Indiana Tribüne, Volume 27, Number 110, Indianapolis, Marion County, 30 December 1903 — Page 7

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(Fortsetzung.) Für den Augenblick war Frau Maxa mit dem erzielten Resultate zufrieden, obgleich ihr die Szene im Garten sehr zu denken gegeben hatte und gai nicht aus dem Kopfe wollte. Ganz unzufrieden war jedoch Loisl; er wuhte nicht, was er aus der fast auffallenden Freundlichkeit machen sollte, mit welcher Stasi den fremden Burschen behandelte. Regungen gänzlich ungeroohnter Eifersucht erwachten in seinem Herzen, und am liebsten hätte er den Toni am Rockkragen gepackt und mit Energie vor die Hausthüre befördert. Dieser Mensch mit seiner jeden Augenblick zu Tage tretenden Protzerei, seiner breitspurigen Derbheit, bäuerischen Ungebildetheit war ihm in der Seele verhaßt geworden. Zuletzt hielt er es nicht mehr in der Stube aus, grüßte kurz und stürmte mit eiligen Schritten zur Thür hinaus. Alle, am me-lten aber Stasi, sahen ihm verwundert nach; sie hatte nicht die geringste Ahnung davon, die Ursache dieses Betragens gewesen zu sein. Am wenigsten auffallend fand der Toni die rasche Entfernung des Lehrers; im Gegentheil, er war froh, als sich dieser entfernte; nun konnte er sich doch ohne Scheu gehen lassen, und das hieß bei ihm, daß er den väterlichen Hof über alle anderen erhob und an den übrigen mit ihren Bewohnern nicht viel Gutes ließ. Des Zweckes, warum sich der Toni eingefunden hatte, wurde natürlich nicht gedacht; das wäre ein arger Versicch gegen die bäuerliche Sitte gewesen; zum Ausmachen des Heirathsgutes braucht man einen Zwischenhändler, und dazu wird sich seiner Zeit Niemand besser alZ der Teuschl-Michl eignen; der kann handeln und feilschen wie ein Kuhjude. denn ohne das geht es selten ab. Zwei Menschen waren an diesem Abend mit ihren Erfolgen sehr zufrieden: Der Toni, der eine saubere und gut ausgestattete Bäuerin bekommen wird, und die Vilshoferin. welche ihre Tochter ganz nach Wunsch untergebracht sieht. Daß diese keine Schwierigkeiten machen wird, ist ganz ohne Zweifel, denn sonst würde sie mit dem Burschen nicht so freundlich gewesen sein. Aber es gab auch zwei Andere, bei denen gerade das Gegentheil der Fall war. Den Loisl sahen wir bereiis in voller Aufregung in den Wald rennen. um dort Schmerz und Zorn austoben zu lassen, und Stasi? Als der Toni vom Hofe gegangen war. eilte sie in ihre Kammer, warf sich auf das Bett und gerieth in so krampfHaftes Weinen und Schluchzen, daß es ihr fast das ängstlich pochende Herz abstieß. Wo war die Sonne hingekommen, die noch vor Kurzem so warm und hoffnungsreich über ihrem Glücke gelächelt hatte? Ringsum Schatten, schwarzer kalter Schatten, in dem es sie fröstelte und fror. Stasi war nichts weniger als weltgewandt, allein das begriff sie. daß sich im Augenblicke etwas vorbereitete, dessen Preis ihr eigenes Glück war. Q. warum that das die Mutter? Sie mußte doch wissen, wie es zwischen ihr und dem Loisl steht; hatte sie doch nic ein Hehl aus ihren Gefühlen gemacht, weil sie dieselben voll berechtigt glaubt. Diese Gedanken marterten ihr GeHirn, und sie suchte nach Gründen., wie ein Anderer nach einem verlorenen Diamanten. der in den Sand gefallen ist. Dabei kamen die abenteuerlichsten Zusammenstellungen heraus. Schlicklich verfiel sie auch darauf was sie aoer wie emen Frevel an einem Helttg, thum empfand, und über das sie trotz dieser Erkenntniß nicht wegkommer konnte: 25i; Mutter ist selbst in den Loisl verliebt sie will mich nur aus dem Hause haben, damit sie freies Spiel hat Die Rsthe der Scham trieb es ihr in das Gesicht, aber nicht für sich, sondcrn für die Mutter. Dann begannen die Wallungen einer blindwüthenden Eifersucht, die darum nicht geringer wurden, weil sie einem ihr so nahestehenden Wesen galten, und zuletzt! da suchte sie nach dem Entschlüsse, allem die Spitze zu bieten, um ihrem guten Rechte zum Siege zu verhelfen. Aber da zeigte es sich deutlich, daß Stasi alles, nur keine Kampfnatur war. Trotzdem sie bis in das Innerste vor Schmerz und Schreck erbebte, brachte sie es nicht über sich, der Mutter, die ihr bis dahin der Inbegriff alles Guten und Nachahmungswerthen gewesen war, entgegenzutreten. In dem Mädchen steckte ein starker, fatalistischer Zug: Es wird eben schon so sein müssen!" dachte sie. Was der liebe Gott schickt, soll man ohne Murren tragen." Freilich thut das weh und wird Schmerzen bereiten, die vielleicht das ganze Leben über zu verspüren sind, aber! Es wird eben schon so sein müssen." Und mit diesem Gedanken begann ihr ganzes Herzgefühl in einem leuchtenden Nebel von Hingabe und Auf-

