser Lebenshauptfrage der Führung der mütterlichen Hand unbedingt überlassen wollte. Was wird die Mutter dazu sagen?" hatte Stasi ausgerufen, als sie Beide dazumal Hnd in Hand die Schlucht berabstiegen. 8. K a p i t e l. ie letzten Jahre hatte Loisl das Mädchen immer nur in weni gen Wochen der Ferien geseben: das Vergangene fiel für ihn vollständig aus. Kann in diefern für die Geistes- und Charakterentwicklung so wichtigen Zeitraume nicht eine Aenderung im Wesen der Stasi vorgegangen sein, die ihm bis jetzt entging? Das Ende der Grübelei, die er. schon im Bett liegend, bis in den grauenden Morgen zur Selbstqual fortsetzte, war ein Zweifel, den nur eine personlich? Aussprache lösen konnte. Die Sonne stand bereits hoch am Himmel, als er nach einem unruhigen. kurzen Schlafe erwachte. Auf dem. Hofe war alles in größter Arbeitsthat, gkeit; w:e Loisl vom fte str aus wahrnehmen konnte, beschäftigte sich Swsi. ähnlich wie am verflo sencn Abend, mit dem Ausbreiten und Vegießen von Leinwand im Obstgar ten. Wäre es an einem anderen Tage gewesen, c hätte er ihr einen lustigen Morgengruß zugerufen; heute brachte er es nicht dazu, ja, er empfand etwas wie Scheu oder Furcht vor der unver meidlichen. kommenden Aussprache. Auch Stasi schien ernster als sonst und zwischen den leichten Falten ihrer Stirn würde für einen Menschenkenner ein fester Entschluß zu lesen gewesen sein Nicht ohne eine gewisse Äerlegenhcit trat Loisl zu ihr und reichte ihr seine Hand die sie. ohne sie zu drücken, nur oberflächlich berührte. Es ging dabei über ihr blasses GeFi wie ein leichtes Zucken; sichtlich ßte sie sich Gewalt anthun, um ruhi- ' zu scheinen, als sie wirklich war. Stasi," begann er stockend. Ich , be gestern Nacht lange mit der Mut ter gesprochen, und komme yeute zu Dir. um aus Teinem Munde zu hören, ob das, was wir damals bei dem Heimgang durch die Fauckenschluchi thaten und uns laglen, nach emer Ansicht werth ist, vergessen zu werden. oder für s Leben gelten soll. Sie hielt den Kopf gesenkt, und tan delte mit einer Blume, die sie dann zer stört in's Gras fallen ließ. Auf ihrem Gesichte lag der Widerschein eines her ben Schmerzes, und die Falte zwischen den Augen zog sich starker zusammen. Loisl bemerkte dies, deutete es aber falsch, well er dachte, seine jetzlge Zu
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revestellung sei dem Mädchen unerwünscht. Willst Du mir keine Antwort geben. Stasi?" Sie nickte bejahend, es dauerte aber noch einige Zeit, bis sie sich gesammelt hatte und sprechen konnte. Ich. hab' das kommen sehen. Loisl; einmal muß es wohl klar werden zwischen uns, und etwas wie ein MißVerständniß dürfen wir alle Beide net aufkommen lassen. - Du hast mit der Mutter g'redt vielleicht wär's am besten g'wesen. Du hättest gleich zu mir g'sagt, und von mir g'hört. was g'sagt werden soll und was Du bören mußt." Ich bitt' Dich. Stasi." drängte der junge Mann, das ist ja keine Antwort auf meine Frage!" Warum net?" sagte sie mit leicht bebender Stimme. Es hätt' gelangt, wenn wir zwei uns ausg'sprochen hätten. denn: Komödie spielen wir keine, dazu meinen wir'S zu ehrlich." Loisl schreite zurück es klang wie ein Schmerzensschrei. als er ihren Namen rief. Stasi, ich versteh' Dich nicht was soll das bedeuten? Warum machst Du Ausflüchte, wo Du doch wissen mußt, daß gegenwärtig alles darauf ankommt, daß wir" Eben deswegen," fuhr sie fort, aber die Stimme zitterte wie bei einem schweren inneren Kampfe. Eben deswegen will ich auf halbem Weg Dir entgegenkommen. O, Loisl, ich hab' viel nachdenkt in den letzten Tagen,
