Indiana Tribüne, Volume 27, Number 110, Indianapolis, Marion County, 30 December 1903 — Page 6

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Europäische Nachrichten. ISabcn. Karlsruhe. Dem Prorektor der Technischen Hochschule. Hofrath Professor Dr. Adolf v. Oechelhäuser, wurde das Ritterkreuz erster Klasse mit Eichenlaub, und dem erstenVorstandsbeamten der Reichsbankstelle, Bankdirektor Heinrich Beling, das Ritterkreuz erster Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen verliehen. Dem Bahnwärter Paul Harder auf Wartstation No. 153 der Schwarzwaldbahn wurde die silberne Verdienstmedaille verliehen. , Donaueschingen. Als Roßlewirth I. Faller von Hüfingen mit seinem vierjährigen Kind und seinem Knecht, sowie der verheirathete 26jährige Wirth A. Frank von Riedöschingen auf einem Pritschenwagen von hier nach Hause fahren wollten, scheute beim Lamm" das Pferd und ging durch. Der Knecht sprang ab; Frank wurde vor der Schützenbrücke heruntergeworfen und erlitt einen Schädelbruch. Faller und sein Kind fielen kurz darauf auch vom Fuhrwerk. Faller wurde an der linken Hand verletzt, während das Kind unversehrt blieb. M a n n h t x rn. Die 24 Jahre alte Dienstmagd Maria Backfisch aus Dallau versuchte sich hier zu vergiften. Das Mädchen trank Salzsäure und wurde in schwerverletztem Zustande nach dem Allgemeinen Krankenhause gebracht. An ihrem Aufkommen wird gezweifelt. Der Grund zur That ist Liebeskummer. Markdorf. Die Häuser des Schreinermeisters Haug und des Besttzers Müller in den Auen" brannten nieder. Pforzheim. In der Wohnung des Notars Schmid ließ jemand den Gashahn in der Küche offen. Als das Dienstmädchen mit dem Licht in die Küche kam. erfolgte eine heftige Explosion; ein Kreuzstock barst und im Nebenraum wurden alle Scheiben zerbrochen. Das Dienstmädchen erlitt schwere Verletzungen. Hier verschied Rektor Georg Schick, welcher seit über 20 Jahren der Äoltsschule vorstand. Nonnenweiler. Seinen 100. Geburtstag beging der frühere Pferdehändler Moses Moch. Er erfreut sich noch großer Rüstigkeit.' P l a n k st a d t. Ein gräßlicher Unfall versetzte die Familie des Maurers Jakob Gund hier in Trauer. Deren 16 Jahre alter Sohn war an einer Dreschmaschine beschäftigt. Kaum war dieselbe in Betrieb, als der Junge von der Tenne herab in den Strohbinder hinein fiel. Ein furchtbarer Schrei ertönte, doch war alle Hilfe zu spät: vollständig geköpft und gerädert kam der Unglückliche wieder zum Vorschein. S t o ck w a l d. Im Leibgedinghaus des Schreinermeisters Pfaff im nahen Berg brach Feuer aus. welches sich auch auf das nebenstehende große Wohn- und Oekonomiegebäude mit Fruchtspeicher ausdehnte. Diese Gebäude, welche mit Schindeln gedeckt waren, wurden in Asche gelegt. U r l o f f e n. Beim Holen von Anfeuerholz vom Speicher verunglückte die 72jährige Frau Wörner. Sie that einen Fehltritt und stürzte die Stiege herab. Dabei verletzte sie das Rücken mark und wurde am ganzen Körpc? gelähmt. Sie erlag den schweren Verletzungen. 'AöcinpfcTl'z. Assenheim. In dem mit Bürgern und Bürgerinnen angefüllten Saale Zum Schwanen" fand anläßlich des 50jährigen Jubiläums des Bürgermeisters Best als Schmiedemeisier eine Feier statt. Nach dem Vortrag eines Männerchors des Sängerbundes hielt Lehrer Steuer an den Jubilar eine Ansprache. A l t r i p p. Der 66 Jahre alte fti