Opferung zu verschwimmen. So ahnlich mußte es den Märtyrerinnen zu Muthe gewesen sein, wenn sie den Glanz des Irdischen hinter sich zurückließen, um die Dornenkrone zu gewinnen, welche ihnen der Erlöser auf die blutbenetzten Locken drücken wird. Wie sich Loisl den Wünschen der Mutter gegenüber stellen könnte, darüber dachte Stasi nicht viel nach. Sie schätzte ihn von ihrem Standpunkte aus und würde es in diesen Äugenblicken wenig verständlich gefunden haben, hätte man ihr klar machen wollen, daß dieser über den Fall ganz anders als sie oder ihre Mutter denken könne. Bis jetzt war auch alles in vollster Harmonie verlaufen; die Bestrebungen reichten sich gegenseitig die Hand; wen ihre Mutter Wünsche hegt, wie Stasi

l es. annimmt, wie sie es befürchtet, so ' mögen diese vielleicht sonderbar, auffallend sein, aber niemals ein Unrecht in sich bergen: ihre Mutter ist eines s Unrechtes, einer schlimmen That un-

fähig. Andere weibliche Geschöpfe wachsen sich zu Charakteren aus, wenn sie Widerstand in ihrer Liebe finden; bei Stasi war das Gegentheil der Fall: Sie wurde kleiner, zog sich in sich selbst zusammen; die geistige Spannkraft, die sie besessen hatte, löste sich zu einer krankhaften Weichheit auf; ihre eigenen, höchsten Interessen ordnen sich wie von selbst denen der übrigen, und besonders ihrer Angreifer unter. Solche Wesen gleichen den Evheuranken. die der Sturm oder sonstige Gewaltthat von den Stämmen riß. an denen sie sich bis jetzt mit Hunderten von oberflächlichen Wurzeln angeklammert hatten. Webrlos flattern sie im Winde oder kriechen am Boden und suchen sich dort niühevoll einen neuen Halt, der aber meist das Geqentheil des früheren bildet. Warum denkt Stasi nictzt an Loisl. als iüren natürlichen Helfer und Beistand? Weil sie überhaupt eines Gedankens, der in seiner Tiefe die Spur eines Widerstandes tragen könnte, unfähig geworden ist. Die Ueberzeugung, daß ihre Mutter mit ihr um den gleichen Preis kämpft, hat sie lahm gelegt, und doch liebt sie ih"n Burschen in unverminderter Stärke, und wird dies thun, bis sich einst ihn 'Augen schließen. Ja. vielleicht wird diese Liebe reiner und höh?r flammen, als wenn sie sich wirklich hätten angehören dürfen, weil sie nicht von dem Schmutze des-Daseins besudelt wurde. Deswegen, wenn einst die Frage an sie gestellt wird, ob sie das Weib des Hammerschmied-Toni werden will, damit die Mutter jenes des Loisl werken kann, will Stasi ein muthiges Jasagen. Im Kopfe des wenig gecildeten Bauernmädchens zeigten sich natürlich alle diese Gedankenreihen nur als wechselnde oder sich nach und nach ergänzende Gefühlswellen; am Schlüsse dachte sie daran, wie sie sich von nun ab zu Loisl zu stellen habe. Es erschien ihr zweifelhaft, daß dieser von den Plänen der Mutter Kenntniß besitzen sollte. Er war noch nie in seinem Leben. und am allerwenigsten ihr gegenüber, falsch gewesen; es mußten sich deshalb die Dinge erst entwickeln, und sie besaß kein Recht, diesen mi: ihrer Meinung, ihrem Glauben vorauszueilen. Aber, welches Glück für sie. wenn sie sich geirrt hätte! Sie wird also dem Loisl gegenüber schweigen, und so hart es sie ankommt, es so einzurichten wissen, daß er fe nach und nach vergißt. O, es gibt ja noch so viele junge und schöne Beiteln in und um Vartenkirchen. die vielleicht hundertmal besser für den jungen Leh rer paßten, als sie. die Stasi, die nichts gelernt hat, und deren größtes Kunststück es ist. leidend und schweigend zu verzichten. In derselben Nacht trieb sie ein wnbu stimmtes Etwas in die Schlafkammei der Mutter, die eben im Begriffe stand. zu entschlummern. Wie in ihren Kin dertagcn warf sie sich über diese, küß!, 1 und flüsterte dabei: Sergio, yjtuu terl Dein Wille ist auch der meinige." Der Sturm in dem Mädchenherzcn hatte sich damit gelegt und begann in eine dumpfe, schwüle Stille überzugehen, in dem es Kraft fand, den Hausgenossen ein Gesicht zu zeigm, an dem diese nichts Auffallendes fanden. Anders war es aber damals mit Loisl gegangen; jeden Schritt, den er auf die Höhe machte, jeder Sprung, den er in der unwegsamen Wildniß, die er aufsuchte, wagen mußte, förderte sein? Aufregung. Zu seiner entsetzten Verwunderung war es ihm vollständig klar geworden, daß die Anwesenheit des Toni auf dem Vilshofe ganz besondere Ursachen hatte. Frau Maria hätte den Burschen nicht so freundlich empfangen, wenn sie ihm nicht Aussichten eröffnen möchte. Wie diese sonst mit oen Freiern umging, das kannte Loisl vom eigenen Ansehen und aus Erzählungen der Hausgenossen zur Genüge.