und besonders darüber, was man so versteht unter Lieb' und unter Freundschaft. - Da hab' ich dann g'funden, daß die zwei Sachen von ganz verschiedener Herkunft sind. Beide hab'n zwar ein' Nahr- und Wachsb)den, das ist das Herz, und doch sind's grundverschieden. Wenn ich s so vergleichen darf, so kommt mir die Lieb' vor wie ein Rosensträuchel mit hundert und hundert Knospen, die in der Sonne und Wärme zum Aufblühen kommen und bei denen es so sort geht, bis der erste Rauhfrost oder Schnee drauf fallt. Die Freundschaft, die ist aber wie die Gslbveigerln (Goldlack);, einfach und bescheiden in der Färb', aber von einem feinen G'ruch, dem auch der Frost net ankann. An dem blühenden Ro sensträuckel wird im Garten Niemand vorbcigeh'n. ohne daß er's bewundert; die Gelöveigerln wörden von den meisien übersehn, und doch g'schieht ihnen bitter Unrecht dabei. Loisl hatte ihr mit wachsender Beengung zugehört; was ging diese Erklärung von der Freundschaft, die noch dazu, wie die meisten Vergleiche, auf recht schwachen Füßen stand, ihn an? Er wollte entgegnen, aber das Madchcn fiel ihm in die Rede. Was aber Dich betrifft. Loisl. so suchst Du im Garten umsonst nach den Röserln; Du wirst auch keine finden, und warum? Weil halt nur Gelbveigerln d'rin wachs'n." Sie hatte geendet; ihre Unterlippe verrieth durch ein leises Vibriren die Qual, welche dem Mädchen die Ausspräche dieses Bekenntnisses bereitet hatte. Ueber den jungen Lehrer war es wie eine Erstarrung gekommen. Was er eben hörte, war ihm, trotz der in, bangen Zweifeln hingebrachten Nacht, unfaßlich; und doch konnte es keine Täuschung sein, denn diejenige, der er den bräutlichen Kuß gegeben, die er seit jener Zeit, da ihn die Vilshoferin als arme Doppelwaise zu sich genommen hatte, als das Licht seiner Seele liebte und verehrte, sagte ihm in nicht mißzuverstehenden Worten, daß sie nichts für ihn fühle als Freundschaft. Er bewegte wie abwehrend seine Hände, war aber nicht fähig zu einer augenblicklichen Entgegnung. Erst als Stasi Miene machte, sich zu entfernen. griff er mit beiden Händen nach ihrem Arme, den sie über die Brust geschlagen hielt, und mit vor Aufregung heiserer Stimme rief er: Du lügst. ' Stasi! Oder?- seine Züge drückten dabei Zorn und Schmerz aus hast Du einen Andern lieber als mich? Du kannst mir nicht in die Augen sehen Es ist so! Nicht wahr, es ist so? Ist's der HammerschmiedsToni?" Er vergaß sich und schüttelte sie. dann stieß er sie von sitf;, daß sie taumelte. 2lber schon im gleichen Augenblicke reute ihn dieser Rohheitsausbrück, er svrana ans das Mädckien zu uno woaie es siutjeii tan itand ao-r bereits wieder fest auf ihren Füßen und sah ihn, ohne einen Laut von sich zu geben, nur tieftraurig an. Tann schlug sie die Augen nieder und sagte sanft: Der Stoß hat mir net weh gethan wer weiß, vielleicht hab' ich ihn auch verdient, aber, Loisl. vergiß net: Wo keine Nöserln wachs'n. da blühn die Gelbveigerln. Sei mir net bös ich darf, ich kann net anders." Wie sie dies traurig und klanglos vor sich hinredete, leise mit dem Kopfe dazu nickend, gewann die gewaltsam zurückgedämmte Aufregung die OberHand, sie schlug die Hände vor die Augen, denen plötzlich Thränen entströmten, und wankte mehr als sie ging dem Hause zu. Der Lehrer sah ihr mit dem Gefühle nach, als wenn soeben etwas geschehen wäre, das ihm die halbe Besinnung raubte. Ein dumpfes Staunen erfaßte, ihn, als hätte er etwas ganz Unglaubliches erzählt bekommen; etwas, das so herb, so tödtend klang, daß ihm das warme Herzblut darüber zu gerinnen drohte. Was er bis jetzt zu sehen, glaubte,