scher Martin Schneider von hier, der seit kurzer Zeit vermißt wurde, ohne daß man über seinen Verbleib etwas erfahren konnte, wurde auf der sogen. orren - nsel an einem Baume erhängt aufgefunden. Was den hochbetagten Mann zu diesem Schritt verleitet hat, konnte nicht festgestellt werden. K i r r b e r g. Auf Schacht 2 der Grube Frankenholz verunglückte der hiesige Hauer Michael Welten durch Hereinbrechen des Kohlenstoßes. Er starb auf dem Wege zum Krankenhaus. Welten war 30 Jahre alt, verheirathet und Vater zweier Kinder. Lambrecht. 25 Jahre waren kürzlich verflossen, daß Pfarrer und Distrikts - Schulinspektor Karl Dep pich in der Pfarrei Grevenhausen als Seelsorger seines Amtes waltet. Am selben Tage feierte er auch sein 25jähriges Pfarrjubiläum. Aus diesem Anlaß veranstalteten die Katholiken Lambrechts und der benachbarten Orte Lindenberg, Neidenfels und Irankeneck eine Jubiläumsfeier. Ludwigshafen. In feierlicher Weise wurde dem Lehrer Karl Röhrig hier die ihm aus Anlaß seiner zurückgelegten 50jährigen Dienstzeit verliehene Ehrenmünze des Ludwigsordens durch Bezirkshauptmann Matheus überreicht. Mundenheim. Auf dem hiesigen Bahnhof wurde der Fabrikarbeiter Ludwig Draxel ausRheingenheim, der in betrunkenem Zustande auf das Geleise der Hauptbahn taumelte, vom Schnellzug erfaßt und auf der Stelle getödtet. Er hinterläßt eine Wittwe nebst fünf Kindern.

Neustadt. Einen schrecklichen Fund machte der Bahnwärter am Hambacher Bahn - Uebergang der Neustadt - Landauer Staatsstraße. Auf den Schienen lag ein lebloser Körper, dem der Kopf vom Rumpfe getrennt war. Der Selbstmörder wurde als der 35 Jahre alte Winzer Joscph Frankmann recognoscirt. Frankmann ist vor etwa zwei Jahren unglücklich gefallen und scheint sich hierbei eine Gehirnerschütterung zugezogen zu haben. K?iiß'Lotyringen. S t r a ß b u r g. Ein Schüler der Technischen Schule, der 18jährige Paul Grosmangin aus Metz war vor der Strafkammer des Einbruchdiebstahles angeklagt. Er hatte einer Wittwe in der Feggasse, bei der er sich eingemiethet hatte, aus dem verschlossenen Küchenschrank drei Zwanzigmarkstllcke entwendet. Das Gericht verurtheilte ihn zu drei Monaten Gefängniß. A l t k i r ch. Der Kreisdirektor Hettmann ist in gleicher Amtseigenschaft nach Rappoltsweiler versetzt worden. Diedenhofen. Der Bremser Gustav Horber war mit dem Zusammenkoppeln von Güterwagen beschäftigt; die Wagen müssen nun wohl zu früh zusammengestoßen sein, wobei Horber zwischen die Puffer der Wagen gerieth. Der Brustkasten wurde dem Manne total eingedrückt, sodaß der Tod in einigen Minuten eintrat. Ha gen au. Der Kreisdirektor Dr. Gerber in Hagenau ist zum Regierungsrath ernannt und ihm die Stelle eines Regierungsraths bei dem Bezirkspräsidium in Straßburg übertragen worden. Metz. Wegen Kindesmordes verhaftet wurde die im Hause Bischofstraße 28 als Magd bedienstete WUtsx Vuillaume, geb. Perouffe. welche nie dergekommen war und das Kind in ihrem Kleiderschrank versteckt hatte. I a b e r n. Ein Gewohnheitsverbreche? schwerer Sorte ist der aus Niedermodern stammende Karl Tucker. dem die hiesige Strafkammer für längere Zeit das Handwerk legte. Tucker hatte in der Gegend von Niedermodern 10 Einbruchdiebstähle in frechster Weise begangen; der schon oft vorbestrafte Dieb erhielt 8 Jahre Zuchthaus zudiktirt. Mecilkenburg. Schwerin. Der großherzogliche Haushofmeister Wilhelm Roth hier selbst feierte sein 50jähriges Dicnstjubiläum. Der Jubilar ist 1831 in Marsow bei Wittenberg geboren und trat 1853 beim großherzoglichen Mecklenb. Grenadier - Garde - Bataillon ein. 1858 kam er als Heiduck in großherzoglichen Dienst und wurde im Jahre 1873 Tafeldecker. Das Amt eines Haushofmeisters bekleidet er seit dem 1. Oktober 1888. E l m e n h u r st. Lehrer und Organist W. Prange - Elmenhurst feierte den Tag, an welchem er vor 25 Iahren sein Organisten- und Lehramt antrat. G ü st r o w. Durch Brandstiftung sind auf dem Gute Katzenow (Besitzer: Graf Behr - Negendanck. Pächter: Anders) drei Scheunen, sowie die Viehund Pferdeställe eingeäschert worden. 828 Schafe sind in den Flammen um gekommen. Große Erntevorräthe sind vernichtet. Jvenack. Lehrer Krohn blickte kürzlich auf den Tag zurück, an dem er vor 50 Jahren in's Schulamt getr ten ist. Die allgemeine Verehrung, deren sich der Jubilar in seiner Schulgemeinde, bei seiner vorgesetzten VeHorde, bei seinen Eollegen, wie in weiteren Kreisen erfreut, trat an seinem Ehrentage recht wirkungsvoll in Erscheinung. Kirchkogel. Das Fest der goldenen Hochzeit feierten der Erbpächter-