uno nun erst Stasi! Was war in das Mädchen gefahren? Kopfschüttelnd, nach einer Lösung des Zwiespaltes suchend, stürmte Loisl weiter, aber er fand keine ihm genügende Aufklärung; es schwamm alles in einem unbestimmten eöel von Voraussetzungen, in die sich verdacht. und Anklagen drängten. Go fort zu leben, war eine Unmöqlichkeit; bis zum heutigen Tage hätte cr Gedanken, wie sie sich in seinem CeHirne drängten, für gänzlich unmöglich gehalten. War cr seiner Ziehmutter d?nn nicht gut genug als Lräutigam ihrer Tochter? Freilich, ein Bauer oder Bauernsohn war er nicht, aber dafür ein Mcnsch von Bildung, wenn er diese auch indirekt der Güte und den Wohlthaten der Bäuerin zu danken hatte. War das nicht etwas, das ein? richtige Vauernabstammung' aufwiegt? Heute war cr noch Hilfslehrer in einigen Monaten wird er angestellt; wenn er stirbt, bekommen Frau und Kinder eine Pension. Viel ist's nicht, aber hungern werden sie auch nicht. Hart und mühevoll ist der Stand eines Lehrers, aber bei ikdem Wohl- und Gutaesinnten aeachtet und angeseyen. Mt: der seine guten Examina berechtigten ihn dazu kann er um Versetzung in ein? Stadt nachsuchen. Das Lebm ist dort zwar theurer als auf dem Lande, aoer auch die Gclegenh:it, sich auszuzeichnen, ist gegeben, und damit steigen Einnahmen und Stellung. Er nimmt also nicht blos, sondern gibt auch; der Vettelbub' von guter Leut' Gnaden ist er nicht mehr, der er war. Die Stasi bekommt Geld mit; doch wird das nie einen Grund abgeben, sie mehr oder weniger zu begehren; sie ist ihm auch recht ohne einen Pfennig Mitgift. Ist es also der Vilshoferin nur darum zu thun, nicht viel baares Geld Aber nein! So war Frau Maria nie. warum sollte sie sich jetzt auf einmal geändert haben? Die Gedanken des jungen Mannes liefen im Kreise wie er selbst denn zu seinem Erstaunen fand er sich kurz vor dem Dunkelwerden knapp oberhalb des Hofes auf einer Waldwiese. Das war geeignet, ihn etwas zu beruhigen, und sich fassend, stieg er langsam thalwärts, dem Hause zu. Leichter Nebel schwebte von den Wiesen nach dem Walde empor, kräuselte sich durch die Wipfel, und blieb als graue Wolke an den Steilwänden hängen; Flüge von Raben zogen kreifchend nach ihren Schlafplätzen; vom Marktflecken herauf tönte das Kläffen der Hunde; der Vilshof lag im tiefen Schatten und schien wie ausgestorben. Loisl kam ganz nahe heran; nur den Garten hatte tt noch zu umgehen, dann war er am Hofthore. Unwillkürlich stockte sein Fuß; er hatte geglaubt, Stasi