war also alles falsch gewesen, eine überdachte Lüge oder eine sträfliche Koketterie. Nie und nimmer hätte er das Mädchen, das sich stets so still und innig zeigte, für fähig erachtet, sich derart zu geben oder so zu verstellen. Jeder Blick war eine Lüge, jeder Händedruck eine Bethörung gewesen. Aber diese offenbare Trauer? Gehörte diese auch unter die Verstellungskünste? Nein, nein, das war unmöglich für die einfache Stasi ein Geschöpf, wie sie es ist, ändert in wenigen Monaten sich nicht in den entgegengesetzten Cha rakter. Räthsel über Räthsel, kein Ausweg aus diesem Wirrsale! Loisl wollte nochmals vor das Mädchen treten und sie bei allem, was ihm heilig ist, beschwören, diesen üblen Scherz zu enden. Aber er verwarf in derselben Minute den Gedanken, weil, wenn Stasi derartig seine Gefühle mißhandeln wolle, dies ihn für alle Zeit von ihr als einem erwiesenen herzlosen Geschöpfe trennen müßte. Lag ihrem Benehmen die bittere Wahrheit zu Grunde, so ging ein Bitten und Vetteln gegen seine Manneswürde. Das Bild der Reinen, die er in seinem Herzen getragen hatte, war von ihr selbst getrübt worden die lichten Zukunftsträume zerfließen in einen grauen Nebel; im Hintergrunde zeigt sich sein eigenes, verbittertes, einsames Leben, das stündlich und täglich nach dem Alleströster, dem Tode, seufzt. Das war die Zukunft aber die Vegenwart? Kann er unter solchen Umständen neben dem Geschöpfe, das ihn tief gekränkt und fast herzlos von sich gestoßen hatte, leben? Er mußte den Vilshof meiden. Seine Stellung im Hause und sein eigenes Zartgefühl erlaubten ihm nicht, länger zu bleiben. Ohne Jemand zu begegnen, war er über die Treppe in seine Stube g langt und saß dort, sein Gehirn in einem wilden Gedankenkampf zermarternd, bis man ihn zum Mittagessen rief. Heute mußte er noch tapfer aushalten und durfte nicht zeigen, wie ihm zu Muthe war; morgen wollte er aber allen Ernstes mit dem Maurermeister sprechen, der an dem alten Schulhause baute und flickte, damit er das Zimmer, das ihm in diesem von Rechtswegen zukam, in möglichster Bälde beziehen könne. Der Boden auf dem Vilshofe begann ihm unter den Füßen zu brennen, aber doch vergingen noch verschiedene Tage, bis er das Haus verlassen konnte. Es wurde ihm leichter gemacht, als er zu hoffen wagte, denn Stasi behandelte den Jugendgenossen mit ruhiger Freundlichkeit, und Frau Maria ließ
keine Aenderung ihres sonstigen Wesens erkennen, auch berührte sie mit keinem Worte oder irgend einer Anspielung die Vorgänge jener nächtlichen Unterredung. Loisl "sah dem mit einem gewissen Erstaunen zu; er war noch nicht weit genug in die Tiefen der Weiblichkeit eingedrungen, um begreifen zu können, daß in solchen Fällen die Frau sich ungleich mehr beherrschen kann, als der unter den gleichen Eindrücken stehende Mann. Unwillkürlich kommt es bei den weiblichen Geschöpfen zu einer Art von Berechnung, die ihrem sonstigen Thun fremd ist, die sie meist in ungemein kluge? Weise anzuwenden verstehen, hinter deren Schleier jedoch der Kampf der Leidenschaften in