Altentheiler Vening und Frau hierselbst. Bei der Feier im Hause des Jubelpaares hielt Pastor Hens'e eine Kerzliche Ansvracke. Ueber die Bluttha. Irren wird aus Trient berichtet: Der Bauer Heinrich Zanella in Povo, der schon einmal in irrenärztlicher Beobachiung gestanden war, hatte in Trient 200 Kronen einkassirt und, nachdem er über Durst getrunken, einen Schutzmann gebeten, er möge ihn verhaften, damit ihm in seiner Trunkenheit das Geld nicht gestohlen werde. Der Bitte wurde entsprochen und Zanella am nächsten Morgen wieder entlassen, um nach Povo heimzukehren. Am anderen Morgen fand die Magd Zanella's im Schlafzimmer die Frau mit ihrem vierjährigen Töchterchen bewußtlos in einemförmlichen Blutbade auf dem Boden liegend. Die Frau hatte 30 mit einem scharfgeschliffenen Rebmesser beigebrachte Wunden am ganzen Körper. Das vierjährige Tochterchen war seinen schweren Verletzungen bereits erlegen. Die Frau kam bald nach der Ueberführung in's Spital mit eir.em Knaben nieder. Zanella, der ihr vor der That ein Schlafpulver beigebracht hatte, ist flüchtig gegangen. Immer Weidmann. Amtmonn: Bei unserm Herr Oberförster sind Zwillinge angekomnun?" Förster: Ja. in Dubletten kommt dem keiner gleich!" D e r Amateur. Kaufmann (der sich mit Amateurphotographic befaßt, als er das erste Bild fertig hat): Kommt .her, Kinder, ich werd' euch erklären, was es vorstellt!"