hinter dem Zaune zu erkennen, die sich damit beschäftigte, auf einem Strick zum Trocknen aufgehängte feine Wäsche h einem Korbe zu sammeln. Er mußte sich aber getäuscht haben, denn als er näher kam, war Niemand im Garten zu sehen. Die Aussicht, sie heute noch allein sprechen zu können, war also wieder zunichte geworden. Als Loisl in die Stube trat, fand er nur die Bäuerin und den Sepp am Tische sitzen; zu seiner Aufklärung theilte ihm diese mit. daß Stasi wegen starken Kopfwehs schon auf ihre Kammer gegangen sei. Er athmete auf, daß ihm eine Begegnung diesen Abend erspart blieb jedenfalls hielt er es besser für Beide, sich heute nicht mehr sehen zu müen. Die Bäuerin war sichtlich aufgeräumt und schien den bitteren Zug. der sich in Loisls blassem Gesichte zeigte, gar nicht zu bemerken. Sepp. der alle möglichen Abenteuer im Sinne haben mochte, drückte sich nach einiger Zeit, und so blieben der Lehrer und Frau Maria allein in der Stube zurück. Einige Zeit waren Beide mit den eigenen Gedanken beschäftigt, dann begann die Bäuerin von gleichartigen Dingen zu sprechen, und zuletzt kam sie auf die Sorgen, die sie wegen ihres Sohnes hegte. Der Lehrer konnte ihr nicht ganz Unrecht geben, sah aber die Sachlage bei Weitem nicht so pessimistisch an, sondern erhoffte eine vollständige Aenderung zum Besseren, wenn Sepp erst einige Jahre älter geworden wäre. Diese Wendung des Gespräches mußte von selbst darauf führen, daß die Bäuerin ihre Zukunftspläne darlegte, und so kam es auch. .Weiht. Loisl sagte sie in etwas aufaereater EifricrkkZt. ..weikt. Poi?!. sei muß cm schnitt gmachl weroen, sonst geht der Sach' kein richtig's End' her. Zum Heirathen scheint mir der Sepp noch viel zu jung; weniger nach seine Jahr', als nach sei'm ganzen Wesen. Es ist halt ein Kreuz, daß er ich will's grad heraussagen noch so eine junge Mutter hat. Wär' ich älter, könnt' ich nir mehr arbeiten ei, da könnt' ich ja froh sein, mich iu's Austragstüberl z' setzen und für die kleine Vutzlwaar, die auf dem Hof 'rumzappelt, Strümpferln z' stricken und Kleiderln z' r.ähen. Aber so! Ich bin doch noch in den Jahren, wo man an so was net denkt, wo man selber noch mitthun kann, ohne daß man mit seiner Altersschwächen die Leut' schenirt." Frau Maria erröthete bei diesen Worten und senkte den Blick auf ihren Schooß; sie bemerkte nicht, daß sich Loisls Gesicht mehr und mehr umdüsterte, und seine innere Aufregung im Wachsen war. .Weißt, Loisl fuhr, sie nach einer