ungeschwächte? Weise fortdauert. Tas Erstaunen verlor sich, und ging in die Form der alltaglichen Gewöhnheit über: ja, Loisl begann mit dankbarer Empfindung zu Frau Maria und Stasi aufzusehen, wie wenn sie Wunder was für ihn gethan hatten. Sein Schmerz, stch von Stast verschmäht zu sehen, war darum nicht gelindu ge worden: er kam auch nicht da?" den Borgang als eine unumstößliche, feste und unverrückbare Thatsache anzusehen, und hegte im hintersten Grunde seines Herzens die sich nie m Wori: kleidende, doch empfindungsmäßige Hoffnung, daß der Tag kommen werde, an dem alles Zuwidere sich wieder zum Besten wenden ioerde. Er versuchte auch nie, diesem Gedanken nachzugehen. empfand aber dessen Besitz wie einen reichen, unantastbaren Schatz, den er ängstlich hüten müsse. So machte sich also der Abschied und Umzug leichter. als es vorher den Anschein geyao: ralc. Frau Maria ließ es sich nicht nehmen, die allerdings sehr mangelhafte Einrichtung des Zimmers im Schulhause zu verbessern und zu vervollständigen. Für sie war alles nur ein nothwendiger Ueberaang; so mußte es kommen, das hätten schon die Anstandsrücksichten für die Zünftigen Verhältnisse erfordert. Ihr Benehmen war deshalb frei von allem Zwange, und wirkte in Folge dessen beruhigend auf die erregten Ner ven des jungen Mannes. Nur Stasi drohte am letzten Tag aus ihrer Rolle zu fallen. Es war ihr, als müßte sie ihm zurufen: Bleib! Geh nicht fort von mir ich hab' Dich ja lieb, trotz aller Abweisung. Das Opfer, das ich der Mutter bringen wollte, ist viel, zu schwer für mich. Aber sie brachte es doch über sich, jedesmal die nöthige Fassung im rechten Augenblick zu gewinnen, und ihr Mund zwang sich, zu lächeln, während das Herz weinte. Die herbstliche Zeit spendete nur mehr m seltener werdenden Tagen war menden, glänzenden Sonnenschein Draußen tm Walde und an den zahl reichen Frucht- und sonstigen Bäumen,
bic den freundlichen Marktflecken verschönern helfen, hatte der Wind gerüttelt, und das Gezweige begann kahl zu werden. In den Gärten verblühten die
letzten Astern; manchmal wagte sich noch eine verspätete Rosenknospe hervor; sie kam aber nicht mehr zum Erblühen. Und noch trauriger sahen die abgeernteten Gartenbeete aus. Wo vordem alles im üppigen Gedeihen stand, da waren nur mehr unschöne, abgeschnitten? Stiele und Strunke zurückgelassen worden, und das Erdwerk daneben sah zerwühlt und zertreten aus. Der Schulgarten bot womöglich den unangenehmsten Anblick von allen; war er ja schon im Sommer genug vernachlassigt worden, denn der Mann, der ihn sonst so aufmerksam pflegte, laa schon seit Monaten auf dem Krankenbette. Auf den Garten hinaus gingen die Fenster der Stube im Erdgeschosse, die oisi nun vewoyme. (Fortsetzung folgt.) lnscre Gassenhauer. ZSit di ;der Ser Etrasjt entstehen und Der, breitua ftnden. Der amerikanische Gassenhauer hat in den letzten Jahren an Bedeutung zweifellos viel gewonnen. Beschränkte man sich früher darauf, dem nicht gerade besonders kostbaren Liederschätze der Engländer Perlen von der Sorte des Trarara-Bumdiäh" zu entnehmen, so sind wir heute in der glucklichen Lage, dem Vetter an der Themse diese Entlehnungen doppelt und dreifach rückzuerstatten. Ob er uns dafür besonders dankbar, sein wird, ist eine andere Frage. Vom musikalischen Standpunkte betrachtet, haben wohl nur die Plantagenlieder, die sogenannten ,,Cocn.;5onA3," bet aller gemachten