TcrgekttttslNeichölSwe. Ueber dem Portal des ne?:en Reichstagsgebäudes in Stockholm, das binnen Kurzem seiner Bestimmung übergeben werden soll, war auf Veranlassung der Parlamentscommission eine prunkhaft ausgeführte Marmorgruppe angebracht worden, deren Mittelpunkt die schwedischen Reichsembleme Königsmantel und Dreikronenwappen ziert. Zu beiden Seiten des Wappenschildes erheben sich zwei mächtige Riesenkatzen mit drohend erhobenen Pranken, in denen der Veschauer unschwer die beiden Heraldisehen Reichslönvn von der Tessinischen Königsburg wieder erkennt. Die Schildwache stehenden Katzenthiere erscheinen ihrem historischen Vorbilde mit großer T'-eue nachgebildet, nur mit der kleinen Veränderung, daß die Schweife der königlichen Thiere anstatt in vorschriftsmäßiger erhobener Stellung hier über, dem Parlamentseingaig in den'i'thig eingezogener" Haltung wiedergegeben sind. Eine solche Willkür konnte natürlich unmöglich ungerügt hingehen. Das königl. Heroldsamt ließ denn auch unverweilt einen feierlichen Schreibebrief vom Stapel, des Inhalts, daß die Stellung des Löwenpaares mit seinen zwischen den Hinterbeinen eingeklemmten Schwänzen" unfraglich nicht bloß eine Verletzung der thatsächlich bestehenden heraldischen Vorschriften darstelle, sondern auch vom künstlerisch - dekorativen Standpunkte aus einen auffällig geknickten" Eindruck mache; infolgedessen sei eine schleunige Eorrectur durch die Baucommission dringend geboten. Die Zumuthung ging aber den Reichstagsgebäude - Erbauern wider den Strich. Die Commission beschloß kurz und bündig, daß das königliche Heroldsamt in parlamentarische Dinge überhaupt nichts dreinzureden habe und daß der heraldische Portalschmuck in jedem Fall in seiner ursprünglichen Gestalt belassen werden müsse. Mit dieser Antwort, die natürlich zu einer förmlichen Hochfluth von mehr oder minder gelungenen Kalauern in dir Tagespresse Veranlassung gab. fing die Angelegenheit an, ein politisches Geficht anzunehmen. Die Reichstagss lammern hatten in de- zurückliegenden Tagung nämlich einen verfassungsmäßigen Beschluß angenommen, wonach technische Veränderungen in der Gestalt des Landeswappens und der sonstigen Reichsembleme nur unter ausdrücklicher Genehmigung des Parlaments bewirkt werden dürfen. Für die maßgebenden Instanzen entsteht somit die hochwichtige Frage, inwiefern die will kürliche Placirung der beiden Löwenschwänze eine rechtswidrige Abänd:rung der bestehenden constitutionellen Vorschriften darstellt, deren Tragweite das officielle Placet der Corporationen zur Voraussetzung macht. Ehe es zu einer endgiltiaen Entscbeidunq kommt, wird es allerdings wohl bei dem Entschlusse der Baucommission bleiben und den beiden Löwen wird vermuthlich nichts Anderes übrig bleiben, als sich einstweilen mit ihrer trübselig geknickten" Pose abzufinden. in Vorläufer Bilses.

Kein Anderer als der in Deutschland vielleicht noch mehr durch seine imperialistischen Tendenzen als durch seine farbenprächtigen Schilderungen aus Indien bekannt gewordene Rudyard Kipling kann aus diese Bezeichnuna Anspruch erbeben. 3m Jahre 1886 veröffentlichte der damals kaum zwanzigmhrige Dichter m Indien eine kleine Sammlung von Gedichten unter dem Titel DejmrteraeHtal Ditxies and other Verses". Die Gedichte fanden bei seinen Landsleuten in In dien sofort außerordentlichen Beifall und erschienen bald auch im englischen Mutterlande. Man fühlte, daß diese Verse nach Form und Inhalt etwas Neues brachten. Die kleinen Trago dien und Komödien der anglo - indischen Gesellschaft, das Jntriauenspiel im socialen Leben wie in den dienstlichen Verbaltnissen und der Bureaukra tismus in Staats- und Militärverwaltung boten dem jungen Satiriker reichen Stoff. Die berühmte Frage on est la femine" bildet das Thema einer ganzen Reihe von Gedichten. Freilich war Kipling nicht selbst Officier, aber er stand mitten im gesellschaftlichen Leben der fast durchweg aus Officieren und Civilbeamten be stehenden Bevölkerungsklasse, die in den kleinen indischen Garnisonen und Verwaltunascentren eine scharf um arenzte. reckt aut mit der des deutschen Officierscorps vergleichbare Stellung einnimmt, und stellte deren Schwachen bloß. Dennoch war der Erfolg seines Bu in aam anderer als der des Vilse'schen Romans. Niemand nahm es ihm übel, daß er in seiner satirischen Art die Schwächen seiner eigenen Standesgenossen geschildert hatte; vielmehr begründeten die in ihrer epigrammatischen Kürze besonders wirkungsvollen kleinen Verserzählungen nicht nur seinen literarischen Ruhm, sondern sie verschafften dem jungen Dichter auch eine sichere gesellschaftliche Position. Zurückgegeben. Er: In Deinem Hausstand sieht es aus. wie in einer Wüste." Sie: Na. dann mußt Du altes Kamel Dich doch ganz wohl darin fühlen.".