kurzen Pause etwas stockeuc fort, dabei die Bändchen ihres Schurzes in nervöse? Weise lösend und verknotend: da hab' ich halt hin. und her darüber nachgedacht, wie es wohl am besten sein könnt', und bin auf nichts anderes gekommen, alsals als daß ich mich halt entschließen müßt', nochmals zu heirathen." Die Aussprache dieser Erklärung hatte der jungen Frau offenbar nicht wenig Ueberwindung gekostet; schüchtern wagte sie zu Loisl aufzublicken. der noch unter dem Banne der gespannten Aufregung stand, die sich seiner bemächtigt hatte, bis es so weit war, daß Frau Maria ihre Pläne entwickelt hatte. Nun aber war ja alles gut. Freilich, über den Entschluß der immer noch schönen und stattlichen Frau, da ließe es sich reden; der Eepp wird bös schauen, wenn er von einem Stiefvater hört, der s.ine Aussichten, selbst auf dem Hose zu regieren, auf Jahre hinausschiebt. Aber machen kann er nichts, er muß sich fügen das Anwesen ist freilich Besitztum seiner Mutter. Also deswegen kam der Hammer-schmied-Toni auf Besuch! Er ist zwar gut zehn bis zwölf Jahre jünger, als die Bäuerin, allein auf dem Lande werden derartige Altersunterschiede viel weniger beachtet, als in den Städten; hier spielt die Frage des Besikes die ersie Rolle. Mit einem Schlage war die gedrückte Stimmung, die Loisl gefangen hielt, verflogen die Zukunft stand im rosigsten Lichte vor ihm. Das ist recht, das ist recht!" rief er hocherfreut, und da überkam ihn die alte Lust, sich seiner guten Ziehmutter dankbar zu zeigen; er machte es genau so, wie er es als Junge gemacht hatte, fiel ihr um den Hals und küßte sie kräftig. Bei ähnlichen Gelegenheiten hatte sie sich stets lachend seines Ungestüms erwehrt und that nachher wenigstens so. als wenn sie froh wäre, daß wieder ein derartiger Anfall vorbei war. heute aber! Da schrie sie weder erschreckt auf. noch hielt sie den Uebermüthigen von sich ab, sondern nahm anfangs alles hin in einer weichen, wonnigen Ergebung; dann hoben sich wie unwillkürlich ihre eigenen Arme, legten sich zärtlich um den Nacken des jungen Mannes, und ihre Lippen suchten die seinen zu einem durstigen Kusse, und unwillkürlich erwiderte er ihn. Anfangs war dem Loisl in seiner Unschuld diese ganz neue Auffassung seiner wirklich kindlich gemeinten Liebkosung entgangen; dann aber fühlte er plötzlich, daß die Arme, die ihn hielten, und die Brust, die sich neben der seinen so erregt hob und senkte, sich so ganz anders verhielten, als sonst. Und als er erst den heißen Kuß auf seinen Lippen fühlte und er selbst entgegengekllßt hatte, machte er sich, von einer jähen Nöthe der Scham Übergossen, los, schlug die Hände vor's Gesicht, sprang auf und stellte sich vor das Fenster, durch das er aber ohne etwas zu sehen in die Nacht hinausstarrte. Nach und nach sammelte er die durch den Vorgang sehr in Unordnung gekommenen Gedanken. Ja, das Unrecht war auf seiner Seite; er war kein Kind mehr, und solche Liebkosungen waren unter Erwachsenen. die in einem familiären Verhältnisse sich befinden, unstatthaft. Wie leicht könnte er mißverstanden werden, und wie leicht kann er selbst mißverstehen! War dies nicht im Augenblicke der Fall gewesen? Eine tiefe Stille herrschte in der Stube, nur unterbrochen von dem Ticken der alten Schwarzwälderuhr. Frau Marias Wangen glühten, und ihr Herz pochte, so daß sie ängstlich beide Hände darauf Preßte, denn sie fürchtete, es möchte zerspringen. Nach und nach ging ihr Athem ruhiger, und dann machte sie sich Vorwürfe, daß sie sich nicht habe bezwingen können, als er sie in seine Arme nahm; aber die Seligkeit, die der heiße Kuß über sie ergossen hatte, hielt nach, und sie hätte aufjubeln mögen vor innerlichem Glücksgefühl. Er versteht mich er weiß, was zu seinem und meinem Glück führt!" rief es in ihr. Der erste Schritt. d schwerste Schritt ist geschehen das an, dere richtet sich ganz von selbst.- - Frau Maria bemerkte gar nicht, daß eine verhältnißmäßig lange Zeit vergina. b:3 siö Loisl wieder, mit einem verlegenen Gesichtsausdruck, gegen sie dendete. so sehr war sie in den Mb nungsfreudigen Zukunftsgedanken verfunken. Die Bewegung, die dabei der junge Mann machte, hatte sie aus ihren Träumereien aufgeschreckt, und sie sah ihm mit einem freudestrahlenden Gesicht entgegen. Setz Dich doch wieder, Loisl, und laß uns weiter reden; jetzt wird's noch gar viel geben, übe: das man sich klar werden muß." Der junge Lehrer war erfreut, sie nicht in einer ärgerlichen oder verlegenen Stimmung zu sehen, und ließ sich diesmal ihr gegenüber am Tische nieder. Frau Maria hatte sich gefaßt und that, als ob nichts inzwischen geschehen wäre; sie fuhr fort: Wenn ich also für mich in einen neuen Stand eintret', so muß ich auch an meine erwachsene Tochter denken. Es wird sich dann doch net gut machen, daß wir zwei noch länger beieinander bleiben." Ja, ja," beeilte sich Loisl beizuPflichten. Das geht dann natürlich nicht mehr. Aber," rief er. und hielt