Originalität immerhin einigen Werth, während man einen solchen den zahllosen Liedern in Balladenform, die auch textlich in ihrer ungesunden VerMischung von Frivolität und krankhafter Sentimentalität der Moral wenig förderlich erscheinen, direkt absprechen muß. Trotzdem ist es von Interesse, den Spuren des Erfolges eines solchen Liedes, das uns oft wochenlang zu allen Tageszeiten und m den mannigfachsten Variationen verfolgt, nachzugehen.' Gibt es doch Glückspilze, die sich mit einer einzigen derartigen Komposthon, die zufällig besonderen Anklang fand, ein Vermögen erworben Haben, während zahlreiche andere Personen in der Gassenhauer-Jndustne lohnende Arbeit finden. Das Wort Industrie darf für diese Abart künstlerischer Thätigkeit, die mit der legitimen Kunst so wenig Verbmdung hat. wie der Anstreicher mit dem akademischen Maler, mit Fug und Recht angewendet werden. Thatsächlich hat der ganze Betrieb, der seine hervorragendsten Exponenten selbstverständlich in New Aork besitzt, einen fabriksmäßigen Anstrich. Die großen Verlagshäuser, welche diese Sorte von Musikalien in den Handel bringm, arbeiten dabei mit bedeutenden Unkosten und sie müssen einen großen Apparat in Bewegung setzen, um einigermaßen gesicherte Erwartungen aus pekuniären Erfolg realisiren zu können. Ueber zu geringes Angebot dürften sich die Chefs dieser Geschäftshäuser allerdings nie zu beklagen haben. Wie die Schwalben den Lichtstrahlen des Leuchtthurms entgegen, so fliegen die illegitimen Musenkinder der Gassen-hauer-Komponisten in ihr Privatkomptoir und zahlreich wie die Schneeflocken des sibirischen Winters fallen sie auf ihr Arbeitspult. Da wird denn zunächst, wenn man in dieser Verbindung überhaupt so sagen darf, die Spreu vom Weizen gesichtet, und die Lieder, mit denen man einen Versuch tvagm will, werden als ,,pr5ossina! Copy" Gedruckt. Diese Exemplare stehen allen Berufsmusikern zu professionellem Gebrauche kostenfrei zur Verfügung. Außerdem werden auf Kosten des Verlagshauses die einzelnen Lieder für zehn Instrumente orchestrirt, und nicht selten ist davon das spätere Schicksal der Komposition" abhängig. Gleichzeitig werden von berufenen Künstlern Bilder angefertigt, um die Lieder m der heute so beliebten Form der illustrirten Gesänge zur Aufführung bringen zu können. In einem Probesaale werden die neuesten Lieder den Koryphäen der Vaudeville-Bühne vorgespielt, vorgesungen und eingeübt. Je nach Laune erklaren sich dann die einzelnen Jun ger und Jüngerinnen der leichtesten Muse bereit, die Erzeugnisse der Gas-senhauer-Komponisten, dieser entarte ten Söhne Apollos, in ihr Programm aufzunehmen und dem Urtheile des vielköpfigen Ungeheuers Publikum zu unterbreiten. Erst nachdem dieses seine günstige Censur mit Beifallklatschen und Hervorrufen zum Ausdruck brachte, crsck'elnt das Lied als ..latcst. song" im Handel, um durch Vcrmitt lunq von Klavier und Drehorgel seinen Siegeszug über die geplagten Nerven der Großstädter hinweg anzutreten. Der Rechnungs-Führer Schellenberg wurde auf dem Heimwege von der Zeche Konstantin" nach Hofsiede in Westfalen überfallen und durch Messerstiche getodtet. Knchganger sanden die Leiche; Uhr, Portemonnaie und Uoberzieher Schellenbergs waren ge raubt. Für die Ergreifung des Mörders hat die Staatsanwaltschaft eine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt.
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