Mandonien

Die Hoffnung darauf, daß die mazcdonischi?n Wirren mit der Kampagne von 1903 und der Annahme des Reforniplanes' ihren Abschluß sinden würden, scheint den neuesten Nachrichten zufolge auf ziemlich schwachen Füßen zu stehen. Die augenblicklich herrschende Ruhe hat nicht viel zu bedeuten, denn der Eintritt des Winters machte auch in früheren Jahren dem Aufruhrtreiben ein Ende und veranlaßte die Führer, sich auf den sicheren bulgarischen Boden zurückzuziehen. Dort weilen sie auch jetzt wieder: smelen sich als Volkshelden auf, veranstalten tllrkcnfeindliche Kundgebungen und schmieden großbulgarische Pläne. Bezeichnend für ihren Einfluß durste die Kundgebung der Studenten in Sosla zu Gunsten ihrer in Mazedonien gefallenen Kommilitonen sein. Der Unterrichtsminister und die Professoren betheiligten sich an dem Straßenumzuge und auf ihren Wunsch" wurden die Bilder der Gefallenen in dem Lesesaale der Hochschule ausgestellt. Das ist ein ziemlich starkes Stück in der Residenzstadt eines Landesfürsten, der im Vasallenverhältniß zur hohen Pforte steht. So lange die Träger der aufständischen Umtriebe nicht kalt gestellt oder dazu gebracht werden können. ihre altbekannten Bestrebungen aufzugeben, kann eben Niemand die Erhaltung des Friedens gewährleisten. Der Fürst Ferdinand steht in der Veziehung anscheinend völlig machtlos da; die mazedonische Bewegung hat unler semen Augen- einen solchen Umfang gewonnen, und ist bereits so weit in seine nächste Umgebung vorgedrungen, daß er, ohne seinThrönchen ouf's Spiel zu setzen, ihr ebenso wenig mit Kraft entgegentreten darf, wie der König Peter den Mördern Alexanders. Die Türkei hat sich unter dem Drucke Oesterreichs und Rußlands zu Zugeständnissen verstanden, die wohl bis an die äußerste Grenze dessen heranreichen. was ein auf die Wahrung seiner äußeren Würde auch nur einigermaßen bedachter Staat zu gewähren vermag. Da es bei der großen Anzahl Noten, die in der Beziehung gewechselt wurden, für viele Leser vielleicht schwer ist, sich der Bedingungen zu entsinnen, auf die es ankommt, so seien diese hier in aller Kürze wiederholt: 1. Russische und Lsterreichisch-ungarlsche Vertreter bei dem General-Jnspekteur der Provinzen Hüssein Hilmi Pascha überwachen mit einem zahlreichen Stäbe von Sekretären und Dragomans die Einführung der Reformen und die Thätigkeit der Beamten. 2. Mit Hülfe fremder Offiziere und Unteroffiziere ist die Gendarmerie in den Wilajets Kossowo, Saloniki und Monastir neu einzurichten. 