seiner Ziebmutter beide Hände mit einem Glücksstrahl auf dem lächelnden Cesicht? über fc:n Tisch hinüber hin für die Stasi ist gesorgt, und so' viel ich meine, gut gesorgt." Gewiß!" antwortete ihm zusiimmend die Bäuerin, der Hammer-schmieds-Toni ist ein ganz richtiger und braver Bursch." Wer? fragte Loisl mit einem Tone, als o) er oder sie daZ Sesprochene nicht richtig verstanden hätten. No, der Hammerschmi?ds-Toni natürlich." entgegnete sie ruhig, aber mit einem kleinen Anfluge von Verwunderung, denn sie hatte doch geglaubt, sich deutlich ausgedrückt zu haben. Vor den Augen Loisls begann sich die Stube mit allem, was darin war. einige Augenblicke im Kreise zu drehen; er blickte wie blöde vor sich hin. denn das. was er eben gehört hatte, klang ihm geradezu unfaßbar. Die Bäuerin war viel zu, sehr mit sich selbst beschäftigt, als daß sie das entsetzte, schweifende Erstaunen des jungen Mannes bemerkt hätte. (Fortsetzung folgt.) Die österrcichischc Thronrede. Der Kaiser Franz Joseph von Oesterreich betonte in seiner Thronrede

mit besondrem Nachdruck seine Treue zum Dreibünde und erklärte, daß dieser Grundpfeiler, der europäischenFriedenspolitik bei der Erneuerung auch für die Zukunft gefestigt sei. Der greise Monarch wiederholt damit eigentlich zwar nur die Versicherungen des Reichskanzlers Grafen Vülow und des italienischen Premierministers, seine Worte sind aber doch von hohem Werthe, weil sie gerade zu einer Zeit erschallen, in der die Schwärmer für

die .Alliance der Westmackte" m

England. Frankreich und Italien dringend eines Dämpfers bedürfen. Der Besuch der englischen Parlamentarier in Paris hat den Deutschenfeinden an der Seine, der Themse und am Tiber wieder die Köpfe verdreht. Ihre Presse in Paris sucht Rußland klar zu machen, daß eine intime Gestaltung der englisch - französisch - italienischen Beziehungen dem Zarenreiche nicht nur nicht schaden, sondern im Gegentheile einen sehr großen Nutzen bringen würde, nämlich die Gewährleistung seiner- Errungenschaften im Osten. England könne dann auch seine Bundesgenossenschaft mit Japan fallen lassen, weil es schließlich doch von dem Feinde in Berlin mehrBöses zu erwarten habe, als von St. Petersburg. Freilich müßte Rußland dafür auch seine Freundschaft zum deutschenReiche aufaeben und dieses isoliren helfen.

Die italienischen Jrredentisten sind

natürlich Feuer und Flamme für den Plan und veranstalten kindische Kungebungen gegen Oesterreich. In Mailand demonstrirte der Pöbel, mit Studenten und Gymnasiasten an der Spitze vor dem österreichischen Konsulat in feindUem und vor dem französischen Konsulat in freundlichem Sinne. In Genua wurde derselbe Unfug verübt, und der französische Konsul geruhte, sich dem Volke zu zeigen und für die Kundgebung zu danken. Der Gemeinderath von Venedig entbot seinen irredentistischen Landsleuten in Oesterreich seinen Gruß und drückte seinen Abscheu vor der österreichischen Varbarei" aus. Am tollsten ging es aber in Rom selbst zu. wo ein Jüngling in flammenden Worten gar den Krieg gegen Oesterreich predigte und den Helden" Ricciotti Garibaldi zum Anführer der italienischen Jugend vorschlug. So sehr vernünftige Leute auch geneigt sein mögen, derartige Ueberspanntheiten mit einem Lächeln abzuthun, so darf man sich doch nicht der Einsicht verschließen, daß die Fcindseligkeiten gegen Oesterreich und den Dreibund einen tieferen Grund als die

Innsbruck Universitätsfrage haben.

und daß die Wühler m Italien mit Erfola die Leidenschaften des süßen

Pöbels zu schüren verstehen. Auf diese

Hetzbolde und Hltzkopfe muß. so weit sie ihr Begriffsvermögen noch nicht ganz eingebüßt haben, die Erklärung des Kaisers wie ein kalter Wasserstrahl wirken. Klärend auf bie Lage wirke die Sätze der Thronrede, welche auf die Valkanwirren Bezug haben. Oesterreich und Nußland sind in vollem EinVerständniß mit den übrigen Großmächten entschlossen die gegenwärtigen staatlichen Vesitzverhältnisse im Orient zu wahren, Frieden in Mazedonien zu schaffen, die Lage d Christen in ver Türkei zu bessern. Bulgariens Kriegslust zu dämpfen und vor allem dafür zu sorgen, daß die revolutionäre Bewegung" nicht die Grenzen der Türkei überschreitet. Das Programm wird ohne Frage den Beifall aller Freunde von Ruhe und Ordnung finden und hoffentlich auch dem Treiben der geschäftsmäßigen mazedonischen Freiheitshelden ein Ende machen.

Feuer - Signale.

Denkmäler besitzt Kaiser WilHelm I. in Deutschland 80 und Bismarck deren 33. Kaiser Friedrich muß vorläufig mit 17 und Friedrich der Große mit 11 fürlieb nehmen. In Wien istderHörcr der technischen Hochschule Jagodich bei dem Mässenvcrkauf von Werthpapie ren verhaftet worden. Er gestand, die Kasse einer befreundeten Dame in Agram erbrochen und 66,000 Kronen geraubt zu haben.

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Spezial, Signale. Ersten 8 Schläge, zweiter Alarm, Zweiten Schläge, dritter Alarm. Dritten 2 Schlage, vierter Steno. l-l-l, Feu aus und Schlauch aufgervZt. Schlag, Wasserdruck ab. 12 Schlag, 1 Uhr Mittag. 9 tAt so kttuhnetnt Cianae werden tvx tm Ttoxm

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...Etwas Neues... Wir Kaben beschlossen. Alle welche künstliches Gas gebrauchen, mit Vorauszahlungs-Metern zu versehen, ohne ein Deposit m verlangen. Wir stellen die Verbindung mit der Haupt Leitungsröhre her, ebenso setzen wir einen Me ter auf und liefern das Gas für einen Dollar per Tausend. Die einzige Berechnung die wir mach?n, ist für die Verdmdungsröhre von der Grundeigenthums Grenze bis zur Stelle des Meters. Wir garantiren, daß dieselben Zw friedenheit geben. Für Näheres spreche man in der Office vor. lNmANA?()IJS GAS CO.

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