3. Neue Eir.theilung der Verwaltungsgebiee auf Grund der Nationalität der Bevölkerung. 4. Begünstigung der Entwickelung der örtlichen Selbstverwaltung. 5. Gemischte Ausschüsse zur Untersuchung von Vergehen. 6. Wiedereinsetzung und Unterstützung der aus ihren Dörfern entflohenen Christen. 7. Steuerfreiheit dieser Christen auf ein Jahr. 8. Verpflichtung der Durchführung der Reformen. 9. Entlassung der Redifs (Landwehr) zweiter Klasse. Die Revolutionsführer erklären offen. daß diese Zugeständnisse ihnen wenig gefallen, und daß sie im Frühjahr wieder zu den Waffen greifen werden, wenn die Durchführung der Reformen sie nicht befriedigen sollte. Damit drohen sie nicht nur der Tür!ei, sondern auch den Mächten, die das Reformwerk überwachen. Um die Haltung dieser Biedermänner zu verstehen, muß man einen kurzen Rückblick auf ihre Thätigkeit werfen. In frühsten Jahren gaben sich die mazedonischen Umtriebe in einzelnen Räubereien kund, die den Bandenführcrn nicht vie. abwarfen. Im Laufe de? Jahre hat sich die revolutionäre Bewegung ade: zu einem fest organisirten Unternehmen gestaltet, das durch Erpressungen, planmäßige Beutezüge und Unterstützungen vcn außen h?r so lohnend gemacht wird, daß die Matadore die Rolle von Grandseigneurs zu spielen k. Stande sind. Die Befreiung der mazedonischen Christen vom Tü'.kcnjoch' ist für sie zu einem einträglichen Geschäf!' geworden, auf das sie eben so wenig verzichten mögen, wie die südamerikanischcn Poiitiker auf ihre Rkvolutionm. Sie werden der Durchführung der Reformen cl.ne Frage all? möglichen Schwierige keiten in den Weg legen, um die UnZufriedenheit in Mazedonien rege zu halten, und, wenn ihnen die Mächte zu entschieden entgegentreten, das Hauptgewicht ihrer Thätigkeit zeitweise nich Albanien. Syrien uiid Thracien verlegen. Ruh und Friede ist auf dem Balkan erst zu erwarten, wenn die Revolutionsführer gründlich unschädlich gemacht werden. Die Mitwelt könnte ja wohl ruhig zusehen, wie sich die Hammeldiebe dort hinten in der Türkei" gegenseitig die Hälse abschneiden, wenn nicht die ruhigeBevölkc'rung Mazedoniens unter dem Treiben jener Leute unendlich zu leiden hätte, die unter dem Deckmantel der Freiheit und des Christenthums die abscheulichsten Grausamkeiten und Verbrechen verüben; und wenn die revolutionäre Bewegung" nicht eine ständige Bedrohung des Weltfriedens bildete. Hoffentlich machen die Mächt? deshalb mit den Rädelsführern kürzeren Prozeß, als sie es der Türkei zu thun gestatteten.

5?0!5. Als hoher Gerichtsbeamter kann Folk das heillose missourier Oberstaatsgericht, durch welches die von Folk mit so großer Wucht bewirkten Budlerverurtheilungen so ruchlos verschleppt werden, nicht wohl öffentlich angreifen. Aber in seinem heiligen Eifer gegen Corruption. läßt er sich nicht beirren. Dies beweist schon der Eifer, den er bei Verfolgung des Hauptbudlers Kratz entwickelt, dessen Auslieferung aus Mexiko er mit Hülfe der Präsidenten Roosevelt und Diaz bewcrkstelligen wird. Zugleich tritt Folk jetzt als Volksredner gegen die Corruption und gegen diejenigen zahlreichen missourier Demokraten auf. welche ihn. der selber Demokrat ist, gerade wegen seines Eifers gegen das missourier Budlerthum, eben weil die meisten dieser Budler sammt ihren Leithämmeln Demokraten sind, beharrlich schlecht machen. In :iner seiner Volksreden sagt, er: Während meiner Amtszeit habe ich die unangenehme' Pflicht ge-

vabr. lieutp meiner maenen tarier m -

prozessieren und dafür brauche ich mich bei Niemandem zu- entschuldigen. Einige demokratische Handwerkspoli tiker tadeln mich jetzt, weil ich, wäh rend ich mit der Prozessirung jener Leute beschäftigt war, keine Stump reden gchaltm und sie nicht politisch unterstützt habe. In der Campagne des Jahres 1902. und mitten in den Budelprozessen habe ich mich geweigert, öffentlich auch nur mittelbar für etwas aufzutreten, das ich vor Gericht ii bekämpfen gcnöthiqt war." Noch deutlicher wurde Fotk in einer jüngst zu Macon in Missouri gehaltenen Volksrede. Anknüpfend an die beharrliche Versicherung von missourier demokratischen Leitern, daß Corruption keine politische Streitsrage sein dürfe, sagte Folk: Abhülfe gegen Corruption ist die Streitfrage, welcher die Bürger von, Missouri Ehren halber nicht ausweichen können. Die demokratische Partei muß darüber entscheiden, ob sie sich um diese Frage herumdrücken oder ob sie es sich zur vornehmsten Aufgabe machen will, die Corruption auszurotten. Mit jedem Tage wird diese

Streitfrage deutlicher und brennender, und das Volk von Missouri muß sprechen. wenn es Missouri vor seinen Schwesterstaaten und der ganzen Welt rechtfertigen will. Gewisse Leute sagen. Ausrottung der Corruption spiele keine Rolle. Weshalb aber Protestiren dann diese Leute gegen eine solche Streitfrage? Wenn Jedermann ein Gegner von Budel ist. wie sie sagen, kann da aus einer solchen Streitfrage Unheil entstehen? Und weshalb stellen sie dann so erbittert in Abrede, daß Budel in Betracht komme? Streitfragen werderv , -nicht durch Personen, sondern durch, Verhältnisse geschaffen. Die Aufdeckung der Corruption hat die Frage, wie dieselbe ausgerottet werden kann, gerade vor das Volk gebracht. Und alle Beredtsamkeit oder Lobhudelei kann dies nicht mehr ändern. Es hat nie eine kritischere Zeitlage in Missouri und in mehreren anderen Staaten ge- . geben, und die Wirkung der Schritte, welche Missouri thut, wird noch komwenden Geschlechtern zum Nutzen ode? zum Schaden gereichen." Mittelbar auf's Obergericht anspielend, sagt Folk in seiner neuesten. Rede: Der alleroberste Gerichtshof von Missouri ist das Volk von Missouri selbst und an dieses appellire ich in Sachen des Staates Missouri gegen Alle, welche Bestechungsgelder austheilen oder annehmen. Die Aufdeckung der Corruption in den öffentlichen Aemtern in St. Louis und im ganzen Staate Missouri hat die zivilisirte Welt in Staunen versetzt. Was will das Volk von Missouri damit anfangen? Diese Frage hört man heute im ganzen Lande. Haben die Bürger dies$3 großen Staates noch nicht genug geduldet? Werden sie die schamlosen Zustände, die bisher hier geherrscht haben, noch länger ertragen? Werden sie sich weigern, die Ausmerzung der Corruption zur Streitfrage zu machen, während die ganze Welt auf uns blickt, um zu sehen, ob wir Missourier Männer oder Memmen sind?" Zugleich kündigt. Folk an, daß er mit den noch in der Schwebe befind- f lichen Budlerprozessen rüstig und unentmuthigt fortfahren werde. Jedenfalls bleibt ihm der Trost, Hunderttausende in allen Landestheilen zur Wachsamkeit gegen das scheußliche Budlerthum aufgerüttelt und sich, dem kaum vierunddreißigjährigen Joseph Wingate Folk, einen ruhmvollen nationalen Namen gemacht zu haben.

Die Frau eines Architekten in Bremen wollte sich von ihrem Manne scheiden lassen, und bot deshalb einer anderen Frauensperson Gelegenheit zum Stelldichein mit ihrem Manne. Dafür hat das Landgericht die Ehefrau wegen Kuppelei zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt. Die Revision, in der die Frau behauptete, sie hatte nicht materiellen, sondern nur ethischen Vortheil erstrebt, verwarf das ReichsGericht. Bei denProzeßverhandlungen in Kischinew wird derAusschluß der Öffentlichkeit so streng durchgeführt, daß sämmtliche Berichterstatter der Odessaer Blätter wieder abgereist sind.

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